Optisch gesehen sind Kari Lessirs "Wunschträume" ein Traum; die türkis-blauen Farbverläufe und der vielsagende Blick der bildschönen jungen Frau eine wahre Augenweide in jedem Bücherregal!
Auch durch die haptische Wahrnehmung in der Taschenbuchausgabe, hebt es sich von vielen glatten Hochglanz-Covern angenehm ab. Es fühlt sich weich, wie mit einer hauchzarten Wachsschicht überzogen an - anders, aber sehr gelungen!
Kari Lessir gelingt es sowohl durch ihren lässig leichten Schreibstil, aber auch durch ihr Gespür für facettenreiche Protagonisten und ihrem sensiblen Blick fürs Detail, den Leser an ihre, nicht ganz alltägliche Geschichte zu binden.
Bedingt durch gegensätzliche, durchaus polarisierende Charaktere und eine gehörige Portion Eigen- und Außenreflektion der Selbigen, hält die Autorin nicht nur den Figuren zwischen den Buchdeckeln gern und oft den wichtigen (Lebens-)Spiegel vor Augen, sondern auch so ganz nebenbei dem gebannt folgendem Leser. Ob wir wollen oder nicht, hin und wieder finden wir uns hier ganz sicher wieder :-)
"ChickLit trifft Fantasy in spirituellem Kleid" trifft es für ziemlich genau auf den Punkt; die sanft eingestreuten Sequenzen, in denen Crissys Schutzengel zu Wort kommt und wir zugleich ein wenig aus Crissys Kindheit erfahren, sind für mein Lese-Empfinden von optimaler Länge und passender Präsenz!
Doch bei allem Lob, muss ich dennoch gestehen, dass ich mit der Einführung eines männlichen Protagonisten, durchaus meine liebe Not hatte. Lange, SEHR lange.... konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum sich Crissy gerade von diesem potentiellen Traummann angezogen fühlte, allzu unbeholfen und wenig männlich stolperte er in die Geschichte hinein und somit in Crissys Leben herum.
Engel hin oder her.... es fiel mir zunächst auch sehr schwer anzunehmen, dass sie immer wieder ihre Rationaliät völlig ausschaltete und eine "höhere Entscheidung/Zuordnung" über jegliche "Vernunft" stellte. Mias nicht-wegsehender-Part und ihre klaren Worte, waren für mich deswegen absolut nachvollziehbar, eine tiefe Freundschaft, die ich beim Lesen sehr genoss!
Lange trieb mich deswegen der Gedanke um, ist es wirklich gut und gesund, sich derart kopf- und gedankenlos in die Ereignisse hineinfallen zu lassen? Diese einfach nur als gegeben anzunehmen und ohne viel zu hinterfragen voranzutreiben?
Der Prozess war ganz schwierig für mich!
Aber am Ende, bzw. im Nachhinein... tja, da muss ich ohne wenn und aber gestehen.... haben Kari und ihre Geschichte mich gnadenlos dabei ertappt, wie ich einen jungen Mann allzu schnell in eine Schublade steckte, in die er definitiv nicht gehört!
Beeindruckend, wie mich die Ereignisse auf den letzten Metern eingeholt und zu fassen bekamen. Ein Roman, mit vielen nachdenkenswerten Gedankenansätze, der mir - spätestens im letzten Drittel - SEHR unter die Haut ging und von dem ich denke, dass er der Autorin beim Schreiben, insbesondere in Teilbereichen, enorm viel Kraft und Energie gekostet hat, ABER.. dem Leser auch viel mitgibt, sofern er sich darauf einlassen kann!
Eine Geschichte mit ordentlich Potential, die definitiv nachhallt und mich äußert gespannt mit den Gedanken hinterlässt, ob und wie Kari Lessir Christianes Wunschträumen auch im Folgeband Leben und Seele einhauchen wird...