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Unterwasserblau

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Jessica verbringt ihren Hochzeitstag auf einer Kanutour im Spreewald – umgeben von der geliebten Schwiegerfamilie und sommerlicher Hitze. Doch als sie einen Anruf bekommt, löst sich die Gegenwart vom Der Tod ihres Vaters führt sie zurück in die Heimat, zu einer Familie, die von Schweigen, Verletzungen und verpassten Chancen geprägt ist.

Wie tief reichen Wunden aus der Kindheit? Petra Hucke erzählt poetisch und intensiv von einer Frau, die Antworten auf alte Fragen sucht – ein Roman voller Atmosphäre und Emotion über die befreiende Kraft, sich selbst neu zu begegnen.

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Published March 12, 2026

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About the author

Petra Hucke

12 books2 followers
Petra Hucke wurde 1978 in Düsseldorf geboren. Nach Stationen im Westen, Osten und Norden Deutschlands lebt sie nun mit ihrem Mann und einem Kopf voller Ideen in München. Sie übersetzt aus dem Englischen und Französischen, verschlingt isländische Romane im Original und lektoriert außergewöhnliche deutsche Belletristik und Sachbücher. Im Rahmen eines beruflichen Praktikums hat sie ein halbes Jahr in Upstate New York verbracht. Für ein Romanprojekt gewann sie 2013 das Münchner Literaturstipendium. Im Selbstverlag hat sie 2019 die Moorschwestern und Solch ein zephyrleichtes Leben veröffentlicht.

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2 (7%)
1 star
1 (3%)
Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Marie.
212 reviews15 followers
March 27, 2026
“Das Tier folgt den Routen der Blauwalem aber der Wanderzeit der Finnwale, und die Wissenschaft vermutet, es könnte sich um einen sogenannten Hybriden handeln, der allein lebt, weil er von niemandem als Familie akzeptiert wird, Der einsamste Wal der Welt.”

Jessicas Liebe zum Meer und zu den Blauwalen prägt den Roman "Unterwasserblau" von Petra Hucke. Schon als kleines Mädchen lag sie abends im gemeinsamen Zimmer mit der Stiefschwester und las über die blauen Riesen, während die andere in ihr Tagebuch schrieb. Dazugehören, von der "Großen" mitgenommen und von der Mutter geliebt werden - so kann man ihre Wünsche damals wohl zusammenfassen. Für Jessica blieb vieles aus, oft fühlte sie sich wie die falsche Tochter, ungewollt nach dem Tod ihrer Zwillingsschwester. Mit ihrer Neugier, ihrer Belesenheit und dem Scham für die Familie in der Arbeitersiedlung passte sie nicht richtig in die Konstellation aus Mutter, Vater und Halbschwester. Auf der Beerdigung ihres Vaters, mit der die Romanhandlung einsetzt, wird das Jessica noch einmal schmerzlich bewusst. Und doch fragt sie sich, wie viel von dem Mädchen von damals in der Meeresbiologin von heute steckt. Sind wir geprägt durch unsere Eltern? Wie viel bleibt übrig, wenn wir ihren Einfluss wegstreichen? Können wir unsere Eltern für unser gegenwärtiges Unglück verantwortlich machen - auch wenn wir schon lange keinen engen Kontakt mehr haben?

Die Fragen, die sich die Protagonistin stellt, zeigen, dass Huckes Buch über die Einzelgeschichte hinausgeht. Auch wenn nicht jeder Leser das Aufwachsen in einer Familie im Ruhrgebiet in der Arbeitersiedlung teilt, hat sich doch schon jeder gefragt, welchen Teil der eigenen Identität man selbst erworben hat und was auf Prägung zurückgeht. Obwohl auch viele Ereignisse in der äußeren Handlung geschehen - man möchte fast meinen, schlimmer kann es für Jessica an einigen Stellen kaum noch kommen, ist der Roman vor allem eine psychologische Erzählung. Jessica ist eine eher introvertierte Frau, reflektiert in der Handlung zunehmend ihre Lage. So steht auch das Überwinden von (inneren und äußeren) Widerständen im Fokus des Buches.

