Nach einem Flugzeugabsturz finden sich 20 Frauen auf einer abgelegenen Insel wieder und fragen sich, ob sie im Paradies oder in der Hölle gelandet sind.
Sophie möchte Yoga machen und eine Menstruationshütte für alle bauen, Aurelia findet, das sei Cultural Appropriation, Bente will Lesbos ausrufen, Else ein Matriarchat errichten, hat aber kein Gegenüber, Noëlla möchte den Kommunismus ausprobieren, Nykki sucht ihr Drogentäschchen, Billie ist gar keine Frau, Evren ist wütend, Cara erscheint eine feministische Göttin, Nadja vermisst ihre Firma, Anne findet das alles nervig und Betty weiß nicht, wovon die anderen überhaupt sprechen, und will einfach nur nach Hause. Die Welt steckt in einer Krise – die 20 Frauen nach dem Absturz auch. Wie viel Sinn machen ihre Grabenkämpfe und was braucht es, um gemeinsam etwas Neues zu schaffen? Und die vielleicht wichtigste Frage: Werden sie überleben?
Quasi das Gedankenexperiment, was passieren würde, wenn alle möglichen Ausformungen von Feminismus gezwungen wären, auf engem Raum miteinander klarzukommen. Verpackt in eine Abenteuerstory. Stil ist gewöhnungsbedürftig, aber irgendwann war ich drin. Man muss sich drauf einlassen. Ist glaube ich nur interessant, wenn man schon ein Grundverständnis von Gender- und Feminismusbegriffen hat.
Kurz hatte ich Angst, dass es sich hier um einen Plottwist wie bei Isola undBeauty Queens handeln würde, das war aber nicht der Fall. Ich bin immer noch irritiert, dass genau 20 Frauen* inklusive Flugzeugsproviant und Gepäck überlebt haben, jedoch keine Spur von Teilen des Flugzeugs, der Crew, oder anderen Passagieren (tot oder lebendig) zu finden ist. 👀
Abgesehen davon: definitiv unterhaltsam, bildet auch die zermürbende Realität des aktuellen Feminismusdiskurses ab - von hochakademisierten Diskussionen bis hin zur Endlosschleife und dem fehlenden gemeinsamen Nennern. Die letzten 10 Seiten hätt's mMn so nicht gebraucht, aber hey.
Zu Beginn hatte ich echte Schwierigkeiten, ins Lesen hineinzufinden, da für mich kursiv gedruckte Sätze automatisch die Gedanken eines Charakters bedeuten, hier war kursiv jedoch das Merkmal für direkte Reden. Das irritierte mich ungefähr genauso wie die Tatsache, dass die Protagonistin das Gedächtnis verliert und in Dialogen dann einen anderen Namen bekommt, jedoch in der Narration in 3. Person ihren tatsächlichen Namen behält (was auch 2x vertauscht wurde, Tippfehler gibt's immer). Auch das war gewöhnungsbedürftig, aber machbar. ^^
Sowas habe ich definitiv noch nicht so gelesen und alleine dafür finde ich das Buch sehr gut. Ich mochte die verschenken Charaktere und auch die Ausgangssituation an sich. Die überspitzten Einstellungen und Dialoge haben mich sowohl zum Schmunzeln als auch zum Nachdenken gebracht.
Allerdings muss ich einigen Rezensionen Recht geben, dass auch mir das Ende etwas zu abrupt kam. Es hat mir dennoch viel Spaß gemacht es zu lesen und auch vom Schreibstil sehr angenehm. Und definitiv eine ganz neue Sichtweise auf die feministische Diskussion.
Viel zu viele Protagonistinnen, unglaublich wirres Buch. Auch wenn ich verstehe, dass die ganzen unterschiedlichen feministischen Positionen Hauptteil des Buches sein sollen, ist es einfach wahnsinnig anstrengend und nervig zu lesen und zu folgen. Am Ende ist es ein Plot, in dem sich Frauen* weiterhin bekriegen. Sehr sad, hätte mehr Potential gehabt
20 Frauen, ein Flugzeugabsturz, eine einsame Insel. Der Kampf beginnt, aber nicht um das Überleben, sondern darum, wie ungerecht doch alle auf dieser Welt behandelt werden. Während Cara damit kämpft, ihr Gedächtnis wieder zu erlangen und überhaupt nicht versteht, was hier eigentlich vorgeht, will eine Frau lieber Yoga machen, eine zweite das Matriarchat ausrufen, eine andere die lesbische Liebe genießen und wiederum jemand anderes lieber mit Drogen die Qualen überstehen. 20 Frauen, 20 verschiedene Meinungen, Anfeindungen, Ungerechtigkeiten und vor allem ein großes Thema: die Frau allgemein. Die Rettung scheint unmöglich und das Überleben fragwürdig. Denn Zusammenhalt wird eher klein geschrieben.
