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Der stille Freund

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Nach »Kaffee und Zigaretten« und »Nachmittage« - der neue große Erzählband von Bestsellerautor Ferdinand von Schirach.

Ferdinand von Schirach schreibt über die Verletzlichkeit des Menschen, über seine Triumphe und sein Scheitern. Seine Geschichten erzählen von der Gesellschaft, vom Tod und von Verbrechen, von Musik, Film, Malerei und Philosophie. Sie spielen in Berlin, Kapstadt, Rom, Wien und an der Côte d´Azur. Sie berichten von privaten Begegnungen, von historischen Ereignissen und von Persönlichkeiten wie dem Tennisspieler Gottfried von Cramm, dem Architekten Adolf Loos oder dem Wiener Schriftsteller, Schauspieler und Kulturphilosophen Egon Friedell. Und immer wieder erzählt sein neues Buch »Der stille Freund« von Zufällen, die ein Leben unaufhaltsam verändern, von der Unbegreiflichkeit und Großartigkeit des Menschen, von der Unsicherheit des Daseins und der Sehnsucht nach Schutz, Sicherheit und Freiheit.

176 pages, Hardcover

Published August 27, 2025

95 people are currently reading
751 people want to read

About the author

Ferdinand von Schirach

63 books2,033 followers
Ferdinand von Schirach (born 1964 in Munich) is a German lawyer and writer. He published his first short stories at the age of forty-five. Shortly thereafter he became one of Germany's most successful authors. His books, which have been translated into more than 35 languages, have sold millions of copies worldwide and have made him an internationally celebrated star of German literature.

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Community Reviews

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4 stars
374 (40%)
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2 stars
39 (4%)
1 star
6 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 73 reviews
Profile Image for Alexander Carmele.
484 reviews454 followers
December 3, 2025
Transkribiertes Salongespräch ohne Tiefenschärfe.

Ausführlicher, vielleicht begründeter auf kommunikativeslesen.com

Der stille Freund lässt sich am ehesten in das Genre Reflexionen eines Weltenbummlers einordnen, ähnlich zu Graf Hermann Keyserlings Das Reisetagebuch Eines Philosophen, Henri Michaux‘ Ein Barbar auf Reisen oder auch diverse Cees Nooteboom Berichte wie Im Frühling Der Tau. Östliche Reisen zählen. Hier steht der Erzähler, der Sammler, der Anekdoten-Liebhaber im Vordergrund. Im Gegensatz zu den genannten beansprucht Schirach jedoch eine gewisse Welterfahrungstiefe:

Und dann, ganz plötzlich, wurde ihm klar, dass nur das Lebendige wahr ist, nur das Staunen, nur die Schönheit unserer Welt, dieser eine Moment. Er ging in ein Café, bestellte ein Cornetto, biss hinein und konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Massimo nannte diesen Moment später seinen »stillen Freund«, zu dem er immer wieder zurückkehren konnte. Das verstand ich sehr gut.

Solche Sprüche hauen eben nur Typen wie Graf Keyserling oder Schirach raus, und so bildet sich auch ein gewisser Kanon des für sie geltenden Guten Geschmacks. Der stille Freund bietet vierzehn Anekdoten, alle mit einer ausgesuchten Punchline, die allesamt mehr oder weniger um das Zeitproblem, um Tod, um Manipulation, und allesamt spielen im großbürgerlichen Milieus, also in Kapstadt im Grand Hotel, in Namibia auf einem Großgrundbesitz, an der Côte d’Azur etc … Hier gelten noch gewisse Werte und Erfahrungstiefen, und hier wird auch die gute alte Zeit betrauert:

»Ich mag meine Nymphen. Sie werden nicht alt«, sagte Cynthia. »Das Gitter hinten ist nicht so schön, ich weiß. Früher war das Nymphaeum an beiden Seiten offen, aber vor 150 Jahren wurde das Tiberufer neu befestigt. Alle Häuser hier haben den Zugang zum Fluss verloren. Davor muss es großartig gewesen sein. In dieser Straße wohnten die Clarelli, Sacchetti, Falconieri und so weiter. Unser Haus und die Häuser der anderen Familien hatten ihre Gärten direkt am Wasser.«

