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Das Tränenhaus. Roman
Abseits der Blicke der Außenwelt, draußen in der schwäbischen Provinz, führt eine patente Hebamme ein Frauenheim. Wer diskret ein Kind zur Welt bringen will, findet hier Unterschlupf. Auch die Schriftstellerin Caroline Reimann zieht sich hierhin zurück. Nur zeigt die Fassade bald Risse, rohe Schikanen nehmen ihren Lauf – und Caroline erkennt den hohen Preis ihres Wunsches, eine selbstbestimmte Mutter zu sein.
Das Tränenhaus wurde bei Erscheinen 1908 zum Skandal und eröffnet heute eine einzigartige Perspektive auf die Ursprünge des Umgangs mit weiblicher Selbstermächtigung.
Das Tränenhaus wurde bei Erscheinen 1908 zum Skandal und eröffnet heute eine einzigartige Perspektive auf die Ursprünge des Umgangs mit weiblicher Selbstermächtigung.
204 pages, ebook
First published March 18, 2026
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Displaying 1 - 17 of 17 reviews
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June 14, 2026Dieser 1908 erschienene Roman über eine ledige Schwangere ist ein lesenswertes Zeugnis aus der Kaiserzeit, unglaublich unterhaltsam erzählt, ich hab ihn an zwei Nachmittagen verschlungen.
Cornelie Reimann ist (wie die Autorin selbst) erfolgreiche Schriftstellerin und angesehene Philosophin. Und sie ist schwanger. Das bedeutet, dass sie erstmal untertauchen muss, damit niemand von ihrer vermeintlichen "Schande" erfährt - unverheiratet und schwanger. Über eine Zeitungsannonce erfährt sie von einem Geburtshaus in Schwaben, geführt von einer rustikalen (und geldgierigen) Hebamme, wo "gefallene Mädchen" heimlich entbinden können. Eigentlich will Cornelie hier in Ruhe ihr Manuskript zu Ende schreiben und sondert sich von den jungen, ihr bildungsmäßig weit unterlegen, Frauen und Mädchen ab. Doch bald solidarisiert sie sich mit ihnen und lernt die unterschiedlichen Charaktere besser kennen. Hier liegt die Stärke des Romans: Gabriele Reuter gelingt es, die jungen Frauen in ihrer Einzigartigkeit lebendig werden zu lassen. Ich habe manche regelrecht ins Herz geschlossen. Stellenweise habe ich laut gelacht, das Lesen war über weite Strecken ein reines Vergnügen.
Aber: die literarische Freude wurde immer wieder jäh unterbrochen, etwa wenn die Hauptfigur Abtreibung als "Mord" bezeichnet, sich über die "jüdische Rasse" auslässt oder die vermeintliche "Natur des Weibes" bzw. des Mannes als unveränderliche Tatsachen darstellt. Im letzten Teil des Romans verliert sich Reuter dann in einer regelrecht schwülstigen Lobpreisung der Mutterschaft als Erfüllung des weiblichen Daseins. Das hat richtig genervt.
Als feministisches Werk geht "Das Tränenhaus" für mich deshalb nicht durch, auch wenn dessen gewagte These (auch ledige Schwangere verdienen Würde und Respekt) und das Feiern weiblicher Solidarität davon zeugen, dass Reuters Stimme eine wichtige war und "für ihre Zeit" auch auf eine Art progressiv.
Cornelie Reimann ist (wie die Autorin selbst) erfolgreiche Schriftstellerin und angesehene Philosophin. Und sie ist schwanger. Das bedeutet, dass sie erstmal untertauchen muss, damit niemand von ihrer vermeintlichen "Schande" erfährt - unverheiratet und schwanger. Über eine Zeitungsannonce erfährt sie von einem Geburtshaus in Schwaben, geführt von einer rustikalen (und geldgierigen) Hebamme, wo "gefallene Mädchen" heimlich entbinden können. Eigentlich will Cornelie hier in Ruhe ihr Manuskript zu Ende schreiben und sondert sich von den jungen, ihr bildungsmäßig weit unterlegen, Frauen und Mädchen ab. Doch bald solidarisiert sie sich mit ihnen und lernt die unterschiedlichen Charaktere besser kennen. Hier liegt die Stärke des Romans: Gabriele Reuter gelingt es, die jungen Frauen in ihrer Einzigartigkeit lebendig werden zu lassen. Ich habe manche regelrecht ins Herz geschlossen. Stellenweise habe ich laut gelacht, das Lesen war über weite Strecken ein reines Vergnügen.
Aber: die literarische Freude wurde immer wieder jäh unterbrochen, etwa wenn die Hauptfigur Abtreibung als "Mord" bezeichnet, sich über die "jüdische Rasse" auslässt oder die vermeintliche "Natur des Weibes" bzw. des Mannes als unveränderliche Tatsachen darstellt. Im letzten Teil des Romans verliert sich Reuter dann in einer regelrecht schwülstigen Lobpreisung der Mutterschaft als Erfüllung des weiblichen Daseins. Das hat richtig genervt.
Als feministisches Werk geht "Das Tränenhaus" für mich deshalb nicht durch, auch wenn dessen gewagte These (auch ledige Schwangere verdienen Würde und Respekt) und das Feiern weiblicher Solidarität davon zeugen, dass Reuters Stimme eine wichtige war und "für ihre Zeit" auch auf eine Art progressiv.
April 30, 2019
Bis vor drei Tagen hatte ich noch nie von einer Gabriele Reuter (1859-1941) gehört. Doch durch Paul Raabes "Spaziergänge durch Goethes Weimar" auf diese Schriftstellerin aufmerksam geworden, war mein Interesse für sie geweckt. So wählte ich zunächst ein dünnes Buch als Einstieg und von dessen Inhalt ich mir einiges versprach.
In dem besagten Haus fließen Tränen aller Art: Tränen der Enttäuschung, der Verlassenheit, der Hoffnungslosigkeit, der Ausweglosigkeit, der Wut und natürlich Schmerzenstränen. Die Reuter lädt uns in ein abgelegenes Haus ein, in dem wir auf die Hebamme und Geschäftsfrau Uffenbacher treffen, die darin eine Zahl von ledigen Schwangeren "betreut" und nach Wunsch auch die Neugeborenen an Zieheltern vermittelt. Vom Schicksal dieser, von der Gesellschaft verachteten, Frauen erfahren wir und wie sie dieses auf unterschiedlichen Wege meistern oder aber scheitern.
Die interessante Schlüsselszene findet sich in einem Gespräch zwischen der Hausgästin Cornelie Reimann und einer Malerin, die ihre schwangere Freundin begleitet hatte und ihr Sterben dort erleben musste. Letztere versucht Reimann aufzurütteln und sie zum Kampf gegen die ungerechten Moralvorstellungen zu ermutigen. Wirkte diese erst still sich in ihr Schicksal fügend, gewinnt sie zunehmend an innere Stärke und einen neuen Lebensplan.
Dennoch bin ich überzeugt, dass eben das Potential einer solchen Szene und eines solchen Themas von Reuters nicht völlig ausgeschöpft wurde. Es bleibt mir letztlich zu oberflächlich angegangen.
Ihre Erzählweise ist zum größten Teil von einnehmendem Wesen. Die wenigen etwas zu blumig geratenen Gedanken vergisst man schnell. Ohne erforderliche Tiefe fehlt es mir jedoch an Überzeugungskraft.
