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Die Riesinnen

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»Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken, zurechtgebogen zu Menschenform. Dünn und stark und langgestreckt: Keine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier.«

Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen, alle groß und dünn, sie überragen die meisten Dorfbewohner und wollen so gar nicht in die Gemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die in den 60er Jahren still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald liebt und als Försterin in und mit ihm lebt.

Wohin gehören wir? Was ist Heimat? Und was bedeutet wirkliche Freiheit?

In dunkler, satter, aber auch zarter Poesie erzählt Hannah Häffner mit stilistischer Präzision, feinem Humor und einer subtilen Beobachtungsgabe die Geschichte dreier Frauen, die lange nachhallt.

416 pages, Hardcover

Published February 25, 2026

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About the author

Hannah Häffner

4 books4 followers

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5 stars
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133 (36%)
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2 stars
3 (<1%)
1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 66 reviews
Profile Image for Sternenstaubsucherin.
755 reviews2 followers
April 19, 2026
Das war ein Highlight.
Wunderbar erzählte Familiengeschichte. Drei Frauen, drei Leben.
Und alle beeinflussen einander auf so unterschiedliche Art und Weise. Das hat richtig Spaß gemacht.
Sehr lebensklug. Ich hab soviel notiert und gekennzeichnet.
Ein Kandidat für eine Leserunde. Werde es meinem Lesekreis vorschlagen. Hier lese ich gerne noch einmal mit!
Leseempfehlung aus tiefsten Herzen!
Profile Image for Sarah Sophie.
295 reviews264 followers
March 27, 2026
Ein atmosphärisch dichter Roman, der im Schwarzwald spielt und sich mit mehreren Frauengenerationen einer Familie auseinandersetzt. Im Zentrum stehen die sogenannten „Riesinnen“, die sich immer wieder mit gesellschaftlichen Erwartungen und Ausgrenzung konfrontiert sehen.

Zu Beginn lernen wir Liese kennen, die erste der drei Frauen. Nach dem Tod ihres Mannes übernimmt sie die Metzgerei und entscheidet sich bewusst für ein eigenständiges Leben ohne Mann. Liese ist mir schnell ans Herz gewachsen, und ich habe ihre Entwicklung sehr gerne verfolgt. Besonders hervorzuheben ist die Sprache: Ich habe zahlreiche Passagen markiert – stilistisch wirklich ein Genuss, mit vielen eindringlichen und atmosphärischen Bildern.

Gleichzeitig hatte ich – ähnlich wie andere Stimmen – stellenweise Schwierigkeiten mit der Ausgestaltung dieses Handlungsstrangs. Vor allem die Frage, wie realistisch es ist, dass Liese die Metzgerei ohne Meistertitel weiterführen kann, blieb für mich etwas zu wenig beleuchtet. Gerade vor dem historischen Hintergrund wirkt dieser zentrale Aspekt der Geschichte nicht ganz stimmig. Auch kam mir Margret, Lieses Schwiegermutter, zu wenig ausgestaltet vor. Diese Figur hätte so viel zu erzählen gehabt, sie blieb aber leider eher blass.

Lieses Tochter Cora wiederum war für mich schwer zugänglich: sehr wütend, sogar bereits als Kleinkind, oft unbedarft und eher dazu neigend, Problemen auszuweichen statt sie anzugehen. Ihre Entwicklung konnte ich daher emotional nicht immer gut greifen.

Erst mit der Enkelin Eva hat mich der Roman wieder stärker abgeholt. Ihre Rückkehr ins Dorf erfolgt aus einer eigenen, bewussten Entscheidung heraus und wirkte auf mich deutlich stimmiger und nachvollziehbarer.

Sehr gelungen fand ich durchgehend die Atmosphäre im Schwarzwald, die dem Roman eine besondere Dichte verleiht. Auch die Einbettung gesellschaftlicher Themen und Veränderungen ist spürbar, ohne zu aufdringlich zu wirken.

Im Vorfeld hatte ich viele begeisterte Stimmen zu diesem Buch gehört, weshalb es gar nicht so einfach war, unvoreingenommen heranzugehen. Insgesamt ist mir das aber gelungen, auch wenn ich manche Kritikpunkte durchaus nachvollziehen kann.

Ein sprachlich sehr starker Roman mit eindrucksvoller Atmosphäre und interessanten Figurenansätzen. Nicht alle Aspekte sind für mich vollständig aufgegangen, insgesamt überwiegen aber die positiven Eindrücke.
Profile Image for LeserinLu.
372 reviews47 followers
April 22, 2026
Der Roman „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner erzählt die Geschichte von drei Frauengenerationen in einem kleinen Schwarzwalddorf. Obwohl das Motiv von Müttern und Töchtern nicht neu ist, entwickelt der Text aufgrund seiner tollen Sprache eine ganz eigene, eindringliche Atmosphäre. Im Zentrum stehen Liese, ihre Tochter Cora und ihre Enkelin Eva, die alle auf ihre Weise aus der Dorfgemeinschaft herausragen. Der Roman begleitet sie von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart und verwebt persönliche Entwicklungen mit gesellschaftlichen Veränderungen.

Was mich von Beginn an begeistert hat, ist die Sprache. Sie ist gleichzeitig bildreich und präzise, poetisch und nüchtern, manchmal fast kühl und dann wieder überraschend zart. Diese besondere Mischung sorgt dafür, dass man sehr schnell in die Geschichte hineingezogen wird: Ich bin durch den ersten Teil regelrecht geflogen. Der leicht melancholische Ton trägt viel zur dichten Atmosphäre bei und passt gut zu den Themen des Romans.

Inhaltlich bleibt die Geschichte zunächst recht nah an bekannten Mustern: das schwierige Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, der Wunsch nach Ausbruch und die Frage nach Zugehörigkeit. Trotzdem wollte ich unbedingt weiterlesen. Gleichzeitig wurde die Handlung für mich zunehmend vorhersehbar und es gab einige Längen. Auch das Ende war für mich nicht die spannendste Möglichkeit, die Geschichte zu beenden. Dennoch gab es immer wieder einzelne Sätze und Gedanken, die herausgestochen haben.

Insgesamt ist „Die Riesinnen“ ein sprachlich beeindruckender Roman mit starker Atmosphäre und interessanten Figuren, der inhaltlich nicht immer ganz überraschen kann, aber durch seine erzählerische Qualität dennoch lesenswert bleibt.
Profile Image for Prusseliese.
486 reviews32 followers
April 11, 2026
2,5 *
Weder wüst, noch wild und berührt hat mich auch nichts.

