Mutter, Ehefrau, MTA. Erfüllt alle Rollen, doch daneben gibt es eine, von der niemand etwas weiß.
Oberarzt, Ehemann, Vater. Tut alles für seine Familie, opfert sich auf als Arzt – und wer dankt es ihm?
Gymnasiastin. Zum ersten Mal richtig verliebt. Sucht ihren eigenen Weg, geht aber den des Freundes.
Student. Es geht ihm gut. Es geht ihm wirklich gut. Verdammt noch mal, es geht ihm gut!
Nina, Alexander, Emilia und Ben. Eine liebevolle Mutter, ein beruflich erfolgreicher Vater, zwei wohlgeratende Kinder. Doch wenn der Druck steigt, reißt die Fassade auf.
Kira Mohn schreibt sehr authentisch und lebensnah. Ich bin unglaublich schnell durch die Seiten geflogen und konnte das Buch zeitweise kaum aus der Hand legen.
Alle glücklich hat mich auf eine ganz besondere Art berührt, weil es so nah an der Realität ist. Die Geschichte einer scheinbar perfekten Familie, hinter deren Fassade es ordentlich bröckelt. Das klingt erst mal nicht spektakulär, aber genau darin liegt die Stärke dieses Romans.
Erzählt wird abwechselnd aus den vier Perspektiven der Familienmitglieder: Nina, Alexander, Emilia und Ben. Jeder hat seine eigenen Probleme, Ängste und Sehnsüchte, aber niemand redet wirklich miteinander. Dieses Nebeneinander-her-Leben hat mich stellenweise richtig beklommen gemacht, weil ich mich in manchen Situationen selbst wiedererkannt habe. Die Autorin hält einem hier ganz schön den Spiegel vor!
Ans Herz gewachsen sind mir vor allem Nina und Ben. Nina, die sich komplett aufopfert und dabei ihre eigenen Träume vergessen hat. In ihr habe ich mich so oft wiedererkannt, dass es weh tat. Und Ben, der von außen wie ein fauler Zocker wirkt, aber in Wahrheit einfach nur wahnsinnig einsam ist. Die beiden Charaktere sind so feinfühlig gezeichnet, dass ich mehrfach schlucken musste. Bei Alexander hatte ich hingegen mehr Schwierigkeiten. Sein Verhalten hat mich häufig ziemlich aufgeregt, auch wenn ich seine Beweggründe durch die Perspektivwechsel nachvollziehen konnte.
Was mir besonders gut gefallen hat: Die Autorin behandelt wichtige, aktuelle Themen wie die mangelnde Wertschätzung von Care-Arbeit, beruflichen Ehrgeiz auf Kosten der Familie und die Einsamkeit junger Menschen. Das alles wird nie plakativ, sondern fügt sich organisch in die Geschichte ein. Auch dass Liebe nicht im Vordergrund steht, sondern die Familiendynamik im Mittelpunkt bleibt, fand ich erfrischend.
Allerdings muss ich sagen, dass ich mir gewünscht hätte, dass noch ein bisschen mehr auserzählt wird. So wirkt der Schluss ziemlich abrupt. Ich bin mit gemischten Gefühlen zurückgeblieben, auch wenn ich verstehe, dass genau diese Offenheit gewollt ist.
Ein wichtiger Hinweis: Das Buch behandelt schwere Themen, die triggern können. Es ist definitiv keine leichte Lektüre, sondern geht richtig unter die Haut.
Hat mir gut gefallen, leider kam das Ende abrupt und war damit ein bisschen unbefriedigend. Trotzdem gute Familien -Geschichte. Gut erzählt. Mag ihren Stil und hab mir das ein oder andere Buch von ihr auf meine Liste gepackt.
2,5 bis 3 Sterne und ich bin damit irgendwo zwischen Anerkennung für die Idee und Enttäuschung über die Umsetzung gelandet.
Das Konzept, die Geschichte aus vier Perspektiven innerhalb einer Familie zu erzählen, fand ich zunächst durchaus gelungen. Der ständige Wechsel sorgt grundsätzlich für Dynamik und gibt Einblicke in unterschiedliche Wahrnehmungen und Konflikte. Gerade im Hörbuch hätte ich dadurch ein deutlich kurzweiligeres Erlebnis erwartet. Stattdessen zog es sich für mich stellenweise überraschend in die Länge. Manche Passagen wirkten zäh, obwohl gerade hier viel Potenzial für mehr Tiefe und emotionale Wucht gelegen hätte.
Was mich besonders zwiegespalten zurücklässt: Es werden viele wichtige Themen angerissen (familiäre Spannungen, persönliche Krisen, unausgesprochene Konflikte) aber nur wenige davon werden wirklich konsequent ausgearbeitet. Wirkt für mich, als fehlte der Mut, tiefer zu gehen. Dadurch fühlt sich einiges unfertig an, obwohl genug Raum da gewesen wäre.
Das Tempo des Romans empfand ich insgesamt als unausgewogen. Manche Entwicklungen passieren sehr schnell, andere ziehen sich unnötig, was den Lese-/Hörfluss immer wieder ausbremst.
Das häufig kritisierte Ende fand ich dagegen weniger problematisch. Für mich wirkte es nicht außergewöhnlich offen oder unfertig – zumindest dann nicht, wenn man genau hinhört beziehungsweise mitliest. Vieles liegt zwischen den Zeilen und ergibt durchaus ein stimmiges Gesamtbild, auch wenn es kein klassisch „rundes“ Ende ist.
Unter dem Strich bleibt ein Roman mit interessanter Grundidee und relevanten Themen, der mich emotional aber nicht ganz erreicht hat, weil er zu oft an der Oberfläche bleibt.
