Jump to ratings and reviews
Rate this book

Ich geh jetzt los und bring mich um

Rate this book
He Hanqing ist eine unsichtbare Frau. Seit der Hochzeit lebt sie im Haushalt der Schwiegereltern, wo sie kocht, putzt, wäscht, Einkäufe erledigt und als Mädchen für alles stets zu Diensten ist. Ihre eigenen Bedürfnisse interessieren niemanden, selbst den Gang zur Toilette muss sie unterbrechen, wenn jemand anderes muss. Die vielen Aufgaben sind das eine, die fehlende Wertschätzung sind das andere. Bin ich denn für niemanden mehr als eine kostenlose Haushaltshilfe? Die Wucht, mit der Hanqing diese Frage ins Bewusstsein drängt, lässt sie einen folgenschweren Entschluss treffen, der überraschende Folgen hat.

120 pages, Kindle Edition

First published January 1, 2004

Loading...
Loading...

About the author

Fang Fang

242 books56 followers
Fang Fang graduated from the Department of Chinese Language and Literature, Wuhan University in 1982. She has published nearly seventy novels, novellas and essay collections. Many of her novels and novellas were published overseas in English, French, Japanese, Italian, Portuguese, Korean and other languages. Her representative works include the novels Chronicle of Wuni Lake and Water under the Time, and novellas The Scenery and Grandfather in the Heart of Father.

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
5 (11%)
4 stars
18 (42%)
3 stars
13 (30%)
2 stars
4 (9%)
1 star
2 (4%)
Displaying 1 - 14 of 14 reviews
Profile Image for Hannah.
53 reviews14 followers
September 15, 2026
Hanqing hat keinen Bock mehr auf die Gängeleien und Schikane ihrer angeheirateten Familie. Ihr Mann schenkt ihr keine Beachtung mehr und ihre Schwiegereltern kommandieren sie herum, wo es nur geht. Und so beschließt sie, dann auch gleich sterben zu können.
Der Weg dahin gestaltet sich allerdings steinig. Sie wird bei ihrem Vorhaben von weiteren Bekannten gestört und kommt gar nicht dazu, sich das Leben zu nehmen. Bis es dann zu spät ist und Hanqing erkennt, dass sie ihrem Schicksal nicht entkommen kann.
Und genau das hat mich etwas an dem Buch gestört. Denn die Protagonistin ist so überzeugt von ihrer Absicht, so enttäuscht von ihrer Familie und so glücklich, ihnen durch ihr Ableben eins auswischen zu können, dass ihr finaler Sinneswandel für mich unglaubwürdig ist.
Gut gefallen hat mir der Einblick in die traditionellen chinesischen Strukturen, die ihren Entschluss begründen.
Profile Image for Wolf Macbeth.
234 reviews2 followers
August 19, 2026
DIE SKLAVIN DER FAMILIE

He Hanqing lebt seit ihrer Hochzeit mit ihrem Mann und dessen Familie zusammen und ist dort eigentlich das Mädchen für alles. Sie arbeitet, kocht, putzt, kümmert sich um die Schwiegereltern und hält den ganzen Haushalt am Laufen. Anerkennung bekommt sie dafür praktisch keine. Im Gegenteil: Ihre eigene Familie behandelt sie teilweise, als wäre sie nichts wert. Irgendwann hat Hanqing genug und beschließt zu sterben.

Für mich war ihre Stellung in dieser Familie von Anfang an die einer Sklavin. Alle brauchen sie, alle leben von ihrer Arbeit, aber niemand sieht wirklich, was sie leistet. Das hat mich teilweise richtig wütend gemacht. Gerade weil ziemlich schnell klar wird, dass Hanqing eigentlich ein unglaublich guter Mensch ist. Sie ist hilfsbereit, mutig und entwickelt für andere eine erstaunliche Kraft – nur für sich selbst nicht.

Genau darin liegt für mich die bittere Tragikomik des Romans. Als Hanqing sich entschließt zu sterben, passieren immer wieder Dinge, bei denen ausgerechnet sie anderen Menschen hilft. Teilweise ist das so grotesk, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Für mich wird Hanqing dadurch zu einer richtigen Alltagsheldin, obwohl sie selbst diesen Gedanken völlig lächerlich findet.

Die Sprache ist eher einfach und direkt gehalten. Literarisch besonders kunstvoll fand ich sie nicht, aber zu Hanqing und ihrer Art zu denken passt sie für mich sehr gut. Man ist ständig nah bei ihren Gedanken, ihrer Wut, ihrer Verzweiflung und auch bei ihrem ziemlich derben Humor.

