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Die Schwestern

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Núria, Conxita und Montse sind noch Kinder, als sie nach dem Tod des Vaters ihre katalanische Heimat verlassen, um zusammen mit ihrer Mutter nach Argentinien auszuwandern. Sie, die sich so nahestanden, entfremden sich dort zunehmend. Jede der drei Schwestern geht ihren eigenen Weg. Erst als sie Jahrzehnte später gemeinsam das Haus ihrer Tante in den Pyrenäen erben, wo sie als Kinder ihre Ferien verbrachten, finden sie wieder zusammen. Subtil erkundet Tóibín die fragile Architektur der Beziehung zwischen Töchtern und Mutter, voller Zwischentöne, Verletzlichkeit und jener tiefen Melancholie, die mit Entwurzelung und dem Ringen um Zugehörigkeit in einer fremden Gesellschaft einhergeht. »Die Schwestern« ist eine eindringliche Erzählung über Erinnerung und die Möglichkeit von Versöhnung.

120 pages, Kindle Edition

Published March 17, 2026

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About the author

Colm Tóibín

236 books5,683 followers
Colm Tóibín FRSL, is an Irish novelist, short story writer, essayist, playwright, journalist, critic, and poet. Tóibín is currently Irene and Sidney B. Silverman Professor of the Humanities at Columbia University in Manhattan and succeeded Martin Amis as professor of creative writing at the University of Manchester.

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Profile Image for Kirsten.
3,398 reviews11 followers
March 29, 2026
Nach dem Tod des Vaters zieht die Mutter von Núria, Conxita und Montse nach Argentinien, weil sie sich dort eine bessere Zukunft für die drei Mädchen verspricht. Aber dieser Wunsch erfüllt sich nur für ihre älteste Tochter. Núria geht auf eine gute Schule, findet reiche Freunde und heiratet einen wohlhabenden Mann. Als auch die Mutter zu ihnen zieht, bricht der Kontakt zwischen den Frauen ab. Erst als eine Tante in Katalonien stirbt und sie als Erbinnen einsetzt, müssen sie sich wieder treffen.

Colm Tóibín erzählt die Geschichte einer Familie, die aus der Mutter und der ältesten Tochter auf der einen und den beiden jüngeren Töchtern auf der anderen Seite besteht. Alle Anstrengungen der Mutter gelten nur der Ältesten, während ich bei Conxita und Montse das Gefühl hatte, dass sie den beiden fast lästig waren. Für Besuche oder gemeinsame Treffen gelten strenge Regeln, damit sie ihre ältere Schwester nicht blamieren. Aber auch Conxita und Montse behandeln sich mehr als flüchtige Bekannte, die einander fast lästig sind. Sie reden kaum miteinander, vielmehr intrigieren sie gegeneinander.

Erst das Erbe der Tante bringt die Schwestern wieder zusammen, wenn auch widerwillig. Gemeinsam reisen sie zurück in das Land ihrer Kindheit und finden dort zu ihrer eigenen Überraschung wieder zusammen.

Es kommt nicht oft vor, dass mir in einem Roman die Protagonisten fernbleiben, aber hier war das der Fall. Ich habe die drei Schwestern in ihren Leben beobachtet, aber immer mit einem gewissen Abstand. Colm Tóibín hat die Kälte, die jahrelang zwischen den Frauen geherrscht hat, so gut beschrieben, dass ich sie in jedem Wort spüren konnte.
Profile Image for Marie.
215 reviews16 followers
April 15, 2026
„>>Ich weiß, wir haben uns über die Jahre nicht oft gesehen, aber es machte schon was aus, zu wissen, dass du da warst. Wir standen uns immer nahe, wir drei.<<
Montse sagte dazu nichts.“

