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Die weiße Nacht: Lou & König, Band 1

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Der erste Fall für Lou & Kö Ein Nachkriegskrimi, historisch präzise, bewegend und extrem spannend!

Kriminalkommissar Alfred König bekommt es im Hungerwinter 1946/47 mit einer Frauenleiche im Schnee zu tun. Die junge Fotografin Lou Faber hat die Tote in den Ruinen gefunden und trägt mit ihren Fotos unfreiwillig zur Ermittlung bei. Während Heiligabend näherrückt, lassen Lou die gefalteten Hände der Toten nicht los. Mit ihrer Intuition hilft sie König und ahnt bald, dass hinter seinem Schweigen ein Geheimnis steckt, das sie verbindet. Der Fund weiterer Leichen setzt die Ermittler unter Zeitdruck und weist in eine neue Richtung, zurück in die finstere Vergangenheit.

Bestsellerautorin Anne Stern nimmt ihre Hörer*innen mit in das Berlin der Nachkriegszeit. Eindrucksvoll gelesen von Julia Nachtmann.

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Published January 2, 2026

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Anne Stern

29 books28 followers

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Displaying 1 - 26 of 26 reviews
Profile Image for Sarah Sophie.
283 reviews260 followers
January 14, 2026
Ein spannender Auftakt zu einer neuen Krimireihe angesiedelt im Berlin der 1945/46er Jahre.
Beide Hauptfiguren sind sehr gelungene und glaubhafte Charaktere, die Dialoge wirken natürlich und der Schreibstil zeugt von Sprachgewandtheit und Können! Man fühlt sich direkt in die kalte winterliche Nachkriegszeit versetzt und spürt den Mangel und den Hunger. Einfache Bürger werden in ihrer Not auf dem Schwarzmarkt aktiv, handeln mit Zigaretten und veräußern das eigene Hab und Gut für einen Kanten Brot. Inmitten dieser harten Zeit taucht eine Leiche auf - drapiert und mit gefalteten Händen auf dem Bauch. Und es wird nicht die einzige bleiben.
Ich fand es faszinierend, dass die Autorin es schafft historisch korrekt zu schreiben, traurige Schicksale meisterhaft einzuweben ohne je zu dramatisch oder klischeehaft zu werden und quasi nebenbei die Protagonisten vorzustellen mit ihren jeweiligen Hintergrundgeschichten und sie einander umkreisen zu lassen bis sie zu einem Team werden! Großartig gelungen! 4,5 Sterne!
Profile Image for Nadine Schrott.
692 reviews67 followers
January 27, 2026
Ein wirklich gelungener historischer Kriminalroman.....mit hervorragend ausgearbeiteten Charakteren und gut recherchiertem geschichtlichen Hintergrund!

Im zerstören Berlin ereignet sich im Hunger Winter 1946 ein Mord. Kommisar König tut sich allerdings unter den kargen Verhältnisse der Nachkriegszeit schwer den Fall zu lösen.....doch die junge Fotografin Lou kann ihm helfen.....bis eine nächste Leiche gefunden wird.....

Absolut lesenswert!
Profile Image for Cesca Kapitelbummler.
91 reviews
January 11, 2026
Anne Stern hat durch Fräulein Gold bereits einen festen Platz in meinen Favoriten erhalten. Umso mehr hat mich die Nachricht von einem neuen Buch erfreut.

>>Die weiße Nacht<< hat mich bereits in den ersten Seiten gefesselt und ich bin gespannt Kriminalkommissar König und der Fotografin Lou bei den Ermittlungen gefolgt.

Der Schreibstil mit seinen ungeschönten und doch ergreifenden Beschreibungen hat dem Berlin von 1946 Leben eingehaucht. Die Nachkriegszeit wurde glaubhaft eingefangen, man merkt jedesmal die gute Recherchearbeit von Frau Stern!

Die Haupt- und Nebenfiguren sind wie immer authentisch und jeder für sich sympathisch. Durch Krieg und Nachkriegszeit gezeichnet versucht jeder zu überleben und die Schrecken nicht zu nah an sich ranzulassen. Die Schicksale der einzelnen Personen waren ziemlich interessant.
Der Fall und die Beweggründe des Täters bringen einige Geheimnisse zu Tage, die manch einer gern begraben hätte.

Spannend fand ich auch wieder die weibliche Hauptfigur Lou. Anne Stern versteht es, authentische Frauen zu schreiben, die man einfach nur lieb gewinnen kann. Lous Leidenschaft der Fotografie führt sie und den Kriminalkommissar König zusammen und beide ergänzen sich gut.

Bin schon sehr auf weitere Fälle mit den Beiden gespannt!
Profile Image for Geli.
248 reviews10 followers
December 21, 2025
Als ich sah, dass Anne Stern eine neue Krimireihe rausbringt, die nach dem 2. Weltkrieg spielt, war ich sehr gespannt und freute mich sehr, als ich ein Leseexemplar bei "Vorablesen" gewann. Die Serie um Hulda Gold, die inzwischen acht Bände umfasst und in den 20er und 30er Jahren spielt, mag ich sehr.


Die Story spielt zwischen dem 14. und 31. Dezember 1946 in Berlin, im sogenannten Hungerwinter, einem der kältesten Winter in Deutschland. Die besiegte Bevölkerung haust in Ruinen und erleidet schlimmsten Hunger und Kälte, die Beschaffung von Lebensmitteln und Brennmaterialien ist eine der dringensten Sorgen der Überlebenden. Es gibt zwar Lebensmittelmarken, doch nicht genug Nahrung, um satt zu werden. Der Schwarzmarkt blüht, ist aber strengstens verboten. Die Siegermächte in Berlin sind sich nicht einig und schaffen es kaum, die Lage in den Griff zu kriegen.


In diesem Setting begegnen wir der Fotografin Lou, die mit ihrer Leica versucht, Fotos zu schießen, die sie verkaufen kann. Doch das Foto, dass sie am frühen Morgen des 14. Dezembers schießt, ist eher von Interesse für die Polizei als für die Öffentlichkeit, denn sie fotografiert eine weibliche Leiche, die wie aufgebahrt im Schnee liegt, mit gefalteten Händen.


Kommissar Alfred König, der nach dem Krieg humpelnd und mit Glasauge zurück in den Polizeidienst kehrt, ist in der Mordinspektion für den Fall zuständig. Zusammen mit dem jungen Anwärter Trautwein versucht er herauszufinden, wer die Frau ist und wer ihren Tod verursacht hat. Kurz danach geschieht ein zweiter Mord, eine Kopie des ersten Falls. Was haben die beiden Frauen miteinander zu tun gehabt?


Doch auch Lou ist kriegsbeschädigt, hat ihre Kameraden im Widerstand verloren und als einzigen Freund noch Bruno an ihrer Seite, der mehr und mehr vergesslich wird. Ob ihr Ehemann überlebt hat, ist ungewiss, sie hat seit langem nichts mehr von ihm gehört.


Die beiden Jugendlichen Justus und seine Freundin Gerti leben auf der Straße und schlagen sich mit Diebstählen und Handel auf dem Schwarzmarkt durch. Da fällt Justus etwas in die Hände, dass einen entscheidenden Hinweis gibt, warum die Morde geschahen.