Schirach pädagogisiert über die Pflicht von Therapeuten, wirft das alte Problem auf, ob Kunstwerke von Sexualstraftätern gewürdigt werden dürfen, warnt vor den sozialen Medien und Massenhysterien und zeigt, wie wahre Gentleman Fairplay so groß schreiben, dass sie selbst wie Gottfried von Cramm den Davis-Cup-Sieg aufs Spiel setzen. Kolloquial, leutselig plaudert hier der Globetrotter aus dem Nähkästchen, nur leider erweisen sich die meisten Erzählungen wenig durchdrungen und zu unpointiert nacherzählt. Schirach erreicht nicht die Selbstbefragungsintensität bspw. eines Karl Heinz Bohrers in Was alles so vorkommt. Ihm fehlt schlicht die geistige Dynamik.

In Der stille Freund wird klar, dass ein geschliffenes Salongespräch im Salon bleiben sollte und schwarzweiß gedruckt seinen Sinn verliert. Bspw. mag es beeindrucken, aus dem Stegreif, eine Proust-Passage zu zitieren (beim Champagner, Bach-Musik im Hintergrund, knisterndes Schuhwerk auf glänzendem Parkett), aber in einem Text wirkt dieselbe Geste nur faul und anspruchslos. Die stilistische Gestaltung und reflektorische Durchdringung des Materials wird nicht geleistet. Schirach bleibt beim Namedropping, bei unausgeführten Ansätzen stehen. Das meiste läuft ins Leere wie der ganze Ansatz, sich nämlich hinter einem Potpourri an Zitaten zu verstecken und im Arrangieren eine Eigendynamik zu erzeugen, die nur als Flickenteppich enden kann.

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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt:
1. Der stille Freund: Massimo, lebt in Namibia, liest fleißig Philosophie, erlebt einen Moment der Erleuchtung in Florenz. Beschäftigt sich mit Kants drei Fragen. Er stirbt in einem Flugzeugunfall. Er wollte Zeit sparen und nahm das Flugzeug statt das Auto.
2. Spiegelstrafe: Cynthia, eine Jugendfreundin aus adligem Hause, heiratet einen Aufsteiger und Halbkriminiellen, der sie schlägt; sie flieht, heiratet später einen homosexuellen Italiener, auch adlig, der es sich zum Hobby macht, Cynthia zu rächen. Er ruiniert den Ex-Ehemann und führt eine Scheinamputation durch. Cynthia erklärt, warum Truman Capote kein Marcel Proust werden konnte – ihm fehlte der Stallgeruch der Upper Class. Capote hat nur über die High Society schreiben können.
3. Die Sache mit dem Tod: ein paar letzte Worte von Goethe, Alfred Delp, Richard Feynman …
4. Ornament und Verbrechen: Ludmilla, Rechtsanwaltskollegin, muss einen Fall über sexuelle Nötigung klären. Kindesmissbrauch von Kulturschaffenden wird diskutiert, Roman Polanski, Jean-Paul Sartre, Michel Foucault, insbesondere der Fall Alfred Loos.
5. Wirklichkeit und Wahrheit: Über den Israel-Palästina-Konflikt, Orwells „1984“ und die Gefahr der sozialen Medien.
6. Fehler: Taxifahrt in Berlin, ein ehemaliger Therapeut hat seinen Beruf aufgegeben, weil er die Polizei verständigt hat, nachdem ein Patient ihm Mordphantasien mitteilte. Aufgeben gilt nicht.
7. Rechnungen: In Kaptstadt, Kurt Meyerings Schicksal als Warnung, der ein Jahr vor dem Ende des Nazi-Regimes lauthalts das Regime beschimpfte und umkam. Der Witwe wurden die Kosten der Vollstreckung der Todesstrafe in Rechnung gestellt.
8. Tony: Eigentlich Antonia, wie Tony Buddenbrooks, eine Frau zwischen allen Stühlen, reist um die Welt, kümmert sich nicht um ihren Sohn, verschwindet spurlos bei einer Kreuzfahrt. Ihr Sohn Philipp klagt zwei Liebhaber an, die sich auf der Passagierliste finden. Der Name des Sohnes findet sich dort aber auch.
9. Unfälle: Über den Vater eines Wirtschaftsmathematikers, der stets egoistisch handelte, bis er einmal einem verunglückten Radfahrer half und dabei selbst überfahren wird.
10. Gottfried von Cramm: Kennenlernen eines Moabiter Richters, der sich Gottfried von Cramm als Vorbild genommen hat, Tennisspieler und Regimegegner, der beim entscheidenden Punkt im Davis-cup-Finale Fairness zeigte. Statt den Sieg zu feiern, ließ er den Punkt wiederholen und sein Team verlor das Spiel. Richter hielt sich stets diese Unabhängigkeit vor Augen.
11. Cicciata: In Rom, ein Spiel auf Leben und Tod. Männer in einem Raum, Licht geht aus, alle metzeln sich lautlos ab, dann geht Licht wieder an und alle gehen ihres Weges, die noch können.
12. Mozart ist tot: Klapper, Lisas Bruder, hat eine musikalische Begabung, spielt bis er kurz vor dem Durchbruch steht, hört dann auf, da er sich langweilt. Dann hilft er einen Jazzclub aus dem Boden zu stampfen. Ist wieder erfolgreich. Hört wieder auf und wandert rund ums Mittelmeer. In einem Hotel in Rom hat er den Teufel gesehen, später hat er beim Gesang vom Mozarts Requiem „Mozart ist tot“ gehört. Arbeitete als Friedhofswärter. Wurde durch Apple-Aktion reich. Er wird in Ostia, bei Rom, im Meer begraben. Als sie im entsprechenden Hotel, wo Klapper den Teufel sah, die Trauerfeier abhalten, sehen sie keinen Teufel.
13. Egon Friedell: Er wollte in Wien bleiben und sprang, als ihn die Nazis abholen wollten, in den Tod. Vor dem Aufprall bittet er die Passanten doch zur Seite zu gehen.
14. Eine Ansicht von Delft: Marcel Prousts Besessenheit von der gelben Mauer. Eine Zwecksehe von Tante Haag, die einen Maler geheiratet hat, sehr viel älter, dann starb und ihr ein Vermögen hinterlassen hat.
Profile Image for Anna Carina.
688 reviews356 followers
November 26, 2025
Gelungen fand ich das Kapitel "Spiegelstrafe". Hier baut sich etwas auf. Es lebt sehr von der freundschaftlichen Atmosphäre, dem Gespräch auf dem Balkon und gleitet dann weiter. Nach vielen Jahren treffen die Freunde sich in Rom wieder und sie erzählt von den Männern ihres Lebens. Diese Geschichte verwebt Bedürfnisse und den Code einer gewissen Klasse, zu einem runden und verstörenden Ganzen.

