„Normálně nahlas nebrečím, odnaučila jsem se to, když mâmân mému sedmiletému já posměšně vysvětlila, že holky, co brečí nahlas – nebo vůbec brečí – jsou ošklivky. A jaké dítě asi tak chce být tlusté, z jiné země, slabé a ošklivé? V tuhle chvíli je ale všechno zapomenuto, všechna pravidla, všechny jazyky, moje vlastní tvář. Slzy, déšť, konec světa, to všechno se mi po vědrech lije na chlupaté palce u nohou. Ona vždycky říkala, konec je pkaždé i začátek, jen někdy je to holt začátek něčeho podělanýho.“
Továrna na zlý sny je příběh o kráterech v duši způsobených násilnými výpady okolí, jejichž intenzita stoupá úměrně s naší zranitelností. Nasrin, butch vyhazovačka po čtyřicítce, přijde při tragické autonehodě o sestru, se kterou překonaly všechno: migraci do Německa, ztrátu otce, emocionální nepřítomnost matky i neplánované mateřství. A jelikož vyšetřování berlínské policie je až groteskně neefektivní, začne po okolnostech sestřiny smrti Nasrin pátrat sama.
Nekompromisní i dojemný debut Hengameh Yaghoobifarah se stal senzací německé queer-feministické literatury. Živým a břitkým jazykem vypráví o bezpodmínečné sesterské soudržnosti, o násilí pravicových extremistů, sexuálním zneužívání i o tom, jaké to je vyrůstat v Německu jako potomek íránských imigrantů.
Das Buch ist eindeutig turbulent, besonders und schonungslos bissig erzählt. Nasrin, oder auch Nas genannt, ist eine lesbische Frau mit iranischen Wurzeln, die in Berlin wohnt. Sie muss nicht nur mit ihrem Anderssein und Ihrem Leben kämpfen, sondern sieht sich auch mit Ihrer Vergangenheit konfrontiert als ihre Schwester stirbt. Die Kurzbeschreibung kann die Essenz des Buches nicht ganz auffangen, weil die Geschichte so vielschichtig verschiedene Elemente miteinander verwoben hat, dass man gar keine Atempause hatte bis man auf der letzten Seite war. Zu keinem Zeitpunkt war es langweilig, es war komisch bis spannend Nas in Ihrem Leben zuzugucken.
Nasrin scheint das Sammelwerk von allen Problemen zu sein, die man als Minderheit haben kann. Außerdem sieht man an ihr und ihrer Umgebung, was aus einem Mensch wird, wenn man von klein auf gejagt wird. Sie stolpert unbeholfen von einem Problem ins nächste, dabei weigert sie sich bemitleidet zu werden. Sie war wie ein Mädchen, das körperlich zwar gewachsen ist, aber nie seelisch wachsen konnte.
Was mir besonders gefallen hat, waren die Grenzgänge zwischen der Realität und dem Traum, wo man sich nicht sicher war, was nun Wirklichkeit ist. Ich liebe es auch, wie das Ende nochmal den absolut coolen Anfang aufgreift und einen schließenden Kreis bildet. Für meinen Geschmack hätte das Buch mehr surreale Szenen haben können.
** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
es fängt so gut an, der Stil ist rasant und witzig, auch ganz schön hingerotzt, da geht man aber gern mit, Themen wichtig (Migrant:innen in Deutschland, Diskriminierung, Fremdheit, sexueller Missbrauch, Familiekonflikte, Mütter/Töchter, lesbisches Frauenleben, Trauer) aber dann verkommt es zusehends zur Räuberpistole und das Ende liest sich dann leider so, als hätte der Autorin jemand auf die Finger gehauen und „ist gut jetzt“ gerufen, „du musst nichts auflösen, mach einfach so Schluss“. Schade, eigentlich.
Nas und Nushin sind Schwestern, Freundinnen und Verbündete, sie erzählen einander alles und haben keine Geheimnisse voreinander - das dachte Nas zumindest. Bis die Polizei vor ihrer Tür steht und ihr sagt, dass ihre Schwester tot ist, gestorben bei einem tragischen Autounfall. Doch das kann Nas nicht so einfach hinnehmen, sie glaubt nicht an einen Unfall. Für Nasrin steht das Leben jetzt Kopf: sie muss sich um ihre Nicht kümmern - und die wahren Umstände des Todes ihrer Schwester herausfinden...
Ich habe bei "Ministerium der Träume" von Hengameh Yaghoobifarah vieles erwartet - das was ich bekommen habe dann aber doch eher nicht. Denn der Roman mutet an sehr vielen Stellen wie ein Krimi an, was bei der Inhaltsbeschreibung doch gar nicht so abwegig erscheint. Was mich überrascht hat ist der dann doch fehlende Biss, der fehlende Tiefgang und das fehlende Nachbohren. Vielmehr ist das Buch an vielen Stellen lustig bis schrullig abgedreht, was für mich nicht ganz in die Story gepasst hat.
Hengameh Yaghoobifarah packt in den Roman viele Themen: Rechtsterrorismus, Rassismus, Sexismus, Klassismus, Depressionen und generationenüberschreitende Traumata. Das hört sich jetzt erst mal großartig an, der Ansatz der*s Autor*in, wie sie die Themen in "Ministerium der Träume" verarbeitet hat, ist aber in meinen Augen nicht so ganz gelungen. Der Roman wirkt an vielen Stellen sehr überladen, kaum ein Thema wird richtig vertieft. Was mich am meisten gestört hat waren die vielen Klischees, die Hengameh Yaghoobifarah in das Buch einbaut. Gerade hier hätte ich das nicht erwartet.
