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Wenn ich eine Wolke wäre: Mascha Kaléko und die Reise ihres Lebens

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»Ich muss mich auf Wunder verlassen«: Mascha Kalékos Deutschlandreise

Januar 1956: Siebzehn Jahre, nachdem Mascha Kaléko Nazi-Deutschland in letzter Minute verlassen hat, kehrt sie zurück. Es ist eine Reise in die Vergangenheit – verbunden mit der bangen Frage, ob sie auch eine in die Zukunft sein kann.

Sie fährt nach Berlin, in die Stadt, in der sie glücklich gewesen war, in der sie als Dichterin erfolgreich geworden ist, die sie liebte, und durch das ganze Land, ein ganzes Jahr lang. Fast täglich schickt sie Briefe nach New York, an ihren Mann, die Liebe ihres Lebens, und erzählt – von märchenhaften Erfolgen, einem Wunder in Berlin, Abgründen, von einem alten, neuen Land.

Volker Weidermann schreibt über ein einzelnes Jahr und zeigt darin ein ganzes deutsch-jüdisches Leben. Es ist die Geschichte einer Dichterin, in deren Humor, Esprit und Melancholie wir uns selbst erkennen.

240 pages, Hardcover

Published October 9, 2025

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About the author

Volker Weidermann

24 books35 followers
He studied political science and German language and literature studies. He works as literary critic for the weekly Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

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Displaying 1 - 24 of 24 reviews
Profile Image for Dunja Brala.
676 reviews62 followers
November 3, 2025
Mascha Kaleko es für mich die zugänglichste Lyrikerin Deutschlands. Ihre Gedichte wirken zeitlos und haben eine berührende und gleichzeitig humorvolle Rhythmik. Niemand spielt so vollendet mit Worten wie sie. Sie wirken wie aus leichter Feder, doch jeder, der es einmal mit dem Reimen intelligenter Texte versucht hat, weiß, wie schwer es ist, mit so einer Selbstverständlichkeit Themen in Versform zu bringen.

Volker Weidermann hat eine wichtige Phase im Leben von Mascha Kaleko rekonstruiert. Nachdem sie nach Amerika immigrierte, um den Schergen der Nationalsozialisten zu entkommen, reist sie 1956 erstmalig wieder nach Europa. Zögerlich testet sie sich vor, bis sie sich auch in ihr geliebtes Berlin traut. Sie ist zwar erst skeptisch, wird aber doch mit offenen Armen empfangen, besonders von Ernst Rowohlt, und man tut so, als wären die, die jetzt darüber entscheiden, ob ihre Gedichte noch einmal aufgelegt werden, frei von jeder Schuld und jedem Mitläufertum der jünsten Vergangenheit. Ihr Misstrauen verschwindet nie ganz, doch lässt sie sich einlullen vom Gefühl des Neuanfangs und dem Reichtum der Schuldigen.

Weidermann hat nicht nur eine wichtige Reise nachgezeichnet, sondern auch die Persönlichkeit Kalekos herausgearbeitet. Wie ein Archäologe mit dem Pinsel vorsichtig Stück für Stück ein Skelett freilegt, so befreit der Autor den Charakter der Dichterin nach und nach vom Schutt der vorkrieglichen Repressalien.
Es kommt sogar zu einem großen Wiedersehen, welches auch mein Herz hat, höher hüpfen lassen. Hieran erkennt ihr, wie nahbar er Kaleko macht.
Er verzichtet auf allzu trockene Daten und Fakten und schafft es uns die Zerrissenheit der Künstlerin spüren zu lassen.
Sie war schon eine exzentrische und zugleich verletzliche Person, die ich wirklich gerne persönlich kennen gelernt hätte. Schwer war es mit zu erleben wie eine von Männern geprägte Verlagswelt sie für eigene Zwecke genutzt, um sie nachher mit Nichtachtung zu strafen.