Die meisten Vignetten waren mir viel zu kurz, fast wie Zeitungsausschnitte. Sprachlich bewegt sich kaum etwas. Die zwei, drei anderen Geschichten, die mir im Ansatz gefielen, bekamen zum Ende eine Note, mit der nicht viel anfangen konnte.

Das Buch lässt mich, abgesehen von "Spiegelstrafe", unbeteiligt zurück. Als hätte ich ein paar Stunden durch Videos geklickt, die verschiedenste Gespräche und Reportagen beinhalten, zu denen ich keinen Zugang bekomme und nach ein paar Minuten weiterziehe.

Seltsames Buch.
Profile Image for Emely Zoe.
200 reviews18 followers
October 23, 2025
Wieder ein Erzählband mit mehreren unabhängig voneinander lesbaren Kurzgeschichten über die Gesellschaft und das Unvorstellbare beziehungsweise Unglaubliche ebendieser. Mit einer so einfachen aber gleichzeitig so eindringlichen Art zu Erzählen, hat sich "Der stille Freund" neben Terror: Ein Theaterstück und eine Rede und Der Fall Collini zu einem meiner liebsten von Schirach Büchern entwickelt. Von Kapitel zu Kapitel musste ich mich mehr zusammenreißen dieses Buch nicht in einer Sitzung durchzulesen.
Manche Kapitel waren keine leichte Kost, aber die Welt ist eben nicht nur Gut. Und manchmal verschwimmt das Gute und das Böse auch.
Profile Image for Wulf Krueger.
523 reviews128 followers
September 6, 2025
(Still compulsively reading. Who am I to disrupt my flow by writing detailed reviews? ;-) )

Puh... Leider sehr dürftig. Von Schirach erzählt lakonisch bis zur Belanglosigkeit einerseits oder zu Selbstverständlichkeit andererseits.

Weitgehend schlicht langweilig. Über Recht, Kaffee und Zigaretten konnte er wunderbar schreiben. Seitdem geht ihm die literarische Luft aus.

