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Der amerikanische Weckruf (Auf dem Punkt)

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2026 – 250 Jahre amerikanische Demokratie. Und Donald Trumps zweites Jahr zurück an der Ein historisches Jubiläum trifft auf eine historische Zäsur. Während die Vereinigten Staaten ein Vierteljahrtausend Verfassungsstaat feiern, setzt Präsident Trump seinen autoritären Umbau fort – mit einer Agenda, die tiefgreifender, strategischer und entschlossener ist als je zuvor.
Die gefragte transatlantische Politikexpertin Cathryn Clüver Ashbrook zeigt in ihrem ersten Buch, wie die amerikanische Demokratie gezielt ausgehöhlt durch systematische Schwächung der Gewaltenteilung, ideologische Kontrolle von Bildung und Medien, juristische Umdeutung von Machtbefugnissen und gezielte Einschüchterung politischer Gegner. Was viele als Chaos oder Einzelfälle abtaten, war in Wahrheit Teil einer langfristigen Strategie – und genau das haben wir übersehen.
Doch Clüver Ashbrook geht Sie zeigt, wie dieselben Muster in Europa Einzug halten – auch in Deutschland. Die Illusion, dass liberale Demokratien automatisch stabil seien, hat uns blind gemacht für die Angriffspunkte von innen. Gerade dort, wo Institutionen schwach, Bildungssysteme ungeschützt und Öffentlichkeit fragmentiert sind, greifen autoritäre Strategien besonders leicht.
Dieses Buch ist ein politisches Frühwarnsystem. Und ein Handbuch der demokratischen Selbstverteidigung.
Es benennt die Schwächen, die Populisten systematisch ausnutzen. Es zeigt, welche Lehren wir aus dem amerikanischen Fall ziehen müssen. Und es macht deutlich, was jetzt zu tun ist – auf politischer, juristischer und gesellschaftlicher Ebene. Damit wir nicht in wenigen Jahren zurückblicken und gerade auch wegen der eigenen historischen Verantwortung sagen mü Auch wir hätten es wissen können.

209 pages, Kindle Edition

Published January 14, 2026

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Cathryn Clüver Ashbrook

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237 reviews37 followers
May 10, 2026
Eine gute, weil konzise und genaue Zusammenfassung des für den interessierten Menschen grundsätzlich bekannten, ebenso brutalen wie infantilen, grausamen Irrsinns des megalomanischen Narzissten aka Präsidenten der noch notdürftig Vereinigten Staaten von Amerika.

Kluges und alles Weitere hierzu bei Gavin Armour: https://www.goodreads.com/book/show/2...
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641 reviews131 followers
March 26, 2026
Bei gewissen Themen stellt sich ja die Frage, ob denn nicht eigentlich alles gesagt ist, eigentlich auch schon von allen? Ein solches Thema scheinen die USA unter der Präsidentschaft von Donald J. Trump zu sein.

Aber nein – so wie dieser Präsident regiert (wenn man es denn „Regieren“ nennen will), kommt man mit der Analyse, vielleicht auch nur der Interpretation, kaum hinterher. Immer weiter, teils im Stundentakt, wird eine Sau nach der andern durchs Dorf getrieben. Da wird das Militär – verfassungswidrig – in die Städte des Landes beordert, um vermeintliche „Notstandssituationen“ zu beherrschen; es werden seltsame Behörden im paramilitärischen Look losgeschickt, um vermeintlich illegal eingereiste Ausländer – oder einfach jeden, der so aussieht – willkürlich, teils auf der Straße oder am Arbeitsplatz, abzugreifen und in Lager oder direkt außer Landes zu schaffen; es werden einzelne Opponenten ad hominem angegriffen und damit der Gefahr dauernder Übergriffe ausgesetzt. Innen- wie außenpolitisch herrscht die reine Willkür. Zölle, angedrohte Annexionen auch verbündeter Territorien, Angriffe auf deutlich schwächere Länder, mittlerweile auch ein veritabler Krieg in Nahost, gegen alle Wahlversprechen, die „endless wars“ ein und für alle Male zu beenden – man kommt kaum mit, so schnell wechselt Trump die Themen.

