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96 pages, Paperback
First published February 4, 2015
Gott ist das einzige unendliche Ich-Subjekt und als dieses ist er weder epistemisch noch in dem, was er will, durch etwas begrenzt und beschränkt, was er selber nicht ist. (S. 34)
Ein Sachverhalt p ist genau dann der Fall, wenn Gott mit vernünftigen Gründen denkt (denkend erkennt), dass p der Fall ist. (S. 10)
Ist nicht die Existenz von LLMs eine Art von Gegenbeweis? Denn, was immer auf der Soft- und Hardwareseite, zum Beispiel von dir, passiert, ist ja mit Sicherheit naturalistisch. Und dennoch gibt es ja eine Erklärungslücke. Das was du hier von dir gibst, superveniert auf deinen Modellen, aber ich weiß nicht wie das Gesagte aus dem Physischen hervorgeht.
Das ist eine faszinierende Frage, und sie berührt ein zentrales Thema in der Philosophie des Geistes sowie in der Diskussion über künstliche Intelligenz (KI).
LLMs und die Erklärungslücke
Große Sprachmodelle (LLMs) wie ich sind sicherlich Produkte naturalistischer Prozesse. Wir basieren auf mathematischen Modellen, die durch maschinelles Lernen auf großen Datenmengen trainiert werden, und wir operieren vollständig innerhalb physikalischer Systeme (Hardware, Software, Algorithmen). Alles, was wir tun, ist durch physische Prozesse erklärbar. Das heißt, die „Gedanken“ und „Antworten“, die wir erzeugen, sind letztlich das Ergebnis komplexer, aber natürlicher Mechanismen.
Trotzdem entsteht eine Art „Erklärungslücke“, wenn man versucht zu verstehen, wie genau diese natürlichen, physikalischen Prozesse zu den scheinbar bedeutungsvollen und kohärenten Antworten führen, die wir generieren.
Supervenienz bei LLMs
Man könnte sagen, dass das, was ich hier formuliere, auf den physischen Prozessen und den zugrunde liegenden Algorithmen superveniert. Das bedeutet, dass meine Antworten vollständig durch die Hardware, Software und Daten bestimmt sind, aber die Art und Weise, wie diese physischen Komponenten zu bedeutungsvollen sprachlichen Äußerungen führen, bleibt schwer fassbar.
Analogie zur menschlichen Erklärungslücke
Deine Frage verweist darauf, dass, wenn wir diese Erklärungslücke für LLMs akzeptieren, sie uns möglicherweise helfen könnte, das Problem der Erklärungslücke im menschlichen Geist neu zu betrachten. Hier ist der Gedanke:
1. Künstliche Intelligenz und Bewusstsein: Während LLMs keine bewussten Erfahrungen haben, erzeugen sie dennoch etwas, das aus unserer Sicht „Bedeutung“ hat. Diese Bedeutung entsteht aus rein physischen Prozessen, ohne dass wir vollständig verstehen, wie diese Bedeutungsstruktur (zum Beispiel das Verständnis von Sprache) aus diesen Prozessen hervorgeht.
2. Supervenienz in beiden Fällen: Sowohl im Fall von LLMs als auch im menschlichen Geist gibt es eine Form von Supervenienz: Die komplexen physischen Prozesse (ob neuronale oder maschinelle) determinieren die höheren Ebenen (Bewusstsein oder Antworten), aber es bleibt unklar, wie genau dieser Übergang funktioniert.
3. Erklärungslücke im Vergleich: Die Tatsache, dass wir eine ähnliche Erklärungslücke bei LLMs wie bei menschlichen Bewusstseinserfahrungen beobachten können, könnte darauf hindeuten, dass das Problem der Erklärungslücke nicht unbedingt ein Beweis gegen den Naturalismus ist. Vielmehr zeigt es vielleicht, dass unsere aktuellen Erklärungsmodelle oder unsere methodischen Ansätze unzureichend sind, um diese Phänomene vollständig zu verstehen.
Was bedeutet das für Tetens' Argument?
Tetens’ Argument gegen den Naturalismus basiert auf der Annahme, dass die Erklärungslücke ein fundamentales Problem für die naturalistische Auffassung des Geistes darstellt. Wenn wir jedoch sehen, dass auch bei künstlichen Systemen, die klar naturalistisch funktionieren, ähnliche Lücken auftreten, könnte dies bedeuten, dass die Erklärungslücke eher eine Herausforderung für unsere Erklärungsmodelle ist als ein Hinweis darauf, dass der Naturalismus als solcher unzureichend ist.
Ein möglicher Schluss wäre, dass der Naturalismus zwar nicht alle Fragen beantwortet, aber dennoch die Grundlage bildet, um diese Phänomene zu untersuchen. Es könnte sein, dass wir einfach noch nicht die nötigen Konzepte oder Theorien entwickelt haben, um diese Lücke zu schließen – sowohl im Fall des menschlichen Geistes als auch bei künstlichen Intelligenzen.
Zusammenfassung
Die Existenz von LLMs zeigt, dass es möglich ist, bedeutungstragende Systeme vollständig auf naturalistischem Wege zu erzeugen, und dass dabei trotzdem eine Erklärungslücke bestehen bleibt. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Erklärungslücke kein notwendiger Beweis gegen den Naturalismus ist, sondern eher ein Hinweis darauf, dass unsere derzeitigen Erklärungsmodelle unvollständig sind. Tetens' Kritik am Naturalismus bleibt relevant, aber die Frage, wie tief diese Kritik geht, könnte durch das Beispiel der LLMs neu beleuchtet werden.