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Die Riesinnen

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»Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken, zurechtgebogen zu Menschenform. Dünn und stark und langgestreckt: Keine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier.«

Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen, alle groß und dünn, sie überragen die meisten Dorfbewohner und wollen so gar nicht in die Gemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die in den 60er Jahren still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald liebt und als Försterin in und mit ihm lebt.

Wohin gehören wir? Was ist Heimat? Und was bedeutet wirkliche Freiheit?

In dunkler, satter, aber auch zarter Poesie erzählt Hannah Häffner mit stilistischer Präzision, feinem Humor und einer subtilen Beobachtungsgabe die Geschichte dreier Frauen, die lange nachhallt.

416 pages, Hardcover

Published February 25, 2026

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Hannah Häffner

4 books13 followers

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576 (35%)
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2 stars
18 (1%)
1 star
5 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 165 reviews
Profile Image for Sternenstaubsucherin.
853 reviews1 follower
April 19, 2026
Das war ein Highlight.
Wunderbar erzählte Familiengeschichte. Drei Frauen, drei Leben.
Und alle beeinflussen einander auf so unterschiedliche Art und Weise. Das hat richtig Spaß gemacht.
Sehr lebensklug. Ich hab soviel notiert und gekennzeichnet.
Ein Kandidat für eine Leserunde. Werde es meinem Lesekreis vorschlagen. Hier lese ich gerne noch einmal mit!
Leseempfehlung aus tiefsten Herzen!
Profile Image for Sarah Sophie.
328 reviews262 followers
March 26, 2026
Ein atmosphärisch dichter Roman, der im Schwarzwald spielt und sich mit mehreren Frauengenerationen einer Familie auseinandersetzt. Im Zentrum stehen die sogenannten „Riesinnen“, die sich immer wieder mit gesellschaftlichen Erwartungen und Ausgrenzung konfrontiert sehen.

Zu Beginn lernen wir Liese kennen, die erste der drei Frauen. Nach dem Tod ihres Mannes übernimmt sie die Metzgerei und entscheidet sich bewusst für ein eigenständiges Leben ohne Mann. Liese ist mir schnell ans Herz gewachsen, und ich habe ihre Entwicklung sehr gerne verfolgt. Besonders hervorzuheben ist die Sprache: Ich habe zahlreiche Passagen markiert – stilistisch wirklich ein Genuss, mit vielen eindringlichen und atmosphärischen Bildern.

Gleichzeitig hatte ich – ähnlich wie andere Stimmen – stellenweise Schwierigkeiten mit der Ausgestaltung dieses Handlungsstrangs. Vor allem die Frage, wie realistisch es ist, dass Liese die Metzgerei ohne Meistertitel weiterführen kann, blieb für mich etwas zu wenig beleuchtet. Gerade vor dem historischen Hintergrund wirkt dieser zentrale Aspekt der Geschichte nicht ganz stimmig. Auch kam mir Margret, Lieses Schwiegermutter, zu wenig ausgestaltet vor. Diese Figur hätte so viel zu erzählen gehabt, sie blieb aber leider eher blass.

Lieses Tochter Cora wiederum war für mich schwer zugänglich: sehr wütend, sogar bereits als Kleinkind, oft unbedarft und eher dazu neigend, Problemen auszuweichen statt sie anzugehen. Ihre Entwicklung konnte ich daher emotional nicht immer gut greifen.

Erst mit der Enkelin Eva hat mich der Roman wieder stärker abgeholt. Ihre Rückkehr ins Dorf erfolgt aus einer eigenen, bewussten Entscheidung heraus und wirkte auf mich deutlich stimmiger und nachvollziehbarer.

Sehr gelungen fand ich durchgehend die Atmosphäre im Schwarzwald, die dem Roman eine besondere Dichte verleiht. Auch die Einbettung gesellschaftlicher Themen und Veränderungen ist spürbar, ohne zu aufdringlich zu wirken.

Im Vorfeld hatte ich viele begeisterte Stimmen zu diesem Buch gehört, weshalb es gar nicht so einfach war, unvoreingenommen heranzugehen. Insgesamt ist mir das aber gelungen, auch wenn ich manche Kritikpunkte durchaus nachvollziehen kann.

Ein sprachlich sehr starker Roman mit eindrucksvoller Atmosphäre und interessanten Figurenansätzen. Nicht alle Aspekte sind für mich vollständig aufgegangen, insgesamt überwiegen aber die positiven Eindrücke.
Profile Image for LeserinLu.
414 reviews56 followers
April 22, 2026
Der Roman „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner erzählt die Geschichte von drei Frauengenerationen in einem kleinen Schwarzwalddorf. Obwohl das Motiv von Müttern und Töchtern nicht neu ist, entwickelt der Text aufgrund seiner tollen Sprache eine ganz eigene, eindringliche Atmosphäre. Im Zentrum stehen Liese, ihre Tochter Cora und ihre Enkelin Eva, die alle auf ihre Weise aus der Dorfgemeinschaft herausragen. Der Roman begleitet sie von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart und verwebt persönliche Entwicklungen mit gesellschaftlichen Veränderungen.

Was mich von Beginn an begeistert hat, ist die Sprache. Sie ist gleichzeitig bildreich und präzise, poetisch und nüchtern, manchmal fast kühl und dann wieder überraschend zart. Diese besondere Mischung sorgt dafür, dass man sehr schnell in die Geschichte hineingezogen wird: Ich bin durch den ersten Teil regelrecht geflogen. Der leicht melancholische Ton trägt viel zur dichten Atmosphäre bei und passt gut zu den Themen des Romans.

