Anton, 60 Jahre alt, ist Stepptänzer. Ja, er ist nicht mehr so schnell wie früher, aber mit seiner Erfahrung und Ausdruckskraft tanzt er – noch – allen davon. Wer sollte ihm also die Stelle als Choreograf an einer Theaterbühne streitig machen? Doch die neue Intendantin sieht das anders – und engagiert ausgerechnet Emma, Antons Tochter. Anton ist verletzt, wütend, traurig und zugleich stolz auf seine Tochter. Zeigen kann er ihr das nicht.
Die Absage spült etwas in ihm hoch, das er nicht länger verdrängen das Gefühl des Älterwerdens. Plötzlich spürt er die eigene Endlichkeit und fragt sich, ob er sein Leben richtig gelebt hat. Eine Frage, die ihn wieder an eine alte große Liebe denken lässt. Jo war damals einfach spurlos verschwunden. Hätte er mit ihr ein besseres Leben gelebt? Es ist Emma, die auf Jos Spur stößt. Mit ihr reist er nach Irland. Alte Konflikte zwischen Vater und Tochter brechen wieder auf. Für Anton wird es eine Reise zu sich selbst und er Zu Ende ist es erst, wenn es zu Ende ist. Bis dahin will das Leben gelebt werden.
Der Autor Ewald Arenz kam 1965 in Nürnberg zur Welt und studierte englische und amerikanische Literatur und Geschichte. Seit Beginn der 1990er Jahre ist er als Autor tätig und hat neben einigen Glossen und Kindergeschichten auch Theaterstücke und historische Kriminalromane. Er ist mittlerweile einer der produktivsten und erfolgreichsten Schriftsteller Süddeutschlands, dessen Gesamtauflage weit über 120.000 verkaufte Bücher zählt.
Das las sich wie ein Zusammenschnitt diverser älterer Bücher von Ewald Arenz - viele Motive und Charaktere sind mir so oder so ähnlich bereits früher begegnet. Wer den typischen Arenz-Sound mag, wird deshalb auch an „Fünf, sechs, sieben, acht“ Freude haben.
Ich fand die auf ein Happy End zulaufende Geschichte ums Älterwerden und die Frage, wie das Leben hätte verlaufen können, wäre man an ein paar Weggabelungen anders abgebogen, reizvoll, aber ein wenig dünn - da hätte man sicher mehr draus machen können. Vor allem der recht unglaubwürdige und schnell wieder beendete Handlungsstrang in Irland war zumindest in dieser Form eher überflüssig.
Eine kurzweilige Lektüre mit ein paar melancholisch-schönen Momenten, mehr aber leider nicht.
Ewald Arenz kann einfach richtig gut über alltägliche und menschlich-allzu-menschliche Dinge schreiben, dieses Mal über das Glück und Unglück des Alterns. Das gelingt ihm berührend, intelligent und ohne in Klischees zu verfallen.
Der neue Roman von Ewald Arenz "Fünf, sechs, sieben, acht" widmet sich dem Älterwerden, dem Stepptanz und der Vater-Tochter Beziehung zwischen Anton und Emma. Ebenso spielt die Theaterwelt im Roman eine bedeutende Rolle.
Anton ist 60 Jahre alt und auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Stepptänzer. Doch die neue Intendantin sieht das nicht ganz so und will zukünftig das Programm verjüngen. Antons Job bekommt ausgerechnet seine Tochter Emma, was ihn zutiefst kränkt. Eigentlich ist er auch stolz auf sie, doch er kann es nicht wirklich zeigen. Seine gekränkte Eitelkeit und der Gedanke, dass er nicht mehr gebraucht wird, erfüllen Anton mit Entsetzen. Keiner hatte ihn vorgewarnt – weder seine Exfrau Katja, mit der er noch immer eine freundschaftliche Beziehung verbindet, noch seine Tochter. Dass beide ihn im Ungewissen gelassen haben, trifft Anton tief. Beleidigt verschließt er sich jeder weiteren Erklärung. Seine Gedanken wandern zurück zu seiner Jugend und die Frage, ob er sein Leben so gelebt hat, wie er es eigentlich wollte. Vor allem seine erste große Liebe Jo kommt ihm in den Sinn, die ihn von einem Tag auf den anderen ohne Erklärung verlassen hat und seitdem verschwunden ist. Katja findet dazu die richtigen Worte:
„So eine ungelebte Liebe ist immer größer als die gelebte … Keiner kann rückwärts leben. Auch du nicht.“ (S. 61)
Anton fragt sich, ob sein Leben mit Jo anders verlaufen wäre? Obwohl er später mit Katja eine Familie gegründet hat, nagt dieses Verlassen werden - ohne zu wissen warum - noch immer an ihm. Seit der Scheidung steht außerdem die Beziehung zu seiner Tochter nicht zum Besten. In letzter Zeit haben sich die beiden zwar wieder angenähert, doch seitdem Emma Antons Job angeboten bekam, ist die Distanz wieder da. Emma versucht daraufhin für ihn Jo zu finden und gemeinsam reisen sie nach Irland. Diese Reise soll auch Emma und Anton wieder näher bringen und Verständnis für den anderen schaffen. Doch das geht gründlich schief.....
Anton ist nicht unbedingt ein Sympathieträger. Zu sehr kreisen seine Gedanken um sich selbst. Die Erkenntnis, dass er im letzten Lebensdrittel angekommen ist, lässt ihn nicht los. Er fühlt sich plötzlich nutzlos und ersetzbar. Ich kann ihn verstehen und trotzdem fand ich ihn sehr Ich-bezogen in seiner Art. Ich bin ebenfalls sechzig Jahre alt und kann viele seiner Gedanken nachvollziehen. Man fühlt sich selbst eigentlich nicht so alt und denkt, man schafft noch alles mit Leichtigkeit oder sogar besser mit der Erfahrung der Jahre. Und Anton ist gesund und fit. Er tanzt sein Programm durch. Er lebt für die Musik, den Takt, dem Rhythmus.....Und doch rücken die Gedanken näher, dass er nicht mehr viel Zeit haben könnte.... Einzig Katja versucht ihm zu zeigen, dass er nicht in der Vergangenheit leben soll, sondern in der Gegenwart, die ihm doch noch einiges zu bieten hat.
Die Charaktere sind sehr vielschichtig und liebevoll gezeichnet. Sie sind lebensecht und glaubwürdig. Katja und Antons Mutter sind kluge Frauen, die ihr Herz auf der Zunge tragen. Der Autor beschreibt seine Figuren trotz kleiner Macken und Fehler mit viel Empathie und leisem Humor. In Bezug auf Jo bietet Arenz eine überraschende Wendung. Warum sie damals Anton verlassen hat, fand ich hingegen nicht wirklich nachvollziehbar. Hier hatte ich mir mehr erwartet....
Ewald Arenz greift in seinem neuen Roman universelle Themen auf: das Älterwerden mit seinen Herausforderungen, die konfliktreiche Beziehung zwischen Eltern und Kindern, sowie die Frage nach verpassten Chancen und ungelebten Träumen. Es dauert bis Anton erkennt, dass er gedanklich in der Vergangenheit feststeckt und dadurch die Gegenwart verpasst. Das Ende des Buches hat mir sehr gut gefallen.
