In Yacht oder nicht Yacht tauchen wir tief ein in die Welt der Superreichen, Amerikas Tech-Milliardäre und Oligarchen. Es geht nicht nur um deren Lebensstil – von den Yachten im ersten Kapitel bis zu einer Selbsthilfegruppe verurteilter Wirtschaftskrimineller im letzten –, sondern auch um die immense Einflussnahme einer Handvoll von Ultrareichen auf die amerikanische Politik.
Evan Osnos schreibt enorm unterhaltsam und mit viel Liebe zum Detail von den sehr langen Yachten und extravaganten Partys, den Luxusbunkern und apokalypsesicheren Rückzugsorten, den Steuervermeidungstricks, dem Einfluss auf Kunst und Kultur, den Schneeballsystemen und anderen white collar crimes einer privilegierten Schicht von Menschen, die nicht nur ihre Bodenhaftung, sondern auch jegliches Wertesystem verloren haben. Noch nie zuvor hatten die Wall Street und das Silicon Valley so viel Einfluss auf die amerikanische Politik wie jetzt während Trumps zweiter Präsidentschaft. Das Resultat sind politische Entscheidungen, die sich auf unser aller Leben auswirken.
Evan Osnos joined The New Yorker as a staff writer in 2008. He is a correspondent in Washington, D.C. who writes about politics and foreign affairs. He is the author of "Age of Ambition: Chasing Fortune, Truth, and Faith in the New China" (Farrar, Straus & Giroux, May 2014). Based on eight years of living in Beijing, the book traces the rise of the individual in China, and the clash between aspiration and authoritarianism. He was the China Correspondent at The New Yorker magazine from 2008 to 2013. He is a contributor to This American Life on public radio, and Frontline, the PBS series. Prior to The New Yorker, he worked as the Beijing bureau chief of the Chicago Tribune, where he contributed to a series that won the 2008 Pulitzer Prize for investigative reporting. He has received the Asia Society’s Osborn Elliott Prize for Excellence in Journalism on Asia, the Livingston Award for Young Journalists, and a Mirror Award for profile-writing. Before his appointment in China, he worked in the Middle East, reporting mostly from Iraq.
Evan Osnos gehört seit mehr als 20 Jahren zum Stammpersonal des New Yorker, war China-Korrespondent der Chicago Tribune und hat mit seinen Büchern und Artikeln bereits zwei Pulitzer Preise und einen National Book Award gewonnen. Er schreibt über Politik und auswärtige Angelegenheiten und recherchiert intensiv vor Ort. Die gesammelten Reportagen in diesem Buch basieren auf Interviews, die er von 2017 bis heute geführt und im New Yorker publiziert hat. Yachten, die bei einer Länge von 150 Metern oder mehr, mit Saunen, Steinway – Flügeln, Originalgemälden alter Meister, Liften, einem eigenen Hubschrauberhangar, Edelholzmöbeln und einem eigenes rekrutierten, speziell geschulten Besatzungsteam, das auf alle Wünsche und Bedürfnisse des Besitzers einzugehen und darüber zu schweigen hat. Ultrareiche, die plötzlich für Notfälle vorsorgen, aber sich nicht wie „herkömmliche Prepper“ bevorraten und private Luftschutzbunker bauen, sondern sich gleich ganze Inseln und die dazugehörigen Staatsbürgerschaften erkaufen. Marc Zuckerberg und seine „nette College-Idee“, die schlagartig von einer freundschaftlichen Internetplattform zu einem Milliarden – Dollar – Unternehmen anwuchs und im Zuge des Wachstums unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung Mönchen in Myanmar erlaubte ihre Hasspropaganda zu verbreiten und damit quasi bei der systematischen Ermordung der muslimischen Minderheit im Land behilflich war. Auf Fragen danach reagiert der Multimilliardär abwehrend und aggressiv, er duldet in seiner Blase, in der er lebt und arbeitet, keine Kritiker, Neinsager und Widersprüche. „Im Jahr 2016 besaßen die vierhundert reichsten Menschen Amerikas laut dem Institute für Policy Studies ein Vermögen von etwa drei Billionen Dollar – mehr als alle schwarzen Haushalte und ein Viertel der Latino-Haushalte zusammen.