In dem besagten Haus fließen Tränen aller Art: Tränen der Enttäuschung, der Verlassenheit, der Hoffnungslosigkeit, der Ausweglosigkeit, der Wut und natürlich Schmerzenstränen. Die Reuter lädt uns in ein abgelegenes Haus ein, in dem wir auf die Hebamme und Geschäftsfrau Uffenbacher treffen, die darin eine Zahl von ledigen Schwangeren "betreut" und nach Wunsch auch die Neugeborenen an Zieheltern vermittelt. Vom Schicksal dieser, von der Gesellschaft verachteten, Frauen erfahren wir und wie sie dieses auf unterschiedlichen Wege meistern oder aber scheitern.
Die interessante Schlüsselszene findet sich in einem Gespräch zwischen der Hausgästin Cornelie Reimann und einer Malerin, die ihre schwangere Freundin begleitet hatte und ihr Sterben dort erleben musste. Letztere versucht Reimann aufzurütteln und sie zum Kampf gegen die ungerechten Moralvorstellungen zu ermutigen. Wirkte diese erst still sich in ihr Schicksal fügend, gewinnt sie zunehmend an innere Stärke und einen neuen Lebensplan.
Dennoch bin ich überzeugt, dass eben das Potential einer solchen Szene und eines solchen Themas von Reuters nicht völlig ausgeschöpft wurde. Es bleibt mir letztlich zu oberflächlich angegangen.
Ihre Erzählweise ist zum größten Teil von einnehmendem Wesen. Die wenigen etwas zu blumig geratenen Gedanken vergisst man schnell. Ohne erforderliche Tiefe fehlt es mir jedoch an Überzeugungskraft.
November 21, 2017
"Tränenhaus" - so bezeichnen außerehelich (und oft ungewollt) schwanger gewordene Frauen das private Geburtshaus der zwielichten Landhebamme Ursula Uffenbacher. Die hygienischen Zustände sind miserabel und Konflikte vorprogrammiert. Und doch ist das "Tränenhaus" die einzige Chance für die jungen Frauen, mit dem gesellschaftlichen Skandal einer illegitimen Schwangerschaft umzugehen. Viele hoffen, ihr Kind tot zur Welt zu bringen; überlebt es, wird es meist zu Ziehmüttern im angrenzenden Dorf gegeben.
Gabriele Reuter, die ebenfalls eine uneheliche Tochter zur Welt gebracht hat, wirft mit ihren Figuren ein breites Schlaglicht auf das Problem illegitimer Schwangerschaft im 19. Jahrhundert: Neben verführten oder vergewaltigten Unterschichtenmädchen und Malschülerinnen, die von ihrem Meister geschwängert wurden, steht als Protagonistin des Romans die feministische Schriftstellerin Cornelie im Zentrum. Im Angesicht der Schwangerschaft wird sie bald erkennen, dass ihre theoretischen Ideen über die Emanzipation der Frau auf die Realität hin korrigiert und praktisch gelebt werden müssen.
Macht schon das ungewöhnliche Thema allein Reuters Roman überaus lesenswert, hat mir vor allem die erzählerische Umsetzung gefallen. Das Sujet ist ernst und doch darf an vielen Stellen des Textes gelacht werden. Sprachlich ist "Das Tränenhaus" auch heute noch prima zu konsumieren und wer Freude an präzisen und detailorienterten Schilderungen hat, wird diesen Text lieben.
Gabriele Reuter, die ebenfalls eine uneheliche Tochter zur Welt gebracht hat, wirft mit ihren Figuren ein breites Schlaglicht auf das Problem illegitimer Schwangerschaft im 19. Jahrhundert: Neben verführten oder vergewaltigten Unterschichtenmädchen und Malschülerinnen, die von ihrem Meister geschwängert wurden, steht als Protagonistin des Romans die feministische Schriftstellerin Cornelie im Zentrum. Im Angesicht der Schwangerschaft wird sie bald erkennen, dass ihre theoretischen Ideen über die Emanzipation der Frau auf die Realität hin korrigiert und praktisch gelebt werden müssen.
Macht schon das ungewöhnliche Thema allein Reuters Roman überaus lesenswert, hat mir vor allem die erzählerische Umsetzung gefallen. Das Sujet ist ernst und doch darf an vielen Stellen des Textes gelacht werden. Sprachlich ist "Das Tränenhaus" auch heute noch prima zu konsumieren und wer Freude an präzisen und detailorienterten Schilderungen hat, wird diesen Text lieben.
July 22, 2026
WENN LEIDEN ZUR TUGEND WIRD
Der 1908 erschienene Roman "Das Tränenhaus" erzählt von einer unverheirateten Schriftstellerin, die sich zur Entbindung in ein abgelegenes Frauenheim zurückziehen muss.
Für mich war das kein Buch, das man einfach nebenbei liest. Die Sprache ist alt, teilweise anspruchsvoll, und dazu kommen immer wieder Dialektausdrücke. Besonders wenn Gabriele Reuter das Innenleben ihrer Figuren beschreibt, musste ich manche Sätze mehrmals lesen. Das macht das Lesen nicht immer einfach. Gleichzeitig hat genau das den Roman für mich unglaublich authentisch und lebendig wirken lassen.
Äußerlich passiert oft gar nicht so viel. Das eigentliche Geschehen findet in den Gedanken, Gefühlen und Erkenntnissen der Figuren statt. Gerade diese psychologische Tiefe hat mich beeindruckt.
Am meisten beschäftigt hat mich aber, dass Reuter kaum urteilt. Sie zeigt die Menschen und ihre Lebenswirklichkeit, ohne sie nachträglich zu bewerten. Gerade dadurch musste ich beim Lesen immer wieder selbst darüber nachdenken, warum Ausgrenzung, Scham und Ungerechtigkeit für viele völlig selbstverständlich waren.
Man weiß vieles über diese Zeit. Aber zwischen etwas zu wissen und es beim Lesen zu erleben, liegt ein großer Unterschied. Genau das ist Gabriele Reuter für mich gelungen.
Ein Roman, der Geduld verlangt, mich dafür aber mit einer außergewöhnlichen psychologischen Tiefe und einem Leseerlebnis belohnt hat, das noch lange nachwirkt.
Der 1908 erschienene Roman "Das Tränenhaus" erzählt von einer unverheirateten Schriftstellerin, die sich zur Entbindung in ein abgelegenes Frauenheim zurückziehen muss.
Für mich war das kein Buch, das man einfach nebenbei liest. Die Sprache ist alt, teilweise anspruchsvoll, und dazu kommen immer wieder Dialektausdrücke. Besonders wenn Gabriele Reuter das Innenleben ihrer Figuren beschreibt, musste ich manche Sätze mehrmals lesen. Das macht das Lesen nicht immer einfach. Gleichzeitig hat genau das den Roman für mich unglaublich authentisch und lebendig wirken lassen.
Äußerlich passiert oft gar nicht so viel. Das eigentliche Geschehen findet in den Gedanken, Gefühlen und Erkenntnissen der Figuren statt. Gerade diese psychologische Tiefe hat mich beeindruckt.
Am meisten beschäftigt hat mich aber, dass Reuter kaum urteilt. Sie zeigt die Menschen und ihre Lebenswirklichkeit, ohne sie nachträglich zu bewerten. Gerade dadurch musste ich beim Lesen immer wieder selbst darüber nachdenken, warum Ausgrenzung, Scham und Ungerechtigkeit für viele völlig selbstverständlich waren.