Kleber im Türschloss, Freitagabend und der Schlüsseldienst ist erst am Montag zu erreichen. Was würdest du in dieser Situation tun? Montse, der Protagonistin in Colm Tóibíns neuem Roman „Die Schwestern“, geschieht das schon zum zweiten Mal. Als loca, alleinlebende, ältere Frau, soll sie so in die Schranken gewiesen werden. In Argentinien scheint das Gang und Gebe zu sein. Doch das verklebte Schloss hat auch etwas Gutes: Montse findet so einen Brief vom Anwalt, der zwischen Tür und Schwelle gerutscht ist und der ihr eine Erbschaft in Spanien verspricht. Von dort ist die Mutter mit Montse und den beiden Geschwistern einst nach Argentinien ausgewandert. Nur Tante Julia blieb im einsamen Dorf zurück. Montse sieht sich nun gezwungen, Núria und Conxita, ihre Schwestern zu kontaktieren und gemeinsam nach Spanien zu reisen. Vielleicht ist das Dorf ein Ort, an dem alleinstehende Frauen um die Sechzig gut leben können.
In „Die Schwestern“ geht es weniger um die Handlung an sich, als um die Geschwisterbeziehung die die drei Auswanderinnen haben. Núria, die Älteste, versuchte, ihre prekäre Herkunft zu verschleiern, und untersagt den Geschwistern jeglichen Kontakt in der Schule. Tatsächlich gelingt ihr der soziale Aufstieg durch Heirat und genau das lässt sie die Schwestern spüren. Auch viele Jahre später, möchte sie bestimmen, den Ton angeben, und behandelt die Schwestern wie Untergebene. Zumindest ist das Montses Sicht auf ihre Schwester. Die gekonnte Komposition des Romans besteht aber darin, dass Tólbín die Sicht der Schwestern aufeinander gegenüberstellt. So wird Montse von Conxita als wortkarg und zurückgezogen beschrieben, würde sich selbst aber gar nicht so sehen. Die Frauen tagträumen sich in das Leben der jeweils anderen. Dadurch wird für die Leser deutlich, wie stark Selbst- und Fremdbild divergieren. Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen.
Nuría etwa ist dem Leser furchtbar unsympathisch – eben weil sie das auch für Montse ist. Wer aber die wenigen Einschübe dieser Schwester genauer unter die Lupe nimmt, erkennt, dass Núria stets versucht, nach den erlernten Mustern das Beste zu tun. In dieser Uneindeutigkeit der Bewertung der Figuren liegt der Zauber der Erzählung.
Tóibín lotet auf sensible Weise die Geschwisterbeziehungen aus. In seinem Roman wirft er die Frage auf, wie uns das gemeinsame Aufwachsen prägt. Welche Muster können wir auch als Erwachsene nicht ablegen? Welche Dynamiken bleiben für immer? „Die Schwestern“ ist daher ein Geschwisterroman im wahrsten Wortsinn. Aber er kommt leise daher, ohne große Figurenentwicklung und ohne rasante Story. Man muss sich Zeit nehmen beim Lesen, um den feinen Schwingungen nachzuspüren.
Für mich ist „Die Schwestern“ ein ganz anders Buch als „Long Island“. Der ausgezeichnete Autor zeigt wieder einmal, wie vielfältig er schreiben kann. Dass ein irischer Autor über drei Frauen aus Katalonien schreibt, mag darin begründet liegen, dass er eine Zeit lang in Barcelona lebte. Dennoch erschließt sich mir nicht ganz, warum diese Geschichte am Beispiel katalanischer Frauen erzählt wurde.
Profile Image for Buchdoktor.
2,457 reviews198 followers
March 17, 2026
Dass die Mutter von Núria, Conxita und Montse vor 50 Jahren mit ihnen Hals über Kopf aus einem winzigen Pyrenäen-Dorf nach Argentinien auswanderte, stellt sich bald als überstürzt heraus. Die „katalanischen Mädchen“ zwischen 10 und 15 werden lange arm und ohne Beziehungen sein, nicht etwa verarmt und mit Beziehungen, wie Familien ihrer Mitschülerinnen. Die Mutter findet glücklicherweise Arbeit, bei der sie lernt, stets das zu versprechen, was Kunden erwarten. Für die Töchter wird überraschend das Schulgeld erlassen. Als die Älteste Núria reich heiratet und Conxita Glück mit ihrer Stelle als Gesellschafterin hat, ist das für die Mutter Anlass, ihre jüngere Tochter Montse wie ein Gepäckstück allein zurückzulassen. All das ist 50 Jahre her, als der Brief eines Anwalts verkündet, die drei Mädels hätten gemeinsam in Spanien das Haus von Tante Julia geerbt, der Schwester ihrer Mutter. Da Núria ihre einfache Herkunft abgeschüttelt hat und Montse als einzige mit Tante Julia Briefkontakt hatte, könnte man sich fragen, warum alle drei erben sollen. Die Schwestern reisen also nach Katalonien ins Dorf ihrer Mutter, in dem sie als Kinder die Ferien verbrachten. Das Dorf ist kaum wiederzuerkennen und auch Tante Julia hatte sicher ein anderes Leben als die argentinischen Verwandten sich bisher vorstellten.

Núria läuft augenblicklich zu Hochform auf, indem sie sich die Rolle als Katalanin wieder überstreift, so dass ich böse Befürchtungen hatte, für wen diese Reise unglücklich enden könnte …

Fazit Colm Tóibins Novelle aus dem Band „The News from Dublin: short stories folgt einer alleinerziehenden Mutter und ihren drei Töchtern und kann mit erstaunlichen Wendungen überraschen. Es geht um das Verhältnis zwischen sehr unterschiedlichen Schwestern, um Schein und Sein und nicht zuletzt um Briefe, die eine eigene Realität vorspiegeln. Feinfühlig erzählt und durch die überschaubare Länge von 120 Seiten ideal für Literaturgruppen und Lesekreise.