Mir gefiel dieser Auftaktder neuen Krimiserie richtig gut. Die Atmosphäre ist düster und anschaulich und man fröstelt beim Lesen, wenn man miterlebt, wie Lou sich durchkämpft oder König durch die Gegend läuft, weil es kaum Autos oder Straßenbahnen gibt, mit denen man von A nach B kommen kann. Die Polizisten sind gezeichnet vom Krieg, entweder körperlich oder seelisch beschädigt. Im Polizeidienst erhält man höhere Lebensmittelzuteilungen, doch als einzige Eignung muss man nachweisen, dass man im 2. Weltkrieg kein Nazi war. Das führt natürlich nicht zu der erforderlichen Qualität, um erfolgreich ermitteln zu können und so werden Tatortfotos schon mal überbelichtet, wenn man denn überhaupt das nötige Material hat.
Profile Image for Elke.
1,919 reviews42 followers
December 4, 2025
Ein rundum gelungener historischer Krimi!
An diesem Krimi passt einfach alles zusammen; die Charaktere sind glaubwürdig, die historischen Gegebenheiten überzeugend und sehr anschaulich dargestellt, und der Kriminalfall, den es zu lösen gilt, ist spannend und unvorhersehbar bis zuletzt. Besonders gefallen mir die beiden Hauptpersonen Lou und König, die auf den ersten Blick völlig gegensätzlich erscheinen, tatsächlich aber mehr gemeinsam haben als sie und wir ahnen. Erst nach und nach enthüllt sich das tragische Schicksal der beiden, vermischt mit den grausigen Eindrücken der Kriegs- und Nachkriegszeit. Wo Lou impulsiv ist, ist König besonnen, aber hartnäckig und stur sind beide gleichermaßen. Obwohl der Krieg vorbei ist, kann von Hochstimmung keine Rede sein, denn Hunger und Kälte haben die Menschen fest im Klammergriff und es geht einzig ums nackte Überleben. Und trotzdem setzen Lou und König alles daran, das Geheimnis der gefundenen Frauenleiche zu lüften und Gerechtigkeit walten zu lassen in einer Zeit, in der dieses Wort an Priorität verloren hat. Ich fiebere schon gespannt einer Fortsetzung entgegen, die ich mir nicht entgehen lassen werde.
93 reviews
Review of advance copy
December 26, 2025
Nachkriegszeit 1946
So liebe ich diese Bücher: einerseits hervorragend recherchierte Lokalgeschichte nach dem Ende des 2. Weltkriegs und andererseits das tatsächliche Leben der einfachen Leute. Sie leiden an Unterernährung, Kälte und feuchten Unterkünften. Wer in diesen Zeiten dick ist, lebt nicht von ehrlicher Arbeit. Der Duft von frischem Brot oder von Bohnenkaffee treibt den Menschen Tränen in die Augen. Die Kälte ist schon ab November allgegenwärtig. Die Bäume, die die Straßen, Gärten und Innenhöfe schmückten, sind längst gefällt und das Holz unter den Nachbarn aufgeteilt. Lou Faber, die arbeitslose Fotografin und ihr halb dementer Mitbewohner verbrennen ab und zu, wenn die Kälte zu sehr drückt, Bücher. Wenigstens für ein paar Minuten in den Genuss der Illusion von Wärme zu kommen. Der Strom wird in den Wohnvierteln täglich abgeschaltet, nur Institutionen wie die Polizei haben permanent Strom. Obwohl, auch da gibt es gelegentliche Ausfälle.
Und in all diesem Elend geschehen Morde, die während des “Tausendjährigen Reich” an der Menschlichkeit begangen wurden. Die Anfänge dieser Morde geschehen in der Hitlerzeit und werden durch seine unmenschliche Gesetzgebung sanktioniert und werden fortgeführt, bis in die letzten Kriegstage, als schon Russen und Alliierten praktisch schon in Berlin einmarschieren. durch die mehr als willigen Helfershelfern des Unrechtregimes, die sadistisch und grausam Unschuldige Menschen töten. Als klar wird, dass diese Täter ungesühnt davonkommen, nimmt ein Mensch die Gerechtigkeit in die eigenen Hände. Leider werden auch andere Opfer dieser Gewalt, weil, wenn man einmal anfängt, man nicht mehr aufhören kann. Gewalt gebiert Gewalt.
Wie einen Schlussstrich ziehen, wenn überall die ehemaligen Handlanger des Hitlerregimes wieder in Schlüsselpositionen gelangen, durch einen Stempel entnazifiziert sind und sogar ihre alten Berufe wieder ergreifen. In AMt und Würden. Plötzlich wollen alle den Juden geholfen haben, sie versteckt haben, sie beschützt haben. Wie wollen hunderttausende deutscher Juden vergast worden sein, wenn jeder arische Deutsche so viele Juden gerettet hat? Und trotzdem, sobald ein Mensch die anderen auch nur entfernt an Juden erinnert, wird hinter ihm her getuschelt und gezischt, wird ihm am liebsten der Zugang verwehrt. würden ihn die rechtschaffenen Deutschen am liebsten auch jetzt noch vergasen. Woran haben die Menschen andersartige Menschen erkannt? Was unterscheidet einen Juden äußerlich von einem Christen? Eine Frage, die seit Nathan dem Weisen immer noch offen im Raum steht. Genauso werden alle, die von den Nazis eingesperrt waren und nun frei sind, geächtet. Hitler hat ja keine Unschuldigen einsperren lassen, oder?! Jeder Hausmeister fühlt sich noch als Blockwart, will immer noch bestimmen, wer das Haus betreten darf und wer nicht. Diejenigen, die früher gespitzelt und verraten haben, tun es auch heute noch. Umdenken? In sich gehen? Neue Saiten anschlagen? Fehl am Platz. Die Mentalität sitzt so tief in den Menschen drin, Kuschen vor der Obrigkeit, andere ausspionieren und melden, oder quälen und töten, das kann nicht aus der Welt geräumt werden. Leider wurde es auch nicht. Sonst wären die heutigen rechtsgerichteten Parteien nicht so stark und die Demokratie bedrohend.
Doch zurück zum Buch. Es ist spannend, es reißt einen mit. Schöne heitere Szenen wie Schneeengel im Wald machen, alternieren mit tristen, grauen Szenen, wie der Schwarzmarkt oder die Polizeistation mit dem inkompetenten aber politisch gut vernetzten Oberkommissar Zeiss, der jetzt zwar auf die KPD schwört, aber sein politischer Hintergrund sehr trübe ist. Dann sind noch die fast friedvollen Szenen bei den Fundorten der Leichen. Und zum Schluss der große Showdown, in dem sich letztlich alles klärt. Das Buch endet mit einem Hoffnungsschimmer. Wenn Lou Faber als Polizeifotografin arbeiten kann, wird sie ein geregeltes Einkommen haben, vielleicht besser essen, denn sie wird auch eine Zuteilung von Essensmarken bekommen.
Und, was mir persönlich am besten gefällt: das Ende des Buches enthält ganz interessante Fährten, die hoffentlich zu einem oder mehreren Folgeromanen führen werden.
114 reviews
Review of advance copy
December 30, 2025
Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich ein großere Fan von Romanen über diese Zeit in dem damaligen Berlin bin. Egal ob Krimi oder Doku finde ich es spannend wie die Menschen damals so gefordert waren und gelebt haben. Und genau hier holt mich Anne Stern ab.
„Die weiße Nacht“ von Anne Stern ist kein Krimi zum schnellen Weglesen, sondern ein Buch, das sich Zeit nimmt – und genau das tut ihm gut. Die Geschichte spielt im Winter 1946/47, mitten im zerstörten Berlin. Es ist kalt, es ist dunkel, und die Menschen sind müde vom Überleben. Diese Stimmung zieht sich konsequent durch den ganzen Roman und macht ihn von Anfang an sehr dicht und glaubwürdig. Man ffühlt die die ganzen Umstände buchstäblich. Schon die ersten Seiten zeigen, worauf man sich einlässt: Berlin liegt unter Schnee, aber dieser Schnee ist alles andere als idyllisch. Er verdeckt Trümmer, Not und Schuld. Anne Stern schafft es, diese Stadt so lebendig zu beschreiben, dass man beim Lesen fast selbst friert. Besonders beeindruckt hat mich, wie selbstverständlich Hunger, Kälte und der Schwarzmarkt zum Alltag gehören – nichts wirkt überzeichnet, alles fühlt sich real an. Vor allem wenn man schon mehrere Dinge über diese Zeit gesehen hat. Im Mittelpunkt steht Lou Faber, eine junge Fotografin. Sie ist keine typische Krimiheldin, eher ruhig, beobachtend, manchmal auch unsicher. Ihre Kamera ist ihr Schutz, aber auch ihr Werkzeug, um der Wahrheit näherzukommen. Als sie eine tote Frau im Schnee findet und fotografiert, wirkt das nicht sensationslüstern, sondern fast zwangsläufig. Lou schaut hin, wo andere wegsehen. Genau das macht sie zu einer starken Hauptfigur, ohne dass sie sich ständig in den Vordergrund drängt.
An ihrer Seite steht Kriminalkommissar Alfred König, ein Mann, dem der Krieg deutlich anzumerken ist. Er ist kein harter Ermittler mit großen Sprüchen, sondern jemand, der versucht, in einer kaputten Welt noch an Gerechtigkeit festzuhalten. Mir hat gefallen, dass König nicht idealisiert wird. Er ist müde, manchmal ratlos und trägt seine eigene Vergangenheit mit sich herum. Gerade dadurch wirkt er sehr menschlich.
Der Kriminalfall selbst ist eher ruhig erzählt, aber stetig spannend. Es geht nicht nur darum, wer die Frau getötet hat, sondern vor allem darum, was Menschen nach dem Krieg zu verbergen versuchen. Immer wieder führt die Spur zurück in die NS-Zeit. Anne Stern zeigt dabei sehr eindrücklich, wie wenig abgeschlossen diese Vergangenheit ist. Schuld wird verdrängt, Verantwortung abgeschoben, und viele Figuren bewegen sich in moralischen Grauzonen. Das macht das Buch deutlich interessanter als einen klassischen „Wer-war’s“-Krimi. Besonders stark fand ich die vielen kleinen Alltagsbeobachtungen: das Organisieren von Essen, das Leben in Ruinen, kurze freundliche Gesten zwischen Fremden. Diese Szenen haben mich oft mehr berührt als die eigentliche Mordermittlung. Sie zeigen, wie Menschen trotz allem versuchen, Mensch zu bleiben – und wie schwer das manchmal ist. Der Titel „Die weiße Nacht“ passt sehr gut zum Roman. Der Schnee steht für Stille und Verdrängung, aber auch für den Wunsch nach einem Neuanfang. Gleichzeitig bleibt vieles dunkel. Nicht alle Fragen lassen sich sauber beantworten, nicht jede Schuld kann gesühnt werden. Das Ende ist deshalb eher nachdenklich als befriedigend im klassischen Sinne – für mich aber genau richtig.
Unterm Strich ist „Die weiße Nacht“ ein ruhiger, atmosphärischer Kriminalroman mit viel historischem Hintergrund. Wer Action, schnelle Wendungen und kurze Kapitel sucht, wird hier vielleicht nicht ganz glücklich. Wer aber gern in eine Zeit eintaucht, Figuren mit Tiefe mag und sich für die moralischen Brüche der Nachkriegszeit interessiert, wird dieses Buch sehr zu schätzen wissen. Es bleibt nach dem Lesen noch eine Weile im Kopf – und das ist für mich immer ein gutes Zeichen. Für mich ein schönes Leseerlebnis...
Profile Image for Azyria Sun.
631 reviews4 followers
January 9, 2026
Mord im Schatten der Vergangenheit