“ (Zitat S. 192) Viele davon leben auch in Greenwich, wo bis 2001 ausschließlich Vermögende per Gesetz Zugang zum Strand hatten, damit garantiert war, dass sie „unter sich“ bleiben können. Evan Osnos hatte sich die Möglichkeiten zu diesen Interviews über Jahre hinweg erarbeitet, auch die Hierarchie der Ultrareichen funktioniert nach einem gewissen Schneeballsystem. Basierend auf den Gesprächen zeigt er auf, wie das US-amerikanische Gesellschaftssystem funktioniert, dass sich hier eine Klasse etabliert hat, die aufgrund ihres Reichtums und der damit verbundenen Macht über dem Gesetz zu stehen glauben und daher Dinge tun, die zwar moralisch absolut verwerflich sind, aber ungestraft bleiben. Er nennt Donald Trump ein Symptom dieser „Krankheit“, zeigt auf, dass seine Wahl und seine Wiederwahl keine wahre Überraschung war, dass er aber durch seinen Umgang mit Vorwürfen, besonders hinsichtlich des Falls Epstein, diese unfassbare Korruption unfreiwillig offen gelegt hat. Sie sollten dieses Buch nicht nur kaufen, weil Sie planen eine Yacht zu kaufen, wobei Sie vielleicht einige Tipps für geeignete Anlaufstellen finden könnten. Aber Sie sollten dieses Buch lesen, wenn Sie die Hintergründe, die moralischen Abgründe, die unfassbaren, großangelegten kriminellen Handlungen und Vergehen verstehen und wissen wollen, wie es möglich ist, gegen diese Personen, die die höchsten gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Ämtern und Positionen innehaben, vorzugehen. Gottseidank gibt es noch Journalisten wie Evan Osnos, der fragt, hinterfragt, denen es wichtig ist Antworten zu bekommen und denen die Wahrheit wichtiger als das private Bankkonto ist.
In seinem Buch "Yacht oder nicht Yacht" schildert Evan Osnos Alltag und Problemchen aus einer Parallelgesellschaft, zu der die Leser*innen höchstwahrscheinlich keinen Zugang haben und auch niemals haben werden. Das Buch ist eine Zusammenstellung von Artikeln, die der Autor in den vergangenen Jahren für den "New Yorker" geschrieben hat und handelt von der Welt der Superreichen, die nicht einfach nur Millionäre, sondern Mehrfachmilliardäre sind.
Die wachsende politische Bedeutung und Einflussmöglichkeiten der Tech-Milliardäre und Oligarchen in den USA werden hier eher gestreift, die einzelnen Kapitel ermöglichen eher den Blick in das Innenleben und die Denkweise der Menschen mit altem und neuem Geld, die immer noch nicht genug haben.
Bei den titelgebenden Yachten handelt es sich natürlich nicht um schnöde Segelboote, sondern um Super- und Megayachten. Osnos schreibt über Privatkonzerte, bei denen ein Hip Hop Star mal eben eine Gruppe 13-jähriger auf einer Bar Mitzwah bespielt, er zeigt ultrareiche Prepper und die Suche nach exklusiven Rückzugsräumen etwa auf Neuseeland, um Sicherheit vor den Folgen von Klimawandel und politischen Spannungen zu bekommen. Faszinierend auch das Kapitel über eine Selbsthilfegruppe von Wirtschaftskriminellen aus der Welt der Wall Street und der Hedgefonds, die bei Insiderhandel oder Anlagebetrug kein schlechteres Gewissen haben als Normalbürger beim Schwarzfahren oder Falschparken - nach dem Motto: Wenn es alle machen, kann es ja nicht so schlimm sein.
