Ein erschreckend realistischer Thriller – relevant, dramatisch, wahr
Nach einer verheerenden Pandemie ist die Welt nicht Massenarbeitslosigkeit und Armut haben das demokratische Gleichgewicht gekippt, marodierende Banden beherrschen die Straßen der großen Stadt. Colin Lowe, einer der reichsten Unternehmer des Landes, rettet sich mit seiner Familie auf die Insel der Ratten. Derweil wütet sein Sohn Brad mit seiner Bande auf dem Festland und verschont nicht einmal Colins engsten Freund Will. Als er dessen Tochter Amy bei einem Überfall in seine Gewalt bringt, sinnt Will auf Rache. Sein Feldzug führt ihn auf das Dach eines Hochhauses, Schauplatz eines gnadenlosen Countdowns auf Leben und Tod. Dieses Hörbuch hat das Potential wie »Herr der Fliegen« oder »Farm der Tiere« zu ihrer Zeit.
Jo Nesbø is a bestselling Norwegian author and musician. He was born in Oslo and grew up in Molde. Nesbø graduated from the Norwegian School of Economics with a degree in economics. Nesbø is primarily famous for his crime novels about Detective Harry Hole, but he is also the main vocals and songwriter for the Norwegian rock band Di Derre. In 2007 Nesbø also released his first children's book, Doktor Proktors Prompepulver.
Ich liebe die Bücher von Jo Nesbo. Dieses Buch hat mich positive űberrascht.Das schnellste Buch was ich dieses Jahr gelesen habe, wollte einfach das Ende wissen.😅👍
Nach einer verheerenden Pandemie ist die Gesellschaft, wie wir sie kennen, endgültig zerbrochen. Recht und Ordnung existieren kaum noch, stattdessen bestimmen Gewalt, Angst und das Recht des Stärkeren den Alltag. Während sich der einflussreiche Unternehmer Colin mit seiner Familie in Sicherheit bringt, kämpft sein langjähriger Freund Will ums Überleben. Als persönliche Schicksalsschläge die ohnehin aus den Fugen geratene Welt endgültig eskalieren lassen, beginnt ein erbarmungsloser Rachefeldzug, bei dem immer wieder die Frage aufkommt, wie weit ein Mensch gehen darf, um seine Familie zu schützen.
Bereits zu Beginn war klar, dass mich hier keine einfache Geschichte erwartet. Jo Nesbø entwirft ein bedrückendes Szenario, das erschreckend glaubwürdig wirkt und zeigt, wie schnell gesellschaftliche Strukturen zusammenbrechen können, wenn Angst und Verzweiflung die Oberhand gewinnen. Die Atmosphäre ist durchgehend düster und vermittelt eindrucksvoll das Gefühl, dass Hoffnung zu einem seltenen Gut geworden ist.
Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Will und Yvonne erzählt. Gerade dieser Wechsel hat mir gut gefallen, weil dadurch unterschiedliche Blickwinkel auf denselben Konflikt entstehen. Wills Gedanken und Entscheidungen konnte ich gut nachvollziehen, gleichzeitig sorgt Yvonnes Perspektive dafür, dass man die Gegenseite nicht nur als eindimensionale Gegner wahrnimmt. In einer Welt, in der das tägliche Überleben im Mittelpunkt steht, verschwimmen die Grenzen zwischen richtig und falsch zunehmend. Viele Figuren handeln nicht aus Bosheit, sondern weil sie keinen anderen Ausweg mehr sehen oder sich an die neuen Gegebenheiten angepasst haben.
Besonders interessant fand ich, dass das Buch den Leser immer wieder dazu bringt, über die Entscheidungen der Figuren nachzudenken. Was passiert, wenn niemand mehr für Gerechtigkeit sorgt? Wann wird aus Vergeltung bloße Rache? Und wie weit würde man selbst gehen, wenn das Leben der eigenen Familie auf dem Spiel steht? Gerade diese Gedankenspiele haben für mich einen großen Teil der Spannung ausgemacht.
Mein einziger kleiner Kritikpunkt betrifft die Figurenzeichnung. Durch den recht geringen Umfang bleibt leider nicht genügend Platz, um alle Charaktere ausführlicher kennenzulernen. Von Jo Nesbø bin ich eigentlich komplexere und vielschichtigere Figuren gewohnt, weshalb ich mir hier etwas mehr Tiefe gewünscht hätte.
nsgesamt hat mich Insel der Ratten trotz der Kürze überzeugt. Die Geschichte lebt weniger von spektakulären Wendungen als von ihrer beklemmenden Stimmung und den Fragen, die sie aufwirft. Sie zeigt eindrucksvoll, wie schmal der Grat zwischen Menschlichkeit und bloßem Überleben sein kann und lädt dazu ein, noch lange nach dem Ende über das Gelesene nachzudenken.
Vielen Dank an NetGalley und den Hörbuch Hamburg Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst!
Die Geschichte entwickelte sich anders als ich zuerst gedacht hatte, dennoch konnte sie mich mit der Zeit für sich einnehmen. Unten im Text lasse ich dich wissen warum das so war.
Meine Meinung zur Geschichte: Es ist schon ein paar Jahre her als ich es das letzte Mal mit einem Werk von Jo Nesbø versucht habe. Damals konnte mich das Buch nicht packen. Mit »Insel der Ratten« wagte ich einen neuen Versuch und muss schreiben, dass ich positiv überrascht wurde. Der Erzählstil des Autors war direkt und unverblümt.
Er beschrieb die Geschehnisse mit klaren Worten und ließ mich Anteil an seiner Welt haben. In der Geschichte leben die Protagonsitinnen und Protagonisten in einem dystopischen Setting. Durch eine folgenschwere Pandemie versank ihre Heimatstadt mit jedem Tag mehr in Chaos und Anarchie. Die Handlung wurde über zwei Stränge aus der Sicht zweier Protagonisten erzählt – Will und Yvonne.
Der Aufbau verwirrte mich einige Zeit, denn ich fragte mich wie Will sich an dem bestimmten Ort befinden konnte, wenn doch so viel schreckliches wegen dieser Person geschehen war. Durch Flashbacks sowohl von ihm als auch von Yvonne tauchte ich richtig ein. Nach und nach wurde durch die Beiden geschildert, was Will dorthin geführt hat. Zudem erfuhr ich, was ihre Leben mit Collin Lowe tun hatten. Jenem Mann der im Klappentext so präsent erwähnt wird. Jeglicher Faden wurde bis zum Ende aufgelöst und alle Fakten miteinander verbunden.
Heftige körperliche Gewalt, Misshandlungen und Tod waren Teil des Geschehens. Wenn man das Hörbuch hören will, sollte man starke Nerven für diese Themen haben. Rachedurst, Wut und Verzweiflung gehörten ebenfalls dazu. Manche Szenen waren sehr brutal, doch verdeutlichten sie wie grausam der Mensch werden kann. Die Ereignisse wurden beängstigend echt dargestellt. Tatsächlich wäre es nicht unmöglich, dass sowas in der Realität wirklich passieren konnte.
Die letzten Kapitel waren von besonderer Spannung, da sie auch von den Gewisssenskonflikten Wills erzählten. Yvonne und ihm gelang es mich mit ihren Taten in diesem Abschnitt zu überraschen, da ich mit den Wendungen nicht gerechnet hatte. Es hat mich erstaunt, wozu die Beiden fähig waren, hatte ich doch einen anderen Eindruck von ihnen erhalten. Collin Lowe und sein Sohn Brad hatten im Verlauf eine große Wut und ein wenig Hass in mir geweckt.
Die Fragen, was Gerechtigkeit ist und was nicht und ob Selbstjustiz in Ordnung ist, waren enorm schwer zu beantworten. Das Ende fand ich gut gelungen, da es das Hörbuch nach all den Geschehnissen stimmig abschloss.
Meine Meinung zur Sprecherin und dem Sprecher: Oliver Siebeck ist ein herausragener Sprecher, den ich zum ersten Mal im Hörbuch »Der letzte Wunsch« von Andrzej Sapkowski erlebte. Sein Vorlesen war äußerst eindrücklich, da er sich gekonnt in den Protagonisten Will hineinversetzt hatte. Für die Hörzeit wurde er für mich in meinen Gedanken zu dieser Figur. Jenny Laura Bischoff war mir bis dato noch unbekannt. Sie hat eine angenehme Stimme, der ich sehr gerne zuhörte und dich mich in die Gedankenwelt von Protagonistin Yvonne hineinzog. Ich mochte ihr gefühlvolles Vorlesen und die Art, wie sie die Emotionen der Figur zum Leben erweckte.
Mein Fazit: Der Thriller war weitaus spannender als erwartet und war trotz seiner Kürze unterhaltsam. Durch den Anfang war ich zuerst verwirrt, doch legte sich das rasch. Dem Autor Jo Nesbø gelang ist in einem dystopischen und sehr blutigen Setting eine solide Geschichte aufzubauen. Oliver Siebeck und Jenny Laura Bischoff erweckten mit ihren Stimmen Will und Yvonne zum Leben, aus deren Sichten die Handlung beschrieben wurde. Blut, Gewalt und Tod waren finstere Wegbegleiter, doch blieb ein kleiner Funken Hoffnung bestehen. In den letzten Kapiteln wurde ich von beiden Protagonisten überrascht, da sie anders handelten als erwartet. Zudem stellte sich heraus, dass doch ein tiefsinniger Aspekt in der Geschichte zu finden war.