Oha, ich weiß nicht ganz, was ich erwartet habe, aber das irgendwie nicht. Im absolut positiven Sinne! Die Familie Holtstein, bestehend aus Mama Nina (Anfang 40 und Arzthelferin), Papa Alex (ebenfalls Anfang 40, Oberarzt), Sohn Ben (18, Student) und Tochter Emilia (16, Schülerin), führt ein ganz normales Leben. Alle sind glücklich. Oder so... Psychologisch dicht erzählt Kira Mohn in ihrem neuen Roman abwechselnd aus vier Perspektiven und wie jede der Personen mit ihren eigenen Gedanken und Situationen zu kämpfen hat. Der Autorin gelingt es super, eine unterschwellige Spannung aufzubauen, sodass man immer das Gefühl hat, dass etwas eskaliert. Bei wem der vier, lässt sich lange nicht sagen, denn jeder hat seine eigenen Probleme und Sorgen. Mehr kann und mag ich gar nicht erzählen, ohne zu spoilern. Super spannend und total alltagsnah erzählt. Hat mir richtig gut gefallen!
Traurig, wild, nicht auserzählt - die verwirrende Geschichte eines Familiendramas.
Relativ spontan habe ich das Hörbuch angeklickt und fand den nüchternen und doch sehr emotionalen Schreibstil fesselnd. Man wird anfangs gut in die Welt der Familie reingeworfen, sieht jedoch zu keinem Zeitpunkt eine glückliche Familie. Bereits ab der ersten Minute, in der Familienmitglieder aufeinander treffen, ist die Distanz und Entfremdung förmlich greifbar.
Im Laufe der Geschichte eskaliert das alles ganz schön. Dabei wechselt die Erzählperspektive mit jedem Kapitel. Jedes der vier Familienmitglieder wird dadurch greifbar, aber es werden so viele große Themen angeführt, die die Charaktere jeweils nur mit sich ausmachen. Dadurch wird die Geschichte überladen mit schweren Themen, die dann nicht tiefgreifend genug erzählt werden. Dadurch bleibt die Geschichte am Schluss unglücklich stehen und ich frage mich, was mir das Hören dieser Geschichte jetzt genau gebracht hat. Irgendwie fühlt sich das am Ende wie Zeitverschwendung an.
Nina: Die Mutter kämpft am stärksten mit dem Alleinsein und der Entfremdung zu ihrem Mann. Ein bisschen klischeehaft hat sie alles aufgegeben für einen Mann und für Kinder und ist jetzt an einem Punkt, wo sie sich selbst und ihre Wünsche wiederfindet. So weit, so gut. Allerdings wird dann auf den letzten Metern eine Liebesgeschichte mit einer Freundin, die irgendwie dann auch die einzige ist, eingebaut. Woher kommt diese sexuelle Orientierung auf einmal? Für mich war das irgendwie unangenehm, dass die einzige Freundschaft direkt zur Affäre wurde und sendet irgendwie das falsche Signal: sobald dir jemand zuhört, verliebst du dich in ihn/sie.
Alexander: Der Vater war einfach nur ein lüsterner alter Sack, der super offensichtlich allen hinterherschaut, unangenehme Kommentare und Witze macht, letzten Endes auch noch grapscht und bei dem Ganzen noch denkt, er wäre der König der Welt und mache alles richtig. Von seinem patriarchalen Denken hinsichtlich Karriere und Geld verdienen mal ganz zu schweigen. Er ist nie da, zeigt Desinteresse an der Kindererziehung und wenn er merkt, dass etwas nicht „normal“ ist, wacht er auf und spielt sich als Entscheider auf. Richtig ekelhaft. Woher dann zum Schluss diese Liebesbeteuerungen für Nina kamen, weiß ich nicht, es wirkte aber sehr narzisstisch und dass er nicht mit Zurückweisung und dem zerbrochenen Familienbild in der Öffentlichkeit wahrscheinlich zurecht kommt.
Emilia: Ihre Sichtweise war noch mit die normalste. Ja, sie wirkte naiv, aber das ist sie auch mit ihrem ersten Freund. Ihre Gefühle waren sehr realistisch und nachvollziehbar. Aber auch hier: wie das zum Schluss eskaliert ist, hätte ich mir mehr Aufarbeitung gewünscht. Wenn man so will, ist das eine Vergew*ltigung mit anschließendem Mobbing, was ihr wiederfahren ist und ich finde es ganz schlimm, dass sie mehr oder weniger alleine damit geblieben ist und erst, als eine fremde Person zu ihr durchrief, dass dann etwas ins Rollen kommt, was wir als Leser nicht mitbekommen. Schade!
Ben: Der maskuline Mann-Arc. Als sympathischer, normaler Junge gestartet gerät er an ziemlich fragwürdige Webinare, die sich sehr nach einem toxischen Alpha-Männchen-Kult anhören. Auch hier fehlt mir die klare Einordnung, dass es sich hierbei um Gehirnwäsche und Manipulation Jugendlicher handelt! Das Ende seiner Geschichte ist dann etwas sehr dramatisch und unverständlich, wie es dazu kommen konnte… auch hier: Schade!
This entire review has been hidden because of spoilers.
Über die Hälfte des Buches erlebt man ein ziemlich standardmäßiges, wenn auch dysfunktionales Familienleben und es passiert nicht viel. Das mag zwar authentisch sein, für ein Buch aber eben auch sehr monoton. Dann plötzlich nimmt die Geschichte Fahrt auf und am Ende geht alles viel zu schnell. Irgendwie unbefriedigend, aber irgendwie eben auch ganz gut.
