Die Mathematikstudentin Charlie sitzt mit einem blauen Auge in der U-Bahn. Eben hat sie noch »schlechter Mensch« gegoogelt, jetzt ist sie auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining für Frauen. Nur wenn sie daran teilnimmt, darf sie weiter bei ihrer besten Freundin Ella wohnen. In die eigene Wohnung kann sie nicht zurück. Doch mit den »Schwerverbrecherinnen«, die sie in der Gruppe anzutreffen vermutet, will Charlie nichts zu tun haben. Ist es denn ihre Schuld, dass ihr Exfreund Valentin sie immer wieder zur Weißglut trieb? Dabei hatte es gut angefangen: Mit ihm an der Seite fühlte sie sich endlich schön, als besserer Mensch. Bis es eskalierte. Erst im Austausch mit den anderen Frauen beginnt Charlie, sich ihrer eigenen Verantwortung zu stellen, die Geschichte neu zu erzählen. Mit Ellas Unterstützung kämpft sie sich aus der Spirale von Wut, Schmerz und Scham heraus.
Mit Leichtigkeit und Witz erzählt Clara Leinemann in Gelbe Monster von einer Beziehung, die perfekt zu sein scheint – bis sie es nicht mehr ist. Von tradierten Liebesidealen, weiblicher Gewalt und emotionaler Abhängigkeit. Ein mitreißendes Debüt, dessen Antiheldin so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.
Mit »Gelbe Monster« hat Clara Leinemann die Messlatte für alle zukünftigen Debütromane extrem hochgegangen.
Man möchte Valentin und Charlie schütteln und sagen „Trenn dich“, „Wieso machst du das?“ und gleichzeitig versteht man mit jedem Satz mehr, dass das eben nicht geht - das toxische und gewalttätige Beziehungen so komplex sind und nicht in schwarz und weiß unterteilt werden können.
Ist Charlie ein schlechter Mensch? Und was würde sie zu einem guten machen? Auf 191 begleiten wir die Antiheldin und mit jeder falschen Entscheidung, die sie trifft, verstehe ich das Ausmaß, ihre Verletzlichkeit und Absurdität immer mehr. Ein großartiges Buch!
„[...] dir ist schon klar, dass das Gaslighting ist, was du gerade machst?“ sagt Charlie zu ihrem Freund Valentin, „Jetzt tu nicht so, als hättest du Angst vor mir.“ Charlie weiß gar nicht, was sie beim Antiaggressionstraining für Frauen soll. Sie ist doch gar nicht das Problem? Valentin ist halt nur zu einfältig, da ist es doch nicht ihre Schuld, wenn die Wut mal Überhand nimmt. Eine Ohrfeige ist doch auch lange noch keine Gewalt?! Doch ihre Freundin Ella besteht darauf, dass Charlie dahin geht und Ella ist der einzige Mensch, den Charlie noch hat. Also geht sie hin, sitzt mit fremden Frauen zusammen, die teilweise schon Gefängniserfahrung gesammelt haben. Und Charlie? Wie sieht ihre Zukunft aus? ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Nach langer Zeit ist „Gelbe Monster“ mal wieder ein Buch mit einer Anti-Heldin. Durch Charlies POV wird schnell deutlich, dass sie einen hohen Geltungsdrang und eine leicht verzerrte Wahrnehmung hat. Sie bringt sich gerne in die Opferrolle und empfindet sich als von der Welt ungerecht behandelt. Sie kämpft und kämpft und kämpft, am meisten gegen sich selbst. In zwei Erzählebenen schafft Clara Leinemann einen sehr guten Lesesog 💥 ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Ich habe das Buch richtig gerne gelesen, auch wegen dem angenehmen Schreibstil. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen und habe Charlies Geschichte gern verfolgt, auch wenn sie einem nicht sympathisch ist. Trotzdem will man herausfinden, warum sie so ist und ob sie sich ändern kann. Zum Ende hin hätte es für mich noch ein wenig definierter sein können, Ella und Valentin waren für mich nur bedingt „vollständige“ Charaktere - gleichzeitig macht es sie aber auch menschlicher. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Eine ungewöhnliche, besondere Erzählung, die Gewalt schildert, die von Frauen ausgeht. Ein Roman über häusliche Gewalt, über Wut, Opferrollen und Gewaltkreisläufe. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Absolute Empfehlung, für mich ein kleines Highlight! ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ 4,25/5 ⭐️
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Rezensionsexemplar I Vielen Dank @suhrkampverlag @netgalleyde 💛
Clara Leinemanns Roman „Gelbe Monster“ ist ein interessantes und kurzweiliges Debüt, das mir wegen seiner flüssigen, stringenten Erzählweise und dem ungewöhnlichen Thema gefallen hat. Im Mittelpunkt steht Charlie, die ihrer Freundin Ella zuliebe an einem Antiaggressionstraining für Frauen teilnimmt, obwohl sie sich selbst keiner Schuld bewusst ist.