Der Roman zeichnet das Leben dreier Frauengenerationen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts am Rande des Schwarzwaldes nach - und das war es auch schon. Langweilig einfach. Immer wieder wird betont, wie groß und mager und rothaarig diese sind. Eine Rolle spielt das im Geschehen merkwürdigerweise dennoch nicht.
Unauthentisch wirkt das Geschehen auf mich auch, da es aus heutiger moderner und feministischer Perspektive geschildert wird. Man merkt einfach, dass der ganze Plot nur erdacht worden ist.
Profile Image for Carla.
1,092 reviews142 followers
March 5, 2026
„Dass sie nach Hause kommen kann, gibt ihr das Gefühl, fallen zu können, aber nicht zu tief, gerade so, dass man den Schmerz noch aushält.“ (S. 269)
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Liese, Cora und Eva sind Großmutter, Tochter und Enkelin. Sie leben im Schwarzwald, in Wittenmoos, einem kleinen Dorf. Erzählt wird in diesem Roman ihre Geschichte, Leser*innen belgeiten jede der drei Generationen, beim Erwachsenwerden, beim Ausloten ihrer Grenzen und beim Erkunden der Welt. Wie groß die Welt in Wittenmoos sein kann, ergründet jede der drei Frauen auf ihre eigene Weise.
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Ich bin absolut begeistert von dieser wunderschön erzählten Generationen-Geschichte. Jede Frau erhält ein Drittel der Erzählung und ich habe alle drei sehr gerne begleitet. Was bedeutet Familie und welchen Wert kann Heimat für einen Menschen haben? Welche Entscheidungen haben Folgen und welche Rolle spielt man selbst bei all dem?
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Was mir besonders gut gefallen hat, neben dem schönen Schreibstil, ist, dass die Frauen alle unabhängig sind bzw. werden. Sie sind alle stark, jede auf ihre Weise, und keine von ihnen braucht einen Mann zum Probleme lösen. Herrlich!
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Das Setting im Schwarzwald ist sehr atmosphärisch, sehr „wald-lastig“ und ich hab es absolut geliebt. Ich konnte mir Wittenmoos sehr gut vorstellen.
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Besonders das letzte Drittel des Buches hat für mich nochmal alles rausgeholt, es war das perfekte Ende und somit einfach eine wunderbar runde Geschichte.
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Sehr große Leseempfehlung! Für mich definitiv ein Highlight!
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4,5/5 ⭐️

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Rezensionsexemplar I Vielen Dank @penguinbuecher @team.bloggerportal 🧡
Profile Image for Wandaviolett.
487 reviews71 followers
April 22, 2026
HEIMATROMAN IN NEUEM LICHT
Kurzmeinung: Ist ganz schnell einer meiner Lieblingsromane geworden.
In überwiegend schlichter, dennoch eleganter und ausdrucksstarker Sprache, malt Hannah Häffner das Bild dreier alleinerziehender Frauen über drei Generationen hinweg. Dabei ist Lise Riessberger aus dem kleinen Schwarzwalddorf Wittenmoos „einer Pfütze an Dorf“ am Anfang gar nicht alleine, sondern mit Bernhard verheiratet, der in der Metzgerei seiner Eltern arbeitet. Dass Bernhard es dem alten Metzgersmeister Wilhelm nie recht machen kann, egal, was er tut, verbittert ihn und er lässt seine Wut an seiner kleinen Familie aus. Lise ist ratlos und sucht Trost und Schutz im Wald. „Es riecht feucht und nach mehreren Sommern“.

Was Kiran Desai in ihrem Roman „Die Einsamkeit von Sonia und Sunny“ eine der Romanfiguren sagen lässt „Bei den meisten Männern war es gut, dass sie tot waren“, denkt auch Liese insgeheim über ihren Ehemann als er unerwartet früh das Zeitliche segnet. Für ihre Tochter Cora emanzipiert sie sich und wird Metzgerin. Ausgerechnet in so einem blutigen Geschäft steht sie ihren Mann.

Die nachfolgenden Generationen haben es leichter. Wie es so ist, die eine Generation schlägt eine Bresche, die nächste erweitert diese und die übernächste weiß gar nicht, dass es einmal anders gewesen sein könnte.

Der Kommentar und das Leseerlebnis:
„Die Riesinnen“ von Hannah Häfner ist ein schöner Roman, ein wundervoller Roman, ein Wohlfühlroman, weil er erstens originell und zweitens so schön geschrieben ist. Was beschrieben wird, ist zunächst nicht schön, wird aber schön. Diese Emanzipationsgeschichte empört, aber versöhnt sowohl mit dem Werde- wie mit dem Ausgang. Es ist möglich, zu entkommen, es ist möglich ein selbstbestimmtes Leben zu führen – aber natürlich hat alles seinen Preis. In dem Roman findet sich so manche ewige Lebensweisheit.

Fazit: Ich gebe eine Leseempfehlung für diesen wunderschönen Roman, der alles hat, was ein Roman braucht, Figuren zum Liebhaben, zum Mitgehen, eine originelle Story und viel Natur.

Kategorie: Belletristik
Verlag: Penguin 2026
Profile Image for Buchdoktor.
2,442 reviews196 followers
Review of advance copy
January 3, 2026
Als Lieselotte, Bernhards auffallend große rotblonde Frau, ihre Schwangerschaft wahrnimmt, ist sie alles andere als begeistert. Von ihr wird erwartet, dass sie einen Nachfolger (m) für die Metzgerei zur Welt bringt; ein Kind jedoch wird „Liese“ endgültig an Mann und Schwiegereltern ketten. Als Bernhard, der noch ohne Meisterprüfung angestellt im Familienbetrieb arbeitet, tödlich verunglückt, hinterlässt er Lieselotte allein die gemeinsame Hypothek auf ihrem neu gebauten Haus. Liese, über die nur vage zu erfahren ist, dass sie vor der Ehe „im Krankenhaus“ gearbeitet hat, will unbedingt die Metzgerei im beschaulichen Wittenmoos besitzen, obwohl sie für eine Rolle als Juniorchefin bisher rein gar nichts gelernt hat. Bernhard besprach nichts, von ihm konnte sie nichts lernen. Leider wird Margret auf ihre Rolle als Schwiegermutter reduziert, so dass auch wir als Leser:innen von ihr als Seniorchefin nichts lernen können. Ohne Meisterprüfung darf in Deutschland kein Handwerksbetrieb geführt und kein Nachwuchs ausgebildet werden. Lieselotte müsste mit einem angestellten Metzgermeister zusammenarbeiten, was schwer vorstellbar scheint. Dass sie ohne diesen Kniff dennoch nach kurzer Einführung einen Betrieb mit 11 Angestellten übernimmt und weiter kein Wort über die Übergabe verloren wird, ist als Basis des Drei-Generationen-Romans völlig unrealistisch.

Lielos Tochter Cora, die Anfang der 1960er bereits wütend geboren wird, wächst zu einer ebenfalls großen, mageren und wilden Person heran. Schon früh wird für Cora der nahe Wald Zufluchtsort. Wie auch an den aus zerbombten Städten Zugezogenen und dem schweigsamen Franz arbeitet das Dorf sich an Coras Außenseiterrolle ab. Mit manchen Leuten redet man hier einfach nicht. Zeitlich lassen sich die Ereignisse anhand der Wyhl-Proteste (ab 1972) einordnen, die Lieselotte damit konfrontieren, wie weltfremd sie bisher gelebt hat. Cora, der aufgrund exzellenter Schulleistungen alle Türen offenstehen würden, will zunächst Europa per Interrail durchstreifen und bringt mit Eva die dritte Generation herausfordernder, rothaariger Töchter zur Welt. Erst Eva wird Wittenmoos als Heimat annehmen können und die richtigen Entscheidungen treffen.

