Sie ist ein High Libido Girl, doch Sexualität war Nana Myrrhe jahrelang verboten: Dating, Küssen, sich (selbst) Anfassen, Sex vor der Ehe – alles Sünde. So hat sie es in ihrem freikirchlichen Umfeld gelernt und ihrer fundamentalistischen Glaubensgemeinschaft treu geglaubt. Bis dieses Weltbild immer mehr Risse bekam.
Die Autorin berichtet nicht nur vom eigenen Erleben des Keuschheitswahns, sondern schaut auf das System dahinter: Purity Culture. Sie entzaubert das heilige Märchen von Reinheit und Enthaltsamkeit und präsentiert eine intensiv recherchierte Spurensuche. „FEUCHT & FROMM“ weist auf die vielen Unschuldigen hin, die in diesem System nur verlieren können, und deckt die perfiden Methoden einer Ideologie auf, die nicht nur in konservativ-religiösen Kontexten ihre Wirkung entfaltet.
Nana Myrrhes umfassendes und gut recherchiertes Buch über Purity Culture ist absolut lesenswert! Es berichtet klar und schonungslos woher diese menschen- und va frauenfeindliche Ideologie der sexuellen Reinheit kommt und wie sie sich in sog. Freikirchen ausdrückt. Auch wenn es (va am Anfang) sehr viele Infos und Fakten auf einmal sind, hat es mich total gefesselt und war schnell durchgelesen. Die persönlichen Einblicke in ihre eigene Geschichte am Ende jeden Kapitels veranschaulichen sehr eindrücklich, was Purity Culture bedeutet und mit Betroffenen macht. Vielleicht denken manche beim Lesen, das sei übertrieben oder doch bestimmt nur eine sehr seltene, extreme Erfahrung - nein, da kann ich widersprechen. Als selbst Purity-Culture-Geschädigte habe ich mich in erschreckend vielen Details wiedergefunden, selbst bis hin zu den kindlichen Diddl-Tagebuch-Einträgen, die später wieder voller Scham- und Schuldgefühle rausgerissen wurden, weil man in der Kirche gelernt hatte, das Schwärmerei und Verliebtheitsgefühle falsch sind und von Gott wegbringen. Vieles 1:1 so erlebt. Umso erschreckender ist ed, dass diese Ideologie in hippen Kirchen wie dem ICF auch heute weiterhin als die einzige wahre biblische Sexualmoral gepredigt wird, wie Nana das im Buch eindrücklich darlegt. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass mir persönlich der Teil in der Mitte des Buches zu den ganzen Bibelversen, auf die Konservative ihre Sexualmoral gründen und wie man das anders deuten könnte, zu lang und zu ausführlich ist. Ich bin keine Theologin, begründe mein Leben nicht (mehr) auf der Bibel und bin für den Abschnitt nicht die richtige Zielgruppe. Dafür kam mir der Teil am Ende etwas zu kurz, wo es um die konkreten Auswirkungen der PC auf die (psychische) Gesundheit und auf Beziehungen geht. Aber vielleicht kommt dazu mehr in einem 2. Buch?
Lest dieses Buch! Bringt es in eure Kirchen, Gebetskreise, Jugendgruppen!