Das hört sich jetzt alles sehr negativ an, was dem Buch dann auch wieder nicht gerecht wird. Es lässt sich nämlich echt toll lesen, die Charaktere fand ich herzerwärmend und ich musste bei den Sprüchen von Nas, Parvin & Co. oft schmunzeln. Das bringt mich auch zu einem weiteren Pluspunkt des Romans: Yaghoobifarah nutzt Slang - fand ich großartig! Literatur muss nicht immer in diesem hochgestochenen Deutsch gehalten sein finde ich, ich habe den Schreibstil hier als sehr sympathisch empfunden.
"Ministerium der Träume" lässt mich zwiegespalten zurück. Einerseits finde ich es toll, dass queere Protagonist*innen und all die oben genannten Themen endlich auch Einzug in die Literaturwelt halten können. Andererseits fand ich das Buch aber auch einfach viel zu klischeebehaftet und üppig. Ich denke "solala" trifft es hier wohl am besten.
Berauschend von dieser rohen Wut durch das Buch gezogen zu werden. Auf die Zwölf, knallhart, direkt. Erinnert mich etwas an den abgehalfterten Typen aus einem Fauser Roman. Obwohl wir uns hier nur an der Abbildung und Beschreibung der Realität abarbeiten, hat das Ding eine klangvolle Verspieltheit und Weite der Sprache, die mich voll wegbläst. Eigentlich auch nur ein Aufzeigen, Verweisen, das mich an der meisten Gegenwartsliteratur stört. Irgendwas ist hier aber anders. Kann nicht benennen was. Evtl. die Intensität, der Rhythmus, das Aufbrausen und kurze Verebben, bis die nächste Welle heranrollt… ich weiß es nicht. Es funktioniert jedenfalls für mich. Ihre Telefonzellenvisionen/Träume/Traumatas? sind richtig stark. Diese seltsame Dynamik ab 70% des Buches bringt einen Bruch rein. Hier wird's konstruiert, gewollt, schon fast lächerlich. Irgendwie will es zum Ende nicht mehr ganz so harmonieren. Ansonsten wär das nen klarer 5 Sterne Read geworden. Aber egal. Mit dem Schluss bin ich zufrieden. Er passt absolut in das gezeichnete Bild.
Als Hörbuch gehört. Keine Notizen oder Zitate. Einfach nur durchgerauscht und mir gedacht: weiß nicht ob ich bei den Erfahrungen besser im Leben stehen würde. Halte das für ein sehr plausibles Szenario, in dem ich mich genauso wiederfinden könnte. Nimmt mich emotional sehr mit.
Das war leider nicht ganz mein Ding, sehr viel „authentischer“ Jugendsprech, die Figuren durchwegs sehr begrenzt reflektiert. Potenzial ist da, die etwas surrealen Telefon-Szenen fand ich ausbaufähig und die Geschichte hatte einen gewissen Flow, als endlich das Setting aufgebaut war (hat aber gedauert, ich wollte fast schon abbrechen). Dann war es zwar spannender, aber letztlich doch eine etwas enttäuschende Neonazi-Räuberpistole. Trotzdem 2 Sterne, weil sie mir eine mir ziemlich fremde Subkultur näher gebracht hat. Abschließend hätte ich aber lieber eine gute Reportage in einer Zeitschrift zu dem Thema gelesen, wäre vermutlich auch differenzierter gewesen. Als Literatur hat das für mich nur bedingt funktioniert.
Eine Wortmeldung der explosiven Art Ausführlicher, vielleicht begründeter auf kommunikativeslesen.com
Yaghoobifarah ist eine moderne Antigone im Kampf um das Vermächtnis der Schwester, ein Ringen um Verstehen, um das Durchbrechen der Angst, eine Antigone, die sich nicht an die Regeln halten kann, noch halten will, so lange, bis sie einmal nicht mehr ironisch, voller Enttäuschung und Traurigkeit feststellen und sagen muss „Nicht schlecht, Deutschland“, sondern es sagen will und kann, da sie endlich angstlos leben und lieben kann, und zwar ohne Angst und fremdaufmodulierter Reue.
Wer sich von diesem Buch angegriffen fühlt, hat viel über sich, nicht über die Autorin zu lernen. Hier bricht sich eine Literatur bahn, die beschreibt und kein Blatt vor dem Mund nimmt. Der Schmerz ist nur ein Teil – die Lautstärke ein anderer. Beides wird von der Wut zusammengehalten, die den Text rahmt und Kontur verleiht. Wer den ungeschönten Blick wagt, wird belohnt. Uneingeschränkt lesenswert.
Nasrins Schwester stirbt bei einem Autocrash. War es ein Unfall? Selbstmord? Oder steckt noch mehr dahinter? Warum verhalten sich die Polizisten beim Überbringen der Botschaft so eigenartig?
Mit einem Mal fühlt sich die sonst so abgebrühte Berliner Türsteherin klein und überfordert, alte Erinnerungen drängen an die Oberfläche und drohen, sie zu überwältigen. Zwangsläufig denkt Nas an die gemeinsame Kindheit im Iran zurück, an das von rassistischen Übergriffen geprägte Aufwachsen in Lübeck und die linksaktivistische migrantische Jugendclique. Liegt irgendwo dort der Schlüssel zum Tod ihrer Schwester ..?
