Im Vergleich zum ersten Band ist der zweite leider sehr schwach. Ich hatte mich total auf das Buch gefreut, weil ich die Idee super fand, das psychologische Konzept des inneren Kindes in einem Krimi-Roman aufzugreifen. Die Umsetzung ist jedoch nicht überzeugend gelungen, sondern eher enttäuschend.
Das Konzept des inneren Kindes wurde sehr stark vereinfacht und auf ein absolutes Minimum reduziert. Natürlich hatte ich nicht den Anspruch, dass es das Niveau eines psychologischen Sachbuchs erreicht, aber im direkten Vergleich zum ersten Band kann man definitiv sagen, dass die Achtsamkeitsprinzipien viel umfassender recherchiert und aufgearbeitet wurden als der psychologische Ansatz. Das wird auch daran liegen, dass der psychologische Ansatz im Vergleich viel schwieriger zugänglich ist und der Autor nunmal kein Psychologe ist. Wenn sich jemand aber dazu entscheidet, eine so große Herausforderung anzunehmen, dann erwarte ich auch eine entsprechende Recherche und etwas mehr Wissen. Ich persönlich mag es nicht, wenn man den Eindruck erhält, dass der Autor sich mit einem Thema nicht auskennt, dem Leser aber verkaufen möchte, dass er es tut.
Möglicherweise bedingt durch das unzureichende Wissen, ist es ihm auch nicht immer gelungen, die theoretischen Kenntnisse flüssig in die Handlung einzubauen. Das hat beim ersten Buch deutlich besser geklappt. Jedem Kapitel geht nämlich ein Ratschlag aus einem fiktiven Ratgeber voraus. Dieser Ratschlag wurde im ersten Buch im Laufe des jeweiligen Kapitels aufgegriffen und praktisch umgesetzt. Bei diesem zweiten Buch ist der Autor dem stilistischen Aufbau am Kapitelanfang zwar treu geblieben, aber leider konnte ich sehr häufig keinerlei Zusammenhang zwischen dem Ratschlag und dem jeweiligen Kapitel erkennen, nur selten wird der Ratschlag überhaupt im Laufe des Kapitels erwähnt. Zudem stammte bestimmt ein gutes Drittel der Ratschläge aus dem fiktiven Achtsamkeitsratgeber, statt aus dem psychologischen Ratgeber. Es wirkte einfach nur noch so als würde der Autor mit allen Mitteln versuchen den Aufbau konsequent durchzuziehen… reine Formalität, mit dem Inhalt hatte es oft nichts mehr zu tun. Das fand ich sehr schade, da genau das Vorgehen das erste Buch so lesenswert machte.
Teilweise war es dennoch recht unterhaltsam zu lesen. Es wird auch in diesem zweiten Band wieder sehr gesellschaftskritisch, wobei die Grenze zu „ignorant“ verschwommen ist und an der ein oder anderen Stelle überschritten wird. Insofern kann ich die Kritik der anderen hier durchaus nachvollziehen.
Der Plot war in Ordnung, die Spannung hielt sich in Grenzen und das Ende war früh vorhersehbar. Es ist halt kein guter Krimi, dafür aber etwas unterhaltsam. Leider nicht so lehrreich wie der erste Teil.
Insgesamt bin ich sehr unsicher wie viele Sterne ich vergeben möchte. Am Anfang war ich zwischen 3-4 Sternen, ab der Mitte des Buchs dachte ich an 2-3 Sterne. Jetzt am Ende bin ich mir immer noch unsicher, aber 3 Sterne werden meinem hin und her wohl gerecht. Vielleicht hatte ich nach dem ersten Band einfach viel zu hohe Erwartungen. Entsprechend skeptisch bin ich, ob ich den dritten Teil lesen möchte. Vielleicht irgendwann mal der Vollständigkeit halber. Ich weiß auch nicht wie fair es ist für die Bewertung des Buchs den ersten Band als Vergleichsgrundlage heranzuziehen statt sich nur auf das in Rede stehende Buch zu beziehen.. aber es ist nunmal eine zusammenhängende Buchreihe.