Kira Mohn kannte ich bisher nur von ihren New Adult-Romanen, wobei ich noch keinen davon gelesen habe. Hier erzählt sie die Geschichte einer augenscheinlich ganz normalen Familie - Mutter, Vater, Tochter und Sohn.
Aus allen vier Perspektiven wird abwechselnd ein Familienkonstrukt geschildert, das beim Blick hinter die Fassade langsam aber sicher bröckelt. Jeder der vier Charaktere hat dabei sein eigenes Päckchen zu tragen. Ich glaube, mich hat dabei der Handlungsstrang des Sohnes Ben am meisten fasziniert. Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, aber die "male loneliness epidemic" spielt dabei eine große Rolle.
Insgesamt finde ich alle vier Hauptcharaktere total authentisch und aus dem Leben gegriffen, wahrscheinlich kennt jeder von uns eine solche Familie. Mich hat das Buch auch nach dem Lesen eine Weile beschäftigt.
Ich hoffe, dass Kira Mohn mehr solcher Bücher schreiben wird!
Ein gelungener, zeitgenössischer Roman, der aktuelle Themen aufgreift und wieder nahbar sowie soghaft erzählt ist. Für mich waren es jedoch etwas zu viele Themen für eine Familie – das wirkte auf mich etwas zu konstruiert.
Oberflächlich erzählte Charaktere, die zudem noch recht stereotyp sind und sich in ihrem Innenleben leider zu wenig unterscheiden. Die Geschichte plätschert zunächst vor sich hin, bevor sich die Ereignisse überschlagen und dann auf einmal abrupt endet. Für mich ein eher liebloser Roman.
In Alle glücklich geht es um die Familie von Nina und Alexander. Nina hat zwei Jobs und kümmert sich um die Familie. Alexander ist Oberarzt und Hauptverdiener. Dazu gibt es die jugendlichen Kinder Ben und Emilia.
Vier Perspektiven sind eine ganze Menge, aber jede einzelne ist der absolute Hammer. Jede Stimme ist einzigartig und fügt sich im Familienkonstrukt wie ein Puzzle zusammen.
Diese feinsinnige Auseinandersetzung mit dieser, auf den ersten Blick, normalen Familie, zeigt, wie Erwartungen, Unausgesprochenes und Rollenbilder eine Welt vollkommen eskalieren lassen.
Das Buch geht richtig tief und ist sehr authentisch. Ich hab vieles wiedergefunden aus verschiedenen Stadien meines Lebens. Als Jugendliche, als gerade Erwachsene und jetzt als Frau mit Verantwortung.
Das Buch ist flüssig geschrieben und sehr zugänglich für jeden Lesenden. Dadurch wird eine Einfachheit geschaffen, die die inneren Konflikte oder Personen greifbar macht. Wir sehen bei anderen Menschen, dass es nach außen alles super funktioniert, aber könnte das vielleicht eine Illusion sein?
Die Gesellschaft zeigt nach außen immer diese Idealbilder und Konflikte sind kein Versagen und auch die Schuldfrage für Unzufriedenheit ist im Buch spannend gelöst.
Das Ende werden so viele Lesende gar nicht mögen, ich weiß es jetzt schon. Aber es beantwortet letztlich auch ganz einfach die allerletzte Frage im Raum, die Frage ob Alle glücklich sind. Manchmal bedeutet Glück schlicht, nicht länger so zu tun, als wäre alles gut.
Ich fands wirklich toll. Einfacher, aber doch tiefgründiger Schreibstil, der einen dabei hält.
Die Story spitzt sich zum Ende hin extrem zu, aber es wirkt nicht unnatürlich, eher als stauten sich die Emotionen der Figuren so sehr auf, dass am Ende alles explodiert. Auch den Schluss fand ich nicht zu abrupt, weil es meiner Meinung nach keine Auserzählung der restlichen Story braucht. Hab geweint gegen Ende.
Die Familie ist sehr nahbar und zeigt systemische Unverstandenheit auf, die sich in vielen vielen Familien nachempfinden lässt und nicht zwingend aus einer „kaputten Familie“ resultiert, sondern eher aus äußeren Umständen, die diese Dynamik hervorholen. Nina, die Mutter, hat sich und ihre Karriere für ihre Familie aufgegeben und kämpft mit fehlender Anerkennung für Care-Arbeit und für sie als Person außerhalb ihrer Beziehungen. Alexander, der Vater, bezahlt den Lebensunterhalt, blickt ein bisschen auf Ninas Arbeit herab, wünscht sich mehr Intimität und ebenfalls Anerkennung für seine Arbeit (bei ihm sehe ich den einzigen Nachteil der Geschichte, weil ich ihn wirklich einfach verachte und mich nicht reinfühlen kann). Ben, der Sohn handelt aus, wie er er selbst sein soll und gleichzeitig „männlich“ und fühlt sich minderwertig, weil er nicht die weibliche Aufmerksamkeit bekommt, die Arschlöcher bekommen und Emilia, die Tochter, macht sich verantwortlich dafür, dass sie sexuell misshandelt wird von einem der Macker, die Ben anhimmelt. Am Ende wollen alle nur gesehen werden und schaffen es aber gleichzeitig nicht, andere zu sehen, weil sie so sehr in ihren eigenen Problemen verwickelt sind. Es ist so nachvollziehbar und schlüsselt auf, warum sich so viele Familienmitglieder schlecht fühlen, obwohl sie die „perfekte Familie“ haben.
