Gibt es ein schlimmeres Gefühl, als jemanden zu lieben und nicht zurückgeliebt zu werden? Ist das dann überhaupt Liebe oder nur ein Traum, ein Wunsch, eine Flucht vor der Wirklichkeit? Und was hilft gegen Liebeskummer — Schokolade, Alkohol, Seriengucken … oder gar Philosophie? Die Philosophin Miriam Metze zeigt in ihrem klugen und unterhaltsamen Buch, dass die Erfahrung, nicht zurückgeliebt zu werden, viel mehr sein kann als bloß eine lästige Nebenwirkung unseres amourösen Daseins — nämlich der Ausgangspunkt eines produktiven Denkens, mit dem sie die Frage nach dem Wesen der Liebe neu stellt. Dabei schlägt sie einen weiten Bogen von der antiken Philosophie und biblischen Referenzen über jüdische Mystik und die Philosophie der Renaissance hin zu den jüngsten Auseinandersetzungen unserer Gegenwart. Von Sokrates bis Hannah Arendt, von Rilke bis Bachmann lernen wir, dass Liebende abenteuerlustig (und blöd) sein müssen, dass Romantik nicht immer das ist, was sie zu sein scheint und dass vielleicht letztlich doch alles nicht so schlimm ist, wenn nur die Perspektive stimmt. Anekdotenreich, witzig und ungemein tröstlich — ein charmantes Buch über das größte aller die Liebe.
Sehr schönes kleines Buch über die Unverfügbarkeit der Liebe und damit nicht nur über die unerwiderte, sondern über die Liebe im Allgemeinen. Das Bild von der Scherbe Gottes unterm Küchenschrank wird mir im Gedächtnis bleiben, und auch der hebräischen Ausdruck „Ich habe Glanz in seinen Augen gefunden“ für Verlieben. Lesenswert nicht nur bei Liebeskummer.
Also ich fand's die ganze Zeit 0/5 - maximal 1/5 bis zum Epilog, in dem es um Liebe und Antikapitalismus ging. Den fand ich eine 5/5. Woher der Titel "eine philosophische Tröstung" kommt, ist mir sehr unklar. Ich fand es eher eine anti-Tröstung, durchmischt von patriachalen Philosophen, die ein mehr als fragliches Bild von Liebe, ihren Rechten und ihren Pflichten haben und Hannah Arendt, die manche interessanten Gedanken hat, aber auch manchmal etwas lost ist. Kein Platz für Wut. Nur selten eine Einordnung der Autorin
--- Hier trotzdem ein paar Stellen:
"Ich müsse mich jetzt "entlieben", denn man muss doch weitergehen und weiterleben, um jemanden zu finden, mit dem sich die Liebe in einer Beziehung verwirklichen ließe."
"Kundera meint, wir würden uns darauf versteifen, nach Erklärungen zu suchen, warum die Scheiße, die es in der Welt gibt, eigentlich nicht wirklich existiert. Er bezeichnete das als "Kitsch". Nicht suche nach Lösungen sondern nach Trost."
"Eine Liebe, die auf Distanz bleibt, wird immer wahre Liebe und echte Täuschung zugleich gewesen sein können."
"Bedeutet das Ende der Liebe, dass es sie vielleicht nie gegeben hat?"
"Aber Geborgenheit, schreibt Arendt, ist nur dort möglich, wo sich jemand ausliefert; mitunter auch mit den Risiko, am Ende nicht geborgen worden zu sein. Hingegen ist Geborgenheit in der schlechthinnigen Souveränität des Stolzes, der in der Verborgenheit blüht und gedeiht, nicht möglich. Bergen kann man sich nur, indem man sich zeigt, das sich-zeigen riskiert. Bergen können uns nur die anderen, ihre Liebe, denen wir uns durch das Verbergen entziehen."
"Unsere Verletzbarkeit, die oft plagt und schmerzt, erfahren wir in der Liebe jedoch als angenehm und schön."