Trotzdem: Ferdinand von Schirach ist und bleibt eine großartige Person.
Profile Image for Prusseliese.
438 reviews24 followers
September 30, 2025
Wieder ein Erzählband von Schirach, der sehr lange bei mir nachhallen wird. Er hat so eine wunderbar elegante Art zu schreiben.
Profile Image for Leonie.
174 reviews5 followers
September 21, 2025
„Eine Woche, bevor sie starb, besuchte ich eine 83-jährige Freundin in Salzburg. Sie wog nur noch 45 Kilo, saß gut gelaunt auf ihrer Terrasse über der Stadt, rauchte und trank Kaffee. „Der Krebs ist schon gräuslich, ja“, sagte sie. „Aber den Tod darf man nicht so ernst nehmen. Wenn man verzweifelt ist, stirbt man. Wenn man nicht verzweifelt ist, stirbt man auch. Besser also, man ist nicht verzweifelt.“

4.5*
Profile Image for Josi.
45 reviews1 follower
August 28, 2025
Das war wieder so ein Buch, bei dem ich mich zwingen musste es mal wegzulegen, damit ich nicht so schnell damit fertig bin.
Jede einzelne Seite habe ich mindestens 1x richtig langsam gelesen, weil ich es so intensiv wie nur möglich aufnehmen wollte. Jedes Kapitende hat mich so viel fühlen lassen und hat so viele Fragen aufgeworfen, sodass ich immer kurz vor mich hinstarren musste. Aber gibt es für all diese Fragen überhaupt eine allgemeingültige Antwort?

Die Aufteilung des Buches hat mich an Schirachs Werk „Nachmittage“ erinnert und davon bin ich immer noch ein rießen Fan.
Es war so schön und existenziell erschütternd zugleich - auch, wenn ich nach dem Lesen ein Loch in mir spüre, denn er hat auch weh getan.
Profile Image for Ellinor.
766 reviews363 followers
October 7, 2025
Mit Der Stille Freund legt Ferdinand von Schirach seinen nächsten Erzählband vor. Die Geschichten sind rund um den Globus angesiedelt. Während einige nur drei, vier Seiten lang sind, umfassen andere deutlich mehr. Besonders letztere haben es mir diesmal angetan. Die wahrscheinlich längste Erzählung des Bandes ist Spiegelstrafe. Gleichzeitig war sie auch mein persönliches Highlight, dicht gefolgt von Mozart ist tot. Aber auch Ansicht von Delft fand ich sehr gelungen, ein würdiger Abschluss des Bandes.
Zu Ferdinand von Schirachs Erzählstil muss ich vermutlich nicht mehr viel sagen. Ich mag seine Sprache sehr und auch die von ihm erschaffenen Figuren, mögen sie nun wirklich oder Fiktion sein, haben alle ihre besonderen Reiz.
Der Stille Freund ist erneut ein gelungenes Werk und ich freue mich, dass der Autor nach seinem Monolog Regen wieder zu dieser Erzählform zurückgefunden hat.
Profile Image for Theresa Moos.
43 reviews1 follower
October 20, 2025
Frau aufm Cover for no reason außer Ästhetik ist immer geil , drinnen finden sich durchschnittliche Gedanken eines alten reichen Mannes der vieles schon vorher geschrieben hab aber es verkauft sich eben immer wieder (respectable)
Profile Image for Monika Martens.
36 reviews
September 2, 2025
Irgendwie ein verwirrendes Buch. Mir war bewusst, dass es ein Mischmasch aus allem Möglichen werden würde, so wie es bei Ferdinand von Schirach immer ist. Aber dieses Mal hatten die Geschichten wirklich keinen Faden, keine Übereinstimmung. Viele autobiografische? Geschichten und auch geschichtliche Erzählungen. Auch wenn die Inhalte mich nicht unbedingt begeistert haben, mag ich die Schriftweise noch immer sehr gerne.
Profile Image for Sven Aumiller.
32 reviews3 followers
November 23, 2025
171 Seiten „der stille Freund“ sind 171 Beweise, warum wir Reichtum umverteilen & Erbschaftssteuer erhöhen müssen.
Profile Image for Frani.
108 reviews74 followers
November 23, 2025
Egal wie bekannt und erfolgreich ein Schriftsteller ist. Lektorat weiterhin eine gute Idee.
Profile Image for Nina.
32 reviews1 follower
September 24, 2025
Mmmh, ich bin ja eigentlich ein großer Schirach Fan aber irgendwie hat mich dieses Buch nicht so gepackt. Manche Geschichten waren mir ein bisschen zu uninteressant, andere eine bisschen zu brutal, obwohl man das bei Schirach ja schon kennt. Ein paar fand ich aber auch wirklich gut, der Sprachstil und die Charaktere sind wie immer 10/10. Für mich hat der Rest leider einfach nicht soo überzeugt.
Profile Image for Bruno Laschet.
698 reviews21 followers
November 18, 2025
Ein Erfolgsrezept: Der Autor erzählt 14 Kurzgeschichten in einem relativ kurzen Buch, die alle interessant und spannend sind. Das Hörbuch wird von Autor selbst gesprochen und das ist gut! Einige Geschichten waren für mich hart an der Grenze des Erträglichen - andere wiederum traurig und zu kurz oder zu lang. Alles in allem ein guter Mix und ein Hörvergnügen (oder Lesevergnügen).
Profile Image for Billy.
74 reviews13 followers
October 18, 2025
Ich bin Schriftsteller, ich erzähle nur Geschichten. (S.13)

