Kein Standardwerk, aber eine gute Einführung in das Thema. Auf rund 230 Seiten beleuchtet der deutsche Historiker Marc Frey den Konflikt in Südostasien. Ausgehend vom Ende des Zweiten Weltkriegs und der Kapitulation Japans befasst sich der Autor in der ersten Hälfte des Buches mit den Geschehnissen vor der "Amerikanisierung" des Krieges. Etwas zäh liest sich dieser Part. Er ist sehr nüchtern geschrieben und lässt Stimmen involvierter Größen vermissen. In der zweiten Hälfte dagegen versucht Frey etwas von der Stimmung wiederzugeben, die in den USA und dem geteilten Vietnam herrschte, als die Staaten 1965 begannen eigene Bodentruppen in das Kriegsgebiet zu schicken und die Katastrophe ihren Lauf nahm. Hier liefert er viele interessante Fakten und gibt zu erkennen, welche Strategien die einzelnen US-Präsidenten -und Präsidentschaftskandidaten verfolgten. Interessant zu lesen ist auch der Blick auf die Rolle von DDR und BRD während des Stellvertreterkrieges in Asien. Letztere stellte zwar keine Truppen, pflegte laut Frey aber schon zwanzig Jahre vor dem Golfkrieg "großzügig mit dem Scheckheft umzugehen": "Die Bundesrepublik wurde im Verlauf des Krieges Südvietnams wichtigstes, nicht militärisch involviertes Geberland und überwies umgerechnet 7,5 Millionen Dollar jährlich nach Saigon."
Einen recht großen Wermutstropfen gibt es aber doch noch: Freys "Geschichte des Vietnamkriegs" erzählt vorwiegend aus der Perspektive der Amerikaner und Südvietnamesen. Das kommunistische Nordvietnam bleibt als Protagonist zu sehr im Dunkeln.