Fazit: Ein sehr leiser Roman, der sich um das Älterwerden und die Vergangenheit dreht, um das loslassen und Neuanfänge, sowie die Erkenntnis, dass man das Leben nur vorwärts leben kann
3.5* Ganz nett, aber mit 25 bin ich wohl nicht die Zielgruppe für ein Buch, das sich der Angst vor dem Älterwerden widmet. Vielleicht gibt es mir in 35 Jahren deutlich mehr als jetzt, aber vermutlich nicht - die Gedanken des Protagonisten zu diesem Thema waren ein wenig repetitiv und auch nicht besonders innovativ oder allzu tiefgründig. Die Beschreibungen von Natur und Stimmungen sind Ewald Arenz hingegen wie immer hervorragend gelungen, und auch die Beziehung zwischen dem Protagonisten und seiner Ex-Frau war schön zu lesen. Allerdings ist die Tochter, die für die Geschichte doch sehr wichtig war, etwas blass geblieben. Sie war eindimensional und außer, dass sie den Job ihres Vaters bekommen hat und Verletzungen aus der Kindheit davongetragen hat, weiß ich auch nach Ende des Buches nichts über sie. Die Szene, in der der Protagonist und seine Tochter durch Dublin tanzen, hat bei mir außerdem einen Schauer des Unwohlseins verursacht. Das kann man aber nicht wirklich Arenz zurechnen, sondern der Tatsache, dass in meinen Augen niemand außer Eva Ibbotson über Tanz schreiben darf, weil es allen anderen - wie auch hier - immer viel zu kitschig gerät. Kleine Probleme habe ich auch mit dem Lektorat. Als kritische Leserin hatte ich irgendwann das Gefühl, es wurde nicht so genau auf alle Details geachtet, wie es dem Buch gerecht geworden wäre. Beispielsweise kommt die Zahl 15 ein bisschen zu oft vor: Vor 15 Jahren hat der Protagonist seine Familie verletzt, in Bezug darauf ist die häufige Erwähnung der 15 Jahre gerechtfertigt. Aber mehrfach wird auch das Alter 15 herangezogen in Sätzen ähnlich "Wir sind doch keine 15 mehr!", bei denen auch jedes andere jugendliche Alter Genüge getan hätte, ohne dass man sich über das erneute Auftauchen genau dieser Zahl wundert. Auch die Erklärung, weshalb ungeübte Tänzer ab und an die Hände ballen, kommt zweimal vor, das zweite Mal ist es meiner Meinung nach überflüssig. Vielleicht ist das alles auch viel zu hart geurteilt, aber ein leicht irritiertes Gefühl gegenüber dem Lektorat hat mich beim Lesen einfach nicht losgelassen. Die Wahl des Buches über einen Tänzer, der Angst vor dem Altern hat, stellt ein Auswahlverschulden meinerseits dar. Schnell und gut las es sich trotzdem, auch wenn die Geschichte keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Ich bin wahrlich keine begnadete Tänzerin; kenne aber das Zitat etwas anders. Meine Mutter ermahnte mich stets: wer Nachts tanzen gehen kann, kann morgens zur Arbeit gehen. Und wie ich konnte ....
Ich wusste nicht, dass Stepptanz noch praktiziert wird, da ich ihn mit alten Schwarz-Weiß-Filmen verband.
Ewald Arenz muss über eine goldene Schreibmaschine verfügen, bei der er Geschichten zaubert, die stets mein Herz berühren und mir Themen näherbringt, die mich vorher nicht interessiert haben. Mit dem 60-jährigen Stepptänzer Anton hat er eine sehr liebenswürdige Figur gezeichnet, die sich erst daran gewöhnen muss, dass seine goldenen Jahre vorbei sind. Obwohl sie das, meiner Meinung nach, eigentlich gar nicht sind. Er darf zwar nicht mehr länger als Choreograf an einer Theaterbühne tätig sein; aber immerhin hat seine Tochter Emma den Job bekommen. Er war ihr Lehrer und das ist Grund genug, mächtig stolz auf seine Tochter zu sein. Leider kann er das Anfangs überhaupt nicht. Er erinnert sich an seine große Liebe Jo, die vor vielen Jahren spurlos verschwunden ist. Seine Tochter findet heraus, wo sich Jo befindet. Zusammen mit ihrem Vater führt sie die Suche nach Irland.
Anton war mir von Anfang an sehr sympathisch. Trotz der vielen Fehler, die er in familiären Dingen gemacht hat, ist er für seine Exfrau und Tochter stets da. Umgekehrt verhält es sich genauso. Die vielen Jahre der Ungewissheit nahmen in Irland ein Ende.
>>Er hatte die Person nicht wiedergefunden, die er gesucht hatte. Aber eine, von der er gar nicht wusste, dass er sie verloren hatte. << Zitat aus dem E-Book.
Die Geschichte erzählt von dem Stepptänzer Anton, der lernen muss, das Alter zu genießen und neue Wege zu gehen. Der sein Können als Lehrer weitergeben und Talente fördern kann. So ein Talent steht längst wieder vor seiner Tür. Das solltet ihr aber selbst entdecken, da sich dahinter eine weitere schöne Geschichte verbirgt.
Reist mit Anton nach Irland und lasst euch bei einer Wanderung von wunderbaren Naturschauspielen verzaubern.
Eine klare Empfehlung für diese emotionale Geschichte mit ihren empathischen Figuren. Der flüssige Schreibstil und wunderbare Zitate erhöhen den Lesefluss.
Als der 60jährige Anton seinen Job als Choreograph und künstlerischer Leiter an der Bühne seiner Heimatstadt ausgerechnet an seine Tochter Emma verliert, stürzt er in eine Lebenskrise, die - wenn er ganz ehrlich ist - bereits angefangen hatte. Verbittert, verunsichert und wütend stellt er sein Leben und seine Entscheidungen in Frage und versucht, seine verschwundene Jugendliebe wiederzufinden, in der Hoffnung, dass dies sein Leben verändern wird.
Ewald Arenz schreibt so wunderschön, dass ich mir am liebsten ständig Zitate highlighten würde (was ich aber grundsätzlich nicht tue). Sein Protagonist Anton ist kein einfacher Charakter, ich habe ihn streckenweise nicht sehr gemocht und fast die Geduld mit ihm verloren.
Zum Glück gibt es aber auch starke Nebencharaktere, wie seine Exfrau Katja, die gemeinsame Tochter Emma, aber auch Aya, Antons Schülerin. Die Geschichte entwickelt sich anders als ich es erwartet habe und sie hat mich im positiven Sinne überrascht! Es geht im wesentlichen darum, wie jemand sein Leben reflektiert und sich damit abzufinden beginnt, dass er sterblich ist, wie jeder Mensch, und dass das Altern ein Prozess ist, dem niemand entgehen kann, der lange leben möchte.
Eine berührende Geschichte, die wirklich wunderschön geschrieben ist und die ich gerne und von Herzen weiter empfehle!
Eins vorweg: Ich hab das Buch nur ausgelesen, weil ich ansonsten vom Autor sehr angetan bin. Aber hier begegnet uns ein völlig eingebildet alternder Mann, der seiner Tochter den beruflichen Erfolg nicht gönnen kann, der einer alten Liebe hinter her trauert ( diesen Part hätte man sich sparen können, völliger Quatsch), der Probleme mit dem eigenen Alter zu haben scheint und schlussendlich und hurra, die große Wendung, das Einsehen....das Gönnen-Können. Spart Euch diesen Roman!