Mit gemischten Gefühlen. Ferdinand von Schirach bleibt ein präziser Beobachter und ein souveräner Stilist, doch in Der stille Freund schwankt er spürbar zwischen erzählerischer Stärke und essayistischer Selbstbespiegelung.

Seine besten Momente hat der Band dort, wo er mit wenigen Strichen eine ganze Tragödie entwirft, oder in den biografischen Annäherungen an Adolf Loos und Egon Friedell. Hier zeigt sich der alte Schirach: knapp, genau, menschlich.

Andere Skizzen sind zu sehr darauf bedacht, Bedeutung zu behaupten. Der Wille zum Intellektuellen steht dem Erzähler zuweilen im Weg.
Nichtsdestotrotz schreibt Schirach mit jener kühlen Eleganz, die man sofort erkennt und die selbst die schwächeren Stücke lesenswert macht.
Profile Image for hübner.
14 reviews
December 25, 2025
Seit langem hab ich mal wieder ein Buch verschlungen. Ich bin wirklich positiv überrascht von Schirach, ich glaube bisher fast mein Lieblingsbuch von ihm.
Profile Image for Till &#x1f642;‍↕️.
28 reviews
December 3, 2025
Klappentext sagt irgendwer hat von Schirach mit Kafka verglichen, bei mir evozierte er leider nur Kaka🤥. Eine Sammlung von Geschichten und keine ist besonders gut, manche dafür sehr schlecht. Der einzige gute Satz des Buchs steht hinten drauf als appetizer, böse Falle !!!🪤
Oft hatte ich den Eindruck, dass Ferdinand irgendwas Neues gelernt hat und das unbedingt in eine Geschichte packen wollte, was sich in der Qualität widerspiegelt. Fast alle Geschichten hatten plumpe und holprige Stellen wo sie sich dann von der Larve zur Mistfliege entfalten🤥
Besonders schlimm war für mich ein „thinkpiece“ zum Gazakrieg in dem er 1984 anführt von wegen Propalästina-Demos sind von sozialen Medien gesteuert??? Literally 1984 bliblablub
Hab das Gefühl er hält sich für sehr schlau und witty leider
Profile Image for Linda.
31 reviews31 followers
September 14, 2025
"Die sozialen Medien sind weitaus mächtiger, als es ein »Wahrheitsministerium« je sein könnte. Mit einem Tastenklick werden dort Opfer zu Tätern und Täter zu Opfern gemacht. Wahrheit ist heute nur noch eine Meinung – und man darf ja wohl auch anderer Meinung sein. Die Wirklichkeit scheint nicht mehr zu existieren, selbst bei den schrecklichsten Verbrechen."
Profile Image for Annina.
410 reviews86 followers
December 28, 2025
Von Schirach schrieb 14 Kurzgeschichten, die an den unterschiedlichsten Orten spielen. Einige Geschichten hatten tolle Ansätze, waren mir aber zu kurz (Spiegelstrafe, Ornament und Verbrechen, Tony, Der stille Freund). Anstatt so viele Geschichten hätte mir ein paar wenige, dafür ausführlichere wohl mehr zugesagt.
Profile Image for Luisa Dinda.
69 reviews
December 30, 2025
Vorherige Bücher fand ich gut, aber das war ehrlich gesagt einfach belanglos und recht schlecht erzählt. Ich finde, das Buch lässt vor allem durchschimmern, dass er ein alter, weißer, wohlhabender Mann ist mit entsprechenden Perspektiven, schade.
Profile Image for Alexander Rabben Mohr.
49 reviews
January 11, 2026
Dieses Buch war schwer zu bewerten. Manchmal fand ich es furchtbar langweilig und sogar böse und manchmal war es voller Leben und stellt Sachen unfassbar schön dar. Obwohl der Autor in jenem Fall sehr reflektiert ist, zeigt er gleichzeitig, dass die Menschen letztendlich emotional anstatt rational sind. Def to the IDF
Profile Image for Johannes.
184 reviews4 followers
September 14, 2025
Genau der Style von ihm den ich am meisten mag. Wie man so gute Kurzgeschichten so random aneinander reihen kann ist mir unerklärlich. Nur traurig, dass es nicht mehr von diesen gibt. In so kurzer Zeit ist man im Geschehen vertieft. Ich kenne keinen Autor des das schafft. Wenn jemand Empfehlungen hat bitte her damit 😂
6 reviews
November 12, 2025
Eine Sammlung von Kurzgeschichten, wie es sie bei Schirach bereits in mehrfacher Ausführung gab, in der Umsetzung leider noch uninspirierter als die vorherigen Bücher. Schirach bleibt ein Schatten seiner selbst und traut sich nicht mehr, als dieselben gesellschaftlichen Fragen aufzuwerfen, die schon hunderte Male gestellt wurden, ohne hierbei auch nur im Ansatz eine eigene Antwort entwickeln zu wollen. Für den Applaus aus dem Feuilleton gibt’s dann noch ein bisschen Kultur, um die Erzählung aufzuwerten, nichts davon ist aber auch nur ansatzweise auf dem Niveau, das ich an ihm schätze
Profile Image for Daniela.
470 reviews39 followers
September 22, 2025
Das war mein erster Schirach seit längerer Zeit und ich war ein bisschen enttäuscht. Manche Geschichten haben mich sehr berührt, andere sehr verstört. Die Brutalität, die in manchen Texten tragendes Element war (ich sage nur Armamputation! und Cicciata), war mir zu viel ... aber ich schätze, wenn es ums Sterben geht, gehört Grausamkeit dazu.