In Rückblicken erfährt man dann, wie nach und nach die Dynamik zwischen Charlie und ihrem Ex-Freund Valentin eskaliert ist und wie Charlie gewalttätig wird, wie besessen Charlie von Valentin ist und wie sehr sie in einer Traumwelt lebt, neben der die Realität enttäuschend sein muss. Als Leserin pendelt man dabei gedanklich zwischen Charlie und Valentin hin und her, weil man versucht, ihre jeweiligen Motive zu durchschauen. Da alles aus Charlies Perspektive erzählt wird, hat man jedoch nur unzuverlässige Informationen. Dennoch hätte ich mir stellenweise noch mehr Hintergrundinformationen zu Charlie und insbesondere zu Valentin gewünscht, um ihre Gründe, warum beide so lange an der Beziehung festhalten, zu erfahren.
Insgesamt ist „Gelbe Monster“ trotz des ernsten Themas ein unterhaltsamer Roman mit interessantem Thema, der für mich jedoch noch etwas mehr Tiefe hätte haben dürfen.
Charlie fühlt sich wertlos. Woher dieses Gefühl kommt, wird in Clara Leinemanns großartigen Roman "Gelbe Monster" nur angedeutet, worin sie resultiert, in aller Drastik erzählt. Wut wird zu Charlies Katalysator, wilde, rohe Wut, die in Gewalt ausartet. Gewalt sich selbst gegenüber, aber auch gegenüber ihrem Partner, der ihr weder genug Aufmerksamkeit gibt, noch emotional kommunizieren kann. Also manipuliert sie ihn. Fügt ihm psychische und physische Gewalt zu, bis die Situation komplett eskaliert. Ich habe mich doll erwischt gefühlt, beim Lesen dieses Buches. Weilich Verständnis mit Charlie hatte. Verständnis mit den anderen Frauen in ihrer Anti-Agressionsgruppe, die alle gewalttätig waren. Meistens gegenüber Männern. Meistens mit einer Vorgeschichte. Natürlich ist Gewalt nie eine Lösung (es sei denn als Selbstverteidigung) und Charlies Verhalten ist moralisch falsch. Würde ein Mann sich so verhalten, würde ich das ganz klar verurteilen. Woher also mein Verständnis, meine Solidarität mit ihr, obwohl sie mich auch sehr oft, sehr genervt hat? Vielleicht, weil wir Frauen oft noch zu wenig, zu leise wütend sind. Weil wir Wut doch eher gegen uns selbst als gegen andere richten. Und weil die Männer in diesem Buch wirklich nerven. Ein Roman, über den ich noch lange nachdenken werde - und das ist irgendwie immer gut.
Charlie und Valentin begegnen sich so, wie es eigentlich nur Menschen im Film passiert. Doch was wie eine Rom-Com beginnt, prallt bald auf die harte Realität. Monate später sitzt Charlie in der Bahn, mit einem blauen Auge und einer gebrochenen Hand, auf dem Weg zu einem Anti-Aggressionstraining für Frauen. »Sie hatte sich doch nur verliebt, ist das eine Straftat, oder was?« Doch nach und nach beginnt Charlie ihre Beziehung zu Valentin mithilfe der Gruppe und ihrer besten Freundin Ella zu reflektieren. Wie konnte es so weit kommen? Und wer hat Schuld?
Clara Leinemann hat mit »Gelbe Monster« ein krasses Debüt vorgelegt – inhaltlich wie sprachlich. Ich habe den Roman innerhalb von zwei Tagen inhaliert, da ich unbedingt wissen musste, wie die Geschichte endet und was alles dahinter steckt. Charlie ist eine unglaublich spannende Antiheldin, an deren Perspektive deutlich wird, das nichts nur schwarz oder weiß, gut oder böse ist. Die Wut und Gewaltbereitschaft, die in ihr stecken, fand ich erschreckend, zum Teil aber auch erschreckend nachvollziehbar. Machen ihr Verhalten und ihre Gefühle sie zu einem schlechten Menschen, zu einem Monster?
