»Warmherzig, witzig und weise. Ein Buch wie eine große Umarmung!« Graham Norton / Late-Night-Show ComedianDas Haus am Grimaldi Square 4 sah nicht so aus, als würde es eine Überraschung bereithalten. Es war eines von mehreren Backsteinhäusern, die drei Seiten eines viktorianischen Platzes einnahmen, der schon bessere Tage gesehen hatte …
Lange haben die Polizistin Stevie und die Rettungssanitäterin Amber nach einem kleinen Haus in London gesucht. Nun glaubt das glücklich verheiratete Paar das perfekte Haus am Grimaldi Square gefunden zu haben. Und trotz des heruntergekommenen Pubs gegenüber, des verwilderten Gartens und einer ausgesprochen neugierigen Nachbarin ist die Nummer 4 das Haus ihrer Träume.
Doch dann kommt alles ganz anders als geplant. Als Stevie sich nach Dienstschluss mit Amber in dem leergeräumten Haus treffen will, um dort auf ihr neues Heim anzustoßen, erscheint diese nicht und ist auch sonst nicht zu erreichen. Und als Stevie beunruhigt allein durch das Haus geht, sieht sie sich in einem der Zimmer im ersten Stock plötzlich einer alten Dame gegenüber, die auf einem roten Sofa sitzt. Neben sich einen großen Koffer. Es ist Dorothy – die achtzigjährige Vorbesitzerin des Hauses, die ihr unumwunden erklärt, sie habe nicht vor auszuziehen. Dorothy will bleiben. Doch das ist nicht die einzige Überraschung, die auf Stevie und Amber wartet …
Danish/British writer, presenter, comedian, actress and producer on British radio and television. She currently presents The News Quiz on BBC Radio 4 and 1001 Things You Should Know on Channel 4. In October 2012 she succeeded Sheila Hancock as Chancellor of the University of Portsmouth.
Ich habe „Dorothy will bleiben„ genau im richtigen Moment gelesen. Ich hatte Lust auf einen unterhaltsamen Roman, der mich einfach mitnimmt – und genau das schafft dieses Buch mit seiner leichten, lebendigen Art.
Sandi Toksvig merkt man sofort an, dass sie aus dem Humor kommt. Ihre große Stärke ist für mich ganz klar die Situationskomik. Wenn Figuren aufeinandertreffen, Dinge schiefgehen oder Gespräche aus dem Ruder laufen, sitzt das Timing perfekt. Da entstehen Szenen, die fast wie kleine Theaterstücke wirken – man sieht sie richtig vor sich. Gerade diese dialoglastige, szenische Art macht den Roman sehr zugänglich und angenehm zu lesen.
Was mir besonders gefallen hat: Die Figuren sind durchweg warm und liebenswert, ohne dass ständig mit Reizen gearbeitet wird. Es gibt keine aufgesetzte Sexualisierung, sondern Beziehungen, die über Gespräche und Situationen entstehen. Das tat mir nach anderen Leseerfahrungen ehrlich gesagt richtig gut.
Aber: Sobald das Buch versucht, ernster zu werden oder mehr Tiefe zu entwickeln, hat es mich etwas verloren. Dann wird es für mich schnell zu harmonisch, fast kitschig. Alles fügt sich, alle verstehen sich irgendwie – gerade bei der älteren Dame und der queeren Hauptbesetzung war mir das stellenweise zu glatt, zu „alles wird gut“. Da fehlt mir ein bisschen Reibung.
Auch merkt man irgendwann, dass der Roman stark von einzelnen Szenen lebt. Es passiert viel, manchmal fast zu viel, aber nicht alles trägt langfristig. Der Drive vom Anfang flacht etwas ab, weil die Geschichte mehr über Einfälle funktioniert als über einen durchgehenden inneren Sog.
Trotzdem: Ich habe das Buch gerne gelesen. Es ist keine „große Literatur“, aber es will das auch gar nicht sein. Es ist gute, handwerklich sichere Unterhaltung mit Herz, Humor und einem sehr britischen Ton. Und nebenbei streut Toksvig noch kleine Gedanken ein – etwa zu Gemeinschaft, Anderssein oder sogar zu Heiligenfiguren – ohne dass es schwer wird.
Für mich bleibt: kein perfektes Buch, aber eines, das mich genau im richtigen Moment abgeholt hat. Und manchmal reicht das völlig.