Allerdings ist der Roman auch sehr konstruiert. Die Familie ist fast schon grotesk gemein und egoistisch gezeichnet, während Hanqing außerhalb dieser Familie immer wieder auf Menschen trifft, die sie mögen, schätzen und sofort erkennen, was für ein guter Mensch sie ist. Dieser Gegensatz ist schon ziemlich dick aufgetragen. Auch Hanqing selbst ist überzeichnet: auf der einen Seite unglaublich gut, hilfsbereit und kompetent, auf der anderen Seite teilweise so naiv, dass ich sie am liebsten gepackt und angeschrien hätte: Du bist nicht das Problem. Deine Familie ist das Problem. Geh weg und fang neu an!

Gerade das hat mich beim Lesen immer mehr beschäftigt. Hanqing kann für andere kämpfen, sie kann anderen helfen und sie kann in schwierigen Situationen unglaublich mutig sein. Aber wenn es um ihr eigenes Leben geht, schafft sie es nicht, dieselbe Kraft für sich selbst aufzubringen. Man kann erklären, warum das so ist, aber Fang Fang konstruiert die Geschichte teilweise auch sehr deutlich so, dass Hanqing in ihrer Rolle gefangen bleiben muss.

Trotzdem hat mich das Buch berührt. Es ist traurig, manchmal richtig bitter, gleichzeitig aber auch überraschend komisch. Und am Ende bleibt für mich vor allem dieser Gedanke: Die einzige Person, die alles am Laufen hält, gilt als die Wertloseste. Und das Traurigste ist, dass sie selbst irgendwann nicht mehr erkennt, dass nicht sie das Problem ist.
Profile Image for Linus.
17 reviews
July 29, 2026
Interessantes Buch über Carearbeit im China der nuller Jahre. Von einer Frau die so wenig Kontrolle über ihr eigenes Leben hat, dass sie nicht Mal die Entscheidung treffen kann ihr Leben zu beenden ohne das wer dazwischen funkt.
Das im ersten Viertel die ganze Zeit ihre Toilettenroutine und ihr nicht vorhandener Stuhlgang beschrieben wurde, fand ich bisschen viel.
Profile Image for buchdate.
186 reviews204 followers
Read
July 28, 2026
(Rezensionsexemplar)

He Hanqing lebt zusammen mit ihrem Mann, ihren Schwiegereltern und ihrer Schwägerin in einem Haus. Sie kümmert sich ausnahmslos um alles und jeden, stellt ihre eigenen Bedürfnisse hinten an und muss dabei noch die andauernden Respektlosigkeiten ihrer Familie ertragen - bis es ihr endgültig reicht.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich klingt diese Zusammenfassung des Klappentextes nach einem wichtigen und tiefgründigen Buch über die Rolle der Frau, soziale Ungerechtigkeiten und Misogynie. So klang es zumindest für mich, weswegen ich beim Lesen dann leider negativ überrascht worden bin.

Das Buch spiegelt sehr gut die ungerechten Erwartungen eines veralteten Frauenbildes wider und das zusätzlich in Kombination mit einem respektlosen und höchst problematischen Familienumfeld. Allerdings hat der (versucht?) humorvolle Schreibstil dem Ganzen etwas von seiner Ernsthaftigkeit genommen, was meiner Meinung nach nicht ganz passend war. Ich war also das ganze Buch nicht so sonderlich überzeugt von der Geschichte (bis auf wenige gute Szenen), aber das Ende hat mich dann wirklich mit den Augen rollen lassen. Das Ende dieses Buches war für mich wirklich eines der nervigsten Enden, die ich je in einem Buch gelesen habe! Ich kann mir vorstellen, was die Autorin mit diesem Ende darstellen wollte, aber das hat auf keiner Ebene für mich funktioniert (mehr dazu ganz unten).

Fazit:
Es hätte stark sein können, aber leider war die Umsetzung nichts für mich.