Die Frage, die sich vermehrt stellt, geht deshalb viel tiefer. Sie hält sich nicht mehr bei den tagespolitischen Items auf, was keinen Sinn macht, da diese, wie oben gezeigt, sowieso dauernd wechseln. Vielmehr stellt sich die Frage, was mit dieser Art von Politik beabsichtigt wird. Und wenn man zu dem Schluss kommen sollte, dass dahinter gar keine Absichten stecken, weil hier jemand an die Macht gelangt ist, den Politik – tatsächliche Politik als Spiel mit Kompromissen, den demokratische Abläufe, den Ausgleich und Vermittlung – überhaupt nicht interessiert, der stattdessen persönliche Bereicherung als eigentliches Ziel seiner Amtszeit betrachtet, dann muss man die Frage stellen, was dieses Verhalten mit dem Land, den Institutionen, was es mit der Demokratie macht?

Die deutsch-amerikanische Politologin Cathryn Clüver Ashbrook stellt diese Fragen in ihrem Buch DER AMERIKANISCHE WECKRUF (2026) in aller Deutlichkeit. Und sie, die die USA sehr gut kennt, die aber auch international hervorragend vernetzt ist und sowohl die Zusammenhänge als auch die absehbaren Folgen politischer, kultureller und ökonomischer Entscheidungen begreift, hält sich nun nicht damit auf, einen Abgesang auf die USA, wie wir sie alle kannten, anzustimmen, sondern sehr genau auf die Entwicklungen zu blicken und daraus Schlüsse für die Entwicklungen in Europa abzuleiten.

Sicher, auch Clüver Ashbrook wiederholt Vieles, was interessierte Leser*innen lang schon wissen. Sie führt die Entwicklungen seit dem Amtsantritt der 2. Trump-Administration minutiös noch einmal auf, allerdings richtet sie den Fokus teils anders aus und vor allem analysiert sie mit einem anderen Instrumentarium als ihre Kolleg*innen, die sich mit eben diesen Themen bisher beschäftigt haben. Die unmittelbare Aktualität ihres Buchs kommt den Leser*innen natürlich ebenfalls zugute, weil man gut abgleichen kann, worauf die Autorin sich bezieht.

Was das Buch schon auf den ersten Seiten sehr interessant und lesenswert macht, ist der Bezug zur amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und zur Verfassung. Denn beide wurden sehr direkt in Reaktion auf einen als Tyrannen empfundenen König – King George III. – verfasst, der die damaligen Übersee-Kolonien aufs Bitterste ausbeutete ohne den Bewohnern dieser Kolonien auch nur ein Jota Mitspracherecht zu gewähren. Niemals mehr wollte man von einem König, einem Monarchen, einem absolut(istisch)en Herrscher regiert werden. Die in den USA sich ausbreitenden „No Kings“-Demonstrationen gegen die Regierung Trump nehmen direkten Bezug auf diese Passagen.

Clüver Ashbrook leitet aus der Lektüre der Dokumente die Frage ab, inwiefern Trump eigentlich genau diese Maßstäbe – die eines Königs, eines Monarchen, eines absolut(istisch)en Herrschers, letztlich eines Tyrannen – erfüllt? Nimmt man seine Äußerungen ernst, nimmt man seine Worte ernst und, vielleicht mehr noch, die Meme, die er gelegentlich über seinen eigenen Social-Media-Kanal Truth Social verbreitet und in denen immer wieder die Insignien absolutistischer Herrschaft auftauchen, dann muss man konstatieren, dass er selbst durchaus damit kokettiert, ein Monarch zu sein. Wählt mich noch einmal, so sagte er auf einer Wahlkampfveranstaltung, dann müsst ihr nie wieder wählen. Interessant daran – neben der Ungeheuerlichkeit der Aussage an sich – ist der Begriff „müsst“. Als sei eine Wahl eine schwere Bürde, etwas, das man mit bitterer Medizin vergleichen kann.

Wahlen sind dann auch eine der vielen, vielen Aspekte, die Clüver Ashbrook im Folgenden untersucht. So, wie die Trump-Administration bspw. die Wahlkreise neu zuschneiden, wie sie Briefwahlen beschränken will, wie sie immer neue Auflagen erfindet, um den Menschen den Zugang zur Wahlkabine zu erschweren, könnte ein Wahlgang demnächst tatsächlich ein sehr schwieriges und auch mühsames Unterfangen werden. Clüver Ashbrook bedient sich des bereits 2018 erschienen Analyse-Werks HOW FASCISM WORKS: THE POLITICS OF US AND THEM von Jason Stanley, das deshalb so interessant für eine Untersuchung wie diese ist, weil es eben keine ausgreifende theoretische Definition dessen gibt, was Faschismus eigentlich sei, sondern schlicht untersucht, was es im Titel ankündigt: Wie Faschismus funktioniert, welcher Methoden und Mittel er sich bedient. Und es ist erschütternd, wie exakt sich die Punkte, die Stanley aufzählt, bereits im ersten Jahr von Trump II erfüllen.