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Auch hier kann ich den Hype nicht mehr nachvollziehen Alte Sorten war schön, aber alles Folgende nur noch ... naja oder eine Kopie, als würde man versuchen, Erfolge bloß zu wiederholen So ist das Buch - ja, eh lieb
Der erfolgreiche Journalist Ewald Arenz, insbesondere mit seiner Literatur-Kolumne „Meine kleine Welt“, schreibt seit einiger Zeit sehr erfolgreiche Romane, die viele Woche in den Bestsellerlisten verbleiben, auch Fünf, sechs, sieben, acht gehört dazu. Dieser Roman handelt von Anton Wagner, sechzig Jahre alt, Choreograf an einem Theater für den Tanzbereich, der nach einer gescheiterten Ehe nun auch beruflich vor dem Neuanfang steht:
Nein. Er wusste gar nichts. Sie hatten ihn alle ins Messer laufen lassen. Die Bergedorf war ihm egal. Aber Werner. Sultan. Und vor allem Emma. Sie hatten ihn ins Messer laufen lassen, und das gleich zweimal hintereinander. Herrgott, wie dumm war er eigentlich, dass er nichts gemerkt hatte? Gar nichts? Er zitterte. Nicht nur vor Wut. Vor plötzlichem Hass und vor Wut und vor … ja, vor Angst auch. »Fickt euch!«, sagte er. »Fickt euch einfach!« Dann stürmte er aus dem Zimmer.
Anton fühlt sich verraten, als er seine Stelle verliert und zwar an seine eigene Tochter Emma, die auch Tänzerin ist. Anton, nun von allen Seiten in Bedrängnis geraten, schwelgt in Jugenderinnerungen, denkt an die Jugendliebe Johanna, die fünfunddreißig Jahre zuvor in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verschwand und nie wieder auftauchte. Als eine Art Versöhnungsprojekt fahren Emma und Anton gemeinsam nach Irland, diese besagte Johanna zu suchen und das Rätsel um ihr Verschwinden zu lüften. Währenddessen und drumherum gibt es viele zwischenmenschliche Probleme, die gelöst werden wollen:
»Liebe ist schon ein bisschen was anderes als nur ein Schönwettergefühl. Liebe ist leicht, wenn man den anderen mag. Aber wenn sie sofort aufgibt, nur weil man den anderen gerade mal nicht erträgt, dann ist es bloß ein aufgeblasenes Wort!« Sie war stehen geblieben. Drehte ihr Gesicht zu ihm. Voller Leidenschaft. Voller Zorn. Ihre Augen konnte er noch von hier oben sehen. »Was?«, gellte es höhnisch hoch. »Was?« »Ja!«, schrie er nun mit aller Kraft zu ihr hinunter. »Liebe ist Verzeihung, mein Herz. Wusstest du nicht, oder?« »Fick dich!«, schrie sie zurück. »Fick dich einfach.« Sie drehte sich nicht mehr um, als sie zum Parkplatz rannte und außer Sicht geriet.
Über den Roman lässt sich nur so viel sagen, dass er ein Minimum an Plot aufweist (der Grund des Verschwindens von Johanna) und eine gewisse emotionale Dramatik (Streit mit der Tochter). Beides wird aber sprachlich in einer Weise abgehandelt, dass einem vor lauter „immer“ und „eigentlich“ schwindlig wird. Zu dick aufgetragen, zu wenig vollständige Sätze wirkt das ganze wie ein Hörspiel, das aber überraschenderweise einen Mann ins Zentrum des Geschehens rückt, der überhaupt keine Interesse für seine Mitwelt aufbringt. Der Narzissmus von Anton kennt keine Grenzen, und so schleppt sich das Buch statisch dahin, und wenn sie nicht gestorben sind, dann streiten sie weiter.
»Ja!«, schrie sie voller Zorn. Das Zittern war fort. »Aber nur, bis es dich betrifft. Wie immer. Weißt du, was? Du bist ein alter weißer Mann. Das bist du einfach. Wer hat denn nie Rücksicht auf die Familie genommen? Wem war es denn egal, wie das für mich ist, als du plötzlich eine Fünfundzwanzigjährige gefickt hast? Genau zehn Jahre älter als ich? Wir waren dir scheißegal, oder? Und du verlangst von mir, dass ich …«
Leider passt bei Fünf, sechs, sieben, acht im Grunde gar nichts zusammen, weder die Erzählperspektive noch das Erzählrelief noch die Figurenkonstellation. „Fünf, sechs, sieben, acht“ wird gesagt, um auf die folgende „eins“ vorzubereiten, also wenn das Musikstück oder das Tanzstück anfangen. Auf den Roman übertragen heißt das, dass das Grundgerüst steht, nun müsste der Roman geschrieben werden. So aber als Grundgerüst bleibt Fünf, sechs, sieben, acht ein bloßes Versprechen und unverdauliche Rohkost.
--------------------------------- --------------------------------- Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich): --------------------------------- ---------------------------------
Inhalt: ●Hauptfigur(en): Anton, 60 Jahre alt ●Zusammenfassung/Inhaltsangabe: Handlungsumfang etwa ein Jahr. 1.) Premiere im Theater, Anton (A) sehr begeistert von seiner eigenen Choreographie, empfindet das als Höhepunkt seiner bisherigen Tanzlaufbahn. Die Premiere läuft gut. 2.) Premierenparty, Antons Tochter Emma (E) beglückwünscht ihn, seine Ex-Frau Katja auch, seine Mutter ist auch mit von der Party. Werner, der Intendant hört nach dieser Spielzeit auf. Ein Umbruch steht an. E auch Tänzerin. 3.) A denkt an seine Jugendliebe Jo, als er spät nach Hause kommt und daran denkt, dass er bereits drei Viertel seines Lebens hinter sich hat. 4.) Frühstück mit Künstlerbruder Jörg. Sie reden über As Jugendliebe, die einfach verschwunden ist. 5.) In der Tanzschule trifft A Katja. Sie reden über Emma, die fand, dass A bei sich selbst geklaut hat, ihm also die Ideen ausgehen. Er ist frustriert, danach gibt er Unterricht. 6.) Mit Katja in einer Bar. A spricht über seine „Midlife“-Krise, spricht wieder über Jo. Katja fühlt sich schlecht, nur die Nummer zwei in seinem Leben gewesen zu sein. 7.) A erfährt im Theater, dass sein Vertrag unter der neuen Intendantin nicht verlängert wird. Steht mit 60 als Tänzer auf der Straße, außerdem hört er, dass seine Tochter seinen Job bekommen hat. A frustriert, verärgert. 8.) Spricht mit dem Ex-Intendanten, der hält sich raus. 9.) A erinnert sich an Jo, geht Emma aus dem Weg. Seine Mutter will, dass er Emma zum Bahnhof fährt. Sie sprechen auf der Fahrt kaum miteinander. Während der Fahrt gibt Emma A Tipps, wie er Jo finden könnte, übers Internet. 10.) A breitet Fotos von Jo aus. Sie ist damals einfach verschwunden, aus dem Nichts. Er ist zur Polizei gegangen, aber vergebens. Er lässt die Bilder mit einer App altern und beginnt die Internetsuche. 11.) Geht Steptanz-Üben im Wald, dort trifft er auf zwei Schülerinnen, eine davon heißt Aya und lässt sich für den Tanz begeistern. 