«Wie ich heisse, fragen die Taliban, wer mein Vater sei. Wohin wir fahren, was wir im Auto haben, wollen sie wissen, wer die Waren kaufe und was wir von Pakistan zurückbrächten. Plötzlich höre ich Schreie aus dem Auto, in das mein Bruder hat einsteigen müssen. Panik überfällt mich. ‹Was wollt ihr von uns?› Ich schreie und weine, was passiert mit uns? Das Auto mit meinem Bruder drin fährt weg.»
Eni Yousuf ist neun, als er vom Bruder getrennt und in ein Kinderarbeitslager der Taliban verschleppt wird. In dieser Hölle aus Kohlenstaub und Gewalt wächst er heran, dreimal versucht er sich umzubringen. Im letzten Moment und mit allerletzten Kräften gelingt ihm eine verzweifelte Flucht. In diesem Buch erzählt er, wie er sich in die Schweiz durchgeschlagen, wie er mit YouTube Deutsch gelernt und wie er sich in Bern sein Glück organisiert hat.
Dieses Buch hat mich tief berührt. Was Eni Yousuf als Kind und Jugendlicher erleben musste, ist kaum vorstellbar. Entführung, Zwangsarbeit, Gewalt, Flucht – immer wieder habe ich mich gefragt, wie ein Mensch so viel aushalten kann. Und trotzdem ist das Buch für mich keine Geschichte der Hoffnungslosigkeit, sondern eine Geschichte von unglaublicher Stärke.
Was mich am meisten beeindruckt hat, war Enis Mut und sein unermüdlicher Wille, sich immer wieder aus den aussichtslosesten Situationen zu befreien. Selbst als er endlich in der Schweiz ankam, war sein Weg noch lange nicht zu Ende. Er musste die Sprache lernen, sich ein neues Leben aufbauen, eine Lehre absolvieren, mit seiner Vergangenheit umgehen – und all das hat er mit einer bewundernswerten Beharrlichkeit geschafft.
Das Buch hat mich aber auch daran erinnert, dass wir einem Menschen seine Geschichte oft nicht ansehen. Wir begegnen jeden Tag Menschen, ohne zu wissen, was sie bereits erlebt, verloren oder überwunden haben.
Ich habe grössten Respekt davor, dass Eni Yousuf seine Geschichte mit der Welt teilt. Sie ist erschütternd, aber gleichzeitig unglaublich inspirierend.