Worum geht’s?
Berlin 1946. Die Stadt ist gezeichnet vom Krieg, vom Hunger, von Schuld und Schweigen. Kriminalkommissar König ermittelt im Mordfall einer Frau, die mit unheimlicher Sorgfalt in einem Hinterhof arrangiert wurde – fast märchenhaft, wie Schneewittchen im Sarg. Es ist Lou, Fotografin, die die Tote entdeckt. Die Bilder lassen sie nicht mehr los. Und so beginnt sie, parallel zu König, ihre eigene Suche nach der Wahrheit.

Meine Meinung:
Mit „Die weiße Nacht“ eröffnet Anne Stern ihre neue Krimireihe – und dieser Auftakt sitzt. Das Ermittlerduo König & Lou erinnert in der Konstellation ein wenig an Emil und Billa, ein anderes Ermittlerpaar der historischen Krimiliteratur. Kriminalkommissar trifft scharfsinnige Beobachterin, Pflichtbewusstsein trifft innere Unruhe. Und trotzdem wirkt hier nichts abgekupfert. Im Gegenteil: Die Figuren stehen fest in ihrer Zeit, in ihren Verletzungen, in ihren Grauzonen. Genau das macht sie glaubwürdig. Anne Stern zeichnet ein Berlin zur Stunde null, das nicht nur Kulisse ist, sondern atmender Organismus. Ruinen, Provisorien, moralische Trümmer. Ihr Stil ist bildstark, ruhig und eindringlich zugleich. Man liest und sieht. Man liest und friert. Man liest und bleibt hängen.

König und Lou sind Charaktere, bei denen man sofort spürt: Da ist Tiefe. Da ist Vergangenheit. Und da kommt noch etwas. Besonders gelungen fand ich auch die Nebenfiguren. Trautwein, Königs junger Kollege, wirkt wie ein stiller See mit dunklem Grund. Emil, Lous Ehemann. Gregor. Und dann Bruno, ihr Mitbewohner – eine Figur voller unausgesprochener Geschichte. Überall Andeutungen, Brüche, Leerstellen. Genau so beginnt eine gute Serie: nicht alles erklären, sondern neugierig machen.

Der Fall selbst ist genauso faszinierend wie erschreckend. Die Ermittlungen führen König und Lou in eine dunkle Vergangenheit, die mit den „unwerten Leben“ der nationalsozialistischen Kinderkliniken und den noch immer nicht vollständig verarbeiteten Erlebnissen des Krieges verknüpft ist. Auch die Nürnberger Prozesse und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft der Stunde null kommen immer wieder zum Tragen. Die düsteren Geschichten aus der Vergangenheit treffen hier auf das tägliche Überleben der Berliner Nachkriegszeit, die von Schuld, Verantwortung und der Frage nach der Zukunft gezeichnet ist. Die Einblicke in die Ermittlungsmethoden und die Pathologie sind packend und authentisch – die Historie wird hier nicht bloß erklärt, sondern spürbar gemacht. Stern versteht es meisterhaft, die historische Dimension des Falls in die Ermittlungen einzuflechten, ohne dass sie erdrückend wirkt.

Die Auflösung des Falles hat mehrere überraschende Wendungen, die die Spannung bis zum letzten Moment aufrechterhalten. Und dann gibt es noch den fiesen Cliffhanger am Ende. Das Buch habe ich in einem Rutsch gelesen und es macht so viel Lust auf die Serie, die Menschen zwischen den Seiten und darauf, mehr über ihre Vergangenheit und ihre Gegenwart zu erfahren und sie gemeinsam in ihre Zukunft zu begleiten.