12.) A macht Katja und Emma Vorwürfe, ihn nicht auf die Kündigung vorbereitet zu haben. Seine Affäre vor 15 Jahren kommt zur Sprache, als er in Hamburg Katja betrog, Emma war 15. Sie hat Johanna (Jo) in Irland ausfindig gemacht. Bevor er sie fragt, steht Aya in der Tanzschule vor der Tür und will mit dem Tanzen anfangen. Sie klären das mit den Tanzschuhen und der Bezahlung. 13.) Erinnerung an ein Wintertag mit Jo, als sie einen Typen, der ihr krumm kommt, mit einem Kopfstoß die Nase gebrochen hat. 14.) A holt Emma vom Bahnhof ab, sagt, dass er stolz auf sie ist, dass sie den Job bekommen hat, ist aber immer noch verärgert. Sie reden über Johanna. Sie zeigt ihm das Foto, dass sie gefunden hat. Johanna lebt im Norden der Republik Irland. 15.) Am Grab seine Vaters. Die ganze Familie versammelt. A streitet sich wieder mit Katja über die Theaterstelle. Katja schlägt vor, dass er mit Emma nach Irland fährt. 16.) In Irland, Emma fährt. A hat Angst vor dem Linksverkehr. A bekommt eine Absage per Email. Kein neues Engagement in Sicht. 17.) Am nächsten Tag machen sie einen Ausflug, zur Burgruine Grianan. Sie sprechen sich aus, streiten sich fürchterlich. Emma haut mit dem Wagen ab, als er von ihr eine Entschuldigung will. Sie wirft ihm die Affäre vor. Er muss im Regen zu Fuß zurückgehen. Im Pub angekommen sagt ihm die Wirtin, seine Tochter sei abgefahren. 18.) Er macht mit dem Rad einen Ausflug in den besagten Ort, Letterkenny, am Sonntag, trifft einen Pfarrer, der von einer Lehrerin erzählt, die ihm geholfen hat trotz Homosexualität katholischer Pfarrer zu werden. 19.) Am nächsten Tag trifft er dort Johanna. Sie gehen einen Cafe trinken und verabreden sich zu einem Ausflug. A telefoniert mit Katja, erzählt von ihrem Streit. A soll weiter Emma anrufen. 20.) Er unternimmt eine Wanderung mit Jo an eine Steilküste. Dort erzählt sie ihm, warum sie verschwand. Sie wurde von einer Alkoholikerin nach Geld gefragt, als diese handgreiflich wurde, hat Jo ihr einen kräftigen Stoß verpasst, mit dem Kopf, so dass diese von der Brücke, übers Geländer, ins Wasser fiel. Daraufhin ist sie abgehauen, vor 35 Jahren. Oben auf der Klippe gibt Jo zu, sie hat überlegt A dort oben umzubringen. Sie wollte sich das Leben nicht nehmen lassen, dass sie sich aufgebaut hat. 21.) Glaubt jetzt an Gott, ans Schicksal. Sie gehen noch etwas trinken, dann beschließe sie, sich nie wieder zu sehen. 22.) Im Ort geht A zum Pfarrer, sagt ihm, dass ihre gemeinsame Bekannte, die Lehrerin, ein Gespräch benötigt, da sie unglücklich sei. A fährt nach Dublin, schlägt die Zeit tot, ruft Katja an, die ihm zwingt, Emma anzurufen. Emma nimmt ab. Sie verbringen Zeit miteinander. Sie versöhnen sich, tanzen auf der Straße. Sie springt auf ihn los und er fängt sie und hebt sie über den Kopf. Passanten klatschen. 23.) In der Tanzschule, Aya fleißige Schülerin, bringt ihren Freund mit, Veit, der aber nicht tanzen kann. Aya ist sehr talentiert. 24.) Anruf von Aya, sie hat mit Veit Drogen genommen, Veit bewusstlos. A hilft ihr, ruft den Sanitäter, sodass sie ihre Personalien nicht aufgeben muss. Veit wird gerettet. 25.) A vermittelt Aya an Emma für ihr erstes Stück. Aya tanzt vor, Emma interessiert. 26.) A holt Katja zur Premiere von Emmas Stück ab. Aya taucht erst am Ende auf, auf der Bühne steht groß in Rot „Daddy“. Eine Interpretation von King Lear, Aya überzeugt. Anton und Aya sprechen, sie weigert sich ihn zu duzen, aus Respekt für den Älteren. ●Kurzfassung: Ein 60jähriger Stepptänzer hadert mit dem Altwerden und wird von seiner eigenen Tochter im Theater ersetzt. Er sucht nach seiner Jugendliebe, die damals einfach verschwand. Es stellt sich heraus, dass sie damals eine Frau umgebracht hat und aus dem Land geflohen ist, um nicht ins Gefängnis zu kommen. Durch die Desillusion kommt er seiner Tochter und eigentlichen Familie wieder näher, die er vor 15 Jahren durch eine Affäre zerstört hat. ●Charaktere: (rund/flach) sehr holzschnittartig ●Überflüssige Szenen/Charaktere: Drogenszene mit Veit und Aya völlig unnötig. Überhaupt Aya als Figur nicht notwendig. Jörg, der Bruder, auch nicht nötig. Die Mutter ist auch nicht nötig. Conor auch völlig unnötig, der homosexuelle Priester in Irland. ●Besondere Ereignisse/Szenen: das Tanzen in Dublin, die rührende Szene mit der Tochter, die sich von ihm auffangen lässt; und die Alfred Hitchcock ähnliche Szene auf den Klippen mit der etwas gruseligen Johanna. ●Diskurs: Altwerden, Ehekrise, Familiendrama. … manipulatives Buch. Der Plot eigentlich: die Aufklärung von Johanna damals verschwunden ist (vor 35 Jahren), und wie Anton seinen Stolz überwindet und sich für seine Tochter freut. Letzteres sehr konstruiert und zeichnet ein sehr schwaches Bild von der Hauptfigur. Überhaupt ist Anton unerträglich: betrügt seine Ehefrau, labert nur von seiner großen Jugendliebe, selbstmitleidig, will nicht altern, kann sich nicht zusammenreißen, und dann baggert er noch (halb) die junge Aya an (oder warum will er geduzt werden). Anton zerstört das Familienleben mit seinem Narzissmus. … hat viele identifikatorische Momente, insbesondere in der Vater-Tochter-Dynamik, aber im ganzen sehr zäh und nicht sehr interessant, und der Mord erscheint überzogen. Großes Ärgernis, warum das Buch nicht mit der Versöhnung mit seiner Tochter aufhört, sondern noch 30 Seiten weitergeht … --> 3 Sterne
Form: ●Eindruck: schlimm repetitiv, sehr einfache Hörbuch-Sprache, nicht der Rede wert, immer Superlative (immer, nie) und hinzu stets Abschwächungen (fast, eigentlich…) … keine Schriftsprache ●Fiktionalitätsgrad: (diskursiv/Werk?) hohe Fiktionalität, eigenständige Erzählwelt ●Wortschatz/Wortzahl: sehr häufig ähnliche Satzstrukturen, Satzbauten, öde ●Auffälligkeiten: „immer“ (332x), „eigentlich“ 66x … und stets unvollständige Sätze, Ein-Wort-Sätze, etwas gewollt. ●Innovation: keine --> 0 Sterne