Inhaltlich bleibt die Geschichte zunächst recht nah an bekannten Mustern: das schwierige Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, der Wunsch nach Ausbruch und die Frage nach Zugehörigkeit. Trotzdem wollte ich unbedingt weiterlesen. Gleichzeitig wurde die Handlung für mich zunehmend vorhersehbar und es gab einige Längen. Auch das Ende war für mich nicht die spannendste Möglichkeit, die Geschichte zu beenden. Dennoch gab es immer wieder einzelne Sätze und Gedanken, die herausgestochen haben.

Insgesamt ist „Die Riesinnen“ ein sprachlich beeindruckender Roman mit starker Atmosphäre und interessanten Figuren, der inhaltlich nicht immer ganz überraschen kann, aber durch seine erzählerische Qualität dennoch lesenswert bleibt.
Profile Image for Nadine Schrott.
727 reviews83 followers
May 27, 2026
Ein wunderbares Buch!

Drei Generationen starke Frauen meistern ihr Leben in einem abgeschiedenen Schwarzwald Dorf....und kämpfen gegen die Vorurteile und Zwänge ihrer Zeit und Zeitgenossen.

Sprachlich ausgefeilt und intensiv.....ein wirklich, wirklich guter Familienroman der sich erfreulich aus der Massenproduktion abhebt!

Absolut lesenswert!
Profile Image for Sarah.
211 reviews15 followers
December 11, 2025
"Der Himmel ist wasserfarbenblau und wolkenlos, die Wälder sind zackenscharf gezeichnet, die Wiesen noch sommergrün. Ein Tag, der warm sein müsste, wenn man aus dem Fenster blickt, der einen aber mit seiner klaren, frischen Luft erwischt und frösteln lässt, wenn man vor die Tür geht."

"Es riecht feucht und nach mehreren Sommern gleichzeitig. Nach dem vergorenen Laub und den rottenden Nüssen der letzten Jahre, nach den dunkelgrünen Blättern und den jungen Flechten der letzten Wochen."

"Das Leben hat ein Davor und ein Danach verpasst bekommen, und das Danach ist so groß, so unendlich, dass ihr Kopf es einfach nicht begreifen will."

"Der Winter ist so kalt, so lang, dass man ihn gerade noch übersteht, ohne verrückt zu werden. Das ist übrigens die größte Lüge: der Geruch von Tauwetter, den man tief in der Kehle wahrnimmt, metallisch und gläsern zugleich, verbranntes und wieder feucht gewordenes Holz. Er ist eine Verheißung von Glück, das es nicht geben wird, denn auch wenn der Schnee fort ist, ist alles, was darunter zum Vorschein kommt, nicht besser als das, was davon zu Beginn des Winters zugedeckt wurde. Es ist alles so, wie es vorher war, auch wenn sich jetzt alles ändert."

"Die Farben fallen von den Wänden. Erst die dunklen, dann die kräftigen, dann die blassen, bis nur noch Weiß über ist. Fallen zu Boden und zerbrechen."

"Sie will schon gehen, da fällt ihr noch etwas ein. »Und wag es nicht«, sagt sie. »Wag es nicht, zurückzukommen.« Sie glaubt nicht daran, dass Menschen wiedergeboren werden. Aber sicher ist sicher."

"Sie müsste weinen. Sie müsste so viel weinen, dass sie sich gar nicht traut, damit anzufangen. Morgen vielleicht."

"Wer sie sieht, sieht nur eine schmale Frau im braunen Rock, sieht nicht die Angst, die sich ihr durch die Beine nach oben bis in die Innereien zieht und dort auseinanderläuft wie Tinte."

"In der ersten Nacht in einem frisch gehäuteten Leben schläft niemand. Die Dunkelheit drückt sich herein, quillt auf bis in die Ecken."

"Sie will nie, dass es Ärger gibt. Unfrieden, so nennt sie es. Kein Unfrieden, bitte, als wäre das Gegenteil ganz automatisch Frieden."

"Heimat ist ein Wort, das ihr nicht über die Lippen kommt, aber in den Knochen steckt es ihr schon."

"Wenn sie doch wachliegt, kommen die Gedanken wie von selbst und trampeln sich eine Ruhstatt, wie ein Hund im hohen Gras. Dort liegen sie, breit und träge, bewegen sich nicht mehr fort."

"Nichts Großes. Es sind Dinge, die schon tausendfach gewesen sind, in Hunderten Häusern, Hunderten Leben, nur nicht in ihrem."

"Vielleicht wird jetzt alles anders. Ganz selten wird wirklich alles anders, dafür ist die Welt schon zu alt, aber manchmal passiert es eben doch."

"Sie hat ihr Leben, und sie hat das Leben, das hätte sein können. Das reicht."

"Manche Dinge haben keine erste Sekunde."

"Das Haus steht unverändert, was hat Cora auch erwartet. Nichts ist anders, die Gefühle von früher stehen knietief in den Straßen, nicht eine Kränkung ist versickert. Alles ist noch da, in den milchigen Pfützen, in den Hofeinfahrten."

"»Nein«, sagt sie. Es ist kein gehässiges Nein, sondern ein schönes, rundes. Eines, das für sich steht."

"In Stuttgart geht es nur bergauf oder bergab, so fühlt es sich an, dazwischen gibt es nichts."