Spoiler (!) für das Ende des Buches:
Die Protagonistin wartet in einem Park darauf, ob ihr Ehemann sie suchen kommt, ansonsten wolle sie auf dieser Parkbank sitzen bleiben, bis sie st!rbt. Als er dann tatsächlich kommt, sie beleidigt, herabwürdigt und ihr ein Selbstbestimmungsrecht abspricht, geht sie wieder mit ihm nach Hause. Mit ganz viel Fantasie kann ich mir noch vorstellen, dass das die Lebensrealität vieler Frauen darstellen soll, die es eben nicht schaffen, sich aus so einem Umfeld zu lösen. Der innere Monolog der Protagonistin passt allerdings GAR NICHT dazu. Im Gegenteil: sie ist einfach nur froh, dass ihr Mann nach ihr gesucht hat - seine Aussagen und sein toxisches Verhalten nimmt sie, wie davor, so hin. Was soll hierbei das Learning des Buches sein? Für mich gab es keins, vielleicht habe ich es aber auch nicht verstanden.
Profile Image for Maximilian.
48 reviews
August 1, 2026
Wow, definitely want to read more of this author. The way people spoke, even in the German translation, reminded me so vividly of my time in China m; the very blunt and at times funny language, the rawness of it all, ah I sometimes find myself missing it (everything outside of this terrible family to be clear). Extremely apt description of some social dynamics there (unsurprisingly given the author lol). I often thought that life is bittersweet, but the older I get, I think us, the ordinary folk, the commoners, 我们老百姓,tend to get more of the bitter part, less of the sweet. As Xi Jinping said, we have to be prepared to 吃苦 (eat bitterness). Such a sad world. Bless the poor woman He Hanqing.
Profile Image for Marie On.
Author 1 book3 followers
July 1, 2026
He Hanqing will sich endlich erleichtern. Ihr Darm signalisiert ihr, dass es an der Zeit ist. Sie läuft zur Toilette und während sie die Tür öffnet, wird sie von hinten am Pulli festgehalten. Komm schnell mit, schreit Sanhuas Mann, ich brauche deine Hilfe. Sofort verstummt ihr Darm. „Meine Frau will sich umbringen.“ „Hast du wieder eine deiner Affären gehabt?“ Er verneint, er habe nur der Frau vom Friseursalon beim Tragen geholfen, die hatte ja keine Ruhe gegeben. Hanqing folgt ihm auf die Straße. Da schreit die Schwiegermutter nach ihrem heißen Wasser. Hanqing schreit zurück, dass ein Menschenleben vorgehe. Diese kaltherzige Alte, denkt sie.

Sanhua sitzt auf dem Bett und heult. Hanqing schwatzt sich die Zunge wund, bis Sanhuas Tränen versiegen. Ihr sei ganz egal, ob ihr Mann eine oder hundert andere Frauen habe, ihr Leben sei es, das sie nicht mehr aushalte.

Auf dem Weg nach Hause denkt Hanqing noch lange über die Worte nach. Und nein, Putzen, Kochen, Waschen, Einkaufen und ständige Verfügbarkeit -Hanqing mach dies, mach das – konnte wirklich nicht erstrebenswert sein.

Kaum ist sie zurück, ruft die Schwiegermutter nach ihrem Wasser. Hanqing setzt den Kessel auf den Herd und beobachtet, wie die züngelnden blauen Flammen am rußgeschwärzten Kesselboden lecken, als ihr Darm sich wieder regt. Sie läuft zur Toilette, stößt die Tür auf, die den Wischmopp zu Fall bringt. Sie greift danach, stößt gegen den Waschtisch, hält das Becken, damit er nicht umfällt und ein Schwall abgestandenes Rasierwasser der Alten schwappt über die Ärmel ihres besten Wollpullis, den sie sich vom Mund abgespart hat.

