»Was haben Sie am 7. Oktober 2023 gemacht?« Diese Frage stellte die Autorin und Journalistin Samar Yazbek in Katar Hunderten von Geflüchteten aus dem Gazastreifen. Während mehrerer Monate im Jahr 2024 erzählen ihr Männer, Frauen und Kinder zwischen 13 und 65, was sie in diesem Krieg erlebt haben. Ihre Geschichten wirken wie Albträume über unvorstellbare Verluste von Leben, Familie, Heimat und elementarer Würde.
Die Überlebenden sind entschlossen, ihre Geschichte und die Schicksale ihrer Angehörigen mit der Welt zu teilen. Samar Yazbek hat siebenundzwanzig ihrer Berichte ausgewählt und zu einem Band vereint.
»Manchmal denke ich, dass jetzt nicht die Zeit ist, um über Hoffnung oder Trauer zu sprechen. Aber ich will erzählen, was ich gesehen habe.« Buschra Al-Ghulban Abu Sabih, 42 Jahre
- Syrian writer - born in Jableh city, 1970 - published her first stories collection in 1999 - wrote many scripts for movies and TV series while working in the Syrian state TV, and she produced and presented the show of "Library Story" in 2008 - worked in Al-Hayat newspaper for 10 years, and published in many Syrian and Arab newspapers - published four novels, and three books - her A Woman in The Crossfire was translated into five languages - co-founded in 2012 "Women NOW" development organization that is concerned with educational and economical empowerment of women and children
Es sind so viele Tage vergangen, so viele Wochen, Monate und Jahre. Und der Gen0z|d geht immer noch weiter, immer noch im vollen Gange. Das ist es vor allem was mich bei dieser bedrückenden Lektüre immer wieder fassungslos gemacht hat. Dass sich an der Situation bis heute nichts geändert hat.
Wir haben über Livestreams die vielen Hundert Mass4ker mitbekommen, wir haben sie miterlebt. Und ich frage mich immer wieder wie das sein kann. Wie kann es sein, dass die Welt trotzdem still geblieben ist? Ich frage mich ob wir das Menschsein abgelegt haben. Berührt uns das T0ten eines anderen Menschen wirklich nicht mehr?
Das Buch „Gaza. Überlebensberichte aus einem zerstörten Land“ ist wahrlich keine einfache Lektüre. Es erzählt Geschichten aus verschiedenen Perspektiven. Von Müttern, von Vätern, von Ärzten und von Verwundeten und von vielen weiteren Menschen. Es zeigt wie sie das Leben seit dem 7. Oktober 2023 erlebt haben und wie sich ihre Lage verändert hat.
Vieles davon hat man über verschiedene Accounts in den sozialen Medien erfahren. Oft hat man nur einen Bruchteil der Aufnahmen wahrgenommen oder ist mit den Bildern allein geblieben. Doch dieses Buch geht weiter. Es erzählt die Überlebensgeschichten der Menschen die hinter den Bildern weitergelebt haben.
Die Autorin Samar Yazbek hat die 27 Berichte unglaublich gut in einem Band zusammengebracht. Damit die Überlebenden über ihr Schicksal berichten können und damit sie als Menschen ihre Würde bewahren können. Die Würde die ihnen vor und während des Gen0z|ds genommen wurde.
Ein besonderer Dank geht an die beiden Übersetzenden Larissa Bender und Leonie Nückell. Sie haben uns die Möglichkeit gegeben dass wir diese wichtigen Berichte lesen können. Die Überlebenden haben dadurch eine weitere Sprache bekommen, damit ihre Geschichten in verschiedenen Teilen der Welt gehört und weitergetragen werden.
Für mich ist dieses Buch eine Pflichtlektüre. Es ist sehr einfach und verständlich geschrieben, die Kapitel sind klar gegliedert und leicht zu durchschauen. Was mich besonders berührt hat: Die Autorin legt großen Wert darauf, die verschiedenen Perspektiven zu schildern und dabei die Identität der Menschen zu schützen.