Zwischen Abschied und Neubeginn - Wenn das Blaulicht den Weg zurück ins Leben weist
Nach dem Unfalltod ihrer großen Liebe Flynn hat Gracie nur noch ein Ziel: Leben retten, um den eigenen Verlust irgendwie zu bewältigen. Als angehende Notfallsanitäterin absolviert sie ihr Praxissemester auf einer Rettungswache und trifft dort ausgerechnet Holden wieder, Flynns früheren besten Freund. Zwischen Einsätzen, alten Wunden und unausgesprochenen Schuldgefühlen entsteht langsam eine neue Nähe, die beide vor die Frage stellt, ob Liebe nach so viel Schmerz überhaupt möglich ist.
Schon äußerlich hat mich Anatomy of a Broken Heart sofort angesprochen. Das Cover mit der DNA-Doppelhelix ist wunderschön gestaltet und passt perfekt zum medizinischen Thema sowie zur emotionalen Tiefe der Geschichte.
Als großer Fan von Serien wie Emergency Room oder Grey’s Anatomy hat mich vor allem das Setting auf der Rettungswache begeistert. Die Einsätze, der Arbeitsalltag und das Zusammenspiel des Teams werden sehr bildhaft und authentisch geschildert. Man fühlt sich mitten ins Geschehen versetzt, spürt die Anspannung der Notfälle und die besondere Dynamik innerhalb der Wache – das hat mich vollkommen abgeholt.
Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, was mir sehr gefallen hat. Dadurch entsteht ein tieferes Verständnis für die Figuren, ihre Gedanken und ihre Verletzlichkeit. Gerade bei einem so sensiblen Thema wie Trauer und Schuldgefühlen ist dieser Perspektivwechsel besonders wertvoll.
Mit Gracie als Protagonistin bin ich allerdings nicht sofort warm geworden. Ihre Motivation und ihre Gedankengänge sind nachvollziehbar, und ihr Wunsch, Leben zu retten, ergibt sich logisch aus ihrer Vergangenheit. Dennoch fehlte mir ein gewisses Maß an emotionaler Nähe, um mich ihr wirklich verbunden zu fühlen. Holden hingegen ist für mich ein sehr starker, einfühlsamer Charakter. Umso schade fand ich, dass seine Kapitel oft recht kurz gehalten sind. Gerade sein Umgang mit dem Verlust seines besten Freundes hätte aus meiner Sicht noch mehr Raum verdient. Hier bleibt meiner Meinung nach spürbares Potenzial ungenutzt.
Die Liebesgeschichte zwischen Gracie und Holden empfand ich insgesamt als sehr stimmig. Ihre Annäherung ist vorsichtig, von Zurückhaltung und inneren Konflikten geprägt, aber die Spannung zwischen ihnen ist jederzeit spürbar. Nichts wirkt überstürzt, sondern dem emotionalen Hintergrund der beiden angemessen.
Besonders gelungen fand ich das Ende des Buches. Der kleine Schockmoment ist gut eingebaut und unterstreicht die zentrale Botschaft der Geschichte: Trauma braucht Zeit, Auseinandersetzung und manchmal auch professionelle Hilfe. Dass dieser Aspekt ernst genommen wird, verleiht dem Roman Tiefe und sorgt für einen stimmigen, hoffnungsvollen Abschluss.
Fazit:
Anatomy of a Broken Heart erzählt sensibel von Verlust, Schuld und dem langsamen Weg zurück ins Leben. Es ist eine emotionale Romance mit starkem medizinischem Setting, authentischen Einsätzen und der wichtigen Botschaft, dass Trauer ihren Platz haben darf, aber nicht das Ende der eigenen Geschichte ist. Für mich ein gelungener Auftakt, der Vorfreude auf Band zwei weckt.