Zu Beginn haben mich zwei Dinge erstaunt: Die Erzählstimme klingt viel jünger, als ich erwartet hatte, fast schon jugendlich. Zwar gibt es keinen Ich-Erzähler, dennoch wird deutlich, dass Jessicas Perspektive eingenommen wird. Da sie eher vierzig als vierundzwanzig ist, hat mich überrascht, wie teenagerhaft und blauäugig gerade zu Beginn erzählt wird. Dann habe ich mich aber gefragt, ob sich in der Stimme vielleicht die Schwester, Annika, verbirgt, die stellenweise zu Jessicas Alter-Ego wird. Dieser Gedanke hat es für mich dann wieder versöhnt. Verwunderlich war zunächst auch, dass der Klappentext wirklich einen Großteil der Handlung beinhaltet. Zunächst dachte ich: Was soll den jetzt noch kommen. Mit der Zeit wurde mir aber klar, dass ich eine ganz andere Geschichte auf Grundlage der Zusammenfassung erwartet hattet. Obwohl ich also wusste, was noch passiert, war alles ganz anders als gedacht.

Bei aller Begeisterung für die zweite Romanhälfte muss ich aber auch zugeben, dass mich ein paar Aspekte gestört haben. Bis ich mit der Protagonistin, die so ganz anders ist als ich, warm geworden bin, hat es ein wenig gedauert. Zu Beginn hat mich ihre Unbedarftheit und ein gewisses Maß an Selbstgerechtigkeit abgeschreckt. Doch mit der Entdeckung der Kunstgalerie (die Künstlerin ist meine Lieblingsnebencharakter in diesem Buch) wird das langsam besser.
An vielen Stellen erfährt man außerdem etwas über Wale und Kieselalgen. Das fand ich spannend und an einigen Stellen auch gut in die Geschichte eingebunden. Etwa dann, wenn Jessica vor einem Japanischkurs (eine Reise in das Land will vorberietet werden) googelt, wie "Ich esse kein Walfleisch" auf Japanisch heißt. Auch das oben erwähnte Zitat passt unheimlich gut zur Figur Jessica. Allerdings gibt es auch Stellen, an denen sich das Wissen weniger organisch in die Handlung einwebt. Dann hatte ich den Eindruck, dass hier noch Recherchematerial verarbeitet werden sollte, weil es eben da gewesen ist.

"Unterwasserblau" ist eine Sozialstudie über familiäre Prägung, die langsam und psychologisch feinfühlig erzählt wird, Petra Hucke wirft Fragen auf, die uns alle etwas angehen. Die Stärke des Romans liegt darin, dass Hucke keine einfache Antworten auf diese liefert.
Profile Image for Inge H..
504 reviews9 followers
March 12, 2026
Aufarbeitung einer Kindheit

Unterwasserblau, ist ein Beziehungsroman von Petra Hucke.
Die Geschichte ist geprägt durch eine einsame etwas lieblose Kindheit.
Jessica hat im Kleinkindalter ihre Zwillingsschwester verloren. Das macht wohl auch die Mutter so grantig. Mir ihrer Halbschwester Sandra gibt es auch keine Nähe.
Als sie Ingwer heiratete hatte sie endlich eine liebevolle Familie.
Als ihr Vater stirbt, wird sie gezwungen sich auch um ihre Mutter zu kümmern.
Außerdem bringt sie nach zwanzigjähriger Ehe diese in Gefahr.
Jessica muss sich jetzt einen Weg suchen, um auch allein zurechtzukommen. Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung.
Die Autorin hat das in einem ruhigen einfühlsamen Stil geschrieben.
Der Roman zeigt, das nicht immer ist wie es scheint.
Es hat Spaß gemacht ihn zu lesen.
Profile Image for Dunja Brala.
680 reviews62 followers
April 5, 2026
Wenn einem das Bauchgefühl sagt, dass irgendwas in der Familie nicht stimmt, dann liegt man meistens richtig. Und wenn man Pech hat, dann liegt dem ein wirklich schlimmes Familiengeheimnis zu Grunde.