Profile Image for Daniela.
229 reviews2 followers
March 27, 2026
Komplizierte Verhältnisse

Dass Geschwister-Beziehungen nicht immer einfach sind ist wohl kein Geheimnis! Colm Tóibín geht in „Die Schwestern“ der Beziehung der drei Schwestern Montse, Nuria und Conxita auf den Grund.
Mit viel Emotionen und Direktheit beschreibt er aus Montses Perspektive, wie die Schwestern als Jugendliche, nach dem überstürzten Umzug der Mutter mit ihnen nach Buenos Aires unterschiedliche Wege gehen. Nuria, die älteste setzt alles daran , aus der Armut zu entfliehen und in den reicheren Gesellschaftsschichten anerkannt zu werden. Sie heiratet schließlich einen wohlhabenden Mann, verleugnet ihre Schwestern und meldet sich auch sonst kaum. Nur ihre Mutter kann sie gebrauchen, um sich um die Kinder zu kümmern. Conxita ist dagegen eher ruhig und findet nach der Schule eine Anstellung im Haus einer wohlhabenden Familie, in dem sie auch nach Jahren noch tätig ist. Montse dagegen laviert sich durchs Leben, früh gezwungen, selbstständig zu sein und kommt irgendwie über die Runden. Die drei Schwestern haben sich sehr entfremdet und sprechen kaum miteinander.

Als nun der Brief des spanischen Anwalts kommt, der den dreien das Erbe des Hauses ihrer Tante mitteilt, hofft man (vergebens?) dass die komplizierte emotionale Beziehung der drei Schwestern alle Wendungen nehmen könnte.

Das Buch hat ein sehr angenehmes Schreibstil, und gleichzeitig habe ich ständig ein gefüllter Empörung beim Lesen. Jede Schwester, insbesondere die ältere scheint, ihre eigene Agenda zu haben und diese über die Bedürfnisse der anderen Schwestern zu setzen. Erschreckenderweise finde ich sehr viele Parallelen zu meiner Beziehung zu meinen Geschwistern wieder, weshalb mich das Buch wahrscheinlich doppelt triggert. Ich habe es dennoch sehr, sehr gerne gelesen
Profile Image for WildesKopfkino .
1,100 reviews9 followers
April 18, 2026
Manchmal liest man ein Buch und merkt erst Stunden später, was es eigentlich mit einem gemacht hat. Genau so ein Fall hier. Die Schwestern schleicht sich rein, ganz leise, und plötzlich sitzt man da und denkt über Familie nach, über Distanz, über dieses komische Gefühl, wenn Nähe irgendwie verloren gegangen ist.

Drei Schwestern, ein gemeinsamer Anfang und dann dieses langsame Auseinanderdriften. Kein Drama mit Türenknallen, eher dieses stille Entfernen, das fast noch mehr weh tut. Und genau das trifft. Diese kleinen Blicke, unausgesprochenen Dinge, Erinnerungen, die irgendwo zwischen schön und schmerzhaft hängen bleiben.

Beim Lesen hatte ich öfter diesen Moment von das kenne ich doch irgendwoher. Dieses Gefühl, wenn man sich fragt, wann genau sich Beziehungen verändert haben. Ohne dass man es wirklich gemerkt hat. Tóibín schreibt das so ruhig runter, dass es fast beiläufig wirkt, aber genau da liegt die Wucht.

Argentinien, die alte Heimat, das Haus in den Pyrenäen, alles wirkt wie so ein emotionaler Speicher. Orte, die mehr wissen als die Figuren selbst. Und plötzlich geht es gar nicht mehr nur um die Schwestern, sondern um dieses große Thema Zugehörigkeit.

Kein Buch für nebenbei, eher eins für ruhige Abende, wenn man bereit ist, sich ein bisschen selbst zu begegnen. Hat mich nicht komplett umgehauen, aber ziemlich tief getroffen.
60 reviews
April 11, 2026
Colm Tóibín erzählt in diesem Roman mit großer Feinfühligkeit von Familie, Entfremdung und der leisen Hoffnung auf Versöhnung. Besonders gelungen ist die Darstellung der komplexen Familiendynamik: Die Beziehung der drei Schwestern untereinander, aber auch ihr jeweiliges Verhältnis zur Mutter, wirkt vielschichtig, glaubwürdig und voller unausgesprochener Spannungen.

Auch die Auswanderung nach Argentinien ist eindrucksvoll beschrieben. Man bekommt ein gutes Gefühl dafür, was es bedeutet, die eigene Heimat zu verlassen und sich in einer fremden Welt neu orientieren zu müssen. Interessant ist dabei vor allem, wie unterschiedlich die drei Schwestern mit dieser Erfahrung umgehen und welche Wege sie im Leben einschlagen.

Tóibín schreibt dabei sehr subtil und ruhig, mit einem feinen Gespür für Zwischentöne und Emotionen. Gerade diese Zurückhaltung macht den Roman so eindringlich.

Einziger Kritikpunkt ist jedoch die Länge: Die Geschichte wirkt fast zu kurz, da man sich wünscht, noch tiefer in die Figuren einzutauchen und mehr über ihren weiteren Lebensweg zu erfahren
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