Ich vergebe 4 von 5 möglichen Sternen!
Der Hörbuch-Download wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!
Eine Pandemie hat die menschliche Gesellschaft an den Rand des Zerfalls gebracht. Das Recht des Stärkeren regiert immer mehr. Die Schulfreunde Colin (ein superreicher Unternehmer) und Will (sein Anwalt) müssen sich und ihre Familien in diesen finsteren Zeiten schützen. Auf welche Weise sie das tun und wie skrupellos sie dabei vorgehen, kann über Leben und Tod entscheiden.
So fand ich’s:
„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ heißt es in Bertold Brechts Dreigroschenoper.
Anwalt Will versucht, sich auch in einer Zukunft an Gerechtigkeit und das Justizsystem zu klammern, in der Polizei und Gerichte immer unwichtiger werden, weil sie die Gesetze nicht mehr durchsetzen können. Banden ziehen durch die Gegend und nehmen sich, was sie wollen. Wer Werte wie Ethik, Gesetzestreue und Nächstenliebe leben will, bringt sich in eine schwache Position und wird mit großer Wahrscheinlichkeit Opfer werden. Und Will muss sich die Frage stellen, ob er sich den Luxus der Moral überhaupt noch leisten kann, als seine eigene Familie angegriffen wird – ausgerechnet von Brad, dem Sohn seines Freundes Colin, der sich zum Boss einer Verbrecherbande aufgeschwungen hat.
Erzählt wird aus der Perspektive von Will und Brads rechter Hand Yvonne, die sich geschickt dabei abwechseln, uns den Verlauf der Dinge miterleben zu lassen. Wie es zu der Lage kommt, in der sich die Bewohner einer US-Großstadt an der Küste befinden – oder vielleicht sogar die ganze Welt – wird nicht erklärt. Wir steigen ein an dem Punkt, als der Verfall der Werte schon einige Zeit im Gange ist und selbst als die eigentliche Pandemie vorbei zu sein scheint, die Folgen dazu geführt haben, dass die Wirtschaft kollabierte und die Zivilgesellschaft sich selbst überlassen wurde.
Ich lese sehr gerne Dystopien und mochte das Szenario sofort. Ich fand Wills Zwiespalt spannend und durch Yvonnes Perspektive wird auch klar, dass selbst die Bösen nicht durch und durch böse sind, sondern oft genug nur dumm, hilflos oder gutgläubig.
In Jo Nesbøs Büchern kommt man eigentlich immer an einen Punkt, an dem man sich für sich selbst in so einer Situation wünscht, man würde stehenbleiben und umkehren. Doch Nesbøs Figuren gehen weiter. Genau ab diesem Punkt werden Nesbøs Geschichten einzigartig und ich liebe es sehr, vom sicheren Sofa aus in diese Abgründe zu blicken.
Aus dem Originaltitel “Rotteøya og andre fortellinger” erahne ich auch ohne Norwegischkenntnisse, dass es neben der “Insel der Ratten” noch andere Geschichten gibt. Die wurden offensichtlich nicht mit übersetzt, sondern nur diese eine in einem Hardcover auf Deutsch herausgebracht. Deshalb hat das Buch auch nur gut 200 Seiten. Die Geschichte der Ratteninsel ist in diesem Format ohne Hast auserzählt, mehr gibt es zu dieser tollen Geschichte nicht zu sagen. Dass die anderen Geschichten nicht ebenfalls übersetzt wurden (und den satten Preis damit eher gerechtfertigt hätten) fand ich sehr schade. Die Geschichte an sich kann für diese Entscheidung aber nichts.
Ich fand die düstere Endzeitstimmung super rübergebracht, den Kampf um Wohl und Wehe der eigenen Familie oder der Ersatzfamilie Verbrechergang absolut nachvollziehbar und in deutlichen Worten ungeschminkt erzählt, das moralische Dilemma interessant und das Ende einfach grandios. Deshalb gibt es ungeachtet der Vermarktung der Geschichte eine begeisterte Leseempfehlung von mir.
**Darum wollte ich es lesen:** Der unverwechselbare Schreibstil von Jo Nesbø spielte vorab eine große Rolle. Schon beim Lesen der Leseprobe ließ mich der Gedanke um diese beklemmende gesellschaftliche Konstellation auf dem Hochhausdach nicht mehr los. Ich wusste sofort: Diese Neugier kann ich nicht mehr abstellen!
**Worum es geht:**
* Eine Pandemie zerstört die Gesellschaft. * Eliten flüchten auf Hochhausdächer. * Auf den Straßen herrscht Chaos. * Wer wird am Ende übrig bleiben?
**Das Cover:** Das Coverbild ist alles andere als schön anzusehen. Es erinnert an ein großflächiges Feuer, gestaltet wie kleine, lodernde Flammen. Es spielt meisterhaft mit Neugier und Panik. Das durch das Dunkel herausleuchtende Augenpaar ist extrem präsent, ohne dass die Gefahr näher erklärt wird. Ein wirklich beklemmender, unheimlicher Anblick.
**Der Hintergrund zur Story:** Eine Frage musste ich vorab für mich klären: Wer Nesbøs Werke kennt, weiß, dass er meist sehr ausführlich und ohne Seitenbegrenzung erzählt. Warum hat er also diese kurze Story geschrieben und sein bekanntes Muster verlassen? Meine Recherche zeigte: „Insel der Ratten“ ist im Original eine von fünf Geschichten aus dem 2021 veröffentlichten Band *„Rotteøya og andre fortellinger“*. Der Autor sah sich während der Corona-Pandemie mit der Zerbrechlichkeit unserer Gesellschaft und den damit verbundenen Gefahren konfrontiert. So entstanden fünf Kurzgeschichten mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten.
**Mein Leseerlebnis:** Der Einstieg fühlt sich an wie ein Kopfsprung direkt in einen kühlen, dunklen See. Du siehst den Boden nicht, springst trotzdem und findest dich plötzlich inmitten einer algigen Umgebung wieder. Genauso erging es mir hier. Ich konnte das Entsetzen der Charaktere förmlich spüren und meine eigenen Gedanken verselbstständigten sich: Wie würde ich in dieser Situation reagieren? Zu welcher Gruppe würde ich mich hingezogen fühlen? Nach welchen Kriterien würde ich meine Schritte leiten und meine Entscheidungen fällen?
Mit erschreckender Klarheit zeichnet der Autor die entsetzlichen Möglichkeiten des gesellschaftlichen Zerfalls. Ich spüre die Atemlosigkeit, hervorgebracht durch die kompromisslosen neuen Regeln dieser harten Zeit. Es ist eine Welt, in der es Mitmenschlichkeit so nicht mehr zu geben scheint. Die Moral ist für immer gestorben, untrennbar verbunden mit der schwindenden Hoffnung für die, die ich liebe.
**Fazit:** Eine gelungene Dystopie, die keine Fragezeichen übriglässt, sondern kompromisslos alles wirklich Menschliche aufzehrt. Jo Nesbø hat mir hiermit eine völlig neue Qualität dieser Art von Geschichten eröffnet. Ich wäre seinen Protagonisten gern noch länger gefolgt, obwohl er auch in der Kürze alle meine Fragen an mich selbst und an die Erzählung vollkommen stillen konnte. Ein Buch, das mich an meine ureigenen Gedanken zu Fairness, Menschlichkeit und Moral geführt und mich diesen Fragen schonungslos ausgesetzt hat. Eine meisterhafte Kurz-Dystopie, bei der sich mir die Nackenhaare aufgestellt haben und die – obgleich fiktiv – so viele echte Möglichkeiten offenlegt.
Ich vergebe ausgezeichnete **5 Lesesterne** und empfehle diese Lektüre allen Genre-Fans, aber ausdrücklich auch an weiterführende Schulen für Leserunden mit Diskussionen. Dieses Buch hat definitiv das Potenzial, seine Leser tief im Inneren zu berühren und das individuelle Nachdenken anzufeuern.
Jo Nesbø wirft uns mit "Insel der Ratten" ohne Vorwarnung mitten ins Chaos. Statt den Untergang der Gesellschaft mitzuerleben, landen wir in einer Welt, in der Moral, Recht und Menschlichkeit längst auf der Strecke geblieben sind. Eine Pandemie hat alles verändert, marodierende Banden beherrschen die Straßen und jeder kämpft nur noch ums eigene Überleben. Erschreckend ist dabei vor allem, wie realistisch dieses Szenario wirkt. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre fühlt sich vieles beunruhigend nah an.
Besonders spannend fand ich die Erzählweise. Die Geschichte springt zwischen verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen hin und her, sodass sich das Gesamtbild erst nach und nach zusammensetzt. Anfangs muss man sich zwar etwas orientieren, doch genau dieses Puzzle sorgt dafür, dass man ständig weiterlesen möchte. Vor allem der Konflikt zwischen Will, der trotz allem noch an Recht und Gerechtigkeit glaubt, und Brad, dem skrupellosen Anführer der Bande "Chaos", entwickelt eine enorme Dynamik.
Atmosphärisch macht Jo Nesbø vieles richtig. Seine klare, direkte Sprache erzeugt eine bedrückende Endzeitstimmung, ohne sich in unnötigen Ausschmückungen zu verlieren. Besonders gelungen fand ich, dass vieles nur angedeutet wird und die eigene Fantasie den Rest erledigt. Das sorgt für einige wirklich beklemmende Momente.
