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Parasiti

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Ein Brief bringt Aufruhr ins gemütliche Leben von Rina, ihrer Tante Valli und ihrer Großmutter Von einem Tag auf den anderen verstummt die Großmutter. Rina beginnt, Fragen zu stellen - und bringt gegen alle Widerstände ein Gespräch zwischen den Generationen in Gang. Denn sie ahnt, dass sie von ihrer Familie nicht nur die eckige Figur und die Vorliebe für Vorabendserien geerbt hat, sondern auch ihre Ängste und Unsicherheiten. Was ist das für ein Seil, das sich um sie schlingt, und so nah an Tante, Mutter und Großmutter bindet? Das ihr Halt gibt, aber oft genug auch die Luft abschnürt?
Zwischen Baracken im Novosibirsk der 1960er Jahre, Auffanglager für Aussiedler in den 1970ern und dem Fürstenfeldbruck einer nahen Gegenwart folgt Alisha Gamisch in ihrem Debütroman den Lebenswegen dreier russlanddeutscher Frauen. Sie erzählt von Ausgrenzung und Anpassung, von Ausbeutung und Emanzipation, von Sexualität und Abtreibung.

239 pages, Kindle Edition

Published March 9, 2026

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About the author

Alisha Gamisch

3 books2 followers

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54 (46%)
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5 (4%)
1 star
4 (3%)
Displaying 1 - 19 of 19 reviews
Profile Image for Alexander Carmele.
576 reviews659 followers
August 15, 2026
Russlanddeutsches, unpoetisches Drama um ungewollte Schwangerschaften vor und nach der Wende.
Longlist deutscher Buchpreis 2026

Inhalt: 1/5 Sterne (Familiengeschichte)
Form: 1/5 Sterne (rudimentär)
Erzählstimme: 2/5 Sterne (episodenhaft)
Komposition: 2/5 Sterne (narrativierte Historie)
Leseerlebnis: 1/5 Sterne (langweilig)
--> 7/5 = 1,4 = 1 Stern(e)

Parasiti nimmt den Faden von Elli Unruh aus Fische im Trüben und Jehona Kicajs ë auf und erzählt eine Familiengeschichte, geprägt von Flucht und teilweise von Gewalt, unter Verwendung von viel Sprachkolorit und Brauchtumserwähnung. Im Zentrum des Geschehens steht die Ehe zwischen Sashka und Lydia, die alles andere als harmonisch verläuft:

Ihr Sashka hat wieder gestunken, als hätte er im Klohäuschen gelegen. Wie oft hat sie ihm schon gesagt: »Wasch dich, bevor du ins Bett kommst! Trink, wenn es sein muss, aber wasch dich wenigstens!« Doch er spritzt sich immer nur Adekalon ins Gesicht. Als würde das helfen. Er ist nach Mitternacht gekommen, rumpelnd und mit einem Geruch, boshe moj! Davon ist ihr so schlecht geworden, dass sie aufstehen musste, ein paar Minuten auf und ab gehen – wie ein Geist.

Wir schreiben das Jahr 1961 im damals sowjetischen Novosibirsk. Lydia lebt mit ihrer Tochter Elvira und dem Ziehkind Valentina bei ihrem Mann und dessen Vater, Sashka, der als Trinker so gar nichts auf die Reihe bekommt. Lydia lernt dann Marusja kennen und durch sie ein wenig Freiheit, und auch Vera, in der Klinik, wo sie einem weiteren Kind von Sashka vorbeugt, der sich ihr immer wieder aufzwängt. Das Buch Parasiti hat den Namen durch Sashka erhalten:

Fort aus Sibirien? Die Schwester bereitete sich, ohne zu zögern, auf die Fahrt nach Estland vor. »Mama und Tante Gerda kommen mit. Für dich habe ich auch ein Ticket.«
Aber in Lydia regte sich Widerstand. »Wieso gehst du einfach davon aus, dass ich mitkomme und meinen Paren zurücklasse, dass dein Arto besser ist als mein Sashka?«
»Lass den Parasit laufen, pack deine Sachen, nächsten Monat geht’s los.«
»Er ist gar nicht so schlimm«, sagte Lydia. »Er ist ein guter Mann, wirst schon sehen.«


