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Keinheimisch

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»Es scheint, als kenne ich alle Pflanzen dieses Landes, aber niemals ihre Wurzeln« 

»Sabres« heißen auf Hebräisch Kaktusfrüchte, die zwar außen stachelig sind, innen aber mit ihrem süßen Fruchtfleisch überraschen. Genauso sehen sich viele der in Israel geborenen Juden Ihre Vorfahren haben die Wüste Palästinas nicht nur besiedelt, sondern das Land kultiviert, so meinen sie. Doch immer mehr dunkle Farben mischen sich in dieses Bild, seitdem der jüdische Staat als Besatzerstaat auftritt. Wie ist es, in einem Land aufzuwachsen, in dem die jüdische Hegemonie die arabische Bevölkerung verdrängt, ausschließt und zum Schweigen bringt? Und wo kann ein Jude heute einheimisch sein – in Israel, Palästina, Deutschland? 

Tomer Dotan-Dreyfus schreibt die vom Holocaust überschattete Geschichte seiner Familie und hinterfragt zugleich die israelische Gründungsgeschichte. Sein Großvater beteiligte sich an der Nakba, doch erzählt wurde die Vertreibung der Palästinenser später als »Befreiung«. Welche Rolle spielte der Großvater 1948 wirklich? In Keinheimisch verschmelzen Kindheitserinnerungen mit Reflexionen über Geschichte, Literatur und Politik. . Eine berührende Erzählung über Erzählungen und die Frage, wie sehr man ihnen trauen kann. 

240 pages, Hardcover

Published September 25, 2025

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About the author

Tomer Dotan-Dreyfus

3 books3 followers
Tomer Dotan-Dreyfus, 1987 in Haifa geboren, lebt seit zehn Jahren in Berlin und ist als freier Autor, Lyriker und Übersetzer tätig. Er studierte Philosophie und Komparatistik in Berlin, Wien und Paris und schreibt sowohl in hebräischer als auch in deutscher Sprache.

Für die Arbeit an »Birobidschan« erhielt er 2020 ein einjähriges Stipendium des Berliner Senats, außerdem wurde er für das Übersetzungsprogramm Jewish Writers in Translation 2021 der Jewish Book Week in London ausgewählt. Im September 2021 war er zu Gast auf dem Meridian Czernowitz International Poetry Festival in der Ukraine. 2022 erscheint sein Essay-Band »Meine Forschung zum O: Unlearning Sprache« (Gans Verlag Berlin). »Birobidschan« ist sein erster Roman.

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Displaying 1 - 7 of 7 reviews
Profile Image for Karosreads.
121 reviews27 followers
February 18, 2026
Tomer Dotan-Dreyfus setzt sich in „Keinheimisch“ kritisch mit seinem Aufwachsen in Israel, seinem Leben in Deutschland und der Deutsch-Israelischen Beziehung auseinander. Er setzt all dies stets in Bezug zum andauernden Genozid in Gaza, zur Vertreibung der Palästinenser:innen um 1948, zur Besatzung und der Rolle oder IOF. Das ganze Buch gibt sehr persönliche Einblicke in verschiedene Lebensphasen (wobei hier des Fokus vor allem auf der Schulzeit und seiner Zeit bei der Armee liegt) sowie die Geschichte seiner Vorfahren. Er fragt nach seinem Einheimisch-sein, danach wo er einheimisch ist oder auch sein kann, ob er nicht vielleicht keinheimisch ist, wo Jüd:innen und auch Palästinenser:innen einheimisch sind und welche Bedeutung die Diaspora dabei spielt.
Schnell wird deutlich, dass das Buch aus einer sprachlichen Not heraus geschrieben wurde, einem Drang zu Worte zu kommen und die kritische Perspektive auf Israel als Besatzungsmacht hervorzuheben. (Dass kritische jüdische Stimmen in Deutschland kaum zu Wort kommen (dürfen) spielt dabei auch eine wichtige Rolle.) Es ist ein Buch, das mit seiner Dringlichkeit und Sprache fesselt, für viele bestimmte/hoffentlich neue Welten eröffnet und zum Nachdenken anregt.
Mich hat dieses Buch auf jeden Fall sehr bewegen können und auch wenn es für mich ab und zu im Erzählstil doch ein wenig zu stark gesprungen ist oder sprachlich nicht ganz rund war, möchte ich es wirklich jeder Person empfehlen. Es ist wirklich keine leichte Lektüre, aber eine so fruchtvolle, um an einem Punkt anzusetzen und sich mehr zum Thema zu belesen. Also meiner Meinung nach ein guter Einstieg oder auch eine Weiterführende Lektüre, die einen persönlichen Einblick bietet, die Beziehung zwischen Deutschland und Israel hervorhebt, die Erinnerungskultur kritisiert und die Bedeutung des Zionismus von heute bespricht. Was mich besonders bewegt hat, war die starke zeitliche Verortung, die sich in das Buch einschrieb, anhand von Verweisen auf den aktuellen Genozid, die die Dringlichkeit des Textes immer und immer wieder um so mehr hervorgehoben hat. Danke lieber Tomer für das Buch und deine Stimme.