"Sie telefonieren und schreiben sich Nachrichten, als wären sie noch die Gleichen wie früher, dabei ist es nur offensichtlich, dass sie längst andere sind. Alles, woran sie sich festhalten, sind die Dinge, wie sie einmal waren. Sie sind voneinander fortgewachsen, und was bleibt, ist die Gewohnheit, Freunde zu sein. Sich einmal im Jahr zu treffen und sich Dinge zu erzählen, die auch Punkte auf einer Liste sein könnten. Die wirklich wichtigen Dinge aber geschehen abseits davon. Bevor man es bemerkt, weiß man nicht mehr, was der andere denkt und fühlt, erzählt selbst nicht mehr, was man denkt und fühlt, nur dieses Bedauern, das in der Kehle kratzt, das haben sie alle gemein."

"Hinterher hat die Sehnsucht Boden unter den Füßen.
Hinterher ist David noch David, aber in einer anderen Dichte."

"»Es ging ihm doch gut«, sagt sie, als wäre das eine Garantie dafür, dass es ihm für immer gut geht. Als könnten die Dinge, die doch bekannt dafür sind, sich stetig zu ändern, sich plötzlich nicht mehr ändern, nur weil ihr nicht der Sinn danach steht."

"Es ist so still hier. So still, dass es die Geräusche im Kopf erstickt, alles, was man denkt oder denken könnte. So still, dass das Blut leiser fließt, aus Solidarität, und der Körper, so er denn noch wächst, es leiser tut, die Zellen geräuschlos teilt."

"Jetzt müssen ein, zwei Tage ins Land gehen, bevor das Danach beginnen kann."

"Alles, was zwischen ihnen steht, zwischen ihnen stehen müsste, scheint nicht wichtig, wie so vieles seine Bedeutung verliert, wenn ein Ende, welcher Form auch immer, naht."

"Manchmal schaffen es Gedanken, jahrelang schon wahr zu sein, bevor jemand sie ausspricht. Wenn man sie dann ausspricht, ist die Bestürzung groß, aber in der Realität haben alle diese Wahrheit schon so lange in sich getragen, dass sie niemanden mehr überraschen und nicht viel mehr Schmerz verursachen kann, als sie es all die Zeit über getan hat."

"Der Franz versteckt seine Einsamkeit nicht. Er macht sie auch nicht zum Kern seines Wesens, sie ist einfach da, bei ihm, und er lebt mit ihr, wie man mit einem alten Windspiel lebt, das irgendwann mal jemand in den Garten gehängt hat."

"Man muss einen Ort nicht lieben, um ihn nicht loszuwerden; wohin man gehört, entscheidet man schließlich nicht selbst. Man steuert seine Wurzeln nicht, sie suchen sich selbst ihr Stück Erde, und man muss dann damit leben."

"Als sie die Zusage hat, fühlt es sich nicht an, als fielen plötzlich alle Teile an ihren Platz, so ist es ja nie im Leben. Es ist immer so, dass ein paar Teile schon da liegen, andere komplett fehlen und manche gar nicht zu diesem Puzzle gehören. Aber es fühlt sich zumindest so an, als hätte sie die Eckstücke gefunden."

"Niemand hat ein Anrecht darauf, allein zu sein, nicht hier, nicht anderswo, das erklärt wohl eine Menge der Dinge, die Tag für Tag passieren."
Profile Image for Sonja Bee.
313 reviews25 followers
July 30, 2026
Wollte erst nur 2,5 Sterne geben, weil mich die Geschichte bis auf ein paar Stellen bei Liese und Cora nicht so gepackt hat und das Buch aus gefühlt immer den gleichen Phrasen besteht, die da wären:

Es bleibt alles wie es ist.
Es ist gut so wie es ist.
Wenn es sich ändert, dann ist das halt so.
Da kann man nichts machen.
Fehlen nur noch:
Es hätt` noch immer jut jejange - und -
Nachts ist es kälter als draußen.

Aber zum Ende hin kommt dann doch noch der eine Hammer den ich so Sehnsüchtig erwartet habe.
Nach 10 Stunden dahinplätschernder Geschichte ohne große Ereignisse, wird ein großes Geheimnis mehr oder weniger gelüftet und lässt alles in einem anderen Licht erscheinen.
Dafür erhöhe ich auf 3 Sterne.
Profile Image for Prusseliese.
542 reviews34 followers
April 11, 2026
2,5 *
Weder wüst, noch wild und berührt hat mich auch nichts.