Jede:r von uns kennt dieses Kafka-Zitat mit dem Buch, der Axt und dem gefrorenen Meer in uns. Ich habe das wohl noch nie so stark empfunden wie bei der Lektüre dieses Romans. Die unverhohlene Abneigung der Erzählerin gegenüber der biodeutschen Mehrheitsgesellschaft und der aggressive Grundton des Textes haben mich permanent herausgefordert, mich teils geärgert, aber auch stärker gegenüber Lebensrealitäten sensibilisiert, die wenig mit meiner eigenen gemein haben.
Der radikale Ton stichelt, provoziert und macht den Roman richtig schön unbequem. Woran es hapert, sind Zwischentöne. Die meisten Charaktere gleichen Karikaturen, nicht selten wird auf Klischees zurückgegriffen. Das finde ich bedauernswert; zahlreiche Passagen zeigen, dass Yaghoobifarah es eigentlich besser kann – nicht immer kommt der Holzhammer zum Einsatz, manchmal ist die Prosa nahezu federleicht.
Die Autorin hat sich viel vorgenommen in diesem Buch und vielleicht bricht die Story einfach unter dem Gewicht der Themen zusammen (Migration, Queerness, Tod, Neonazis, Trauma, sexualisierte Gewalt, Familie, Freundschaft, Gender, usw usw usw). Zu viel, teils heftig belehrend und die Auflösung des Ganzen hätte mich fast zum Weinen gebracht, weil es einfach so schrecklich vorhersehbar war.
Kurz: Dieses Buch ist wirklich wie eine Axt. Doch leider hat es mich zwiegespalten hinterlassen. Starkes Potenzial, weniger starke Story. Bonuspunkte fürs durchgehende Gendern. Let’s normalise that. Freu mich aufs nächste Buch von Y.H., da kommt bestimmt noch Gutes.
What the actual f@$). Pardon my french. Yaghoobifarah nimmt eine:n mit auf eine rasante surreale Achterbahnfahrt, in der ein:e Lesende:r nie weiß, ob man gerade selber fährt, gefahren wird oder nur sprachlos daneben steht. Mir fehlen die Worte.
Yaghoobifarah setzt neue Trends. Phantastischer Realismus existiert schon vor dem “Ministerium der Träume”, aber das ist SO noch nie da gewesen.
Sprachlich sowie thematisch packt Yaghoobifarah die Lesenden an den Alman Hörnern und schafft einen Stil, der eine:n schlucken und entsetzt dastehen lässt. Dieses Buch ist wie ein Aufschrei, der Worte findet in einer Lebensrealität, die vorher nie zu Wort kam.
"Ministerium der Träume" ist direkt, temporeich und emotional. Die Figuren wirken oft so wütend wie man sich Hengameh Yaghoobifarah aufgrund ihrer Kolumnen vorstellt. Glücklicherweise ist es hier aber ambivalenter als in ihren journalistischen Texten. Es ist kaum zu glauben, dass dieser Text ein Debüt ist. Er wirkt absolut souverän. Der Gesellschaftsroman liest sich nicht nur durch den kriminalistischen Handlungsstrang wie ein Pageturner.
Nasrin ist als Kind in den 80er-Jahren mit Mutter und Schwester aus Teheran nach Deutschland immigriert. Die lesbische Türsteherin nimmt nach dem Unfalltod ihrer Schwester Nushin gegen den Willen ihrer Mutter ihre Nichte Parvin bei sich auf. Aber war der Unfall ihrer Schwester wirklich ein Unfall? Alle relevanten Figuren sind Frauen mit migrantischem Hintergrund. Es geht um Identität, das Aufwachsen mit dem Trauma der Flucht, Rassismus, rechtsextremen Terror und das Leben in einem Land, das nicht zur Heimat wird. Es ist eine bedrückende und spannende Lektüre.
Eigentlich war das Hörbuch zu „Das Ministerium der Träume“ nur ein Spontankauf, aber ich bin sehr froh, dass ich mich dafür entschieden habe. Ein toller Roman über Migration, Identität, Trauma und den Umgang mit rechtsextremer Gewalt.
Seit sie in ihrer Kindheit aus dem Iran fliehen mussten, sind die Schwestern Nasrin und Nushin trotz zahlreicher Konflikte und Differenzen unzertrennlich. Sie überleben gemeinsam eine Kindheit, die von Flucht, Verlust und Trauma geprägt ist, eine Jugend voll Rebellion und Depression, und bauen sich in Berlin ein neues Leben auf. Die lesbische Nasrin jobbt als Türsteherin in einem queeren Club, Nushin arbeitet als Friseurin und zieht alleine ihre Tochter Parvin groß. Doch eines Tages steht die Polizei vor Nasrins Tür: Nushin ist tot, bei einem Autounfall gestorben. Nasrin ist sich sicher, dass es Selbstmord war. Sie entschließt sich, eine Ersatzmutter für Parvin zu werden, ohne wirklich zu wissen, wie sie mit der rebellischen Teenagerin umgehen soll. Nach und nach kommen neue Erkenntnisse über Nushin als Licht und auch Nasrin beginnt zu zweifeln, ob sie sich wirklich umgebracht hat.