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4.5 Würde so gerne so viele Leute zwingen dieses Buch zu lesen ahhhhh
Rezi folgt

Profile Image for Nidda (Bücherkarawane).
76 reviews5 followers
November 18, 2025
Ich habe das Buch Keinheimisch von Tomer Dotan Dreyfus innerhalb weniger Tage gelesen, weil es mich von der ersten Seite an sehr stark beschäftigt hat. Es ist ein Buch, das sich tief anfühlt und das beim Lesen immer wieder Emotionen auslöst, manchmal in Form von einer warmen Nähe, manchmal in Form von Fragen, die lange nachwirken. Der Autor erzählt die Geschichte seiner Familie und verbindet sie mit der politischen und historischen Realität Israels und Palästinas. Er beschreibt seine Herkunft, seine Kindheit, seine Erfahrungen mit jüdischem Leben und die lange Schatten, die die Geschichte auf jede Generation wirft. Besonders berührt haben mich die sehr persönlichen Einblicke in seine Gedankenwelt. Man hat das Gefühl, dass er sich beim Schreiben fast selbst zuhört, als würde er im Erzählen erst verstehen, was Erinnerung eigentlich ist. Sein Schreibstil hat mich sofort mitgenommen. Er schreibt ausführlich und eindringlich und ich habe die dichte Sprache sehr geschätzt, weil sie nichts glatt streicht und nichts einfach nur behauptet. Was mich allerdings immer wieder zum Nachdenken gebracht hat, waren die Stellen, in denen er schreibt, dass er sich nicht mehr genau erinnern könne. Diese Formulierung taucht öfter auf und erzeugt eine Unsicherheit. Man fragt sich, wie zuverlässig einzelne Erinnerungen überhaupt sind, ob sie sich verschoben haben oder ob das Gedächtnis Lücken lässt, die wir selbst mit Bildern und Erzählungen füllen. An manchen Stellen hat mich das leicht irritiert, weil ich den Wunsch nach Klarheit hatte, aber gleichzeitig wurde mir bewusst, dass genau diese Unsicherheit Teil der Wahrheit des Buches ist. Erinnerung ist kein festes Archiv, sie verändert sich. Das Buch macht das sichtbar und vielleicht liegt gerade darin seine Stärke. Besonders eindrucksvoll fand ich die Passagen, in denen er von seiner Zeit in der israelischen Armee erzählt. Diese Kapitel sind schwer und sie lassen einen nach dem Lesen für einen Moment still werden, weil sie vieles berühren, was man nicht so schnell wieder loswird. Ein Gedanke wird im Buch sehr eindringlich greifbar. Der Kontrast zwischen der scheinbar unbeschwerten Kindheit, in der er im Garten seines Großvaters spielte, Zitronen pflückte und eine Art von Geborgenheit spürte, und seinem späteren Leben in Deutschland. Dort hat er nicht die Sicherheit gefunden, die er sich erhofft hatte. Stattdessen hat er erfahren, dass jüdisches Leben bis heute mit Befremden betrachtet wird. Dieser Teil des Buches hat mich besonders bewegt, weil hier deutlich wird, wie tief die Geschichte in das Private hineinwirkt. Das Buch hat für mich viele Fragen geöffnet und ich glaube, es gehört zu den Büchern, die man nicht einfach zuklappt und damit abschließt. Es fordert dazu auf, über Herkunft, Erinnerung, Schuld, politische Macht und über die Vorstellung von Heimat neu nachzudenken. Für mich war es ein sehr bedeutendes Leseerlebnis und ich kann es Menschen empfehlen, die Literatur suchen, die nicht nur erzählt, sondern spürbar macht, wo Worte an Grenzen stoßen und wo sie trotzdem eine Wahrheit berühren können.

- Bücherkarawane
Profile Image for aruajuanita.
61 reviews48 followers
December 31, 2025
Was für ein wichtiges Buch! Am 17. Jänner ist Tomer Dotan-Dreyfus bei Buchhandlung bibliobox in Wien. See you there!
Profile Image for Sebastian Haberland.
Author 1 book4 followers
June 23, 2026
Es ist schon lange her, dass ich ein Buch derart verschlungen habe wie Keinheimisch von Tomer Dotan-Dreyfus.

Eindrucksvoll begibt der Autor sich auf Spurensuche seiner eigenen Identität und Familiengeschichte. Besonders faszinierend fand ich dabei die Einblicke in die israelische Gesellschaft aus der Perspektive eines Menschen, der dort aufgewachsen ist und seinem Herkunftsland zugleich kritisch gegenübersteht.
Dotan-Dreyfus scheut sich nicht vor kontroversen Positionen, wodurch das Buch viel politischen und emotionalen Sprengstoff enthält.

