Zwei der renommiertesten Sportpsychologen zeigen Wege von der individuellen zur Team-Höchstleistung. Durch ihre langjährige Erfahrung in über 30 Nationalmannschaften, unter anderem in der Fußballnationalmannschaft, beschreiben die beiden Sportpsychologen, wie man andere stark macht. Ihr Buch bietet außergewöhnliche Einblicke in die Welt des Spitzensports und überträgt dieses Wissen in die Welt der Wirtschaft und des Managements. So können alle vom Coaching der Spitzensportler lernen. Beide sind viel gefragte Referenten und Coaches bei international tätigen Unternehmen, unterrichten als Professoren an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken und sind Gastprofessoren am Sportwissenschaftlichen Institut der Universität des Saarlandes.
Ich bin Coach. Aber keiner von Fußball-Teams, sondern von Software Entwickler*innen und Führungskräften. Gleichzeitig interessiert mich, wie Coaches im Sport mit ihren Leuten arbeiten. Hier auf Halbfeldflanke finden sich massig Texte, in denen genau das auch betrachtet wird. Also die Arbeit der Trainer, nicht nur das Ergebnis (der gespielte Fußball). Oft ziehe ich Analogien zwischen Fußballprofis und Subject Matter Experts in der Industrie. Genau das macht dieses Buch.
Es werden ein paar Modelle vorgestellt, die eher zu den Klassikern gehören, wenn es um Leadership geht. Etwa die vier Phasen der Entwicklung von Gruppen nach Tuckman: Forming, Norming, Storming, Performing. Hier im Buch ein elementarer Bestandteil.
Die Stärke des Buchs ist aber nicht, neue Führungsmodelle zu lernen, sondern wie diese näher gebracht werden. Die Analogie zum Spitzensport ist für mich auf der einen Seite unterhaltsam und gleichzeitig sehr leicht übertragbar auf meine Realität. Wenn die Autoren berichten, dass Athleth*innen nicht durch große Ziele zu motivieren sind, sondern generell Spaß am Training haben müssen, dann bin ich erstmal überrascht, weil ich das so noch nie gelesen habe. Es ergibt aber Sinn für mich. Und direkt im Anschluss überlege ich, das denn bei meinen Teams aussieht und woher die Motivation von den einzelnen Leuten gezogen wird.
Genauso geht es die ganze Zeit. Im letzten Drittel geht es viel um individuelle und kollektive Kompetenzüberzeugung und Konsequenzerwartung. Die Begriffe sind eigentlich selbsterklärend, die Ausführungen aber extrem wertvoll. Ich habe in meiner täglichen Arbeit schon erste Maßnahmen ergriffen, um genau darauf einzuwirken.
Menschen die an ihre Kompetenz glauben, sind erfolgreicher. Erfolgserlebnisse verbessern das Selbstvertrauen”. Wer auch nur einen Hauch von Wissen über die Grundlagen der positiven Psychologie, Teampsychologie und Motivation aufweist, findet in diesem Buch wohl viel bekanntes. Aus meinen Trainings mit jungen Studierenden weiß ich jedoch, dass oftmals die einfachen Basic-Modelle wie Tuckman’s Teamphasen den größten Lerneffekt haben können. Wer noch nie Berührungspunkte mit Teamcoachings hatte, wird daher vermutlich mehr Input aus der Lektüre des Buchs mitnehmen. Immerhin hat ein Best-Of der Zitate aus dem Buch in einer Freundesgruppe bei WhatsApp dazu geführt, dass ein Kumpel spätabends noch 10km gelaufen ist. Seine Freundin dürfte daran aber auch einen gewissen Anteil gehabt haben…