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Ausreden

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Nach »Über Leben und Tod« widmet sich Florian Klenk der Serienmörderin Elfriede Blauensteiner – ein intensiver Monolog auf Basis der Aussageprotokolle

Elfriede Blauensteiner, bekannt als »schwarze Witwe«, wurde Anfang 1996 verhaftet und später wegen mehrfachen Mordes an Pflegefällen und Partnern verurteilt. Hier spricht sie in einer dokumentarischen Selbstaufzeichnung. Was man hier liest, ist kein Roman, kein Krimi, sondern ein aufgeschriebenes Leben.
Hier wird ausgesagt. Aus Protokollen, Gutachten, Auskünften entsteht ein Monolog, der uns zwingt, unsere Vorstellungen von Schuld, Gerechtigkeit und Empathie neu zu justieren. Natürlich geht es darin um Schuld, aber nicht im juristischen Sinn. Ja, diese Frau hat Menschen ermordet. Aber wer mit sieben Jahren weiß, dass die eigene Mutter den Tod des Kindes mehr ersehnt als seine Gesundung, der entwickelt keinen Sinn für Moral.
Es gibt Bücher, die lassen sich nicht weglegen. Nicht, weil sie unterhaltsam sind, sondern gerade, weil sie kaum erträglich sind. »Ausreden« ist ein solches Buch.

144 pages, Hardcover

Published January 27, 2026

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About the author

Florian Klenk

8 books4 followers
Florian Rudolf Klenk ist ein österreichischer Journalist, Autor und Jurist. Seit Anfang Juni 2012 ist er Chefredakteur und seit Dezember 2020 Mitgesellschafter der österreichischen Wochenzeitung Falter.

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Community Reviews

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Displaying 1 - 3 of 3 reviews
Profile Image for Misty.
54 reviews2 followers
Review of advance copy received from NetGalley
January 12, 2026
Eigentlich hat mich vorm Lesen die Frage umgebtrieben, ob ich es moralisch in Ordnung finde, den Fall Blauensteiner bis ins persönlichste Detail zu beleuchten. Aber die Frage habe ich darüber vergessen, dass ich mit der Länge und Aufteilung des Buches unzufrieden war. Den ersten Teil des Buches, den auf Basis der gerichtlichen und psychologischen Aussagen geschriebenen "Monolog" fand ich wirklich authentisch und interessant (auch wegen des Dialekt-Einschlags), aber viel zu kurz. Klar hat man hier eine unzuverlässige Erzählerin, aber ich weiß nicht ob dass das faktenreiche Nachwort notwendig macht, das mindestens doppelt soviele Zeichen hat wie der Monolog selbst? Das war eine Mischung aus Roman (?) und Sachbuch, auf die ich mich irgendwie nur sehr schlecht einstellen konnte.
Profile Image for Marie.
192 reviews14 followers
February 4, 2026
"Mitleid kann
zu Liebe führen.
Ich wollte ihn aufpäppeln."

Wie diese "Liebe" aussieht, zeigte sich in den 1990er-Jahren als der große Prozess um den "Weibsteufel" Blauensteiner die österreichische Boulevard-Presse dominierte. Elfriede Jelinek bzw. Blauensteiner wird für mehre Morde an Männern verurteilt, die sie vordergründig pflegte, tatsächlich aber von sich abhängig machte und vergiftete, um an ihr Erbe zu gelangen. Das meiste Geld hat sie daraufhin im Casino verspielt. Warum aber von einem so alten Fall berichten, der vor allem in der Regenbogenpresse so breitgetreten wurde? Florian Klenk verfolgt zwei Anliegen mit seinem Buch "Ausreden".

Zum einen gelingt es ihm auf erschreckende Weise einen Monolog aus den Akten der Gerichtspsychaterin zu generieren, der im scharfen Kontrast zu den Aussagen der Familie Blauensteiners stehen. Sie sind im Nachwort zu finden und verdeutlichen auch Lesern, die den Fall vorher noch nicht kannten, mit welchen Ausreden sich die Beschuldigte aus der Verantwortung stiehlt. Klenk gibt hier Einblicke in eine Frau, die sich womöglich um ihr Selbstbild zu wahren, Geschichten vom Pflegen und von Aufopferung ausdenkt. Die Morde werden in ihren Augen zu abstrusen Vorwürfen.

Zum anderen zeigt Klenk aber auch eindrücklich, wie das Leben der ärmeren Bevölkerung zwischen 1920 und 1960 ausgesehen haben muss. Elfriedes Kindheit - geprägt von Gewalt und Hunger - ist sicherlich ein Faktor, der die späteren Taten beeinflusst hat. Warum jedoch manche Kinder dieser Zeit zu Mörderinnen werden, während andere vollkommen unauffällig bleiben, vermag Klenk nicht zu lösen. Dennoch zeigt er mit seinem dokumentarischen Buch die Lücke der reißerischen Berichterstattung von vor dreißig Jahren auf: Womöglich kann man das Unverständliche nur dann annähernd greifen, wenn man auch die Sozialisation der Täter berücksichtigt. Ob Klenk mit seinem Buch einer Frau zu noch mehr Aufmerksamkeit verhilft, während das Leben der Opfer eine Randnotiz bleibt, muss jeder für sich entscheiden. Spannend liest sich die riesige Kluft zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Darstellungen des Falls auf jeden Fall.
Profile Image for Sigrid K.
40 reviews
Review of advance copy received from Netgalley
January 23, 2026
Das Buch war für mich interessant, weil es der erste Kriminalfall war, den ich medial mitbekommen habe. "Ausreden" ist als Monolog geschrieben, zeigt uns die Sicht der Täterin und sie ist nun nicht unbedingt an Fakten orientiert. Das ist einerseits sehr interessant, aber das Nachwort, das alles kontextualisiert und uns eine zutiefst traumatisierte und traumatisierende Person zeigt hat das ganze andererseits erst in eine Perspektive gesetzt und war z. T. interessanter als der Monolog zuvor (der vermutlich nicht unbedingt als solcher stattgefunden hat). Vor allem die Rolle der Presse - als Österreicherin braucht man nicht ausdrücklich erwähnen, welche Zeitungen sich hier besonders hervorgetan haben - habe ich als beeindruckend pietätlos und marktschreierisch empfunden.
Kann man lesen, muss man nicht.
Displaying 1 - 3 of 3 reviews

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