Allerdings muss ich auch sagen, dass mir die Gewalt stellenweise deutlich zu viel war. Das Buch ist auf platte Weise brutal. Manche Szenen wirken weniger schockierend, weil sie wichtig für die Geschichte wären, sondern eher, weil sie möglichst verstören sollen. Das ist natürlich Geschmackssache, für mich überschreitet Nesbø hier aber hin und wieder die Grenze zum Reißerischen. Gerade weil die Grundidee so stark ist, hätte die Geschichte diese permanente Eskalation eigentlich gar nicht nötig gehabt.
Auch bei den Figuren blieb bei mir ein kleiner Kritikpunkt hängen. Obwohl Will und Yvonne interessante Ansätze mitbringen, bleiben sie insgesamt etwas zu distanziert. Ich hätte mir mehr Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle gewünscht, um ihre Entscheidungen noch besser nachvollziehen zu können. Gleichzeitig wird der Zusammenbruch der Gesellschaft eher als Tatsache präsentiert, statt ihn wirklich ausführlich zu beleuchten. Genau darin hätte für mich noch viel mehr Potenzial gesteckt.
Hinzu kommt, dass "Insel der Ratten" ursprünglich als Geschichte in einem Sammelband erschienen ist – und genau das merkt man leider. Mit etwas mehr Umfang hätten sowohl die Figuren als auch die gesellschaftlichen Entwicklungen deutlich mehr Tiefe bekommen. So liest sich das Buch zwar in einem Rutsch weg, hinterlässt aber auch das Gefühl, dass hier eigentlich Stoff für einen wesentlich größeren Roman vorhanden gewesen wäre.
Fazit: "Insel der Ratten" ist ein düsteres, beklemmendes und stellenweise erschreckend realistisches Endzeitszenario, das mit seiner besonderen Erzählstruktur und der bedrückenden Atmosphäre oft fesselt. Gleichzeitig leidet die Geschichte unter ihrer Kürze, oberflächlich gezeichneten Figuren und einer Gewalt, die für meinen Geschmack über das Ziel hinausschießt. Wer kompromisslose, harte Dystopien mag und sich an expliziten Gewaltszenen nicht stört, bekommt hier ein intensives Leseerlebnis. Wer sich dagegen einen klassischen, vielschichtigen Nesbø-Roman erhofft, sollte die Erwartungen etwas herunterschrauben.
Pandemie und der Verfall der Gesellschaft – ganz nett, aber nur bedingt spannend
Das Kurzbuch „Insel der Ratten“ von Jo Nesbø macht den Verfall der Gesellschaft aufgrund einer Pandemie zum Thema. Nichts Neues, bedingt spannend und etwas flach.
Um was geht es? Eine Pandemie greift um sich. Damit einher geht der Verfall der Gesellschaft. Brad, der Sohn des reichen Unternehmers Colin Lowe, schließt sich der marodierenden Bande „Chaos“ an und verbreitet dort als Anführer Angst und Schrecken. Dabei schreckt er auch nicht vor dem Geschäftspartner und Freund seines Vaters zurück: Will. Bei einem Überfall auf dessen Familie, entführt Brad Wills Tochter Amy, in die er schon lange unglücklich verliebt ist. Als Amy sich Brad verweigert, erschlägt er sie kurzerhand. Will schwört auf Rache und macht sich mit einer Bürgerwehr auf die Suche nach „Chaos“ und Brad, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen.
Das Buch ist aus Sicht zweier Protagonisten geschrieben. Da ist zum einen Will, Rechtsanwalt mit einem großen Gerechtigkeitssinn. Als absoluter Gutmensch gerät er nach dem Überfall auf seine Familie und dem Tod seiner Tochter Amy in einen persönlichen Zwiespalt aus Rachegelüsten, Gerechtigkeitsempfinden und verlockenden positiven Angeboten für seine „Restfamilie“. Parallel dazu lernen wir auch die Strukturen und Beweggründe von „Chaos“ aus Sicht der Vizeanführerin Yvonne kennen. Trotz ihres starken Zugehörigkeitsgefühls zur Bande, scheint sie doch noch einen Funken Gewissen zu besitzen und einen Hauch Unrechtsempfinden, insbesondere wenn es ihren Freunden an den Kragen geht. Sie hasst Verräter. Als Protagonistin nimmt sie allerdings hinter Will eine nachgeordnete Rolle ein. Mittels zahlreichen Nebencharaktere werden Spannungsfelder erzeugt und der Verfall der Gesellschaft und des Rechtssystems aufgezeigt.
Aber leider bleibt dies sehr oberflächlich und hier zeigt sich auch das Grundproblem des Buches. Die Länge. Die Charaktere bleiben allesamt oberflächlich und man kann sich nur bedingt in sie hineinversetzen. Im ganzen Buch steht die Brutalität im Vordergrund, aber der Niedergang der Systeme wird nur bedingt aufgezeigt. Die Story selbst ist eine typische Pandemie-Story, nichts wirklich Neues und mit wenig Tiefgang. Sie ist nett zu lesen, aber echte Spannung oder ein Gefühl für die Situation kommt kaum auf. Man merkt einfach deutlich, dass „Insel der Ratten“ ursprünglich eine Kurzgeschichte im Rahmen eines Sammelbandes war und deswegen auch nicht die gewohnte Tiefe und Spannung eines typischen Nesbø erreicht. Den Preis des Ullstein-Verlags für 208 Seiten eines Kurzbuchs, das bereits früher im Rahmen eines Sammelbands erschienen ist und dazu noch in der Verarbeitung zu wünschen übriglässt, finde ich persönlich befremdlich.
Fazit: Wer einen typischen, spannungsgeladenen Nesbø erwartet, wird hier leider enttäuscht werden. Es handelt sich um ein Kurzbuch, dass eine Pandemie und den Verfall der Gesellschaft zum Thema macht. Die Kernidee der Story ist nicht neu und aufgrund der Kürze des Buches bleiben die Charaktere oberflächlich und es kommt kaum Spannung auf. Das Buch ist ganz nett, aber auch nicht mehr. Preis-Leistung passt für mich leider überhaupt nicht. Sehr schade, da ich Jo Nesbø als Autor eigentlich sehr schätze.
Nach einer Pandemie herrscht Anarchie in den USA. In den Straßen bekriegen sich Banden und gehen auf alles los, was sich bewegt. Auf dem Dach eines Hochhaus warten die reichsten Menschen auf die Helikopter, die sie auf ein autarkes Schiff bringen sollen, wo sie die nächsten Jahre (luxuriös) überleben werden. Der Besitzer des Schiffes ist der Magnat Colin Lowe und er steht hier mit seinem ehemaligen besten Freund Will. Colins Sohn Brad ist der Anführer einer der schlimmsten Banden und er hat Wills Familie Schreckliches angetan. Auf diesem Dach stehen sich die beiden ehemaligen Freunde als Feinde gegenüber; ihre Werte und Weltanschauungen clashen in einer finalen Konfrontation gegeneinander ...
Die Geschichte selbst hat viel Potenzial und es ist auch nicht so, als könnte Nesbo nicht schreiben. Wie er das Ganze aufbaut und aus zwei Perspektiven - Wills und Yvonnes, Mitglied von Brads Gang mit Anflügen von Gewissen - erzählt, könnte ganz großes Kino sein und ist in sich auch spannend und gut zu lesen. Es gibt jedoch zwei Dinge, die ich kritisiere. Erstens: Er bleibt zu distanziert, arbeitet auch viel mit indirekten Reden und sagt vieles, ohne es zu zeigen. Gerade die Entwicklung der Welt bis zu diesem Zeitpunkt ist eine Art "Was bisher geschah". Klar, ist eigentlich eher eine Kurzgeschichte, aber das ist eine Baustelle, auf die ich noch eingehen werde.
Mein größter Kritikpunkt ist die Nonchalance, mit der Nesbo über sexuelle Gewalt und Gewalt an Frauen hinweggeht. Er benutzt es als Mittel zum Zweck, als Grund, dass der ach so rechtschaffende Will, der ja so sehr an Justitia glaubt, sich selbst aufmacht, um "Gerechtigkeit" auszuüben. Dabei wird keine Sekunde, kein Wort lang, nicht in einem einzigen Satz reflektiert, was es für die Frauen und Mädchen bedeutet, die er hier so nebensächlich den Wölfen vorwirft. Und dass Will ein liebender Vater ist, kann man ihm nicht abnehmen. Als er das Mädchen - seine Tochter - findet, agiert er in einer Weise, als hätte er den Einkaufszettel für den Wochenendeinkauf abgehakt. Da kommt nichts rüber, keine Trauer, kein Entsetzen, kein Bedauern, nichts. Aber Hauptsache, er liebt seine Frau zärtlich, der sexuelle Gewalt angetan wurde, nach einem Massaker an etwa dreißig Leuten. Alles klar. Keine Ahnung, was Nesbo sich dabei gedacht hat - in Bezug auf Frauen jedenfalls nichts.
