Historischer Nachkriegsroman über neue Träume und starke Frauen. Für alle von Beate Maly und Anne Jacobs
1954 lebt Grace in einem Londoner Arbeiterviertel und arbeitet als Kellnerin, doch in ihrer Fantasie entstehen elegante Kleider. Als ihre Freundin Zuria sie zur Hochzeit nach Düsseldorf einlädt, verbietet ihr Vater die Reise – zu groß ist sein Hass auf die Deutschen, die ihm im Krieg den Sohn nahmen. Trotzdem folgt Grace ihrem Freiheitsdrang und dem Wunsch, die Heimat ihrer Großmutter kennenzulernen. In Düsseldorf lernt sie den charmanten Schneider Luciano kennen. Zwischen ihnen entsteht eine leise Liebe und die Idee, gemeinsam eine Modemarke zu gründen. Grace wagt ein neues Leben in Deutschland, doch als ihre Modenschau scheitert und Zukunft und Beziehung zu zerbrechen drohen, muss sie entscheiden, ob sie zu hoch hinauswollte – oder endlich über sich hinauswächst.
1954. Grace will unbedingt bei der Hochzeit ihrer Freundin Zuria dabei sein, sieht darin ihre Chance das Geburtsland ihrer Großmutter kennenzulernen. Denn Düsseldorf verbindet die junge Frau mit Freiheit, den Zwängen entfliehen, endlich selbstbestimmt leben zu dürfen. Doch erstmal muss sie sich gegen ihren Vater behaupten, der alles Deutsche abgrundtief hasst. Angekommen trotz etlicher Hürden, fallen sich die Freundinnen in die Arme. Grace ist überwältigt, fühlt sich frei und glücklich. Träume scheinen erreichbar. Doch dann… Der fesselnde Schreibstil lässt mich schnell in die Geschichte eintauchen. Detaillierte Schilderungen, das Wiedersehen mit liebgewonnenen Figuren der Vorgängerbände, lebhafte Dialoge sowie ineinander verschlungene Stränge lassen mich durch die Seiten fliegen. Wie in den vorangegangenen Teilen fühle ich die Zeitreise, die Mode, die Hoffnungen, Aufbruchsstimmung, das Leben genießen. Aber auch die Schattenseiten, alte Wunden, Ängste und Vorurteile. Ebenso thematisiert der Wandel in der Gesellschaft, Frauen, die selbstbestimmt und mutig ihren Weg gehen. Nicht immer fällt es den Männern leicht, damit umzugehen. Grace träumt davon Kleider zu entwerfen, ein Bekannter von Zuria greift ihre Ideen auf und plötzlich scheint alles machbar. Luciano und Grace arbeiten zielstrebig, doch finanzielle Hürden und Missstimmungen liegen in der Luft. Muss Grace ihren großen Traum begraben bevor er richtig angefangen hat? Gefühlschaos, Kopfkino, lächeln und Tränchen. Aus mehreren Perspektiven erlebe ich die Erzählung hautnah. Historische Gegebenheiten sind geschickt mit fiktiven Figuren und Ereignissen zu einem Lesegenuss verwoben. Liebe, Vergangenheitsbewältigung, Mut und Verzeihen, um nur einige zu nennen. Die Reihe Neue Zeiten auf der Kö ist lose miteinander verbunden, unabhängig voneinander auch lesbar. Eingebaute Rückblicke lassen vorangegangene Ereignisse vor meinem geistigen Auge wiederaufleben, ich genieße das sehr. Spannend, detailliert recherchiert und unterhaltsam. Immer wieder überrascht mich die Autorin. Sehr gerne mehr davon.