Natürlich ist Keinheimisch eine persönliche Perspektive (was der Autor auch mehrfach klar macht) und keine neutrale Analyse. Trotzdem war es für mich bislang eine der aufschlussreichsten Quellen, um zumindest ansatzweise zu verstehen, was es bedeutet in Israel aufzuwachsen und wie Geschichte, Politik und Identität das Leben prägen - egal, wo man aufwächst.

Gleichzeitig hat mich die Lektüre nicht in jedem Punkt überzeugt.
Dotan-Dreyfus beschreibt sein Buch als Suche, und genau diese Offenheit macht einen großen Teil seiner Stärke aus. An manchen Stellen hatte ich jedoch den Eindruck, dass bestimmte Schlussfolgerungen bereits feststanden und alternative Perspektiven nur begrenzt Raum erhielten. Gerade weil er ideologische Gewissheiten hinterfragt, hätte ich mir gelegentlich etwas mehr Unsicherheit und Ambivalenz gewünscht.

Seine Beobachtungen und Gedanken bleiben dennoch klug und anregend – auch dort, wo ich ihnen nicht vollständig folgen konnte. Den Wert seiner Beobachtungen und Denkanstöße mindert das für mich jedoch nicht.

Keinheimisch hat mich nicht nur informiert, sondern auch zum Nachdenken gebracht. Während der Lektüre habe ich einige meiner eigenen Sichtweisen überdacht, Einstellungen geprüft und mir Fragen zur eigenen Identität und Geschichte gestellt.

Alleine dafür hat sich die Lektüre mehr als gelohnt – auch wenn ich auf viele dieser Fragen noch keine Antwort gefunden habe.
Profile Image for Dr..
76 reviews
April 5, 2026
"Überzeugend ist Dotan-Dreyfus überall da, wo er unvoreingenommen erzählt, wie es war und wie es ist: Wenn er zum Beispiel die Versehrtheit seiner Identität ehrlich und wertfrei konstatiert, detailgenau erzählt, wie es wirklich gewesen ist, als deutsche Soldaten die Wohnung seiner Großeltern stürmten, und welche Bürde das Land Israel und ganz konkret seine Großeltern zu tragen hatten, als es darum ging, eine neue Normalität zu finden. Und es ist erfrischend, wie unverblümt er seinen Abscheu gegenüber jeglichem Nationalismus, jeglichem Militarismus artikuliert. Wie er lachen kann über die Israelbesessenheit seiner deutschen Mitmenschen, deren dunklen Hintergrund er genau kennt. 

Tomer Dotan-Dreyfus wird von manchen für einen Israelhasser gehalten. Nichts wäre falscher als das. Er ist ein Autor von bewundernswerter Aufrichtigkeit, ein Mensch, der genau hinsieht, ohne Vorurteile und ohne falsche Rücksichten. Manchmal hat er keine ... Antworten. Seine Fragen aber sind treffend, seine Berichte wahr. Wir sollten sie uns gefallen lassen."

Martin Schönemann, in: Literaturkritik.de
Profile Image for Paula.
39 reviews
June 10, 2026
Dieses Buch hat mich ungemein berührt und bereichert. Ich werde es vielen Menschen in meinem Umfeld weiterempfehlen. Zudem war ich auch zu einer von einer Berliner Amnesty Gruppe organisierten Vorlesung des Buches, wodurch ich erst von diesem Buch erfuhr, und Tomer hat mich mit seiner Redegewandtheit und Fähigkeit, sowie Bereitschaft, schwierige und persönliche Fragen zu diesem Buch zu beantworten, sehr beeindruckt.

In Deutschland wird die Beziehung zu Israel und damit verbundene moralische Konflikte immer als etwas sehr kompliziertes "schwieriges" dargestellt, sobald man den Staat Israel kritisiert, vor allem von Menschen der älteren Generationen. Ich hoffe, dass meine Eltern und Großeltern dieses Buch auf meine Bitte hin lesen und mit mir darüber reden werden.
Profile Image for Nathaniel Flakin.
Author 5 books124 followers
December 1, 2025
Tomer Dotan-Dreyfus @tomerdr wrote this short book about Jewish identity today. As an Israeli Jew living in Berlin, he asks where he is native ("heimisch"), and the title answers with a portmanteau: he is "keinheimisch," a native of nowhere. By digging deep into his own biography, and that of his four grandparents who ended up in Palestine in different, horrific ways, he shows that Jewish identity is always complicated. While right-wingers claim that Zionism is identical with Judaism, Dotan-Dreyfus argues that Zionism represents an attempt to "gentrify" Jewish traditions. I reviewed this book in German for the newspaper @nd.aktuell, so I will avoid spoiling my own work here.
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