Tatsächlich bringt Sashka ein paar Sachen durch seine Trägheit in Gang, und davon handelt das sehr episodisch, höchst unklar erzählte Buch von Alisha Gamisch, das mit drei Stimmen und drei Zeitebenen noch die Handlungszusammenhänge zu rekonstruieren deshalb erschwert, da viele auf viele verschiedene Weise bezeichnet werden, bspw. Valentina heißt „Jelenatochter“, „Fledermausbalg“, „Tante“, „Schwester“ und „Valli“, und so geht es mit allen Figuren in allen drei Zeitebenen. Die Verwirrung tröstet leider nur schwach darüber hinweg, dass nicht allzu viel geschieht oder erzählt wird:

Lydia ist sowieso noch zu müde, sie dämmert davon wie ein Stückchen Holz im Fluss Ob.

Müde nach dem Buch bin ich auch. Weder werden die ökonomischen noch politischen, noch hygienischen Umstände klar, weder wird der Lebensraum beschrieben noch die Reisen, selbst das Äußere der Figuren bleibt verdunkelt. Schemen geistern durch den Raum der Nachkriegszeit, Gespenster im Leidensdruck der Verhältnisse. Das sehr Biographische wird durch das episodenhafte Erzählen und durch die realistische Ästhetik zu trocken und zu zerbröselt. Intensität kommt nicht auf. Leider. Da helfen auch die vielen schönen russischen Wörter nicht drüber hinweg.



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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Ästhetik: (jeweils 1-5)
●Kant: verspielt-offen? [Leichtigkeit] - 0
●Lukacs: engagiert-realistisch? [typisch] - 5
●Adorno: avantgardistisch-defensiv? [innovativ] - 0
●Hegel: dynamisch-totalisierend? [pathetisch] - 0
●Einschätzung - oder um welche Ästhetiktradition handelt es sich?: Weder besitzt es Sprachspiele, noch Akzent auf die Formästhetik, noch besitzt es Brechungen und Disruptionen des Negativen (weder Kant noch Adorno). Es besitzt auch keine Dynamik des Werdens, der Entwicklung (Hegel). Es bleibt nur der Realismus und die Typisierung von Lukacs.