Wenn ihr also mehr über diese Ausnahme-Dichterin wissen möchtet, dann lässt euch Weidermann sehr nah an sie ran und ich empfehle euch dieses Buch von Herzen.
Profile Image for Julien Dopp.
86 reviews6 followers
April 27, 2026
Um Hintergrundwissen über die wirklich faszinierende Dichterin Mascha Kaléko zu sammeln, eignet sich "Wenn ich eine Wolke wäre" tatsächlich gut. Es ist informativ sowohl Kaléko als Person betreffend als auch den literarischen Betrieb der Bundesrepublik Deutschland in den 50er, 60er und 70er Jahren und darüber hinaus. Und hoch anzurechnen ist Weidermann die klare Schilderung darüber, wie lange, wie viele Jahrzehnte lang in der BRD noch Nazis in politischen, institutionellen und, ja, auch literarischen Gremien und Ämtern und Kommitees saßen.

Das alles war schon wirklich interessant und auch wie sorgsam ausgewählte Gedichte Kalékos in Weidermanns Text eingebaut wurden, fand ich überzeugend.

Dennoch bleibt nach der Lektüre ein fader Beigeschmack, nämlich dergestalt, dass Weidermann doch ein besserer Rezensent als Autor ist. So ist "Wenn ich eine Wolke wäre" literarisch doch zu seicht, zu konservativ, zu konventionell, zu sehr spiegelbestsellerhaft und fast schon etwas spießig-fad geschrieben, um seiner Protagonistin wirklich gerecht zu werden. Und das wiederum ist dann doch nicht so gelungen.

3 Sterne, denn schlecht ist dieses Buch nicht. Aber auch nicht wirklich gut. Es bleibt auf jeden Fall um so viele Welten weniger im Gedächtnis haften als nur ein einziges Gedicht von Mascha Kaléko.
Profile Image for Till 🙂‍↕️.
45 reviews
April 5, 2026
Tolles Buch über eine tolle Person.
Man erlebt Höhen, Tiefen und so viel Aufwühlendes mit und glaubt doch irgendwie Wunder.
Die Gedichte sind gut ausgewählt und haben mir zum ersten Mal echt Lust auf Lyrik gemacht 🪸
Profile Image for Diana Froehlich.
43 reviews
November 2, 2025
Ich bin dankbar für dieses Buch. Es steckt so viel Liebe für MK darin. Wunderbar und bewegend erzählt.
8 reviews1 follower
February 4, 2026
Wundervolle Gedichte (im Sinne des Wortes!), hervorragend dargestellt durch Beschreibung eines wichtigen Lebensjahres in Mascha Kalekos Leben. Soviel Leichtigkeit trotz vieler schwerer Zeiten..... unbedingt lesenswert!
Profile Image for tammoe .
4 reviews
April 3, 2026
Ein tolles Buch, als würde man Kaléko und die 50er in Hamburg und NY richtig lebendig erfahren.
Profile Image for Noam.
264 reviews37 followers
April 24, 2026
In 1956, 17 years after the well-known poet Mascha Kaléko had to leave Germany to save her life because she was Jewish, she decided to return to Germany for a long visit. Her husband, the composer Chemjo Vinaver, stayed at their home in New York together with their son Steven (Evjatar). During her stay Mascha Kaléko wrote many letters to her husband. These letters are a unique source of information. Volker Weidermann wrote a fascinating book about Mascha Kaléko, her life, Germany and about the German literary world at that time, mainly based on these letters and the poems Mascha Kaléko wrote. His excellent overview of her life before and after her 1956 visit, complete the story of the life of Mascha Kaléko.

Mascha Kaléko (Wikimedia Commons)

Mascha Kaléko (Wikimedia Commons)

Mascha Kaléko’s decision to come for a visit was not an easy one: Germany has changed completely and painfully in the meantime. She loved Berlin of her youth, but as a Jew she obviously struggled with the atrocities of the war. She loved and hated Germany at the same time. She wanted to come and she didn’t. Now that she was forgotten as a poet, she hoped for a new revival of her work. She was often forgotten and often rediscovered, like nowadays.
'Mascha schreibt nach New York: "Es ist mysterioes, alles zusammen... Alles ist mysterioes, und ich habe das Gefuehl in Europa bin ich wieder Ich."' p.146
Are Mascha Kaléko’s accounts to her husband in her letters reliable? Maybe she wanted to reassure him because she has been away for a long time? Does she feel guilty or does she want to change his views on Germany? We will never know. In any case, the personal element of their relationship is practically missing in this book. There’s no ‘I love you’, ‘I miss you’, etc. Was this aspect missing in Mascha Kaléko’s letters too? Did Volker Weidermann chose not to include these in his book?
'Vor allem aber geht es Mascha in ihren Briefen an "Chemjolein" darum, ihn endlich, spätestens für den Sommer, nach Europa zu locken.' p.156
Mascha Kaléko was hoping it would be wonderful to be together in Germany once again and that they’ll decide to stay. Everything went quite differently and this influenced her love for Berlin too. Weidermann doesn’t tell us what happened exactly. It may be the case that no one knows: Her letters to Chemjo still exist; his letters disappeared.