Fazit:
„Die weiße Nacht“ von Anne Stern ist ein packender, atmosphärisch dichter Auftakt einer vielversprechenden Krimireihe. Der historische Hintergrund ist hervorragend recherchiert und wird auf meisterhafte Weise mit dem Ermittlungsfall verwoben, ohne die Spannung zu verlieren. Die Charaktere sind vielschichtig und wachsen einem schnell ans Herz. Stern versteht es, historische Themen aufzugreifen, ohne den Leser zu überfordern, und schafft es, eine dichte, teils beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Ein fesselnder Beginn, der neugierig auf die Fortsetzung und Lust auf mehr von dieser Reihe macht.

5 Sterne von mir!
Profile Image for Moni2506.
397 reviews
January 8, 2026
„Die weiße Nacht - Der erste Fall für Lou & König“ von Anne Stern ist der Auftaktband zu einer neuen Krimi-Reihe, die in der Nachkriegszeit angesiedelt ist und in der Kriminalkommissar Alfred König und Lou Faber ermitteln. Erschienen ist der Historische Krimi im Januar 2026 bei Piper.

Kriminalkommissar Alfred König bekommt es im Hungerwinter 1946/47 mit einer Frauenleiche im Schnee zu tun. Die junge Fotografin Lou Faber hat die Tote in den Ruinen gefunden und trägt mit ihren Fotos unfreiwillig zur Ermittlung bei. Während Heiligabend näherrückt, lassen Lou die gefalteten Hände der Toten nicht los. Mit ihrer Intuition hilft sie König und ahnt bald, dass hinter seinem Schweigen ein Geheimnis steckt, das sie verbindet. Der Fund weiterer Leichen setzt die Ermittler unter Zeitdruck und weist in eine neue Richtung, zurück in die finstere Vergangenheit.

Hier konnte ich nur schwer widerstehen und wollte sofort einsteigen. Ihre Fräulein Gold-Reihe gefällt mir so gut und wenn jemand die Zwischentöne einer Zeit einfangen kann, dann ist es Anne Stern.
Diese Reihe fängt tatsächlich mit dem Fund einer Leiche an und doch ist da direkt so viel mehr. Der Ort Berlin ist geblieben, doch der zweite Weltkrieg ist beendet und das zweite Weihnachtsfest in Frieden steht bevor. Ich fühlte mich direkt in die Zeit versetzt und konnte mir alles bildlich vorstellen.
Mehrere Perspektiven wechseln sich ab und gewähren Einblick in den Alltag der Menschen im Hungerwinter 1946/1947. Die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln ist schwierig, überall in Berlin gibt es Ruinen, es ist nicht leicht Arbeit zu finden, die Polizei muss neu aufgebaut werden und der Schwarzmarkt blüht. All dies fängt Anne Stern wunderbar ein und zeigt auch die Ambivalenzen auf, die diese Zeit prägen.
Lou Faber und Alfred König mochte ich beide gerne. Es sind Charaktere, die auch Ecken und Kanten haben und beide auf ihre Weise durch den zweiten Weltkrieg gekommen sind. Lou Fabers Leidenschaft ist die Fotografie und so ist sie es, die bei ihren Streifzügen durch die Ruinen die Leiche entdeckt. Alfred König ist Kriminalkommissar und gezeichnet vom Krieg. Er selber hätte nicht erwartet nochmal für den Staat zu arbeiten und Verbrechen aufzuklären.
Es gibt noch einige weitere Nebencharaktere, bei dene ich mir recht sicher bin, dass diese auch in den folgenden Bänden dabei sein werden. Einer davon ist Justus, ein Jugendlicher, der aus dem ehemaligen Osten Deutschlands nach Berlin geflohen ist und sich in diesem Band auf dem Schwarzmarkt durchschlägt. Ich bin sehr gespannt, wie sich sein Leben verändern wird.
Und dann gibt es noch einen Erzählstrang, der einem Kriegsgefangen folgt, der u.a. rumänisch spricht, aber wo man noch nicht so genau weiß, wie dieser sich in das große Ganze einfügt. Anne Stern hat am Ende dieses ersten Bandes noch viele Enden offen gelassen, die spannende Themen für die Folgebände versprechen. Auf jeder Seite merkt man, das gut recherchiert worden und hier viel Detailarbeit hineingeflossen ist und insbesondere Berlin mit seiner Einteilung in 4 Besatzungszonen eignet sich wunderbar, um die historischen Entwicklungen unmittelbar nach dem Krieg nachzuzeichnen.

Fazit: Ein toller Einstieg in die neue Krimi-Reihe rund um Lou Faber und Alfred König, die neugierig macht auf mehr. Die Ambivalenzen jener Zeit wurden großartig von Anne Stern eingefangen. Es waren mir ein bisschen zu viele Themen, die bereits in diesem ersten Band aufgemacht wurden, aber ich bin mir jetzt schon sicher, dass mir die gesamte Reihe sehr gut gefallen wird.
142 reviews
January 2, 2026
Inhalt siehe Klappentext.
Ich habe vor einigen Wochen die Leseprobe zum Start der neuen Reihe gelesen und war, weil ich bereits andere Reihen und Einzelbände von Anne Stern kenne, auf den vollständigen Roman gespannt.
Aufgefallen ist mir zunächste das großteils schwarz gehaltene Titelbild, weil man die Jahrmarktszene wirklich sehr detailliert durch ein Kameraobjektiv sieht und damit den Blick von Lou hat. Sie macht sich alleine interessant durch ihre Leidenschaft - das Fotografieren. Viel bleibt ihr dieser Tage leider nicht zur Freude.
König gibt nur sehr wenig von sich preis, nämlich dass er durch eine Verletzung im Sehen eingeschränkt ist. Im Laufe des Buches lernt man seine Traurigkeit aufgrund der Vergangenheit besser kennen, König macht das Beste aus seiner Situation.
Ich mag Anne Sterns Bücher, sowohl die historischen, als auch diejenigen, die in der Gegenwart spielen. Der eiskalte Nachkriegswinter 1946/47 war 30 Jahre vor meiner Zeit, daher kenne ich aus dieser Zeit nur Details aus Büchern: hart, traurig, tragisch, aber dennoch hochinteressant, weil keiner gerne drüber gesprochen hat und ich meine Großeltern leider nicht mehr dazu befragen kann.
Beim Lesen fiel mir als Nicht-Berlinerin direkt auf, dass in Oberschöneweide, in dessen Gebiet damals die neue Polizeischule war, heute das Büro meines Mannes ist und ich selbst schon dort war. Ich freue mich beim Lesen immer, wenn ich Schauplätze erkenne.
Lou (Marielouise) und König haben einen sehr holprigen Start, das erste Aufeinandertreffen hätte nicht schlechter laufen können. König fühlt sich von Lou und ihrer Kamera bedrängt und belästigt, Fakt ist wohl auch, dass Lou eine Frau ist. Aber es zieht sie doch beide, bewusst unbewusst, dezent zueinander hin, was natürlich keiner zugeben möchte.
Das Rätsel um die seltsam drapierten Toten lässt König nicht los, obwohl er überall auf Ablehnung und Skepsis stößt, vermutlich, weil er so unbequem und hartnäckig ist. Lou ist die Einzige, die seine Interessen teilen könnte, aber so weit sind die Beiden noch nicht. Lou muss täglich schauen, wie und wo sie bleibt, damit sie und Bruno am Leben bleiben. Es ist erschreckend zu lesen, wie Personen, die "anders" waren, von den Nazis aussortiert wurden, weil sie nicht dem Ideal einer Person entsprachen, und keiner tut etwas dagegen. Im Vertuschen waren die Deutschen gut. Ich wäre nicht auf die Lösung gekommen, wer der Mörder war, diese Kombinationsgabe liegt bei König und Trautwein. Die meiste Zeit konnte mich das 323 Seiten umfassende eBook (Print: 400 Seiten) packen, urlaubsbedingt habe ich ein paar Tage pausiert und dann war es nicht ganz so einfach, den Wiedereinstieg zu schaffen. Insgesamt vergebe ich für „Die weiße Nacht“ 4,5 Sterne mit Leseempfehlung, sicher werde ich die Folgebände auch lesen.
699 reviews11 followers
January 31, 2026
Schatten der Vergangenheit