Der Roman zeichnet das Leben dreier Frauengenerationen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts am Rande des Schwarzwaldes nach - und das war es auch schon. Langweilig einfach. Immer wieder wird betont, wie groß und mager und rothaarig diese sind. Eine Rolle spielt das im Geschehen merkwürdigerweise dennoch nicht.
Unauthentisch wirkt das Geschehen auf mich auch, da es aus heutiger moderner und feministischer Perspektive geschildert wird. Man merkt einfach, dass der ganze Plot nur erdacht worden ist.
Profile Image for EllaFuchs.
181 reviews54 followers
September 5, 2026
Eine Familiengeschichte aus dem Schwarzwald in den 50er Jahren beginnend. Drei Generationen Liese, Cora und Eva, alle sehr verschieden und doch ähnlich. Auch die gesellschaftlichen Strömungen fand ich gut vermittelt.
Der Erzählstil wirkte auf mich eher beobachtend, trotzdem konnte ich mich sehr gut in jede der drei Frauen einfühlen. Und ich fand auch die vielen Nebengestalten gut gezeichnet, aber nicht komplett auserzählt. Und ich habe doch auch nach dem Beenden des Buches über einiges immer wieder nachgedacht.
Profile Image for Natalie.
39 reviews3 followers
August 19, 2026
Ich liebe die Protagonistinnen und ihren Weg, den sie für sich in ihrer Geschichte finden.
Der Roman hat mir so viel besser gefallen, als ich dachte und die Kulisse des Schwarzwaldes passt wirklich gut. Die geschilderte Enge des Dorfes und ihre Liebe zum Wald in allen Facetten. Ich wollte nicht es endet und habe zum Schluss langsamer gelesen.
Profile Image for Wandaviolett.
510 reviews74 followers
April 22, 2026
HEIMATROMAN IN NEUEM LICHT
Kurzmeinung: Ist ganz schnell einer meiner Lieblingsromane geworden.
In überwiegend schlichter, dennoch eleganter und ausdrucksstarker Sprache, malt Hannah Häffner das Bild dreier alleinerziehender Frauen über drei Generationen hinweg. Dabei ist Lise Riessberger aus dem kleinen Schwarzwalddorf Wittenmoos „einer Pfütze an Dorf“ am Anfang gar nicht alleine, sondern mit Bernhard verheiratet, der in der Metzgerei seiner Eltern arbeitet. Dass Bernhard es dem alten Metzgersmeister Wilhelm nie recht machen kann, egal, was er tut, verbittert ihn und er lässt seine Wut an seiner kleinen Familie aus. Lise ist ratlos und sucht Trost und Schutz im Wald. „Es riecht feucht und nach mehreren Sommern“.

Was Kiran Desai in ihrem Roman „Die Einsamkeit von Sonia und Sunny“ eine der Romanfiguren sagen lässt „Bei den meisten Männern war es gut, dass sie tot waren“, denkt auch Liese insgeheim über ihren Ehemann als er unerwartet früh das Zeitliche segnet. Für ihre Tochter Cora emanzipiert sie sich und wird Metzgerin. Ausgerechnet in so einem blutigen Geschäft steht sie ihren Mann.

Die nachfolgenden Generationen haben es leichter. Wie es so ist, die eine Generation schlägt eine Bresche, die nächste erweitert diese und die übernächste weiß gar nicht, dass es einmal anders gewesen sein könnte.

Der Kommentar und das Leseerlebnis:
„Die Riesinnen“ von Hannah Häfner ist ein schöner Roman, ein wundervoller Roman, ein Wohlfühlroman, weil er erstens originell und zweitens so schön geschrieben ist. Was beschrieben wird, ist zunächst nicht schön, wird aber schön. Diese Emanzipationsgeschichte empört, aber versöhnt sowohl mit dem Werde- wie mit dem Ausgang. Es ist möglich, zu entkommen, es ist möglich ein selbstbestimmtes Leben zu führen – aber natürlich hat alles seinen Preis. In dem Roman findet sich so manche ewige Lebensweisheit.

Fazit: Ich gebe eine Leseempfehlung für diesen wunderschönen Roman, der alles hat, was ein Roman braucht, Figuren zum Liebhaben, zum Mitgehen, eine originelle Story und viel Natur.

Kategorie: Belletristik
Verlag: Penguin 2026
Profile Image for Kath26.
270 reviews18 followers
June 8, 2026
Große Buchliebe. Ein warmes, mich umhülkendes Wohlfühlbuch, in dem ganz viel steckt, vor allem drei wunderbare Frauen.

„Es ist wie es ist.“

Gerne, nicht immer, beginne ich meine persönliche Meinung zu einem Roman mit einem Zitat aus dem Buch. Bei „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner fällt mir die Wahl schwer, gleichzeitig aber auch leicht. „Schwer“, weil es so viele tolle Sätze, Passagen verdient gehabt hätten, hier aufgeschrieben zu werden, „leicht“, weil „Es ist wie es ist“ zwar kein Satz ist, den ich mir markiert habe, der aber immer wieder in diesem Buch fällt und so perfekt zu der Geschichte passt.

„Die Riesinnen“ ist Wohlfühlbuch, wie ich es liebe. Mit etwas Tiefe und wunderbaren, tollen, starken, lebensnahen Protagonistinnen, die man nicht vergisst. Die immer bei einem bleiben. Und war für eine wundervoller Sprache. Schnell und flüssig zu lesen, bildgewaltig, teilweise aber auch mal nüchtern und on the point und trotzdem poetisch und atmosphärisch, ruhig und voller Leben. Sicherlich eines der Bücher mit den meisten markierten Sätzen, Abschnitten, Beschreibungen in meinem Bücherregal. Und der Wald! Immer wieder der Wald, der wunderschöne Schwarzwald, die Heimat … wenn auch nicht meine Heimat, aber genau so fühlt sich Heimat an.

„Heimat ist ein Wort, das ihr nicht über Lippen kommt, aber in den Knochen steckt es ihr schon.“

„Falls es etwas wie Heimat gibt, dann ist ihre (Coras) mächtig und alt. Keine lächerliche Stadt von Menschenhand gemacht, sondern atmend und wachsend, voller Tod und Leben.“

Es hat keine zwei Minuten gedauert, und ich war mitten drin im Wald, in der Geschichte, bei Liese, der ersten Generation der „Riesinnen.“ Liese, Cora und Eva Riesberger sind Menschen wie Du und ich, die man gefühlt überall antreffen kann, auf ihre Art einzigartig, aber auch „normal“ sind in ihrer Andersartigkeit. Andersartig, weil sie groß und spindeldürr sind und leuchtend rotes Haar haben und nicht in das Schwarzwald-Dorf zu passen scheinen. Aber dort gehören sie hin, da sind sie Zuhaus, auch wenn sie das teilweise erst noch begreifen müssen. Jede von ihnen hat ihre eigenen Themen mit ihrer Heimat, ihrer Familie, ihrem Leben und Lebensweg. Ich liebe die Entwicklung, die jeweilige Geschichte der drei Riesbergerinnen, die so sehr für ihre Generation stehen, ohne dass es ins Klischee driften würde.