Inhalt:
●Hauptfigur(en): Lydia, Erzählgegenwart (2021) sehr alt, über 80 Jahre. Tochter Elvira, um die fünfzig, Enkelin Rina, Mitte zwanzig? … Lydia ist auch die (quasi) Tanta von Valli, oder der Jelenatochter, die Tochter ihres Ehemannes Sashka. Großtante Gerda (Schwester von Mutter/Vater? Vater von Lydia wohl Deutsch. Onkel heißt Fritz.). Rina hat einen Bruder (sehr unwichtig), seine Ehefrau heißt Giulietta.
●Zusammenfassung/Inhaltsangabe:
… Novosibirsk (1961) - Valga 1963 (Estland) – Fürstenfeldbruck (2021)
… Lydia (deutschstämmig) bleibt in Novosibirsk zurück, zieht mit ihrer Familie nicht nach Estland (mit ihrer Mutter, Tante Gerda und Frida). Sie bleibt in Novosibirsk bei ihrem Ehemann Sashka, Alkoholiker, einstmals Musiker, der nichts wirklich hinbekommt. Er erhält ein Jobangebot, reist weg, und dann nimmt Lydia nach zwei Jahren Eheleben mit ihrer kleinen Tochter Elvira reißaus, fährt nach Valga, lässt Valli bei ihren Eltern zurück. Später schreibt Lydia Valli aus schlechtem Gewissen heraus, die zeigt den Brief Sashka, der fährt nach Estland und erobert sich Lydia zurück. Später reisen sie aus der Sowjetunion aus, nach Deutschland, und Lydia organisiert, dass ihr Ziehkind Valli mitkommen kann. Sie leben in Bayern, in Fürstenfeldbruck. Dort bekommt Elvira eine Tochter, Rina, die irgendwann studiert und Valli ausfragst. In der Erzählgegenwart wird Lydia dement, kaum ansprechbar. Eine Anti-Abtreibungspuppe erinnert sie an die Geschehnisse damals, als sie im Krankenhaus eine Schwangerschaft abgebrochen hat, Vera in ihrem Zimmer kennenlernte, die aber an den Folgen des Schwangerschaftabbruches stirbt. Vera repräsentiert hier Freiheit, ebenso wie Marusja, die später mit Olga zusammen in Russland lebt.
… Valli, Fledermausbalg, Jelenatochter, lebt bei ihrem Onkel Sashka, weil ihre Eltern sich nicht um sie kümmern können. Sie wird nur geduldet, wirkt wie ein Wildfang, prügelt sich oft, lernt Peter kennen, beginnt in der Jugend eine Liebesaffäre, aber betrügt ihn mit Vadim, der sie eher für Sex benutzt. Später, in Deutschland, muss sie dann abtreiben, vergiftet sich fast. Als Sashka in Deutschland stirbt, übernimmt sie seine Aufgaben in der Familie.
… Rina hat mehrere Affären, diese die Jeweiligen nennt. Fra könnte ein Bleibender sein, aber versteht sie nicht. Rina hat Angst schwanger zu werden, hört sich von Valli die Familiengeschichte an und beschließt eine Russlandreise zu unternehmen.
●Kurzfassung: aus Sicht von drei Frauen, Lydia, ihre Ziehtochter Valli, und ihre Enkelin Rina wird das Leben von den 1950ern bis 2020ern zwischen Sowjetunion und Deutschland erzählt. Lydia und Valli mussten abtreiben, Rina trennt sich von ihrem Freund Frau, um es zu verhindern, nachdem sie schon befürchtet hat, schwanger zu sein. Stattdessen beschließt sie auf den Spuren ihrer Familie nach Russland zu reisen.
●Charaktere: (rund/flach) keine wirklich Figuren, eher Mitmenschen, über die man etwas erfährt
●Überflüssige Szenen/Charaktere: bei dieser Art von Dokumentation nicht möglich
●Besondere Ereignisse/Szenen: Strandbesuch mit Marusja, die Abtreibung in Novosibirsk.
●Diskurs: Schwangerschaftsabbruch
… verwandt mit Annie Ernaux „Das Ereignis“ und vom Personal mit Elli Unruh „Fische im Trüben“ … Ernest Hemingway „Hügel wie weiße Elefanten“ … tatsächlich kein so häufiger Themenkomplex. In der deutschen Literatur wegbereitend: Friedrich Wolf „Cyankali“. Eine Gegenposition findet sich bei Karin Struck und „Ich sehe mein Kind im Traum: Plädoyer gegen die Abtreibung“.
… persönliche Rekonstruktion einer Familiengeschichte. Im Grunde kein Plot. Eine gewisse Spannung entsteht durch die Rekonstruktion der Familienverhältnisse, und der Entdeckung der Namen nach und nach (wer ist Tante, Onkel, wer Mutter, wer das Kuckuckskind etc …)
… inhaltlich gibt es nichts, was zum Lesen motivieren könnte.
--> 1 Stern(e)


Form:
●Eindruck: ungefilterte Sprache, rudimentär, kaum Schriftsprache. Hier und da ein paar Beschreibungen und Metaphern, sehr reduziert.
●Fiktionalitätsgrad: (diskursiv/Werk?) kaum, Figuren besitzen keine Umwelt
●Wortschatz: Interessant durch das Kleines russlanddeutsches* Inventar, Glossar am Ende des Buches, das die Wörter, die verwendet werden, erklärt. Hier Ähnlichkeiten zu Jehona Kicajs „ë“, das sehr ähnlich angelegt ist, statt Abtreibung aber dort Zahnschmerzen. Viele Hinweise auf Folklore.
●Auffälligkeiten: Fremdwörter, bspw. Atlitshnik (Musterschüler) …
●Innovation: keine, außer die Sprachdurchmischung, die aber nicht aufgehoben, motiviert wird, also keine innerästhetische Notwendigkeit besitzt. Wirkt wie „Name dropping“ nur mit russlanddeutschem Vokabular.
--> 1 Stern(e)


Erzählstimme:
●Eindruck: episodenhaftes Erzählen, springen in der Zeit, keine klar erkennbare Fokalisierung. Unklare Personalisierung in den Abschnitten.
●Erzählinstanz (reflektiert, situiert, perspektiviert?): eher parteilich, empathisch.
●Erzählverhalten, -stil, -weise: eher nüchtern.
●Einschätzung: keine literarische Formalisierung in diesem Sinne.
--> 2 Stern(e)