"Jedes Detail der Erzählung steuert auf diesen ewigen Stillstand zu, in der wohl die Mehrzahl der unerwidert Liebenden gefangen sind. Was yakow passiert, ist tragisch und traurig, zuweilen auch komisch, manchmal wird es hoffnungsvoll. Aber selbst das kleinste Aufleuchten der Möglichkeit, dass alles gut werden könnte, verdeutlicht nur, wie misslich Yakows Lage ist. Hier in der unerwiderten Liebe ist der Liebenden vollständig tot; denn er lebt weder in sich, noch lebt er im Geliebten, da er von ihm verschmäht wird. [...]. Denn wenn er dort nicht lebt, wo zu leben er so heiß sich sehnt, um so viel weniger wird er anderswo leben. Folglich lebt, wer einen anderen liebt und von diesem nicht wieder geliebt wird, nirgends. Daher ist der ungeliebte Liebhaber vollständig tot und ersteht niemals wieder zum Leben, wenn ihn nicht etwa der Unwille auferweckt."
"An Anfang und am Ende dieser Liebe von yakow steht demnach nicht so sehr ein Mangel, dem tragischerweise nicht beizukommen ist, sondern ein ziemlich armer Mann, der nicht anerkennen kann, dass es für die Liebe Menschen braucht, die niemals miteinander verschmelzen können" Girl nein! Wie kann man überhaupt in dieser Geschichte einen Typ mit patriarchalem Anspruchsdenken, der sowohl mit der Schwester (die ihn liebt) als auch mit ihrer Magd Kinder zeug, zum Thema unerwiderter "Liebe" machen anstatt die Frau, Leah, die ihn unerwidert liebt, in den Fokus zu nehmen. Überhaupt ist der einzige Ansatzpunkt für seine "unerwiderte Liebe", dass die Frau, die er "haben will", keine Kinder bekommen kann. Wtf. Ich verstehe schon die Moral, dass man sich liebe nicht erarbeiten kann, aber diese Herleitung hat wirklich überhaupt gar nichts tröstliches.
"Weil man nie verlieren kann, was man nie besessen hat."
Kapitel mit Eva illous zu Antikapitalismus und liebe: Wenn das Glück der Liebe zur Leistung geworden ist, wird dessen ausbleiben unweigerlich zur insignie einer gescheiterten Existenz. Umzingelt von Optimierungszwängen, den Glauben an Selbstwirksamkeit, resilienz und Willenskraft ist es fast unumgänglich zu denken, dass liebe ohne Gegenliebe ausdruck eines Scheiterns sein muss. Eigentlich liegt es aber auf der Hand, dass man nicht jedes Unglück, das einem Menschen widerfährt, ihm nicht auch noch zur Last gelegt werden muss.
"Warum nicht diese Liebe einfach lieben wenn sie schon nicht gelebt werden kann?" -> interessanter Ansatz, aber wie damit in einer patriachal geprägten Welt umgehen? Ist das die Tröstung?
In „Unerwidert Lieben“ erkundet Miriam Metze dieses Phänomen mithilfe der Philosophie und eröffnet einen Blick darauf, der mehr bietet als nur Kummer und Verzweiflung. Im produktiven Nachdenken und Philosophieren über die unerwiderte Liebe lässt sich auch so Einiges über die Liebe ganz allgemein herausfinden und über die Vorstellungen, Ideale und Ausformungen, die mit ihr verbunden sind.
Anekdotenreich und erzählerisch, klug und gewitzt, zugänglich und ansprechend, anregend und tröstend, mit Gefühl und Humor und ganz viel Philosophie.
Metze greift dafür verschiedene philosophische Strömungen, Theorien, Begriffe und Namen auf, die sich mit der (unerwiderten) Liebe beschäftigen. Sie stellt diese verständlich da und ordnet sie immer in den Kontext der Thematik ein, so dass das Buch auch ohne philosphisches Hintergrundwissen zugänglich und bereichernd bleibt. Da ich selbst lange Philosophie studiert habe und Fan der Wissenschaft bin, hatte ich große Freude beim Lesen, sowohl wenn ich an Bekanntes anschließen konnte als auch wenn ich etwas ganz Neues kennenlerne durfte.