Aber auch die Nebenfiguren, deren jeweilige Geschichte naturgemäß nur angerissen oder auch teilweise ausgeschwiegen wird, haben so viele Tiefe und Wärme und Herzlichkeit. Und wenn sie unsere Protagonistinnen vielleicht auch nur für kurze Zeit begleiten, so weiß man anhand der Beschreibungen/ Charakterisierungen, wie sie sind. Besser geht nicht!
„Jasper ist wie Honig, an ihm kleben die Menschen, um ihn herum ist das Licht wärmer, und alle werden zu Fliegen. “
„Falk kann einem das Gefühl geben, dass schon alles gut wird, der nicht so hell brennt wie Jasper, dafür beständig leuchtet.“
„Die Frau ist hübsch und laut und ein bisschen viel.“

Manche der Nebenfiguren hätte ich gerne weiter begleitet, näher kennengelernt und war ein wenig traurig, dass manche dieser Menschen-Fäden etwas lose in der Luft hängen geblieben sind. Aber es zeigt auch, dass die Autorin mit wenig Worten großartige Figuren entwerfen kann und noch viel Potential in ihr für weitere Geschichten und tolle Figuren steckt.

Ich freue mich unbändig auf neue Romane von Hannah Häffner, hoffe, nicht allzu lange warten zu müssen und kann „Die Riesinnen“ allen empfehlen, die Bücher z.B. von Ewald Arenz oder Dörte Hansen lieben. Und ein letztes Zitat muss noch sein:

„Die Schultern gestrafft, Kopf zurück. Komm nur, Leben, wenn du dich traust.“
Profile Image for Buchdoktor.
2,521 reviews194 followers
Review of advance copy
December 22, 2025
Als Lieselotte, Bernhards auffallend große rotblonde Frau, ihre Schwangerschaft wahrnimmt, ist sie alles andere als begeistert. Von ihr wird erwartet, dass sie einen Nachfolger (m) für die Metzgerei zur Welt bringt; ein Kind jedoch wird „Liese“ endgültig an Mann und Schwiegereltern ketten. Als Bernhard, der noch ohne Meisterprüfung angestellt im Familienbetrieb arbeitet, tödlich verunglückt, hinterlässt er Lieselotte allein die gemeinsame Hypothek auf ihrem neu gebauten Haus. Liese, über die nur vage zu erfahren ist, dass sie vor der Ehe „im Krankenhaus“ gearbeitet hat, will unbedingt die Metzgerei im beschaulichen Wittenmoos besitzen, obwohl sie für eine Rolle als Juniorchefin bisher rein gar nichts gelernt hat. Bernhard besprach nichts, von ihm konnte sie nichts lernen. Leider wird Margret auf ihre Rolle als Schwiegermutter reduziert, so dass auch wir als Leser:innen von ihr als Seniorchefin nichts lernen können. Ohne Meisterprüfung darf in Deutschland kein Handwerksbetrieb geführt und kein Nachwuchs ausgebildet werden. Lieselotte müsste mit einem angestellten Metzgermeister zusammenarbeiten, was schwer vorstellbar scheint. Dass sie ohne diesen Kniff dennoch nach kurzer Einführung einen Betrieb mit 11 Angestellten übernimmt und weiter kein Wort über die Übergabe verloren wird, ist als Basis des Drei-Generationen-Romans völlig unrealistisch.

Lielos Tochter Cora, die Anfang der 1960er bereits wütend geboren wird, wächst zu einer ebenfalls großen, mageren und wilden Person heran. Schon früh wird für Cora der nahe Wald Zufluchtsort. Wie auch an den aus zerbombten Städten Zugezogenen und dem schweigsamen Franz arbeitet das Dorf sich an Coras Außenseiterrolle ab. Mit manchen Leuten redet man hier einfach nicht. Zeitlich lassen sich die Ereignisse anhand der Wyhl-Proteste (ab 1972) einordnen, die Lieselotte damit konfrontieren, wie weltfremd sie bisher gelebt hat. Cora, der aufgrund exzellenter Schulleistungen alle Türen offenstehen würden, will zunächst Europa per Interrail durchstreifen und bringt mit Eva die dritte Generation herausfordernder, rothaariger Töchter zur Welt. Erst Eva wird Wittenmoos als Heimat annehmen können und die richtigen Entscheidungen treffen.