Man weiß vieles über diese Zeit. Aber zwischen etwas zu wissen und es beim Lesen zu erleben, liegt ein großer Unterschied. Genau das ist Gabriele Reuter für mich gelungen.
Ein Roman, der Geduld verlangt, mich dafür aber mit einer außergewöhnlichen psychologischen Tiefe und einem Leseerlebnis belohnt hat, das noch lange nachwirkt.
May 8, 2026
"Sie waren es sich gar nicht einmal bewusst, dass sie Opfer brachten - es wäre Ihnen nicht eingefallen, dass Männer auch anders sein und handeln können."
Welch ein Glück, dass Gabriele Reuter und ihre Werke wiederentdeckt wurden.
Welch ein Glück, dass Gabriele Reuter und ihre Werke wiederentdeckt wurden.
May 7, 2025
ENGLISH VERSION BELOW
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Das Tränenhaus (erschienen 1908) von Gabriele Reuter ist eine kürzere, aber nicht weniger eindringliche Erzählung, die soziale Kälte, die Ohnmacht des Individuums gegenüber gesellschaftlichen Normen und das stille Verlorensein in einer Welt ohne Schutzräume thematisiert.
In eindrucksvoller Sprache schildert Reuter das Schicksal lediger schwangerer Frauen, die in einem abgelegenen Haus unter prekären Bedingungen Zuflucht suchen – und oft doch an den moralischen Maßstäben ihrer Zeit zerbrechen. Besonders spannend fand ich die Entwicklung der Protagonistin Cornelie Reimann, die lernt, nicht länger passiv zu bleiben.
Ein lesenswertes, bewegendes Werk.
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“Das Tränenhaus” (german title) (published in 1908) by Gabriele Reuter is a shorter, yet no less powerful narrative that explores social coldness, the powerlessness of the individual in the face of societal norms, and the quiet sense of being lost in a world devoid of safe spaces.
With evocative language, Reuter portrays the fate of unmarried pregnant women who seek refuge in a remote house under precarious conditions—only to often be broken by the moral standards of their time. I found the development of the protagonist, Cornelie Reimann, particularly compelling, as she learns to no longer remain passive.
A moving and worthwhile read.
April 26, 2026
Starkes Zeitdokument
„Das Tränenhaus“, ein Roman von Gabriele Reuter, aus ursprünglich 1908, neu aufgelegt 2026 bei Reclam in der Reclams Klassikerinnen Reihe, für die man Reclam immer wieder nur begeistert danken kann, ist ein zeitgeschichtlich erstaunlich mutiger Roman mit autobiographischem Hintergrund, den frau allein für diesen Mut schon lesen sollte. Die Autorin hat das Schicksal ihrer Protagonistin ähnlich erlebt, weiß also genau, wovon sie spricht – und da zur Jahrhundertwende der gossip über sie ganz sicher in town gewesen sein dürfte, ist es umso erstaunlicher, wie ehrlich sie hier aus einem Frauenkünstlerinnenleben berichtet.
Das titelgebende „Tränenhaus“ ist ein Heim für schwangere ledige Frauen. Zur Jahrhundertwende war ein Kind ohne den passenden Ehemann eine große Schande, weshalb schwangere Frauen sich oft in den ländlichen Raum zurückzogen, um dort ohne Zeugen das Kind zur Welt zu bringen und dann bestenfalls in Pflege zu geben, während sie selbst wieder in ihr bisheriges Leben zurückkehrten – finanzielle Mittel vorausgesetzt. So zieht auch Cornelie, die Protagonistin, feministische Autorin wie Gabriele Reuter, finanziell eigenständig und auch sonst Freigeist, in das besagte Tränenhaus ein. Ihr Fall ist hierbei besonders, es scheint so, als ob der Vater des Kindes sie durchaus heiraten würde, doch Cornelie will den Mann nicht in das Zwangsgefängnis der Ehe drängen (und sich selbst vermutlich auch nicht, würde sie dadurch doch ihre Eigenständigkeit verlieren). So findet sie sich unter Frauen wieder, die weit von ihrem eigenen Bildungs- und Erfahrungsstand entfernt sind und muss sich in diesem Milieu neu zurechtfinden. Was ihr zunächst nicht leicht fällt, führt zunehmend zu einem starken Solidaritätsgefühl den anderen Frauen gegenüber und einer fragilen Gemeinschaft, in der die Frauen sich gegen die geldgierige Wirtin und Hebamme Frau Uffenbacher wehren und füreinander einstehen.
Der Roman beschreibt das Schicksal ganz unterschiedlicher Frauen und macht die Unterdrückung der Frau und ihre fehlenden Rechte mehr als deutlich. Dabei lässt die Sprache Reuters die Bildungsschichten und den sozialen Umraum sehr lebendig werden, ebenso wie viele Beschreibungen Ort und Gegend deutlich erzählen. Männer lässt sie dabei außen vor – sie tauchen im Roman kurz auf, werden beschrieben, haben jedoch keinen wirklichen Einfluss auf die Handlung – ein bissiger Kommentar Reuters auf die männliche Vorherrschaft.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass diese Autofiktion zur Zeit ihres Erscheinens für mächtig Furore gesorgt hat und es sehr mutig war, dieses Buch zu veröffentlichen, wie Gabriele Reuter sowieso ein äußerst mutiges Leben geführt hat. Für mich ist am bedrückendsten, dass die Strukturen nach wie vor da sind, die Auswirkungen zwar zumindest hier bei uns gemildert, aber im Grunde ist alles noch genau so und das macht das Buch sehr aktuell. Wie sehr Frauen nach wie vor „Schande“ und „Schlampe“ entgegengerufen wird, während Männer sich durchweg einfach nehmen dürfen und es fast immer nur um ihre Rechte und so gut wie nie um ihre Verantwortung geht, es ist doch erschütternd. Wenn frau die Strukturen des Patriarchats einmal in Gänze gesehen hat – können sie nicht mehr nicht gesehen werden. Ich denke, so geht es auch Cornelie in dem Buch, die sich entscheiden muss zwischen ihrer Freiheit und ihrer Kunst einhergehend mit dem Label gefallenes Mädchen oder der Sicherheit des Ehehafens. Dass sie diesen Weg nicht geht, obwohl er ihr scheinbar doch offensteht: Stark. Zumal die Autorin hier ja nicht naiv schreibt. Cornelie als Figur entblättert sich langsam, ihre Schwangerschaft, ihre Geschichte, aber auch ihr Ruhm, ihre Kompetenz als Fachautorin, das alles kommt Scheibchen für Scheibchen. Und Reuter erspart uns dankenswerterweise Romantik. Ein wirklich interessantes Zeitdokument des feministischen Schreibens, das nur teilweise dann doch etwas überbordend erzählt, weitestgehend aber realistisch mit klarem Stilgefühl die Jahrhundertwende greifbar macht. Hilfreich ist dazu auch noch das sehr informative Nachwort von Annette Seemann. Klare Leseempfehlung.
Ein großes Dankeschön an whatchareadin.de und Reclam für das Rezensionsexemplar!
„Das Tränenhaus“, ein Roman von Gabriele Reuter, aus ursprünglich 1908, neu aufgelegt 2026 bei Reclam in der Reclams Klassikerinnen Reihe, für die man Reclam immer wieder nur begeistert danken kann, ist ein zeitgeschichtlich erstaunlich mutiger Roman mit autobiographischem Hintergrund, den frau allein für diesen Mut schon lesen sollte. Die Autorin hat das Schicksal ihrer Protagonistin ähnlich erlebt, weiß also genau, wovon sie spricht – und da zur Jahrhundertwende der gossip über sie ganz sicher in town gewesen sein dürfte, ist es umso erstaunlicher, wie ehrlich sie hier aus einem Frauenkünstlerinnenleben berichtet.
