Queer*Welten ist ein halbjährlich erscheinendes queerfeministisches Science-Fiction- und Fantasy-Magazin, das sich zum Ziel gesetzt hat, Kurzgeschichten, Gedichte, Microfiction, Illustrationen und Essaybeiträge zu veröffentlichen, die marginalisierte Erfahrungen und die Geschichten Marginalisierter in einem phantastischen Rahmen sichtbar machen. Außerdem beinhaltet es einen Queertalsbericht mit Lesetipps, Veranstaltungshinweisen und mehr.
In dieser Ausgabe:
Die Hummel von Carina Zacharias (Kurzgeschichte) Ein ganz normaler Mensch von Hagen Geyer (Kurzgeschichte) Die Pflicht, alt zu werden von Lian Ay Gee (Kurzgeschichte) Kinderladen von Jol Rosenberg (Kurzgeschichte) Fiktionale mit Frosch und Rosskastanie von Chris Balz (Kurzgeschichte) Die Menschheit soll sich im All verwurzeln von Judith C. Vogt (Essay)
Der Queertalsbericht 02/2025
Cover von: Lee Doubleu
Mit Mikrofiction „Heiter Scheitern von:
Gloria H. Manderfeld, Eleanor Bardilac, Maj Weidlich, Lou Korte, Coco Celestis, Jassi Etter, Jenny Cazzola, rosa*kato glück, Kristina Schreiber, Lisa Olthafer und Tarya K. Moon
Ich lese die Kurzgeschichten im Queer*Welten Magazin sehr gerne, sie haben in der Regel eine hohe Qualität. Das ist auch bei dieser Nummer so:
“Die Hummel” von Carina Zacharias: Eine gut geschriebene Near-Future Geschichte. Ein Mann entdeckt eine Hummel in seiner Wohnung und da Insekten sehr selten geworden sind, will er sich um das Tier kümmern, weiß aber nicht so recht wie. Das System, in dem er lebt, ist repressiv, die Arbeitsverhältnisse schlecht. Der Mann arbeitet in einem Büro und sein Job ist es zu entscheiden, ob ein Text von einer KI erzeugt wurde oder nicht. Die Suche nach Hilfe für die Hummel, die Kontakte im Büro, die weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen - all dies ist gut beschrieben.
“Ein ganz normaler Mensch” von Hagen Geyer: Ein Patient spricht in mehreren Sitzungen mit seinem Arzt. Der Patient verwandelt sich in etwas (oder entdeckt etwas in sich), das nicht sehr angesehen ist. Aber vielleicht ist es gar nicht so schlimm. Man bemerkt erst nach und nach, was der Patient ist. Gut gemacht mit netter Auflösung. (Übrigens: Keine SF)
“Die Pflicht, alt zu werden” von Lian Ay Gee hat mir gut gefallen, obwohl sie ihren Weltenbau schlecht begründet. Eine Crew untersucht unterschiedliche Realitäten, um diejenigen zu finden, in denen queere Menschen gut leben können. Dazu öffnen sie Dimensionstore und stellen fest, wie die Situation in der jeweiligen Welt ist. Danach werden diese Risse wieder verschlossen, bzw. “verklebt”. Ich fand diese Idee gut, den Schreibstil allerdings anstrengend und Hard-SF-Fans wird das "öffnen" und “verkleben” der Dimensionstore etwas unangenehm aufstoßen.
Kinderladen von Jol Rosenberg: Eine Geschichte aus einer Welt, in der Elternschaft nur dann erlaubt ist, wenn vorher an Androidenkindern aus einem “Kinderladen” “geübt” und eine Prüfung abgelegt wurde. Sie erzählt von Rod, der zu diesem Zweck “Kinder vermietet”. Zu ihm in den Laden kommen eines Tages Luisa und Thorben, die lernbehindert sind und deshalb praktisch keine Chance haben, ihren Kinderwunsch erfüllt zu bekommen. Aber gerade die beiden kümmern sich liebevoll um Magda, eine traumatisierte Androidin, die Schlimmes erlebt hat. So entsteht eine Beziehung, von der neben Magda auch Rod profitiert. Eine spannende Grundidee, auch die Androiden sind mit interessanten Details versehen, gut geschrieben (das ist bei Queer*Welten eigentlich immer der Fall. Vielleicht überzeugt nicht alles am Weltenbau, aber ich fand es originell.
Fiktionale mit Frosch und Rosskastanie von Chris Balz: Eine witzige Geschichte mit Vampiren aus dem Weltall, lebenden Charakteren aus Büchern, geküssten Fröschen, ständigen Kommentaren aus dem Off zur Handlung und - leider - einer recht unlesbaren Version genderneutraler Sprache (sier, ihrm). Ziemlich weit weg von SF.
Dazu kommt noch ein interessanter Artikel von Judith C. Vogt: “Die Menschheit soll sich im All verwurzeln” von Judith C. Vogt, der 2022 schon im leider gerade eingestellten SF-Jahrbuch veröffentlicht wurde. Abgerundet wird die Ausgabe durch kurze Texte zum Thema “Heiter scheitern”, mit denen ich nicht so viel anfangen konnte, und dem Queertalsbericht, der unter anderem einen Schwung Kurzreviews enthält.
Was macht ihr an diesem verschneiten Tag? Ich habe die neueste Ausgabe der Queer*Welten fertig gelesen und bin sehr begeistert 🥰 Ich mochte eigentlich alle Texte, aber besonders berührt hat mich "Die Hummel" und "Kinderladen". Das Essay hat mich neugierig gemacht auf die Bücher von Olivia E. Butter. Ich muss gestehen, ich habe von ihr noch nichts gelesen. Und die Mikrotexte fand ich wunderbar unterschiedlich, bezaubernd und unterhaltsam. Abgerundet wird diese sehr gelungene Ausgabe noch durch den Queertalsbericht, in dem ich einige spannende Rezensionen und Tipps gefunden habe. Ich bin einfach mega glücklich, dass ich Teil dieser Ausgabe sein durfte 💚