"In einer Trattoria bestellte er für sie die gefüllten Zucchiniblüten, die sie schon den ganzen Urlaub kosten wollte, er sagte, er würde Fritzi natürlich einladen. Die Zucchiniblüten waren salzig, das Fett lief Fritzi beim Reinbeißen über das Kinn, und der Mann konnte sie dann doch nicht einladen, weil er kein Bargeld dabeihatte, sondern nur goldene Karten aus Plastik. Dafür gab er Fritzi im nächsten Lokal, das über ein Kartenlesegerät verfügte, drei Gläschen Piemonteser Haselnussgeist aus."
In Anbetracht der zeitgenössischen, mittelmäßigen Gleichschaltung fast aller Menschen in ihrem Geschmack, ihrem Können und ihrer Urteilskraft, also in allem Wesentlichen, dürfte folglich der bestechliche Blick eines Journalisten jene durchschaubare Grobschlächtigkeit und Plumpheit in seinem Schreiben niemanden unverhofft treffen. Im Gegenteil; es trifft ganz notwendig den Geschmack der Zeit, sowie dessen Oberflächlichkeit im Handhaben aller Themen, die für die Menschen von Bedeutung sind - wie etwa hier die Liebe.
Trivialliteratur ist bei Leibe nicht mein Gebiet, aber um nicht gänzlich das Zeitgefühl zu verlieren muss ich doch hin und wieder den Finger am Nerv der zeitgenössischen Literatur legen. Gesagt, getan: voila, ein herausgewürgter Liebesroman zerstörte in Handumdrehen eben das, was es laut des Erzählers aufbauen sollte; die Hoffnung.
Was haben wir also hier? Versunken in der journalistischen Kanalisation und umgeben von Unrat aller Art wurde eine Geschichte erbrochen, die nicht nur nichts neues zu sagen hat, sondern insbesondere das wertvolle Papier vergeudet.
Fritzi ist jung und naturgemäß töricht. Sie trifft den oben zitierten alten Mann in Italien, denkt nicht nach, geht mit ihm aufs Zimmer und Monate später ist der Hautprotagonist geboren, welche die junge Mutter mit einer Türkin zusammen, die gar nicht verstehen kann, wie so etwas wundervolles durch eine Gurke zustande kommen kann, anschließend lobpreist. Die Türkin Günes mag Dostojewski (sowas soll es geben), benennt also ihre Tochter Polina (gut dass es keine traditionelle Türkin ist) und der Rest ist nicht bloß vorhersehbar, trivial, inhaltsleer, banal, alltäglich und langweilig, sondern unterirdisch abgeschmackt.
Alles was danach kommt ist ein gigantischer Haufen von plumpen literarischen Abfall das zu lesen wahrlich Kraft erfordert. Fritzi muss in einer Netto Filiale schuften, sucht nach einer besseren Wohnung, der Nachbar entpumpt sich als alltäglicher Narr den man täglich beim Netto an der Kasse mehrmals antreffen kann, usw. usw.
Wenn ich solcherlei Schund mal alle paar Monate lese, gelingt es mir für gewöhnlich das Ganze humoristisch zu verpacken und darüber zu lachen, aber hier war alles so oberflächlich und holzschnittartig dahin gewürgt, dass beim Lesen diverse Hirnzellen den Körper für immer verließen. Wer bezahlt mir diesen Verlust?
Keine Eloquenz, keine Würde, kein schriftstellerisches Können in der Beschreibung der Welt, keine Farben, alles nur ekelhaft dahin gerotzt.
Der kleine Felix schreibt anmutigere und elegantere Briefe als Herr Würger. Die Figuren sind kahl, die Geschichte verläuft rasch und vermag keinen wirklichen Inhalt, keinen Geist wiederzugeben. Das Hauptthema, die Liebe, besteht größtenteils darin, wie viel Leid und Trauer es verursachen kann, welche Gelüste damit assoziiert werden - das Alltägliche eines mittelmäßigen Menschen also.
Was die großen Geister der Geschichte alles zum Thema Liebe zu sagen hatten, jene schweren, aber sinnreichen, gehaltvollen Gedanken mit großer Anmut und Eleganz hervorgebracht welche den Geist emporheben, nichts davon findet man naturgemäß in diesem Edelkitsch für die Viel-zu-Vielen. Goethe hätte gesagt: "Ignorante Männer stellen Fragen welche weise Männer vor Tausend Jahren beantwortet haben." Nichts von meiner Kritik ist ein Vorwurf an den Kritzler, da man Herr Würger für nichts zur Verantwortung ziehen kann, denn was er tut, tut er ganz notwendig. Man will ja Geld verdienen.