Erzählstimme: ●Eindruck: im Grunde personal aus Antons Sicht, nicht völlig durchgezogen und klar, bspw hier: „»Schon okay. Ich wollte sowieso gehen. Wir sehen uns, alter Mann«, sagte sie schnell, um den letzten Sätzen ein wenig die Schwere zu nehmen. Sie umarmten sich. Wie immer. Dann war sie gegangen, und er sah aus dem Fenster in den Abend. Gegen Träume hat man keine Chance. Aber das war es eigentlich nicht, was sie meinte. Es waren nicht die Träume, sondern das andere Leben, gegen das man keine Chance hatte. Das ungelebte Leben mit all seinen tausend Möglichkeiten, tausend Glücksmomenten, die vielleicht alle hätten Wirklichkeit werden können. Nach denen sehnte man sich, weil man dieses Leben nicht gelebt hatte.“ Fast auktorial, fast allwissend, denn wie soll Anton wissen, was Katja meinte. ●Erzählinstanz (reflektiert, situiert, perspektiviert?): unklar, verschwommen ●Erzählverhalten, -stil, -weise: pathetisch, empathisch mit Anton ●Einschätzung: unklar, eher wischi-waschi, nicht durchgezogen, eine Schwebung zwischen selbstkommentierend und auktorial, aber selbstkommentiert in der personalen Erzählweise seltsam, zudem noch wenn die Erzählinstanz dann „Papa“ sagt für den sechzigjährigen Anton am Grabe seines Vaters. --> 1 Sterne
Komposition: ●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): leidliche Zuspitzung mit der Steilküste, Todesgefahr, Anton in Gefahr mit der Mörderin etc … ●Signal/Noise-Ratio: wenig Noise, aber nicht völlig abwesend, viel Geruch, Parfüm. ●Operative Geschlossenheit: Alter/Jugend, nicht Altern-Wollen, Zeit … ●Rahmenstabilisierende Details: Suche nach der Jugendliebe ●Extradiegetische Abschnitte: keine ●Lose Versatzstücke: Pfarrer Conor, Ayas Tanz- und Drogenszene ●Reliefbildung: ehr schleppend das Ganze ●Einschätzung: wirkt also schematisch, nicht homogen, wirkt konstruiert, ein Pluspunkt für die Klippenszene, drei Minuspunkte für das hinausgezögerte Ende --> 2 Sterne
Leseerlebnis: ●Zusammenfassung: durch die Hauptfigur kaum zu ertragen ●eigenständig? (Inhalt: ja/nein) ja ●glaubwürdig? (Erzählinstanz: ja/nein) ja ●schön? (Sprache/Form: ja/nein) nein ●stimmig?(Komposition: ja/nein) nein ●ein zweites Mal lesen? nein --> 1 Stern
Ästhetik: (jeweils 1-5) ●Kant: verspielt-offen? [Leichtigkeit] - 2,5 ●Lukacs: engagiert-realistisch? [typisch] - 2,5 ●Adorno: avantgardistisch-defensiv? [innovativ] - 0 ●Hegel: dynamisch-totalisierend? [pathetisch] - 0 ●Einschätzung: hat keine Dynamik, keine formalästhetischen Dimensionen, eher typisch (Lukacs) und ein wenig verspielt (mit Parfüm und lockeren Assoziationen).
Klappentext: Anton, 60 Jahre alt, ist Stepptänzer. Ja, er ist nicht mehr so schnell wie früher, aber mit seiner Erfahrung und Ausdruckskraft tanzt er, noch allen davon. Wer sollte ihm also die Stelle als Choreograf an einer Theaterbühne streitig machen? Doch die neue Intendantin sieht das anders und engagiert ausgerechnet Emma, Antons Tochter. Anton ist verletzt, wütend, traurig und zugleich stolz auf seine Tochter. Zeigen kann er ihr das nicht. Die Absage spült etwas in ihm hoch, das er nicht länger verdrängen kann: das Gefühl des Älterwerdens. Plötzlich spürt er die eigene Endlichkeit und fragt sich, ob er sein Leben richtig gelebt hat. Eine Frage, die ihn wieder an eine alte große Liebe denken lässt. Jo war damals einfach spurlos verschwunden. Hätte er mit ihr ein besseres Leben gelebt? Es ist Emma, die auf Jos Spur stößt. Mit ihr reist er nach Irland. Alte Konflikte zwischen Vater und Tochter brechen wieder auf. Für Anton wird es eine Reise zu sich selbst und er begreift: Zu Ende ist es erst, wenn es zu Ende ist. Bis dahin will das Leben gelebt werden.
„Fünf, Sechs, Sieben, Acht“ ist ein Buch über das Leben und das Älterwerden von Ewald Arenz.
Im Mittelpunkt steht Anton. Er ist 60 Jahre alt und immer noch ein begnadeter Stepptänzer und Choreograf. Eine neue Intendantin kommt an das Theater, an dem Anton arbeitet. Die neue Intendantin möchte alles jünger und moderner gestalten. Dem fällt dann auch Anton zum Opfer. Seine Stelle wird ausgerechnet mit seiner Tochter Emma besetzt, was Anton einige Zeit schmollen lässt. Seit der Scheidung von seiner Ehefrau steht es mit der Beziehung zu seiner Tochter nicht zum Besten. Gerade in letzter Zeit haben sie sich etwas angenähert.
Ewald Arenz hat für seine Geschichte großartige Charaktere ins Leben gerufen. In diesem Buch stecken eigentlich zwei kleine Geschichten, in denen Anton immer im Mittelpunkt steht. Es geht einmal um Anton als Tänzer, der aufgrund seines Alters aussortiert wird. Damit kann er nicht umgehen, denn er fühlt sich noch lange nicht alt. Anton ist geschieden, hat aber mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis zu seiner Ex-Frau. Die Tochter kann ihm nicht recht verzeihen, dass er sie als Kind verlassen hat. Eine Entschuldigung oder auch eine Erklärung kamen nie über Antons Lippen. Dann geht es um Anton, der in jungen Jahren von seiner großen Liebe verlassen wurde. Plötzlich war sie verschwunden, ohne Abschied, ohne Nachricht. Anton glaubte schon nicht mehr, dass sie noch lebt. Doch da findet sich eine Spur, die nach Irland führt.
Mir hat das Lesen große Freude gemacht. Ich habe Anton gerne auf seinem Weg begleitet und seine Entwicklung miterlebt.
Ewald Arenz erzählt die Geschichte in einer feinen Sprache, die ich fast poetisch nennen möchte. Wenn Anton über sein Leben nachdenkt, hat es manchmal auch etwas Philosophisches.
Ich bin schnell tief in der Geschichte versunken. Die Seiten sind nur so dahingeflogen.
Fünf, Sechs, Sieben, Acht ist eine Geschichte über das Leben und das Loslassen, die mir gut gefallen hat.
Über das Loslassen und die gar nicht einfache Reise zu sich selbst
Ewald Arenz schreibt in seinem neuen Roman FÜNF SECHS SIEBEN ACHT vom Älterwerden, vom Loslassen müssen und davon, dies nicht zu akzeptieren. Es ist eine Geschichte über Familie, über die Liebe an sich und über eine längst verloren geglaubte große Liebe und die Gewissheit, dass diese, wäre sie gelebt worden, sehr viel besser gewesen wäre.
Anton ist Stepptänzer, mit seinen sechzig Jahren fühlt er sich noch topfit und doch hat er den Zenit eines Tänzers überschritten. Er wird aussortiert, andere, jüngere sind nun am Zuge. Anstatt seiner wird ab sofort seine Tochter Emma die Choreographie am Theater verantworten. „Als hätte sein Leben einen Sprung bekommen, so fühlte es sich gerade an.“
Der Musik setzt ein, der Tänzer zählt - fünf, sechs, sieben, acht – sein Tanz beginnt. Für Anton ist alles Musik, alles ist im Takt. Nur er ist außer Takt geraten.