Der Roman, erzählt aus Nasrins Perspektive, führt uns einmal in die queere, linke Szene im Berlin der Gegenwart. Für Nasrin ist diese Szene eine Wahlfamilie, in der sie sich aufgenommen fühlt, und trotzdem wird sie immer wieder von Zweifeln und übermannt, ob sie ihr Leben wirklich im Griff hat. Darüber hinaus reisen wir mit Nasrin immer wieder in ihre Vergangenheit, erfahren von ihren Lebensumständen, der komplizierten Beziehung zu ihrer Schwester und ihrer Mutter, Nasrins ersten Romanzen, von ihrer engen Bindung zu den anderen migrantischen Kindern ihrer Nachbarschaft und von rassistischen Übergriffen und Ausgrenzungserfahrung. Gegenwart und Vergangenheit sind dabei eng verzahnt und greifen immer wieder ineinander über.
Die Figuren – vor allem Nasrin und ihre Familie – sind allesamt komplex und vielschichtig. Es ist schwer, uneingeschränkte Sympathie für die Beteiligten aufzubringen, aber ebenso schwer, sie zu verdammen. Da ist zum Beispiel Nasrins und Nushins Mutter, eine kalte, distanzierte Person, die ihre Töchter schlägt, wenn sie sich nicht benehmen, und nur schwer mit Nasrins Coming Out umgehen kann. Gleichzeitig muss sie aber auch den Tod ihres Mannes verarbeiten, ihre Mädchen allein großziehen und das nötige Geld verdienen. Auch Nasrin, ihre Nichte Parvin und Nushin sind komplexe Persönlichkeiten, die man verstehen kann und gleichzeitig schütteln will. „Das Ministerium der Träume“ ist eine Geschichte über marginalisierte Frauen und ihre Stärke, aber auch über deren Scheitern und ihre Fehler. Wie das Leben nun einmal spielt.
Die Sprache des Romans nuanciert geschickt zwischen poetischen Bildern und Jugendsprache. Sie ist manchmal gewaltig, manchmal leise, aber immer geschickt eingesetzt. Besonders beeindruckend sind auch die eingeflochtenen, beinahe kafkaesken Traumsequenzen, bei denen man – genau wie Nasrin – erst eine Weile braucht, um zu begreifen, dass sie nicht real sind. Außerdem habe ich an einigen Stellen auch herzhaft gelacht. Gerade bei den sehr deutschen „Annikas“.
Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Ich sitze etwas ratlos vor dem Ende. Etwa im letzten Drittel entwickelt sich die Geschichte in eine etwas andere Richtung und wirkt dadurch unrund. Das Ende kommt dann so abrupt, das ich nicht richtig wusste, was ich davon halten soll. Per se ist ein offenes Ende für diesen Roman angemessen, aber tatsächlich wirkte der Schluss eher abgeschnitten.
Ein zweiter Punkt hat mich irritiert. Nasrin ist in ihren 40ern, also rund 10 Jahre älter als ich, und trotzdem fühlten sich ihre musikalischen und popkulturellen Kindheitserinnerungen extrem vertraut an. Das war schön, ich hatte das Gefühl von Verbundenheit, aber eigentlich passte das nicht wirklich, weil Nasrin ein Kind der 80er und ich eher eines der 90er/2000er war. Vielleicht gibt es da Überschneidungen, aber es hat dazu geführt, dass ich Nasrin immer als „mein Alter“ wahrgenommen habe, obwohl das zeitlich gar nicht passte.
Alles in allem kann ich das Buch aber trotz der wenigen Kritikpunkte sehr empfehlen, auch als Hörbuch. Ein großartiger Roman mit sehr viel Tiefgang, der spürbar macht, warum Own Voice Literatur so wichtig ist – weil sie Nuancen abbildet, die Außenstehende nie wahrnehmen können. Das wird auch im „Ministerium der Träume“ deutlich. Eine wichtige Geschichte, von der ich froh bin, dass ich sie jetzt kenne.
Das Ministerium der Träume steht schon seit 2022 bei mir im Regal. Als ich den Roman heute zur Hand nahm, kam mir das wie ein unglaubliches Versäumnis vor: Dieses Buch hat einen richtigen Sound, er ist lebendig und fesselnd und auf seine Art unverblümt.
Wir lesen von Nas, einer lesbischen Türsteherin in Berlin, die der Polizei die Tür aufmacht, und dabei vor allem hofft, dass die Beamten nichts sehen, was sie für gefährlich halten und sie nicht drängen, die Nachbarn zu verpfeifen. (Starke Note von ACAB!) Stattdessen bricht ihre Welt zusammen, als ihr mitgeteilt wird, dass ihre Schwester in einem Autounfall gestorben ist. Zwischen Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit in Deutschland nach der Flucht aus dem Iran, die der Vater nicht überlebt hat, muss sie sich um ihre Mutter und die Tochter ihrer Schwester kümmern und damit klar kommen, dass sie von einem Suizid überzeugt ist, aber damit alleine bleibt.
Bis dahin hab ich das Buch einfach genommen, wie es war. Es zeichnete sich zwar schon hier eine Traumadichte ab, die literarisch problematisch sein kann - Flucht, Ermordung eines Elternteils, körperliche Züchtigung, nicht akzeptierte Queerness, sexueller Missbrauch, Rassissmus, Rassistische Gewalt... Aber der Beat der Erzählung hat mich einfach mitgenommen, und in diese Geschichte von Trauer und Überleben hineingezogen.