Das titelgebende „Tränenhaus“ ist ein Heim für schwangere ledige Frauen. Zur Jahrhundertwende war ein Kind ohne den passenden Ehemann eine große Schande, weshalb schwangere Frauen sich oft in den ländlichen Raum zurückzogen, um dort ohne Zeugen das Kind zur Welt zu bringen und dann bestenfalls in Pflege zu geben, während sie selbst wieder in ihr bisheriges Leben zurückkehrten – finanzielle Mittel vorausgesetzt. So zieht auch Cornelie, die Protagonistin, feministische Autorin wie Gabriele Reuter, finanziell eigenständig und auch sonst Freigeist, in das besagte Tränenhaus ein. Ihr Fall ist hierbei besonders, es scheint so, als ob der Vater des Kindes sie durchaus heiraten würde, doch Cornelie will den Mann nicht in das Zwangsgefängnis der Ehe drängen (und sich selbst vermutlich auch nicht, würde sie dadurch doch ihre Eigenständigkeit verlieren). So findet sie sich unter Frauen wieder, die weit von ihrem eigenen Bildungs- und Erfahrungsstand entfernt sind und muss sich in diesem Milieu neu zurechtfinden. Was ihr zunächst nicht leicht fällt, führt zunehmend zu einem starken Solidaritätsgefühl den anderen Frauen gegenüber und einer fragilen Gemeinschaft, in der die Frauen sich gegen die geldgierige Wirtin und Hebamme Frau Uffenbacher wehren und füreinander einstehen.
Der Roman beschreibt das Schicksal ganz unterschiedlicher Frauen und macht die Unterdrückung der Frau und ihre fehlenden Rechte mehr als deutlich. Dabei lässt die Sprache Reuters die Bildungsschichten und den sozialen Umraum sehr lebendig werden, ebenso wie viele Beschreibungen Ort und Gegend deutlich erzählen. Männer lässt sie dabei außen vor – sie tauchen im Roman kurz auf, werden beschrieben, haben jedoch keinen wirklichen Einfluss auf die Handlung – ein bissiger Kommentar Reuters auf die männliche Vorherrschaft.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass diese Autofiktion zur Zeit ihres Erscheinens für mächtig Furore gesorgt hat und es sehr mutig war, dieses Buch zu veröffentlichen, wie Gabriele Reuter sowieso ein äußerst mutiges Leben geführt hat. Für mich ist am bedrückendsten, dass die Strukturen nach wie vor da sind, die Auswirkungen zwar zumindest hier bei uns gemildert, aber im Grunde ist alles noch genau so und das macht das Buch sehr aktuell. Wie sehr Frauen nach wie vor „Schande“ und „Schlampe“ entgegengerufen wird, während Männer sich durchweg einfach nehmen dürfen und es fast immer nur um ihre Rechte und so gut wie nie um ihre Verantwortung geht, es ist doch erschütternd. Wenn frau die Strukturen des Patriarchats einmal in Gänze gesehen hat – können sie nicht mehr nicht gesehen werden. Ich denke, so geht es auch Cornelie in dem Buch, die sich entscheiden muss zwischen ihrer Freiheit und ihrer Kunst einhergehend mit dem Label gefallenes Mädchen oder der Sicherheit des Ehehafens. Dass sie diesen Weg nicht geht, obwohl er ihr scheinbar doch offensteht: Stark. Zumal die Autorin hier ja nicht naiv schreibt. Cornelie als Figur entblättert sich langsam, ihre Schwangerschaft, ihre Geschichte, aber auch ihr Ruhm, ihre Kompetenz als Fachautorin, das alles kommt Scheibchen für Scheibchen. Und Reuter erspart uns dankenswerterweise Romantik. Ein wirklich interessantes Zeitdokument des feministischen Schreibens, das nur teilweise dann doch etwas überbordend erzählt, weitestgehend aber realistisch mit klarem Stilgefühl die Jahrhundertwende greifbar macht. Hilfreich ist dazu auch noch das sehr informative Nachwort von Annette Seemann. Klare Leseempfehlung.
Ein großes Dankeschön an whatchareadin.de und Reclam für das Rezensionsexemplar!
March 13, 2026
"Das Tränenhaus" von Gabriele Reuter erschien erstmals im Jahr 1908 und sorgte zum Veröffentlichungszeitpunkt für einen Eklat. Im Roman geht es um eine Unterkunft für von der Gesellschaft verstoßene Mütter, die von der Hebamme geleitet wird. Cornelie ist anstrebende Schriftstellerin und will mit den anderen Frauen im Tränenhaus erst nichts zu tun haben - doch ihre Einstellung ändert sich mit der Zeit.
Ich hatte leider so meine Probleme mit diesem Roman. Thematisch finde ich ihn superspannend, auch für seinen Entstehungszeitpunkt. Die "altmodische" poetische Sprache und der Dialekt haben mir den Einstieg in die Geschichte leider nicht wirklich ermöglicht. Ich konnte überhaupt keinen Lesefluss aufbauen und leider gab es auch keinen wirklichen Plot, der meine Aufmerksamkeit auf mich ziehen konnte. Schade!
Ich schätze die Neuauflagen aus dem Reclam-Verlag sehr (Halbtier kann ich beispielsweise aus dem letzten Jahr sehr empfehlen), deswegen tut es mir wirklich leid, dass mir das Buch nicht besser gefallen hat. Das Cover finde ich toll und ich denke, wenn man den gleichen Dialekt teilt, sagt einem das Buch bestimmt mehr zu.
Ich hatte leider so meine Probleme mit diesem Roman. Thematisch finde ich ihn superspannend, auch für seinen Entstehungszeitpunkt. Die "altmodische" poetische Sprache und der Dialekt haben mir den Einstieg in die Geschichte leider nicht wirklich ermöglicht. Ich konnte überhaupt keinen Lesefluss aufbauen und leider gab es auch keinen wirklichen Plot, der meine Aufmerksamkeit auf mich ziehen konnte. Schade!
Ich schätze die Neuauflagen aus dem Reclam-Verlag sehr (Halbtier kann ich beispielsweise aus dem letzten Jahr sehr empfehlen), deswegen tut es mir wirklich leid, dass mir das Buch nicht besser gefallen hat. Das Cover finde ich toll und ich denke, wenn man den gleichen Dialekt teilt, sagt einem das Buch bestimmt mehr zu.
April 27, 2026
Das Buch hat mich zu meiner eigenen Überraschung richtig abgeholt. Ich mochte die feministische und klassistische Kritik, ich mochte die unterschiedlichen weiblichen Figuren (besonders Cornelie) und ich mochte, wie durch Sprache Herkunft und Stand aufgezeigt wurden. Hätte gerne noch etwas länger sein können, auch wenn ich mit dem Ende zufrieden war. Werde mich nun mehr mit Gabriele Reuter auseinandersetzen, einer Autorin, die ich bisher gar nicht auf dem Schirm hatte und die doch durchaus spannend erscheint. (Ich bedanke mich bei NetGalley für das Bereitstellen des E-Books zum Rezensieren!)
