Xaver Bayer ist nicht dafür bekannt, Erwartungen zu erfüllen. Zwanzig Jahre hat er uns warten lassen auf diesen Roman, und jetzt ist er da – und fällt völlig aus der Zeit. Hauch ist ein Briefroman, was darin passiert, steht in und zwischen den Zeilen, die einander zwei schreiben. Veit ist Schriftsteller, Dora Übersetzerin, sie haben die Abmachung getroffen, einander ein Jahr lang nicht zu sehen. Wir erfahren nicht, warum, es ist ein Spiel, ein Experiment. Dora lebt in der Stadt und fühlt sich den Zumutungen unserer Zeit zunehmend schutzlos ausgesetzt, Veit bezieht seinen Posten in einem alten Bauernhof am Land, streift durch die verlassene Gegend, beobachtet die Vögel, die Bäume, den Wind. Beide betrachten die Gegenwart, ohne sie zu teilen, beide üben den Rückzug, jeder auf seine Weise. Die Entfernung zwischen den beiden ist nicht groß, aber sie bleibt auch nicht gleich. Sie wächst, wie die Sehnsucht nach einem anderen Leben.
Nach dem Studium der Philosophie und Germanistik arbeitet er als Schriftsteller in Wien. --------------------- After studying philosophy and german philology he works as a writer in Vienna.
Eigentlich bin ich kein Fan von Briefromanen, aber die Prosa von Xaver Bayer interessiert mich, seit er mit einem Erzählungsband den Österreichischen Buchpreis gewann.
Dora und Veit schreiben sich Briefe, dabei spielt Stadt versus Landleben eine Rolle. Einerseits Lärm und Gedränge, andererseits Stille und Abgeschiedenheit. Dieser Aspekt ist dann aber nicht so entscheidend, schliesslich ist Veit kein Bauer. Er ist Schriftsteller und sucht die Ruhe, wobei er auch die Kraft der Natur spürt. Gegenwartsverdossenheit ist bei beiden zu spüren. Intensiv berichten sie sich gegenseitig ihre Befindlichkeiten und Träume. Xaver Bayer gelingt es, die Verbundenheit der beiden trotz räumlicher Trennung zu zeigen.