In Deutschland gibt es 60000 Amateurchöre, und es werden immer mehr. Wer selbst in einem Chor singt, kennt die Gründe. Singen erzeugt Glücksgefühle, es wirkt wie ein natürliches Antidepressivum, baut Stress ab, wirkt lebensverlängernd. Singen im Chor fördert den Gemeinschaftssinn – und die Freude an der Musik. Wer singt, ist eins mit seinem Körper. Aber was nun ist das Besondere und Unvergleichliche am Singen im Chor? Mit dem Elan des neugierigen Erzählers erkundet Stefan Moster in seinem kenntnisreichen und unterhaltsamen Buch die Welt der Chöre.
Vom Profichor bis zum kleinen Laienchor in der Provinz. Vom andächtigen Männergesangverein bis zum fröhlichen queeren Vokalensemble. Vom Oratorium bis zum Ständchen. Stefan Moster, aufgewachsen »in einer Familie, in der man dem Chorgesang gar nicht entkommen konnte«, widmet sich allen Facetten. Und macht überraschende Entdeckungen in Geschichte und Gegenwart.
Ob nun Stefan Mosters Großvater von 100 Sängern zum Geburtstag ein Ständchen gebracht wird, der Chor der Roten Armee – ganz unorthodox und entspannt – in der Rudi Carell Show schunkelt, die Fans im Fußballstadion ihre Mannschaft im Chor anfeuern, Arvo Pärt das Chorlied politisiert – so oder so, Singen bewegt.
Das Buch ist sehr kurzweilig geschrieben und die Kapitel sind sehr kurz, sodass man es gut mal zwischendurch lesen kann. Das Glück, im Chor zu singen, beschreibt Herr Moster sehr gut. Mir war die rein klassische Betrachtung der Chormusik nur ab und an etwas zu viel und zu langweilig und einseitig. Es gibt ja noch mehr als die klassischen Werke von Bach, Händl, Oratorien, Kirchenmusik etc. Ich singe selbst in einem sehr modernen Chor, der Pop und Rocksongs in der Chorversion interpretiert. Auf diese Art von Chor wird nur sehr wenig bis gar nicht eingegangen.
Schön und leicht zu lesendes "Gute-Nacht-Buch". Die Kapitel sind angenehm kurz und kurzweilig zu lesen. Für Chormenschen passieren keine über-aufregenden Dinge, viele der beschriebenen Eigenarten/Episoden/Beobachtungen konnte ich sofort nachvollziehen und herrlich drüber schmunzeln (bzw. nachdenken). Ein Buch, was nicht zu sehr fordert (und daher für mich als Abendlektüre perfekt war), was Spaß macht und echt Glück transportiert.
2014 wurde die Chormusik in deutschen Amateurchören in das Bundesweite Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe aufgenommen. Zudem gibt es weltweit - so mag man Moster gern glauben - keine Kultur, in der nicht gesungen wird. Er stellt die Geschichte der Chormusik, ihre zahlreichen Spielarten sowie die Rolle der Chorleiter dar. Gemeinsames Singen kann auf sehr unterschiedliche Art emotional bewegen: erfreuen, begeistern, erheitern, Trost spenden etc. Chorsänger müssen aufeinander hören, üben also gleichzeitig sorgfältiges Zuhören. Ich kann nach vieljähriger Chormitgliedschaft das Allermeiste, was ich hier lese, nur bestätigen.
Wer nach der Lektüre dieses sehr gut lesbaren Buches immer noch keine Lust auf Chorgesang hat, dem ist nur noch mit dem launigen Film "Wir singen. Wann kommst Du?" auf der Homepage des deutschen Chorverbandes zu helfen.