Dass Osnos überhaupt Zugang zu seinen Gesprächspartner erhielt, mag auch an dem richtigen Stallgeruch liegen - er wuchs in Greenwich auf, der immer wieder zitierten "Hedgefond Capital" im südlichen Connecticut und stammt mütterlicherseits aus einer WASP-Familie mit altem Geld. Das dürfte bei Interviewanfragen geholfen haben. Noch erhellender ist der Blick in die Welt der Superreichen allerdings durch die Gespräche mit den Menschen aus dem Dienstleistungssektor, der sich um sie herum gebildet hat: Immobilienmakler und Bau-Developer für die Menschen, die schon alles Haben, Musikagenten und Yacht-Personal, Menschen, die viel Geld damit verdienen, den ganz besonderen Service zu bieten, den ihr Klientel rund um die Uhr erwartet. Trotz mancher Verschwiegenheitsklausel ist das eine recht erhellende Lektüre.
Osnos schreibt unterhaltsam, ohne sich den Porträtierten anzubiedern. Er zeigt auch, wie sich der Umgang mit dem Ultrareichtum verändert hat und welche Einflussmöglichkeiten für die Superreichen bestehen, aber auch, wie die Wohlstandsschere und die Diskrepanzen im Einkommen von CEOs und Mitarbeitern immer weiter auseinanderklaffen.
Ich habe seit einigen Monaten The New Yorker abonniert, für den der Autor schreibt; auch die diversen Artikel dieses Buches sind dort über die Jahre zuerst erschienen.
Die Übersetzung ist extrem gut gelungen. Der Inhalt ist halt nicht neu und für mich auch nicht sehr überraschend. Das alles habe ich mehr oder weniger schon woanders gelesen. Aber trotzdem ist es lesenswert und auch schön, ein Buch zu haben, dass man immer wieder mal in die Hand nehmen kann, weil es in sich abgeschlossene Artikel anbietet. Die bilden ein Thema ab, müssen aber nicht hintereinander weggelesen werden.
Evan Osnos liefert mit Yacht oder nicht Yacht eine messerscharfe und zugleich höchst unterhaltsame Sezierung der modernen Plutokratie. Er begnügt sich nicht mit voyeuristischen Einblicken in Luxusbunker und exzessive Lebensstile, sondern legt die zunehmende Entkopplung einer winzigen Elite vom Rest der Gesellschaft offen. Präzise zeigt Osnos, wie ökonomischer Reichtum in politische Gestaltungsmacht übersetzt wird – und wie diese demokratische Prozesse unterläuft, während das Gemeinwohl hinter privaten Steuerstrategien zurücktritt. Seine Reportagen aus dem Silicon Valley und von der Wall Street zeichnen das Bild einer Elite, die den Bezug zur gesellschaftlichen Realität weitgehend verloren hat. Die Exzesse der Ultrareichen erscheinen dabei nicht als Randphänomen, sondern als strukturelle Herausforderung für die Stabilität demokratischer Ordnungen. Es ist, zugespitzt formuliert, eine Art Feudalismus mit WLAN: Während Tech-Milliardäre an Rückzugsorten für den Krisenfall arbeiten, gestalten sie zugleich die politischen und ökonomischen Spielregeln einer Welt, an deren Konsequenzen sie sich zunehmend entziehen. Osnos gelingt es, diese Entwicklung mit Witz, erzählerischer Dichte und analytischer Schärfe darzustellen. Das Ergebnis ist ebenso amüsant wie beunruhigend – und macht deutlich, dass die zentralen Konflikte der Gegenwart längst nicht mehr nur hinter verschlossenen Türen, sondern in den Sphären extremer Ungleichheit ausgehandelt werden.
Eine Sammlung von verschiedenen Reportagen über das Leben von Superreichen. Von äusserst unterhaltsam bis schockierend ist alles dabei. Die zweite Hälfte packte mich weniger, der Anfang ist jedoch gut.