Dass Anne Stern historische Romane um starke Frauenfiguren und mit einer ordentlichen Würze Spannung kann, hat sie mit ihrer Reihe um die Hebamme Hulda Gold im Berlin der 1920-er Jahre bewiesen. Berlin ist auch die Kulisse einer neuen historischen Krimireihe, deren Auftaktband "Die weiße Nacht" ist. Diesmal führt Stern ihre Leser*innen allerdings in die Berliner Trümmerlandschaft des Jahres 1946.

Lou Faber, eine junge Fotografin, sucht die Ästhetik inmitten der Zerstörung. Wenn sie Glück hat, kann sie auch das eine oder andere Bild an eine Frauenzeitschrift verkaufen, aber wovon die - ursprünglich wohl großbürgerliche - junge Frau eigentlich ihr Einkommen bestreitet, bleibt letztlich unklar. Bei einer ihrer Fotorecherchen findet sie auf einem Trümmergrundstück die Leiche einer jungen Frau.

Die Tote ist ein Fall Kommissar Alfred König der Berliner Polizei, der in seinem beruflichen Umfeld teils mit Dilettanten, die im Schnellkurs zu Polizisten gemacht werden, zu tun hat, oder aber mit Beamten, die auch schon in Nazi-Deutschland bei der Polizei - und nur allzu oft auch in der NSDAP - waren. Auch König hat lange mitgemacht. Doch als er als Mitglied eines Polizeiregiments in Belarus an Massakern teilnehmen sollte, verweigerte er den Befehl und kam in Lagerhaft.

Auch Lou Faber, die einer der Weißen Rose nachempfundenen Widerstandsgruppe angehörte, wurde während des Krieges verfolgt. Doch anders als die meisten ihrer Freunde hat sie überlebt. König traut sie zunächst nicht, doch trotz gegenseitigen Widerwillens diskutieren sie den Fall, tauschen Hinweise aus und ermitteln gewisserma��en gemeinsam. Dabei kommt Lou der Wahrheit schneller näher, als sie ahnt.

Die Autorin hat wie bei ihren anderen Romanen wieder ausgiebig recherchiert - das Buch enthält zahlreiche historische Details und spiegelt die Atmosphäre eines bitterkalten Winters zwischen schnell verdrängter Vergangenheit und ungewisser Zukunft. Beim Lesen ahnt man früher als die Ermittler die Zusammenhänge zwischen Nazi-Verbrechen und einer Rache an damals Verantwortlichen.

Angesichts der vielen Mitläufer, Wegschauenden und Opportunisten im nationalsozialistischen Deutschland scheint es allerdings fast schon unglaubwürdig, dass sich hier gleich zwei Lichtgestalten zusammenfinden, die "Nein" gesagt haben. Die ganz überwiegende Mehrheit der Deutschen im Dritten Reich waren nun einmal keine Scholls oder von Moltkes. Und beim Umgang mit dem Thema Schuld, Verdrängung und Aufklärung hätte es vielleicht nicht geschadet, eine Hauptfigur mit mehr Ambiguität zu haben, auch wenn sie nicht die Sympathiepunkte eines Protagonisten aus dem Widerstand hat.

Profile Image for Die Bücherfanten.
21 reviews
Review of advance copy received from Publisher
December 15, 2025
Die Schatten der Vergangenheit

Darum geht es:
Der Winter in Berlin 1946/47 ist hart, kalt und unbarmherzig. Auch mehr als ein Jahr nach Kriegsende liegt die Stadt noch in Trümmern, Lebensmittel sind rationiert und der eine Baum, der jedem zum Abholzen zugeteilt ist, schon längst verfeuert.
Die Fotografin Lou Faber läuft durch die Straßen auf der Suche nach einem Motiv, einem Bild, das sie evtl. an Magazine verkaufen kann. Dabei entdeckt sie in den Trümmern eines Hauses eine Frauenleiche mit vor dem Körper zusammengelegten Händen. Eine Haltung, die sie zu mehreren Fotos verleitet, ehe sie die Polizei ruft.
Kriminalkommissar Alfred König hat die letzten Kriegstage wegen Befehlsverweigerung im Gefängnis verbracht und sich so anscheinend das Vertrauen der Alliierten erworben, die »unbescholtene« Polizeibeamte für einen Neuanfang benötigen. Er ermittelt in diesem Fall und trifft auf die resolute Lou, die der Polizei nicht traut. Getrennt und doch gemeinsam folgen sie den Spuren, doch erst einige Leichen später kommt die ganze Tragödie ans Licht, die ihren Ursprung in den unsäglichen Taten der Nazizeit hat.

Mein Eindruck:
Trostlos, bitterkalt, verzweifelt mit einem Hauch Mut. So stellt sich mir Berlin am Ende des Jahres 1946 vor. Die Stadt und der Winter, das Misstrauen gegenüber den Mitmenschen und der Polizei, die »Überläufer«, die auf einmal nichts mehr mit dem Naziregime zu tun hatten. Die Zeiten nach dem Krieg werden eindrücklich und erfahrbar beschrieben. Lou und König haben sich beide klar gegen die Nazis gestellt und dafür gelitten und mit seelischen und körperlichen Schäden bezahlt. Trotzdem kämpfen sie sich durch die schweren Zeiten.
Die Krimihandlung ist solide erzählt, spannend bis zur Auflösung. Dennoch hat das Buch Längen, zum einen in einigen Kapiteln, die von einem Kriegsgefangenen im russischen Lager erzählen. Zum anderen bremsen die immer wieder ausführlich gezeigten schlimmen Verhältnisse, die Kälte, der Hunger beim Lesen aus. Irgendwann war es mir einfach zu viel. Ich hatte im ersten Teil des Buches schon ein gutes Bild von den schlimmen Lebensbedingungen. Da musste für mich nicht die x-te Beschreibung, wie kalt und unwirtlich die Situation war, auf einer ganzen Seite erzählt werden.

Fazit:
Ein Blick in das kalte Nachkriegsdeutschland in all seinen Widersprüchen. Zwei unterschiedliche Charaktere mit ihren eigenen Wunden aus der Kriegszeit, die sich wieder ins Leben kämpfen. Trotz einiger Längen ein gelungenes Buch und ein Auftakt, der neugierig macht auf mehr von Lou und König.
Profile Image for Domic.
909 reviews18 followers
November 28, 2025
Ich habe das ebook bei Vorablesen.de gewonnen und durfte es schon vorab lesen - das Buch erscheint am 2.1.26.
Ich mochte die Hulda-Gold-Reihe der Autorin sehr und war gespannt, wie sie einen Krimi in einer anderen Zeit erzählen würde- kann sie auch gut!
Das Cover zeigt die Spiegelung eines Kettenkarussells vor einer Trümmerlandschaft - passt ganz gut, denn eine der Hauptfiguren ist Fotografin.