„Sehr viele ungesagte Worte schwebten für den Rest des Abendessens in der Luft, und Emilia hatte es kurz darauf so eilig wie sonst nur Ben, aufstehen und in ihr Zimmer gehen zu dürfen.“
„Alles, was sie wollte, war Ruhe, Frieden und ein bisschen Aufmerksamkeit von Seiten ihres Mannes. Aufmerksamkeit, die nicht ausschließlich auf Sex hinauslief. Was wollte sie eigentlich?“
„Sie streiten sich ständig. Nur nicht mit Worten“
„Ich bin es leid, ihnen allen hinterherzurennen und dabei so zu tun, als würden sie mich brauchen. Und als wäre ich glücklich“
„Ich bin es so leid. Alles, weißt du? Ich bin es leid, alles irgendwie zusammenzuhalten, obwohl das doch sowieso niemand will.“
Alle glücklich war für mich kein Buch, das man „einfach liest“. Es war eher eines, das man gefühlt zwischendurch weglegen muss, weil sich plötzlich Dinge zu vertraut anfühlen.
Ich hatte ständig dieses leise Unbehagen im Bauch – nicht, weil etwas Schockierendes passiert, sondern weil alles so nah am echten Leben bleibt. Dieses ständige Funktionieren, das Schweigen, das aneinander Vorbeileben. Genau das hat mich getroffen. Es gibt so viele Momente, in denen man merkt: Eigentlich müsste jetzt jemand reden. Aber niemand tut es.
Ich habe mich dabei ertappt, wie ich innerlich Partei ergriffen habe, genervt war, Mitleid hatte, mich wiedererkannt habe... Manchmal alles gleichzeitig. Nina und Ben haben mich besonders beschäftigt. Nina - eine Mutter, die sich viel zu oft hinten angestellt hat und wirklich alles für die Familie opfert und Ben - ein Junger Mann, der viel Einsamkeit in sich trägt und einfach missverstanden wird.
Was ich mochte: Das Buch erklärt nichts, bewertet kaum und drängt einem keine Lösungen auf. Es zeigt einfach, was passiert, wenn Nähe und Kommunikation verloren geht und jeder mit sich selbst beschäftigt ist. Das fühlt sich ehrlich an aber manchmal auch unangenehm.
Der Schluss? Der hat mich ein bisschen ratlos zurückgelassen. Aber vielleicht musste es genau so enden. Nicht rund, nicht tröstend, sondern offen. Wie vieles im echten Leben eben auch.
Das war mein 3. Buch der Autorin und jetzt ist für mich wirklich alles dabei. Ein Highlight („Die Nacht der Bärin“), ein Flop („Note to myself“) und mit „Alle glücklich“ auch ein solider Roman, der mir gut gefallen, aber mich nicht vollständig überzeugt hat.
✨Inhalt
Mutter Nina, Vater Alexander, Sohn Ben und Tochter Emilia sind eine glückliche Familie oder doch nicht? Hinter der Fassade brodelt es…
✨Meinung
Kira Mohn hat von Anfang an eine Atmosphäre kreiert, die nichts Gutes verhieß. Man spürt in den alltäglichen Situationen und den kleinsten Interaktionen der Familienmitglieder, dass Vieles im Verborgenen nicht (mehr) stimmt.
Das fand ich richtig toll und muss auch sagen, dass das Buch ein pageturner war. Es war spannend und toll geschrieben mit vielen für sich genommen wichtigen und schweren Themen.
Evtl. zu viele wichtige und schwere Themen?
Während sich „Die Nacht der Bärin“ auf ein einziges Gebiet fokussiert hat (häusliche Gewalt), werden wir in „Alle glücklich“ mit wirklich allem konfrontiert. Alles, was man sich nur ausdenken kann, passiert und geht schief. Dadurch fehlt teilweise Tiefe in der Diskussion der einzelnen Ereignisse.
Dadurch war es aber auch ein leicht und schnell zu lesendes Buch, einfach weil permanent etwas Neues los war.
Es gab viele „aha, das jetzt auch noch, oh je, die arme Familie / Frau / der arme Junge“ Momente. Nachhallen tut hingegen nicht allzu viel. Leider bricht es am Ende auch komplett abrupt ab, so dass gefühlt mindestens ein Drittel der Geschichte fehlt. Manchmal mag ich offene Enden und manchmal nicht so sehr.
Vieles ist sicherlich wie immer Geschmacks- und Auslegungssache.
✨Fazit
Ein unerwartet schnelles Buch mit pageturner Qualität und durchaus schockierenden Ereignissen, das mich persönlich nicht so berührt hat wie evtl. erwartet. Eine Familie fällt auseinander und verliert den Blick für‘s Wesentliche, aber wie werden die Scherben aufgesammelt?
Let me be very clear: Die Geschichte ist auf jeden Fall lesenswert und ich hoffe, dass viele sich ein eigenes Bild machen werden, früher oder später. Es lohnt sich.
Ich kann ein Buch gut finden und es trotzdem kritisch hinterfragen, diese beiden Gesichtspunkte schließen sich nicht aus!