Mascha Kaléko was a German poet. She needed the German language just as she needed air. In an attempt to find and revive the literary world she once had and lost, as well as her career as a poet, Mascha Kaléko made contact with literary agents, publishers and writers. Many of them are famous even now. Getting to know her new public wasn’t always easy.
'Sie antwortet den Menschen gern auf die Frage, warum sie so lange nichts veröffentlicht habe, dass sie sich lange Zeit eigentlich gar nicht vorstellen konnte, wieder in Deutschland zu veröffentlichen oder deutschen Boden wieder zu betreten, „nachdem was wir Juden durchgemacht haben, - von meiner eigenen Familie will ich garnicht erst reden, die Angsttraeume von all meinen ermordeten Verwandten haben mich noch bis vor kurzem verfolgt“, sagt sie.'p.67
The same goes for re-establishing her place as a German poet.
'Im Februar 1959 wurde ihr von der Akademie der Künste in Berlin der Fontane-Preis zuerkannt. Was für eine Freude! Endlich ein Literaturpreis!' p.201
Mascha Kaléko was too happy too soon. At the end, Mascha Kaléko didn’t feel at home. Maybe she wasn’t able to feel at home anywhere. The title of the book, ‘Wenn ich eine Wolke wäre’, comes from the following poem:
'"Wenn ich eine Wolke wäre,
segelt' ich nach Irgendwo
durch die weiten Himmelsmeere
Von Berlin bis Mexiko."' p.220
The subtitle of the book, ‘Mascha Kaléko und die Reise ihres Lebens’ is ambiguous: It may refer to the 1956 long journey of Mascha Kaléko to Germany. It may refer to her whole life as a journey too. It reminded me my own favourite poem of Mascha Kaléko:
Heimweh, wonach?

Wenn ich „Heimweh" sage, sag ich „Traum".
Denn die alte Heimat gibt es kaum.
Wenn ich Heimweh sage, mein ich viel:
Was uns lange drückte im Exil.
Fremde sind wir nun im Heimatort.
Nur das „Weh", es blieb.
Das Heim" ist fort.
This wonderful, exceptional, loving and fascinating biography of Mascha Kaléko, as well as of Germany literary world of the 1950’s, touched my heart.

Berlin, Ostbahnhof, Bahnsteig B, 27 December 1956 (Wikimedia Commons)

Berlin, Ostbahnhof, Bahnsteig B, 27 December 1956 (Wikimedia Commons)

P.S. I must admit that despite the fact that Volker Weidermann writes beautifully there are several things which could have been better in this book:
• At the beginning of the book Weidermann quoted many poems of Mascha Kaléko to underlay and illustrate the story he is telling. As you read on there are less and less quotes. What a pity!
• I would have loved to read more interviews with people who knew Mascha Kaléko,
• Unfortunately, Weidermann chose to say very little about the relationship between Mascha Kaléko and her husband. Surprisingly one find on pages 155 – 158 a short chapter about this subject. Why so short? Why at that place in the book? Why not writing about their relationship all along the book?
• On pages 129 - 134 one suddenly reads about Albert Speer. It is unclear why. Did Volker Weidermann intend this part as an explanation for the civilized avoidance in German society at the time regarding the war, something that was legitimized by Speer’s attitude? It’s just a guess,
• It’s a pity this book does not include photos of Mascha Kaléko and Germany at that time,
• Some poems are quoted with more than one line on a row, divided by a slash, others are quoted with one line on each row. Personally, I prefer the second option, but either way this inconsistency disturbs the reading.
To make the long story short: This book could have been much and much better. It gives the feeling someone (The writer? The editor? The publisher?) was in a hurry to publish it. What a shame. Nevertheless, I enjoyed reading this book very much because of its concept, its content and Volker Weidermann love to Mascha Kaléko and her poetry.