Was eigentlich auf dem Klappentext recht witzig auf mich wirkte, entwickelt sich schon ab der ersten Seite zu einer Geschichte über Feminismus, Rassismus, Faschismus, Antisemitismus, Sexismus, Ableismus und etliche andere "-ismus" mehr. Vorrangig geht es zum die Diskriminierung der Frau, dann darum, was eine Frau überhaupt ausmacht bzw. wie man sich identifiziert. Wer sieht sich als Frau, wer fühlt wie eine Frau, wer darf sich so fühlen, wer darf sich identifizieren? Und was genau muss man eigentlich tun, damit man keinem auf den Schlips tritt?
Es geht ums Gendern, um Respekt, es geht um Fragen, Gefühle, Reden, gesellschaftliche Kritiken, Diskriminierungsformen in allen Variationen und um Männer.
20 Frauen, die sich nicht kennen, müssen nun zusammenarbeiten, wobei jede mit anderen Dingen kommt, die sie stört und die geändert werden müssen. Dabei wird auf Teufel komm raus seine Meinung vertreten und - nur selten - die Meinung einer andere Person akzeptiert.
Unter diesen 20 Frauen ist Cara, die seit dem Absturz ihr Gedächtnis verloren hat. Da sie sich an nichts erinnern kann, wird sie von Anne auf den Namen Luna getauft. Nur schwer kommt Cara bei dem mit, was hier eigentlich passiert ist. Sie kann den Dialogen nur mühsam folgen, bringt sich zwar körperlich ein, aber nicht bei Diskussionen. Wenn es zu normalen Gesprächen kommt, stellt sie nur Fragen, kann aber - aufgrund des Gedächtnisverlustes - nichts von sich beitragen.
Und da setzt nun meine Kritik ein. Das Buch ist wirklich interessant und die Autorin hat sich mit den verschiedenen Diskriminierungsformen sehr gut auseinandergesetzt. Es gab Formen, von denen hatte ich noch nie gehört und sie auch noch nie erlebt. Ich muss jedoch auch zugeben, dass ich weitestgehend von solchen Diskriminierungen verschont geblieben bin.
Dabei kamen jedoch auch Formen an den Tag, bei denen ich mich selbst gefragt habe, ob ich diese - unbewusst - ebenfalls schon ausgeübt habe. Und dann kam die Frage: Kann man in den Krümeln suchen, um wirklich jeden schuldig dastehen zu lassen?
Meine Antwort darauf: Ja. Die Goldwaage hatte in der Story viel zu tun. Schon bei kleinsten Aussagen geht das Gegenüber in die Luft und mit einer Litanei von Worten wird dagegengehalten. So sehr, dass ich manchmal das Gefühl hatte, zu ersticken, weil mich der Gegenpart so dermaßen genervt hat.
Es gibt kein Gespräch, dass nicht letztendlich in Diskussionen, Belehrungen und Streits endet. Und dabei müsste so viel besprochen werden. Allem voran wohl: Wie könnten wir gerettet werden? Wie bekommen wir Essen? Wer übernimmt welche Aufgaben? Aber es wird sich Gedanken darüber gemacht, wie man seine Innere Frau rauslassen könne, ob eine Menstruationshütte gebaut werden soll und welche Yoga-Übung wohl die beste sei.
In mir stieg richtiggehend Wut auf und ich hätte so gerne alle gepackt, sie geschüttelt und denen mal so richtig die Meinung gegeigt. Ob die Autorin diese Emotion hervorrufen wollte, kann ich jedoch nicht sagen. Letztendlich war ich von der Story genervt, teilweise dann sogar gelangweilt und eben wütend.
Die Version, die ich gelesen habe, hatte leider auch einige Fehler, gerade was die Namen betraf. Es ist schwer, bei so vielen Charakteren den Überblick zu behalten, aber zum Beispiel Cara, die von allen ja eigentlich nur Luna genannt wurde, wird auch mal mit Cara angesprochen, obwohl es keiner wissen kann. Ein Trupp, der zusammengestellt wurde, um die Insel zu erforschen, kam nur kurz zum Einsatz und dann wurde nie wieder ein Wort darüber verloren. Das Wrack des Flugzeugs wurde zwar geplündert, aber nie richtig mit einbezogen, um herauszufinden, was passiert ist. Eine zweite Insel ist durch Schwimmen erreichbar, aber wird ignoriert. Keiner scheint so richtig traurig zu sein, das alte Leben wird schnell abgestreift.
