Wenn man versucht, die Geschichte des Nahen Ostens zu verstehen, ist es, als würde man die Züge eines Schachspiels verfolgen - jedoch auf vielen Schachbrettern gleichzeitig. Jeder Zug auf dem einen Brett löst Bewegungen auf den anderen aus. Der 7. Oktober hat das vernetzte Spiel im Nahen und Mittleren Osten noch einmal in eine neue Phase katapultiert: Inzwischen ist die Hamas keine Gefahr mehr, die Hisbollah im Libanon massiv geschwächt, die Islamische Republik Iran hat ihren Verbündeten in Damaskus verloren. Die gesamte Region kann sich in Richtung Frieden bewegen - oder ein einziger falscher Zug lässt alles in sich zusammenbrechen.
Natalie Amiri hat auf ihren Reisen unter anderem mit Frauen aus Gaza gesprochen, mit Angehörigen entführter Geiseln und den kurdischen Kämpferinnen in Rojava. Ihr Buch bietet keine einfachen Antworten. Es ist ein Mosaik aus Stimmen, Ängsten, Hoffnungen und Widersprüchen. Aus Geschichten, die zeigen, wie eng alles miteinander verknüpft ist - und dass wir nur verstehen können, wenn wir die Komplexität aushalten.
Ich wollte mich mit dem Anschlag vom 7.10.2023 und den Hintergründen befassen - hier liefert das Buch intensive, mitunter schwer auszuhaltende Einblicke in das Leid der jüdischen Betroffenen und die Folgen für die in Gaza lebenden Palästinenser*innen.
Doch das Buch bietet weitaus mehr: Wie der Titel verspricht, rollt Amiri den gesamten "Nahost-Komplex" auf und hat mir sehr geholfen, all die Verwicklungen und vor allem die Rolle der Islamischen Republik Iran zu erfassen. Sehr erhellend sind die Kapitel über Syrien und den Libanon, in denen - wie im gesamten Buch - dort lebende Menschen, aber auch Expert*innen zu Wort kommen. Meiner Meinung zeichnet gerade dieses Zusammenspiel aus Erklärungen politischer Entscheidungen und der Betrachtung des Alltagslebens der Menschen in der Region dieses Werk aus.
Ein wirklich großartiges, unbedingt zu empfehlendes politisches Sachbuch!
Wow. Dieses Buch ist unglaublich berührend. Natalie Amiri gehört schon lange zu meinen Lieblingsjournalistinnen. Ich schätze besonders, dass sie nicht nur über Ereignisse berichtet, sondern von den Menschen erzählt, die sie erleben. Dadurch wird alles so nahbar und verständlich – und doch bleibt vieles unbegreiflich. Dieses Buch ist mir sehr nahe gegangen.
Sehr lesenswert - sehr gut! Regt zum Denken an! Phasenweise dann doch tendenziös und manche Passagen leider mehr emotionale Meinung, denn Analyse, aber absolut lesenswert!
Natalie Amiri erinnert uns daran, wie essentiell es ist hinzuschauen und nicht die Augen vor dem Leid zu verschließen. Und dass ein Perspektivwechsel etwas sehr Positives sein kann.
Der „Nahostkomplex“ ist ein Buch, das genau diesen Perspektivwechsel anbietet, aber auch einfordert.
Amiri schreibt in der Einleitung: „Ich freue mich, wenn sie mitkommen auf diese Reise. Und machen sie zwischendrin ruhig immer mal wieder eine Pause. Es wird anstrengend werden.“
Hat mich sehr beeindruckt. Differenziert und emphatisch geschrieben, die individuellen Geschichten der Menschen vor Ort im Mittelpunkt. Große Empfehlung!
Ein Buch zum Nahostkonflikt, hat mich direkt angesprochen, weil es mir schon länger ein Anliegen war mich noch tiefer in die Thematik einzulesen und ich muss echt sagen dieses Buch hat mich sowas von packen können.
Dies lag ganz sicher daran, wie die Autorin Fakten darlegt und knallhart von ihren Erfahrungen in den Regionen berichtet. Dabei beleuchtet sie nicht nur eine Perspektive, sondern zeigt alle auf, die im Konflikt eine wichtige Rolle spielen. Zudem ist sie gnadenlos ehrlich, beschönigt nichts und kritisiert auch, was zwar nicht immer leicht zu lesen war, aber nur so hatte ich das Gefühl mehr verstehen zu können.
In dem Buch führt die Autorin nicht nur Fakten auf, sondern sie ist für die Recherche in die einzelnen Länder gereist und hat mit vielen Personen Interviews geführt. Dabei zeigt sie eben auch auf, wie komplex dieser Konflikt ist und welche Akteure eigentlich alle involviert sind.
Ich konnte durch dieses Buch so viel mehr verstehen. Es hat mir an manchen Stellen die Augen geöffnet und Zusammenhänge aufgezeigt, die mir so noch nicht bekannt waren. Dabei bringt sie immer wieder durch ihre Interviews so viel Realität mit ins Buch. Von mir gibt es daher eine absolute Empfehlung.
Ich habe einige historische Daten und Fakten nicht gekannt: Wie lange oder kurz zum Beispiel manche islamistischen Gruppierungen (erst) agieren. Ich glaube ich habe vieles mitgenommen und gelernt. Insgesamt hat sich das Buch oft wie eine Seite drei in der SZ gelesen, das meine ich als Kompliment, es hat mich oft gefesselt. Ich mochte, dass vieles an den Beispielen von einzelnen Menschen deutlich wurde
Unter den jüngsten Büchern die ich über den Nahost Konflikt gelesen habe, erscheint mir dies als eines der beste: informativ, relativ objektiv und balanciert. Keine Anklagen, sondern Reportage.