Leider entgleist der Roman dann für mich doch erheblich - aus der skizzierte Geschichte, mit einem Verlust fertig zu werden, wird ein migrantischer Rachethriller mit mehr unglaublichen Zufällen, als man glauben möchte. Es scheint, als gäbe es nur drei rechtsradikale Männer, die alle Rollen spielen müssen. Es gibt eine unnötige und unglaubliche Entführungssequenz, klassisches "Hacking", um an verpixelte Bilder zu kommen, und die Dialoge werden immer absurder. Wenn der Roman dies alles als Realitätsflucht markiert hätte, wäre das eine andere Geschichte gewesen, aber so verliert der Roman sich unwiderruflich und entscheidet sich einmal zu oft für das Klischee. Schade, denn der Anfang war wirklich grandios!
Enttäuschend, aber die Prosa ist stark genug, dass ich mir ein zweites Buch von Hengameh Yaghoobifarah anschauen würde, wenn es mir über den Weg laufen sollte. Trotz zunehmender Irritation habe ich das Buch einfach von vorne bis hinten durchgelesen, und das trotz knapp 400 Seiten Roman - das muss man auch schaffen.
well, ich dachte das wird eines der bücher, die zu meinen all-time favoriten gehören würden. erstmal mochte ich die sprache total gerne! weil ich größtenteils auch so spreche und mein umfeld, und das mal in einem buch abgedruckt zu lesen, war mega erfrischend. ich mochte auch wie die charaktere angelegt waren. besonders die mutter, dann natürlich auch nas und parvin. die story hat mich von anfang an gepackt und es war teilweise echt schwer zu verdauen alles. hab mich positiv herausgefordert gefühlt.
nicht so gefallen haben mir mehrere sachen trotzdem: diese songzitate, waren mir persönlich zu oft eingestreut und das hat mich irgendwie rausgebracht und hatte was von unangenehmen (pop)kultur-gebildeten leuten, die name dropping machen aber halt mit songreferenzen. und das ende. ich fand das stand total im widerspruch zum restlichen buch, dass sich zeit genommen hat, wo alle irgendwie sehr realistisch-organisch gehandelt haben/dinge passiert sind. das ende hingegen war irgendwie zu konstruiert, eigentlich ab da, wo sie parvin kidnappen. und filiz find ich eine echt stressige person. wie krass muss man mit 14 drauf sein um einer person dann total chillig noch respekt entgegen zu bringen, die einen vorher gekiddnapt, unter drogen gesetzt und mehrfach geschlagen hat? fand ich eher unrealistisch.
vielleicht bin ich zu lost, aber ich hab leider auch die traumhaften szenen nicht so gecheckt, die waren mir persönlich bisschen zu kryptisch um sie in beziehung zur handlung setzen zu können. ein bisschen konnte ich sie vielleicht deuten, aber ich bin mir nicht sicher ob hengameh das so gemeint hat wie ichs verstehe.
aber alles in allem mega toller, gut geschriebener roman!
This entire review has been hidden because of spoilers.
Ich hätte dieses Buch gerne sehr gemocht. Leider hat es meine (zugegeben hohen) Erwartungen nicht wirklich erfüllt. Gut gefallen hat mir, dass die Figuren im Buch Perspektiven auf bisher eher weniger präsente, deutsche Lebensrealitäten spiegeln. Hengameh Yaghoobifarahs Stärke ist zudem der schnoddrige Ton, aus dem die Hauptfigur in der Ich-Perspektive erzählt. Das liest sich authentisch und passt zum Gesamtkonzept der Story. Auch steckt in den Ansätzen einiges drin, was ganze Buchreihen wert wäre. Aber wie bereits einige andere Rezensent:innen angemerkt haben, bleiben viele Themen leider recht oberflächlich. Einige Stellen wirken, als ob sie unter Zeitdruck fertig gestellt und nicht nochmal gründlich überarbeitet wurden. Besonders irritiert hat mich das extrem abrupte Ende. Es soll wahrscheinlich auch irritieren, bzw. nicht alle offenen Fragen beantworten. Aber so wirkt es tatsächlich, als wurden beim Buchdruck die letzten 20 Seiten des Manuskripts vergessen. Alles in allem lässt mich das Buch leider etwas unzufrieden zurück. Hengameh Yaghoobifarahs Twitter-Account wirkt auf mich dagegen viel schlagkräftiger. Vielleicht sind Kurzgeschichten oder kürzere Novellen eher das richtige Format. Aber es dürfte sicher spannend sein, was noch von @habibitus (so der Twitter-Handle) kommt.
Kan nog niet te veel zeggen over het boek want ik host er nog een leesclub over en wil mijn mening niet te bepalend laten zijn. Maar: 5 sterren zegt eigenlijk al iets :)
My colleague recently complains about what she sees as a ploy to eradicate white cismale German authors from the German literature curriculum. I checked at my school, and 95% of our curricuum is comprised of their works, so they're going to be fine. I asked my colleague what her issue was and after some hemming and hawing she said that there were just no other books deserving enough to be read.
This is a novel she clearly has not read, then. It's engaging, and while some of the coincidences were a little too coincidental for me, style and plot absolutely make up for it.
There were a few perennial tropes that always bother me and bothered me here, too (lesbian characters must have rape and abuse in her past, LGBT characters must all go clubbing and constantly take drugs. Seriously. If this were the only representation I'd have read growing up, I'd have been very scared), but there were enough aspects that I found very engaging and Yaghoobifarah has a gift for evoking a very lifelike style.