Das zur Geschichte. Was mich ebenfalls ärgert - auch wenn es nicht direkt in die Bewertung einfließt - ist Folgendes: Auf der letzten Seite des Buches steht "Die Originalausgabe erschien 2021 in dem Sammelband "Rotteoya og andre fortellinger". Jetzt ist mein Norwegisch nicht das Beste, aber auch, wenn man sich "Ratteninsel und andere Erzählungen" nicht selbst zusammenreimen kann, ist doch der Begriff "Sammelband" eindeutig. Anstatt also ein ganzes Buch voller relativ kurzer Geschichten zu übersetzen, hat Ullstein eine einzige daraus entnommen, sie in knappe 200 Seiten in ein handgroßes Buch mit Pappeinband gepresst, verlangt dafür stolze 20 Euro und bezeichnet das Ganze als Hardcover. Besser kann man "Wir zocken mal so richtig mit einer kurzen Geschichte eines beliebten Autors ab" nicht in die Welt schreien.
Mit dem Buch „Insel der Ratten“ schafft der Autor Jo Nesbø ein dystopischen Nach-Pandemie Thriller, der schreckend aktuell und authentisch wirkt.
Die dystopische Welt die Nesbø hier schafft ist wirklich düster und auch gruselig. Nach einer Pandemie hat sich die Gesellschaft komplett verändert und Banden regieren die Straßen. Selbst die Polizei schützt sich selbst vor Überfällen, da sie Waffen besitzen und dies ein teures Gut bei den Banden auf der Straße ist. Wir lesen aus verschiedenen Sichten und merken, dass nicht jeder unbedingt freiwillig bei diesen Gangs mitmacht, sondern es auch ein Weg ist zu überleben, wenn auch ein sehr gefährlicher. Die Insel der Ratten ist eine Insel, die wie eine kleine eigene funktioniere Stadt aufgebaut wurde und dem reichen Unternehmer Colin Lowe mit seiner Familie Zuflucht bietet. Natürlich ist diese Insel nicht für die Allgemeinheit geöffnet.
Aus der Sicht von Will, treffen wir auf Brad, den Sohn von Colin Lowe, der mit seiner Bande wohl sein eigenes Imperium aufbauen möchte. Doch nachdem Wills Tochter Amy entführt worden ist, will Will sie natürlich zurückholen und verfolgt Brads Gang. Es kommt immer wieder zu Kämpfen, Toten und Verletzten, dies macht die Geschichte immer wieder düster und auch authentisch. Ich fand nichts übertrieben, sondern nur brutal ehrlich. Jo Nesbø beschönigt nichts, sondern erklärt und schreibt die Dinge wie sie sind. Dies hinterlässt immer wieder Gänsehaut und doch will man immer weiter lesen.
Es ist erschreckend, dass man sich überhaupt nicht sicher sein kann. Sobald jemand bemerkt, dass man ein etwas teures zum Überleben hat, wie zum Beispiel einen Stromgenerator, gerät man in das Visier dieser Banden. Also selbst wenn man denkt, man ist sicher und kann überleben in dieser kaputten Gesellschaft, wird einen bewusst, wie wenig man sich tatsächlich vorbereiten kann.
Der Showdown am Ende wurde gut beschrieben und die Handlung hat sich immer wieder zugespitzt. Es war insgesamt ein wirklich packender Thriller, den ich so noch nicht gelesen habe. Die Print-Variente hat 208 Seiten und das Hörbuch eine Länge von 4 Stunden und 23 Minuten. Die beiden Sprecher Oliver Siebeck und Jenny Laura Bischof konnten die Stimmung und Atmosphäre der Charaktere und der Handlung wirklich gut einfangen und wiedergeben. Ich fand die Betonungen wirklich gut und gerade auch die Stimme von Oliver Siebeck hat gut zu Will gepasst.
Ich habe noch nicht viele Bücher von Jo Nesbø gelesen und doch konnte mich dieser Thriller wieder abholen. Dadurch wurde ich überzeugt mir mehr Bücher von dem Autor anzuschauen und kann für dieses Buch auf jeden Fall eine Leseempfehlung aussprechen.
🐀 Düster, verstörend und erschreckend nah an der Realität
Dieses Buch war anders, als ich es erwartet hatte – düsterer, beklemmender und gleichzeitig erschreckend faszinierend. Jo Nesbø zeigt hier einmal mehr, wie meisterhaft er menschliche Abgründe darstellen kann. Statt eines klassischen Thrillers erwartet einen eine Sammlung von Geschichten, die nachdenklich machen, verstören und oft noch lange nach dem Lesen im Kopf bleiben. 🖤
Schon nach den ersten Seiten war klar: Das wird keine leichte Lektüre. Die Geschichten spielen mit Ängsten, gesellschaftlichen Entwicklungen und den dunklen Seiten der menschlichen Natur. Vieles wirkt überzeichnet und gleichzeitig beunruhigend real. Genau diese Mischung hat mich immer wieder gefesselt. 🌑✨
Besonders beeindruckt hat mich, wie unterschiedlich die einzelnen Geschichten sind. Mal stehen dystopische Zukunftsvisionen im Mittelpunkt, mal psychologische Abgründe oder moralische Entscheidungen. Dennoch verbindet sie alle dieses unangenehme Gefühl, dass hinter der nächsten Seite etwas wartet, das man vielleicht lieber gar nicht wissen möchte. 😳
Jo Nesbø schafft es, mit wenigen Worten eine intensive Atmosphäre aufzubauen. Viele Szenen wirkten auf mich fast filmisch. Man spürt die Spannung, die Verzweiflung und manchmal auch die Hoffnungslosigkeit der Figuren förmlich zwischen den Zeilen. 💭
Was mir besonders gefallen hat, war die Gesellschaftskritik, die immer wieder mitschwingt. Hinter den Geschichten verbergen sich Fragen über Macht, Gier, Überleben und Menschlichkeit. Dadurch sind sie weit mehr als reine Spannungsliteratur. 🔥
Allerdings muss ich auch sagen, dass mir manche Geschichten deutlich besser gefallen haben als andere. Einige haben mich komplett mitgerissen und sprachlos zurückgelassen, während andere etwas weniger Eindruck bei mir hinterlassen haben. Genau deshalb reicht es für mich nicht ganz für die volle Punktzahl. 💫
Trotzdem hatte jede Geschichte etwas Interessantes an sich und zusammen ergeben sie ein eindrucksvolles Gesamtbild. Wer düstere Erzählungen mit Tiefgang mag und gerne über das Gelesene nachdenkt, wird hier definitiv fündig. 🖤
Für mich ist Insel der Ratten eine Sammlung über
🐀 menschliche Abgründe 🌑 Angst und Überleben 🔥 Macht und Moral 💔 Hoffnung und Verzweiflung 🖤 und die Frage, was Menschen in Extremsituationen wirklich ausmacht
Nicht jede Geschichte hat mich gleichermaßen begeistert, aber insgesamt war es eine intensive, beklemmende und sehr spannende Leseerfahrung.
Zwischen Rache und Gerechtigkeit Mit „Insel der Ratten“ beweist Jo Nesbø, dass er nicht nur packende Krimis schreiben kann, sondern auch düstere Zukunftsszenarien. Der Roman entwirft das Bild einer Welt, die nach einer verheerenden Pandemie aus den Fugen geraten ist. Während sich die Wohlhabenden in Sicherheit bringen können, kämpfen die Zurückgebliebenen ums nackte Überleben. Gewalt, Angst und Misstrauen bestimmen den Alltag.
Im Mittelpunkt stehen zwei ehemalige Freunde, deren Wege sich unter dramatischen Umständen trennen. Als Brads Gang Wills Familie ins Visier nimmt und seine Tochter Amy verschwindet, bleibt Will keine andere Wahl, als selbst nach ihr zu suchen. Daraus entwickelt sich eine spannende Geschichte, die weit mehr ist als ein klassischer Thriller.
Besonders gelungen fand ich die moralischen Fragen, die sich durch das gesamte Buch ziehen. Immer wieder steht die Frage im Raum, ob man in einer Welt ohne funktionierende Ordnung noch auf Gerechtigkeit hoffen kann oder ob am Ende nur die Selbstjustiz bleibt. Genau diese Konflikte verleihen der Handlung eine zusätzliche Tiefe und machen die Geschichte so interessant.
Die dystopische Welt wirkt dabei erschreckend glaubwürdig. Nesbø zeigt, wie schnell gesellschaftliche Regeln zerbrechen können und wie unterschiedlich Menschen auf Krisen reagieren. Dabei verzichtet er auf übertriebene Action und konzentriert sich stattdessen auf die Figuren und ihre Entscheidungen.
Auch die Atmosphäre hat mich überzeugt. Die Handlung ist düster, beklemmend und oft unangenehm realistisch. Gleichzeitig bleibt die Geschichte durchgehend spannend und kommt ohne unnötige Längen aus. Auf vergleichsweise wenigen Seiten entsteht eine intensive Geschichte über Schuld, Verantwortung, Vergeltung und Menschlichkeit.
Die Figuren sind glaubwürdig gezeichnet und bewegen sich überwiegend in moralischen Grauzonen. Gerade dadurch wirken ihre Entscheidungen nachvollziehbar, auch wenn man nicht immer mit ihnen übereinstimmt.
Unterm Strich ist es eine kurze, aber eindringliche Dystopie, die spannende Unterhaltung mit gesellschaftlichen und moralischen Fragen verbindet. Nicht jeder Handlungsstrang wird bis ins letzte Detail ausgearbeitet, dennoch bleibt die Geschichte lange im Gedächtnis. Für Fans düsterer Zukunftsromane und intelligenter Thriller eine klare Empfehlung.
