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So, in etwa, ist es geschehen

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Sie sind auf dem Weg nach Timmendorfer Strand: Amata Haller und ihr Chef Heinz Brockhaus, der ihr angeboten hat, sie mit dem Auto dorthin zu fahren. Amata ist in Eile, ihre Mutter wartet, wie jedes Jahr am 3. Mai. An diesem Tag jährt sich der Untergang der Cap Arcona, jene Katastrophe gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, die ihr Großvater nur knapp überlebt hat. Die Hitze drückt auf die überfüllten Straßen, die Fahrt wird immer länger, Brockhaus redet ununterbrochen, und Amata verliert die Fassung. Am Ende des Tages wird Brockhaus nicht mehr leben, und Monate später wird Amata vor Gericht stehen.

128 pages, Hardcover

First published April 29, 2026

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118 people want to read

About the author

Sharon Dodua Otoo

17 books105 followers
Sharon Dodua Otoo is a British writer, publicist and activist. In 2016 she was awarded the Ingeborg Bachmann Prize for her first short story in the German language. Otoo’s writing encompasses magical realism, Afrofuturism, identity issues, relationships and empowerment.

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for leynes.
1,336 reviews3,790 followers
May 3, 2026
Spent the whole day at the beach (going for the first swim of the year!), finishing this wonderful book. Reading Otoo is always a good idea!
Profile Image for Klaus Mo.
41 reviews
May 5, 2026
Der Ursprung der Geschichte ist die fehlende oder mangelhafte Aufarbeitung der Kolonialvergangenheit Deutschlands.
Ein Teil der Vorgeschichte ist auch die Bombardierung der Cap Arcona, von britischen Bombern durchgeführt aber von den Nazis geplant herbeigeführt.
Amatas Großvater war an Bord und hat es wie ein Wunder überlebt.
Ich verstehe die „Tat“, den Mord an Amatas Vorgesetzten als ihre (unbewusste) Reaktion auf diese nicht aufgearbeitete Geschichte. Der Teil des Buches, der in fast 50 Seiten den Monolog von Heinz Brockhaus (der Name ist vermutlich ein Hinweis auf seinen nie endenden Wortfluss) beinhaltet, ist nahezu unerträglich. Ob dass in einem Mord enden musste, kann ich trotzdem schwer nachvollziehen, weil ich mich frage, warum Amata sich überhaupt von ihm hat fahren lassen und sich (freiwillig) dieser Situation ausgesetzt hat.
Auf jeden Fall spitzt sich die Situation, die Autofahrt immer mehr zu und läuft auf das unvermeidliche hinaus.
Den Rahmen ihres Geständnisses bilden die Anmerkungen ihrer Freundin Nkechi, die Juristin ist und eine Art Gegenpol zu Amatas Haltung bildet.
Das Buch wirft viele Fragen auf und lässt einen auch nach der Lektüre nicht los. Sharon Dodua Otoo hat ihre Figuren sehr authentisch beschrieben und daher ist die Geschichte sehr spannend und glaubwürdig.
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
272 reviews48 followers
May 6, 2026
Brockhaus ist tot. Ermordet von seiner Kollegin Amata Haller, die in der JVA Lübeck ein Geständnis zu Papier bringt.

Auf nur 128 Seiten konstruiert Sharon Dudoa Otoo einen Fall in seiner ganzen Komplexität, der Themen wie transgenerationales Trauma, Reparationen, afrodeutsche Geschichte, Kolonialismus und mehr streift.

In ihrem Geständnis lässt die Täterin in fast kindlicher Sprache den Tag des Mordes Revue passieren und holt dabei immer weiter aus: das geplante, jährlich stattfindende Treffen mit ihrer Mutter am Ostseestrand zum Gedenken an den Großvater, der von der Cap Arcona fliehen konnte, auf der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ca. 4600 KZ-Häftlinge getötet wurden. Amatas Vorgesetzter bei der NGO „Essen für Afrika“ Brockhaus, der dieser seine Chauffeurdienste aufdrängt. Die unerträgliche Fahrt von Berlin nach Timmendorfer Strand in brütender Hitze, mit ausgefallener Klimaanlage, Stau und endlosen Monologen.

Über fast 50 Seiten müssen auch wir den Redeschwall des Opfers Brockhaus ertragen, seine letzten Worte sind paternalistisch, vorwurfsvoll, egozentrisch, latent rassistisch.