Fazit
Von einem Roman über drei Frauen-Generationen, die in einem Schwarzwald-Dorf mit Ausgrenzung durch die Dorfgemeinschaft konfrontiert sind, hatte ich mir zugleich drei realistische weibliche Berufs-Biografien versprochen. Weder Margret noch Lieselotte bieten das jedoch. Das Ausgangsszenario („Ich will die Metzgerei haben“) finde ich zu unrealistisch und auf Fragen, die sich aus dieser Idee ergeben, bleibt die Autorin die Antworten schuldig. Figuren und Sprache konnten mich daher nur kurzfristig fesseln. Auch dass Eva mit ihrer Rückkehr ins Heimatdorf den Handlungsbogen am Ende schließen wird, konnte mich mit dem Roman nicht mehr versöhnen.
Profile Image for Carla.
1,159 reviews147 followers
March 1, 2026
„Dass sie nach Hause kommen kann, gibt ihr das Gefühl, fallen zu können, aber nicht zu tief, gerade so, dass man den Schmerz noch aushält.“ (S. 269)
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Liese, Cora und Eva sind Großmutter, Tochter und Enkelin. Sie leben im Schwarzwald, in Wittenmoos, einem kleinen Dorf. Erzählt wird in diesem Roman ihre Geschichte, Leser*innen belgeiten jede der drei Generationen, beim Erwachsenwerden, beim Ausloten ihrer Grenzen und beim Erkunden der Welt. Wie groß die Welt in Wittenmoos sein kann, ergründet jede der drei Frauen auf ihre eigene Weise.
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Ich bin absolut begeistert von dieser wunderschön erzählten Generationen-Geschichte. Jede Frau erhält ein Drittel der Erzählung und ich habe alle drei sehr gerne begleitet. Was bedeutet Familie und welchen Wert kann Heimat für einen Menschen haben? Welche Entscheidungen haben Folgen und welche Rolle spielt man selbst bei all dem?
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Was mir besonders gut gefallen hat, neben dem schönen Schreibstil, ist, dass die Frauen alle unabhängig sind bzw. werden. Sie sind alle stark, jede auf ihre Weise, und keine von ihnen braucht einen Mann zum Probleme lösen. Herrlich!
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Das Setting im Schwarzwald ist sehr atmosphärisch, sehr „wald-lastig“ und ich hab es absolut geliebt. Ich konnte mir Wittenmoos sehr gut vorstellen.
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Besonders das letzte Drittel des Buches hat für mich nochmal alles rausgeholt, es war das perfekte Ende und somit einfach eine wunderbar runde Geschichte.
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Sehr große Leseempfehlung! Für mich definitiv ein Highlight!
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4,5/5 ⭐️

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Rezensionsexemplar I Vielen Dank @penguinbuecher @team.bloggerportal 🧡
Profile Image for Jemima.
361 reviews23 followers
June 10, 2026
3,5 / 5
Über drei Frauen, die in einem kleinen Dorf auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt sind. Hab es bis zur Hälfte gerne gelesen, besonders die anpackende Art von Liese hat mir sehr gefallen. Auch die Geschichte von Cora fand ich interessant, die mit dem Dorfleben hardert- mehr noch als ihre Mutter. Ab der dritten Generation (Eva) hat das Buch nachgelassen, es hat sich sehr gezogen und brauchte ewig für die Weiterentwicklung der Personen und Handlung. Hat mir das Buch in seiner Wirkung etwas verdorben, ich wollt es am Ende nur noch abschließen.
Profile Image for Eva Rub.
142 reviews1 follower
July 3, 2026
Ich liebe alle Figuren. So ein schönes Buch...
Profile Image for Eva Abraham.
35 reviews
April 18, 2026
„Das Erwachsenwerden, das, wenn man ehrlich ist, vor dem Tod kein Ende findet, ist für unlösbare Widersprüche gemacht.“
Profile Image for Holzannerl.
162 reviews
June 22, 2026
Wow, was für ein toller Schreibstil! So präzise und knapp formuliert und doch so poetisch und tief - ein absoluter Lesegenuss! 😍
Es war so interessant, die drei Riessberger-Frauen durch ihre Leben zu begleiten. Wie sehr Heimat, daheim-sein und Wurzeln einen prägen, ist einfach spannend und wird hier extrem gut hervorgehoben. Ich liebe die drei eigensinnigen und starken Frauen, die so unterschiedlich sind und doch irgendwie ähnlich.
181 reviews11 followers
June 2, 2026
1 Million Herzen für dieses Buch ❤️
Profile Image for Anne.
41 reviews8 followers
July 4, 2026
Schöne Geschichte, aber richtig gepackt hat es mich nicht. Der Lesefluss hat mich durch das Tempo nicht richtig mitgenommen 🥲
Profile Image for Denise Kracht.
151 reviews
April 4, 2026
,,Die Riesinnen‘‘ von Hannah Häffner haben mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen. Zu Beginn begleiten wir Liese, später dann ihre Tochter Cora, bis der Fokus dann auf deren Tochter Eva schwenkt. Drei starke Frauen die gegen alle Widrigkeiten versuchen ihren Platz im Leben zu finden, die immer wieder neue Wege gehen (müssen), sich behaupten und füreinander einstehen. All das vor der Kulisse des kleinen Dorfes Wittenmoos im Schwarzwald. Der Roman war so wunderbar atmosphärisch geschrieben, dass ich das Gefühl hatte mit den ,,Riesinnen‘‘ gemeinsam durch den Wald, das Dorf, die Fleischerei und all die anderen Orte zu streifen, weil ich es mir so bildhaft vorstellen konnte beim Lesen. Auch in die Charaktere habe ich mich von Anfang an verliebt und wollte sie am Ende gar nicht mehr loslassen, ja selbst den mürrischen Fischel hab ich in mein Herz geschlossen. Der Roman selbst besticht nicht durch rasante Handlung und raffinierte Plots. Das Erzähltempo ist eher langsam, sodass man ganz in Ruhe den Lebenssträngen der Protagonistinnen folgen und ganz tief in die Geschichte eintauchen kann. Ich selbst habe mich beim Lesen das ein oder andere Mal daran erinnert gefühlt wie meine Oma mir als Kind Geschichten aus ihrer Kindheit und ihrem Leben erzählt hat.
Alles in allem ein wirklich fantastisches Buch und den Hype definitiv wert! Wenn ihr es noch nicht gelesen habt-worauf wartet ihr dann?
Profile Image for Sena Kurt.
31 reviews
April 5, 2026
Gleichzeitig vieles. Einfach, aber kompliziert. Macht glücklich, aber auch traurig. Kinderwunsch, ja und nein. Heimat ist da und/oder dort.
Nach der Beerdigung von Bernhard, als Liese und Mina auf dem Küchentisch saßen, hatte ich für eine Sekunde das Gefühl, dort zu sein, und ich wusste genau, wie es aussah und sich anfühlt. Viele Frauen wissen das. Egal, was wir erleben, was Küchentische so alles mitbekommen.
Am Anfang hat mich interessiert, in welchem Jahr das Ganze spielt, bis ich realisiert habe: Es ist doch heute, gestern und morgen. Beim Lesen wusste man nicht, wann man sich von Liese und Cora verabschiedet. Welcher Satz war genau der letzte, den ich von Cora gelesen habe? Wenn es so weit war, hatte ich das Bedürfnis, zurückzublättern, mir die letzten Gedanken noch einmal zu lesen und vernünftig Abschied zu nehmen.
Ich hätte mir die „rebellischen Momente“ detaillierter gewünscht, zum Beispiel wie Liese den Lehrer dazu gebracht hat, dass die Jungs bestraft werden. Bei solchen Momenten hätte ich mir für Liese weniger Gewissen und Vernunft gewünscht, was sich später eher bei Cora manifestiert hat. Und wie sich später herausstellt, dass Liese schon unvernünftig sein kann, wenn sie will.
Hier hat es drei Generationen gebraucht, bis sie sich von den Gedanken der Fremden lösen konnten. „Wozu Menschen fähig sind, wenn sie vergessen, was von ihnen erwartet wird.“
Wenn ich gewusst hätte, um welche Themen es in diesem Buch geht, hätte ich nicht angefangen, weil vieles sehr sensible Punkte für mich waren. Letzten Endes fand ich vieles traurig, aber geweint habe ich mehrmals, weil es so schön war. Es hat gutgetan.
Profile Image for Fabian Mader.
102 reviews2 followers
September 3, 2026
Das war so genügsam, zufrieden, bodenständig und einfach schön geschrieben! Mit dem Schwarzwald als Setting, starken und tiefen Charakteren, einfach Wholesome!