Jessica ist schon seit 20 Jahren mit Ingwer zusammen. Sie ist voll in seine Familie integriert. Dort hält man zusammen. Ingwer hat Brüder, mit denen er sich gut versteht und auch die Schwiegertöchter empfinden Sympathie für einander.
Jessica möchte nichts anderes sein, als ein Teil dieser Familie. Denn ihre eigene ist sehr anstrengend. Zu ihrer älteren Halbschwester hat sie einen distanzierten Bezug und ihre Mutter gibt ihr permanent zu verstehen, dass damals die falsche Tochter gestorben ist – Annika, Jessicas Zwilling.
Nur der Vater hat es irgendwie geschafft, schöne Erinnerungen in Jessicas Kopf zu pflanzen, die aber oft von der Mutter durchkreuzt werden.

Nun ist ihr Papa tot, und sie muss aus einem Urlaub heimkehren, ins Ruhrgebiet. Sie ist etwas befremdet darüber, wie stark ihre Mutter gealtert ist. In ihrem Benehmen ist sie aber immer noch die alte und Jessica fühlt sich weder gewünscht, noch zu Hause. Sie sucht nach ihrem Zwilling auf dem Friedhof und nimmt sie gedanklich in sich auf, trägt sie mit sich rum und hat große Sorge, sie wieder zu verlieren. Und dann ist da noch ein Geheimnis, dass das Vertrauen auch in ihrer neuen Familie erschüttert

Petra Hucke hat es geschafft, mich von Anfang an ihre Geschichte zu binden. Das wirklich schreckliche Familiengefüge, das durch Jessicas Mutter maßgeblich bestimmt wird, war gleichzeitig interessant und abstoßend. Auch das Geheimnis, dass Jessica mit sich trägt ist sicher polarisierend , m aber neugierig auf den Ausgang. Was zum Teufel hat Jessica dazu gebracht, ihr Glück aufs Spiel zu setzen?

Dass etwas ganz schreckliches, passiert sein muss, ahnt man ziemlich schnell und die Lösung fand ich schockierend. Dass sich sowas auf den Werdegang einer lebenden Person niederschlägt, verwundert nicht. Ich hatte den Eindruck, dass hier so viel Fäden gekappt, neu verknotet und wieder angeschnitten wurden, dass es sehr viel Arbeit bedeuten würde, daraus ein neues stabiles (Familien) Netz zu flechten.
Manche Motivation, so oder so zu handeln, hab ich zwar nachvollziehen, können aber nicht immer verstanden. Ein absoluter Sympathieträger war Ingwer – auf seiner Seite war ich jederzeit. Gefallen hat mir auch wie seine Familie Dinge kommuniziert. Selbst wenn Verletzungen passiert sind, behalten Sie die Contenance und gehen menschlich miteinander um. Nachdem ich das klar hatte, habe ich mir gewünscht, ebenfalls ein Teil dieser Familie zu sein.

Petra Hucke hat mit Jessica eine Protagonistin geschaffen, die zu schlechten Entscheidungen neigt, aber so sehr ein gutes Leben haben möchte, dass sie bereit ist, vieles dafür zu verändern und Konsequenzen für fragwürdiges Handeln zu tragen. Das war sehr menschlich dargestellt. Eingefügt hat sie außerdem Themen wie Klassismus und psychische Erkrankungen. Die nehmen nicht besonders viel Raum bedienen aber Vergleichsmuster. Das ist starke Gegenwartsliteratur, die in bildhafter Sprache von Menschen erzählt, die nebenan wohnen könnten.

