Das Kind isst nur Pasta, es hagelt Ernährungstipps und der Stress rund um das Essen in der Familie wird immer heftiger? Ronia Schiftan, Ernährungspsychologin und Mutter, hilft, das Essverhalten von Kindern zu verstehen und es bindungsstark zu begleiten. Denn Eltern können viel mehr zur Entspannung beitragen, als sie Der angeborenen Essenskompetenz der Kinder zu vertrauen sowie die eigenen Prägungen und gesellschaftliche Einflüsse zu reflektieren, sind wichtige Schritte zu mehr Freude und Gelassenheit am Familientisch. Mit Hintergrundwissen, berührenden Einblicken in den Familienalltag sowie Denkimpulsen und Übungen, auch zu ADHS, Autismus & Co. macht dieses Buch Eltern mit Kindern vom Baby- bis zum beginnenden Jugendalter Mut zum Umdenken. Dabei zählt nicht, ob alles perfekt läuft, sondern dass wir in Kontakt bleiben. Die Autorin zeigt, warum Hunger, Appetit und Sättigungsgefühl bei Kindern oft anders funktionieren, informiert über Zucker, Salz und die Geschmacksentwicklung von Kindern und darüber, wie soziale Medien und gesellschaftliche Normen das Essverhalten prägen. Einfühlsam fördert ihr Buch die Gesundheit der ganzen Familie, unterstützt bei Prävention und Erkennen von Essstörungen und ebnet Kindern den Weg zu einem positiven Körperbild sowie einem unbeschwerten Essverhalten.
"Die Antwort [...] ist zugleich simpel und herausfordernd: Es geht darum, dass wir uns selbst besser verstehen, unser Verhalten reflektieren und lernen, dem Thema Essen mit innerer Gelassenheit zu begegnen."
Unsere Kinder sind von Geburt an kompetente Esser. Erst nach und nach verlieren sie im ungünstigen Fall diese Kompetenz. Das ist die Kernbotschaft aus Ronia Schiftans Ratgeber "Wie Kinder essen". Schon in der Einleitung (und eigentlich sogar schon im Untertitel) macht sie deutlich, dass elterliche Prägung mindestens genauso viel Aufmerksamkeit verdient wie das Verhalten der Kinder am Tisch.
Ihr Buch ist in fünf große Bereiche geteilt. Im ersten Kapitel geht es um die Basics. Hier stehen auch viele allgemeinpsychologische Informationen, die recht bekannt sind. So hätte ich beispielsweise keine Hinführung zum Thema Verhalten und Erleben benötigt, wobei die Rückbindung an das Thema Essen durchaus interessant ist. Konkreter wird es im zweiten Kapitel, wenn das kindliche Essverhalten im Vordergrund steht. Hier wird zum Beispiel erklärt, wie Kinder ihren Geschmack ausprägen und warum mit etwa drei Jahren das Kind auf einmal viele Nahrungsmittel ablehnt. Nachdem im dritten Kapitel die bereits angesprochene Prägung der Eltern in den Blick genommen wird, kommt es in Kapitel vier und fünf dann zu Tipps für den Alltag. Zunächst wird der Fokus auf den individuellen Unterstützungsbedarf gelegt. In diesem Teil habe ich den Eindruck gewonnen, dass eine "echte" Essstörung mit mindestens einem weiteren "Problem" (Körperbildstörung, ADHS) einhergeht. Wahrscheinlich war das nicht die Absicht der Autorin, doch irgendwie bleibt hängen: Die meisten Eltern sorgen sich umsonst, denn laut der fünf Fragen ist ihr Kind ja gesund. Dieser Elterntyp muss an der eigenen Prägung arbeiten. Bei allen anderen Kindern könnte eine neurodivergente Störung vorliegen. Und nur diese letzte Gruppe hat wirklich ein problematisches Essverhalten.
An dieser Stelle habe ich mich als Leserin "fehl am Platz" gefühlt. Mein Sohn ist weit davon entfernt, ein komplizierter Esser zu sein. Dennoch haben wir unsere Themen am Familientisch (aktuell etwa, dass das Essen für den Nachtisch unterbrochen wird und nach der erfolgreich vertilgten Süßspeise weitergegessen wird). Ich hatte hier das Gefühl, dass mein Alltagsproblem nicht ernst genug ist. Klappentext und Aufmachung hatten mich aber erwarten lassen, dass genau diese Themen auch behandelt werden. Ein Stück weit fängt Kapitel fünf düse Themen auf, wenn es um den Erziehungsstil im Zusammenhang mit Tischregeln gilt. Hier plädiert die Autorin für einen insgesamt entspannten Umgang.
"Wie Kinder essen" zeichnet sich durch ein gelungene wissenschaftliche Fundierung aus. Alle Behauptungen sind sauber belegt und wer sich tiefer einlesen möchte, wird im umfangreichen Quellenverzeichnis am Ende des Buches definitiv fündig. Auch die einheitlichen Gestaltungselemente, seien es nun die Überschriften oder die Illustrationen, haben mir insgesamt gefallen. Schade war allerdings, dass im Fließtext weniger stark darauf eingegangen wurde. Trotz zahlreiche Reflexionsangebote und Praxisaufgaben ist mir der Ratgeber insgesamt aber zu akademisch geraten. Mehrmals stand ich vor einer Bemerkung und dachte mir: Ja, genau, das ist mir klar. Aber WIE setze ich das genau um? An diesen Stellen hätte ich mir mehr Handlungsanleitungen gewünscht.
Meine Rezension bezieht sich auf das Hörbuch zu diesem Titel.
Ronia Schiftan gibt einen tollen Überblick über die gängigen gesellschaftlichen Regeln und die Annahmen sowie wissenschaftlichen Belege zum Thema Kinderernährung. Dabei schärft sie auch den Blick der Bezugspersonen auf das eigene Verhältnis zum Essen und das erlernte und erlebte Essverhalten. Man darf hier nicht den einen richtigen Weg fürs kindliche Essverhalten erwarten, sondern vielmehr einen Überblick über die Vielfalt dessen und auf welche Warnsignale man achten sollte.
Ich habe mir "Wie Kinder essen" von Ronia Schiftan vorbestellt, da ich sie über ihre Arbeit in der Zöliakie kenne und sie unterstützen wollte. Obwohl mein Kind (3 Jahre) eigentlich ziemlich gut isst, hat mich das Thema interessiert. Und siehe da: ich habe aus dem Buch mehr Informationen über mich selbst und mein Essverhalten gezogen als über mein Kind. Zum Glück hatten wir beim Kind schon sehr viel richtig gemacht.
Ronia spricht hier über Basics der Ernährungspsychologie, kindliches Essverhalten (was ist eigentlich normal?) und eigene Prägungen. Sie erklärt, wie wir den Familientisch entspannter gestalten können und dort hinkommen, wo für alle ein entspanntes Essen möglich ist. Das ganze macht sie auf sehr wohlwollende und inklusive Weise. Ich würde ihren Zugang als bedürfnisorientiert beschreiben. Dabei ist sie sehr offen, und auch Pathologien kommen dabei nicht zu kurz. Noch zum Hörbuch: es war sehr unterhaltsam, gewisse Schweizerdeutsche Begriffe auf Hochdeutsch (falsch) ausgesprochen zu hören. Ansonsten eine sehr angenehme Sprecherin.
Mein Fazit: ein rundum gelungener Ratgeber zu kindlichem (und erwachsenem) Essen, den ich allen Eltern empfehlen kann! Herzlichen Dank, Ronia, für dieses wunderbare Buch.