Quotes
'Mit dem Zug fahren sie zunächst nach Hamburg, Evjatar jubelt bei jedem Bahnhof „Amegika!“, als wäre man schon dort, auf dem Kontinent der Rettung. Aber es dauert noch. Der Junge muss beruhigt werden.' p.24

'Wenige Emigranten sind zurückgekehrt, Thomas Mann just in diesem Sommer 1952. Aber er lässt sich in der Schweiz nieder, Carl Zuckmayer ebenfalls. Alfred Döblin geht kurz nach seiner hoffnungsvollen Rückkehr, entsetzt ob der Unbelehrbarkeit der Deutschen, gleich wieder zurück ins Exil. Anna Seghers, aus dem mexikanischen Exil zurückkommend, will sich für keinen der vier Sektoren des besetzten Berlins entscheiden ("Ich nehme den mexikanischen Sektor") und schreibt, als sie schließlich den Osten wählt: "Ich spüre, wie ich vereise."' p.36

'Auch Peter Zingler, den sie noch aus dem Romanischen Café kennt, enger Mitarbeiter und Freund Ernst Rowohlts, der den Neuanfang mitorganisiert, schreibt ihr enthusiastisch von Rowohlts genialer Erfindung, den "Rotationsromanen", die als günstige rororo-Taschenbücher Weltliteratur für 50 Pfennige unter die Leute bringen.' p.40

Postcard - ruins of Hotel Kaiserhof, Berlin post-war (Wikimedia Commons)

Postcard - ruins of Hotel Kaiserhof, Berlin post-war (Wikimedia Commons)

'"Berlin kommt mir vor, wie eine alte Jugendfreundin, die kaum einen Zahn im Munde hat. Vorne gerade einen Zahn, der die Luecken der anderen noch betont. Aber manchmal geht doch ein Laecheln ueber diesen zahnlosen Mund, dass man die alte Freundin zu erkennen glaubt. Pompeji, ohne Pomp ... Der Ku-Damm wie ein Schoenheitspflaster auf einem von Bomben zerstoerten Gesicht."' p.113

'Mit Mascha verstand sich Valeska Gert natürlich auf Anhieb. Sie hatten in New York unter der gleichen Sehnsucht gelitten. Und hier, im neuen Berlin, teilen sie den Eindruck, dass über dieser Stadt, über diesem Land ein sonderbares Schweigen liegt.' p.140

'Mascha Kaléko in Berlin schreibt an ihren Mann: "Was Dir nicht zustossen soll, stösst Dir nicht zu, und alles kommt, wies kommen muss. Wir können nur das tun, was uns im Augenblick als das Beste erscheint. Der Mensch kann, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will."' p.170

'Das Weiterleben. Manchmal ist es gar nicht so schwer. Denn Chemjo ist ja überall anwesend. In ihren Adern, auf seiner Couch, in seinem Zimmer. "Chemjo hat mich nicht verlassen", schreibt sie. "Er ist nur nicht mehr da." [...] "An jedem Kreuzweg meines Lebens [...] stand immer unverhofft ein Engel da." Warum ausgerechnet nicht auch jetzt?' p.222
65 reviews
October 30, 2025
“-- ja es ist natürlich wahnsinnig, sich soviel Glück zu wünschen, aber ich tus halt … auf die Gefahr hin, dass es Wirklichkeit wird. Erst muss man träumen, sag ich immer.”

Volker Weidermann schreibt über ein Jahr von Mascha Kaléko. Das Jahr, in dem sie zurück nach Deutschland reist - in das Land, aus dem sie als Jüdin 1938 gerade noch nach New York fliehen kann. 17 Jahre später kommt sie zurück. Sie, die damals eine geliebte deutsche Dichterin war. Sie reist zurück in ihr geliebtes Berlin, wohin sie doch eigentlich gehört.