Fazit
Von einem Roman über drei Frauen-Generationen, die in einem Schwarzwald-Dorf mit Ausgrenzung durch die Dorfgemeinschaft konfrontiert sind, hatte ich mir zugleich drei realistische weibliche Berufs-Biografien versprochen. Weder Margret noch Lieselotte bieten das jedoch. Das Ausgangsszenario („Ich will die Metzgerei haben“) finde ich zu unrealistisch und auf Fragen, die sich aus dieser Idee ergeben, bleibt die Autorin die Antworten schuldig. Figuren und Sprache konnten mich daher nur kurzfristig fesseln. Auch dass Eva mit ihrer Rückkehr ins Heimatdorf den Handlungsbogen am Ende schließen wird, konnte mich mit dem Roman nicht mehr versöhnen.
Profile Image for Sarah.
180 reviews14 followers
December 23, 2025
"Der Himmel ist wasserfarbenblau und wolkenlos, die Wälder sind zackenscharf gezeichnet, die Wiesen noch sommergrün. Ein Tag, der warm sein müsste, wenn man aus dem Fenster blickt, der einen aber mit seiner klaren, frischen Luft erwischt und frösteln lässt, wenn man vor die Tür geht."

"Es riecht feucht und nach mehreren Sommern gleichzeitig. Nach dem vergorenen Laub und den rottenden Nüssen der letzten Jahre, nach den dunkelgrünen Blättern und den jungen Flechten der letzten Wochen."

"Das Leben hat ein Davor und ein Danach verpasst bekommen, und das Danach ist so groß, so unendlich, dass ihr Kopf es einfach nicht begreifen will."

"Der Winter ist so kalt, so lang, dass man ihn gerade noch übersteht, ohne verrückt zu werden. Das ist übrigens die größte Lüge: der Geruch von Tauwetter, den man tief in der Kehle wahrnimmt, metallisch und gläsern zugleich, verbranntes und wieder feucht gewordenes Holz. Er ist eine Verheißung von Glück, das es nicht geben wird, denn auch wenn der Schnee fort ist, ist alles, was darunter zum Vorschein kommt, nicht besser als das, was davon zu Beginn des Winters zugedeckt wurde. Es ist alles so, wie es vorher war, auch wenn sich jetzt alles ändert."

"Die Farben fallen von den Wänden. Erst die dunklen, dann die kräftigen, dann die blassen, bis nur noch Weiß über ist. Fallen zu Boden und zerbrechen."

"Sie will schon gehen, da fällt ihr noch etwas ein. »Und wag es nicht«, sagt sie. »Wag es nicht, zurückzukommen.« Sie glaubt nicht daran, dass Menschen wiedergeboren werden. Aber sicher ist sicher."

"Sie müsste weinen. Sie müsste so viel weinen, dass sie sich gar nicht traut, damit anzufangen. Morgen vielleicht."

"Wer sie sieht, sieht nur eine schmale Frau im braunen Rock, sieht nicht die Angst, die sich ihr durch die Beine nach oben bis in die Innereien zieht und dort auseinanderläuft wie Tinte."

"In der ersten Nacht in einem frisch gehäuteten Leben schläft niemand. Die Dunkelheit drückt sich herein, quillt auf bis in die Ecken."

"Sie will nie, dass es Ärger gibt. Unfrieden, so nennt sie es. Kein Unfrieden, bitte, als wäre das Gegenteil ganz automatisch Frieden."

"Heimat ist ein Wort, das ihr nicht über die Lippen kommt, aber in den Knochen steckt es ihr schon."

"Wenn sie doch wachliegt, kommen die Gedanken wie von selbst und trampeln sich eine Ruhstatt, wie ein Hund im hohen Gras. Dort liegen sie, breit und träge, bewegen sich nicht mehr fort."

"Nichts Großes. Es sind Dinge, die schon tausendfach gewesen sind, in Hunderten Häusern, Hunderten Leben, nur nicht in ihrem."

"Vielleicht wird jetzt alles anders. Ganz selten wird wirklich alles anders, dafür ist die Welt schon zu alt, aber manchmal passiert es eben doch."

"Sie hat ihr Leben, und sie hat das Leben, das hätte sein können. Das reicht."

"Manche Dinge haben keine erste Sekunde."

"Das Haus steht unverändert, was hat Cora auch erwartet. Nichts ist anders, die Gefühle von früher stehen knietief in den Straßen, nicht eine Kränkung ist versickert. Alles ist noch da, in den milchigen Pfützen, in den Hofeinfahrten."

"»Nein«, sagt sie. Es ist kein gehässiges Nein, sondern ein schönes, rundes. Eines, das für sich steht."

"In Stuttgart geht es nur bergauf oder bergab, so fühlt es sich an, dazwischen gibt es nichts."

"Sie telefonieren und schreiben sich Nachrichten, als wären sie noch die Gleichen wie früher, dabei ist es nur offensichtlich, dass sie längst andere sind. Alles, woran sie sich festhalten, sind die Dinge, wie sie einmal waren. Sie sind voneinander fortgewachsen, und was bleibt, ist die Gewohnheit, Freunde zu sein. Sich einmal im Jahr zu treffen und sich Dinge zu erzählen, die auch Punkte auf einer Liste sein könnten. Die wirklich wichtigen Dinge aber geschehen abseits davon. Bevor man es bemerkt, weiß man nicht mehr, was der andere denkt und fühlt, erzählt selbst nicht mehr, was man denkt und fühlt, nur dieses Bedauern, das in der Kehle kratzt, das haben sie alle gemein."

"Hinterher hat die Sehnsucht Boden unter den Füßen.
Hinterher ist David noch David, aber in einer anderen Dichte."

"»Es ging ihm doch gut«, sagt sie, als wäre das eine Garantie dafür, dass es ihm für immer gut geht. Als könnten die Dinge, die doch bekannt dafür sind, sich stetig zu ändern, sich plötzlich nicht mehr ändern, nur weil ihr nicht der Sinn danach steht."

"Es ist so still hier. So still, dass es die Geräusche im Kopf erstickt, alles, was man denkt oder denken könnte. So still, dass das Blut leiser fließt, aus Solidarität, und der Körper, so er denn noch wächst, es leiser tut, die Zellen geräuschlos teilt."

"Jetzt müssen ein, zwei Tage ins Land gehen, bevor das Danach beginnen kann."

"Alles, was zwischen ihnen steht, zwischen ihnen stehen müsste, scheint nicht wichtig, wie so vieles seine Bedeutung verliert, wenn ein Ende, welcher Form auch immer, naht."