Clüver Ashbrook geht ihrem Gegenstand in fünf längeren Kapiteln nach. Sie untersucht die bereits erwähnte moderne Tyrannei und dann den Nährboden, der einen über 30 Jahren immer schärfer rechts blinkendem Konservatismus möglich machte, bis die Republikanische Partei – über Zwischenstationen wie die Tea Party und andere immer extremere, oft auch religiös motivierte Bewegungen – schließlich in den Armen von MAGA (Make America Great Again), der Bewegung an deren Spitze eben Donald Trump steht, landen konnte.

Wie wichtig für diese Entwicklung Sprache als Brandbeschleuniger gewesen ist und wie wesentlich also all die Rush Limbaughs oder Pat Buchanans, jene Moderatoren, die wie frühe Influencer das Vorfeld der Partei beackerten, wird hier ebenfalls noch einmal deutlich. Clüver Ashbrook zeigt den Weg der Zersetzung nach, welchen Trump eingeschlagen hat; vor allem aber untersucht sie die hinter dieser Zersetzung stehenden Organisationen, allen voran der Think Tank Heritage Foundation, die teils in jahrzehntelanger Grundlagenarbeit den bereits erwähnten Nährboden geschaffen haben, auf dem nun diese Bewegung – MAGA – erblühen konnte.

Dass Trump und die seinen im Grunde keine Ahnung haben von dem, was sie tun, hat die erste Amtszeit gezeigt. Dank der Heritage Foundation gab es allerdings für Trump II einen Plan: Project 25. Hier ist minutiös aufgezeigt, wie die zweite Trump-Administration – oder eine ihm entsprechende Regierung – vorzugehen habe, um den Staat in sehr kurzer Zeit irreversibel umzubauen, sodass der Rechten die Macht auf Dekaden hinaus gesichert ist. Trump, im Wahlkampf auf das Project 25 angesprochen, behauptete, noch nie davon gehört zu haben. Dafür, dass er angeblich noch nie von dem Papier gehört habe, wird es allerdings sehr zielgerichtet umgesetzt, und zwar praktisch seit Tag eins der zweiten Amtszeit.

Sowohl in diesem Abschnitt ihres Buchs als auch in dem folgenden zu den sich aus all dem zuvor Berichteten ergebenden Konsequenzen kann Clüver Ashbrook aufgrund ihrer Expertise vor allem auf jene Folgen eingehen, die eben nicht die Schlagzeilen bestimmen, sondern oft leise, schleichend, manchmal fast unbemerkt die Gesellschaft zersetzen, die Rechte untergraben und Fakten schaffen, die fürchterliche, weil zutiefst autoritäre Auswirkungen haben können. Dazu gehört u.a. die Tatsache, wer und was zukünftig alles als „Terrorist“ oder als „Terrorakt“ eingestuft werden könnte. Das erinnert stark an jene Art von Staatsumbau, den Viktor Orbán in Ungarn, Recep Tayyip Erdoğan in der Türkei in den vergangenen Jahrzehnten vorgenommen haben. Nach außen sind dies immer noch Demokratien, nach innen sind diese allerdings längst ausgehöhlt. Orbán hat dafür – ganz offen, völlig selbstverständlich – den Begriff der „illiberalen Demokratie“ geprägt. Er macht also nicht einmal einen Hehl daraus, dass er die Demokratie, wie sie im restlichen Europa verstanden wird – pluralistisch, offen, liberal, kompromissbereit, Minderheitenrechte schützend – ablehnt.

Es ist wichtig, dass es Experten wie Clüver Ashbrook gibt, die in den Maschinenraum der amerikanischen Demokratie blicken und das, was sie sehen, auch verstehen, die also die Gefahren vermitteln können, die eher subkutan lauern, deren Folgen auf Dekaden angelegt sind, die aber eben nur selten die Schlagzeilen bestimmen und von deren Wirkung diese Schlagzeilen letztlich sogar ablenken sollen. Trump scheut sich nicht, Gewalt anzuwenden, Menschen abzuschlachten (wie in seinem angeblichen „Krieg gegen die Drogen“ vor den Küsten Venezuelas) oder Kriege als Ablenkungsmanöver anzuzetteln, um zu verschleiern, was er wirklich tut und vorhat. Dazu gehört auch – und dieser Aspekt seiner Regierung wird mittlerweile zwar immer offener thematisiert, war aber erstaunlich lange eher ein Randthema – die unglaubliche Korruption, die diese Regierung ganz offen betreibt. Auch darauf weist Clüver Ashbrook sehr dezidiert und vor allem differenziert hin.