Das Buch ist ganz im Sinne Mascha Kalékos, mit vielen Ausschnitten aus ihren Briefen an ihre große Liebe und Ehemann Chemjo, mit zahlreichen Gedichten, die aus ihrem Leben erzählen. Mit Beschreiben dieses einen Jahres lernt man in diesem Buch so viel über das Leben und das Wesen dieser tollen Dichterin und ist ihr durch das Lesen ihrer Gedichte immer wieder zwischendrin irgendwie ganz nah.
Profile Image for Thomas Gern.
1 review
February 26, 2026
📖
Wie ich das finde!
Also mit der Lyrik ist das ja immer so eine Sache - oft zu anspruchsvoll und unverständlich, manchmal sehr verkopft, bedarf häufig einer genaueren Interpretation. Ganz anders bei Mascha Kaléko. Ihr Stil zählt zur „Neuen Sachlichkeit“ und das merkt man. Einfache ungekünstelte Sprache, eindeutige Reime, viel Witz und noch mehr Humor. Das mag ich sehr. Und genau dieser Stil verhalf ihr zu großem Erfolg zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie lebte und liebte in Berlin - zuerst einen Jüdischlehrer, später einen Musiker, der zur Liebe ihres Lebens wurde. Sie verkehrte im Romanischen Café in Charlottenburg, kannte Hinz und vor allem Kunz und war überall beliebt durch ihre bezaubernde Art. Die Zeitspanne bis zu ihrer Flucht 1939 wird nur kurz angerissen in dem neuen Buch von Volker Weidermann. Der Schwerpunkt des Buches liegt vielmehr auf dem Jahr 1956 und der Zeit danach, in der Mascha Kaléko nach Deutschland zurückkehren und wieder Fuß fassen wollte. Weidermann hat Kalékos Briefe an ihren geliebten Mann Chemjo gelesen - die sie ihm fast täglich von Deutschland aus nach New York gesandt hat - und zusammen mit Fakten der Zeit zu einem amüsanten und realistischen Bericht über ihre Reise verarbeitet. Wir erfahren eine Menge über Mascha Kaléko: über ihre Lebenslust, über die Dramatik, die sie ein Leben lang begleitet, über das eigentliche Ziel jener Reise - nämlich ihren Mann davon zu überzeugen, wieder nach Berlin zurückzukehren - was ihr allerdings nicht gelingt. Während dieser Reise verliert sie dramatischerweise auch ihren Sohn, der nach langer, schwerer Krankheit, mit nur 31 Jahren in New York stirbt. All das und noch viel mehr halten die Spannung im Buch aufrecht und sorgen dafür, dass man wissen will, wie alles ausgeht.

📖
Mein Fazit!
Ganz ganz großartig fand ich dieses Buch:
Die Mischung macht’s. Die Vermengung von Fakten, Auszügen aus ihren Briefen und das ganze noch gekonnt gewürzt mit Gedichten Kalékos. Das alles vermengt sich zu einer einzigartigen Melange, die man von der ersten bis zur letzten Seite genießt. Ganz nebenbei erfahren wir von der Verzweiflung Kalékos zu jener Zeit. Sie musste erst einmal damit fertig werden, dass sie an ihren Erfolg von vor dem Krieg nicht mehr anknüpfen konnte. Sowohl Verlage als auch ihre Befürworter taten sich schwer mit dieser Künstlerin in den 60er-Jahren und einem Nachkriegs-Deutschland. Ob es mit ihrer Herkunft und ihren Wurzeln zu tun hatte, kann man nur vermuten - bestätigen wird das sicherlich keiner. Dabei wollte sie im Endeffekt eigentlich nur eines: überleben und vor allem leben! Das alles hat mir so super gefallen, dass es von mir 5 von 5 Punkten gibt und den Daumen ganz weit nach oben. Ich möchte euch an dieser Stelle übrigens sehr gerne das Hörbuch nahelegen. Gesprochen wird die Geschichte von Ulrich Matthes - die Gedichte werden von Maria Schrader rezitiert - das machen die beiden unglaublich toll - ein echtes Hörerlebnis. Ach und dann noch was: Im Buch wird immer wieder das »Lyrische Stenogrammheft« angesprochen - Kalékos erste Veröffentlichung - die nun auf meiner Wunschliste ganz oben steht und über die es sicherlich auch noch eine Rezensionen zu einem späteren Zeitpunkt geben wird. Und damit sind wir auch schon wieder am Ende angelangt.
Profile Image for Circlestones Books Blog.
1,146 reviews34 followers
November 14, 2025
„Das Jahr 1956 war ein Rausch gewesen, aus dem Nebel längst vergangener Zeiten war der Mensch wieder aufgetaucht, der sie einmal gewesen war. Es war ihr Leben vor ihr aufgetaucht, das sie hätte leben können, wenn die Deutschen sie nicht verfolgt und aus dem Land gejagt hätten.“ (Zitat Pos. 2159)