"Manchmal schaffen es Gedanken, jahrelang schon wahr zu sein, bevor jemand sie ausspricht. Wenn man sie dann ausspricht, ist die Bestürzung groß, aber in der Realität haben alle diese Wahrheit schon so lange in sich getragen, dass sie niemanden mehr überraschen und nicht viel mehr Schmerz verursachen kann, als sie es all die Zeit über getan hat."

"Der Franz versteckt seine Einsamkeit nicht. Er macht sie auch nicht zum Kern seines Wesens, sie ist einfach da, bei ihm, und er lebt mit ihr, wie man mit einem alten Windspiel lebt, das irgendwann mal jemand in den Garten gehängt hat."

"Man muss einen Ort nicht lieben, um ihn nicht loszuwerden; wohin man gehört, entscheidet man schließlich nicht selbst. Man steuert seine Wurzeln nicht, sie suchen sich selbst ihr Stück Erde, und man muss dann damit leben."

"Als sie die Zusage hat, fühlt es sich nicht an, als fielen plötzlich alle Teile an ihren Platz, so ist es ja nie im Leben. Es ist immer so, dass ein paar Teile schon da liegen, andere komplett fehlen und manche gar nicht zu diesem Puzzle gehören. Aber es fühlt sich zumindest so an, als hätte sie die Eckstücke gefunden."

"Niemand hat ein Anrecht darauf, allein zu sein, nicht hier, nicht anderswo, das erklärt wohl eine Menge der Dinge, die Tag für Tag passieren."
Profile Image for Denise Kracht.
131 reviews
April 4, 2026
,,Die Riesinnen‘‘ von Hannah Häffner haben mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen. Zu Beginn begleiten wir Liese, später dann ihre Tochter Cora, bis der Fokus dann auf deren Tochter Eva schwenkt. Drei starke Frauen die gegen alle Widrigkeiten versuchen ihren Platz im Leben zu finden, die immer wieder neue Wege gehen (müssen), sich behaupten und füreinander einstehen. All das vor der Kulisse des kleinen Dorfes Wittenmoos im Schwarzwald. Der Roman war so wunderbar atmosphärisch geschrieben, dass ich das Gefühl hatte mit den ,,Riesinnen‘‘ gemeinsam durch den Wald, das Dorf, die Fleischerei und all die anderen Orte zu streifen, weil ich es mir so bildhaft vorstellen konnte beim Lesen. Auch in die Charaktere habe ich mich von Anfang an verliebt und wollte sie am Ende gar nicht mehr loslassen, ja selbst den mürrischen Fischel hab ich in mein Herz geschlossen. Der Roman selbst besticht nicht durch rasante Handlung und raffinierte Plots. Das Erzähltempo ist eher langsam, sodass man ganz in Ruhe den Lebenssträngen der Protagonistinnen folgen und ganz tief in die Geschichte eintauchen kann. Ich selbst habe mich beim Lesen das ein oder andere Mal daran erinnert gefühlt wie meine Oma mir als Kind Geschichten aus ihrer Kindheit und ihrem Leben erzählt hat.
Alles in allem ein wirklich fantastisches Buch und den Hype definitiv wert! Wenn ihr es noch nicht gelesen habt-worauf wartet ihr dann?
Profile Image for Eva Abraham.
29 reviews
April 18, 2026
„Das Erwachsenwerden, das, wenn man ehrlich ist, vor dem Tod kein Ende findet, ist für unlösbare Widersprüche gemacht.“
1,507 reviews8 followers
April 11, 2026
Absolutes Highlight

Klappentext:
»Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken, zurechtgebogen zu Menschenform. Dünn und stark und langgestreckt: Keine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier.«
Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss.

„Die Riesinnen“ von Hannah Häffner ist eins der schönsten Bücher, die ich je gelesen habe.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei Frauen aus drei Generationen, die unterschiedlich nicht sein könnten. Doch eins haben sie gemeinsam, sie sind sehr groß und dürr, sie sind die drei Riesinnen.

Es beginnt mit Lieselotte. Sie lebt im Schwarzwald, in dem kleinen Dorf Wittenmoos. Von weitem erkennt sie schon jeder, denn sie ist groß, größer als jeder andere und hat eine rote Mähne. In die Dorfgemeinschaft mag sie sich nicht einfügen.

Nach einiger Zeit wechselt die Perspektive zu Cora. Von Lieselotte wird nur noch als Mutter gesprochen. Cora führt die Dorfmetzgerei. Sie ist alles andere als still, möchte am liebsten aus der enge des Dorfs ausbrechen. Auch sie ist groß, größer als alle anderen.

Dann wechselt die Perspektive zur dritten Frau im Bund, zu Eva, der Tochter von Cora. Wie kann es anders sein, auch Eva ist sehr groß. Eva ist in ihrem Wesen wieder ganz anders. Sie sucht den Weg hinaus aus dem Dorf. Aber es zieht sie auch wieder zurück, zurück zu ihren Wurzeln.

Hannah Häffner beschreibt drei unterschiedliche Frauen, die doch viele Gemeinsamkeiten haben. Mir war jede von ihnen sympathisch.
Die Handlungsorte, das Dorf im Schwarzwald werden sehr anschaulich beschrieben. Ich hatte schnell Bilder im Kopf.
Auch die Zeit der Handlung, die mit den drei Generationen fortschreitet, wird gut eingefangen.

Hannah Häffner hat einen angenehmen und flüssigen Schreibstil. Die Sprache ändert sich mit jeder der drei Frauen. Zu Beginn, als Lieselotte im Mittelpunkt stand möchte ich die Sprache fast poetisch nennen. Die Autorin hat mit dem Wechsel der Frauen und somit der Generation auch den Ton in der Geschichte geändert. Das hat mir sehr gut gefallen.

Nach nur wenigen Seiten wurde ich wie durch einen Sog in die Geschichte katapultiert. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe mir in diesem Buch so viele schöne Sätze markiert, die ich einfach nicht vergessen möchte.

„Die Riesinnen“ ist eine absolute Leseempfehlung, bei mir wird das Buch sicher zu meinen Jahreshighlights zählen.
Profile Image for Gisela.
366 reviews15 followers
May 2, 2026
Eine drei Generationen Geschichte

Als ich den Klappentext gelesen habe, war mir klar, dieses Buch muss ich lesen. Ich bin selbst eine "Riesin" und war stets das größte und magerste Mädchen in der Schule, obwohl ich Unmengen gegessen habe. Ich kenne die dummen Sprüche, die man über große Mädchen losgelassen hat. Heute bin ich über meine 1,76 sehr glücklich. Große Frauen sind heute kein Thema mehr. Im Gegenteil! Mittlerweile sind große Frauen ganz normal und werden eher noch bewundert. 

Die Geschichte spielt im Schwarzwald, in der wiederum auch meine Familiengeschichte väterlicherseits verwurzelt ist. 