Anton ist zutiefst gekränkt, er ist wütend und poltert ganz schön rum, wir folgen ihm und seinen Gedanken. Dass wir alle irgendwann von dieser Lebensbühne abtreten müssen, weiß auch er. Noch aber geht es um die Theaterbühne, von der er unsanft weggedrängt wurde und das ausgerechnet von seiner Tochter. Und da ist Katja, seine Ex, die zwischen den Fronten vermitteln will.
Man sollte sich vorbereiten auf das Danach, um nicht in ein tiefes, schwarzes Loch zu fallen. Keiner ist unersetzlich und auch bewegt sich alles weiter, alles fließt, nichts bleibt so wie es ist. Arenz stellt seine Hauptfigur als verbitterten Alten dar, der außer sich und seiner für ihn nicht akzeptablen Lage nichts sehen und nichts gelten lassen will. Das macht ihn nicht gerade sympathisch. Er ist trotz allem stolz auf seine Tochter, was er aber sehr gut zu verbergen weiß. Zugute halte ich ihm, dass er von jetzt auf gleich vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Auch seine lange gelebte Einzigartigkeit könnte dazu beitragen, dass er als gefeierter Tänzer und Choreograph total abgehoben ist. „Alles war Musik, alles Takt“ in seinem bisherigen Leben. Außer Takt sucht er nach seiner großen Liebe Jo…
„Eine Schwere, an die er sich schon gewöhnt hat“, hat er wie einen Rucksack zugunsten einer Leichtigkeit liegen lassen auf seiner Reise, die ihn zu sich selbst führt. Untermalt ist dieses kluge Buch ums Loslassen mit wundervollen Klängen wie etwa jene von Paolo Conte. Via con me. Komm mit mir, it´s wonderful...
Der leidenschaftliche Stepptänzer Anton, 60 Jahre alt und Choreograf am Theater, nimmt auch die feinen Nuancen des Lebens wahr: Er ist nicht mehr so schnell wie früher, aber seine Erfahrung als Künstler wertvoll. Dann aber kommt eine neue Intendantin ans Theater und ihr Wunsch nach einem Imagewechsel führt dazu, dass Antons Vertrag nicht verlängert wird. Ausgerechnet seine Tochter Emma soll seine Nachfolge antreten und Antons Welt gerät endgültig ins Wanken...
Arenz lässt seinen Protagonisten mit sich und seiner Endlichkeit hadern. Durch den auslaufenden Vertrag und die Übernahme des Jobs durch die Tochter gerät Anton in eine tiefe Sinnkrise und hinterfragt die großen und kleinen Entscheidungen seines Lebens. Was wäre vor allem gewesen, wenn seine erste große Liebe damals nicht plötzlich verschwunden wäre?
Plötzlich seiner beruflichen Existenz ent- und damit innerlich zerrissen, lassen der sowohl wütende und traurige Künstler als auch der stolze und enttäuschte Vater in ihm Anton verbal um sich schlagen.
Eine Reise mit Emma soll die Lücke, die seine einstige Liebe Jo hinterließ, füllen, doch in Irland kochen alte Gefühle und Konflikte zwischen Vater und Tochter hoch und bringen das Fass zum überlaufen. Letztendlich stellt Anton sich selbst und lernt – vor allem im Zugang zu seiner Kunst - den Blick zu öffnen und den Lauf der Dinge zu schätzen.
„Er war nur noch Ohr und Bewegung. [..] in diesem Moment gingen [die Klänge] durch ihn hindurch, in seine Füße und er tanzte so, wie die Lerche vorhin gesungen hatte.“
Arenz‘ Markenzeichen ist die sensible Wahrnehmung und Beschreibung der Natur durch die Augen des Künstlers und diese berührt mich hier einmal mehr bis ins Tiefste. Auf Hingabe folgt Erdung, finden zweifelnde Gemüter ihr Urvertrauen wieder und damit (zurück) auf ihren Weg. Sie öffnen ihren Blick für eigene und fremde Wahrnehmungen und schließen Frieden mit Veränderungen.
Eine Hommage an die Natur, die Kunst, das Vertrauen in den Lauf der Dinge, ums Annehmen und Verzeihen und vor allem an die Liebe und ihre Vielseitigkeit.
Ewald Arenz hat ein Talent, das in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seltener ist, als man meinen sollte: Er schreibt über Menschen, die nicht mehr jung sind, ohne dabei Abfindungsprosa zu verfassen. „Fünf, sechs, sieben, acht" — der Titel ein Zählen vor dem nächsten Schritt, ein Atemholen, bevor der Tanz beginnt, erzählt von Anton, sechzig, Stepptänzer. Einem Mann, dem die Erfahrung gibt, was ihm die Schnelligkeit nimmt, und der trotzdem verliert. Nicht an einen besseren Konkurrenten, sondern an seine eigene Tochter Emma. Das ist die spezifische Grausamkeit, die Arenz seinem Protagonisten zumutet: Es ist kein klarer Misserfolg, gegen den man aufbegehren könnte. Es ist eine Kränkung, in die Stolz und Schmerz so fest verkeilt sind, dass sich das eine vom anderen nicht mehr lösen lässt.
Arenz kennt diese Konstellationen. Er hat in „Alte Sorten" und „Der große Sommer" schon bewiesen, dass er das Zusammensein von zwei Menschen auf engstem Raum als Erzählinstrument beherrscht wie kaum ein anderer. Hier ist es die irische Reise, die Vater und Tochter aufeinander wirft. Emma hat Jos Spur aufgenommen, jener Frau, die für Anton einst die große Liebe war und dann spurlos verschwand.
Was das Buch trägt, ist die Art, wie Arenz die eigentlich gefährliche Frage stellt, ob Anton sein Leben richtig gelebt hat — ohne in Larmoyanz zu versinken. Er traut sich, sie ernst zu nehmen, und er traut sich ebenso, sie nicht zu beantworten, sondern zu leben. Der Satz, auf den der Roman zuläuft, ist einer, der an Arenz' Handschrift sofort erkennbar ist: Zu Ende sei es erst, wenn es zu Ende ist. Bis dahin wolle das Leben gelebt werden. Bei einem schwächeren Schriftsteller wäre das ein Kalenderspruch. Bei Arenz ist es das Ergebnis einer Reise, die man mitgemacht hat, und das macht den Unterschied.
„Fünf, sechs, sieben, acht" ist, wer Arenz schon gelesen hat, ein vertrautes Vergnügen und wer ihn noch nicht kennt, hat nach diesem Roman guten Grund, rückwärts zu lesen.
