Die Hand an die Türklinke legen die Tür aufmachen die Schwelle überschreiten den Garten durchqueren durch das kleine Tor gehen auf die Straße treten ein paar Schritte machen
Dann ... werde ich es geschafft haben werde einfach nur draußen gewesen sein werde einfach nur ein paar Meter zurückgelegt haben
Zum ersten Mal seit sechs Monaten.
Von einem Teenager und seiner Sorge, dass es kein Morgen geben wird. Eine kraftvoll und sensibel erzählte Geschichte über eine Angst, die alles verändert.
Die besondere Form (Gedankenstrom Elemente, veränderte Syntax und Zeichensetzung je nach emotionalem Zustand, Notizbuch Ausschnitt) hat mir gefallen. Aber leider war es mir insgesamt viel zu kurz und vage, selbst wenn es keine runde Geschichte sein soll, sondern ein Ausschnitt aus dem Leben mit dieser Art von Angst. Es sind zwar 112 Seiten und nicht 92, @goodreads 🤥 aber auch die haben nicht ausgereicht, um mich in den Protagonisten hineinversetzen und seine Angst nachvollziehen zu können. Ich hätte einfach mehr (oder überhaupt) Vorgeschichte, Interaktion mit den anderen Figuren und Ausführungen von dem, was es letztendlich ist, was ihm Angst macht, gebraucht. Auch das Ende fand ich unbedfriedigend. Gerade wie es danach weitergeht, hätte mich interessiert.
Der Jugendroman „Hundertsiebenundachzig Tage“ hat mich vor allem durch sein sensibles Thema und seine ungewöhnliche Form überzeugt. Im Mittelpunkt steht ein jugendlicher Ich-Erzähler, der seine Wohnung nicht mehr verlassen kann. Eltern, Freunde und Therapeutin warten darauf, dass er den Schritt zurück in ein „normales“ Leben schafft, doch für ihn ist nicht einmal klar, was genau seine Angst ausgelöst hat.
Der Roman begleitet ihn in dem sehr engen Zeitraum der letzten Minuten, bevor er entscheidet, ob er wieder hinausgehen wird. Diese Situation wird collagenartig z.B. durch inneren Monolog, Chatverläufe, Gedankenstrom und Rückblicke auf seine Krankengeschichte dargestellt. Dabei passt sich die Form stark dem jeweiligen Inhalt an: Manche Passagen sind in Versen geschrieben, andere ohne Satzzeichen oder Groß- u. Kleinschreibung. Das kann für jugendliche Leser:innen zunächst ungewohnt sein, ergibt aber schnell Sinn, weil sie den Gefühlszustand des Erzählers widerspiegelt, weshalb gerade die Form des Romans mir gut gefallen hat.
Besonders gelungen finde ich auch, dass das Buch keine schnellen Erklärungen liefert. Stattdessen zeigt es, wie komplex Angst, Rückzug und mögliche Depressionen sein können und wie schwer es ist, sie von außen zu beurteilen. Einzig die Beziehung der Figuren untereinander hätte für mich noch näher beleuchtet werden können, um die Angst des Erzählers eventuell noch besser zu erklären. Das Thema habe ich aber so noch nie in einem Jugendbuch verarbeitet gelesen. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei Jugendlichen auf großes Interesse stößt, weil der Roman ernst nimmt, wie überwältigend psychische Belastungen sein können, ohne dabei belehrend zu wirken.
Dieses nicht besonders lange Buch glänzt mit einem einzigartigem schreibstiols und einer intensiven Innenansicht des Erzählers - hier gilt klein und fein :) Der Ich-Erzähler leidet am Höhlensyndrom und hat das Haus seit ganzen 187 Tagen nicht verlassen. Der Autor lässt uns hier sehr intensiv an den Gefühlen, Ängsten und Herausforderungen des Erzählers teilhaben. Durch Satzfragmente, Songtexte und weiteren Stilmitteln, die präzise an den richtigen Stellen gesetzt sind, wirkt der Text besonders intensiv. Hier wird weniger auf das Warum eingegangen, sodern mehr auf den Weg, die Gefühle, die Begleitpersonen und und und. Ein wirklich tolles Buch, das sich auch sehr gut als Schullektüre eignen würde (finde ich zumindest, denn ich hätte es in meiner Schulzeit gerne gelesen;) Literarisch und poetisch, eher anspruchsvoll zu lesen und dabei trotzdem leicht und intensiv erzählt - eine besondere Leseerfahrung, die Raum für weitere Gedanken, Ideen, Diskussionen und Ausgänge lässt. Mir hat es gut gefallen und für mich war auch diese Offenheit sehr stimmig, einzig Manon hat mir Rätsel aufgegeben, für mich war sie ein bisschen zu perfekt für den Erzähler.
ein beeindruckendes buch, das so ganz anders ist und gerade dadurch beeindruckend und anschaulich über die thematik angststörung berichtet. man erfährt hier sehr viel informatives das direkt vom jugendlichen berichtet wird, seine gedanken und gefühle sind intensiv und nachhallend beschrieben, gerade auch durch die andersartige darstellung. man fühlt mit, rast durch die zeilen, die ohne punkt und komma sehr eindrücklich zeigen wie es in dem jungen aussieht. man fiebert mit, ob es ihm gelingen wird da raus zu kommen bzw. ob er lernen kann einigermassen gut damit umgehen und klarkommen zu können.