Spätestens seit der Coronapandemie sind Verschwörungstheorien ein Signum unserer Zeit. Je komplexer unsere Welt wird, desto mehr Menschen scheinen für ihre erklärenden Sinnangebote empfänglich. Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, hat ein ganzes soziales Netzwerk in eine Schleuder für konspirationistische Erzählungen verwandelt. Donald Trump, der mächtigste Mensch der Welt, amtiert als conspiracy theorist in chief im Weißen Haus.
Insgesamt sehr wertvolles Buch, auch (und vielleicht insbesondere) für alle die sich bereits etwas ausführlicher mit dem Thema Verschwörungstheorien auseinandergesetzt haben.
Ich würde eher 4,5 Sterne geben, da mir die Diskussion zu Anfang um die „richtige“ Begrifflichkeit (Verschwörungstheorie/ Verschwörungserzählung / Verschwörungsmythos etc) etwas zu langatmig war.
Ansonsten hat der Autor sehr gut und sachlich auf die Gefahren hingewiesen, die von Verschwörungstheorien ausgehen können, und gleichzeitig ausdrücklich vor Alarmismus, Verallgemeinerung und Vereinfachung gewarnt. Ich habe mich beim Lesen immer wieder selber hinterfragt und hin und wieder ertappt gefühlt, in der Vergangenheit auch vorschnelle Schlüsse gezogen zu haben.
Vor allem die Gegenüberstellung von Deutschland und den USA ist sehr spannend und zeigt, trotz einiger Parallelen, wie unterschiedlich die Entwicklung von Konspirationismus in der Gesellschaft in beiden Ländern ist.
Insgesamt wird deutlich, warum wir einen Wandel im Umgang mit dem Thema Verschwörungstheorien und Personen, die solche glauben, brauchen und, dass eine Gefahr für unsere Demokratie durch VT (bisher) in Deutschland zum Glück nicht besteht.