Bei einem Berliner Trödler entdeckt der junge Journalist Elias Ehrenwerth einen alten Lederkoffer mit den Initialen L.W. Neugierig folgt er dem Schicksal des Koffers und entdeckt, dass dieser Leonard Weinheber gehörte. Weinheber ist Schriftsteller und sieht sich nach Berufsverbot und Schikanen Anfang 1939 gezwungen, sein Vaterland zu verlassen. Er entscheidet sich, nach Palästina zu emigrieren, wo seine Geliebte bereits lebt. Weinheber begibt sich schweren Herzens in Marseille auf ein Schiff, um nach Jaffa auszureisen. Doch lediglich sein Koffer wird in Palästina ankommen …
Ein schöner, kleiner Roman, in dem der Protagonist auf der Spur eines jüdischen Schriftstellers ist, der Deutschland kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges verlassen musste. Ein Schicksal von vielen, keine ungewöhnliche Geschichte zur damaligen Zeit, aber allemal lesenswert, guter Schreibstil.
Ein junger Berliner Journalist gerät zufällig in den Besitz eines alten Koffers. Noble Hotelaufkleber und vor allem aber ein Manuskript und Briefe wecken weitergehendes Interesse. Der ursprüngliche Besitzer wird schnell herausgefunden – es ist der jüdische Schriftsteller Leonhard Weinheber, der Ende der 30er Jahre eben mit diesem Koffer Berlin verlassen musste. Jetzt ist das journalistische Interesse vollends geweckt: „Das Jagdfieber hatte mich gepackt“. Doch nicht nur der Journalist will nun alles über Weinhebers Flucht erfahren, auch ich war in kürzester Zeit Michel Bergmanns kurzweiliger, spannender, lebendiger Erzählweise verfallen. Das liegt zum einem an dem sehr guten Plot, zum anderen aber an Bergmanns stilistischem Können. Er beginnt seinen Roman kalauernd im Berliner Multi-Kulti-Jargon, wechselt virtuos in ein „fremdes“ (Weinhebers) Romanmanuskript, schreibt verschiedene Briefe, verfällt gekonnt in Jiddisch-Polnisch-Daitsch und spricht bis ins Detail echtes falsches Arab-English. Schade nur, dass dieser „Roman“ so kurz ist, vielleicht hätte er doch noch etwas mehr erzählen könnensollenmüssen, der Koffer des Herrn Bergmann.
Schade. Durch die Rezession auf dem Buchrücken hatte ich wirklich geglaubt, dieses Buch würde kritisch die Entstehung Israels und die palästinensischen Konflikte diskutieren. Eine Diskussion gab es schon, sie war ca. eine Seite lang, fand zwischen dem (nicht im traditionellen Sinne) jüdischen Hauptcharakter und seinem arabischen Freund statt und war wenig aufschlussreich. Im Anschluss, bedauert der Hauptcharakter Elias, dass die zwei Seiten nicht bereit wären, aufeinander zuzugehen, zeigt aber selbst das ganze Buch hindurch vermehrt Abscheu Arabern und Muslimen gegenüber. In spitzen Kommentaren und rasenden Wutreden von Elias fallen rassistische Aussagen, die zum Teil sogar rechte Motive wie die "Messerstecher" Anschuldigungen wiedergeben. Er spricht diese zwar nicht laut gegenüber den einzelnen Individuen aus, doch es weckt den Eindruck, er benutze diese Menschen nur dafür, bei seiner Recherche Fortschritte zu machen und sei deswegen deutlich netter zu ihnen, als er es normalerweise wäre. Das Buch an sich ist wirklich gut geschrieben, ich mochte den verwobenen Stil, der ohne Satzzeichen wörtlicher Reden arbeitet und Ausschnitte aus vermeintlich anderen Werken miteinbezieht, aber über diese Aussagen, die unkommentiert und uneingeordnet einfach so stehen bleiben, konnte ich nicht hinweg sehen.
- so schmal und doch voll Inhalt, der sich durch den Leser noch erweitert - so schmal und doch stilistisch abwechslungsreich (vom Erzähler über (fremde) Briefe bis hin zu Auszügen aus einem Roman) - persönlich, subjektiv und mit schwelender Wut (Erzähler), will nichts anderes sein, lässt andere Ansichten - wenngleich kurz- zu Wort kommen ohne sich zwanghaft zu bemühen (der Autor)