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Die kleine Faschistin: Kriminalroman

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Eine Kleinstadt am Atlantik, an der Grenze zu Belgien. Hier wächst die »kleine Faschistin«, wie Francesca zu Hause liebevoll genannt wird, zwischen Schießstand und rechtsintellektuellen Klassikern auf. Das hält sie jedoch nicht davon ab, ihrer Kindheitsliebe Jugurtha die Treue zu halten, dem Sohn eines kabylischen Kommunisten – bis dieser mit vierzehn ermordet am Strand gefunden wird. Von nun an gibt es für Francesca nur noch ihren großen Bruder Nils, ihr Idol, dem sie begeistert in den identitären Schlägertrupp der »Löwen von Flandern« folgt. Doch auch Nils wird bald nicht mehr am Leben sein.
Als Francesca zwanzig ist, steht Frankreich vor dem »Der Verrückte« im Élysée löst immer wieder die Nationalversammlung auf, der Patriotische Block rückt der Regierungsübernahme näher, die Technokraten an der Macht werden der Gewalt im Land nicht Herr. In der Kleinstadt am Meer soll der altgediente Mitte-Links-Politiker Bonneval erneut für den Wahlkreis antreten. Die »Tarantel«, die im linken Lager die Strippen zieht, sieht in ihm einen Hoffnungsträger für stabilere Verhältnisse – Bonneval aber flieht vor allem vor seiner Midlife-Crisis.
Francesca bricht zusammen, als sie auf ein lang gehütetes Geheimnis stößt. Kurz darauf trifft sie auf Bonneval, und beide entflammen in einer unwahrscheinlichen Leidenschaft. Doch auch die Liebe wird die Republik nicht retten …

149 pages, Kindle Edition

Published March 2, 2026

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Jérôme Leroy

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March 10, 2026
Jérôme Leroy ist seit langem als Autor politischer Kriminalromane bekannt. Der Franzose aus Rouen ist seit „Der Block“ (3. Rang Deutscher Krimipreis 2018) auch in Deutschland ein Begriff als außerordentlich politischer Autor, der eine Machtergreifung der politischen Rechten in seinen Werken vorausahnt. In seinen Noir-Krimis nennt er die Rechten „Patriotischer Block“, aber jeder weiß, wer gemeint ist. „Der Block“ las sich fast als Schlüsselroman für den Aufstieg des damaligen „Front National“, heute „Rassemblement National (RN)“, in eine politische Führungsrolle. Dieses Szenario inclusive bestimmter Figuren hat er in weiteren Romanen wieder aufgegriffen, zuletzt erschien im letzten Jahr „Die letzten Französin“ in deutscher Übersetzung.

Nun könnte man sagen, dass Leroy schon seit 15 Jahren den Teufel an die Wand malt, sprich eine Machtübernahme durch oder in Beteiligung der Faschisten in Frankreich postuliert, die aber bis heute nicht stattgefunden hat. Wer allerdings die Verhältnisse in Frankreich ein wenig verfolgt, wird feststellen, dass dort die Situation noch deutlich prekärer ist als in Deutschland und der Autor womöglich nur seiner Zeit voraus. Der RN hat bereits das ganze Land betrachtet die Mehrheit der Stimmen und die demokratische Mitte schrumpft weiter durch stärkere linksextreme Gegenströmungen. Präsident Macron hat keine eigene parlamentarische Mehrheit mehr und seit der letzten Wahl der Nationalversammlung 2024 bereits den dritten Ministerpräsidenten berufen.

Sein Name wird in „Die kleine Faschistin“ nicht genannt, Leroy und die Figuren nennen den Präsidenten nur den „Verrückten“. Dieser hat sich im Élysée-Palast abgekapselt, ist politisch isoliert, agiert zunehmend erratisch und hat mal wieder das Parlament aufgelöst. Er hat eine konservative Frau zur Ministerpräsidentin ernannt und erkennt nicht, dass diese die Sicherheitskräfte an sich bindet und ihr eigenes Spiel spielt – kurz vor den nächsten Wahlen. Der Roman spielt im heißen Sommer (der Klimawandel!) in der fiktiven Küstenstadt Frise nahe Dünkirchen und der belgischen Grenze. Die beiden Hauptfiguren sind Francesca Crommelynck und Patrick Bonneval.