Meinung: Manchmal greife ich ganz bewusst zu Büchern, die eigentlich nicht meinem üblichen Beuteschema entsprechen. Familienromane gehören normalerweise nicht dazu, doch diesmal hatte ich Lust auf etwas anderes. Der Roman erzählt von einer Familie, die nach außen hin scheinbar alles hat: Erfolg, Harmonie und ein funktionierendes Leben. Je tiefer man jedoch in die Geschichte eintaucht, desto deutlicher wird, dass dieses Glück vor allem eine Fassade ist. Wirklich neu ist diese Erkenntnis nicht schließlich wissen wir alle, dass jede Familie ihre Geheimnisse, Risse und unausgesprochenen Konflikte hat. Dennoch fand ich es spannend, hinter diese vermeintlich heile Welt blicken zu dürfen. Der Schreibstil ist angenehm leicht und flüssig, wodurch sich das Buch sehr schnell lesen lässt. Besonders gefallen hat mir die wechselnde Erzählperspektive aus Sicht der einzelnen Familienmitglieder. Dadurch wird spürbar, wie unterschiedlich dieselben Situationen wahrgenommen werden und wie sehr jeder für sich allein kämpft. Das Thema Kommunikation oder vielmehr das Fehlen davon wird dabei sehr gut herausgearbeitet. Jede Figur trägt ihre eigenen Sorgen, Ängste und Wünsche mit sich, doch niemand spricht offen darüber. Es ist traurig zu beobachten, wie sehr diese Familie nebeneinander statt miteinander lebt und wie Nähe, Offenheit und gegenseitige Unterstützung im Alltag verloren gegangen sind. Trotzdem blieb bei mir eine gewisse emotionale Distanz. Die Figuren sind zwar liebevoll gezeichnet, doch ich konnte mich nicht vollständig in sie hineinversetzen. Viele Entwicklungen waren für mich vorhersehbar und konnten mich kaum überraschen. Gegen Ende wurde mir die Geschichte zudem zu viel: Die Ereignisse wirkten zunehmend überzogen und verloren für mich an Glaubwürdigkeit. Das Finale empfand ich daher eher als absurd denn als berührend. Insgesamt ist es ein gut lesbarer Familienroman mit einer interessanten Grundidee, der mich thematisch angesprochen, emotional jedoch nicht ganz abgeholt hat
Mir hat das Buch „Alle glücklich „im Großen und Ganzen gut gefallen. Es gibt Einblick in eine Familie mit ihren ganz normalen Sorgen und Nöten und den Veränderungen innerhalb der Beziehungen, die die Zeit mit sich bringen.
Nina und Alexander sind ein Paar das in die Jahre gekommen ist. Beide haben Medizin studiert, er arbeitet heute als Chefarzt mit den dementsprechenden Überstunden, Nina hat ihr Studium der Kinder wegen aufgegeben, ein Schicksal, das wohl nicht wenige Frauen teilen. Sie arbeitet heute deutlich unterqualifiziert in er Arztpraxis als Sprechstundenhilfe. Nebenher hat sie noch einen Job im Supermarkt, um sich ein wenig finanzielle Unabhängigkeit zu schaffen,nachdem ihr Mann ihr den zweiten Friseurbesuch innerhalb kurzer Zeit vorgeworfen hat. Alexander weiß nichts von dieser Stelle.Die beiden Kinder Emilia und Ben sind typische Teenager. Ben ,ein sensibler junger Mann, studiert und verbringt viel Zeit vor dem Computer, weil ihm soziale Kontakte aufgrund seiner Schüchternheit schwer fallen. Emilia macht ihre ersten sexuellen Erfahrungen, die nicht ganz unkompliziert sind. Nina versucht den Spagat,das Familiengefüge aufrecht zu erhalten,mit gemeinsamen Abendessen den Kontakt zu den Kindern zu behalten, ihre immer mehr zur Routine verkommene Ehe nicht scheitern zu lassen und sich dabei selbst nicht zu verlieren. Das Ganze entgleitet ihr mehr und mehr und sie stellt sich und ihr Leben und ihre Rolle darin immer mehr infrage, nachdem sie sich mit ihrer Kollegin Ansstasia angefreundet hat.Die Kinder nabeln sich immer mehr ab, ihr Mann verbringt immer mehr Zeit auf der Arbeit,entpuppt sich mehr und mehr als Macho , der weder sie noch das was sie leistet anerkennt. Eigentlich das, was in vielen Familien sicher so oder ähnlich nicht selten vorkommt, doch hier endet das Ganze mit einem Knall. Es zeigt auf , wie fragil Beziehungen sein können , wie man sich auch in der Familie verlieren kann, wenn man verlernt miteinander zu reden und auf sich acht zu geben.
Das Buch ist in einem sehr ansprechenden Schreibstil geschrieben, ich konnte sofort eintauchen, konnte die hier geschilderte Familie gut verstehen und habe vollstes Verständnis für Nina gehabt. Die Schilderungen der einzelnen Familienmitgliedern, die in den Kapiteln auch abwechselnd zu Wort kommen, haben mir als Leser die einzelnen Sichtweisen der Figuren nahe gebracht.Ich fand es auch sehr realistisch und wirklichkeitsgetreu geschildert,nur fand ich es zum Schluss etwas themenüberfrachtet. Da wäre vielleicht etwas weniger mehr gewesen 4.5 Sterne
Interessante und authentische Familiengeschichte Im Buch „Alle glücklich“ von Kira Mohn wird eine interessante und authentische Familiengeschichte erzählt. Mutter Nina hat ihr Medizinstudium abgebrochen, um Kinder zu bekommen und sich der Familie zu widmen. Sie arbeitet halbtags als MFA und hat noch einen anderen Job, von dem die Familie nichts weiß. Vater Alexander ist Oberarzt in der Klinik und beruflich sehr eingespannt. Emilia ist eine typische Teenagerin, die noch zur Schule geht und seit drei Monaten einen festen Freund hat. Ben studiert und sein einziges Hobby ist das Zocken am PC. Alle vier Familienmitglieder leben zwar räumlich zusammen, aber doch mehr oder weniger nebeneinander her und haben mit ihrem eigenen Leben zu kämpfen. Jeder ist unzufrieden aber in seinem Leben gefangen und das Familienidyll bekommt nach und nach Risse, bis sich die Situation zuspitzt und sich die Wahrheit ihren Weg in die Freiheit bahnt.
Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen. Die einzelnen Familienmitglieder sind authentisch und werden vielschichtig dargestellt. Ihre Entwicklung im Laufe des Romans ist sehr interessant. Die Geschichte ist mitten aus dem Leben gegriffen und zeigt, dass hinter der idyllischen Fassade einer Familie jede Menge Probleme und unausgesprochene Sehnsüchte lauern, die ein Konfliktpotenzial darstellen, weil sie nicht angesprochen werden. Diese Realitätsnähe hat mir besonders gut gefallen, da sie zum Nachdenken und zur Selbstreflexion anregt. Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar flüssig und die Geschichte lässt sich angenehm leicht lesen. Der Roman verfügt über einen guten Spannungsbogen. Durch die vier Perspektiven der jeweiligen Familienmitglieder gelingt es dem Leser, tief in die Gedanken und Gefühle der einzelnen Charaktere einzutauchen und hautnah beim Geschehen dabei zu sein. Ich fand insbesondere die Sichtweise von Emilia und Ben sehr interessant, da ihre Selbstzweifel, Ängste und ihr pubertäres Verhalten mich an meine eigenen Kinder erinnern. Aber auch Nina, als Mutter und Mädchen für alles, kommt mir als Charakter sehr bekannt vor:-). Das Ende der Geschichte fand ich etwas zu abrupt, da hätte ich mir einfach noch mehr gewünscht. Mir persönlich waren es ein paar Themen zuviel in diesem Buch. Ich hätte mir weniger Themen aber mit mehr Tiefe gewünscht. Insgesamt aber ein interessanter Familienroman, der sich spannend liest und zum Nachdenken anregt.
Alle (un)glücklich - bewegender Roman, der nachhallt
Bei "Alle glücklich" von Kira Mohn werfen wir einen Blick hinter die Fassade einer Familie. Während der ganzen Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Mutter Nina, Vater Alexander sowie den Kindern Emilia und Ben geschrieben und schnell wird klar, dass die Familienmitglieder Situationen ganz unterschiedlich wahrnehmen und sie gar nicht wissen, was in den anderen wirklich vor sich geht.
Jeder der vier hat seine ganz eigenen Probleme und während man als außenstehender Betrachter den Eindruck bekommen könnte, dass alle wirklich glücklich sind, so ist letztendlich das Gegenteil der Fall.
Es war mein erstes Buch von Kira Mohn und ich bin dementsprechend ganz unvoreingenommen in die Geschichte eingestiegen. Schnell war mir jedoch klar: Die Autorin kann schreiben! Ich bin super schnell in die Geschichte eingestiegen, der Schreibstil war lebendig und sehr angenehm zu lesen und letztendlich hatte mich das Buch so in seinen Bann gezogen, dass ich es gar nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Besonders gut haben mir die Perspektivwechsel gefallen, da man so immer wieder neue Sichtweisen auf die Situationen erhalten hat. Außerdem möchte ich an dieser Stelle ganz besonders lobend hervorheben, dass die Autorin wirklich ernste und schwere Themen mit viel Tiefe in dieser Geschichte eingearbeitet und dabei unfassbar viel Fingerspitzengefühl bewiesen hat. Es sind zum Teil wirklich keine leichten Themen, doch ihr Umgang damit war grandios!
Ich bin ehrlich, den Verlauf dieser Geschichte habe ich nicht erwartet und ich habe mehrfach schlucken müssen. Es ist ein Buch, dass mich zum einen sehr bewegt hat und zum anderen ist es ein Buch, das nachhallt. Ich für meinen Teil nehme einiges aus diesem Roman mit und werde mehr auf das Miteinander in der Familie aber auch bei Freunden achten. Denn ein "Mir geht es gut" kann auch das komplette Gegenteil bedeuten.
Das Buch hat mich wirklich überrascht und sich als Meisterwerk entpuppt. Absolute Empfehlung! Allerdings möchte ich anmerken, dass es eventuell nicht für jeden geeignet sein könnte, da es wie gesagt zum Teil wirklich schwere Themen enthält.
Kira Mohn erzählt in ihrem Roman "Alle glücklich" von Familie, Liebe und den Herausforderungen des Lebens.
Im Fokus des Romans steht die Familie Holtstein: Mutter Nina, Vater Alexander, Sohn Ben (19) und Tochter Emilia (16). Die Geschichte wird aus allen vier Perspektiven erzählt, wodurch ich als Leser tief in die Gedanken, Gefühle und Konflikte jeder Figur eintauche und die familiären Dynamiken aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln erlebe. Die Holtsteins sind nach außen hin eine scheinbar perfekte Familie. Hinter der Fassade verbergen sich aber innere Konflikte, persönliche Sorgen und zerbrechliche Beziehungen, die jede Figur auf ihre eigene Weise prägen. Unausgesprochene Erwartungen und alte Wunden kommen zum Vorschein, Zerreißproben, die Beziehungen mit sich bringen.
"Alle glücklich" ist aber mehr als nur eine Familiengeschichte. Es geht um persönliche Entwicklung, Selbstreflexion und den Mut, eigene Wünsche und Bedürfnisse nicht hintenanzustellen.
Meiner Meinung nach ist es Kira Mohn gelungen, die Dynamiken innerhalb einer Familie realistisch darzustellen. Der Roman überzeugt durch seine emotionale Tiefe und die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema "Familie" und dem oft trügerischen Ideal nach außen, dass doch alle glücklich sein müssten. Kira Mohn zeigt in dem Roman, wie komplex familiäre Beziehungen sein können, die geprägt sind von Verantwortung, Erwartungen und dem Wunsch, gesehen zu werden.
Besonders spannend und realistisch ist die Beziehung zwischen Emilia und ihrer Freundin Alina, die den Kontakt abbricht. Dieser Moment zeigt, wie verletzlich Beziehungen sein können.
Berührend finde ich vor allem Bens Schicksal. Seine große Einsamkeit und sein Kampf, seinen Platz im Leben zu finden, machen ihn zu einer besonders nahbaren und mitfühlenswerten Figur.