ZITATE

„Sie müssen uns auch verstehen” [...] „Aber die Eva ist doch ein liebes Kind. Sie schreit nicht, sie hat niemanden” „Das hilft uns nicht, wenn wir sie nicht mehr finden.”

Magere Ahornstämmchen und künstlich wirkende Platanen, von Menschen gepflanzt, für Menschen gepflanzt, in kleinen, aus dem Asphalt geschnittenen Quadraten festgebackener, rissiger Erde, in die Hunde pinkeln und Leute ihren Müll werfen. Die Blätter staubüberzogen und gewellt, von Parasiten besetzt, im Juli schon spröde und bereit aufzugeben.
An die Stämme Zettel in Klarsichtfolie genagelt: Hund verloren, Wohnung gesucht.
Nicht artgerecht, denkt Eva, und träumt davon, die Bäume auszuwildern, wie Wölfe oder Bären, sie dorthin zu bringen, wo sie hingehören, wo die Böden fett, dunkel und moosig sind, wo das Wasser versickert, statt in staubigen Strömen den nächsten Gulli zu suchen, wo alles kriecht und tropft, atmet und wächst, wo die Luft nach Luft riecht und nicht nach Menschen.

Bei mir zu Hause sieht man die Sterne. Du hast noch nie einen solchen Himmel gesehen, glaub mir. Es stimmt, daheim ist der Himmel zum Schwindeligwerden tief.
Wenn man ihn über sich hat, kommt man sich nicht einfach klein vor. Das ist dieser Irrglaube, dass man sich klein fühlt und der Himmel ist riesig über einem. Dabei fühlt es sich in Wahrheit so an, als würde man aufgesogen, hochgesogen, in ihn hinein.
Und man ist nicht winzig, sondern Teil des riesigen Ganzen, so groß, wie noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist.

Manchmal kommt es ihr vor, als suchte er etwas in ihm, den Schmerz, weil er ihn eben nicht kennt.
Kleine Verletzungen, Schnitte am Papier nur, weil er viel zu lange glücklich hat sein müssen, weil immer alles viel zu leicht war, kein Wunder bei solchen Eltern, kein Wunder bei all dem Geld.
Zuhause ist schließlich etwas anderes als daheim, zuhause kann sich ändern, daheim bleibt.
Jemand, der aus dem Norden kommt und sich etwas darauf einbildet, hat ihr mal erklärt, dass man daheim nicht mehr sagt, dass es längst vergangen und nur noch in bayerischen Heimatfilmen erlaubt ist, sonst nirgends. Sie hat versucht, ihm zu erklären, dass es ein ganz normales Wort ist, da, wo sie herkommt, aber scheinbar ist das nicht maßgeblich. Wie traurig, wenn man kein Daheim hat.

Ich könnte schon noch… ich kann nur nicht mehr wollen.