Sie ist eine blonde, attraktive, großgewachsene 20jährige, in einem rechtsradikalen Elternhaus aufgewachsen und früh als „kleine Faschistin“ sozialisiert. Sie ist aktives Mitglied der Schlägertruppe „Löwen von Flandern“, die natürlich den Patriotischen Block unterstützt. Ihr Trauma ist der Verlust ihrer Jugendliebe Jugurtha, Sohn eines Kommunisten, und ihres älteren Bruders kurz hintereinander, als sie 14 war. Jugurtha wurde in den Dünen ermordet, ihr Bruder Nils starb im Kugelhagel eines gescheiterten Waffen-Drogen-Deals zwischen Faschisten und der Mocro-Mafia. Im Laufe des Romans wird sie das versteckte Tagebuch ihres Bruders finden und sie in eine Krise stürzen. Bonneval hingegen ist ein fast 60jähriger alteingesessener Abgeordneter der Sozialistischen Partei, der von einer Spin Doktorin zum Dark Horse für den Ministerpräsidentenposten gekürt wurde, um dann festzustellen, dass das Wahlbündnis mehrerer Linksparteien in seinem Wahlkreis dieses Mal einen Kommunisten als Gegenkandidat zum Block aufstellt. Das lässt die sowieso schon aufkeimende Mid-Life-Crisis von Bonneval nochmal zusätzlich aufblühen. Francesca und Bonneval werden im Laufe der Handlung aufeinandertreffen, mehr sei an dieser Stelle nicht gespoilert.

Jérôme Leroy erzählt den kurzen, knackigen Roman mit Hilfe eines allwissenden Erzählers, der hier und da ein wenig spoilert, an anderer Stelle in die Vergangenheit schweift, aber über weite Strecken im Präsens erzählt. Dabei nimmt er einen durchaus amüsanten, gar nicht so ernsthaften Ton, der weniger politisch moralisiert, sondern unterhalten will. Schon die einleitende Szene ist skurril-großartig, als ein Auftragskiller eine Ferienhaussiedlung auf der Suche nach Patrick Bonnevals Haus durchstreift, sich aber in der Tür irrt und in eine Drogen- und Sexparty junger Leute platzt. Er entledigt sich fast seufzend der Zeugen, ehe er selbst durch die Schrotflinte einer Nachbarin endet. Alles äußerst detailliert und urkomisch beschrieben.

So eine Scheiße aber auch.
Victor Serge zieht seine Glock. Er schießt, und Maéva Dupuis, dreiundzwanzig Jahre alt, kurz vor ihrem zweiten Jahr in einer Handelsschule in Amiens stehend, stirbt.
Der Schalldämpfer hat in der Rue de Dunes doch ziemlich gedröhnt. Victor Serge hofft gleichwohl, dass die Musik – jetzt gerade läuft Vomit Candy von Johnny Mafia – den Lärm übertönt hat. Das wäre angesichts der überbordenden Energie der Band aus Sens möglich.
Leider nein. (Auszug aus Kap.2)

Vor ein paar Jahren gab es mal einen kleinen Trend im Krimigenre, vorwiegend von irischen und britischen Autoren, den „Screwball Noir“. „Die kleine Faschisten“ müsste man daran angelehnt als „Screwball Polar“ bezeichnen – ein äußerst flotter, kurzweiliger satirischer Roman mit viel Wortwitz und skurriler Handlung. In diesem Falle bleibt dem Leser aber ein bitterer Beigeschmack, den es geht im Hintergrund immer um ein zutiefst gespaltenes Frankreich, die Demokratie schwebt über dem Abgrund. Das ist aber dennoch sehr originell und gelungen umgesetzt und unbedingt lesenswert.
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