Weiter ungewöhnlich ist der Schreibstil der Autorin. Es gibt zwar wörtliche Rede, doch ist diese im Buch nicht "der Norm entsprechend" dargestellt, was wohl die Einzigartigkeit des Buches noch unterstreichen soll. Wenn geredet wird, wird dies in kursiver Schrift dargestellt, wobei im nächsten Absatz dann das "sagt Cara" oder ähnliches folgt. Manchmal sogar einfach nur ein Name. Die Emotionen werden nur durch die Rede ausgedrückt. Ein "aufgeregt, leise, wütend, flüsternd usw." kommt nur selten, ist aber auch nicht nötig, da es einfach ersichtlich ist.
Jetzt, zu dem Zeitpunkt, in dem ich die Rezension schreibe, revidiere ich meine Meinung über die Story. Ich wollte eigentlich nur zwei Sterne vergeben, merke aber, dass ich vielleicht genau die Emotionen für das Buch hervorbringe, die die Autorin aus einem herauskitzeln will. Sie will provozieren, aufklären und überspitzt darstellen, in welcher Zwickmühle man sich befinden kann, wenn man mit Vorurteilen an etwas herangeht und die Meinung seines Gegenübers nicht akzeptieren kann oder will.
„Das ist wie beim Dschungelcamp." (S. 45) So lakonisch fasst eine der gestrandeten Frauen in Laura Melina Berlings Debütroman "Medusa in Paradise" zusammen, was eigentlich eine Katastrophe ist und was sich im Laufe des Buches als ziemlich treffende Metapher herausstellt. Erschienen im März 2026 bei Leykam, erzählt der Roman von zwanzig Frauen, die nach einem Flugzeugabsturz auf einer abgelegenen Insel stranden. Was folgt, ist keine klassische Überlebensgeschichte, sondern eine satirische Reflexion über feministische Grabenkämpfe, Solidarität und die Frage, ob Frauen unter sich eigentlich besser miteinander können, oder ob die Strukturen, gegen die sie kämpfen, längst in ihnen selbst sitzen.
Meine Meinung
Die Grundidee ist stark, mutig und sehr originell. Berling, die als feministische Bloggerin bekannt wurde und zuletzt das Sachbuch "Modern Heartbreak" veröffentlicht hat, nutzt die Insel als Gleichnis: Die zwanzig Frauen sind nicht einfach nur gestrandete Individuen, sondern stehen jeweils für verschiedene Positionen innerhalb des Feminismus. Sophie will eine Menstruationshütte bauen und beruft sich auf die Wolfsfrau. Evren wirft ihr koloniale Sprache vor. Noëlla erklärt den Kommunismus. Else will das Matriarchat. Betty will einfach nur nach Hause. Wer feministische Debatten kennt, wird sich in der einen oder anderen Frau (mal amüsiert, mal unangenehm berührt) wiedererkennen.
Der Medusa-Mythos, auf den auch der Buchtitel verweist, zieht sich als roter Faden durch das gesamte Buch. Berling erzählt ihn nicht einfach nach, sondern deutet ihn um: Medusa nicht als Monster, sondern als Frau, die zum Monster gemacht wurde und als Warnung: „Doch trotz aller Unterschiede, trotz aller Widrigkeiten müssen sie sich mit Sanftheit begegnen. Denn nicht jede Meduse ist gleich." (S. 159) Wenn Medusen einander zu Stein erstarren lassen, hat das Patriarchat gewonnen, ohne auch nur einen Finger zu rühren.
Ich persönlich hatte trotz der starken Grundidee einige Herausforderungen beim Lesen: Die Vielzahl an Figuren führt dazu, dass viele von ihnen Positionen bleiben und man wenig über sie als Personen erfährt. Darunter hat in meinem Fall auch die emotionale Nähe gelitten, die ich beim Lesen brauche. Es muss nicht heißen, dass mir Figuren sympathisch sein müssen, aber sie hatten für mich abgesehen von ihrer jeweiligen Positionierung kein Fleisch, keine Persönlichkeit. Hinzu kommt die schiere Anzahl an Figuren, bei denen es mir wirklich schwerfiel, sie auseinanderzuhalten. Das ist, wie ich nach einem Austausch mit der Autorin besser verstehe, durchaus intendiert: Die Überforderung der Hauptfigur Cara soll auch die Überforderung spiegeln, die man in feministischen Diskursen selbst kennt. Das macht intellektuell Sinn, hat mich emotional aber leider auch auf Distanz gehalten.