Wir begleiten die arbeitslose Fotografin Lou, die bei ihren Streifzügen in den Ruinen von Berlin-Kreuzberg in der Vorweihnachtszeit 1946 auf eine Leiche stößt. Kommissar König nimmt die Ermittlungen auf - und es bleibt nicht bei einer Leiche... Es werden neben Lou und dem Kommissar noch viele weitere Figuren eingeführt, von denen nicht alle (im Moment) etwas mit der Geschichte zu tun haben, ich vermute mal, da werden weitere Geschichten vorbereitet.

Die Figurenkonstellation haben mich schon sehr an Hulda Gold erinnert: Lou ist quasi Hulda, König ist Karl, Lous Mitbewohner Bruno ist Bert... Der Waisenjunge Justus, der sich mit seiner Freundin Gerti als "Schwarzhändler" versucht, hat zwar am Rande mit der Geschichte zu tun, aber am Ende wird eine neue Geschichte angeteasert, in der er wohl eine größere Rolle spielen soll.

Und dann gibt es noch die Kapitel, in denen ein Gregor aus einem Kriegsgefangenenlager in Russland berichtet, da war - zumindest mir- bis zum Ende nicht klar, was das soll - vermutlich wird auch das später aufgelöst.

Der Kriminalfall selbst war spannend - und nicht besonders grausam erzählt, die Auflösung für mich schlüssig. Aber wie schon bei Hulda Gold ging es für mich hier nicht vorrangig um den Krimi, sondern eher um das Lokalkolorit und die historischen Zusammenhänge, die die Autorin hier wieder sehr gut rüberbringt: Die Kälte in den nicht zu beheizenden Ruinen, Stromknappheit, nichts zu Essen, die politischen Händel der Besatzermächte im aufgeteilten Berlin, Nazis sitzen weiterhin auf einflussreichen Positionen... Die Atmosphäre war schon ziemlich bedrückend, sicher keine kuschelige Wohlfühl-Stimmung, aber für mich sehr authentisch.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen und war auch ziemlich schnell durch, die Kapitel sind recht kurz, die Erzählperspektive wechselt zwischen dem Kommissar und Lou, eingestreut werden Kapitel aus der Sicht von Justus und Gregor.

Ich bin gespannt auf weitere Bänder der Reihe und vergebe solide 4 von 5 Sternen.
186 reviews
January 8, 2026
Sowohl das Cover als auch die Inhaltsangabe sprachen mich sofort an, und so zog "Die weiße Nacht" von Anne Stern, erschienen am 02.01.2026 im Piper Verlag, sofort nach Erscheinungsdatum bei mir ein. Es war der erste Buch-Neuzugang im Jahr 2026.


„Don't judge a book by its cover“, heißt es ja so schön. Doch hier spiegelt die Umschlaggestaltung extrem gut den Handlungsverlauf wider. Die Kameralinse, die ein Kettenkarussell einfängt, das vor Ruinen seine Runden dreht und den Neuanfang einläutet. Diese Storyline lebt von ihrem Setting, denn die Autorin schafft es perfekt, diesen Winter 1946 vor mein inneres Auge zu projizieren. Ich spürte förmlich die Kälte, den Hunger und wanderte fast schon zusammen mit Kommissar König und Lou durch das tief verschneite und zerbombte Berlin. Bei jeder Seite merkt man, wie genau Anne Stern diese Zeit recherchiert hat. Genau dies macht das Buch auch so einzigartig.

Der Spannungsbogen des Mordfalles kombiniert die Autorin ausgewogen und schön mit den privaten Schicksalen ihrer Protagonisten. Mir persönlich hat das sehr gut gefallen; jedoch könnte ich mir vorstellen, dass einigen Leser:innen vielleicht der Kriminalfall zu wenig Raum einnimmt. Für mich war die Mischung in diesem Fall perfekt, denn so bekam ich wirklich tiefe Einblicke in das Überleben der damaligen Zeit. Die Kriegserlebnisse, die sowohl König als auch Lou zu verarbeiten haben, sind heftig und spiegeln das Grauen des Krieges in vielen Facetten wider, genau wie die Auflösung des Mordes. Die Zeit der (Un-)Schuld wurde gut vermittelt, und so konnte ich die Gedanken, das Handeln und die Gefühle der Protagonisten zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen.

Dieser Roman ist etwas Besonderes, und ich kann ihn jedem von euch, der gerne historische Spannungsromane, die um die Zeit des Zweiten Weltkrieges angesiedelt sind, mit 5 von 5 Sternen weiterempfehlen. Das Buch las sich dank der gut recherchierten und klug konstruierten Storyline äußerst gut. Die Autorin schaffte es, ohne Längen eine wirklich tief berührende Geschichte zu erzählen, die mich wirklich gefesselt hat.
1,305 reviews2 followers
December 22, 2025
Ich kenne die Autorin bereits von ihrer "Fräulein Gold" Reihe aber auch von ihrer Reihe rund um die Dresdner Oper und ihre Bücher haben immer wieder einen besonderen Zauber und lassen sich sehr gut lesen. Auch dieses neueste Werk hat mir unglaublich gut gefallen und ich kann es kaum erwarten den nächsten Teil zu lesen.

Kriminalkommissar Alfred König bekommt es im Hungerwinter 1946/47 mit einer Frauenleiche im Schnee zu tun. Die junge Fotografin Lou Faber hat die Tote in den Ruinen gefunden und trägt mit ihren Fotos unfreiwillig zur Ermittlung bei. Während Heiligabend näherrückt, lassen Lou die gefalteten Hände der Toten nicht los. Mit ihrer Intuition hilft sie König und ahnt bald, dass hinter seinem Schweigen ein Geheimnis steckt, das sie verbindet. Der Fund weiterer Leichen setzt die Ermittler unter Zeitdruck und weist in eine neue Richtung, zurück in die finstere Vergangenheit.

In die Geschichte habe ich sehr gut reingefunden, der Schreibstil ist wie immer angenehm und locker zu lesen, dabei aber auch sehr bildhaft und so beschreibt die Autorin den Hungerwinter sehr lebendig und anschaulich, was manchmal natürlich für den Leser auch schwer zu verdauen ist. Vorallem Lou ist eine sehr sympathische Protagonistin mit der ich mich gut identifizieren konnte und die authentisch agiert hat. Aber auch die anderen Charaktere tragen zu einer sehr gelungenen Geschichte bei!

Ich mochte vorallem auch den Mix aus historischem Roman und Krimi sehr gerne, die Handlung ist immer mitreißend und spannend und mich konnte dieser Genremix wieder ganz von sich überzeugen! Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Teil, da ich ganz wunderbar unterhalten wurde!

Fazit: Wieder einmal konnte die Autorin mich in den Bann ziehen mit ihren Geschichten und ich gebe gerne die volle Punktzahl und eine Leseempfehlung ab.
Profile Image for Gitti.
1,178 reviews
Review of advance copy
December 20, 2025
Lou Faber schlägt sich im Nachkriegs Berlin im Winter 1946 mehr schlecht als recht als Fotografin durch. Eines Tages entdeckt sie die Leiche einer Frau und fotografiert sie. Bei den Ermittlungen der Polizei lernt sie Alfred König, den ermittelnden Kommissar kennen. Und obwohl sie keinen Grund hat der Polizei zu trauen hilft sie ihm immer wieder bei den Ermittlungen.