Diese Geschichte lebt von Überspitzungen, der wahre Kern jedoch ist deutlich spürbar. Wie man sich während einer Pandemie fühlt, dürften wir alle noch wissen. Jo Nesbø nimmt sich dieser Thematik an, auf seine INSEL DER RATTEN flüchten sich jene, die sich in der großen Stadt nicht mehr sicher fühlen und es sich zudem leisten können, sich hierher zu retten.
Colin Lowe ist einer davon, er wartet hier auf eine Weiterfahrt, eine Elite hat sich hierfür Tickets gesichert. Als einer der reichsten Bewohner wähnt er sich mit seiner Familie in momentaner Sicherheit, wenngleich sein Sohn Brad ganz anderes im Sinn hat. Er wütet mit seiner Bande, die sich Chaos nennt, in der Stadt. Hier gilt das Recht des Stärkeren, auf einzelne Befindlichkeiten wird keine Rücksicht genommen. Das Gesetz scheint geltungslos, Selbstjustiz das Instrument der Stunde. Es herrscht Anarchie. Brad nimmt sich, was er will, er ist in seiner gewalttätigen Art unberechenbar. Und da ist Will mit seiner Familie, die der Familie Lowe sehr nahe stehen. Wills Tochter Amy gerät in die Fänge der Chaos-Truppe. Und Will sinnt auf Rache.
Die einen werden aus schierem Überlebenswillen zum Plünderer, notfalls mit Gewalt. Und die anderen leben ihre dunkle Seite aus, sie haben keinerlei Gewissensbisse. Grausame Szenen werden in abstoßender Deutlichkeit beschrieben, auch innerhalb von Chaos gibt es die blutrünstigen Typen, denen jedes Mittel recht ist und auch jene, die noch einen Funken Mitgefühl besitzen.
„Jeder verdient eine zweite Chance“ meint einer, der trotz schmerzlicher Verluste an die Gesetzmäßigkeit, an die gesellschaftlichen Normen glaubt. Es ist ein düsteres Buch, ein beängstigendes Szenario, das menschliche Abgründe aufdeckt.
All das, was Jo Nesbø hier beschreibt, ist mit zutiefst zuwider. Und doch zeigt er deutlich auf, wozu Mensch in der Lage ist. Man muss sich nur umschauen, es herrscht in gewissen Kreisen eine Verrohung sondersgleichen, jeder ist sich selbst der Nächste und jene, die denen das nicht genug ist, setzen todbringende Waffen ein.
Die INSEL DER RATTEN beschreibt ein düsteres Szenario, das der Wirklichkeit sehr nahe kommt. Eine Dystopie. Gesellschaftskritisch, grenzüberschreitend, brutal.
Eine Pandemie hat die Welt in ihren Grundfesten erschüttert. Es herrschen Hunger rund Angst, jeder ist sich seiner selbst am nächsten und das gesellschaftliche Leben kann kaum noch aufrechtgehalten werden. Brutale Gangs beherrschen die Städte und ziehen mordend und schändend durch die Straßen auf der Jagd nach Benzin und Essen. Dabei gerät Wills Tochter Amy in die Gewalt einer dieser Gangs, und obwohl der Anführer Brady der Sohn von Wills bestem Freund ist lässt er keine Gnade walten. Rachegelüste kommen in Will auf, doch er versucht als Jurist stets noch die Grenzen einzuhalten, so dass Selbstjustiz für ihn keine Lösung darstellt. Er will Brady vor Gericht bringen...
Der norwegische Erfolgsautor Jo Nesbo konnte mich mit seinen Kriminalromanen und Thrillern schon mehrfach begeistern, so dass ich mit viel Vorfreude und einer hohen Erwartungshaltung in sein neues Werk gestartet bin. Er erzählt die Geschichte in seinem knackigen und sehr gut zu lesenden Schreibstil, der mich schnell in die von ihm erschaffene dystopische Welt entführte. Der Spannungsbogen wird mit den dramatischen Entwicklungen um eine Pandemie sehr gut aufgebaut und über den daraus resultierenden Kampf ums Überleben auf einem aus meiner Sicht stets hohen Niveau gehalten. Es entwickelt sich eine packende Story, bei dem es in einer völlig aus den Fugen geratenden Welt um den Erhalt der menschlichen Würde geht. Es kommt zu einer ständigen Auseinandersetzung zwischen Rachegelüsten und der Wahrung vorgesehener Grenzen. Ein überraschender Plot rundet den Kurzroman für mich gelungen ab und ließ mich ein wenig nachdenklich zurück.
Insgesamt hat mir der Ausflug Jo Nesbos in dystopische Welten gut gefallen und er zeigt damit seine Fähigkeit, spannende Geschichten auch fern des gängigen Kriminalroman- oder Thriller-Genre zu erschaffen. Die Außergewöhnlichkeit und der gesellschaftliche Seitenhieb konnten mich voll und ganz überzeugen, so dass ich das Buch gerne weiterempfehle und mit den vollen fünf von fünf Sternen bewerte.
Anarchie und Rache Nesbø erfindet sich häufiger mal selbst. Er ist zwar für seine Krimis bekannt geworden, aber er versucht sich immer mal wieder auch an anderen Genres. Dieser Roman gehört zu den Dystopien. Er spielt in einer ganz nahen Zukunft. Es hätte auch schon unsere Vergangenheit sein können. Denn ein bösartiger Virus dezimiert die Weltbevölkerung. Ein Virus, der viel letaler ist als Covid. Es geht nicht mehr um eine Auflehnung gegen Maskenzwang, sondern es herrscht reine Anarchie. Banden ziehen durch die Städte und plündern und morden. Nur den sehr Reichen geht es gut. So beginnt das Buch auf dem Dach eines sehr Hochhauses, wir warten mit den Protagonisten auf einen Hubschrauber. Dieser soll die letzten Passagiere für ein riesiges Schiff abholen. Gegen enorm viel Geld konnte man sich dort eine Kabine kaufen. Das Schiff hat genügend Ressourcen an Bord um 3000 Reiche für 3 Jahre unabhängig von der Außenwelt am Leben zu halten. Der Anwalt Will steht dort mit seinem Freund Colin und wartet auf den Hubschrauber. In Rückblenden erzählt Will, was zu dieser Situation geführt hat. Und das ist knallhart. Nichts für zartbesaitete LeserInnen. Die andere Ich-Erzählerin, gut durch ein kursives Schriftbild abgegrenzt, heißt Yvonne, gehört zur sogenannten Chaos Band und fährt mit ihrem Motorrad durch die Stadt. Auch sie erzählt in Rückblenden was in letzter Zeit passiert ist. Langsam treffen die beiden Erzählstränge aufeinander. Das Buch hat nur ca. 200 Seiten, alles Überflüssige hat Nesbø weggelassen, Trotzdem schafft er es die Atmosphäre und die Personen sehr bildlich zu charakterisieren. Beim Lesen läuft ein Film vor meinem inneren Auge. Und durch die zwei Perspektiven und die verschiedenen Zeitebenen bleibt das Buch bis zur letzten Seite spannend. Das Buch hat mich sehr erschüttert. Gut, dass wir mit einem nicht so tödlichen Virus „üben“ konnten. Ansonsten möchte ich ausnahmsweise den Klappentext zitieren: „Erschütternd nah. Beunruhigend wahr.“
Post-pandemisches Amerika, der Staat existiert nur noch auf dem Papier. Wer überleben will, schließt sich einer Bande an oder wird zur Beute. Jo Nesbø nutzt dieses Szenario nicht für einen weiteren Krimi, sondern für eine Dystopie, die trotzdem seinen typischen Sog hat. Erzählt wird auf drei Ebenen: Will und Colin, seit Kindertagen befreundet, warten aktuell auf dem Dach eines Hochhauses auf die Evakuierung zu einem Flugzeugträger – Rettung für wenige, die sich Colin als schwerreicher Unternehmer leisten kann und in dessen Firma Will als Jurist arbeitet. Dazwischen die Rückblende: Colins Sohn Brad, mittlerweile Anführer einer der plündernden Banden, überfällt mit seinen Leuten Wills Familie und entführt Amy, Wills Tochter, in die er seit Jahren verliebt ist. Und schließlich Yvonne, Mitglied von Brads Gang, mit ihrem eigenen Blick auf dieselben Ereignisse. Was bleibt, ist die Beobachtung, wie wenig es braucht, damit aus biederen Familienvätern Männer werden, die Freude am Töten entdecken. Nesbø zeigt das nicht plakativ, sondern unter anderem über Wills inneren Kampf: Er glaubt an Recht und Gerechtigkeit, auch wenn beides längst außer Kraft gesetzt scheint – und genau dieses Festhalten, dieses Ringen, macht die knapp 200 Seiten so eindringlich. Brutal ist es streckenweise, keine Frage. Wer Harry Hole kennt, ist einiges gewöhnt – hier trifft es aber unmittelbarer, weil es keine Ermittlerdistanz gibt, sondern nur Betroffene. Ein Buch, das lange im Ungewissen lässt, worauf es hinausläuft, und gerade dadurch seine Wirkung entfaltet. Fun Fact am Rande: Im norwegischen Original ist "Rotteøya" gar kein eigenständiger Roman, sondern die titelgebende, novellenlange Geschichte aus der 2021 erschienenen Sammlung "Rotteøya og andre fortellinger". Im Deutschen erschien dieser Band 2022 komplett unter dem Titel ‚Die Ratteninsel und andere Erzählungen‘ – die Geschichte von Will und Colin wurde hierzulande jedoch zusätzlich als Einzelband ausgekoppelt.