Fazit
"Medusa in Paradise" ist kein einfaches Buch, und das ist kein Vorwurf. Es will reiben, überfordern, Widersprüche nebeneinander stehen lassen und darin liegt wohl auch seine eigentliche Stärke. Wer literarisch dichte Charakterzeichnung sucht, wird das Buch vielleicht als zu essayistisch empfinden. Wer feministische Theorie zugänglich und satirisch aufbereitet lesen will, wird genau das finden. Und wer zusätzlich ein Cover und einen Farbschnitt sucht, der im Regal sofort auffällt: auch die werden hier glücklich.
Medusa in Paradise ist ein Roman, der mich beim Lesen zunächst eher frustriert als begeistert hat. Über weite Strecken empfand ich die Gespräche zwischen den Protagonistinnen als anstrengend und wenig zugänglich. Die Dialoge drehen sich häufig im Kreis, wiederholen ähnliche Argumente und greifen dabei auf zahlreiche Fachbegriffe zurück, die eher an ein theoretisches Sachbuch als an einen erzählenden Roman erinnern. Dadurch fiel es mir schwer, mich emotional auf die Figuren einzulassen oder eine echte Lesedynamik zu entwickeln.
Auch auf der Handlungsebene blieb das Buch für mein Empfinden schwach. Eine klare, durchgehende Story ist kaum vorhanden; stattdessen stehen Diskussionen und gedankliche Auseinandersetzungen im Vordergrund. Das verstärkte bei mir den Eindruck, weniger eine Geschichte zu lesen als vielmehr einer intellektuellen Debatte zu folgen.
Erst durch eine Lesung mit der Autorin hat sich meine Perspektive auf das Buch deutlich erweitert. Dort erklärte sie, dass die verschiedenen Protagonistinnen bewusst unterschiedliche Strömungen des modernen Feminismus verkörpern. Ziel sei es gewesen zu zeigen, wie vielfältig – und teilweise auch widersprüchlich – diese Ansätze sind und wie sie sich mitunter gegenseitig blockieren, statt gemeinsam für ähnliche Ziele einzustehen. Dieses Konzept fand ich im Nachhinein sehr spannend und nachvollziehbar.
Mit diesem Hintergrundwissen erscheinen die zuvor ermüdenden Diskussionen in einem anderen Licht: Sie sind nicht zufällig repetitiv, sondern spiegeln gezielt die festgefahrenen Positionen wider. Dennoch bleibt für mich die Frage, ob diese Idee in der gewählten Form als Roman wirklich aufgeht. Ohne zusätzliche Kontextinformationen erschließt sich die Intention nur schwer, und der Lesefluss leidet erheblich darunter.
Insgesamt ist Medusa in Paradise ein inhaltlich interessanter, aber erzählerisch herausfordernder Roman. Wer sich für feministische Diskurse interessiert und Freude an theoretischen Auseinandersetzungen hat, könnte hier spannende Denkanstöße finden. Für Leserinnen und Leser, die eine packende Geschichte erwarten, dürfte das Buch hingegen eher enttäuschend sein.
Was passiert eigentlich, wenn grundverschiedene Vorstellungen von Feminismus frontal aufeinanderprallen? Dieser spannenden Frage geht Laura Melina Berling in ihrem Roman Medusa in Paradise" nach.
Die Handlung: Ein feministisches Gedankenexperiment Nach einem Flugzeugabsturz stranden 20 Frauen auf einer einsamen Insel. Fernab der Zivilisation versuchen sie, sich an ihr neues Leben anzupassen. Dabei ist die größte Herausforderung nicht die Natur, sondern ihr Miteinander. Unter den Überlebenden finden sich unterschiedlichste Persönlichkeiten mit radikal gegensätzlichen Weltbildern: von Verfechterinnen des „Neuen Feminismus" der 60er-und 80er-Jahre über spezialisierte Akademikerinnen, Frauen aus der Arbeiterklasse bis hin zu rechten Ideologien.