Liese ist die Riesin Nummer 1 in dieser spannenden und emotionalen Familiengeschichte. Sie ist eine Kämpfernatur und hat das Herz am rechten Fleck. Das bemerkt man nicht auf den ersten Blick, da sie sich jeden Tag in dem kleinen Dorf Wittenmoos behaupten und viele spöttische Bemerkungen ertragen muss. Sie heiratet den Metzgersohn im Ort und bekommt mit ihm die gemeinsame Tochter Cora.

>>Die Riesin bekommt ein Kind, ob es wohl ein Zwerg wird?<< (Seite 26)

Cora muss den Spott in der Schule ertragen. 

>>Rote Haare, Satanskind. << (Seite 88)

Nachdem ihr Mann bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, führt sie die Metzgerei alleine weiter. Sie trauert nicht um ihren Mann. Was sie alleine am Grab ihres Mannes zu ihm spricht, lässt keinen Zweifel daran. Ich konnte Liese gut verstehen und empfehle Euch, den Grund dafür selbst zu entdecken. 

Die Jahre vergehen und auch Cora wird Mutter eines Mädchens, das sich zu einer Riesin entwickelt. 

Der Schreibstil kommt oftmals poetisch daher und geht beim Lesen runter wie Sahne. Schicksale und Vorurteile machen den drei großen Frauen das Leben so manches Mal sehr schwer. Doch, drei Riesinnen gehen ihren steinigen Weg und meistern ihr Leben. Viele Zitate laden dazu ein, sie mehrmals zu lesen. 

Von mir eine klare Empfehlung. Herzlichen Dank, Hannah Häffner. Es war mir ein Fest. 
Profile Image for Janina.
27 reviews
May 6, 2026
Ich wollte *Die Riesinnen* wirklich lieben – und ich mochte es auch sehr. Ganz gepackt hat es mich allerdings nicht, zumindest nicht so sehr, wie es bei vielen anderen Leser*innen der Fall zu sein scheint.

Diese Verflechtung von Lebenswegen, Erinnerungen und Perspektiven ist klug aufgebaut und gibt dem Roman eine große Tiefe. Auch der Erzählstil hat mir richtig gut gefallen: so dicht, so atmosphärisch, dass viele Szenen beim Lesen fast greifbar wurden. Ich konnte mir vieles sehr lebendig vorstellen, was definitiv eine große Stärke des Buches ist.

Trotzdem hat mich die Geschichte emotional nicht ganz so erreicht, wie ich es erwartet hatte. Woran genau es liegt, kann ich gar nicht eindeutig sagen – vielleicht an einer gewissen Distanz zu den Figuren oder daran, dass mich einzelne Momente nicht so berührt haben wie erhofft.

Insgesamt ist es aber ein lesenswerter, kurzweiliger Roman mit vielen starken Qualitäten.
Profile Image for Lisa.
19 reviews
March 30, 2026
Was für eine mitreißende Geschichte über drei komplexe Frauen, die sich nicht in die Norm ihres Dorfes pressen lassen. Mutig geht jede ihren ganz eigenen Weg - für und an der Seite ihrer Tochter. Mit harter Arbeit, großer Bescheidenheit und gegenseitiger Unterstützung baut sich jede ein bedeutsames Lebenswerk auf. Der Text ist durchzogen von Poesie, die nie aufgesetzt oder fehl am Platz wirkt und noch lange nachklingt.

"Was, wenn sie hierher gehört? Was, wenn sie längst woanders sein sollte? Heimat ist ein Wort, das ihr nicht über die Lippen kommt. Aber in den Knochen steckt es ihr schon."

"David liebt schwarze Löcher, wie er alle Dinge liebt, in deren Innerem die Unmöglichkeit angelegt ist, sie jemals wirklich zu begreifen. Wo man etwas Beängstigendes oder Frustrierendes sehen könnte, weil die Ungewissheit ganz gewiss unendlich ist, sieht er die Freiheit, die diese Ungewissheit bietet."
Profile Image for Charlystante.
199 reviews2 followers
May 1, 2026
Ein Generationenroman. Die Lebensgeschichte dreier Frauen wird erzählt aus der Perspektive der Mutter Liese, der Tochter Cora und der Enkelin Eva.
In dem kleinen Schwarzwalddorf, in dem jeder jeden kennt und alles weiß, fallen die drei Frauen durch Größe und Handeln  auf. Dieses kleine Dorf ist ihre Heimat, und der dunkle Wald nimmt sie auf, wenn ihre Emotionen überkochen. Sie fühlen sich immer falsch, schaffen es aber nicht, das Dorf zu verlassen und etwas Neues anzufangen. Sie setzen sich mit ihren eigenen und den Ansprüchen der Dorfgemeinschaft  auseinander.
Zitat: Was hätte sein können, wird zu etwas , das nicht gewesen ist. So einfach.
Ich bin immer bei ihnen. Viel wird von der Autorin in Bildern beschrieben und gerade das hat mich begeistert.
Ein wunderbares Buch über Mütter und Töchter, Sehnsucht, Freiheit.
Profile Image for Anja Nicolaus.
279 reviews7 followers
April 30, 2026
Trotz des pastoral anmutenden Settings — was normalerweise nicht so meins ist — hat mir Die Riesinnen sehr gefallen. Zum einen ist die Sprache unwahrscheinlich schön. Zum andern beeindrucken die Protagonistinnen, drei Generationen von Frauen, die in dem kleinen Schwarwälder Dorf Aussenseiterinnen bleiben. Während die ersten beiden Generationen der Enge des Dorfes entfliehen möchten, aber nicht fort kommen, hätte die Jüngste die Chance, in der Stadt zu studieren und fortzubleiben, entschliesst sich aber dazu, ins Dorf zurückzukehren. — Nach drei Generationen haben sich die Riesinnen ihren rechtsmässigem Platz im Dorf erobert und es zu ihrer Heimat gemacht.
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Profile Image for Sena Kurt.
16 reviews
April 5, 2026
Gleichzeitig vieles. Einfach, aber kompliziert. Macht glücklich, aber auch traurig. Kinderwunsch, ja und nein. Heimat ist da und/oder dort.
Nach der Beerdigung von Bernhard, als Liese und Mina auf dem Küchentisch saßen, hatte ich für eine Sekunde das Gefühl, dort zu sein, und ich wusste genau, wie es aussah und sich anfühlt. Viele Frauen wissen das. Egal, was wir erleben, was Küchentische so alles mitbekommen.
Am Anfang hat mich interessiert, in welchem Jahr das Ganze spielt, bis ich realisiert habe: Es ist doch heute, gestern und morgen. Beim Lesen wusste man nicht, wann man sich von Liese und Cora verabschiedet. Welcher Satz war genau der letzte, den ich von Cora gelesen habe? Wenn es so weit war, hatte ich das Bedürfnis, zurückzublättern, mir die letzten Gedanken noch einmal zu lesen und vernünftig Abschied zu nehmen.
Ich hätte mir die „rebellischen Momente“ detaillierter gewünscht, zum Beispiel wie Liese den Lehrer dazu gebracht hat, dass die Jungs bestraft werden. Bei solchen Momenten hätte ich mir für Liese weniger Gewissen und Vernunft gewünscht, was sich später eher bei Cora manifestiert hat. Und wie sich später herausstellt, dass Liese schon unvernünftig sein kann, wenn sie will.
Hier hat es drei Generationen gebraucht, bis sie sich von den Gedanken der Fremden lösen konnten. „Wozu Menschen fähig sind, wenn sie vergessen, was von ihnen erwartet wird.“
Wenn ich gewusst hätte, um welche Themen es in diesem Buch geht, hätte ich nicht angefangen, weil vieles sehr sensible Punkte für mich waren. Letzten Endes fand ich vieles traurig, aber geweint habe ich mehrmals, weil es so schön war. Es hat gutgetan.
Profile Image for Sabine.
155 reviews
March 24, 2026
Wer viel liest, kennt es: Selbst, wenn ein Buch gut war, kann es passieren, dass man erst in die Leseliste schauen muss, um den Inhalt wieder zu erinnern.Und es gibt Bücher, die man auch nach Jahren noch in sich trägt.Dieses wird auch ein Herzensbuch bleiben und das hauptsächlich wegen seiner wunderbar poetischen Sprache
Profile Image for Michael Madel.
588 reviews13 followers
March 26, 2026
Die Autorin besticht durch eine kristallklare, präzise und verdichtende Sprache, voller poetisch glitzernder, asphorismenhafter Formulierungen, wobei mir die Verknappung und Verdichtung und insbesondere der parataktische Satzbau zuweilen fast schon zu weit gehen.
Die eingängige Sprache und der klare Stil korrespondieren mit einer im besten Sinne einfachen Familiengeschichte über drei Frauengenerationen in dörflicher Umgebung.
So entfaltet Hannah Häffner aus der Einfachheit eine komplexe Geschichte, in deren Mittelpunkt auch weibliche Selbstbestimmung und weiblicher Freiheitsdrang stehen.
Einfach klasse!
Profile Image for Daniela.
41 reviews
April 2, 2026
"Die Riesinnen" ist definitiv ein Buch, das nachklingt und das man auch nach längerer Zeit noch im Herzen trägt. Poetisch, klar und humorvoll erzählt Häffner die Geschichte der drei Generationen der Riessberger Riesinnen und wie ihre Heimat sie zu den Menschen gemacht hat, die sie sind.
8 reviews
April 20, 2026
Eine richtig gute Lektüre! Habe es von der ersten bis zur letzten Seite geliebt. Es werden einzigartige Charaktere gezeichnet, bestes Handwerk und zugleich eine unvergleichbare Stimmung inszeniert, in dieser die Charaktere sehr natürlich ihren Platz finden.
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121 reviews
April 29, 2026
Ich habs sehr genossen und ich hatte für mich eine neue Eingebung. Die Geschichte hat mich selbst wachsen lassen und den Wunsch nach mehr Langsamkeit und Genügsamkeit in dieser schelllebigen und konsumgeprägten Welt verstärkt. Ich liebe alle 3 Riesinnen gleich viel. Das Buch hats unter den Top 10 Büchern die ich jemals gelesen habe geschafft.
164 reviews
Review of advance copy
January 21, 2026
"Was haben sie daran geglaubt, dass sie zusammengehören, nur um festzustellen, dass nichts für die Ewigkeit sein kann, was menschlich ist." (S. 277)