Inhaltlich war mir das Buch stellenweise allerdings fast zu düster. Die Brutalität der Welt wird sehr eindringlich dargestellt, und einige Szenen haben bei mir ein beklemmendes Gefühl hinterlassen. Besonders kritisch sehe ich die enthaltenen Vergewaltigungsszenen. Für mich hätten diese nicht unbedingt sein müssen, da die Geschichte auch ohne sie bereits deutlich macht, wie grausam und hoffnungslos diese Zukunft ist. Ist leider ein häufiges Phänomen, welches mir besonders bei Männlichen Autoren auffällt bei dieser Art von Genre. Besonders bei einem so kurzen Buch eine mehrfach Vergewaltigung und eine Versuchte Vergewaltigung (diese ist nur nicht passiert weil sie vorher umgebracht worden ist!) zu erwähnen fand ich absolut daneben.
Dieses Buch zeichnet ein erschreckend düsteres Zukunftsszenario. Nach einer Pandemie sind gesellschaftliche Strukturen weitgehend zusammengebrochen, Banden kontrollieren die Straßen und die Kluft zwischen Arm und Reich ist größer denn je. Besonders interessant fand ich dabei den Kontrast zwischen den Resten einer noch funktionierenden gesellschaftlichen Ordnung und dem absoluten Ausnahmezustand, der an vielen Stellen bereits herrscht. Dadurch wirkte die Welt gleichzeitig realistisch und beklemmend.
Das Hörbuch wird von zwei Sprechern gelesen, was mir sehr gut gefallen hat. Die wechselnden Perspektiven wurden dadurch besonders lebendig und beide Sprecher haben die Geschichte überzeugend und authentisch transportiert.
Trotzdem fand ich den Roman insgesamt interessant, vor allem weil er weniger wie ein klassischer Krimi wirkt, sondern vielmehr wie eine gesellschaftskritische Dystopie. Die Geschichte stellt die Frage, was passiert, wenn Recht, Ordnung und soziale Sicherheit immer weiter zerfallen. Gerade dieser Gedanke bleibt auch nach dem Ende noch im Kopf.
„Die Insel der Ratten“ wurde einem 2021 erschienen Sammelband entnommen und in einem kleinen Format mit dickem Einband, 200 Seiten und für knapp 20€ vermarktet. In diesem Buch schildert Nesbø den Zusammenbruch des Systems nach einer Pandemie. Die Gesellschaft driftet in Armut, Arbeitslosigkeit und Gewalt ab. Es bilden sich rivalisierende und plündernde Banden, die auch vor Mord und Totschlag nicht zurückschrecken. Die Polizei steht dem machtlos gegenüber und hat in vielen Vierteln ihre Arbeit eingestellt. Viele Reiche versuchen nun, aus der Stadt zu fliehen. So auch Colin Lowe, der reichste Unternehmer des Landes. Er hat sich die Insel der Ratten ausgesucht und sein Leben dort bereits vorbereitet. Sein Sohn Brad ist hingegen der Anführer einer dieser brutalen Gangs. Als er die Tochter von Will, dem besten Freund seines Vaters, in seine Gewalt bringt, gerät auch für den gutmütigen und loyalen Will die Welt aus den Fugen. Nun will er sich nur noch rächen. Er ersinnt einen ausgeklügelten Plan, den nicht einmal sein reicher Freund durchschaut. Die Perspektiven wechseln zwischen Wills Leben und dem der Straßengang, wodurch man beide Seiten kennenlernt, was die Situation jedoch nicht verbessert. Die Geschichte beleuchtet soziale Ungleichheit und den Zerfall staatlicher Strukturen in einer postpandemischen Welt. Die Kluft zwischen Reichtum und Armut wird in klaffenden Kontrasten sichtbar: Während Colin Lowe auf einer Insel Zuflucht sucht, tobt am Festland der Überlebenskampf der weniger Privilegierten. Insel der Ratten ist ein düsterer, kompromissloser, gesellschaftskritischer Thriller, der von Gewalt und Egoismus geprägt ist und die Frage aufwirft, wie weit man selbst in solch einer Situation gehen würde.
Mit "Insel der Ratten" legt Jo Nesbø einen dystopischen Thriller vor, der am 25.06.2026 bei Ullstein (print) bzw. Hörbuch Hamburg Verlag (Audio) erschienen ist. Die deutsche Übersetzung stammt von Günther Frauenlob. Das Hörbuch wird von Oliver Siebeck und Jenny Laura Bischoff gesprochen.
Die Ausgangslage klingt zunächst vielversprechend: Nach einer verheerenden Pandemie sind Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt weitgehend kollabiert. Armut und Perspektivlosigkeit prägen den Alltag vieler Menschen, während sich die Superreichen in Sicherheit bringen. Als der Unternehmer Colin Lowe mit seiner Familie auf die sogenannte Insel der Ratten flieht und sein Sohn Brad auf dem Festland selbst Teil der Gewaltspirale wird, entfaltet sich eine Geschichte über soziale Ungleichheit, Macht und die Frage, was von einer Gesellschaft übrig bleibt, wenn ihre Grundpfeiler wegbrechen.
Meine Meinung
Ich interessiere mich sehr für moralische Fragestellungen und gesellschaftliche Entwicklungen, daher hat mich das Buch angesprochen. Leider hat es für mich nicht halten können, was es verspricht. Schon bei meinem letzten Jo-Nesbø-Hörbuch, "Der König", hatte ich gemerkt, dass sein Erzählstil nicht wirklich zu meinem Lesegeschmack passt. Eigentlich hatte ich mir damals vorgenommen, vorerst kein weiteres Hörbuch des Autors zu hören. Trotzdem hat mich bei Insel der Ratten das Cover und vor allem die dystopische Prämisse neugierig gemacht. Im Nachhinein hätte ich vermutlich auf mein Bauchgefühl hören sollen.
Mein größtes Problem war, dass mich die Geschichte von Beginn an in eine Welt wirft, die zwar interessant klingt, deren Regeln und Strukturen aber kaum erklärt werden. Statt die gesellschaftlichen Veränderungen, politischen Entwicklungen oder den Zerfall demokratischer Institutionen näher auszuleuchten, setzt die Handlung sehr schnell auf Eskalation und Gewalt. Dabei hatte ich während des Hörens ständig sooo viele Fragen im Kopf: Wie genau ist diese Welt entstanden? Wie funktionieren die gesellschaftlichen Strukturen? Warum haben sich bestimmte Machtverhältnisse so entwickelt? Gerade weil die Prämisse so viele spannende politische und soziale Fragen aufwirft, hätte ich mir deutlich mehr Worldbuilding gewünscht.
Die Handlung springt schnell von einem dramatischen Ereignis zum nächsten, ohne dass man ausreichend Zeit bekommt, sich in der Welt oder zu orientieren, oder die Figuren zu verstehen. Dadurch konnte ich auch keine emotionale Bindung an die Charaktere aufbauen. Die (kurze) Länge des Hörbuchs hat sich daher auch eher zusätzlich als Nachteil erwiesen. Hinzu kommt die aus meiner Sicht unnötig hohe Brutalität. Natürlich darf ein dystopischer Thriller grausam sein. Gerade Geschichten über gesellschaftlichen Zusammenbruch kommen selten ohne Gewalt aus. Aber für mein Gefühl war die hier zur Schau gestellte Brutalität eher Selbstzweck als erzählerische Notwendigkeit.
An den Sprecher:innen lag meine Enttäuschung allerdings nicht. Oliver Siebeck und Jenny Laura Bischoff machen ihre Sache professionell und transportieren die düstere Atmosphäre glaubwürdig. Das Problem ist nur: Auch die beste Vertonung kann einen Inhalt nicht retten, mit dem man selbst wenig anfangen kann.
Fazit
"Insel der Ratten" ist ein Hörbuch, das große gesellschaftliche Fragen stellt und eine erschreckend plausible Zukunftsvision entwirft. Die Grundidee rund um Pandemie, soziale Ungleichheit, demokratischen Verfall und die Abschottung der Superreichen fand ich ausgesprochen spannend. Leider blieb die Umsetzung für mich deutlich hinter diesem Potenzial zurück. Zu wenig Worldbuilding, zu viele offene Fragen, blasse Figuren und eine Brutalität, die mich abgestoßen hat, sorgten dafür, dass ich emotional und gedanklich nie wirklich in die Geschichte hineingefunden habe. Wer harte dystopische Thriller mit viel Gewalt und düsteren Zukunftsszenarien mag, könnte hier durchaus auf seine Kosten kommen. Wenn ihr jedoch vor allem an moralischen Grauzonen, gesellschaftlichen Fragestellungen und differenzierten Justiz- oder Demokratie-Diskursen interessiert seid, würde ich persönlich eher zu Büchern von Ferdinand von Schirach oder Elisa Hoven greifen. Vielen Dank an netgalley.de & den Hörbuch Hamburg Verlag für das Rezensionsexemplar.
„Insel der Ratten“ ist eine düstere Dystopie des in Oslo lebenden Autors Jo Nesbø.