»Gelbe Monster« zeigt sehr eindrücklich, wie komplex Beziehungen sind, wie schnell toxische Muster entstehen und aus Liebe emotionale Abhängigkeit oder gar Kontrolle werden können. Ein so starkes Debüt, das ich sehr empfehlen kann – besonders für Fans von »Gym« von Verena Kessler und »Die schönste Version« von Ruth Maria Thomas.
Diese relativ knappe, unverblümt erzählte Geschichte hat mich von Anfang an reingezogen: Charlie, PhD-Studentin der Mathematik, versucht, Blutergüsse in ihrem Gesicht zu überschminken. In der Bahn redet sie sich ein, dass die elegante Frau, die ihr gegenüber sitzt, eine Therapeutin sein könnte und startet so etwas wie einen Hilferuf. Die vermeintliche Therapeutin reagiert abweisend.
Nichts ist wie es auf den ersten Blick scheint in diesem Debütroman, schon gar nicht die Protagonistin. Charlies beste Freundin, bei der sie Unterschlupf gefunden hat, droht mit Rausschmiss, sollte Charlie nicht an einem Antiaggressionstraining teilnehmen. In der Beratungsstelle erklärt Charlie der Leiterin des Trainings, dass sie nicht aufhören könne, ihren Ex Valentin zu lieben, obwohl er sie so schlecht behandelt habe und dass sie sich für verrückt halte.
„Gelbe Monster“ erzählt von einer jungen Frau, die sich selbst immer wieder als faul, hässlich, durch und durch unzulänglich wahrnimmt, als schlechten Menschen, den niemand lieben kann. Diese erlernte Selbstwahrnehmung, amplifiziert durch eine patriarchalische Gesellschaft voller Vergleichszwang und Selbstoptimierung, schleicht sich in ihre Beziehung zu dem unerreichbar auftretenden Valentin und führt zu zerstörerischer Wut und Gewalt. Schwere Themen, leichtfüßig, fesselnd und vor allem relatable verpackt.
Die Toxizität von heteronormativem Dating mit seinen Erwartungshaltungen an Verhalten und Romantik, seinen Abhängigkeiten und seiner Doppelmoral wird in „Gelbe Monster“ durch ungewohnte Perspektiven deutlich.
richtig starchs debut, ghört für mich chli ih die chlichi sparte wie "die schönste version", da es au um eh toxischi beziehig gaht, aber nomal 10x so spannend zum lese. kanni wük jedem empfehle 4.75/5, da ihre stil no sehr roh isch und sie sich no drin finde chan:)
Das war nen wilder Ritt. Finds ganz crazy wie doll ich mich in den Verhaltensweisen der Protagonistin wieder gefunden habe und dann wieder nicht weiter davon hätte entfernt sein können und das alles während ich sie nicht auf einer einzigen Seite leiden konnte. Ein ganz spannendes Buch über das Tabu weiblicher Wut.
Von Fine geliehen und in wenigen Stunden komplett verschlungen. zwischendrin mehrfach die Krise bekommen und genau das will das Buch: es regt wirklich so zum Nachdenken an und löst so viele Gefühle aus und bitte lest das mal alle, damit ich noch mit mehr Leuten drüber sprechen kann 🙏
In ein paar Stunden weggelesen, obwohl eigentlich keine Zeit, aber konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil hat mir sooo, so gut gefallen. Hat mich emotional sehr berührt und war zugleich manchmal schwer auszuhalten, diese Geschichte mitzuerleben.
