Ein Sommer zwischen Plattenbau und Freibad. Während andere verreisen, teilen die zwölfjährige Henri und ihre beste Freundin Mo eine Tube Sonnenmilch und tauschen heimlich Blicke. Mit einer Erlaubnis für die Erwachsenenabteilung der Bücherei tragen sie stapelweise Bücher nach Hause, Mo liest Kafka, Henri liest Stephen King. Aus Nachmittagen in stiller Vertrautheit auf der Liegewiese oder dem Hochhausdach wird in den kommenden Sommern eine Liebe, die sie beide trägt, während anderes wankt und bricht. Denn Henris Vater macht ihnen Sorgen. Eigentlich ist er lustig und fürsorglich – er, der Swing tanzende Polizist, der morgens seine Depeche-Mode-Kassette hört und Henri durch die Haare wuschelt. Nun verhält er sich rätselhaft, verwüstet den eigenen Schrebergarten, irgendetwas hat ihn im Griff. Henri flieht in die Euphorie der ersten großen Liebe – und sie schreibt. Geschichten voller Geister, um Worte dafür zu finden, was mit der Familie passiert. Und um den Vater zu retten.
Palastplatte ist ein intensiver, kluger und zutiefst berührender Roman über die Liebe und die Geister, die niemand ruft und die einen trotzdem begleiten.
Pluspunkte dafür, dass ich es in dem allerschönsten feministischen Buchladen in Wien gekauft habe <3 Es wurde mir von der Verkäuferin empfohlen und nach ihrer Beschreibung habe ich mir ein bisschen mehr Liebesgeschichte und etwas weniger Familiendrama erhofft, aber hat ja nichts mit dem Buch zu tun. Ich habs heute fast an einem Stück gelesen, was ich sonst fast nie mache, deshalb hat das vielleicht dazu beigetragen dass ich es sehr schnell erzählt fand. Mir hat die erste Hälfte am besten gefallen und ich hätte noch länger in dieser kindlichen Erzählung verbringen können. Die großen Zeitsprünge wie gesagt recht abrupt für mich. Trotzdem Empfehlung, sehr schöne Sprache, viele Gefühle, toll
Den ganzen Sommer über hatte ich ihr mit Stephen King in den Ohren gelegen. Und sie begeisterte sich für Sylvia Plath. Ich war am Ende.“ (S. 15) ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Henri liebt Mo. Jeden Sommer, immer wieder, durchgängig. Aber Henri hat auch viele Sorgen, denn jeden Sommer verändert sich auch ihr Vater immer mehr. Um damit umzugehen, fängt sie an, Geistergeschichten zu schreiben und diese mit Mo zu besprechen. Und Mo schafft es immer, zwischen den Zeilen zu lesen. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Die Leser*innen begleiten Mo und Henri über viele Jahre, erzählt wird die Geschichte durch die schreibende Henri. Ihre Definition von „normal“ ändert sich beinahe täglich und zwischen Büchern, Mo und ihren Eltern wird sie erwachsen. Sie entwächst der „Palastplatte“, wie Mo und Henri ihre Hochhaussiedlung liebevoll nennen, und muss sich zurechtfinden in einer Welt, in der es kein „normal“ mehr für sie gibt. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ „Palastplatte“ startet wie eine unschuldige Sommerlektüre mit Freibad-Pommes-Vibes und entwickelt sich zu einem tiefgründigen Roman, der eine psychische Krankheit thematisiert. Dieses wunderschöne Buch war ein absolutes Jahreshighlight für mich! Es steckt so viel Liebe in diesen Zeilen, die Sprache und die liebenswerten Figuren haben mich sehr begeistert. Es gibt außerdem viele Deutungsebenen, weil nicht nur eine queere Liebes- und Lebensgeschichte erzählt wird, sondern auch die Liebe zur Literatur mehrmals im Fokus steht. Ich habe mir sehr viele Zitate markiert. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Für mich definitiv ein Must-Read! Toll war auch der Buchklub vom Schöffling Verlag, „Zwischen den Seiten“, in dem wir uns wunderbar zur Lektüre austauschen konnten. Wirklich toll und sehr empfehlenswert! ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Jahreshighlight! 5/5 ⭐️
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Rezensionsexemplar I Vielen Dank, lieber @schoefflingverlag 🩵
Zart und feinfühlig erzählt »Palastplatte« von der ersten Liebe, vom Aufwachsen mit einem psychisch erkrankten Vater und von einem Sommer, der das Leben verändert. Ein Buch, mit dem ich Pommes essend im Schwimmbad sitzen möchte!