Ohne den Weckruf am Ende des Buchs abwerten zu wollen, ist er doch im Vergleich zu den vorhergehenden Kapiteln eher zu vernachlässigen. Zu bekannt, was Clüver Ashbrook hier aufbietet, zumal man bedenken muss, wer ein Buch wie dieses liest. Es werden jene sein, die eh interessiert sind und deshalb auch gut informiert. Interessant an diesem Abschnitt ist dann vor allem, wie die MAGA-Bewegung und mit ihr die im Buch ebenfalls mehrfach angeführten Tech-Moguln, deren Agenda, den Staat als solchen abzuschaffen, auf irritierende Art mit Trumps Politik korreliert, sich um Einfluss auch auf europäische, damit natürlich auch auf deutsche Rechtsparteien, sprich: die AfD, bemühen.

Ist also alles zu diesen drängenden Themen von allen gesagt? Ja, sicher, vieles wiederholt sich. Und doch kann man nicht oft genug nachlesen und sich darüber bilden, wie Bewegungen wie MAGA sich Einfluss und vor allem Macht gewinnen und ausüben und sichern wollen. Weltweit.
Profile Image for A YOGAM.
3,000 reviews17 followers
January 29, 2026
In ihrem Werk „Der amerikanische Weckruf“ (2026) serviert uns Cathryn Clüver Ashbrook den politischen Espresso, den wir brauchen, um aus dem europäischen Dornröschenschlaf der „stabilen Institutionen“ aufzuwachen. Während die USA eigentlich mit Konfetti und 250 Kerzen ihr demokratisches Jubiläum feiern wollten, bläst Donald Trump in seinem zweiten Jahr der Rückkehr die Kerzen nicht nur aus, sondern baut den ganzen Kuchenstand kurzerhand in eine autoritäre Festung um.
Clüver Ashbrook räumt mit dem charmanten Vorurteil auf, Trump sei lediglich ein chaotischer Einzelfall mit Vorliebe für Großbuchstaben und soziale Medien. Stattdessen entlarvt sie ein strategisch kohärentes Projekt der Demontage: von der gezielten Schwächung der Gewaltenteilung über die Aushöhlung unabhängiger Institutionen bis hin zur ideologischen Umgestaltung des Bildungssystems.
Das wirklich Unbequeme an diesem Buch ist jedoch der Spiegel, den es uns vorhält. Die Autorin zeigt, dass die Blaupause dieses Umbaus längst den Atlantik überquert hat und auch in europäischen Demokratien – nicht zuletzt in deutschen Vorgärten – erste Pflänzchen der politischen Fragmentierung treibt. „Der amerikanische Weckruf“ ist weniger eine Analyse der USA als ein Handbuch demokratischer Selbstverteidigung. Es erinnert uns daran, dass Freiheit kein Selbstläufer ist – und dass wir später kaum glaubwürdig behaupten können, wir hätten von nichts gewusst, während wir die Warnsignale als bloße „Störungen im Betriebsablauf“ abtaten.
Während Vilaine und Afonso in ihrem Werk „Le retour de la puissance en géopolitique: Bienvenue dans le vrai monde“ uns mit kühler analytischer Präzision klarmachen, dass im „wahren Leben“ der Geopolitik meist das Recht des Stärkeren regiert, liefert Cathryn Clüver Ashbrook gleichsam unfreiwillig das Fallbeispiel dafür, wie schmerzhaft der Aufprall ist, wenn eine wertebasierte Vision – etwa ihre unter Baerbock beratene „feministische Außenpolitik“ – auf die unerbittliche Realität autoritärer Machtansprüche trifft.
Es ist die eigentliche Krönung der transatlantischen Ironie: Da schreibt eine ausgewiesene Expertin ein flammendes Handbuch zur Rettung der Demokratie, während man in Berlin noch darüber rätselt, was von ihrer eigenen praktischen Bilanz geblieben ist. Es hat fast etwas Tragikomisches, wenn Ashbrook mit messerscharfer Präzision die Erosion von Institutionen analysiert, nachdem die von ihr mitkonzipierte „feministische Außenpolitik“ im Auswärtigen Amt eher als gut gemeinte Fußnote denn als geopolitisches Schwergewicht geendet ist.
Der Bruch zwischen Theorie und Praxis ließe sich kaum deutlicher illustrieren. Man könnte fast spöttisch sagen: Während sie Baerbock dabei beriet, wie man die Welt mit wertebasierter Soft Power umarmt, haben die harten Realitäten der Macht – von Moskau bis Teheran – diese Vision geräuschlos, aber konsequent ins Leere laufen lassen. Es ist eben ein gewaltiger Unterschied, ob man die „Vierte Stufe des Zynismus“ theoretisch bei Sloterdijk nachliest oder ob man versucht, ihr mit einem moralischen Kompass zu begegnen, der in der „echten Welt“ der Panzer und Pipelines kaum noch Norden findet.
So bleibt Ashbrooks Buch ein brillantes Frühwarnsystem für die Zukunft, während die Trümmer ihrer diplomatischen Beratertätigkeit eher als Mahnmal dafür dienen, dass gute Absichten allein gegen strategische Walzen wenig ausrichten. Zwischen Analyse und Anwendung klafft hier jene Lücke, die Vilaine und Afonso mit brutaler Ehrlichkeit als Grundzustand der Gegenwart beschreiben.
Profile Image for litart toujours.
41 reviews10 followers
January 29, 2026
Kannte die Dame schon vorher durch ihr seriöses und kompetentes Auftreten im öffentlichen Rundfunk (phoenix – Presseclub). Als ich dann vor ein paar Tagen von ihr einen Kommentar zur Erschießung Goodwills hörte und dort der ersten guten Kontextualisierung der aktuellen strukturellen Zuspitzung in Form der Erstarkung und Befugnisse der Behörde ICE in den USA („ausgestattet inzwischen wie das italienische/ niederländische Militär“) und auch der ERSTEN unverblümten Einschätzung einer Journalist*in dieses Wahnsinns teil werden konnte, habe ich mir ihre wissenschaftlichen Publikationen durchgelesen und herausgefunden, dass just dieses Buch erschien.