Menschen sind dazu gemacht, dass Gras über sie wächst, da können sie sich noch so winden.
Was auch immer man erreicht hat im Leben, man hat es im Leben erreicht, nicht im Tod. Dort drüben zählt es nicht, interessiert keinen, und das ist gut so, denn wie deprimierend wäre es, zu wissen, dass man auch dort noch an den Dingen gemessen wird, die man geschafft hat, oder eben nicht.
61 reviews
May 13, 2026
Ein echtes Herzensbuch und definitiv schon jetzt eines meiner Lesehighlights 2026!
Die Riesinnen, das sind Liese, Cora und Eva - drei Generationen inmitten des Schwarzwalds. Die Riesinnen fallen auf, eine wie die andere - schon rein äußerlich, aber vor allem weil sie anders sind als alle anderen im Dorf. Und doch haben sie hier ihre tiefen Wurzeln.Viel reden tun sie alle drei nicht, vieles bleibt ungesagt, kann nur erahnt werden. Ganz selten einmal stört sich vor allem Eva an diesen unausgesprochenen Geheimnissen, die die Mutter und Großmutter mit sich herumtragen. Aber statt zu bohren und zu fragen, akzeptieren letztlich alle drei immer stillschweigend, dass nur gesagt wird, was wirklich gesagt werden muss. Meist braucht es aber auch keiner vielen Worte, denn eines ist immer klar: sie alle drei stehen unverbrüchlich zueinander, gehen füreinander durchs Feuer und das mit großer Klarheit und ohne wenn und aber. Jede der Frauen hat in ihrer Jugend und auch im Erwachsenenalter eigene Probleme zu tragen und kommt unterschiedlich gut klar mit der Enge des Schwarzwalds und den engen Grenzen des Dorfes. Die eine will unbedingt fort aus diesem Leben, was vermeintlich kaum etwas zu bieten hat, die andere fühlt eine tiefe Verbundenheit zu ihrem Dorf und möchte es am liebsten nicht verlassen. Alle drei lieben - die eine vielleicht etwas erfolgreicher als die anderen. Allen gleich ist die Stärke und die Liebe, die sie für ihre Tochter empfinden. Ein großartiges Buch über drei großartige Riesinnen ❤️
Profile Image for Marie.
153 reviews
August 25, 2026
Dieses Buch habe ich supergerne gelesen, es ist definitiv eines meiner Jahreshighlights.

Besonders gefallen hat mir der Sprachstil, der mich stellenweise an 'Wild Wuchern' Katharina Köller erinnert hat. Der Umgang mit Sprache zieht sich durch die ganze Geschichte und hat mich wirklich begeistert.
Zwischenzeitlich habe ich aufgehört zu lesen, weil ich nicht wollte, dass das Buch zu Ende geht.

In einzelnen Abschnitten ist es für mich schon ein bisschen wild, wie viel den Protagonistinnen im Laufe der Geschichte widerfährt, trotzdem wirkt alles relativ lebensnah und nicht völlig überzeichnet.
Ich mochte auch die Protagonistinnen sehr gerne. Sie wollen nicht um jeden Preis gefallen, sondern haben ihre eigenen Kanten und Eigenheiten, was mir sehr gut gefallen hat. Das menschliche Miteinander mit all seinen Facetten wurde lebensnah und realistisch dargestellt.
Sehr zugesagt hat mir außerdem, dass die Geschichte nicht völlig vorhersehbar läuft. Sie zeigt das Leben mit all seinen Windungen, ehrlich und ungeschönt.

Ein für mich rundum gelungenes Buch, das mich vollkommen begeistert hat, allen voran durch seinen besonderen Umgang mit Sprache
Profile Image for Lauri V..
20 reviews
September 6, 2026
Ich habe es wirklich so gern gelesen, ich mag diese Art Bücher, bei denen man in das Leben Anderer eintaucht und einfach mit ihnen lebt, zuhört und sich alles genau anschaut.
Für mich auch eher ein Buch, das man langsam lesen sollte, wenn man durchrennt schaut man irgendwie nicht genau genug hin.

,,Die Riesinnen" zeichnet das Leben von drei Frauen, in deren innersten Zirkel nie ein Mann eindringen konnte, die einander fest bei den Händen hielten, die zusammengehörten und alles so nehmen, wie es kommt. Wie sehr sich die Leben zwischen den Generationen unterschieden und welche Probleme sie jeweils hatten, fand ich sehr klug beschrieben. Teilweise etwas klischeebehaftet, aber trotzdem zum absoluten Großteil sehr lebensnah. Nur die dritte Generation fand ich zum Ende weniger spannend als die anderen beiden.

Dennoch ein wundervolles Buch, große Empfehlung!
Profile Image for Hannah.
74 reviews2 followers
July 25, 2026
habe das buch verschlungen, aber vielleicht auch weil ich so ausgehungert war.

vier statt fünf sterne nur deshalb weil die spannung zum ende hin eher nach ließ, was auch an mir liegen kann, da ich heute spielende geschichten nicht mehr so mag es sei denn sie sind sehr wild und anders als das normale leben

hannah häffner schreibt sehr poetisch und trotzdem stört es nicht den lesefluss

konnte einiges mitnehmen zum beispiel dass man als kind kein recht darauf hat zu wissen was seine eltern so alles erlebt und getan haben
Profile Image for Theresa Rue.
91 reviews
May 23, 2026
"Man muss einen Ort nicht lieben, um ihn nicht loszuwerden; wohin man gehört, entscheidet man schließlich nicht selbst. Man steuert seine Wurzeln nicht, sie suchen sich selbst ihr Stück Erde, und man muss dann damit leben."
Profile Image for Cécile.
165 reviews
June 4, 2026
Ein atmosphärischer Roman über drei Generationen hinweg. Empfehlenswert
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