Als begeisterte Leserin von Ewald Arenz habe ich mich sehr auf seinen neuen Roman „Fünf, sechs, sieben, acht“ gefreut. Und wieder einmal hat mich der Autor vollkommen überzeugt. Ewald Arenz besitzt die besondere Gabe, von den großen Fragen des Lebens zu erzählen, ohne laut werden zu müssen. Seine Geschichten leben von den leisen Tönen, von seinen Figuren und von einer Sprache, die mich jedes Mal aufs Neue begeistert. Im Mittelpunkt steht Anton, ein 60-jähriger Tänzer, der sein Leben lang für seine Leidenschaft gelebt hat. Als ihm eine berufliche Enttäuschung widerfährt, gerät vieles ins Wanken. Gleichzeitig holen ihn Erinnerungen an eine große Liebe ein, die vor vielen Jahren plötzlich aus seinem Leben verschwand. Er macht sich auf die Suche nach Antworten und begibt sich auf eine Reise, die weit mehr ist als nur eine Reise in ein anderes Land. Ewald Arenz gelingt es erneut, seine Figuren mit großer Wärme und Menschlichkeit zu zeichnen. Besonders die Beziehung zwischen Anton und Emma hat mich sehr berührt. Ihre Konflikte, ihre Verletzungen, aber auch ihre Verbundenheit wirken authentisch und lebensnah. Ich konnte ihre Gedanken und Gefühle jederzeit nachvollziehen und habe sie während des Lesens gerne begleitet. Was mich besonders beeindruckt hat, ist erneut das außergewöhnliche Sprachgefühl des Autors. Seine Sprache ist feinfühlig, präzise und poetisch, ohne jemals kitschig zu werden. Er schafft es, selbst alltägliche Momente mit Bedeutung zu füllen und den Leser ganz nah an seine Figuren heranzuführen. Genau das liebe ich an seinen Romanen so sehr. Darüber hinaus erzählt „Fünf, sechs, sieben, acht“ von Vergänglichkeit, vom Älterwerden, von verpassten Chancen und von der Frage, ob es jemals zu spät ist, sein Leben neu zu betrachten. Diese Themen behandelt Ewald Arenz mit großer Sensibilität und einer beeindruckenden Menschenkenntnis.
Anton ist 60 Jahre alt und Tänzer. Als sein Vertrag gekündigt wird und ausgerechnet seine Tochter ohne Rücksprache seine Nachfolge übernimmt, gerät sein Leben aus dem Gleichgewicht. Statt sich für sie zu freuen, beginnt er, sein eigenes Leben infrage zu stellen.
Diese Rezension fällt mir tatsächlich etwas schwer. Alle bisherigen Bücher des Autors haben mir sehr gut gefallen und ließen sich für mich leicht rezensieren. Dieses hier dagegen hat mich etwas ratlos zurückgelassen.
Nicht, weil es ein schlechtes Buch ist. Im Gegenteil: Es liest sich wunderbar, greift viele interessante Themen auf und bietet mit Anton einen ungewöhnlichen Protagonisten, der alles andere als ein klassischer Sympathieträger ist.
Auch wenn ich Anton oft nicht mochte, habe ich ihn gerne auf seinem Weg begleitet. Mal hätte ich ihn für seine blinde Sturheit am liebsten geschüttelt, in anderen Momenten hatte ich großen Respekt vor ihm. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht ihn zu einer spannenden Figur.
Vielleicht lag mein zwiespältiger Eindruck an den häufigen Schauplatzwechseln zwischen Bühne, Tanzschule und Irland. Für mich kam dadurch nie richtig Ruhe in die Geschichte und manches wirkte etwas zusammenhanglos.
Auch die Nebenfiguren blieben für meinen Geschmack zu transparent. Anton nimmt sehr viel Raum ein, was zwar gut zu seinem eher egoistischen Charakter passt, die anderen Figuren aber etwas in den Hintergrund drängt.
Der Plottwist hat mir dagegen richtig gut gefallen. Er kam für mich unerwartet, brachte neue Dynamik in die Geschichte und sorgte für einen gelungenen Abschluss.
Am Ende bleiben bei mir gemischte Gefühle zurück. Auch wenn mich dieses Buch emotional nicht so sehr erreicht hat wie seine anderen Werke, gehört der Autor weiterhin zu meinen Lieblingsautoren.
Ich liebe tanzen, aber Stepptanz ist für mich neu – vor allem in Romanform.
Anton, sechzig, Choreograf und Tänzer, nimmt seine Ideen aus der Natur. Regen, Wind, Stadtgeräusche alles wird zum Takt eines Tanzes. Ewald Arenz ist ein Meister dieser Beschreibungen. Man fühlt, wie Anton die Geräusche in Schritte umsetzt, hört das Klackern der Schuhsohlen. Anton liebt seinen Beruf und um so härter trifft es ihn, als ausgerechnet seine Tochter Emma seine Stelle am Theater bekommt.
Dieser Schmerz, der Stolz, die Wut – alles gleichzeitig. Und darunter das Gefühl, älter zu werden, das sich nicht mehr wegschieben lässt. Anton wirft mit Vorwürfen um sich und plötzlich stehen Vater und Tochter sich fremd gegenüber.
Eine gemeinsame Reise nach Irland soll sie wieder zusammenbringen. Doch dort, auf der Spur Antons alter Liebe, kommt es zum Bruch und auch der Handlung tut dieser Handlungsstrang nicht gut. So richtig glaubwürdig konnte mir nicht vermittelt werden, was vor Jahrzehnten zwischen Jo und Anton geschehen ist. Allein die Erkenntnis dass Loslassen nicht bedeutet, allein zu sein – sondern von Menschen die man liebt, gehalten zu werden, versöhnt dann wieder.
Die Passagen über Antons Alter waren mir etwas zu häufig. Die Sprache selbst transportiert dieses Gefühl schon so spürbar. „Vielleicht wurden Sehnsuchtsorte, die man nicht rechtzeitig besuchte und immer in einem Winkel des Herzens aufbewahrte, wie alte Briefe mit der Zeit einfach nur grau und feucht.“ In der Mitte hat mich die Geschichte kurz verloren, aber das Ende hat mich zurückgeholt und versöhnt.
Für mich sagt der Roman: Du darfst dich verändern und älter werden. Du darfst dich verlieren – und wiederfinden.
Anton ist Tänzer, nicht mehr ganz jung, aber alt fühlt er sich auch noch nicht. Als er seinen Job als Choreograph für jemand Jüngeren aufgeben muss. Bricht für ihn eine Welt zusammen. Weder seine EX Frau, noch seine Tochter können ihn aufrichten. Er hadert mit allem, nimmt alles persönlich und kann sich kaum beruhigen. Erst als er sich auf die Suche nach einer Jugendfreundin macht, kommen ihm auch andere Gedanken, weg von sich, den anderen zugewandt. Wieder ein einschneidendes Ereignis, aber der Tanz heilt alle Wunden. Anton ist in meinen Augen ein Egozentriker, egal was passiert, er bezieht alles als erstes auf sich. Obwohl er die Hauptfigur ist stechen die Nebenfiguren viel mehr heraus. Sie reflektieren das Geschehen und ihn, Der Tanz ist genauso wichtig. Auch wenn man sich nicht unbedingt für Ballett oder andere Tanzformen interessiert, ist es hier ein Element das man fast Hören, Sehen ja Fühlen kann. Die Beschreibung der Umwelt Geräusche und wie der Tänzer Anton daraus Schrittfolgen kombiniert ist faszinierend. Klar höre ich den Wind heulen, die Blättern rascheln, aber das man das in einem Tanz ausdrücken kann habe ich nicht gewusst, Gefühle, Geschehnisse ja, alles andere war für mich neu. Der Autor gehört schon lange zu meinen Meist Gelesenen. Seine Art die Menschen zu beschreiben, ihre Lebensumstände, ihre Verhaltensweisen, ist nahe am alltäglichen Leben. Sie haben keine großartige Vergangenheit, keine spannenden Geheimnisse oder sind besonderen Ereignissen ausgesetzt. Sie sind Menschen die man kennen könnte. Trotzdem sind sie interessant, denn ihre Gefühle könnten unsere eigenen sein. Es ist wie ein Spiegelbild unseres Seins.