Fazit: Die wohl bekannteste Autorin Chinas hat den ermüdenden Alltag einer Protagonistin gezeichnet, die wohl am ehesten als „pleasure people“ bezeichnet werden könnte. Sie kümmert sich um ihren Mann, ihre Schwiegereltern und die Schwägerin mit allem, was zur Care-Arbeit dazugehört. Als ihr Mann seine Arbeit verliert, putzt sie nebenbei bei Nachbarn, um die Familie zu ernähren. Danken tut es ihr niemand, im Gegenteil, keiner rührt einen Finger um die gebeutelte Frau zu unterstützen. Man nennt sie faul, einfältig und ungebildet. Ein Bauerntrampel eben. Die Nachbarschaft weiß Hanqing zu schätzen, der sie zusätzlich mit Gefälligkeiten entgegenkommt. Die Autorin zeigt auf einfache Weise, wie Frauen im traditionsreichen, kommunistischen China sich für ihre Familien aufopfern und ausgebeutet werden. Ich muss zugeben, dass ich dem Schreibstil Fang Fangs nicht so viel abgewinnen konnte, das ist allerdings mein persönlicher Geschmack.
25 reviews
July 14, 2026
Mit der ersten Seite öffnet sich scheinbar eine fremde Welt. Man tritt ein in den Alltag einer älteren chinesischen Hausfrau im aufstrebenden Arbeitermilieu im China zu Beginn des Jahrtausends. Der Roman von Fang Fang ist endlich in einer deutschen Übersetzung erschienen, in China bereits im Jahr 2004. Es ist eine Zeit, in der es bereits Arbeitsteilung nach den Vorstellungen des Mittelstandsmilieus gibt: Frauen können zu Hause bleiben, sind dort allerdings für alles zuständig, für die Kinder, die Schwiegereltern und sowieso den Ehemann. Obendrein fehlt es immer an Geld.
Hanqing, die Heldin des Romans, rackert sich unermüdlich im Haushalt ab. An einem Tag hat sie genug von all dem. Sie erträgt es nicht mehr und fasst einen Entschluss „Ich geh jetzt los und bring mich um“, so auch der Titel des Romans.
Was so leicht dahergesagt scheint, zeigt die tiefe Verletztheit einer Frau, die sich nicht wahrgenommen fühlt. Der Sohn ist groß, studiert und kostet Geld, hat aber keine Zeit für seine Mutter; der Mann beschimpft sie, schlägt sie gar gelegentlich, und ist nicht mehr liebevoll; die Schwiegereltern haben eine extrem anspruchsvolle Haltung des Nehmens ohne Dank entwickelt. Doch - und das ist nicht wenig - sind es die Nachbarinnen, eine alte Frau, der sie die Ohren reinigt, eine betrogene Ehefrau, deren Sohn sie hütet, bei denen sie Wertschätzung erfährt. Umso schmerzlicher ist für sie, dass die Familie sich sogar lustig macht über ihre Freitodabsichten. Sie ist zornig und fühlt sich zum Handeln gezwungen.
So zieht sie los, um sich umzubringen, überlegt, welcher Ort geeignet wäre, was ihre Familie dann denken könnte und während sie alles hinter sich lassen möchte, bleibt sie die, die sie ist: eine Frau, die hilft, die eingreift, die sich engagiert, die wichtig ist. Vielleicht merkt sie das selbst am Ende, denn eher scheint es die Verpflichtung, die ihr Handeln bestimmt, und hier wird der Roman universal, verlässt die für uns exotische Kulisse und ergreift uns, weil wir an unsere Großmütter, Freundinnen und vielleicht auch an uns denken, die ihren Umständen nicht entfliehen können und allein Trost und Sinn in kleinen Nebenwelten finden.
Doch neben der Handlung besticht der Roman durch die Abfolge der Ereignisse, der Schilderungen des Viertels, den Betrachtungen, wie sich China verändert hat und kleinen schönen Dialogen und Szenen die sich zwischen Hanqing und ihren Freundinnen und vor allem in ihrem Kopf abspielen. Eine Freude, ihn zu lesen. Viel Zeit braucht man nicht dazu.
Profile Image for Naraya.
318 reviews10 followers
July 2, 2026
He Hanqing ist in ihrer Familie das Mädchen für alles. Pausenlos kümmert sie sich um den Haushalt und die Wünsche ihrer Schwiegereltern, der Schwägerin und ihres Mannes. Obwohl sie unter chronischer Verstopfung leidet, bleibt ihr nicht einmal genug Zeit, um in Ruhe auf die Toilette zu gehen. Nebenbei verdient sie auch noch Geld als Reinigungskraft, während ihr Mann nach seiner Entlassung in der eigenen Werkstatt kleine Autos aus Holz schnitzt. Als eine Bekannte von Hanqing mit Selbstmord droht, findet sie das erst ziemlich albern, aber dann beginnt der Gedanke auch in ihrem Kopf Form anzunehmen.

„Ich geh jetzt los und bring mich um“ ist der neuste Roman aus der Feder von Fang Fang und wurde von Karin Betz ins Deutsche übersetzt. Erzählt wird aus der Perspektive der Protagonistin Hanqing, so dass wir beim Lesen all ihre Frustration und Verzweiflung, aber auch ihre Zerrissenheit zu spüren bekommen. Denn eigentlich will sie gar nicht sterben, sie will nur einfach ein anderes Leben, in dem sie als Mensch geschätzt und geachtet wird.