October 18, 2020
Abgesehen davon, dass ich zuerst die falsche Ausgabe gelesen habe und das für meinen Vortrag nächste Woche nicht gerade förderlich ist, war es richtig gut. Obwohl Aus guter Familie Gabriele Reuters berühmtestes Buch ist (beziehungsweise das einzige, das überhaupt noch gelesen wird), hat mich Das Tränenhaus viel mehr beeindruckt. Gehört sowas von in den Kanon!
April 22, 2026
Cornelie ist schwanger, doch da sie nicht verheiratet ist, bedeutet das für sie: Schande. Auch ihr gebildeter Hintergrund unterscheidet sie nicht vor den gesellschaftlichen Werten, die tief im Patriarchat verwurzelt sind. Und so zieht sie in das "Tränenhaus", eine Einrichtung, geführt von einer strengen Regentin, in der unverheiratete Frauen ihr Kind im Geheimen zur Welt bringen. Erst ist Cornelie zurückhaltend, will ihre Ruhe, ist sich ihrem Stand gewiss, doch bald schon sieht sie die Gleichheit und die tiefe Solidarität, die sie mit den anderen Frauen verbindet, wird zu einem starkem Band des Zusammenhalts.
"Das Tränenhaus" ist ein erstaunlich feministischer Roman aus dem Jahr 1908, der viele fortschrittliche Gedanken aufzeigt, die man so nicht unbedingt erwarten würde. Die Autorin Gabriele Reuter war ihrer Zeit weit voraus und versuchte selbst, ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen. All das verarbeitete sie in diesem von Reclam neu herausgegebenen Buch. Die Protagonistin äußerst Gedankenwelten, die einem für diese Zeit nicht nur fortschrittlich, sondern teilweise auch gefährlich erscheinen. Sie will sich nicht unterordnen, will sich an keinen Mann binden, ist überzeugt davon, es auch alleine zu schaffen. Cornelie philosophiert über ihre Selbstermächtigung, steht den anderen Frauen bei, ist stark und emotional zugleich, wirkt in ihrer Rolle als bildungsbürgerliche Frau authentisch und doch so anders als erwartet.
Ein weiterer erstaunlicher Aspekt ist die Charakterschärfe, die die Autorin all den fiktiven Figuren zukommen lässt. Keine ist wie die andere, die eine naiv, die andere verzagt, doch die gemeinsame Ausgrenzung schweißt sie zusammen. Die Charaktere wirken so authentisch und andererseits bildhaft gestochen scharf, dass man stellenweise glaubt, man sehe eine Dokumentation über diese Frauen. Ein besonderes Stilelement ist der schwäbische Dialekt, der einigen der Figuren in den Mund gelegt wird - spielt das Geschehen doch in der schwäbischen Provinz. Dementsprechend weist das Buch auch etliche humoristische Tendenzen auf, die das Leseerlebnis umso erfrischender machen. Verschwiegen darf allerdings nicht werden, dass die Sprache der Autorin ziemlich schwülstig und deshalb oft schwer verständlich ist, für mich zumindest.
Es ist nicht verwunderlich, dass Macht, Klassismus, Ausbeutung, Missbrauch, Gier und Frauenverachtung eine zentrale Rollen spielen, das Buch ist wie ein Spiegel der Zeit um die Jahrhundertwende. Das Patriarchat ist eine Bürde, das sowohl die Autorin, als auch ihre Protagonistin Cornelie nicht so einfach hinnehmen wollen. So fließt viel fortschrittliches und feministisches Denken in den Roman, auch wenn dieses beinahe ausschließlich der bildungsbürgerlichen Hauptperson zugeschrieben wird. Außerdem ist Cornelie eine sehr erfolgreiche Schriftstellerin, die europaweite Erfolge mit ihren Schriften über die Psyche der Frauen feiert. Bezeichnend, dass auch die Schriftstellerin Gabriele Reuter zu ihrer Zeit höchst populär war und im Zuge der männlich fokussierten historischen Literaturwissenschaften aus dem kollektiven Gedächtnis gedrängt wurde. Die Männerwelt bekommt zurecht ihr Fett weg, allerdings gibt es auch positive und ebenso fortschrittliche Männermodelle. Diese Differenziertheit im Gesamten überrascht, lässt eine aber auch hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, denn wie dieser Roman zeigt: Utopien zu träumen, kann auch durchaus realistisch sein. Auch wenn es seine oder ihre Zeit dauert.
Mein Fazit: Das Tränenhaus ist ein erstaunlich fortschrittlicher Roman aus dem Jahr 1908, der Augen öffnen, in so vieler Hinsicht. Es ist ein Hohelied auf die weibliche Solidarität und den unbeirrbaren Glauben daran, dass sich eine Gesellschaft zum Positiven, zur Gleichheit hin entwickeln kann. Wir müssen nur daran festhalten.
"Das Tränenhaus" ist ein erstaunlich feministischer Roman aus dem Jahr 1908, der viele fortschrittliche Gedanken aufzeigt, die man so nicht unbedingt erwarten würde. Die Autorin Gabriele Reuter war ihrer Zeit weit voraus und versuchte selbst, ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen. All das verarbeitete sie in diesem von Reclam neu herausgegebenen Buch. Die Protagonistin äußerst Gedankenwelten, die einem für diese Zeit nicht nur fortschrittlich, sondern teilweise auch gefährlich erscheinen. Sie will sich nicht unterordnen, will sich an keinen Mann binden, ist überzeugt davon, es auch alleine zu schaffen. Cornelie philosophiert über ihre Selbstermächtigung, steht den anderen Frauen bei, ist stark und emotional zugleich, wirkt in ihrer Rolle als bildungsbürgerliche Frau authentisch und doch so anders als erwartet.
Ein weiterer erstaunlicher Aspekt ist die Charakterschärfe, die die Autorin all den fiktiven Figuren zukommen lässt. Keine ist wie die andere, die eine naiv, die andere verzagt, doch die gemeinsame Ausgrenzung schweißt sie zusammen. Die Charaktere wirken so authentisch und andererseits bildhaft gestochen scharf, dass man stellenweise glaubt, man sehe eine Dokumentation über diese Frauen. Ein besonderes Stilelement ist der schwäbische Dialekt, der einigen der Figuren in den Mund gelegt wird - spielt das Geschehen doch in der schwäbischen Provinz. Dementsprechend weist das Buch auch etliche humoristische Tendenzen auf, die das Leseerlebnis umso erfrischender machen. Verschwiegen darf allerdings nicht werden, dass die Sprache der Autorin ziemlich schwülstig und deshalb oft schwer verständlich ist, für mich zumindest.
Es ist nicht verwunderlich, dass Macht, Klassismus, Ausbeutung, Missbrauch, Gier und Frauenverachtung eine zentrale Rollen spielen, das Buch ist wie ein Spiegel der Zeit um die Jahrhundertwende. Das Patriarchat ist eine Bürde, das sowohl die Autorin, als auch ihre Protagonistin Cornelie nicht so einfach hinnehmen wollen. So fließt viel fortschrittliches und feministisches Denken in den Roman, auch wenn dieses beinahe ausschließlich der bildungsbürgerlichen Hauptperson zugeschrieben wird. Außerdem ist Cornelie eine sehr erfolgreiche Schriftstellerin, die europaweite Erfolge mit ihren Schriften über die Psyche der Frauen feiert. Bezeichnend, dass auch die Schriftstellerin Gabriele Reuter zu ihrer Zeit höchst populär war und im Zuge der männlich fokussierten historischen Literaturwissenschaften aus dem kollektiven Gedächtnis gedrängt wurde. Die Männerwelt bekommt zurecht ihr Fett weg, allerdings gibt es auch positive und ebenso fortschrittliche Männermodelle. Diese Differenziertheit im Gesamten überrascht, lässt eine aber auch hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, denn wie dieser Roman zeigt: Utopien zu träumen, kann auch durchaus realistisch sein. Auch wenn es seine oder ihre Zeit dauert.