Eine Pandemie hat dafür gesorgt, dass das Leben der Menschen außer Kontrolle geraten ist. Auf den Straßen gilt das Gesetz des Stärkeren. Während die Wohlhabenden versuchen sich per Helikopter auf die "Insel der Ratten" abzusetzen, herrscht auf dem Festland Chaos. Auch Colin Lowe - ein reicher Unternehmer - flieht mit seiner Familie. Lediglich sein Sohn Brad, zu dem er schon immer ein schwieriges Verhältnis hatte, bleibt auf dem Festland zurück. Während der größte Teil der Bevölkerung aus der Not heraus plündert, sämtliche gesellschaftlichen und sozialen Normen sprengt, scheint Brad daran gefallen zu finden.
Die Stimmung ist bedrückend und düster. Jo Nesbø gelingt es ausgezeichnet darzustellen, wie die moralischen Dämme in einer Ausnahmesituation zusammenbrechen. Dabei stellt er ein sehr realistisches Zukunftsszenario dar, das bei mir für Gänsehaut gesorgt hat.
Neben den dystopischen Zuständen in der Bevölkerung steht die Beziehung zwischen Colin und Brad im Mittelpunkt der Handlung. Diese ist komplex und ausgesprochen schwierig.
Mit gerade einmal 208 Seiten in 17 Kapiteln ist das Buch schnell gelesen und obwohl ich es ausgesprochen spannend fand, hat mir das vollkommen ausgereicht. Noch mehr Gewalt, Brutalität, soziale Unruhen, Angst und menschliche Abgründe auf so engen Raum hätte ich kaum ertragen.
Es ist kein typischer Krimi von Jo Nesbø, sondern eine gesellschaftskritische Dystopie, die mich so schnell nicht mehr loslassen wird, da sie einfach zu realistisch ist, um sie direkt wieder zu vergessen.
Wenn alle Gesetze ihre Gültigkeit verloren haben und der Kampf um die Ressourcen auf der Zielgeraden ist, was geschieht dann? Werden wir in einer Welt enden, in der jeder gegen jeden kämpft? Wo Egoismus und Rücksichtslosigkeit für das Überleben unabdingbar sind, das Recht des Stärkeren gilt? In der der Mensch des Menschen Wolf ist?
Die Pandemie und das große Sterben sind vorüber. Jetzt geht es drunter und drüber in der Stadt ohne Namen: Brennende Autos, Maschinengewehrsalven, angsterfüllte Schreie, Sirenen, marodierende Banden. Ein Dschungel, beklemmend aktuell, weil vor dem inneren Auge sofort Bilder aus den amerikanischen Megacitys aufploppen. Nicht umsonst hat Nesbø die Westküste Amerikas zum Handlungsort gewählt, verbindet man doch gerade mit Kalifornien Wohlstand, Easy Living und Toleranz. Nichts davon zu sehen. Und es wird noch furchterregender, weil die niedersten Instinkte der Menschen an die Oberfläche drängen.
Nesbø arbeitet mit zwei Perspektiven. Zum einen Colin, steinreicher Unternehmer, der bereits das Weite gesucht hat, zum anderen Will, ehemals Anwalt und sein Freund, dessen Tochter von Colins Sohn entführt wurde. Und ja, es ist vorhersehbar, dass es zwischen diesen beiden zum Showdown kommen wird…
Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der die alten Werte und Regeln ihre Gültigkeit verloren haben, Anarchie die Oberhand gewinnt und der der Kampf ums Überleben die Gesetze des Zusammenlebens außer Kraft setzt? Das ist die Frage, die man sich stellt, wenn das schmale Büchlein zuklappt.
Rau, und mehr als drastisch in den Beschreibungen, konfrontiert uns Nesbø mit dieser Frage und lässt uns damit auch in unser Innerstes blicken.
Insel der Ratten von Jo Nesbo gehört dank Netgalley. Es gab eine Pandemie, die Gesellschaft brach zusammen und bewährte Strukturen wie Polizei und Recht brechen auseinander. Hat man Geld konnte man sich absichern, wie der Überreiche, der für seine Familie eine ehemalige Gefängnisinsel kauft und dort Sicherheit und ausreichende Versorgung vorhält. Sein Anwalt und Kindheitsfreund hingegen kann sich nur ein normal gesichertes Haus in der Stadt leisten. Die ältesten Kinder der beiden, Sohn des Reichen und Tochter des Anwalt kennen sich von gemeinsamen Urlauben und der verwöhnte Sohn meint sie zu lieben und ein Anrecht auf sie zu haben, obwohl sie ihn sichtbar nicht leiden kann. Ebendieser Beruf Sohn und schulischer Versager ist, statt in die Firma einzutreten aus dem Elternhaus geflohen und hat sich zum Chef einer Gang ausgerufen. Doch dann will er mithilfe der Gang seine Liebe zu sich holen und alles eskaliert. Was geschieht, wenn nur noch Macht und Geld ohne Kontrollinstanzen herrschen? Wie kann jemand mit Verstand den eigenen Werten einigermaßen treu bleiben und trotzdem nicht untergehen? Inwieweit kann man Recht selbst richten? Eine brutale Geschichte, mit teilweise zwar überzeichneten, aber trotzdem stimmigen Charakteren. Clever kann brutal manchmal mit den eigenen Mitteln schlagen und die Idee die Wucht des anderen auszunutzen hilft nicht nur in einem realen Kampf. Gut geschrieben, gut inszeniertes Hörbuch, stimmig gelesen. Wer mit Brutalität-lesen kein Problem hat, sollte sich dieses Buch durchaus vormerken. #InselderRatten #JoNesbo #KathrinliebtLesen #Bookstagram #Rezension #NetGalleyChallenge #NetGalleyDE!
Mich hat das Cover sofort angesprochen. Und da ich inzwischen einige Bücher von Jo Nesbø gelesen habe, war ich natürlich neugierig auf seinen "Endzeit-Thriller". Ein Pandemie wütet über das Land. Gewalt, Chaos, Plünderungen, Armut und Hunger herrschen überall. Gewalttätige Banden brechen in Häuser ein, vergewaltigen und töten und rauben. Einige wenige, Reiche, schaffen ihre Familien und die Menschen, die ihnen wichtig sind, aus der Stadt. Auch der reiche Unternehmer, Colin Lowe, hat sich eine ehemalige Gefängnisinsel gekauft, um dort mit seiner Familie zu leben. Einzig sein Sohn Brad ist nicht bei ihm. Brad ist Anführer einer Gang, die schwerbewaffnet mit ihren Motorrädern durch die Straßen fahren um zu plündern und zu rauben. Als Brad mit seinen Leuten in die Villa von Will, der ein Freund und der Jurist seines Vaters ist, einbricht, Wills Frau vergewaltigen lässt und die Tochter entführt, sinnt Will auf Rache. Jo Nesbø erzählt die Story aus mehreren Perspektiven, so, daß man die Protagonisten gut kennenlernen kann. Die düstere Szenerie beschreibt er sehr gut, so dass der Lesende sich mitten in diesem Chaos wiederfindet und alles bildlich vor sich sieht. Das Buch ist gar nicht so realitätsfern und regt zum Nachdenken an. Es ist kein dicker Wälzer, aber er hat es geschafft, in etwas mehr als 200 Seiten eine spannende Story zu schreiben mit einem Ende, mit dem man nicht rechnet. Mir hat das Buch wieder sehr gut gefallen und ich freue mich auf weitere Bücher von Jo Nesbø.
Eine verheerende Pandemie. Viel Armut. Und eine Jugendgang, die für Unruhe sorgt. Das ist die Ausgangslage in Jo Nesbøs „Insel der Ratten“.
Colin Lowe ist ein reicher Unternehmer. Während auf dem Festland nach der Pandemie Armut und Chaos überwiegt und Straßenbanden die Kontrolle gewinnen, flüchtet Lowe auf seine eigene Insel, die frühere Gefängnisinsel „Insel der Ratten“. Sein Sohn Brad hingegen sorgt auf den Festland mit seiner Bande für Unruhe- unter anderem, in dem er die Tochter des besten Freundes seines Vaters entführt…
Jo Nesbø schildert die Ausgangslage sehr authentisch. Private Helikopter treffen auf bettelnde, hungrige Menschen. Unternehmer fliehen vor Verantwortung und Elend. Diese Verzweiflung ist durchaus realistisch, wenn auch etwas übertrieben dargestellt. Auch die Charaktere passen zur dystopischen Theorie. Colin repräsentiert die verzweifelten Flüchtigen, während sein Kumpel Will auf dem Festland bleibt, um seiner Familie Halt zu geben. Die Banden rund um Brad und Yvonne sind auch lebensnah dargestellt. Das hier an Brutalität nicht gespart wird, kann ich im gewissen Maße nachvollziehen. Was mich allerdings gestört hat ist die fehlende Tiefe. Ich hatte den Eindruck, als ob Nesbø nur an der Oberfläche kratzen wollte, obwohl die Themen sehr relevant und durchaus realistisch sind. Schade- mich hätte es durchaus interessiert, mehr über die Charaktere oder gar das Leben der armen Menschen auf dem Festland zu erfahren. So gebe ich den soliden Roman vier Sterne.