Written German and spoken German are so far divorced from each other that they are distinct dialects, with most tenses and aspects having been dropped from spoken German along with normative sentence structure and cases used in written German. Therefore, it is difficult to write especially nonstandard German convincingly especially in a narrator without coming across as severely uneducated. Yaghoobifarah nails this beautifully - Nas is extremely lifelike, thinks and speaks in the same Denglisch mash up that most people raised on the internet use in real life, and yet has occasional poetic thoughts of lierary quality that do show a command of more standard written German.
Nach langer Vorfreude habe ich "Ministerium der Träume" gerade verschlungen - und mich mal weder vom Hype noch von den mitunter gehässigen Kommentaren über Hengameh Yaghoobifarah ablenken lassen. Denn hier kommt eine dieser schmerzlich vermissten Perspektiven: eine 44-jährige iranischdeutsche Butch, deren Lebensmittelpunkte Schwesternliebe und queere Community sind, als sie plötzlich zum Vormund ihrer Nichte wird...
Der Roman war dennoch ganz anders als erwartet. Er beginnt mit einem emotionalen Schlag. Danach geht es turbulent und plotdriven auf zwei Zeitebenen vom Teheran der späten 70ern über Lübeck in den 80ern/90ern bis in die Berliner Subkultur. Obwohl die ganze Liste der harten Themen abgehakt wird (Tod in der Familie, Suizidversuch, häusliche/rassistische/sexualisierte Gewalt, Homohass, fat phobia, Traumata, Depressionen, Polizeifehlern, Drogenmissbrauch, Sexarbeit usw.), entwickelt sich die Dynamik eines unterhaltsamen Krimis. Die Geschichte ist von Alpträumen und absurden Twists durchzogen, mutet manchmal jugendbuchig an, ist dabei immer lässig, politisch positioniert und mit diskriminierungssensibler Sprache erzählt.
Roh, schonungslos und provokant erzählt Hengameh Yaghoobifarah die brausende Geschichte einer iranischen Familie in Deutschland, die mit vielerlei unterschiedlichen Problemen zu kämpfen hat: es geht um Streitigkeiten sowie Vorurteile, Rassismus und Ausgrenzung innerhalb sowie außerhalb des Familienkosmos.
Im Roman begleiten wir die queere Nas, deren Welt aus den Fugen gerissen wird, als sie von Polizisten erfährt, dass ihre Schwester Nushin bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Doch weder sie, noch Nushins Tochter Parvin glauben an die Theorie eines einfachen Unfalls. Als Nas auf Spurensuche geht, beginnt eine rasante Reise durch Nas und Nushins Vergangenheit, die der Lesende wie im Rausch erlebt. Traumata werden aufgewühlt und aufgearbeitet, Verborgenes ans Tageslicht gebracht und Geheimnisse aufgedeckt.
Für mich ein Roman wie ein Feuerwerk. Unwirklich, mitreißend, verzehrend und gleichzeitig wunderschön.
This novel had a terrific start, but as the story progresses, it becomes evident that Yaghoobifarah loses control over their characters and the story (there's one part of the story where I was tottaly out of words of how ridiculous and silly it was). The ending feels, paradoxically, both neatly orchestrated and implausible. Yaghoobifarah obviously knows their way around words, that's why I love and follow their writing. I do believe that their non-fiction is stronger, and the novel is at its greatest when it touches on migrant experience and racism in Germany. Another issue with the novel is the discrepancy between the protgonists' age and their voice - it often feels out of sync. If there are more novels to come, I hope for the storytelling part to become more compelling.
In ihrem ersten Roman erzählt Hengameh Yaghoobifarah von der Beziehung zwischen zwei Schwestern. Die Ich-Erzählerin und Protagonistin Nasrin ist um die vierzig, lebt in Berlin, arbeitet in einer queeren Bar und raucht unfassbar viele Zigaretten. Aber ihr unabhängiges Leben wird plötzlich unterbrochen: Ihre Schwester Nushin stirbt bei einem Autounfall, und sie wird die Erziehungsberechtigte für deren 14 Jahre alte Tochter Parvin.
Von diesem Anfangsereignis aus entfalten sich mehrere Erzählstränge. Einer ist die Beziehung zwischen der Protagonistin und ihrer Nichte, die sich pubertätsbedingt als schwierig gestaltet: Wann ist Eingreifen notwendig, wann Laufenlassen? Wie unterscheidet man als Erwachsene zwischen Schutz und Übergriffigkeit? Der zweite Erzählstrang ist eine Art Kriminalgeschichte: Ist die Schwester wirklich bei einem Unfall gestorben? Oder war es Suizid? Oder sogar Mord? Als Nasrin in dieser Richtung zu forschen beginnt, entfaltet sich schließlich der dritte und wichtigste Erzählstrang: Es ist die Erinnerung an die gemeinsame Geschichte der beiden Schwestern. In den 1980er Jahren sind sie als Kinder mit ihrer Mutter aus dem Iran nach Deutschland gekommen, wohingegen der Vater die Flucht nicht überlebt hat. Die Jugend der Schwestern war geprägt von ihrer Situation als neu angekommene nichtdeutsche Personen im Deutschland der 1990er Jahre mit seinem Rassismus, den Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte, dem Aufstieg der Neonaziszene. An diese Debatten und Ereignisse wird Nasrin erinnert, als sie versucht, mehr über den mysteriösen Tod der Schwester herauszufinden. Eine spannend geschriebene Geschichte und eine empfehlenswerte Lektüre.