Ich habe mich beim Lesen gefragt, warum manche Bücher über das Aufwachsen so viel lauter sind als andere. Wenn ich Wolfgang Herrndorfs Tschick lese, spüre ich den Fahrtwind und die Rebellion. Bei Jan Weilers Markisenmann ist es eher das Gewicht von etwas Altem, das lange im Verborgenen lag.
Mara Florens Palastplatte besetzt für mich noch einmal eine ganz andere Ecke in diesem Dreieck. Dieser Roman ist leiser, dunkler und auf eine stille Art unheimlich. Hier bricht nichts spektakulär auf. Stattdessen zieht etwas Fremdes langsam in den Alltag ein.
Was mich daran besonders gepackt hat, war das Motiv der Geister. Anfangs könnte man sie noch als kindliche Form der Bewältigung lesen, als Versuch, dem Verstummen des Vaters und dem Schweigen der Mutter überhaupt eine Gestalt zu geben. Aber der Roman ist klüger als so eine schnelle Einordnung. Er lässt diese Bilder nicht in der Kindheit zurück. Sie wachsen mit. Sie verändern sich, aber sie verschwinden nicht. Genau das fand ich stark.
Für mich ist das eine überraschende und ungewöhnliche Art, über psychische Krankheit in einer Familie zu schreiben. Über Angst. Über Sprachlosigkeit. Über das Gefühl, dass etwas in einem Haus anwesend ist, ohne je richtig benannt zu werden. Dass der Vater für Henriette schon zu einem Geist wird, während er noch lebt, ist ein trauriger und sehr treffender Gedanke. Und auch die Mutter hat mich beschäftigt. Gerade weil sie nicht laut handelt, sondern durch ihr Schweigen noch mehr Unsicherheit entstehen lässt.
Sehr gut gefallen hat mir auch, wie eng der Roman den inneren Zustand der Figuren mit dem Ort verbindet. Diese Hochhaussiedlung, dieser Beton, diese Enge, all das ist hier nicht bloß Hintergrund. Man spürt, warum Henri sich eine eigene Mythologie erschafft. Nicht aus Laune, sondern weil sie etwas braucht, das größer ist als das Schweigen um sie herum.
Und dann ist da Mo. Für mich ist sie einer der wichtigsten Gegenpole in dieser Geschichte. Nicht, weil sie alles heilt. Das wäre zu einfach. Aber weil sie Henri eine andere Möglichkeit zeigt, in der Welt zu sein. Weniger ausgeliefert. Weniger erstarrt. Gerade dadurch wird sie so wichtig.
Auch sprachlich mochte ich vieles. Diese harten, kantigen Begriffe wie Palastplatte oder Kronsaal. Diese leicht spröde Melancholie. Das alles passt sehr gut zu diesem Roman. Nichts daran will sich anbiedern, und gerade das hat mir gefallen.
Besonders stark fand ich, dass Floren Henris Geschichte nicht dort enden lässt, wo viele Coming-of-Age-Romane aufhören würden. Der Roman geht weiter. Und genau dadurch wird sichtbar, dass man die Gespenster der Kindheit eben nicht einfach hinter sich lässt. Man trägt sie mit. Vielleicht nicht immer gleich schwer, aber doch lange.
Mich hat Palastplatte genau deshalb berührt. Weil der Roman nichts glatt auflöst und trotzdem nicht trostlos ist. Er nimmt ernst, dass manche Gespenster bleiben. Aber auch, dass man lernen kann, mit ihnen zu leben.
Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an abgeholt – es liest sich unglaublich flüssig und ich war direkt mitten in der Geschichte.
Besonders die Hauptprotagonistin hat es mir total angetan. Sie wirkt so nahbar, offen und echt, dass ich mich sofort mit ihr verbunden gefühlt habe. Die Geschichte wird unverblümt, sehr ehrlich und emotional erzählt, ohne dabei schwer zu wirken.
Trotz der teilweise schwierigen Themen hatte das Buch für mich eine gewisse Leichtigkeit, die das Lesen richtig angenehm gemacht hat.
Auch die Einbindung der chinesischen Kultur und der Geister fand ich unglaublich gelungen, denn das hat der Geschichte für mich etwas ganz Besonderes gegeben.
Für mich ist es eine wunderschöne Geschichte über Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt. 💛 Am Ende hätte ich mir einfach noch ein paar mehr Seiten gewünscht, nur um noch länger in der Geschichte zu bleiben – aber das ist wirklich mein einziger Kritikpunkt. Absolute Leseempfehlung!
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Verwebung von persönlichen Problemen, Alltag und Liebe waren super und vor allem die Beschreibungen der zarten Gefühle haben mir sehr gut gefallen.