Thema und Inhalt
Seit 1942 lebt die deutsche Lyrikerin mit ihrem Ehemann Chemjo Vinaver und Sohn Steven in Greenwich Village. Im September 1938 konnten sie Deutschland auf der Flucht vor den Nationalsozialisten gerade noch verlassen und gelangten über Paris im Oktober nach New York. Zunächst will sie nicht nach Deutschland zurück, doch die Sehnsucht ist groß und am 31. Dezember 1955 tritt sie ihre Reise zurück nach Deutschland an, zu ihrem Sehnsuchtsort Berlin, auf der Suche nach dem Berlin ihrer Vergangenheit und einer möglichen Zukunft. Dieses Jahr 1956 zeigt ihr das Leben, das sie ohne Verfolgung in Deutschland hätte leben können, doch sie erkennt auch, dass es dieses Land nicht mehr gibt. „Mascha Kaléko ist im Jahr ihrer wundersamen Rückkehr nach Deutschland bei all dem Glück, das sie erfahren hat, auch ihr Unglück noch einmal mit besonderer Drastik vor Augen erschienen. Ihr verlorenes Leben. Erst jetzt, nach diesem märchenhaften Jahr, ist wie wirklich heimatlos.“ (Zitat Pos 2159 – 2169) Genau darum geht es in diesem Buch, um dieses prägende Jahr in ihrem Leben und um ihr lyrisches Werk, um ihre Gedichte, in denen sich diese Themen und ihre Gefühle zeitlos widerspiegeln.

Umsetzung
Volker Weidermann erzählt eindrücklich leise über die Rückkehr zwischen Traum, Sorge und einer großen Hoffnung, und von einem Künstlerleben im Exil, in dem immer die Sehnsucht nach der alten Berlin mitschwingt. Die Geschichte basiert auf ausführlichen Recherchen Volker Weidermanns und vor allem auch die bereits erschienenen Biografien. So stehen die Briefe, die Mascha Kaléko beinahe täglich an ihren Mann schreibt, in denen sie ihre alle ihre Erlebnisse, Eindrücke und auch Sorgen schildert, im Mittelpunkt dieses Buches, eng verbunden mit den vielen entsprechenden Gedichten, die ihre Gefühle besser als jede Schilderung in Worte gefasst haben.

Fazit
Eine beeindruckende, vielseitige, einfühlsame und interessante Schilderung eines besonderen Jahres im Leben der bekannten Lyrikerin. Die in den Erzähltext eingefügten Gedichte machen Lust, in den Gedichtbänden von Mascha Kaléko weiterzulesen.
Profile Image for Bücher in meiner Hand.
77 reviews
December 9, 2025
Volker Weidermann fasst in "Wenn ich eine Wolke wäre" Mascha Kalekos späte Jahre zusammen. Zuerst wird ganz kurz ihr Leben bis zur Ausreise nach Amerika im Jahre 1938 geschildert, auch die Jahre in Amerika.

Ausführlich erzählt der Autor dann aber über jene Zeit im Jahr 1956, in der Mascha nach Deutschland zurückkehrt, "ihre" Stadt Berlin und weitere deutsche Städte besucht und neu entdeckt.

Kurz reist sie nach Amerika zurück, bevor sie sich mit ihrem Mann Chemjo 1959 in Israel niederlässt. Sie besucht aber einmal im Jahr Europa, v.a. die Schweiz und Deutschland, um Verlegerkontakte zu pflegen.

In dieser Zeit erlebt sie so vieles: das geteilte Berlin, das Wiedersehen mit ihrer Schwester Lea, den Tod ihrer Eltern, ihres Sohnes, später auch den von Chemjo. Ebenso erfährt man vieles Interessantes über die Entwicklung der Buchverlage und der Kontakt mit den Verlegern in den Nachkriegsjahren und über die anderen Künstler, mit denen Mascha in Kontakt stand.

Es ist nicht nur Maschas Geschichte, sondern auch eine Art Dokumentation über das, was die geflüchteten Menschen bei einem Besuch oder ihrer Rückkehr in Deutschland erwartete. Die dortigen Erlebnisse lösen vielfältige und unterschiedliche Gefühle bei Mascha aus, die sie in ihren Briefen an Chemjo und in ihren Gedichten verarbeitet. Immer wieder werden an passender Stelle ihre Gedichte wiedergegeben, was das zuvor Gelesene sogleich vertiefen lässt.