Mein Fazit: Das Tränenhaus ist ein erstaunlich fortschrittlicher Roman aus dem Jahr 1908, der Augen öffnen, in so vieler Hinsicht. Es ist ein Hohelied auf die weibliche Solidarität und den unbeirrbaren Glauben daran, dass sich eine Gesellschaft zum Positiven, zur Gleichheit hin entwickeln kann. Wir müssen nur daran festhalten.
March 30, 2026
Klassiker(in) neu aufgelegt!
Gabriele Reuters Roman über weibliche Solidarität und Selbstbestimmung kommt nicht nur optisch beeindruckend daher: Der autofiktionale Roman hat mich entführt in das späte wilhelminische Kaiserreich und die Geschichte um die schwangere, unverheiratete Autorin Corniele Reimann mitgerissen. Zurückversetzt in eine Zeit, in der eine Frau unter diesen Umständen von der Gesellschaft geächtet und in den meisten Fällen auch von der eigenen Familie verstoßen wurde.
Cornelie ist privilegiert und das nicht nur materiell: Sie hat mit ihrem Liebsten ein Kind aus Liebe gezeugt, ist aber in ihrem Entschluss so weit gereift, einen freiheitsliebenden Mann nicht binden zu wollen und damit ihre Werte nicht zu verraten. Dafür nimmt sie das Exil in Kauf, eins der damals verbreiteten Geburtshäuser, in denen schwangere Mädchen und Frauen fernab der Heimat heimlich ihre Kinder gebären und dann in die Obhut einer Pflege- bzw. Ziehmutter geben konnten. Heute regelrecht grausam zu lesen: Frauen und oft (junge) Mädchen, die in vielen Fällen nicht mal freiwillig schwanger wurden, untergebracht wie Tiere, als minderwertige Menschen schikaniert, von der Familie getrennt und meistens sogar verstoßen – das traumatisiert schon und darüber hinaus die Geburt und Weggabe des eigenen Kindes. Schutz gab es kaum, während die Männer unbehelligt ihren Freuden nachgehen konnten.
Zu Beginn distanziert sich Conelie von den Mädchen aus niedrigeren Gesellschaftsschichten, hadert mit ihrem eigenen Schicksal und versucht als erfolgreiche Autorin, weiterzuschreiben. Langsam jedoch öffnet sie ihren Horizont - und ihr Herz. Wie die Natur um sie herum erwachsen und erblühen ein Gemeinschaftsgefühl und Freundschaften, während sie den Sommer über verschiedenste Frauen, Mädchen und auch Männer mit den unterschiedlichsten Schicksalen kommen und gehen sieht.
Ergreifende Szenen von Naivität, fehlendem Schutz und Machtmissbrauch - aber auch von Zusammenhalt, wachsender Freundschaft und vor allem dem Mut, auf das eigene Innere zu hören und auch unter schwierigen Umständen ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen zu können. Cornelie gebiert nicht nur ein Kind, dieses symbolisiert auch ihren persönlichen Durchbruch mit der Gewissheit, ein Leben im Einklang mit ihren Werten zu leben.
Ein Buch, das bei Erscheinen 1908 als Skandalroman provozierte: Ein mutiger Schritt, der einmal mehr zeigt, wie wichtig es ist, die Stimme gegen Missstände zu erheben und Selbstbestimmung und Solidarität in den Fokus zu stellen.
Gabriele Reuters Roman über weibliche Solidarität und Selbstbestimmung kommt nicht nur optisch beeindruckend daher: Der autofiktionale Roman hat mich entführt in das späte wilhelminische Kaiserreich und die Geschichte um die schwangere, unverheiratete Autorin Corniele Reimann mitgerissen. Zurückversetzt in eine Zeit, in der eine Frau unter diesen Umständen von der Gesellschaft geächtet und in den meisten Fällen auch von der eigenen Familie verstoßen wurde.
Cornelie ist privilegiert und das nicht nur materiell: Sie hat mit ihrem Liebsten ein Kind aus Liebe gezeugt, ist aber in ihrem Entschluss so weit gereift, einen freiheitsliebenden Mann nicht binden zu wollen und damit ihre Werte nicht zu verraten. Dafür nimmt sie das Exil in Kauf, eins der damals verbreiteten Geburtshäuser, in denen schwangere Mädchen und Frauen fernab der Heimat heimlich ihre Kinder gebären und dann in die Obhut einer Pflege- bzw. Ziehmutter geben konnten. Heute regelrecht grausam zu lesen: Frauen und oft (junge) Mädchen, die in vielen Fällen nicht mal freiwillig schwanger wurden, untergebracht wie Tiere, als minderwertige Menschen schikaniert, von der Familie getrennt und meistens sogar verstoßen – das traumatisiert schon und darüber hinaus die Geburt und Weggabe des eigenen Kindes. Schutz gab es kaum, während die Männer unbehelligt ihren Freuden nachgehen konnten.
Zu Beginn distanziert sich Conelie von den Mädchen aus niedrigeren Gesellschaftsschichten, hadert mit ihrem eigenen Schicksal und versucht als erfolgreiche Autorin, weiterzuschreiben. Langsam jedoch öffnet sie ihren Horizont - und ihr Herz. Wie die Natur um sie herum erwachsen und erblühen ein Gemeinschaftsgefühl und Freundschaften, während sie den Sommer über verschiedenste Frauen, Mädchen und auch Männer mit den unterschiedlichsten Schicksalen kommen und gehen sieht.
Ergreifende Szenen von Naivität, fehlendem Schutz und Machtmissbrauch - aber auch von Zusammenhalt, wachsender Freundschaft und vor allem dem Mut, auf das eigene Innere zu hören und auch unter schwierigen Umständen ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen zu können. Cornelie gebiert nicht nur ein Kind, dieses symbolisiert auch ihren persönlichen Durchbruch mit der Gewissheit, ein Leben im Einklang mit ihren Werten zu leben.
Ein Buch, das bei Erscheinen 1908 als Skandalroman provozierte: Ein mutiger Schritt, der einmal mehr zeigt, wie wichtig es ist, die Stimme gegen Missstände zu erheben und Selbstbestimmung und Solidarität in den Fokus zu stellen.
April 16, 2026
Da das Buch bereits 1908 erschienen ist, kann man schon fast von einem Klassiker reden, jedoch ist der Inhalt immer noch so interessant und aktuell, dass mir das Lesen dieser Geschichte richtig Spaß gemacht hat!
Inhaltlich führt und das Buch in die schwäbischen Provinz, hier führt eine patente Hebamme ein Frauenheim. Wer diskret ein Kind zur Welt bringen will, findet hier Unterschlupf. Auch die Schriftstellerin Cornelie Reimann zieht sich hierhin zurück. Nur zeigt die Fassade bald Risse, rohe Schikanen nehmen ihren Lauf – und Cornelie erkennt den hohen Preis ihres Wunsches, eine selbstbestimmte Mutter zu sein.