Jo Nesbøs Insel der Ratten, erschienen im Ullstein Verlag, ist ein kurzer Endzeitthriller, der sofort eine düstere, beklemmende Atmosphäre entfaltet. Die Geschichte spielt in einem abgeschotteten, von Gewalt und Misstrauen geprägten Mikrokosmos, in dem die letzten Menschen versuchen, in einer zerstörten Welt zu überleben. Nesbø setzt auf ein reduziertes Setting, schnelle Szenenwechsel und eine klare, harte Sprache, die das Gefühl von Ausweglosigkeit verstärkt.
Die knapp 200 sehr kleinen Seiten sorgen dafür, dass man das Buch in einem Rutsch durchliest. Die Spannung ist da, das Tempo hoch, und die Grundidee trägt — auch wenn sie nicht die Tiefe seiner großen Thriller erreicht. Man merkt, dass Nesbø hier eher ein komprimiertes, fast experimentelles Werk vorlegt, das mehr auf Atmosphäre und unmittelbare Wirkung setzt als auf komplexe Figuren oder weit verzweigte Handlung.
Was das äußere Erscheinungsbild betrifft: Das Hardcover wirkt unglücklich gewählt. Es ist verdickend, vermittelt einen größeren Umfang, als tatsächlich vorhanden ist, und sieht dabei überraschend billig aus. Das ist kein Vorwurf an den Autor, sondern ein klarer Fehlgriff des Verlags, der den Preis von 20 Euro zusätzlich schwer rechtfertigbar macht.
Gesamteindruck: Ein atmosphärisch dichter, spannender Kurzthriller, der schnell fesselt — aber ebenso schnell vorbei ist und als Gesamtpaket hinter seinem Preis zurückbleibt.
Recht und Ordnung haben nach einer um sich greifenden Pandemie keinen Platz mehr in der Welt, Banden machen die Straßen unsicher und man kann niemandem trauen. Will schwört Rache, als seine Tochter vom Sohn seines eigentlich besten Freundes entführt wird...
Das Cover mit den aus der Dunkelheit starrenden Augen sieht cool aus und die feurige Schrift sticht ins Auge.
Die Geschichte beginnt mittendrin und wird aus zwei verschiedenen Sichtweisen erzählt, die sich durch die unterschiedlichen Schriftarten gut auseinanderhalten lassen. Der Gedanke, dass die Zivilisation mal so enden könnte, ist richtig verstörend, aber keinesfalls abwegig. Die Personen sind authentisch und die Gewissensbisse nachvollziehbar. Die brutalen Gewaltszenen finde ich gar nicht schlimm, sie passen gut in diese anarchistische Welt. Viel Tiefe kann es aufgrund der wenigen Seiten nicht geben, was ja auch nicht möglich ist bei einer Kurzgeschichte. Leider finde ich das Preis-Leistungs-Verhältnis überhaupt nicht gerechtfertigt. Fast 20 Euro für nicht einmal 200 Seiten Geschichte in einem kleineren Buchformat und mit fragwürdigem Karton. Schade.
Die Geschichte ist im Original in einem Sammelband erschienen, was die Kürze auch erklärt. An sich wären es für den Inhalt 4 Sterne, aber wie zuvor erwähnt grenzt der Preis schon fast an Wucher, daher 3 Sterne.
Die Natur des Menschen - schlimmer noch als Ratten!
Nach einer katastrophalen Pandemie regieren weltweit Armut, rohe Gewalt und die Macht des Stärkeren. Gesetzlosigkeit und Chaos bestimmen die Tagesordnung. Während sich der wohlhabende Großunternehmer Colin mit seiner Familie auf die „Insel der Ratten“ flüchtet, bleibt sein Sohn Brad zurück und tyrannisiert stattdessen mit seiner Gang die Straßen. Als er mit einer grausamen Tat nicht einmal vor der Familie von Colins engstem Kinderfreund Will Halt macht, ersinnt dieser jedoch Rache, es beginnt ein Spiel auf Leben und Tod.
Jo Nesbøs Dystopie „Insel der Ratten“ spielt demnach in einer ebenso rücksichtslosen und brutalen, wie ungerechten Welt und ist für mich damit überaus aktuell und greifbar. Absolut nachvollziehbar wird nicht nur der Verfall der Gesellschaft thematisiert, sondern eben auch die wahre Natur des Menschen offenbart. Nichts wirklich neues, doch haben mir Handlung, Schreibstil inkl. der Beschreibung aus Sicht zweier Protagonisten und auch die Charaktere an sich, alles in allem sehr gut gefallen. Auch Spannung war gegeben, wenn auch nicht so ausgeprägt wie erhofft, doch wirkte die Geschichte im Gesamtbild auf mich dabei irgendwie unfertig, einfach „zu wenig“ und dadurch auch zu oberflächlich für ein ganzes Buch.
Ich habe übrigens die Hörbuchversion gehört, welche von Oliver Siebeck und Jenny Laura Bischoff sehr angenehm und ebenso passend, wie verständlich eingesprochen wurde und mir als solches auch sehr gut gefallen hat, nur eben leider zu kurz war.
Fazit: Auch wenn das Buch bei mir eher als mäßig spannende Kurzgeschichte durchgeht und ich mir im Vorfeld etwas anderes erhofft hatte, so empfinde ich es dennoch als lesens- bzw. hörenswert. Besonders die Message am Schluss könnte viele mal zum Nachdenken anregen!
In den Wirren einer Welt nach einer Pandemie, in der es den Menschen vor allem ums Überleben geht, verschwindet eine Frau. Ihr Vater sinnt nach Rache und versucht gleichzeitig, dem Gesetz zu folgen, um den Entführer zu überführen. Mit 208 Seiten beziehungsweise 4,5 Hörstunden fällt „Insel der Ratten“ vergleichsweise kurz aus. Ursprünglich erschien die Geschichte in einem Erzählband. Vielleicht erklärt das nicht nur den knappen Umfang, sondern auch, warum sich der typische Nesbø-Sog für mich nicht ganz entfaltet. Dennoch bleibt der Autor sich treu, schafft authentisch wirkende Szenarien und lässt in Konfliktsituationen die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Obwohl der Schwerpunkt auf ethischen Fragen und zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen liegt, scheut er sich nicht, Handlungen in aller Brutalität zu schildern: „Ich wollte, dass das Einschussloch ein gleichwinkliges Dreieck mit den Augen bildete.“ Der Wechsel der Sprecher passt dabei gut zu den unterschiedlichen Blickwinkeln. In meinen Augen liegen die Defizite des Buchs in seiner Vermarktung als Roman. Als Teil einer Sammlung weiterer Erzählungen hätte es andere Erwartungen geweckt und ein stimmigeres Gesamtbild ergeben.
"Insel der Ratten" ist eine post-dystopische Kurzgeschichte von "Jo Nesbø". Und kurz beschreibt es sehr gut. Ich fand es ganz ok. Man hat einen kleinen Einblick in die Geschichte der Welt bekommen, aber es war trotzdem sehr dürftig. Viele Fragen waren unbeantwortet. Wo kam das Virus her? Wie geht es den anderen Ländern? wo bleibt die Internationale Zusammenarbeit?
Will will seine Tochter rächen und versammelt eine Bande an Personen denen es genauso geht. man bekommt aber kaum was von dem Team mit. Man hat einfach keine Verbindung zu den einzelnen Charakteren. Es ist einem auch so egal was mit den Leuten passiert. Auch mit Will bin ich nicht warm geworden. Die 2. Person der wir folgen ist Yvonne. Die fand ich schon etwas interessanter. Als Vize in Brads Gruppe. Aber auch sie bekommen wir kaum zu Gesicht. Insgesamt hat es sehr Lange gedauert, bis man überhaupt gecheckt hat wer wer ist und wann das alles abspielt. Man hat mehrere Flashbacks in unterschiedliche vergangenheiten. Ich glaube, wenn die Geschichte früher angefangen hätte und man nur den Teil vor der Pandemie in die Flashbacks gepackt hätte, wäre es besser gewesen. Deswegen muss ich dem Buch leider 2 von 5 Sternen geben. Trotzdem vielen Dank an Netgalley für das Rezessionsexemplar.
Was passiert, wenn eine Pandemie die Hälfte der Menschheit dahin rafft, und plötzlich Anarchie herrscht? Wer überlebt, was passiert mit dem Rechtssystem, und wie schaffen die Menschen es zu überleben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ‚ die Insel der Ratten‘ von Jø Nesbø. Nesbø hat es dabei geschafft, ein sehr fesselndes und schockierend reales Werk zu verfassen
Nach dem Ausbruch einer globalen Pandemie, die weiter Teile der Menschheit dahin rafft, beherrschen Gangs die Welt. Das Rechtssystem stürzt zusammen, die Polizei ist korrupt. Die reichen und wohlhabende Menschen bringen sich in Sicherheit, oder versuchen ihre verkommenen Sprösslinge, die im Falle von Brad dem Sohn des reichsten Menschen der Stadt Collin, als Gang Leader die Menschen tyrannisieren, vor dem Gefängnis, oder der Lynchjustiz zu bewahren. Alle scheinen dabei über Leichen zu gehen, nur Will, dessen Tochter von Brad ermordet wird, scheint noch Hoffnung für das Rechtssystem zu haben.
Auf sehr spannenden 200 Seiten zitiert Jø Nesbø, die Gesellschaften zerbrechen, und wieder das Recht des Stärkeren übernimmt. Klare Leseempfehlung!