Die weisse Nacht ist der Auftakt zu einer neuen Reihe von Anne Stern rund um Lou und Alfred. In diesem Buch lernen wir die beiden näher kennen und erfahren was sie in der Nazizeit gemacht haben und ihre Beweggründe, warum beide den Obrigkeiten nicht trauen. Alfred hadert auch immer wieder mit der Ausstattung der Polizei und den politischen Intrigen, die seine Arbeit regelmäßig behindern.

Anne Stern beschreibt das winterliche Berlin mit seinen eisigen Temperaturen und der zerstörten Stadt sehr bildlich. Der Krieg mag vorbei sein, trotzdem ist das Leben hart und gefährlich. Es gibt kaum etwas zu essen oder zu heizen und der Schwarzmarkt blüht. Und die Alliierten wollen zwar eine unbelastete Polizei aufbauen, allerdings ist unbelastet nicht gleich qualifiziert und die Politik mischt eifrig in den Polizeidingen mit.

Mir hat das Buch gut gefallen. Man lernt die beiden Protagonisten nach und nach kennen und die Annäherung der beiden wirkt sehr glaubwürdig. Hier wird eine gute Grundlage für weitere gemeinsame Fälle aufgebaut und das Ende lässt darauf hoffen, dass ein zweiter Band bald geplant ist.

Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen. Nach den Romanen um Hebamme Hulda startet hiermit eine neue Reihe, auf die ich weiterhin gespannt bin.
39 reviews
January 4, 2026
„Die weiße Nacht“
Von Anne Stern

Berlin, im Winter 1946. Die Stadt ist zerstört, es ist eiskalt und die Menschen hungern.
Die Fotografin Lou Faber streift durch die Straßen und findet eine Leiche im Schnee.
Sie macht Fotos, stellt Fragen und findet sich auf einmal in den Ermittlungen wieder.
Der Kommissar Alfred König versucht, in all diesen Wirren ein neues Polizeiteam zusammenzustellen, es fehlt an so vielen Dingen und die Kälte und der Hunger machen die Dinge noch schwieriger.
Und so finden sich die beiden und werden (vermutlich in den weiteren Teilen) zu einem festen Team.
Zwei verwundete, verschlossene Menschen, die furchtbare Dinge erlebt haben und noch nicht das Vertrauen haben, darüber zu sprechen.
Sie haben Menschen verloren und auch selbst ein schlechtes Gewissen und sind auf dem Weg, ihre Vergangenheit zu verarbeiten.

„Ich weiß es nicht«, sagte sie. » Es ändert ja nichts mehr. Aber ich finde es einfach unglaublich, dass wir alle durch die Welt gehen, als sei das nie geschehen, wenn doch die Lücken, die all diese Leute gerissen haben, überall zu spüren sind.« Sie blickte auf den Tisch. »Wie Sie schon sagten, es gibt nicht viele Menschen, mit denen man offen reden kann.“

Und dann gibt es ja noch diesen einen Mordfall, der dann zu einer Serie wird.
Spannend, leicht geschrieben…man fliegt da einfach durch die Seiten und mit Hinweisen auf geschichtliche Ereignisse, die man nicht oft genug erwähnen kann.

Anne Stern schreibt über diese Zeit immer sehr direkt und nah an den Figuren. Es ist authentisch und sehr atmosphärisch und ich bin schon gespannt auf die weiteren Fälle von Alfred König und Lou Faber.
Profile Image for Karola.
829 reviews7 followers
December 1, 2025
Überzeugende Motive – Morde schlüssig enträtselt.
Das Cover zeigt eine historische Schwarz-Weiß- Aufnahme des beschädigten Reichtaggebäudes in Berlin mit Erwachsenen auf einem fahrenden Kettenkarussell davor, festgehalten durch ein Objektiv. Der fehlende Schnee und die leichte Bekleidung der Personen lassen eher auf eine sommerliche Periode schließen. Der Buchtitel verrät jedoch schon den Schneezauber und die Kälte im Hungerwinter 1946/47. Mit Kriminalkommissar Alfred König und der Fotografin Lou Faber als Hauptfiguren werden nicht nur Mordfälle aufgeklärt, sondern auch deren tragische Vergangenheit mit ihren kaum zu verschleiernden Geheimnissen. Die bedrückende Atmosphäre voller Kälte, Hunger, Mangelwirtschaft und Improvisation in der 4-Sektorenstadt steht lebendig und überzeugend neben der glaubwürdigen Figurenzeichnung zwischen beklemmenden Nachkriegsruinen. Thematisiert werden Widerstandsbewegungen wie z.B. der Kreisauer Kreis, das Zuchthaus und die Sicherungsanstalt Brandenburg-Görden oder auch die Städtische Nervenklinik für Kinder und Jugendliche Wiesengrund. Dass viele führende Repräsentanten des NS-Staates schuldfrei aus den Nürnberger Prozessen davonkamen, fand verständlicherweise wenig positives Echo in der Bevölkerung, auch nicht bei dieser Mordkommission.
Eine gelungene Verknüpfung deutscher Geschichte mit einem atmosphärisch bedrückenden Nachkriegskrimi.
Profile Image for Christina.
59 reviews1 follower
January 19, 2026
Das Cover zeigt farblich ohne Umschweife, dass man sich in Anne Sterns neuer Krimireihe (die ganzen losen Enden und Cliffhanger versprechen jedenfalls eine Fortsetzung!) um Lou und König in einer düsteren Zeit der Entbehrungen wiederfinden wird. Markant dokumentiert von der Protagonistin Lou, die mit ihrer Leica durch die unvorstellbaren Trümmerlandschaften Berlins streift - stets auf der Suche nach Nahrung und Tauschwaren für einen weiteren Tag Überleben in der kalten Stadt, die kaum noch ein Schatten ihrer selbst ist, auch noch fast 2 Jahre nach Kriegsende. Auf einer solchen Runde stößt sie auf die erste einer ganzen Reihe merkwürdig drapierter Leichen, die förmlich gefunden werden wollen... König kommt hier als Ermittler der neu gegründeten Polizeinheit ins Bild und er benötigt die Unterstützung der Fotografin Lou!
Das Buch war ein feines Leseerlebnis, historisch detailgenau recherchiert und atmosphärisch sehr beeindruckend. Man liest von einer Zeit, die bisher wenig durch Buch und Film abgedeckt ist und das auf eine sehr eindrückliche und ergreifende Weise. Ich kann kaum auf einen Band 2 warten.
12 reviews
Review of advance copy received from Publisher
December 17, 2025
Spannender Auftakt

Der erste Fall für die junge Fotografin Lou und den Kriminalkommissar König beginnt mitten im Schnee im Winter 1946 in Berlin. Eine Frauenleiche liegt in den Ruinen der vom Krieg gezeichneten Stadt und so beginnt die Suche nach der Mörderin oder dem Mörder.

Wie immer hat die Autorin Anne Stern intensiv für diesen Roman recherchiert und die Atmosphäre der Nachkriegszeit gut einzufangen. Man taucht nach wenigen Seiten in die Atmosphäre des Nachkriegs-Berlins ein, Hunger und Armut sind spürbar beim Lesen.

