Als Waleria erfährt, dass sie keine Kinder wird bekommen können, löst diese Nachricht in ihr Unerwartetes aus, obwohl sie sich nie eigene Kinder gewünscht Was bedeutet es, die Letzte in der Generationenfolge ihrer Familie zu sein? Was schuldet Waleria den Frauen in ihrer Familie?
Zart und voller Energie erzählt Oliwia Hälterlein wie im Spinnenflug miteinander verwoben die Geschichte dreier Generationen Frauen. Großmutter Marianna, geboren zum Ende des Zweiten Weltkriegs, hat das Leben einer einfachen Bäuerin gelebt. Ihre Tochter Róza ist - geprägt vom sozialistischen Staat Volksrepublik Polen - wie die Mutter im Dorf aufgewachsen. Durch Zufall lernt sie die Stadt Danzig und das Leben inmitten der Solidarnosz-Revolution kennen. Mit ihrer Tochter Waleria wird Róza Polen Ende der 1980er Jahre nach West-Deutschland verlassen. Waleria wächst im wiedervereinigten Deutschland auf, verlernt ihre Muttersprache und die Sprache ihrer Babcia. Mit poetischer Klarheit und erzählerischer Raffinesse verwebt Oliwia Hälterlein Alltag und Erinnerung, Körper und Sprache, Herkunft und Zukunft. In ihrem Debütroman "Wir Töchter" erzählt sie mit großer Wärme und poetischer Kraft von drei Generationen Frauen zwischen Polen und Deutschland - und von dem unsichtbaren Band, das sie verbindet.
Tolles Buch über drei Generationen Frauen, über Herkunft und Zukunft, Mehrsprachigkeit, Migration, Gender Health Gap, Patriarchat und weitere Themen. Oliwia Hälterlein gelingt es außerordentlich, diese Themen mit den Protagonist:innen zu verbinden, ganz ohne dass der Roman überladen oder oberflächlich wird - im Gegenteil, der Roman verbindet Zeitgeschehen und die individuellen Lebenslagen der drei Töchter auf berührende Weise miteinander, nicht zuletzt durch das Einfließen von polnischen Begriffen. Ich freue mich schon sehr auf die Lesung.
Oliwia Hälterlein erzählt in ihrem Debütroman gekonnt von drei Generationen Frauen und verwebt dabei fein Themen wie Migration, Identität und Patriarchat in die Handlung. Marianna wächst gegen Ende des 2. Weltkrieges in Polen auf und führt ein einfaches Bauernleben, nach der Grundschule muss sie auf dem Hof helfen, eine gute Partie machen und schwanger werden. Ihre Tochter, Róza, geprägt von ihrer bäuerlichen Herkunft, zieht erst nach Danzig, mitten in die Solidarność-Revolution und schließlich nach Deutschland, wo sie sich ein besseres Leben für sich und ihre Tochter Waleria erhofft. Das Buch beleuchtet Mariannas Perspektivlosigkeit, Rózas Schwierigkeiten als Migrantin und Walerias Suche nach Identität und Herkunft und auch ihren Kampf mit ihrer PCO-Diagnose. Besonders hervorzuheben ist, dass Oliwia Hälterlein einem viele polnische Begriffe und kulturelle Einblicke bietet, was ich sehr bereichernd fand. Der einzige wirkliche Abstrich für mich sind die fehlenden Alters- und Jahresangaben, sodass ich oft etwas desorientiert durch die Handlungsstränge gestolpert bin. Für mich sind die besten Bücher die, die einem neue Perspektiven verschaffen und etwas Neues vermitteln. Das hat Wir Töchter geschafft, auch wenn ich mir manchmal etwas mehr Nähe zu den Protagonistinnen gewünscht hätte und mich stattdessen oft wie eine etwas distanzierte Zuschauerin gefühlt habe. Insgesamt ist es jedoch ein beeindruckendes Debüt, welches ich gern gelesen habe.