Ein lesenswerter Roman, den ich allen empfehle, die Handlung mögen in denen krisengeschüttete Personen ihre Probleme angehen und eine Dialoge schätzen, die auf dem Punkt sind.
Profile Image for Christiane Fischer.
564 reviews8 followers
March 12, 2026
„Wann wurden wir mehr als das, was unsere Eltern aus uns gemacht hatten?“ (S. 201)

UNTERWASSERBLAU
Petra Hucke
ET: 12.03.26

Jessica verbringt ein paar Tage mit der Familie ihres Mannes Ingwer – und für sie ist es jedes Mal wie ein Ankommen. Die Schwiegereltern, die drei Brüder mit ihren Partnerinnen und Kindern: Wärme, Zugehörigkeit und Selbstverständlichkeit. Jessica und Ingwer haben sich bewusst gegen eigene Kinder entschieden. Stattdessen genießen sie ihre Rolle als Tante und Onkel, als Teil dieses lebendigen und liebevollen Gefüges.

Dann der Anruf: Ihr Vater ist tot. Drei schlichte Worte aus dem Mund ihrer Halbschwester – und mit einem Schlag ist sie zurück in der Enge ihrer Herkunft. In einer Familie, in der Zuneigung kein Ausdruck fand, in der man nicht weinte, sondern schwieg. In der die Mutter dominierte, unzufrieden, nörgelnd, unnahbar – und der Vater sich hinter diesem Schweigen einrichtete. Jessica hat sich für diese Familie geschämt, seit sie denken kann. Und nun holt sie die Vergangenheit ein.

Wie sich die Ereignisse entfalten, möchte ich nicht vorwegnehmen. Nur so viel: Alte Wunden brechen auf und Fragen drängen sich in den Vordergrund. Wie prägt eine lieblose Kindheit einen Menschen? Lässt sich diese Erfahrung ablegen – oder schreibt sie sich unausweichlich in das weitere Leben ein?

Petra Hucke erzählt mit großer Empathie von Verlust, Sehnsucht und der leisen Hoffnung auf Veränderung. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass sehr viele Themen angerissen werden. Doch im Verlauf fügt sich alles stimmig zusammen. Der Ton ist fein und sensibel, die Sprache klar und zugleich poetisch. Ich bin regelrecht durch die Seiten getragen worden.

Fazit:
Eine eindringliche, zart erzählte Geschichte über Herkunft, Prägung und die Möglichkeit, sich neu zu verorten.
5/5
Profile Image for Filipines Buchclub.
90 reviews1 follower
March 12, 2026
Wann werden wir mehr als das, was unsere Eltern aus uns gemacht haben? Wie prägen uns Kindheitserlebnisse?

Jessica ist seit zwanzig Jahren glücklich verheiratet, doch sie fühlt sich der Familie ihres Mannes näher als ihrer eigenen. Ihre eigene Familie besteht aus einer Schwester, zu der sie keinen Kontakt hat, einer nörgelnden Mutter, einem liebevollen, aber emotional distanzierten Vater und einer verstorbenen Zwillingsschwester. Immer wieder wird Jessica vorgeworfen, nur den Tod zu bringen. Trotz ihrer Liebe zu ihrem Mann betrügt sie ihn mit seinem Bruder. Ob er ihr das verzeihen kann, müsst Ihr selbst herausfinden.

Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, in die Geschichte einzutauchen. Ich konnte mich nicht mit den Protagonisten identifizieren und ihre Handlungen nur schwer nachvollziehen. Auch die Zeitsprünge waren für mich zunächst verwirrend, da nicht immer klar war, wo man sich gerade befindet. Im Laufe des Buches wurde mir das leichter und das Lesen machte mehr Spaß.

Ich empfehle dieses Buch jedem, der sich für die Bewältigung von Kindheitstraumata interessiert.
3 reviews
April 12, 2026
Für mich ein eher enttäuschendes Buch. Die Story ist so konstruiert und dabei gleichzeitig flach, dass kein Lesevergnügen aufkommt. Dazu noch eine sehr einfache, wenig raffinierte Sprache.
Displaying 1 - 6 of 6 reviews