Als Verfallssymptom einer dekadenten und vermoderten Zeit in der die niedrigsten Ausgüsse unserer Gelüste, sowie anderer menschlicher Irrungen und Wirrungen unser aller Handeln bestimmt, kam dieses Buch in die Hände eines Einzelgänger's, der gleichsam wusste, worauf er sich einlässt. Ich quälte meinen Kopf ungefähr 300 Seiten lang mit diesem Gedöns-Romans und erhielt die volle Breitseite des Verwesungsgeruchs unseres Jahrhunderts, mitten in einem Buchgeschäft.
Wo anfangen, wo aufhören? Ich könnte den flachen Plot wiedergeben, der gleichsam nur dazu dient eine gewisse Sicht auf die Dinge weiterzutragen, mitsamt der darin auftretenden schalen Figuren, die eben das tun, was alle tun: sie vögeln, sie machen Selfies, sie suchen einen Job, sie gehen pflichtgetreu arbeiten...
Die ersten 40 Seiten sind ein Pornokino in welchem sich die niedrigen Fantasien der Möchtegern-Autorin selbst ausdrücken, mit dem sich aber Geld verdienen lässt. Männer sind anscheinend für den Sex gut genug, aber Moment... ist dies nicht ein Privileg der Frau? Ach alles so verwirrend.
Ich könnte auch auf den eigentlichen Inhalt eingehen, also auf all die Dinge worauf dieser Roman aufmerksam machen will; ich könnte sie Stück für Stück zerpflücken und es als das stehen lassen, was es ist, eine geistige Verwahrlosung aller Instinkte. Doch ich schreibe lieber unbekümmert was mir gerade dazu einfällt.
Gleich zu Anfang des Buches treffen wir Elin. Was sie so tut? Nun sie vögelt wie der Satan mit allem und jedem, sie postet Fotos auf Instagram, erhält halt auch mal "böse" Kommentare, sie "influenct" andere, sie verbreitet die allgemein gewordene Fäulnis, aus der sie selbst nicht rauszukommen vermag.
Dann kommt Nuri. Der, tja der hats nicht so leicht. Blondiert sich die Haare damit das Ausländische in ihm nicht gleich sichtbar wird, musste aber ins Militär und jetzt wachsen sie wieder dunkel nach. Doof sowas. Er bricht die Schule ab, will sich aber nicht "von seinem Schwanz leiten lassen", tut es dann aber doch, denn er ist eben ein Mann. Er jobt mal hier, mal da, was 19 Jährige aus präkeren Verhältnissen heute eben so tun. Alles nicht so leicht für den armen Tropf.
Dann muss da natürlich auch eine etwas ältere Frau rein, um etwas Würze beizumischen; die gute Ruth tut eben alles richtig, korrekt und aus Pflichtgefühl. Ja, ja so ist das eben. Das Rezept lautet; vereinfache alles um das sagen zu können, was du sagen willst.
"Ja und was will Frau Fallwickl denn nun eigentlich sagen?" hör ich schon jemanden fragen.
Was sie sagen will? Ja was wohl... Vieles und doch nichts. Das Patriarchat herrscht überall und ist freilich ganz, ganz schlecht, alle Männer sind durch den Penis gesteuert, sie können sich nicht im Wasser auf dem Rücken gleiten lassen, weil ihr Mittelpunkt eben ganz wo anders ist. Väter können sie auch nicht sein, denn sie stehen naturgemäß im falschen Verhältnis zum Kind. Frau Fallfickl versäumt es auch nicht die Gebärmutter hierzu selbst reden zu lassen. Meine Konversation mit ihr folgt, obacht:
"Sie sind von mir besessen, und das liegt daran, dass ihre Schwänze zu kurz sind. Let me explain."
Ja dann "explain" mal...
"Sie können mich damit fast erreichen, können an mich ranbumsen und freuen sich, dass sie die Vagina ausfüllen, bis an meinen Mund."
Aha, aha.
"Das tut weh, und werden sie darauf hingewiesen, hören sie vielleicht auf, murmeln eine Entschuldigung und haben diese Unbefriedigung."
Nein wirklich? Ist ja unglaublich sowas. Und warum das?
"Weil es etwas gibt im Körper, der einen Uterus hat, etwas, das verborgen ist und ein Geheimnis und der Ursprung."
Sag bloß?
"Sie wollen es besitzen, es beherrschen, und weil ihre Schwänze zu kurz sind, kommen sie mit Papier und Stift, mit Gesetzen und Regeln."
