Titel: Khaos – Touching Soul
Autorin: Lin Rina
Erscheinungsdatum: 18. Juli 2018
Seiten: 415
Preis: 14,90€
Verlag: Drachenmond Verlag
Kann sie nur Gefühle sehen und erspüren oder kann sie anderen sogar Gefühle auferlegen, sie also manipulieren? Und wie soll sie mit ihrer Krankheit mit Khaos Stand halten? Ein Mädchen, dass in einer Gesellschaft lebt, in der sie als Frau nichts zu melden hat und alles über sich ergehen lassen muss. Ein Mädchen, dass erst noch lernen muss, was sie wert ist und dass sie sich behaupten kann, wenn sie will. Ein Mädchen, dass zur einer Frau heranwachsen muss, die Entscheidungen treffen muss und welche standhaft sein muss.
Der Fantasy/Sci-Fi-Roman von Lin Rina spricht vor allem Jugendliche und junge Erwachsene an, keine Kinder oder Teenager, dafür ist es einfach zu kompliziert, etwas brutal und auch schon fast zu düster ist.
Im Vordergrund steht eben jenes Problem einer Frau: Eine Gesellschaft, in der man nichts tun darf, nicht selber entscheiden darf und wo es normal ist, dass man als Frau alles über sich ergehen zu lassen hat. Lin Rina stellt die moderne Lage der Frau in unserer heutigen Gesellschaft überspitzt, aber dadurch gerade eben so gut dar.
Inhalt:
Daya lebt auf einem vergessenen Gefängnisplaneten unter skrupellosen Verbrechern. Nur ihre Gabe, in den Seelen anderer zu lesen und ihre Gefühle zu erspüren, sichert ihr das Überleben.
Als eine Gruppe genetisch veränderter Menschen aus dem Kryoschlaf erwacht, gerät Daya plötzlich zwischen die Fronten von Macht und Gewalt.
Doch was ist richtig? Den Soldaten und ihrem Anführer Khaos zu helfen den Planeten zu verlassen, oder das Leben ihrer Leute zu erhalten?
Denn Khaos ist nicht irgendein Soldat. Seine Seele ist für Daya unwiderstehlich. Aber sich in einen Mann zu verlieben, der nicht zum Lieben geschaffen wurde, ist ein gefährliches Spiel.
Zu Anfang erleben wir Daya, wie sie eingeschüchtert vor den Problemen die nicht medizinischer Natur sind flieht und sich versteckt. Anfangs ist das großes Glück wie es scheint, denn sie findet die Kryokammern. Doch die ständige von Panik geplagte Flucht hat auch immer fatale Konsequenzen: Ein Muskelkrampf oder zu viel Adrenalin und ihr Herz versagt, die Lunge kollabiert und sie stirbt. Letztendlich heißt das eigentlich: Jegliche Stressvermeidung. Allerdings wird das schwer, wenn man von einem notgeilen Schakalianer als Frau gesehen wird und nun vor einer Vergewaltigung flüchten muss. Wenn es jedoch medizinische Notfälle gibt, kann Daya auch mal durchgreifen und zeigt, dass sie nicht nur ängstlich ist.
Die Gefangenen erleben wir auf unterschiedlicher Weise. Auf der einen Seite Krung, ein sogenannter Schakalianer, der ziemlich besessen davon ist, Daya ihre Unschuld zu nehmen. Auf der anderen Seite zum Beispiel Cobal, ein Echsoid, der quasi wie ein Beschützer fungiert und sie immer „lil'Pid“ nennt, nach „Kleine Pidja“, was abgeleitet von dem Namen ihrer Mutter ist. Auch die genetisch veränderten Menschen erscheinen uns auf verschiedene Weise. Die eine n sind zickig, die anderen total abgeneigt von ihr, die anderen mitleidig. Es ist also alles sehr facettenreich und detailliert, was zeigt, dass Lin Rina sich auch wirklich Gedanken gemacht hat.
Während Daya sich am Anfang also nicht nur als Kind Äußerlich tarnt, so hat sie auch wenig Selbstbewusstsein, um dagegen zu gehen.
Das ändert sich je weiter man liest. Daya wird nicht nur von außen zur Frau gemacht sondern reift auch zu einer heran, sie versteht, dass sie mehr wert ist als sie bisher dachte, sie lernt ihre Fähigkeiten so einzusetzen, dass sie als notwendig gilt. Und sie lernt, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Was Lin Rina hier geschaffen hat ist ein fantastisches Werk, voller Fantasy und Science-Fiction und dennoch so sehr an die Realität gebunden.
Viele, die das Buch lesen, bzw. die überhaupt ein Buch lesen, lesen nicht ausreichend zwischen den Zeilen um die unterbewusste Nachricht zu sehen: „Nehmt euer Leben in die Hand, lauft nicht davon, sondern kämpft, seid stark und behauptet euch, zeigt, was und wer ihr seid!“ Auch wenn Lin Rina das gar nicht als Absicht hatte das zu vermitteln, so ist es eben nun bei mir angekommen. Und nicht nur unterschwellige Nachrichten gelingen ihr sondern auch das Spiel mit den Wörtern, mal sind es Antithesen, mal Metaphern oder Vergleiche und etliche andere Mittel die das Lesen so spannend, lebendig und auch magisch machen.
Nach „Animant Crumb's Staubchronik“ war die Messlatte schon hoch, aber hier hat sie sich selbst übertroffen und nochmal ein obendrauf gelegt und uns allen gezeigt: „So geht das!“.
Definitiv ein Buch in meiner Favoritenliste, so viel verschiedene Aspekte in einem Buch, spannend und fesselnd – das ist schon beeindruckend. Danke Lina, dass du da so viel Herzblut reinlegst, dass es so toll wird!