Besonders interessant finde ich die Einblicke in die Gefühle derjenigen, die Schlimmes im Krieg erlebt haben und nun zum Alltag zurückkehren sollen, ständig konfrontiert damit, dass in ihrem Umfeld noch viele Menschen sind, die sich an den grausamen Taten der Nazis beteiligt haben.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen, freue mich auf weitere Fälle für Lou und König und bin gespannt, wie die beiden sich weiter entwickeln werden und wie sie ihre Vergangenheit hinter sich lassen können.
Profile Image for yellowdog.
858 reviews
January 2, 2026
Nach dem Krieg

Anne Stern ist die Königin des historisch angehauchten Kriminalromans der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und ihr neuer Roman ist 1946 in Berlin angesiedelt. Da sie eine erfahrene Autorin des Genres ist, gelingt ihr sofort eine dichte, beklemmende Atmosphäre, denn in Berlin ist es nach dem Krieg sehr hart. Viele hungern. Die Detailbeschreibungen von Berlin in dieser Zeit legen nahe, dass Anne Stern wieder genau recherchiert hat.

Die Autorin wählt zwei „Typen“ als Hauptfiguren aus. Der versehrte Kriminalkommissar König und die toughe Fotografin Lou. Beide sind von der Nazizeit persönlich unbelastet, dennoch leidtragende. Es wäre auch interessant gewesen, Hauptfiguren zu wählen, die Schuld auf sich geladen haben und damit fertig werden müssen, aber Anne Stern hat es anders geplant und sonst wäre es auch ein ganz anderes Buch geworden. Die Schuldfrage ist dennoch in den Plot integriert. Der Kriminalfall beginnt verhalten, entwickelt sich aber. Es überzeugte auch, wie die Protagonisten agieren und eine gewisse Spannung kann Anne Stern generieren.
2,307 reviews13 followers
January 10, 2026
Zum Inhalt:
Kommissar König bekommt es im Hungerwinter 1946 mit einer Frauenleiche zu tun, die besonders drapiert wurde. Die Fotografin Lou hat die Frau gefunden und auch fotografiert und sie lässt die Darstellung nicht los und ermittelt selbst ein wenig. Als weitere Leichen gefunden werden, kommt König immer mehr unter Druck.
Meine Meinung:
Warum auch immer habe ich mich anfangs total schwer getan mit dem Buch und der Story, das hat aber zum Glück so nach einem Drittel des Buches nachgelassen und irgendwann fand ich das Buch sehr spannend, gerade auch was die Klinik anging und warum die Morde geschahen. Die Protagonisten fand ich interessant, wobei mir Lou am besten gefallen hat. Ich denke, dass es eine Frau in der Zeit als Fotografin echt schwer hatte. Auch die Verhältnisse der damaligen Zeit in Bezug auf die Knappheit allen lebensnotwenigen kam sehr gut rüber.
Fazit:
Hat mir gefallen
Profile Image for Hannah.
35 reviews1 follower
December 22, 2025
Ich hatte dieses Buch für meinen Vater gekauft, weil dieser diese Art von Krimis wirklich gerne liest. Es ist immer wunderbar durch ein Buch auch noch durch die Zeit zu reisen gleichzeitig vielleicht auch noch etwas zu lernen.

Meinem Vater hat das neue Duo wirklich gut gefallen und auch die Gestaltung der Charaktere an sich. Leider musste er anmerken, dass die Geschichte an einigen Stellen etwas langatmig war und er somit nicht wirklich die Spannung erleben konnte, welche er erwarte hatte. Vielleicht ist dies allerdings auch eine persönliche Sache, was man genau von diesem Buch erwarte und ob einem die Ausführungen begeistern.

Trotzdem waren vor allem die Darstellung der Zeit und die Ausarbeitung der Charaktere wunderbar und dadurch ist dieses Buch trotzdem zu empfehlen. Demnach liegt es nun an euch und was ihr erwartet von der Geschichte.
Profile Image for Buchdoktor.
2,386 reviews193 followers
January 1, 2026
Die Berlinerin Marieluise Faber findet auf der Suche nach Fotomotiven, die sie an Zeitschriften verkaufen will, eine sorgfältig wie Schneewittchen drapierte Frauenleiche im Schnee. Im zweiten Winter nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Berliner erschöpft von Lebensmittelknappheit, Brennstoffmangel und den kratzigen umgefärbten Uniformstoffen, aus denen notgedrungen Kleidung genäht wird. „Lou“ lebt noch immer am Chamissoplatz, wo sie aufgewachsen ist, in Zweckgemeinschaft mit ihrem engen Freund Bruno, der von der Haft als politischer Gefangener schwer gezeichnet wirkt. Das Schicksal ihres verschwundenen Ehemanns Emil ist noch ungeklärt. Durch eine gewinnbringende Beziehung zu einem US-Soldaten konnte Lou eine hochwertige Kamera ergattern, ohne die sie ihren Beruf nicht ausüben könnte.

Am Fundort der Toten begegnet sie dem ebenfalls schwer von Gefängnishaft gezeichneten Kriminalbeamten König, der zwangsverpflichtet von den Russen, eher widerwillig in seinen alten Beruf zurückgekehrt ist. König hadert damit, dass der Berufsnachwuchs der Polizei praktisch in achtwöchigen Schnellkursen ausgebildet wird – unterrichtet von alten Hasen wie ihm. Zögerlich muss König allerdings anerkennen, dass er und sein sehr junger Inspektor Trautwein in kürzester Zeit zu einem unschlagbaren Team zusammengewachsen sind. Da König durch die aktuelle Mordserie die zukünftige Bedeutung der Kriminalfotografie bewusst wird, zeigt sich sein Zusammentreffen mit Lou als Glücksfall für beide, aber auch für Anne Sterns Leser:innen. Lou gibt mit der spontanen Äußerung, sie wären am Fundort, nicht am Tatort, früh zu erkennen, dass sie keine unbedarfte Hobbyfotografin ist. Sie weckt damit meine Neugier auf ihr Leben vor der Begegnung mit König, über dessen Vorgeschichte auf den ersten Blick mehr zu erfahren ist. Als es zu weiteren Aufbahrungen Ermordeter kommt, stellt sich den Ermittlern die Frage, welches gemeinsame Motiv die Taten verbindet und ob ein Zusammenhang bestehen könnte zur Nachkriegswirtschaft, in der auf dem Schwarzmarkt noch immer mit Zigaretten-Währung gezahlt wird.

In weiteren Handlungsfäden lernen wir Gregor kennen, der als Kriegsgefangener in einem Lager südwestlich von Moskau interniert ist, sowie in Berlin den Schwarzhändler Justus, der durch die Einberufung zum Volkssturm in den letzten Kriegstagen früher für erwachsen erklärt wurde, als man einem Jugendlichen wünschen wurde.

Fazit
Anne Sterns Einstiegsband in eine neue Serie historischer Kriminalromane überzeugt mit der empathisch wiedergegebenen Atmosphäre des eisigkalten Berlins. Die Bewohner realisieren unwillig, dass die ehemaligen Kriegsverbrecher des Nationalsozialismus unbehelligt in Amt und Würden bleiben, während die Bevölkerung hungert und sich durch den Vier-Mächte-Status der besetzten Stadt kaum „befreit“ fühlt. Die bisher aufgetretenen Figuren und Lous Begegnung mit König versprechen interessante Verbindungen in den Fortsetzungsbänden. Für die Folgebände wünsche ich mir allerdings größere Präzision in der Beschreibung handwerklicher Abläufe wie dem Entwickeln eines Schwarz-Weiß-Films oder dem Aufmauern einer Backsteinmauer. Der Fachwortschatz allein bringt noch keine logischen Abläufe.
Profile Image for Sabine.
187 reviews8 followers
January 30, 2026
Super atmosphärisch geschrieben, herzzerreißend auf vielen Ebenen, der Fall könnte etwas vertrackter sein, aber das hat mich nicht sehr gestört. Die Auflösung und der Showdown(!) waren trotzdem toll.
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