Diese Schweine...
"Oder mit Religion."
Also das ist ja wirklich das Allerletzte.
"Ich bin die Gebärmutter, mich verbinden sie mit Weiblichkeit."
Wie können sie es wagen...?
"Über alles, was mit mir geschieht, entscheiden Männer."
Was für eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, das musste ja alles mal gesagt werden.
Da staunt ihr was? Die Gebärmutter redet wie jede Durchschnittsprostituierte so tölpelhaft und dummdreist daher, dass die Feministin Emma Goldberg sich bei dieser Wortwahl im Grab umdrehen würde. Laut Frau Fallfickl haben wir Männer also sogar Macht über die Gebärmutter, ja mein Gott... wir beherrschen ja alles.
Ein ehemaliger Kumpel von mir musste noch die Frau um Erlaubnis fragen wenn er sich eine Zigarre kaufen wollte. Ein anderer den ich mal kannte wurde von seiner Frau tagelang psychisch extremst fertig gemacht, weil er es wagte, sie zu bitten nicht auf jede Fassnachtsfeier zu gehen und dann betrunken nach Hause zu den Kindern zu kommen. Gut ja, das sind nur Ausnahmen sagt ihr, da die Macht der Frau für eure Brillen unsichtbar ist.
Aber in der Welt von Frau Fallwickl gibt es sowas alles nicht. Hier ist der Mann an allem Schuld, da hier anscheinend überall wo Entscheidungen getroffen werden, nur Männer sind. 736 Frauen sitzen im deutschen Bundestag, der Frauenanteil im Schweizer Nationalrat beträgt fast 40%. In den größten Banken, Konglomeraten und Konzernen sitzen mittlerweile tausende von Frauen in Führungspositionen. Ist anscheinend alles noch nicht genug für Frau Fallfickl.
Gut in diesem Roman sind nicht nur Männer an allem Schuld, nur beinah. Das kapitalistische System an sich ist natürlich auch ganz, ganz schlimm. Das Gesundheitswesen wurde zu tode privatisiert und ist schon so marode wie eine Holzhütte unter Wasser. Die westliche Politik wird von internationalen Eliten beherrscht und kontrolliert. Die Konzerne beuten alles und jeden aus, kümmern sich um nichts ausser den Profit. Ja, ja kennen wir alles schon, diese Zustände bestehen ja nicht erst seit gestern. Was sich Frau Fallwickl dabei erhofft kurz und knapp zu beleuchten, weiß ich nicht... Sie muss wohl glauben dass sich daran noch etwas ändern lässt, ein törichtes, ja geradezu naives und närrisches Unterfangen.
Frau Fallfickl hat dann eine ganz besondere Idee, die sie irgendwo geklaut hat, nur wo? Ach ja richtig, meine Geschichtsbücher sagen es mir gerade. Was passiert wohl wenn alle jene, die eine relevante Arbeit verrichten, diese niederlegen? Ja was wohl? Dann ist alles so still. Faszinierend nicht wahr?
Gut Frau Fallwickl lässt hier nur die Frauen dies tun, denn nur sie verrichten in ihrer Realität relevante Arbeit, aber die Idee ist keineswegs neu. Die ganze zweite Hälfte des 19.Jhrs. bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts ist überfüllt von Streiks, Revolten und dergleichen, die hinlänglich belegt haben, wozu eine jede Arbeitsniederlegung führt.
Die Möchtegern-Autorin tut hier weder etwas neues, noch bereichtert sie die Literatur, noch verändert sie etwas, noch ist sie selbst eine Notwendigkeit, und doch bringt diese Zeit ganz notwendig eine solche "Schöpferin" hervor. Hier kann noch nicht mal von einem Schreibstil die Rede sein: immer wenn ich denke, noch plumper, noch dümmer kann man nicht schreiben, kommt jemand neues daher und setzt die Latte stupider Schreibart noch höher.
Wie sehr mir alles politische Denken, alles korrekte Getue, wovon dieser Roman strotzt, zuwider ist vermag ich nicht in Worte zu fassen. Die Zersetzung hat dermaßen unaussprechliche Ausmaße angenommen, dass weitere Wörter meinerseits hierzu überflüssig sind. Dieses Kleinod menschlicher Schwächen zeigt nur allzu deutlich wie Allgemein falsche Schlussfolgerungen und geistige Verwirrungen geworden sind.