Schirach schreibt gut wie immer und in fast jeder Geschichte entwickelt sich schnell ein Sog, der mich das Buch nicht mehr zur Seite legen ließ.
Besonders interessant fand ich folgende Gedanken:
* In der Geschichte um Adolf Loos "Ornament und Verbrechen" wird die Frage gestellt, ob wir das künstlerische Werk von der Person des Künstlers/der Künstlerin trennen können?
* In "Wirklichkeit und Wahrheit" geht es um das Terrorattentat der Hamas in Israel und die "Stiefel" der sozialen Medien. Das war wohl die Geschichte, die mich am meisten erschüttert hat. Besonders das George Orwell Zitat am Ende und der Vergleich mit Social Media. Starke Ansage.
* In "Der stille Freund" geht es um den Moment, in dem einen klar wird, dass das Leben vergänglich, brüchig, zerbrechlich ist und nur der Moment zählt.

Eher schwach fand ich "Die Sache mit dem Tod" - ein Sammelsurium an Anekdoten von berühmten Künstlerinnen und Künstlern über das Sterben. Allerdings trumpft Schirach in dieser Geschichte am Ende doch noch groß auf: mit einer Weisheit seiner krebskranken Freundin. "Aber den Tod darf man nicht so ernst nehmen. Wenn man verzweifelt ist, stirft man. Wenn man nicht verzweifelt ist, stirbt man auch. Besser also, man ist nicht verzweifelt." (S. 61)