Dieses Buch ist wirklich die ALLERERSTE Analyse, die ich lese, die hinaus über die sonstigen Berichte kommt. Gefühlt berichten die Journalisten aus den Vereinigten Staaten der Ära Trump (denke bspw. an Elma Tevelsen und den einen Glatzkopf vom ZDF) zwar schockiert und berührt, aber nichtsdestotrotz klingt dann stets dort eine Distanz an, die den Anschein birgt, als sei dieses Land und der Wahnsinn alles weit weg. In mir persönlich evoziert das immer ein Gefühl, wie es alte Berichterstattung aus dem Irak-Krieg und anderen Ländern, die vorher in rassistischer bürgerlicher Manier als „Dritte Welt“ bezeichnet wurden – eine Bezeichnung IMMENSER „westlicher“ Überheblichkeit, die Rückständigkeit, Unzivilisiertheit, Unmenschlichkeit etc. ausgedrückt hat. Diese mutmaßliche tonale und sprachliche Distanz ist aber komplett psychotisch. Der „westliche“ Bürger, der durch das Los der „geographisch günstigen“ Geburt in einer Region mehrere Generationen auf Grundlage dieses Zufalls und der sich ergebenden Machtasymmetrien ein Leben in Milch und Honig genießen konnte – diese Generationen an globaler Entfremdung scheinen nun mit dem hier Geschilderten weiterhin in der Berichterstattung durch: Die USA, dessen gesellschaftlicher und ökonomischer Horizont (selbst in der Wissenschaft) als europäischer Erwartungshorizont präsentiert wurde, fällt in Faschismus und Bürgerkrieg und hiesige kulturelle Eliten im Westen können nur darüber berichten, als hielte es sich um ein fremdes Problem, obwohl hier in Europa die Faschisten bereits die Messer wetzen.