Otoos Novelle ist bitterböse, sarkastisch, ein Roadtrip aus der Hölle ohne Dialog und mit schwerem Ballast. Leicht verdauliche Antworten gibt es nicht, Otoo stellt Fragen wie diese in den Raum: Wie lange können Betroffene es aushalten, zu reden, zu erklären, um Anerkennung, Reparationen, Umbenennungen etc. zu bitten?

„Alles, was ich mitbrachte, war der Schmerz vieler Generationen, den ich seit meiner Geburt mit mir herumschleppe. Für eine einzelne Person ist er viel zu groß, er muss sich irgendwann Bahn brechen, er muss irgendwohin ausweichen.“
69 reviews3 followers
May 1, 2026
Viele andere werden hier völlig berechtigt eine andere Lesart finden. Für mich ist es vor allem eine Geschichte, was passiert, wenn wir aufhören, mit unserem Gegenüber wirklich zu sprechen und zuzuhören. Wenn wir aufhören, diese als Menschen zu betrachten, die als Mensch ergründet werden müssen. Herr Brockhaus sieht nicht Amata, die Protagonistin, wenn er redet und redet. Er sieht nur ein Zerrbild von Fantasien und Klischees und alles, was er in seinem Wortschwall von sich gibt, ist immer nur eine versteckte Selbstaussage. Und Amata schweigt und schweigt. Auch sie sieht nur ein Zerrbild. Ihr kontinuierliches Schweigen eine versteckte Selbstaussage. Echtes Verständnis für den anderen, echtes Interesse an dem anderen fehlt komplett. Und das Problem geht über das Miteinander der beiden hinaus.
Profile Image for Inge H..
503 reviews9 followers
April 29, 2026
Ein Geständnis

Ich durfte wieder einen Roman von Sharon Dodua Otoo, genießen.

„So, in etwa, ist es geschehen“ ist ein besonders gelungenes Werk geworden.
Der Roman beginnt mit einem Brief der Amata Haller an ihre Herausgeberin.
Es wird zu einem Geständnis.
Sie hat ihren Kollegen Heinz Brockhaus erdrosselt.
Die Autorin hat das sehr gut umgesetzt.
Den Heinz hat sie , als eine Labertüte dargestellt. Wenn man so jemanden von der Fahrt von Berlin bis zum Timmerdorfer Strand mitmachen muss, kann man leicht durchdrehen.

Das Alles ist mit einem besonderen Sound gestaltet.
Diesen Roman habe ich gerne gelesen und kann ihn weiter empfehlen.

Profile Image for Podcast bücherreich.
924 reviews10 followers
May 6, 2026
Eine für mich ungewöhnliche Lektüre: Literarisch hochwertige und superkurze Belletristik!

Entsprechend ist auch die Erzählstruktur ganz anders, als ich es gewohnt bin: Die ersten 85 Seiten erfahren wir per Brief an ihre beste Freundin und Mitaktivistin Nkechi von der Mörderin Amata Haller von dem Tag, als sie freigedreht ist und ihren Chef in Timmendorfer Strand mit einem Schal stranguliert hat.

Danach gibt es zwei Anhänge: Erstens ein Transkript des Tonmitschnitts einer Sprachaufnahme besagten Chefs, der quasi seine Sicht schildert (da sie nie hörbar spricht) und Amata gleichzeitig in einer Tour zusabbelt, und zweitens das Geständnis der Protagonistin.

Anschließend folgen noch kleinere Passagen wie Nachwort, Postkarte, Danksagung und Co, aber das ist im Wesentlichen die Struktur.

Ich fand cool, dass man die Sichtweisen von Täterin und Opfer gleichermaßen mitbekommt - die übrigens beide extrem abschweifen und vom Höckschen aufs Stöckschen kommen, nur, dass bei Amata alles eher im Kopf statt verbal stattfindet -, was auch dazu geführt hat, dass ich am liebsten das Buch direkt nochmal von vorne gelesen hätte, um die später erhaltenen Infos nochmal mit der Schilderung von Amata zu verheiraten.

Zu manchen Aspekten der Erzählung hatte ich als Weiße keine Verbindung. Ich fand auch Amata sehr unsympathisch und vom Charakter Marke “Versager”. Ich wollte sie gerne schütteln und ihr genug Selbstvertrauen einimpfen, dass sie mal was sagt, wenn Menschen in ihrem Umfeld Grenzen überschreiten und sie das nicht will.