Ein kleiner Kritikpunkt von meiner Seite ist, dass an einigen Stellen die Handlung etwas vorhersehbar ist. Das Ende jedoch hat mich wiederum überrascht.
"Alle glücklich" ist ein Roman, der zum Nachdenken über Familie und eigenes Glück anregt.
"Alle glücklich" von Kira Mohn hat mich sehr bewegt und ich denke, es wird mich auch noch eine Weile beschäftigen. Den Schreibstil fand ich sehr angenehm und flüssig zu lesen, weshalb ich das Buch trotz der komplexen Themen sehr schnell lesen konnte. Der Schreibstil ist auch eher oberflächlich und lässt vor allem viel Spielraum für eigene Gedanken, die sich der Leser machen kann, was mir total gut gefallen kann. Auch die Erzählperspektive, die zwischen den vier Familienmitgliedern wechselt hat mir gut gefallen. Normalerweise bin ich kein Fan von mehr als zwei verschiedenen Erzählperspektiven weil ich immer dazu tendiere, mich besonders für einzelne Personen zu interessieren und mich die Kapitel dazwischen dann eher nerven, aber hier ist das Konzept gut aufgegangen, obwohl alle vier meist mit ihren eigenen Kämpfen zu tun haben und gar nicht so sehr gemeinsam als Familie auftreten. Anfangs fand ich vor allem interessant, wie die vier ihren Alltag leben, welche Unzufriedenheiten es gibt, aber trotzdem kam mir alles noch relativ normal vor. Welche Abgründe die Handlung noch nehmen würde, das hätte ich mir anfangs nicht vorstellen können. Trotzdem fand ich nichts davon unrealistisch, sondern im Gegenteil sehr realistisch und dadurch war die Atmosphäre im Buch teilweise schon etwas beklemmend und hat mich nachdenklich werden lassen. Die einzelnen Familienmitglieder und ihre inneren Kämpfe waren sehr nachvollziehbar beschrieben, sodass man selbst mit Ninas Mann Alexander mitfühlen konnte, obwohl er mir im Laufe des Buches immer unsympathischer wurde. Aber eigentlich ging es hier gar nicht um Sympathien, sondern um das echte, eherliche Leben, deshalb war das gar nicht so wichtig.bDas Ende fand ich richtig gut, auch wenn ich gerne noch weiter gelesen habe. Aber ich denke das war ein guter Zeitpunkt, um die Geschichte zu beenden und der ebenfalls noch Raum für eigene Gedanken bietet. Für mich war das Buch wirklich ein überraschendes und emotionales Highlight, das ich anfangs gar nicht so erwartet hätte.
Alle glücklich erzählt die Geschichte einer scheinbar normalen Familie: Nina, die Mutter, jongliert zwischen ihrem Job als Arzthelferin, einem heimlichen Nebenjob im Supermarkt und der Familie; Alexander, ihr Ehemann, arbeitet als erfolgreicher Arzt; der 19-jährige Ben studiert, verbringt viel Zeit in seinem Zimmer beim Zocken, während die 16-jährige Emilia gerade ihre erste Liebe erlebt. Auf den ersten Blick wirkt alles geordnet und harmonisch, doch die Autorin blickt hinter diese Fassade. Jedes Familienmitglied trägt seine eigenen Sorgen und Einsamkeiten mit sich, ohne sie zu teilen. Die Handlung wird dabei abwechselnd aus den Perspektiven von Nina, Alexander, Ben und Emilia erzählt und zeigt, wie unterschiedlich Wahrnehmung und Realität in einer Familie sein können.
Die Stärke des Buches liegt ganz klar in seiner Authentizität. Kira Mohn beschreibt sehr realistisch, wie Nähe und Distanz in Familien nebeneinander existieren. Die vier Perspektiven ermöglichen einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt jedes Einzelnen, wodurch auch die scheinbar unsympathischen Charaktere wie Alexander verständlich werden. Auchh die Darstellung von Ben ist beeindruckend, er gilt von außen als faul und eigenbrötlerisch, ist innerlich jedoch einsam und wünscht sich Nähe. Die Geschichte entwickelt sich dabei spannend und psychologisch feinfühlig, ohne in übertriebene Dramatik abzudriften. Der Schreibstil ist klar und flüssig, lässt Raum für eigene Gedanken und hält die Spannung trotz der alltäglichen Handlung konstant hoch.
Ein sensibles, nachdenklich stimmendes Buch über das Leben hinter der scheinbaren Normalität. Es zeigt, wie wenig man oft über die inneren Kämpfe der Menschen um einen herum weiß und wie wichtig es ist, wirklich zuzuhören und hinzusehen. Ein emotional packendes, psychologisch klug aufgebautes Werk, das sicherlich auch gut für Diskussionen im Buchclub oder im schulischen Kontext geeignet ist. Die offenen Fragen am Ende regen zum Nachdenken an und hinterlassen einen bleibenden Eindruck.
Auf den ersten Blick scheinen die Holtsteins ein perfektes Leben zu führen. Ein tolles Haus, erfolgreiche Jobs, gut erzogene Kinder – eben alle glücklich. Oder etwa doch nicht? In Kira Mohns neuem Roman "Alle glücklich" werfen wir einen Blick hinter die Fassade dieser scheinbar perfekten Familie. Und was soll ich sagen? Das Buch hat mich von der ersten Seite an komplett abgeholt. 😍
Erzählt wird die Geschichte aus vier verschiedenen Perspektiven: Wir begleiten die Eltern Nina und Alexander sowie die Kinder Emilia und Ben. Nach außen hin sind sie die klassische Bilderbuchfamilie, doch jeder von ihnen trägt seine eigenen Geheimnisse, Sorgen und Sehnsüchte mit sich herum, über die innerhalb der Familie kaum gesprochen wird.