Diese vermutete tiefenpsychologische Verdrängung ist für mich auch der Grund, weshalb bisher KEINE so einen brillanten und illuminierenden, kontextualisierenden Bericht der aktuellen Entwicklungen entworfen hat, der die wesentlichen Punkte der Faschismuswalze der US-Regierung und deren Mechaniken darstellt. Ein Blick auf die Sachlage offenbart, wie schlecht es in Europa um uns steht – viele der Maßnahmen, die zum Erstarken der Faschisten in den USA umgesetzt wurden, werden auch hier ergriffen. Das kommt nicht von ungefähr. Das Schema beruft sich auf viele polit-technische Überlegungen, die auf Grundlage Antonio Gramscis und Carl Schmitts ablaufen. Frau Ashbrook liefert hier genau diese Kontextualisierung der verschiedenen Elemente der Faschismus-Walze und bietet ohne elitäre Voraussetzungen an den Leser genau diesem eben diese Systematik der Maßnahmen und die Wirkungsweise der einzelnen Elemente an. Sie zeigt, was noch auf uns zukommen könnte, und was wir noch tun können.

Absolute Empfehlung.

Gramsci: Wir brauchen Pessimismus des Geistes und Optimismus des Willens
Profile Image for Daniela.
218 reviews2 followers
January 30, 2026
Fakten basiert und in einem sehr eingängigen und flüssigen Schreibstil geht Clüver Ashbrook in ihrer Abhandlung auf die veränderten Rahmenbedingungen, insbesondere in der amerikanischen Politik und Gesellschaftsstruktur ein. Sie zeigt auf, wie Rechte und christliche Fanatiker unter Trump die Demokratie nicht nur unterwandern, sondern sie schlichtweg aushebeln.
Sie zieht parallelen, aber auch Abgrenzung zu anderen Regierungen, sowohl vormalige amerikanische Regierungen, als auch autokratischen System weltweit. In ihrer Ableitung zeigt sie auf, welche Auswirkungen die Veränderungen nicht nur auf die amerikanische Gesellschaft haben, sondern insbesondere auf Weltwirtschaft und die Stabilität des globalen Friedens. Zuletzt bildet sie durchaus Ableitungen für Deutschland, auch vor dem Hintergrund der AfD Bedrohung. Ein für mich sehr wichtiges Buch, dass mich jedoch in meiner Sorge vor den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, die wir derzeit erleben, leider bestärkt und wenig beruhigt.
Profile Image for yellowdog.
879 reviews
January 14, 2026
Ein Weckruf, den man nicht überhören darf

Die deutsch-amerikanische Politikwissenschaftlern Cathryn Clüver Ashbrook ist mir mit ihren klugen Aussagen schon oft aufgefallen, in Gesprächen im Radio oder bei Politiktalkschows im Fernsehen.
Sie ist fähig, Aussagen über den gesellschaftlichen Zustand der USA zu geben. Sie hat profunde Kenntnisse und kann gezielt zusammenfassen und Schlüsse ziehen. Sie schreibt auch über die erschreckenden Konsequenzen.

Und im letzten Kapitel schreibt sie, wie wichtig es für Deutschland ist, den amerikanischen Weckruf nicht ungehört zu lassen, damit nicht auch hier ein gesellschaftlicher Zusammenbruch folgt.
Das Buch ist nicht umsonst in der Debattenreihe Auf den Punkt. Es kommt genau auf den Punkt!
392 reviews1 follower
February 16, 2026
Es ist erschreckend, was alles möglich ist, wenn man keine Skrupel hat. Ashbrook zeigt mit welcher umfassenden Brutalität Trump und Konsorten ihren Interessen folgen – und dabei gruselig erfolgreich sind. Dass Faschismus und die antidemokratische Bewegung keineswegs nur ein USA-Phänomen sind, macht das Problem nicht leichter zu lösen.

Europa muss sich auf diese Entwicklung vorbereiten und ihr in unseren eigenen Ländern entschieden entgegentreten. An dieser Stelle hätte ich mir allerdings konkretere Handlungsstrategien gewünscht.
Profile Image for Georg.
23 reviews1 follower
March 22, 2026
Die Autorin gibt den aktuell rundesten und gleichzeitig verdaulichsten Blick auf das in den Autoritarismus abdriftende US-Amerika. Es ist flüssig geschrieben, logisch aufgebaut und in seiner Tiefe ausreichend, um die aktuellen Debatten, Tendenzen und Gefahren zu verstehen.
Das Buch bietet keine umfangreiche Handlungsanweisung für eine resiliente Demokratie aber bestärkt uns Europäer:innen, aus dem, was wir mit Schrecken ansehen, mutiger unsere Schlüsse zu ziehen und unsere Demokratie zu verteidigen.
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