5 ⭐️ Ich wollte nicht Schlafen gehen, weil das bedeutet hätte das Buch aus der Hand legen zu müssen. Eigentlich sagt das schon alles! Ein unheimlich kluges, relevantes und gut geschriebenes Buch. Thematisch hat es mich sehr an Die schönste Version erinnert, allerdings mit dem Unterschied, dass die Gewalt bei Gelbe Monster vor allem von einer Frau ausgeht, was es für mich noch spannender gemacht hat. Die Geschichte hat in mir so ein großes Unbehagen (und zwar auf eine Gute Weise) ausgelöst - nicht nur, weil ich die Gedanken und Taten der Protagonistin verabscheue, sondern auch, weil es mich auf unbequeme Art zum Reflektieren eigener toxischer Verhaltensweisen in romantischen, aber auch platonischen Beziehungen zwingt. Dabei verfällt die Autorin aber nie ins Plakative, indem sie den Lesenden eine ‚richtige’ Interpretation vorgibt, sondern überlässt ihnen die Entscheidung, woher die Verhaltensweisen der Protagonistin rühren und was für eine Rolle ihr Partner, Kindheitserfahrungen und weibliche Sozialisation dabei einnehmen. Auch spielt sie mit den Erwartungen der Lesenden und hinterlässt sie hinterher mit dem Rätsel, wie wichtig denn nun ‚die‘ eine Tat ist und ob nicht eher unser Voyerismus nach der Beschreibung verlangt. Das Buch hat eine immense Kraft und wird auch in den nächsten Monaten noch bei mir nachhallen. Ich bin gespannt und in freudiger Erwartung auf das, was von der Autorin noch folgen wird.
Unbedingt lesen! Ich war die ganze Zeit zwischen Sympathie, Ablehnung und Mitgefühl hin und hergerissen und konnte es an vielen Stellen kaum aus der Hand legen. Die Zeitsprünge waren super klug gesetzt. Was ein Debütroman!
Kriegt 4,5 Sterne. Ich fand das Buch mega, absolute Empfehlung! Hat mich sehr gecatched, hab's in zwei Sitzungen durchgelesen gefühlt. Es lässt ein paar Fragen offen aber das ist auch irgendwie realistisch bei dem Thema. Besonders gut hat mir gefallen, wie emotional verzerrt der Erzählstil war.
In „Gelbe Monster“ von Clara Leinemann, erschienen im Suhrkamp Nova Verlag, geht es um Charlie, die nach einer gewaltvollen Auseinandersetzung bei ihrer Kindheitsfreundin Ella wohnt und im Antiaggressionstraining landet. In Rückblenden lernen wir gemeinsam mit Charlie ihren Freund Valentin und deren Beziehung kennen, sowie den Vertrauensverlust und die Unsicherheit der beiden. Sie erinnert sich an ihre Kindheit, an Verluste und an die Beziehung zu ihrer Mutter. Im Jetzt geht sie in die Gruppensitzungen, konstruiert Tathergänge und hilft Ella und ihren Freundinnen bei ihrem großen Baustellenprojekt. Die Stimmung steigert sich bis zum Finale im damals und im jetzt. Leinemanns einfache, kraftvolle Sprache lässt einen durchs Buch fliegen und macht Charlie sehr nahbar. Für mich hat das Buch eine starke Verbindung zu „Die schönste Version“ von Ruth Maria Thomas, denn auch dort geht es um eine Frau, die Gewalt in einer Beziehung erlebt und mit Rückblicken arbeitet. Der Titel gelbe Monster nimmt Bezug zu der vergilbten Tapete in ihrer Wohnung und den Monstern und Dämonen, mit denen sie in der Dunkelheit zurechtkommen muss.
habs schon vor ewig fertiggelesen und gefühlt so viel drüber geschrieben und geredet, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ichs wirklich fand 😭 aber naja is ne interessante perspektive und hat sich gut weglesen lassen (auch wenn ich stellenweise ein bisschen zu sehr mit charlie relaten konnte und dann kurz krise geschoben hab naja)
und ich hab mich gefragt, ob der titel (und worauf er sich im roman bezieht) ne anspielung auf „the yellow wallpaper“ ist aber vielleicht auch nur das eine amerikanistik modul was da aus mir spricht (hätte sie das ja gerne gefragt aber pustekuchen)
„Überhaupt passiert alles viel zu schnell, da ist irgendwas in mir, das raus muss, es fühlt sich an, als müsste ich kotzen oder schreien, es ist eine Energie, die aus meinem Körper nach draußen muss, wie ein Bewegungsdrang.“
Ein Buch über weibliche Wut, Selbstwertproblematik, emotionale Abhängigkeit und die Wichtigkeit von ehrlicher Freundinnenschaft. Ich wünschte, ich würde an vielen Stellen weniger mit Charlie relaten können. Diese Geschichte wird mich mit Sicherheit noch lange beschäftigen.