Fazit: Feinfühlig erzählt Volker Weidermann Mascha Kalekos Geschichte, mit ihren Gedichten achtsam unterlegt. Leseempfehlung!
4 Sterne.
Profile Image for Dr..
67 reviews
December 21, 2025
"Wenn ich eine Wolke wäre, /segelt' ich nach Irgendwo/durch die weiten Himmelsmeere/von Berlin bis Mexiko."

Mascha Kaléko will ... unbedingt wieder dazu gehören, zu diesem Land, dieser Sprache, dieser Kultur. Aber sie will auch nicht schweigen. Sie will ihre Verletzung zeigen, ihre Geschichte erzählen, aber auch die Deutschen selbst erzählen lassen. (S. 154)

So lange hat sie Wunder beschworen und auf Wunder gehofft, bis sie alle aufgebraucht waren. Die größten aber sind erst nach ihrem Tod geschehen. Dieser unglaubliche und nicht abreißende Erfolg ihrer Gedichte. (S. 232)

Wie schön wäre das gewesen, wenn sie wenigstens ein wenig von diesem späten, großen, umfassenden Triumph noch mitbekommen hätte. (S. 233)

Danke für dieses Buch.
Profile Image for Karo.
27 reviews1 follower
April 26, 2026
Ein tolles Buch - nicht nur über Mascha Kalékos Deutschlandreise im Jahr 1956, sondern auch über ihr gesamtes Leben, ihre Weggefährtïnnen und über Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Volker Weidemann hat gut recherchiert und sehr einfühlsam und lebendig über Kaléko geschrieben. Ich wusste nicht viel über ihr Leben und habe sehr mitgefiebert, wie es ihr in Deutschland wohl ergehen würde. Schön finde ich auch, dass Weidemann nicht ausschließlich über die Reise schrieb, sondern Kalékos Leben auch zu Ende schrieb. Weidemann schreibt poetisch, aber nicht unsachlich, einfach passend. Schöne Gedichtauswahl ebenso. Werde sicher noch mehr von Weidemann und ebenso von Kaléko lesen.
118 reviews15 followers
February 7, 2026
Interessant, da ich sehr wenig über das Leben der Dichterin wusste. Man kann sich ein gutes Bild von der Person Mascha Kaleko machen und man erfährt viel über die Umstände, in denen die Gedichte entstanden sind.
Lohnenswert, es als Hörbuch zu hören - das Vorlesen durch Ulrich Matthes und Maria Schrader geben dem Text noch mehr Glanz.
Profile Image for Annette Kaiser.
254 reviews2 followers
January 7, 2026
Von Mama zu Weihnachten
Eine Biografie über Mascha Kaléko mit einer guten Auswahl ihrer Gedichte

„Wenn ich eine Wolke wäre
Segelt ich nach irgendwo
Durch die weiten Himmelmeere
Von Berlin bis Mexiko“
24 reviews
May 2, 2026
Das Bich folgt Mascha Kaléko in einem wichtigen Jahr, als sie das erste mal wieder vom Exil nach Deutschland kommt. Der Ton fängt ihre Lyrik ein, zieht einem in ihre Gedankenwelt. Und zeigt, wie wichtig Sprache als Heimat ist - und wie schwierig echte Vergangenheitsbewältigung.
5 reviews
January 13, 2026
Als Hoerbuch fantastisch von 2 Stimmen gelesen. Ein vertraeumtes Buch, das sehr zum Nachdenken anregt.
Profile Image for kim schfss.
5 reviews
April 6, 2026
Wundervoller Einblick in das Leben von Mascha Kaléko in der Nachkriegszeit ohne schweren Biografiecharakter. Habe es geliebt!
182 reviews
April 12, 2026
Hat mir schon gefallen, auch wenn ich ihr leben/ sein nicht wirklich nachvollziehen kann
1 review
April 30, 2026
Ich habe das Hörbuch gesprochen von Maria Schrader und Ulrich Matthes gehört und kann es sehr empfehlen. Mascha Kalékos Gedichte haben mich in gesprochener Form noch mehr berührt.
Displaying 1 - 24 of 24 reviews