Wie es in China traditionell üblich ist, zog Hanqing nach der Heirat bei der Familie ihres Mannes ein. Ihr obliegen nun sämtliche Aufgaben und damit auch die Pflege der Schwiegereltern, die auf sie herabschauen, weil sie vom Land stammt und nicht besonders intelligent ist. Selbst Hanqings Sohn, der für sein Studium weggezogen ist, meldet sich nur dann bei seiner Mutter, wenn er Geld braucht. Im Gegensatz dazu ist sie bei den Nachbarn und all ihren Bekannten hoch angesehen und erhält dort mehr Freundlichkeit, als im eigenen Zuhause.

Alles verändert sich, als Hanqing das Haus verlässt, um sich das Leben zu nehmen – und doch bleibt andererseits auch alles so, wie es vorher war. Das macht den Roman ebenso frustrierend wie realistisch. Am Ende ist nur von Bedeutung, dass es Hanqing gelingt, eine Entscheidung zu treffen, die über ihre weitere Zukunft bestimmen wird. Für mich ist „Ich geh jetzt los und bring mich um“ nicht unbedingt Fang Fangs stärkstes Werk, aber immer noch sehr lesenswert.
Profile Image for Bücherbummlerblog.
146 reviews8 followers
August 2, 2026
He Hanqing kann nicht mehr. Als Schwiegertochter in einer recht traditionellen, konservativen chinesischen Familie ist sie für alles verantwortlich, versorgt ihren gelegentlich handgreiflichen Ehemann, die Schwiegereltern und die Schwägerin und nimmt zusätzlich noch diverse Arbeiten an, um die extravaganten Wünsche ihres studierenden Sohnes zu erfüllen. Gesundheitliche Probleme und der Mangel an Anerkennung und Zuspruch tun ihr Übriges, He Hanqing möchte sterben. Als die Situation erneut eskaliert, verlässt sie das Haus, um ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Nach „Wütendes Feuer“ und „Blume Vollmond“ ist „Ich geh jetzt los und bring mich um“ mein dritter Roman von Fang Fang. Und leider auch der Schwächste der drei. Fang Fang geht hier ein schweres Thema an, scheitert aber an der Umsetzung. Das liegt vor allem daran, dass es ihr nicht gelingt, die Motivation für einen Suizid überzeugend darzustellen. Natürlich sind suizidale Gedanken keine Frage der äußeren Umstände, sondern des individuellen Empfindens, aber es schwingt die ganze Zeit ein subtiler amüsierter Unterton mit, der der Geschichte fast schon einen leicht albernen Anstrich gibt. He Hanqing wirkt oft eher wie ein kleines trotziges Kind, das der Welt zeigen will, wie furchtbar ein Leben ohne es ist, als jemand, der wirklich an seiner Situation verzweifelt. Da ist auch die ständige Thematisierung ihrer chronischen Verstopfung nicht wirklich hilfreich.

Insgesamt ist der Roman eine bizarre Mischung aus Märchen, Odyssee und Feel-Well, die nicht nahtlos zusammenpassen mag. Schade ist auch, dass Hoffmann und Campe dieses Mal auf ein Nachwort verzichtet hat, das, wie bei den früheren Werken, einen großen Mehrwert hätte bieten können.

Unlesbar ist „Ich geh jetzt los und bringe mich um“aber nicht. Es liest sich gut und schnell und bietet einen interessanten Einblick in die auch im 21. Jahrhundert noch existierenden Alltagsrealitäten von Frauen. Alles in allem gehört der Roman aber leider nur in die Kategorie „Kann man lesen, muss man aber nicht“.
Profile Image for Christoph Moser.
168 reviews
October 16, 2026
Durchaus reizvolle Sicht auf das Leben einer zu wenig wertgeschätzten Frau und Mutter im ländlichen China, die an den Rand eines Nervenzusammenbruches gerät und dann mit einer leicht hysterischen und ziemlich lauten Flucht nach vorne beginnt. Leicht zu lesen. etwas profan und letztlich wenig nachhaltig. Kann man lesen - muss man aber nicht.
Profile Image for Kelsang.
4 reviews
August 24, 2026
I enjoyed reading it. Would have give 5 stars, if it had a different ending.
71 reviews
September 27, 2026
Nicht ungern gelesen. Aber so richtig gepackt hat es mich nicht.
Displaying 1 - 14 of 14 reviews