Hengameh Yaghoobifarah nimmt die vertrauten Topoi des Krimis und erzählt damit eine Geschichte, in der absolut nichts safe ist. Super Traumbeschreibungen.
Well written, almost baroque novel about migrants in Germany, somewhere between pulp piece and pop literature. Dragged down a bit by compositional/ structural issues but otherwise quite enjoyable.
Mir fehlte leider der Tiefgang :(. Zu Beginn war ich mir ziemlich sicher, dass ich dieses Buch lieben würde - ich lese Yaghoobifarahs Kolumne in der taz gerne - und war demnach fest entschlossen, dass das Buch genauso wird. Ein bisschen stimmt das auch, aber an vielen Stellen spürt man doch, dass es ihr Debüt ist. Für mich funktioniert es als Jugendbuch am besten, auch für den Deutschunterricht in höheren Klassen finde ich es geeignet. Dass sie rhethorische Mittel mit Alltagssprache, Anglizismen und Songzitaten vermischt, hat mir besonders gut gefallen und dadurch entsteht auch so ein unterschwelliger Humor in dem Buch. Ansonsten kratzte mir "Ministerium der Träume" zu sehr an der Oberfläche. Der Ausgangspunkte, eine tote Schwester, ist es Mord, Selbstmord oder Unfall, verspricht ein Thriller zu werden, ist aber im besten Fall ein Genremix, der nicht wirklich Spannung aufbauen konnte. Auch das Thema Wahlfamilie wird kurz angerissen - warme Gefühle haben sich bei mir trotzdem nicht entwickelt, auch, wenn ich die Beziehung zwischen Nas und ihren Barkolleg*innen mehr mögen wollte. Das gleiche gilt für rechten Terror - ein unfassbar wichtiges Thema - für mich kam es viel zu kurz, viel zu oberflächlich daher. Ich bin mir allerdings sicher, dass Yaghoobifarah das Thema nicht zum letzten Mal beschreiben wird - zum Glück! Am Ende bleibt es ein gutes Beispiel für schnörkeloses Gendern und wie man linke Kultur und Einstellungen in Texte schreiben kann, ohne, dass sie oberlehrerhaft daherkommen.
Super angenehmer Schreibstil, pointierte Sprache und mega authentische Charaktere. Lässt sich schnell verschlingen, nur das Ende lässt mich ein bisschen ratlos, ich hab das Gefühl, dass dem Buch die letzten zwei Seiten fehlen, auch wenn das vermutlich gewollt ist…
seit langem mal wieder ein buch, das ich innerhalb von ein paar tagen durchgelesen habe, eigentlich ein gutes zeichen. der schreibstil ist authentisch, schnell, bedacht, und vor allem klar. das liebe ich. manchmal ein bisschen zu verschnörkelt, wenn das lyrisch-mäßige für mich nicht hinhaut.
besonders stark sind die szenen, in denen eine migrantisch-deutsche welt auf die deutsch-deutsche „annika-clique“ und -welt trifft: beim elternabend, beim anzeigengespräch mit dem ladendetektiv, wenn die polizei beleid zum tod der schwester bekundet. hier wird klar, welche lebensrealität eine migrantische erfahrungen in deutschland meint: kälte und wut. und auch: alleingelassen werden und kein vertrauen auf staatliche institutionen. tolle szenen und für mich die wichtigsten stellen des buchs.
die themen des buchs sind interessant und wichtig: neonazis, queerness, migrantische wut, verlust eines menschen, nachtleben, antifa-arbeit, erziehung einer jugendlichen, sexualisierte gewalt. gepaart mit bisschen crime. alles in allem leider ein bisschen viel für die story.
am rande: das alter der prota haut für mich nicht ganz hin, sie ist mitte 40 - ihre popkulturellen einflüsse in der jugend, wie auch die sprache und ihr slang sind aber stark von 90ern/2000ern geprägt, obwohl sie ein kind der 80er ist.
+++spoiler+++ leider wird das buch im letzten drittel echt enttäuschend. ich bezweifle stark, dass der erste weg, der einem einfällt, um aus der pubertierenden 15-jährigen nichte wichtige information herauszubekommen, der ist, sie zu entführen. die details stimmen hier nicht, ein beispiel: die prota wundert sich echt, dass die nichte sie in einem kleinen auto mit verschlossenen augen am geruch erkennt?
auch die kapitelsetzung wirkt im letzten drittel zunehmend mit dem ziel gewählt, spannung zu erzeugen, die die story einfach nicht trägt, schade. zusammen mit der story wird ab hier auch die sprache leider unglaubwürdig.
alles in allem trotzdem ein gutes buch. ich schätze hengameh yaghoobifarah, bin inspiriert vom werdegang und von den themen, die hengameh wählt. das zweite buch werde ich auch gern lesen.
ein sehr schöner easy read mit einem nüchternen, aber intensiven Schreibstil, der die (teils ziemlich abgefuckten) Figuren sehr gut widergespiegelt hat. ein neuer Einblick in migrantisches Trauma/Umgang mit rechter Gewalt und irgendwie auch linksradikalem Dasein (platt formuliert), ohne die Figuren und den Plot darauf zu reduzieren. die Figuren haben sich sehr echt angefühlt, vielleicht auch, weil Autor:in viel eigenes eingebracht hat. an manchen Stellen war Hengamehs Stimme sehr präsent und hat Nas' Stimme für meinen Geschmack zu sehr überschattet
Hengameh Yaghoobifarah didn’t disappoint with this one! Von Anfang bis Ende Mega spannend, und das mitsamt einem sehr zugänglichen Schreibstil. Eine Mischung aus Crime und einer tragischen, gleichzeitig herzerwärmenden Geschichte über Familie und Trauma. Und Hengameh gendert! Allgemein ist das Buch sehr locker geschrieben, sehr leicht zu lesen, aber dennoch seriös. Einfach slay!