Immer wieder ranken sich die Geschichten um die NS-Zeit in Deutschland und um Menschen, die Widerstand geleistet und dafür bezahlt haben. Zum Beispiel der deutsche Tennis-Star Gottfried von Cramm, der sich von den Nazis nicht vereinnahmen lassen wollte, oder Egon Friedell, der sich aus dem Fenster stürzte, als die Nazis ihn nach dem Anschluss holen wollten. Sehr berührend war auch "Rechnungen" - hier beginnt die Geschichte sehr harmlos mit einer Hochzeit in Südafrika, die der Autor besucht, und endet mit einer Rechnung für die Durchführung der Verurteilung und Hinrichtung ihres eigenen Mannes, die Kurt Meyerings Frau von den Nazis erhält und an seinem 18. Geburtstag an ihren Enkel weitergibt. Eine Mahnung, solchen "Strömungen etwas entgegen[zu]setzen, bevor es zu spät sei." (S.92)

Zwei Dinge haben mir die Texte jedoch entfremdet:
Zum einen die Nonchalance, mit der Schirach ganz nebenbei erwähnt, wie er zu den Geschichten gekommen ist: Freunde in offenbar besseren Kreisen überall auf der Welt haben sie ihm erzählt bzw. er hat sie mit ihnen erlebt. Mal in Kapstadt, mal in Rom, mal in Wien, er reist von Tokyo nach Berlin ... trifft hier eine Baronesse, dort eine Adelige, da eine erfolgreiche Anwältin, oder einen Richter, einen reichen Weingutbesitzer etc. Hier hat jemand ein sehr privilegiertes Leben geführt und benutzt es als Hintergrund für seine Geschichten.
Das ist durchaus legitim, zeugt aber auch von einem Weltverständnis, das einer bestimmten Klasse entstammt. So wirkten die Geschichten gelegentlich eher belehrend als aufklärend.

Zum anderen sind es Geschichten von Männern. Frauen kommen nur als Nebenfiguren vor, um eine Geschichte zu einzuführen (Ludmila) oder sind männliche Projektionsflächen (Cynthia, Tony), denn es geht in ihren Geschichten viel mehr um die Männer in ihren Leben denn um sie selbst. Frauen nur als schmückendes Beiwerk - so wirkt das Buch und die Textauswahl auf mich. Das ist irritierend.
Profile Image for Julia.
135 reviews
October 14, 2025
Ferdinand von Schirachs Schreibstil ist wie immer angenehm zu lesen und fließt sehr gut dahin. Ein anderer Review hat ihn als elegant bezeichnet und dem kann ich nur zustimmen. Die Themen sind diesmal eher persönliche Geschichten, wirken aber auch mehr zusammengewürfelt. Nicht mein Lieblingswerk von ihm, aber es ist immer schön Schirach zu lesen.
20 reviews
November 23, 2025
Ferdinand udgav en ny bog og jeg måtte have den. Igen igen er jeg yderst tilfreds med indholdet. Historier fra Ferdinands eget liv, beskrivelser af mennesker, som han har stiftet bekendtskab med og deres historier. Én af kapitlerne har samme titel som bogen og fylder mere end de øvrige, probably my favourite, men det er svært at vælge.
Profile Image for Ben.
11 reviews
November 13, 2025
„Auch ein freundlicher Mensch kann dich zerstören, er braucht nur mehr Zeit dazu.“ (S. 164)

„Genau das ist das Gelb, das Marcel Proust meint. Neben ihm ist keine andere Farbe möglich. Es ist Vollendung und Unendlichkeit. Dieses Gelb ist absolut, es ist die Kunst und das Mysterium.“ (S. 171)



This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Lili.
113 reviews11 followers
January 3, 2026
bin so entäuscht. ich hab keine ahnung was meine gedanken zu diesem buch sind. aber zwei sterne abgezogen für das BODENLOSE Israel kapitel. einfach nur traurig, ferdi. seine bücher prägen die meinungen so vieler leute. und dann in einem buch, was sich fast ausschließlich auf einzelne Menschenleben konzentiert, also das spezielle am menschen erforscht, so ein wischi waschi rant über social media und die hamas zu quetschen ist so dumm. du hast genug talent, dass du nicht nach unten treten und 100 jahre opression ignorieren und einen genozid nicht nur relativieren, sondern rechtfertigen musst. schwach, einfach nur schwach. ansonsten waren seine stories wieder sehr interessant und unterhaltsam, allerdings habe ich das gefühl dass sie mir bei diesem buch nicht so in erinnerung bleiben werden. zum ersten mal bei schirach hatte ich an mehreren stellen dass gefühl, dass man den text hätte kürzen können.
Displaying 1 - 30 of 73 reviews

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