Ganz selten kaufe ich ein Buch einfach mal so: Ohne Recherche, ohne Weiterleitung aus einem anderen Titel, ohne Empfehlung eines Dritten, wie gesagt, ganz einfach so. So wollte ich zum Beispiel etwas über Reliquienhandel lernen und beim "Reliquienhändler" ließ der Titel vermuten, es würde im Buch darum gehen und wäre es dann auch so, ich wäre glücklich gewesen.
Stattdessen bekam ich ein lauwarmes "20.000 Meilen unter dem Meer" im Mittelalter serviert. In schwülstiger Sprache folgte ich den Abenteuern eines Mönches in Europa und ganz am Rande ging es dann auch wenig um Reliquienhandel. Liebelei, Kampf, Fehden, Prinzessinne, Abenteuer, alles wird einem geboten, aber es ist nicht fesselnd und man kann nichts weiteres daraus ziehen.
Eben das ist in meinen Augen der Vorteil guter Literatur, man steigt in einen Dialog mit dem Autor und lernt im bestenfall etwas über den Autor und über sich selbst. Beim Reliquienhändler lernt man nichts, sondern vertändelt nur seine Zeit. Er ist das Weißbrot unter den Romanen, denn der "Genuss" erfordert keinen Aufwand, dafür fehlen dann auch jedwede Ballaststoffe.
Gut, ich war selber Schuld; Freund*innen des Genres können dem sicherlich mehr abgewinnen.