Allein die Fahrt zu Timmendorfer Strand, wo sie gezwungenermaßen mit ihrer Mutter eine jährliche Gedenkfeier zum Überleben des Cap Arkona-Unglücks ihres Großvaters abhalten soll, hätte nicht sein gemusst - Amata wirkte jedenfalls so, als würde sie das nur ihrer Mutter zuliebe machen und damit sie im Vergleich zur in Ghana lebenden Schwester, die nicht teilnehmen kann, besser da steht. Als die Mutter undankbar reagiert, schluckt Amata es einfach und als sie dann zu spät kommt, entladen sich die ganzen kumulierten schlechten Gefühle auch aus anderen Bereichen ihres Lebens in einem Mord, der ihr das weitere freie Leben zerstört. Sie wirkt aber auch ganz allgemein, als kriegte sie nichts auf die Kette und lebte so in den Tag hinein.

Auch das Opfer, Heinz Brockhaus, fand ich super unangenehm. Marke endlos-sabbelnder weißer alter Mann, der in seinem Monolog ein paar Sachen sagt, die echt nicht fein sind - und der sich auch sonst wie der Elefant im Porzellanladen verhält und viel zu viel Raum einnimmt.

Man merkt, das Buch hat ganz viele Emotionen in mir ausgelöst, obwohl ich es durch den mäandernden Stil und die unsympathische Protagonistin nicht ganz in den Himmel loben kann. Auf jeden Fall ein spannendes Fenster-Buch mit für mich interessanter Erzählweise und Einblicken.
Profile Image for Naraya.
286 reviews10 followers
April 29, 2026
Eigentlich soll es für Amata Haller nur nach Timmendorfer Strand gehen, wo ihre Mutter auf sie wartet. Jedes Jahr am 3. Mai treffen sie sich dort, um Amatas Großvater zu gedenken, der zu den Überlebenden der Cap Arkona gehörte – einem Schiff, das am 3.5.1945 mit 7500 KZ-Häftlingen an Bord von der britischen Royal Air Force bombardiert und versenkt wurde. Für diese wichtige Verabredung hätte Amata einen Mietwagen reservieren sollen, es aber vergessen. Doch dann bietet ihr Chef Heinz Brockhaus an, sie mit dem Auto dorthin zu fahren. Die beiden kommen ins Gespräch (naja, eigentlich spricht nur Heinz), stehen im Stau, halten an Raststätten – und am Ende ist Heinz tot und Amata im Gefängnis, wo sie auf ihren Gerichtstermin wartet.

Der Ausgang ist uns schon bekannt, wenn wir beginnen, Sharon Dodua Otoos neusten Roman „So, in etwa, ist es geschehen“ zu lesen. Der Titel beschreibt dabei sehr genau, was uns erwartet; in dieser Geschichte geht es jedoch nicht darum, „was“ passiert ist, sondern vielmehr „wie“ und vor allem „warum“. Die Handlung ist dabei sehr raffiniert aufgebaut. Zunächst ist da ein Brief von Amata an die fiktive Herausgeberin des Buchs, Nkechi. Dann folgt Amatas Schilderung der Ereignisse und schließlich zwei Anhänge: ein Transkript einer Audiodatei - denn Amatas Handy hat versehentlich alles aufgezeichnet – und ihr Geständnis.

Der Roman löst vielerlei Reaktionen in mir aus. Zunächst bin ich überrascht über Amata, die fast schon stolz auf den Mord an ihrem Chef zu sein scheint. Sie bereue nichts, sagt sie, doch ihre Schilderung des Tages bleibt zunächst recht sachlich. Ja, Brockhaus war sicherlich anstrengend, doch ihn gleich umbringen? Erst das Transkript der Audiodatei und ein Rückblick auf ihr bisheriges Leben enthüllt einen Teil des riesigen Berges an Mikroaggressionen, Diskriminierung bis hin zu Hass, den Amata als Schwarze Frau erfahren musste. Und plötzlich erscheint es beinahe folgerichtig, dass Heinz nicht mehr am Leben ist.

„So, in etwa, ist es geschehen“ ist ein bedeutsames Buch und ich habe das Gefühl, nicht klug genug zu sein, um all seine Anspielungen und Implikationen zu verstehen. Einen kleinen Ausblick kann ich erhaschen, als ich in einer Satzkonstruktion eine Parallele zu Paul Celans bekanntestem Gedicht „Die Todesfuge“ entdecke. Ich wette aber, es ist noch viel mehr in diesem nicht einmal 150 Seiten langen Text versteckt. Und wir alle sollten, nein müssen, ihn lesen!
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