Drei Frauen, so groß, so rothaarig, so anders - und trotzdem gehören sie dazu. Nach Wittenmoos, einem kleinen Dorf im Schwarzwald, borniert, konservativ, jeder weiß über jeden Bescheid. Sie brechen aus in ihrer Haltung, ohne den Ort wirklich lange zu verlassen. Liese übersteht eine langweilige und trostlose Ehe, die von Gewalt gezeichnet ist. Halt gibt ihr ihre Tochter Cora, die bereits als Kind zur Außenseiterin wird. Im jungen Erwachsenenalter flieht sie aus dem engen Korsett der Dorfgemeinschaft, nur um kurze Zeit später in schwangerem Zustand und resigniert wieder zurückzukehren. Ihre Tochter Eva will eigentlich gar nicht weg aus Wittenmoos, studiert kurz in einer größeren Stadt, um danach, sowie die beiden anderen Frauen auch, ihre Bestimmung zu finden.

Hannah Höffner ist mit "Die Riesinnen" ein grandioser, literarisch anspruchsvoller Roman gelungen, der drei Generationen von Frauen portraitiert, die anderes für sich gewollt hätten, das Leben aber so nehmen, wie es kommt, um das beste daraus zu machen. Der Schreibstil der Autorin ist sehr poetisch, teils nüchtern, oft philosophisch, was einem durchaus etwas abverlangt. Ihr Sinn, eine dichte und eindrückliche Atmosphäre zu schaffen, ist feinfühlig und atemberaubend zugleich. Die Geschichte wirkt aus der Zeit gefallen und ist deshalb umso einnehmender. Das gesellschaftliche Korsett der Dorfgemeinschaft ist eng geschnürt, deshalb ist es umso erstaunlicher, dass sie trotzdem ein schier unüberbrückbarer Anziehungspunkt ist, dem die Protagonistinnen nur halbherzig entfliehen mögen.

Der Roman hat einen beeindruckenden Tiefgang, zahlreiche Themen werden verhandelt. Zentral ist aber immer die Frage nach der Heimat, nach den Wurzeln, auch jene des eigenen Selbst. Neben den drei Frauen ist der Schwarzwald und seine betörende Natur ein wesentlicher Protagonist, er scheint für alle ein essentielles Lebenselixier zu sein, genauso wie die familiäre und intensive Bindung zueinander - und das alles ohne jeglichen Kitsch, mit einer Klarheit, die oft im Versteckten lauert, aber irgendwann sicher zum Vorschein kommt. Besonders schön herausgearbeitet ist meines Erachtens die Unterschiedlichkeit der drei Frauen, die aber niemals ohne einander können und unmissverständlich zueinander gehören. Wie sie mit den vielfältigen Herausforderungen des Lebens umgehen, trotz vieler Schicksalsschläge, ist nachvollziehbar und strotzt vor innerlicher Stärke, die ihnen aber so gar nicht bewusst ist. Einer der besonderen Aspekte des Buches ist es auch, dass wirklich die drei Frauen im Mittelpunkt stehen und alle anderen Figuren, so sehr sie sie beeinflussen oder auch nicht, nur peripher steuernde Charaktere sind, die nie eine so zentrale Rolle spielen, als dass die Protagonistinnen aus ihrem Mittelpunkt fallen würden.