Der Sechzigjährige Anton hat am Tag zuvor noch in seiner neuesten Choreografie am Theater getanzt, die als eines seiner besten Stücke gefeiert wurde, doch jetzt muss er erfahren, dass ausgerechnet seine Tochter, seine Stelle übernehmen wird, weil sich die neue Intendantin frisches Blut wünscht. Er hatte keine Ahnung, was an ihm nagt! Warum hat ihm keiner was erzählt? Er beginnt, sein Leben zu hinterfragen, was schiefgelaufen ist und wo er Fehler gemacht hat. Auch sein Alter macht ihm zunehmend psychische Probleme. Mit einer Reise nach Irland will er zumindest mit einer Altlast abschließen. Außerdem muss er unbedingt die Beziehung zu seiner Tochter verbessern.
Ewald Arenz hat die Figur des alternden Mannes sehr gut eingefangen, seine Probleme und seine Lebenssituation sind glaubhaft und nachvollziehbar. Wie schon in einigen Romanen vorher, liegt die Stärke des Romans meiner Meinung nach in den atmosphärisch dichten Beschreibungen der Umgebung, des Wetters und der Stimmung.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, bin gerne mit Anton auf die Reise nach Irland gegangen, habe die Landschaft vor meinem inneren Auge gesehen und die Lektüre einfach nur genossen. Es ist ein kurzweiliges Buch, das schnell gelesen ist.
Klare Leseempfehlung meinerseits, für alle, die sich für die Midlifecrisis interessieren und gerne atmosphärisch dichte Romane lesen.
Ich hatte die Bücher von Ewald Arenz schon so lange auf meiner Wunschliste und hab mich richtig darauf gefreut, endlich mein erstes Buch von ihm zu lesen. Und was soll ich sagen? Ich wurde absolut nicht enttäuscht.
Sein Schreibstil ist einfach unglaublich angenehm. Er schafft es irgendwie, selbst über die ganz alltäglichen Dinge so zu schreiben, dass es einen total fesselt. Man fliegt nur so durch die Seiten. Was mich aber am meisten beeindruckt hat, ist sein Sprachgefühl: Seine Worte sind so feinfühlig und poetisch, aber eben auf eine ehrliche Art, überhaupt nicht kitschig oder aufgesetzt.
Schon nach den ersten Kapiteln hatte ich das Gefühl, die Charaktere richtig gut zu kennen. Ich war emotional sofort total drin und habe richtig mitgefühlt. Die Geschichte hat dann auch noch eine Wendung genommen, mit der ich so gar nicht gerechnet hatte – das hat mich echt auf eine Art berührt, wie es schon lange kein Buch mehr geschafft hat.
Es gab für mich keinen einzigen Moment, in dem ich mich langatmig oder gelangweilt gefühlt habe. Die Story hat mich einfach von Anfang bis Ende nicht losgelassen. Für mich eine ganz klare Empfehlung und verdiente 5 von 5 Sternen. Werde ich definitiv weiterempfehlen und noch in den sozialen Medien sharen.
Anton ist sechzig geworden, aber er fühlt sich nicht so alt, er fühlt sich im Geiste viel jünger und ist auch körperlich sehr fit, und dann wie aus heitern Himmel bekommt er ein Kündigung , genau wegen seine alter und noch eine schmerzt ihm sehr ,dass seine bisherige Stelle übernimmt ausgerechnet seine Tochter, Anton ist wütend, Anton flippt aus bis zu den Moment wenn er langsam begreift dass sogar als alte Mensch kann er noch glücklich sein , auf andere Weise...
Wieder ein sehr schönes ruhiges Buch aus den Leben geschrieben, der Autor schreibt mit sehr viel Feingefühl über alter werden und über die dazugehörigen Problemen, aber auch über die große Liebe, die neue Chancen und über die seelischer Glück. Anton ist bestimmt kein Sympathieträger, er hat schwierige Charakter und trotzdem ich habe ihn gemocht.
Das Buch am Anfang ist vielleicht nicht so ein Hammer Geschichte, aber ab der Reise nach Irland hat mein Herz total erobert, die schöne Beschreibungen und die ruhige, mutmachende Sprache zusammen mit die veränderten Anton berühren und verzaubern . Eine wunderschöne Geschichte !
Am Anfang hatte ich ehrlich gesagt meine Schwierigkeiten mit dem Buch. Durch das ganze Tanzthema war ich zunächst nicht richtig in der Geschichte angekommen und brauchte ein paar Kapitel, bis sie mich wirklich gepackt hatte.
Mit Anton als Hauptfigur wurde ich ebenfalls nicht sofort warm. Vor allem im Umgang mit seiner Tochter wirkte er auf mich oft unsympathisch und distanziert. Selbst als er sich auf die Suche nach seiner großen Liebe machte und sie schließlich fand, konnte ich nicht wirklich eine emotionale Verbindung zu ihm aufbauen.
Trotzdem gefiel mir der Verlauf der Geschichte immer besser. Besonders Antons Entwicklung war nachvollziehbar und sorgte dafür, dass ich das Buch am Ende deutlich lieber mochte als zu Beginn.
Einzig eine Nebenfigur hätte für meinen Geschmack mehr Raum bekommen dürfen , denn von ihr hätte ich sehr gern noch mehr gelesen.
Insgesamt war es aber ein tolles Buch, das mich mit seiner Geschichte und den Figuren trotz kleiner Kritikpunkte überzeugen konnte und mir noch eine Weile im Kopf geblieben ist.
Wie immer flüssig lesbar, die Beschreibungen vieler kleiner Details des alltäglichen Lebens, die wir in der Schnelligkeit unseres Lebens oftmals nicht mehr bewusst wahrnehmen, sind sympathisch und typisch für Arenz‘ Schreibstil.
Anton, 60 Jahre, Tänzer und Choreograf, hadert mit dem Alt-Werden und dem damit einhergehenden Nachlassen seiner Fähigkeiten - einer der Stränge des Buches neben dem Vater-Tochter-Konflikt und dem seit Jahrzehnten Herumschleppen des Verlustes seiner ersten großen Liebe, die ihn plötzlich und ohne Erklärung verlässt und in ihm das Gefühl von Ratlosigkeit hinterlässt und das Gefühl, ein Leben ‚zweiter Wahl’ zu führen.
Dass am Ende alle Knoten gelöst werden - das Abfinden mit seiner Kündigung, das Klären und Auflösen des Konflikts mit seiner Tochter, das Aufspüren seiner verlorenen Liebe in Irland und damit die Befreiung von der Last des Unwissens und der Ungewissheit - ist ja ‚ganz nett‘, wenn auch ein bisschen platt. Die immer sich wiederholende Lamentiererei über das Alter - du meine Güte, der Mann ist 60, nicht 80 - finde ich zum Augenrollen 🙄.
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Bisher mochte ich einige Bücher des Autors sehr gerne, die neuesten Titel haben mir aber immer wieder nicht zugesagt und so war es leider auch hier wieder der Fall. Mich haben die Geschichte und die Figuren einfach nicht berührt, sie haben sich nicht echt angefühlt und teilweise sogar genervt, insbesondere Anton. Außerdem fand ich die Wendung, die die Geschichte später nimmt, nicht passend und mochte sie einfach nicht. Dadurch leider kein Buch für mich und ich glaube, ich werde auch davon absehen, weitere Bücher des Autors zu lesen.