Direkt Anfang der Geschichte fühlt man die schonungslose, bittere Erzählform von Yaghoobifarah, die sich bis zum Ende des Busches zieht. Der Schreibstil ist fabelhaft und an einigen Stellen so atemberaubend, dass man nicht sicher ist, ob man nur liest und selber dabei ist. Doch die Geschichte so abrupt, als ob die Autorin dazu gezwungen würde, sie zu beenden!
Das Buch verrät übrigens ein Teil der Lebensrealität der iranischen Immigrant:innen in Deutschland, über die kaum gesprochen wird.
Not thots - head empty daher thots sponsored by Lou
"Selten ein Buch gelesen, das so viel in mir ausgelöst hat und mir nach dem Lesen so stark nachgegangen ist. Ich hab wirklich gehofft, dass ich dem Buch 5 Sterne geben kann, weil ich die ersten drei Teile wirklich grossartig fand, aber leider war mir das Ende einfach zu schwach. Der grösste Teil des Buchs war so vielschichtig und hat so viele verschiedene Themen und Handlungsstränge miteinander verknüpft, dafür ist es mir im letzten Viertel dann viel zu sehr in Richtung Krimi gegangen. An sich fand ich's richtig stark vom Buch, wie sehr es sich mit Rassismus und insbesondere rassistischer Gewalt auseinandergesetzt hat und von daher hat's auch total gepasst, dass es am Ende bei Nushins Tod so sehr in die Richtung gegangen ist und sich der "Unfall" als Mord herausgestellt hat (das Buch hat das ja auch so gut aufgebaut, dass es gar nicht funktioniert hätte, wenn's nicht so gewesen wäre). Aber ich fand's sehr schade, dass darüber so viele andere Handlungsstränge zu kurz gekommen sind und irgendwie lag der Fokus am Ende auch zu sehr darauf, wer genau jetzt für den Tod verantwortlich ist statt auf dem Umgang der Charaktere mit dem neuen Wissen und darin ist dann irgendwie zu viel vorherige Entwicklung untergegangen. Wenn am Ende alles ein wenig besser zusammengekommen wäre und andere Themen mehr Raum erhalten hätten, hätte das alles meiner Meinung nach sehr viel besser funktioniert.
Bei einigen Storylines hat das offene Ende für mich aber richtig gut gepasst (was Filiz und Nasrin angeht hätte ich etwas anderes als ein offenes Ende zum Beispiel nicht passend gefunden und auch dass Parvin – my beloved – bis zum Ende recht unnahbar bleibt und wir nie richtig Einsicht in ihre Gefühlswelt erhalten haben, hat irgendwie gut gestimmt). Andere Dinge hätte ich gerne noch bisschen abgerundeter gehabt, gerade beim Verhältnis zwischen Nasrin und Parvin hätte ich mir gewünscht, dass doch etwas mehr Entwicklung stattfindet, vor allem nach den ganzen Kapiteln mit Parvins "Entführung" (wobei das auch einer der Punkte war, wo mich das Buch nicht so ganz abholen konnte, weil ich das erziehungstechnisch schon sehr schwierig fand von Nasrin). Das Wiedersehen mit Aida und Jîwan am Ende hat mir an sich total gut gefallen, auch dass eben nicht alles einfach perfekt und wie früher war, aber auch da hätte der Fokus etwas mehr auf den emotionalen Reaktionen und den Verhältnissen aller Charaktere zueinander liegen können statt nur auf Nushins Tod.
Was mir an dem Buch vielleicht am meisten gefallen hat, war die Sprache. Die Gleichzeitigkeit von total poetischen Sätzen und dann wieder Slang hat einfach funktioniert und das Buch auch irgendwie besonders gemacht. Die Charaktere waren alle super authentisch und komplex, Nasrin als Protagonistin wirklich grossartig, sowohl alleine als auch in ihren Beziehungen zu den anderen Charakteren. Sehr gelungen fand ich auch die Flashback-Kapitel und wie sich Vergangenheit und Gegenwart nach und nach zu einem Ganzen zusammengefügt haben, gerade indem die Charaktere aus der Vergangenheit wieder in Nasrins Leben getreten sind. Der letzte Satz hat das Ende für mich fast wieder ein bisschen gerettet, weil ich die Telefonkabine als Symbol auch einfach insgesamt sehr gelungen fand, ich denke, wenn zuvor etwas mehr aufgelöst worden wäre und die Charaktere an einem etwas besseren Punkt zurückgelassen worden wären, hätte ich gar nichts daran auszusetzen. So war's halt sehr abrupt und ich find's ein wenig schade, gerade Nas an so einem dunklen und unsicheren Punkt zurückzulassen, aber alles in allem auf jeden Fall ein sehr gutes und vor allem sehr lesenswertes Buch."