Mein Fazit: "Die Riesinnen" ist ein unvergleichliches Lesehighlight, das durch poetische, nüchterne und philosophische Sprache und der feinen Beobachtungsgabe von familiärer Bindung besticht. Zentral sind drei starke Frauen, tief verbunden mit dem Schwarzwald, die trotz Widrigkeiten und Enge der Dorfgemeinschaft für sich selbst kämpfen, um ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Ein sehr besonderes Buch, das wohl in den nächsten Jahren immer als eins meiner Lieblingsbücher gelistet werden wird.
443 reviews4 followers
May 2, 2026
Warum ragt dieses Buch so heraus – und bleibt trotzdem so tief verwurzelt?
Dieses Buch erfährt gerade einen enormen Hype – und ausnahmsweise kann ich sagen: völlig zu Recht. Die Riesinnen ist nicht nur gut, es ist großartig. Still großartig. Eindringlich großartig. Und vor allem: nachhaltig.
Im Zentrum stehen drei Frauen aus drei Generationen – Liese, Cora und Eva. Drei Leben, die unterschiedlicher kaum verlaufen könnten und doch untrennbar miteinander verbunden sind. Liese, die sich in einer rauen Nachkriegswelt behaupten muss, festhält, durchhält, weitermacht – auch dann, wenn das Leben wenig Raum für eigene Wünsche lässt. Cora, die sich gegen diese Enge auflehnt, hinaus will, alles hinter sich lässt, um dann zu erkennen, dass Flucht nicht automatisch Freiheit bedeutet. Und schließlich Eva, die zwischen diesen beiden Polen aufwächst – zwischen dem Drang hinaus und dem Sog zurück.
Wittenmoos, dieses kleine Schwarzwalddorf, ist dabei weit mehr als nur ein Schauplatz. Es ist Kraftfeld und Käfig zugleich. Ein Ort, der hält und gleichzeitig einengt. Hier kennt jeder jeden, hier wird beobachtet, geredet, bewertet – und doch ist genau hier auch diese tiefe, kaum erklärbare Verbundenheit spürbar. Besonders der Wald zieht sich wie ein lebendiger Organismus durch den Roman: schützend, fordernd, manchmal fast unerbittlich. Für alle drei Frauen wird er zu einem Gegenpol zur sozialen Enge – ein Raum, in dem sie atmen können.
Was mich besonders berührt hat: Dieses Buch braucht keine großen dramatischen Wendungen, um zu wirken. Es erzählt vom Leben selbst – von Entscheidungen, die nicht laut getroffen werden, von Wegen, die sich erst im Rückblick als die richtigen erweisen. Wenn man am Ende zurückblickt, merkt man, wie viel eigentlich passiert ist. Ganz leise. Ganz konsequent.
Und dann dieser Schreibstil. Hannah Häffner schreibt mit einer Präzision, die fast weh tut – weil sie so genau ist. Ihre Sprache ist dicht, poetisch, manchmal dunkel, dann wieder überraschend zart. Sätze, die nicht einfach gelesen, sondern gespürt werden wollen.
Dabei gelingt ihr etwas sehr Besonderes: Sie verbindet eine fast entschleunigte Erzählweise mit einer enormen Sogkraft. Es passiert scheinbar wenig – und gleichzeitig will man immer weiterlesen. Weil jede Figur Tiefe hat, weil jede Beziehung Nuancen trägt, weil zwischen den Zeilen oft mehr liegt als im Offensichtlichen.
Auch die Entwicklung über die Generationen hinweg ist fein gezeichnet. Während Liese noch stark gegen äußere Umstände ankämpfen muss, geht es bei Cora um Abgrenzung und Aufbruch. Und Eva? Sie darf bereits wählen. Ihr Weg wirkt freier, bewusster – und zeigt, dass Veränderung oft leise beginnt, aber über Generationen hinweg wirkt.
Und ja, es gibt Momente, die fast zu rund erscheinen, fast zu schön. Aber selbst das fügt sich in dieses Gesamtbild ein: als leiser Hoffnungsschimmer, nicht als Kitsch.
Für mich ist Die Riesinnen ein Roman über Frauen, die sich nicht laut emanzipieren müssen, weil sie es längst tun – auf ihre eigene, oft stille Weise. Über Herkunft, die prägt, aber nicht festschreibt. Über Heimat, die gleichzeitig Last und Halt sein kann.
Und vielleicht ist genau das das Geheimnis dieses Buches: Es erzählt nichts Spektakuläres – und trifft dabei mitten ins Herz.
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158 reviews1 follower
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February 16, 2026
ausdrucksstark

So richtig was zu sagen zu dem Buch hab ich eigentlich nicht. Vielleicht, weil Hannah Häffner schon alles in diesem Buch gesagt hat, was dazu gesagt werden muss. Ich mag dieses Buch. Die Art, wie Hannah erzählt hat etwas, ist neu irgendwie. Wie ich mags, auch wenn ich dadurch irgendwie ‚gezwungen‘ war, langsamer zu lesen. Das ist kein Buch, durch das man fliegt, dafür ist es zu ruhig, zu DA. Zumindest für mich. So recht wissen, wie ich es besser erklären soll, tu ich nicht. Aber gut war es ohne Zweifel.
Ich mochte, wie schlicht und gleichzeitig poetisch das Buch teilweise erzählt wird. Es gibt so viele Wahrheiten die teilweise nur in Nebensätzen erwähnt werden, weil sie genauso zum Buch gehören wie der Rest auch. Es ist so neutral erzählt und dann irgendwie auch nicht. Mir gefällt, dass es aus drei Perspektiven erzählt wird, drei Generationen, drei Frauen. Und jede davon ist sie selbst und doch verschmelzen sie miteinander. Es ist spannend, zu lesen, wie sie sich weiterentwickeln, egal in welche Richtung. Was sie an Glauben und Denken mitgeben, was sie wann und wie ablegen, was sie sich wünschen und was sie nicht mögen. Die Geschichten der drei greift ineinander über, weil es letztendlich doch nur eine Große ist.
Ich würde nicht sagen, dass ich die Protagonisten zwingend sympathisch fand und das muss ich hier auch gar nicht, aber authentisch waren sie ohne Zweifel. Würde mir jemand sagen, dass ich eine Zusammenfassung dreier Leben, einer Familie gelesen habe, die es so tatsächlich gibt, ich würde es glauben. Sie sind so greifbar und gleichzeitig ist es, als würde man nur von weitem zuschauen, nicht direkt involviert sein, wie das bei anderen Romanen vielleicht der Fall ist. Aber das ist Teil der Geschichte und anders würde es auch nicht passen.
Ich würde nicht direkt sagen, dass es ein spannendes Buch ist, aber ich habe auch nicht den Eindruck, dass es das sein soll. Es ist eine Erzählung, eine Erzählung dreier Leben so, wie sie eben sind. Selbst wenn sie langweilig wären, fühlen sie sich immer noch echt an. Ein bisschen kommt mir das Buch auch so vor. Wie das Leben. Nicht zwingend eintönig, aber einfach da. Und das meine ich keineswegs negativ, nur weiß ich nicht, wie ich es groß anders beschreiben kann. Ich finde die Idee spannend und mir gefällt die Umsetzung sehr, auch wenn ich nicht wusste, was mich erwartet, letztendlich ist es so, wie es zu sein hat, dieses Buch. Der schreib und Erzählstil sind etwas Besonderes, so viel kann ich sagen. Und auch, wenn ich bis jetzt einiges zu sagen hab zu diesem Buch, weiß ich doch nicht so recht, was ich dazu noch sagen kann.