Da das Buch im letzten Jahrhundert erschienen ist, musste ich mich erst ein wenig an den Schreibstil gewöhnen. Er ist zwar nicht unbedingt sonderlich kompliziert zu lesen, aber man liest das Buch auch nicht nebenbei, es erfordert schon Konzentration. Wenn man aber erst reingefunden hat, bekommt man hier eine richtig tolle Geschichte, die in Teilen immer noch aktuell ist und die ich sehr gerne gelesen habe, vorallem weil ich auch aus der Gesundheitsbranche komme.
Wen das Buch interessiert, der sollte auf jeden Fall zugreifen und keine Angst haben vor dem ursprünglichen Erscheinungsdatum, es lässt sich auch heutzutage noch sehr gut lesen.
Inhaltlich führt und das Buch in die schwäbischen Provinz, hier führt eine patente Hebamme ein Frauenheim. Wer diskret ein Kind zur Welt bringen will, findet hier Unterschlupf. Auch die Schriftstellerin Cornelie Reimann zieht sich hierhin zurück. Nur zeigt die Fassade bald Risse, rohe Schikanen nehmen ihren Lauf – und Cornelie erkennt den hohen Preis ihres Wunsches, eine selbstbestimmte Mutter zu sein.
Da das Buch im letzten Jahrhundert erschienen ist, musste ich mich erst ein wenig an den Schreibstil gewöhnen. Er ist zwar nicht unbedingt sonderlich kompliziert zu lesen, aber man liest das Buch auch nicht nebenbei, es erfordert schon Konzentration. Wenn man aber erst reingefunden hat, bekommt man hier eine richtig tolle Geschichte, die in Teilen immer noch aktuell ist und die ich sehr gerne gelesen habe, vorallem weil ich auch aus der Gesundheitsbranche komme.
Wen das Buch interessiert, der sollte auf jeden Fall zugreifen und keine Angst haben vor dem ursprünglichen Erscheinungsdatum, es lässt sich auch heutzutage noch sehr gut lesen.
Review of advance copy
>>...Gott erhalte dir deinen harten Schädel, und einen harten Willen geb' er dir dazu, denn beides kann ein Weib gebrauchen.<<
„Das Tränenhaus“ von Gabriele Reuter ist eine Geschichte, in der wir die junge schwangere Schriftstellerin Corneline begleiten, die sich in die schwäbische Provinz begibt, um abgeschieden von der Gesellschaft und den „Normen“ in einer Art Frauenheim/Anstalt ihr Kind zu gebären. Man taucht tief ein in Cornelines Gedanken, Gefühle und betritt mit ihr einen Ort, der nach außen Sicherheit und Schutz verheißt, doch die Fassade bröckelt mehr und mehr und für Corneline und auch die anderen Frauen in dieser Anstalt beginnt eine Zeit, in der sie einen hohen Preis dafür zahlen, nicht nach den Normen und Regeln der guten Gesellschaft gehandelt zu haben.
Das Buch hat mich auf eine stille, aber eindringliche Weise sehr beeindruckt. Obwohl es sich um einen Klassiker handelt, ist die Sprache überraschend zugänglich, wie ich finde und angenehm zu lesen. Vielleicht nicht besonders anspruchsvoll im literarischen Sinne, aber gerade dadurch sehr direkt in der Wirkung.
Besonders spannend fand ich den autobiografischen Bezug, der durch das Nachwort von Annette Seemann doch sehr deutlich wird. Zu wissen, dass viele Elemente der Geschichte auf eigenen Erfahrungen der Autorin beruhen, verleiht dem Roman eine zusätzliche emotionale Tiefe, die mir gerade am Ende noch einmal mehr bewusst wurde. Gleichzeitig wird klar, wie mutig es gewesen sein muss, ein solches Thema zu Beginn des 20. Jahrhunderts öffentlich zu machen. Die gesellschaftliche Problematik, die Gabriele Reuter anspricht, die Ausgrenzung unverheirateter schwangerer Frauen und alleinstehender Mütter, wirkt erschreckend aktuell. Auch wenn sich seit 1908 sicher vieles verändert hat, ist die grundlegende Stigmatisierung in Teilen noch immer vorhanden. Gerade deshalb finde ich, trifft das Buch auch heute noch einen Nerv.
Besonders berührt hat mich hier auch die Entwicklung der Protagonistin Corneline. Ihre anfängliche Isolation wandelt sich nach und nach in ein Gefühl von Gemeinschaft, als sie sich mit den anderen Frauen der Anstalt anfreundet und beginnt sich für sie einzusetzen. Diese leise, aber kraftvolle Entwicklung gibt der Geschichte Hoffnung und Menschlichkeit, zeigt Solidarität ohne die schwierigen Umstände zu beschönigen.
Insgesamt ist „Das Tränenhaus“ von Gabriele Reuter für mich ein bewegendes Zeitdokument, das nicht durch sprachliche Komplexität überzeugt, sondern vielmehr durch Ehrlichkeit, Mut und seine anhaltende gesellschaftliche Relevanz.
„Das Tränenhaus“ von Gabriele Reuter ist eine Geschichte, in der wir die junge schwangere Schriftstellerin Corneline begleiten, die sich in die schwäbische Provinz begibt, um abgeschieden von der Gesellschaft und den „Normen“ in einer Art Frauenheim/Anstalt ihr Kind zu gebären. Man taucht tief ein in Cornelines Gedanken, Gefühle und betritt mit ihr einen Ort, der nach außen Sicherheit und Schutz verheißt, doch die Fassade bröckelt mehr und mehr und für Corneline und auch die anderen Frauen in dieser Anstalt beginnt eine Zeit, in der sie einen hohen Preis dafür zahlen, nicht nach den Normen und Regeln der guten Gesellschaft gehandelt zu haben.
Das Buch hat mich auf eine stille, aber eindringliche Weise sehr beeindruckt. Obwohl es sich um einen Klassiker handelt, ist die Sprache überraschend zugänglich, wie ich finde und angenehm zu lesen. Vielleicht nicht besonders anspruchsvoll im literarischen Sinne, aber gerade dadurch sehr direkt in der Wirkung.
Besonders spannend fand ich den autobiografischen Bezug, der durch das Nachwort von Annette Seemann doch sehr deutlich wird. Zu wissen, dass viele Elemente der Geschichte auf eigenen Erfahrungen der Autorin beruhen, verleiht dem Roman eine zusätzliche emotionale Tiefe, die mir gerade am Ende noch einmal mehr bewusst wurde. Gleichzeitig wird klar, wie mutig es gewesen sein muss, ein solches Thema zu Beginn des 20. Jahrhunderts öffentlich zu machen. Die gesellschaftliche Problematik, die Gabriele Reuter anspricht, die Ausgrenzung unverheirateter schwangerer Frauen und alleinstehender Mütter, wirkt erschreckend aktuell. Auch wenn sich seit 1908 sicher vieles verändert hat, ist die grundlegende Stigmatisierung in Teilen noch immer vorhanden. Gerade deshalb finde ich, trifft das Buch auch heute noch einen Nerv.
Besonders berührt hat mich hier auch die Entwicklung der Protagonistin Corneline. Ihre anfängliche Isolation wandelt sich nach und nach in ein Gefühl von Gemeinschaft, als sie sich mit den anderen Frauen der Anstalt anfreundet und beginnt sich für sie einzusetzen. Diese leise, aber kraftvolle Entwicklung gibt der Geschichte Hoffnung und Menschlichkeit, zeigt Solidarität ohne die schwierigen Umstände zu beschönigen.
Insgesamt ist „Das Tränenhaus“ von Gabriele Reuter für mich ein bewegendes Zeitdokument, das nicht durch sprachliche Komplexität überzeugt, sondern vielmehr durch Ehrlichkeit, Mut und seine anhaltende gesellschaftliche Relevanz.