Theoretischer Anspruch trifft auf soziale Realitāt Der Roman inszeniert ein hochspannendes Aufeinandertreffen verschiedener Perspektiven und sozialer Schichten. Berling zeigt eindrucksvoll, wie stark Generationenkonflikte und politische Prägungen den feministischen Diskurs einfärben. Dabei treten die Hindernisse schnell zutage:
Die Fachsprache und theoretisches Wissen wirken oft eher ausgrenzend als einend und erschaffen Barrieren für diejenigen, die nicht mit ihnen vertraut sind.
Soziale Herkunft und individuelle Privilegien beeinflussen massiv, wie die Frauen einander wahrnehmen. Vorurteile und Rassismus engen die Wahrnehmung des Gegenübers ein. Dies führt dazu, dass selbst kleinste Grundsatzdiskussionen die notwendige Zusammenarbeit auf der Insel erheblich erschweren.
Trotz der geringen Seitenzahl gelingt es der Autorin, einen Großteil der Bandbreite moderner Strömungen - von queer und intersektional bis hin zu marxistisch - erlebbar zu machen. Dabei schreckt sie auch vor schweren Themen wie Diskriminierung und sexuellem Missbrauch nicht zurück.
Humor als Spiegel der Gesellschaft Trotz der inhaltlichen Schwere bietet der Roman immer wieder Momente zum Schmunzeln. Besonders die humorvollen und herrlich überspitzten Anspielungen auf Phänomene wie Tradwifes oder die Manosphere lockern das Geschehen auf.
„Medusa in Paradise" ist eine fantastische Veranschaulichung des aktuellen feministischen Diskurses samt all seiner Reibungspunkte. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die sich intensiv mit Feminismus auseinandersetzen, darüber diskutieren oder einfach eine kluge Gesellschaftsanalyse im Gewand eines Robinson-Crusoe-Szenarios lesen möchten.
2,5 Sterne Eine einsame Insel. 20 gestrandete Frauen. Und sofort war ich neugierig auf 'Medusa in Paradise' von Laura Melina Berling.
Schon das Cover fällt mit seiner knalligen Blau-Orange-Kombi extrem ins Auge - ungewöhnlich, laut und irgendwie passend zur Geschichte.
Die Handlung selbst ist schnell erzählt: Nach einem Flugzeugabsturz stranden 20 Frauen ohne Männer auf einer einsamen Insel und müssen gemeinsam ums Überleben kämpfen. Wirklich spannend sind dabei aber weniger die äußeren Umstände als die unterschiedlichen Charaktere und Botschaften.
Hier treffen Feministinnen auf hingebungsvolle Ehefrauen, Esoterikerinnen auf freiheitsliebende Partygirls, Wütenden auf Leise, Diskriminierte auf Privilegierte. Es wird gegendert, gelästert, diskutiert und meditiert - Und genau dadurch entsteht eine ziemliche wilde Thematik.
Manchmal wusste ich ehrlich gesagt nicht, ob das Buch unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhalten oder sie bewusst überspitzt karikieren möchte. Für meinen Geschmack war es stellenweise einfach zu viel von allem, weshalb mich die Geschichte leider recht schnell verloren hat.
Unterhaltsam war es definitiv - gleichzeitig aber auch anstrengend.
Am Ende gilt wie immer: Macht euch gerne selbst ein Bild. Geschmäcker sind schließlich - Gott sei Dank - unterschiedlich. ✨️
I was really looking forward to Berling’s first novel, since I’ve been following her on Instagram for a long time and came across some great book recommendations (Patricia Melo’s *Gestapelte Frauen*) through her Stories. I find the premise of the story very engaging and exciting. The execution largely met my expectations, and I really enjoyed it. The book attempts to explore a very complex discourse and makes it clear that the author possesses a wealth of background knowledge and has conducted thorough research. In a highly entertaining way, the novel examines the question of how to navigate a culture of irreconcilable conflict and how it is possible to tolerate differences in order to build community.
Es hat einfach extrem Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. All die feministischen Infights kennt man ja, und sie sind im Buch genau so nervig wie in echt. Die einzelnen Charaktere sind Parodien, Stereotype und trotzdem so interessant, einzigartig und charmant. Und nervig, unbelehrbar, bockig, fehlerhaft, ... so wie echte Personen eben. Ich hätte mir fast noch einen zweiten Teil gewünscht, in dem die Koexistenz mit der anderen Insel exploriert wird. Aber das offene Ende hat mir auch sehr gut gefallen.
Ich glaube das Buch und mich verbindet eine Hassliebe. Ich fand es an einigen Stellen super anstrengend bzw. wie sich die Charaktere verhalten haben. Zwischendrin war es aber auch komisch und hat mich gut Unterhalten.