Fazit:
Es ist neu und irgendwie anders, zumindest für mich, realistisch, ruhig und neutral erzählt. Aber das tut der Geschichte keinen Abbruch, es macht sie auf seine eigene Art und Weise besonders. Ich kann letztendlich nur sagen: Lest und seht selbst. Weil ich nicht weiß, was ich zu diesem Buch sonst noch sagen könnte.
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747 reviews6 followers
April 16, 2026
4,5/5 ⭐️⭐️⭐️⭐️

Die Riesinnen von Hannah Häffner / Rezension

Dieses Buch hatte augenblicklich eine Sogwirkung auf mich und Liese werde ich niemals vergessen können.

✨Zitate:

„Dieser Wald, der von den Flanken ewig heranrollt, in einem Schwarz, das seinen Launen folgt. Mal ist es dunkelgrün, mal schmutzig grau, mal reines, abgrundtiefes Schwarz, die Abwesenheit aller Farben. Dieser Wald, den man nicht aus sich herausbekommt, auch wenn man ihn verlässt. Der wurzelt, unter dem Herzen, hinter den Lungen, und man hört ihn deiner Sprache an und sieht ihn in deinen Augen.“

„Auf dem Weg zur Schule hält Cora ihre Hand fest umklammert. Der Ranzen sieht riesig aus, steht links und rechts weit über.“

✨Inhalt:

Liese, Cora und Eva. Sie sind größer als andere und dünner. Ihre Heimat ist der Schwarzwald. Ihre Geschichte ist dort tief verwurzelt. Man kennt sie in Wittenmoos, aber für Akzeptanz mussten sie lange kämpfen…

✨Meinung

Die Geschichte erstreckt sich über drei Generationen, beginnend in den 60er Jahren, mit mini Rückblicken in die 50er und reicht bis in die Gegenwart. Das Setting Wittenmoos liegt tief im Schwarzwald (eines meiner liebsten Settings für Thriller oder auch Familiendramen) und überzeugt zu 100%.

Wir begleiten die drei Frauen, beginnend mit Liese, die die Weichen stellt für ihre Tochter Cora und ihre Enkelin Eva. Allen Frauen sind ihre roten Locken und eine dünne und lange Körpergröße gemein, dafür sind die berühmt, die Riesinnen eben…

Die ersten paar Seiten muß man überwinden, da habe ich beim Lesen gedacht, oh je, hoffentlich brechen hier nicht zu viele ab. Es ist sehr poetisch. Aber danach, ich schwöre es, habe ich mich in den Schreibstil und die „erste“ der drei Protagonistinnen VERLIEBT. Mein erstes Buch der Autorin ist daher eine absolute Bereicherung für mich gewesen!

Viele Situationen haben mich zu Tränen gerührt, die Geschichte an sich ist vielleicht nicht neu, aber die Erzählweise der Autorin ist besonders und mitreißend.

Ich habe kaum bis wenig Kritik, aber wenn ich etwas benennen müsste, dann würde ich sagen, dass für mich der Übergang von Cora als Kind zu Cora als junge Frau sehr schnell gegangen ist (zu schnell), da bin ich emotional nicht ganz mitgekommen und habe erst später wieder Anschluss gekriegt, als Eva dann auch schon da war. Zwischendurch gab es auch immer mal kleinere Situationen über die „zu einfach“ drüber weggegangen wurde, aber die meisten finden gegen Ende noch Erwähnung und werden noch aufgeklärt, so dass ich insgesamt absolut zufrieden bin.

✨Fazit

Das ist ein ganz wunderbares Buch, zu dem es viel zu sagen gibt. Ich habe es sehr gern gelesen und habe insbesondere zu Liese ein enges Verhältnis aufbauen können.

Macht Euch gern ein eigenes Bild!

4,5/5⭐️⭐️⭐️⭐️

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211 reviews15 followers
Review of advance copy received from Publisher
February 24, 2026
"Oder aber sie nimmst sich, was ihr gehört [...]. Auch wenn sie dafür jemand sein muss, der sie noch nie war."

Was tut man, wenn man in einem Dorf aufwächst, das einen ausgrenzt, weil man anders ist? Weil man größer und dünner ist als die durchschnittlichen Frauen. Weil man wagt, zu träumen von einer Welt außerhalb. Weil man in den 60er-Jahren für seine Rechte einsteht und alleine ein Kind großzieht? Und was ist, wenn man unheimlich wütend ist und gar nicht weiß warum? Wohin mit der Wut in all dem Erwachsenwerden? Und was ist Heimat, wenn nicht nur ein Konstrukt?

In Hannah Häffners Generationenportrait begegnen wir drei Frauen, die auf ihre Weise stark und "anders" sind. Es ist beeindruckend, diese detailliert gezeichneten Figuren beim Großwerden (was nicht zwingend mit Erwachsenwerden gleichzusetzen ist) zu begleiten. Da ist zunächst die älteste der drei Frauen, Liese, die durchhält. Die die Dinge tut, die man eben muss, und schmerzhaft einst geträumte Träume vergräbt. Wie gut versteht man ihre Tochter Cora, die raus will aus der zu engen Dorfwelt und die die Entscheidungen ihrer Mutter so gar nicht nachvollziehen kann - bis sie selbst Mutter wird.

Genau in dieser "Drei-Geschichtlichkeit" steckt der Zauber des Buches. Die verschiedenen Perspektiven mischen sich auf gekonnte Weise mit dem Wissen der Leser. So kommt es, dass wir auf der einen Seite sehr gut verstehen, warum Cora alles anders machen möchte als ihre Mutter, deren Versuche, sie mit Freundinnen anzubandeln, insgeheim lächerlich findet. Und gleichzeitig verstehen wir den Wunsch der Mutter, die Tochter zu schützen, für sie da zu sein. Ähnlich verhält es sich dann auch mit Eva, Coras Tochter bzw. Lieses Enkelin, die der Natur ganz anders verbunden ist als die Mutter.

"Die Riesinnen" ist ein Buch, das man schnell nicht mehr aus der Hand legen mag. Nach zwei, drei Sätzen hat man sich festgelesen. Das liegt nicht zuletzt an der Poesie, mit der Hannah Häffner erzählt. Jeder Satz ist dicht, durchdacht, ein Satz fließt in den anderen, die Erzählung zieht in den Bann. Und schon sind 50 Seiten verfolgen. Der Roman mag zwar auf den ersten Blick leise daher kommen und mit seinem Umfang von über 400 Seiten abschrecken. Dennoch wünscht man sich nach dem letzten Satz noch mindestens 100 weitere Seiten lesen zu können.

Zwischen den Zeilen steckt so viel Klugheit, Lebensweisheit und Stärke, dass man das Buch immer wieder zur Hand nehmen mag. Genau so muss Literatur sein: Einblicke in fremde Biografien geben und damit (auch) ein freundlicher Ratgeber in Sachen Wünsche, Ziele und Stärke sein.
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