Review of advance copy received from Netgalley
Gabriele Reuter ist wahrlich eine Virtus Sinn der feministischen Literatur. Ihrer Zeit weit voraus, was ihr feministisches Denken und ihren Mut angeht, dies auch Kunden zu tun, hat sie mit „Das Tränenhaus“ einen Roman verfasst, der zugleich mitreißend und emotional ist.
Sie erzählt die Geschichte der Cornelie, die, schwanger aus einer Beziehung, aufgrund der damaligen Zeit den Rückzug aus dem Leben antreten muss, um das Kind zur Welt zu bringen. Im frühen 20. Jahrhundert galten, wie man dem fortlaufende Geschichte entnehmen kann, Mädchen und junge Frauen, die ledig schwanger wurden, teils noch weniger als Tiere. Dies zeigt auch das Verhalten der Hebamme und Wirtin „die Uffenbacherin“, die, mit denen ihr anvertrauten Mädchen und jungen Frauen sehr rücksichtslos und gierig umgeht. Im Grunde ist sie nur am Geld interessiert, dass jedoch eh nicht in der Lage zu halten. Aus dieser Situation heraus ergibt sich, dass Cornelia, als einzige gebildete Frau in dem Geburtshaus anfängt, nicht nur Partei für sich selbst, sondern auch für die anderen Mädchen im Haus zu ergreifen, um der schlechten Behandlung der Wirten einen Riegel vorzulegen. Immer wieder ergeben sich jedoch Situationen, in denen die Wirtin wieder die altes Verhalten zurückfällt.
Sehr schön zeigt der Roman meines Erachtens auf, wie viel Macht Frauen hätten, wenn sie Zusammenhalten - dennoch, heute werden Frauen, häufig aufgescheucht durch Männer und die das Umfeld mehr dazu angehalten und dafür entlohnt, andere Frauen schlecht zu machen, als sich gegenseitig zu unterstützen. Ich finde, der Roman zeigt das wundervoll auf. Es hat mir wirklich Spaß gemacht, ihn zu lesen.
Sie erzählt die Geschichte der Cornelie, die, schwanger aus einer Beziehung, aufgrund der damaligen Zeit den Rückzug aus dem Leben antreten muss, um das Kind zur Welt zu bringen. Im frühen 20. Jahrhundert galten, wie man dem fortlaufende Geschichte entnehmen kann, Mädchen und junge Frauen, die ledig schwanger wurden, teils noch weniger als Tiere. Dies zeigt auch das Verhalten der Hebamme und Wirtin „die Uffenbacherin“, die, mit denen ihr anvertrauten Mädchen und jungen Frauen sehr rücksichtslos und gierig umgeht. Im Grunde ist sie nur am Geld interessiert, dass jedoch eh nicht in der Lage zu halten. Aus dieser Situation heraus ergibt sich, dass Cornelia, als einzige gebildete Frau in dem Geburtshaus anfängt, nicht nur Partei für sich selbst, sondern auch für die anderen Mädchen im Haus zu ergreifen, um der schlechten Behandlung der Wirten einen Riegel vorzulegen. Immer wieder ergeben sich jedoch Situationen, in denen die Wirtin wieder die altes Verhalten zurückfällt.
Sehr schön zeigt der Roman meines Erachtens auf, wie viel Macht Frauen hätten, wenn sie Zusammenhalten - dennoch, heute werden Frauen, häufig aufgescheucht durch Männer und die das Umfeld mehr dazu angehalten und dafür entlohnt, andere Frauen schlecht zu machen, als sich gegenseitig zu unterstützen. Ich finde, der Roman zeigt das wundervoll auf. Es hat mir wirklich Spaß gemacht, ihn zu lesen.
March 18, 2026
Vielen Dank an @reclamverlag und @netgalleyde für die zur Verfügungsstellung des Ebooks
Inhalt
Abseits der Blicke der Außenwelt, draußen in der schwäbischen Provinz, führt eine patente Hebamme ein Frauenheim. Wer diskret ein Kind zur Welt bringen will, findet hier Unterschlupf. Auch die Schriftstellerin Cornelie Reimann zieht sich hierhin zurück. Nur zeigt die Fassade bald Risse, rohe Schikanen nehmen ihren Lauf – und Cornelie erkennt den hohen Preis ihres Wunsches, eine selbstbestimmte Mutter zu sein.
Das Tränenhaus wurde bei Erscheinen 1908 zum Skandal und eröffnet heute eine einzigartige Perspektive auf die Ursprünge des Umgangs mit weiblicher Selbstermächtigung.
Meinung
Das Buch erschien erstmals 1908 und wurde jetzt neu aufgelegt.
Am schreibstil erkennt man deutlich das Buch aus einer anderen Zeit stammt.
Für mich war der schreibstil schwergängig, thematisch fand ich das Buch allerdings interessant, leider bekam ich nicht den rechten Zugang.
Den Titel fand ich allerdings passend, es wurden zahlreiche Tränen vergossen, aus Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit vor Schmerzen.
Gabrielle Reuter die ebenfalls ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hat, wirft das Licht auf illegitime Schwangerschaften.
Gerade Mädchen aus der unterschicht, die durch Vergewaltigungen schwanger wurden.
Thematisch großartig Umsetzung der Zeit angemessen aber mir zu wenig eingehend.
Lese Empfehlung
Inhalt
Abseits der Blicke der Außenwelt, draußen in der schwäbischen Provinz, führt eine patente Hebamme ein Frauenheim. Wer diskret ein Kind zur Welt bringen will, findet hier Unterschlupf. Auch die Schriftstellerin Cornelie Reimann zieht sich hierhin zurück. Nur zeigt die Fassade bald Risse, rohe Schikanen nehmen ihren Lauf – und Cornelie erkennt den hohen Preis ihres Wunsches, eine selbstbestimmte Mutter zu sein.
Das Tränenhaus wurde bei Erscheinen 1908 zum Skandal und eröffnet heute eine einzigartige Perspektive auf die Ursprünge des Umgangs mit weiblicher Selbstermächtigung.
Meinung
Das Buch erschien erstmals 1908 und wurde jetzt neu aufgelegt.
Am schreibstil erkennt man deutlich das Buch aus einer anderen Zeit stammt.
Für mich war der schreibstil schwergängig, thematisch fand ich das Buch allerdings interessant, leider bekam ich nicht den rechten Zugang.
Den Titel fand ich allerdings passend, es wurden zahlreiche Tränen vergossen, aus Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit vor Schmerzen.
Gabrielle Reuter die ebenfalls ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hat, wirft das Licht auf illegitime Schwangerschaften.
Gerade Mädchen aus der unterschicht, die durch Vergewaltigungen schwanger wurden.
Thematisch großartig Umsetzung der Zeit angemessen aber mir zu wenig eingehend.
Lese Empfehlung
March 13, 2025
3,5-4 sterne. sehr spannende auseinandersetzung mit dem thema der außerehelichen geburt um 1900 herum. hier kommt reuters blumige und in blick auf natur-detailverliebte sprache auch noch einmal viel prägnanter heraus, weil die hütte im ländlichen raum angesiedelt ist.
richtig guter einblick in die ängste, unsicherheiten usw. von werdenden müttern abseits der gesellschaftlichen anerkennung.
richtig guter einblick in die ängste, unsicherheiten usw. von werdenden müttern abseits der gesellschaftlichen anerkennung.
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