Dank der unterschiedlichen Sichtweisen bekommt man diese als Leser aber hautnah mit, was mir gut gefallen hat. Dadurch entsteht eine regelrechte Sogwirkung beim Lesen und ich wollte unbedingt wissen, wie es wohl weitergeht und wann die Situation eskaliert. 💥
Mohns Schreibstil ist feinfühlig, flüssig und auch intensiv, weshalb ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Sie schafft es so gut, diese doch recht beklemmende und scheinbar aussichtslose Atmosphäre einzufangen, in der die Holtsteins nebeneinanderherleben anstatt miteinander zu reden.
Alle vier Erzählstränge sind dabei auf ihre eigene Art total fesselnd, aber besonders Emilias Geschichte ist mir sehr nahegegangen. Je weiter die Handlung voranschritt, desto mehr hat mein Herz für die 16-Jährige geblutet. 🥹 Gleichzeitig war es aber auch schön zu beobachten, wie sie und auch Nina ihr Leben in die eigenen Hände nehmen und für sich selbst einstehen, anstatt nur den schönen Schein wahren zu wollen.
Insgesamt ist "Alle glücklich" ein leiser und tiefgründiger Roman, der mich Kapitel für Kapitel weiter in seinen Bann gezogen und emotional völlig gefesselt hat. Ein absolutes Jahreshighlight für mich! 🩷
Die Geschichte beginnt sanft und recht ereignislos. Abwechselnd begleiten wir die vier Familienmitglieder durch ihren Alltag und in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Nichts Außergewöhnliches. Eine auf den ersten Blick glückliche, eher durchschnittliche Familie. Und doch stimmt etwas unter der Oberfläche nicht richtig. Der Alltag ist eingekehrt und eine immer stärker spürbare Unzufriedenheit schleicht sich ein. Bis man nur noch darauf wartet, dass irgendwas passiert. Dass irgendwer ausbricht und die bröckelnde Fassade gänzlich zerspringt. Und schlussendlich in einem lauten Knall verhallt.
Nina ist Mutter und Ehefrau, übernimmt den Großteil der Care-Arbeit und hält die Familie zusammen. Alexander ist vor allem Oberarzt, der zu viele Überstunden macht und so die Familie finanziert. Emilia ist mit ihren 16 Jahren Hals über Kopf verliebt und Ben, ihr großer Bruder, ist Student und ein eher zurückgezogener Gamer. Mohn gelingt es, mit unaufgeregter, beinahe schon nüchterner, aber stechend präziser Sprache, vier ganz unterschiedlichen Perspektiven eine Stimme, ihre vielschichtigen Charaktere und tiefe Emotionen zu verleihen. Auch einer der Stimmen, der ich nicht allzu viel Sympathie entgegenbringen kann, begegnet die Autorin auf empathischer Ebene, lässt aber trotzdem die notwendige Kritik ganz ungezwungen spürbar werden.
Alle glücklich ist ein Blick in eine Familie, die es genau so geben könnte. Lässt Strukturen, Gedanken oder Gefühle in sich selber wiedererkennen. Verleitet zum Nachdenken. Mit erzählerischer Leichtigkeit und gleichzeitig emotionaler Schwere. Wie das bitter-süße Schwelgen in einer Erinnerung oder einem Tagtraum.
Ich habe die Geschichte sehr gerne verfolgt und konnte mich nicht von den Worten lösen. Immer noch berührt und nachdenklich kann ich Alle glücklich sehr empfehlen.
Perfekte Familien gibt es nur auf Fotos. Oder auf Instagram. Und selbst da meistens nur bis zum dritten Swipe.
Bei dieser Familie wirkt erst mal alles geschniegelt und geschniegelt. Erfolgreicher Arzt, engagierte Mutter, zwei Kinder, die ihr Leben scheinbar im Griff haben. Klingt nach dem typischen Bilderbuch. Doch je tiefer man in die Geschichte eintaucht, desto mehr merkt man: Hinter dieser Fassade knarzt es gewaltig.
Nina funktioniert. Als Mutter, Ehefrau, im Job. Alles läuft, alles organisiert, alles geschniegelt. Nur irgendwo zwischen Einkaufszetteln und Alltag ist sie selbst verloren gegangen. Alexander rackert sich im Krankenhaus auf und glaubt, alles für die Familie zu tun. Und trotzdem fühlt sich niemand wirklich gesehen. Währenddessen stolpert Emilia durch ihre erste große Liebe und Ben versucht verzweifelt, sich selbst einzureden, dass bei ihm alles super läuft. Spoiler: tut es nicht.
Was dieses Buch so stark macht, ist die Ehrlichkeit. Keine übertriebene Dramatik, keine künstlichen Wendungen. Stattdessen diese leisen Momente, in denen man plötzlich denkt: Oh verdammt, das fühlt sich erschreckend real an.
Immer wieder ertappt man sich beim Lesen dabei, wie man innerlich nickt. Wie schnell man sich selbst verliert, wenn man nur noch funktioniert. Wie wenig manchmal fehlt, bis eine scheinbar stabile Familie Risse bekommt.
Kira Mohn schaut unglaublich genau hin, aber ohne mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln. Die Figuren sind menschlich, verletzlich, manchmal auch ein bisschen anstrengend. Genau deshalb funktionieren sie so gut.
Am Ende bleibt dieses Gefühl, dass Glück nicht automatisch entsteht, nur weil von außen alles richtig aussieht. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Romans.
Ein Buch, das leise unter die Haut kriecht und dort erstaunlich lange bleibt.