»Brillant! Sprachlich präzise und voller Zärtlichkeit«The Atlantic
Jo Hamya erzählt auf kluge und unterhaltsame Weise von Vätern und Töchtern, von allem, was sie trennt und verbindet, von Generationenunterschieden und großen gesellschaftlichen Fragen, die in der Familie ausgetragen werden.
Sizilien, 2010. Sophia, ein Teenager an der Schwelle zum Erwachsenwerden, verbringt einen Sommer mit ihrem Vater. Er ist ein erfolgreicher Schriftsteller, der sich mehr für seine eigenen Worte als für seine Tochter interessiert. Im Laufe dieses Urlaubs wird ihre Beziehung Risse bekommen, die nicht mehr so leicht zu kitten sind. London, 2020. Sophias Vater sitzt in einem großen Theater. Er ist aufgeregt, denn er sieht sich das erste Theaterstück seiner Tochter im Westend an. Er wünscht ihr und dem Stück den größtmöglichen Erfolg und hofft, dass sie nun in seine schriftstellerischen Fußstapfen tritt. Doch dann stellt sich heraus, dass das Stück den schicksalhaften sizilianischen Familienurlaub zum Thema hat und ihn zwingen wird, sich mit der Sicht seiner eigenen Tochter auf ihn zu konfrontieren. Mit viel Humor und viel Feingefühl erzählt dieser Roman von Familie und der Frage, wieviel man sich gegenseitig verzeihen kann.
JO HAMYA was born in London in 1997. After living in Miami for a few years, she completed an English degree at Kings College London and a MSt in contemporary literature and culture at Oxford University. There, she divided her research between updating twentieth-century cultural theory into twenty-first-century digital contexts, and the impact of social media on form and questions of identity in contemporary womens writing. Since leaving Oxford, she has worked as a copyeditor for Tatler and edited manuscripts subsequently published by Edinburgh University Press and Doubleday UK. She has also written for the Financial Times.
Das hat länger gedauert als ich dachte. Es war etwas zäh; gleichzeitig war die Handlung aber flüssig. Ich weiß nicht, warum ich so langsam vorangekommen bin. Ich mochte den Schreibstil an manchen Stellen, es gab viele kreative Sprachbilder, die ich toll fand. Handlungstechnisch hat es mich ehrlich gesagt etwas überfordert, weil es psychologisch sehr komplex war. Wie viel "Schuld" hat der Vater an den Problemen der Tochter? Wie war es wirklich und wie hat sich das Geschehene über die Jahre in ihren Köpfen verändert? Der Vater war mir auf jeden Fall sehr unsympathisch, aber das ist glaube ich 1. gewollt und 2. nicht schwer. Auch Anto war ein Arsch. Insgesamt interessant, aber nichts, was mich über die Maßen beeindruckt.
Die Scheinheiligen erzählt von den Verstrickungen einer Familie, deren Vergangenheit und Gegenwart sich nach und nach miteinander verbinden.
Ehrlicherweise hat mich das Buch leider nicht überzeugen können. Ich bin nur schwer in die Geschichte hineingekommen und hatte über weite Strecken das Gefühl, den Handlungsfaden nicht richtig greifen zu können. Die häufigen Orts- und Zeitsprünge machten es für mich schwierig, den Überblick zu behalten und eine Verbindung zur Geschichte aufzubauen.
Hinzu kam, dass mir keine der Figuren wirklich sympathisch war. Dadurch fiel es mir schwer, emotional mitzufiebern oder mich für ihr Schicksal zu interessieren. Auch der Schreibstil war nicht ganz mein Fall: Ich empfand ihn als recht langatmig, wodurch sich das Buch stellenweise ziemlich gezogen hat.
Manchmal reicht ein Familienurlaub, um Jahre später noch ordentlich Sand im Getriebe zu haben. Die Scheinheiligen klingt erst mal nach Vater-Tochter-Roman, aber da steckt deutlich mehr drin. Familie, Kunst, Erinnerung, verletzter Stolz und diese herrlich unangenehme Frage: Wer darf eigentlich wessen Geschichte erzählen?
Sophia verbringt 2010 einen Sommer mit ihrem Vater auf Sizilien. Er ist Schriftsteller, erfolgreich, wortgewandt und offenbar ziemlich verliebt in die eigene Wichtigkeit. Autsch. Zehn Jahre später sitzt genau dieser Vater im Theater und schaut sich das Stück seiner Tochter an. Blöd nur, dass er ziemlich schnell merkt: Moment mal, das bin ja ich. Und zwar nicht gerade in der schmeichelhaften Version.
Was mir daran gefällt: Der Roman scheint nicht plump mit dem Finger zu zeigen. Es geht nicht nur darum, wer recht hat und wer danebenlag. Viel spannender ist dieses leise Knirschen zwischen den Perspektiven. Der Vater sieht sich anders, Sophia sieht ihn anders, und irgendwo dazwischen liegt vermutlich die Wahrheit und trinkt genervt einen Espresso.
Jo Hamya erzählt das mit Witz, Schärfe und Feingefühl. Nicht alles wirkt nach großer Kuscheldecke, eher nach einem elegant gedeckten Tisch, an dem plötzlich jemand die alten Rechnungen rausholt. Genau das macht den Reiz aus.
Für mich ist Die Scheinheiligen ein kluger, leicht bissiger Roman über Familie, Kunst und Vergebung. Kein Buch, das laut schreit, sondern eines, das einem später noch im Kopf herumspukt. Und ja, manchmal sind die scheinheiligsten Menschen eben die, die am schönsten über Wahrheit reden.
Irgendwie ist bei diesem Buch der Funke nie übergesprungen. Es gab hier und da gute Passagen, nachdem der Beginn etwas ungelenk wirkte. Den Vater finde ich von Anfang an gut und authentisch charakterisiert. Die Momente werden sehr detailliert beschrieben, sodass die Szenen plastisch wirken, aber zum Teil auch etwas langatmig. Vor allem bin ich aber jemand, der die Existenz von Interpunktion nicht missen möchte und das Fehlen von Anführungszeichen stört mich. Warum lässt man die weg? Was soll das als Stilmittel ausdrücken? Es nervt einfach nur.
Danke an NetGalley Deutschland und Klett Cotta für das kostenlose Rezensionsexemplar!