Komposition:
●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): es entwickelt sich auf die Namen hin: die Tante (Mutter von Elvira), Lydia Genrichovna (63%), Valentina Antonovna (94%) – Valli, die Jelenatochter. Von Anfang ihren Namen hat Rina, d.h. sie wächst am sichersten und am wenigsten eingeschränkt auf. Der Plot ist leider so wenig ergiebig, dass er durch Namen-Verunklarung (die Mutter – Lydia – die Tante; oder das Kuckuckskind – Jelenatochter – Valli – Valentina) aufwartet, die Zeiten durchmischt, ein wenig Demenz, Abtreibung und Eheproblematik hineinbringt, es durchschüttelt, um den Stoff in seiner Vorhersehbarkeit etwas aufzulockern.
●Signal/Noise-Ratio: nicht viel Noise, aber ein bisschen Lokalkolorit
●Operative Geschlossenheit: nein, es gibt keine Narration in dem Sinne
●Rahmenstabilisierende Details: Abtreibungen, in der Sowjetunion, in der BRD.
●Extradiegetische Abschnitte: keine
●Lose Versatzstücke: keine
●Reliefbildung: sehr langatmig, erst einigermaßen durch die Ehekrise zwischen Lydia und Sashka interessant.
●Einschätzung: Die Komposition ist die Stärke des Buches – aufgelockertes, mit neuen Worten durchmischtes Nacherzählen der Familiengeschichte mit Namensmischung.
--> 2 Stern(e)


Leseerlebnis:
●Zusammenfassung: extrem langweilig und langatmig, da ich lange nicht wusste, er wer ist in dem Spektakel an Namen und Verwandtschaftszuschreibungen, ab 40% ging es, nachdem ich begriff, begreifen durfte, wer Valli ist oder die Jelenatochter. Leider viel zu wenig realistisch, viel zu wenig mit Umgebung, mit Strukturen, viel zu wenig historisch.
●eigenständig? (Inhalt: ja/nein) nein, nicht wirklich, nicht vollkommen selbsterklären.
●glaubwürdig? (Erzählinstanz: ja/nein) ja, weil nichts passiert
●schön? (Sprache/Form: ja/nein) auf keinen Fall
●stimmig?(Komposition: ja/nein) nein, da kein Stoff vorhanden, kein Erzählung, keine Wut
●ein zweites Mal lesen? nicht im Traum
--> 1 Stern(e)

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Profile Image for Sarah.
691 reviews10 followers
October 18, 2026
Unglaublich stark. Hätte mich nicht gewundert, wenn es den Buchpreis gewonnen hätte.
Profile Image for himbeerbuch.
457 reviews49 followers
July 9, 2026
Ich lese ja gerne Literatur, die sich mit Geschichte, Migration und Erinnerungskultur auseinandersetzt, insbesondere mit Fokus auf die ehemalige Sowjetunion. Alisha Gamischs Debüt “Parasiti” hat für mich dabei eine super wichtige feministische Perspektive hinzugefügt, die ich bisher in meinen Lektüren oft vermisst habe.

Der Roman folgt den Lebenswegen dreier russlanddeutschen, Frauen, Rina, Valli und Lydia - Oma, Tante, Kind (wie könnte es anders sein) - in abwechselnden Kapiteln von den Baracken in Novosibirsk der 60er Jahre bis in die Gegenwart der ländlichen deutschen Kleinstadt. Fremdbestimmung des eigenen Körpers, die Ohnmacht und die Verschwiegenheit über diese Erfahrung ist ein Thema, das sich durch russlanddeutsche Familiengeschichten zieht - Deportation, Zwangsarbeit und Sonderkommandanturen, und das in Kombination mit dem obersten Gebot: den Mund zu halten, nicht aufzubegehren, tatsächlich überhaupt nichts zu begehren.

Trauma durch körperliche Unfreiheit, das fängt in diesem Roman mit Lydia an, die sich der schambehafteten Prozedur einer Abtreibung unterwirft, notgedrungen durch Armut und Repression, und als einzige Möglichkeit für selbstbestimmte Familienplanung. Es setzt sich fort mit Valli und Rina, die ihre Sexualität selbst nicht frei erleben können und weiterhin Schwierigkeiten dabei haben, ihre Wünsche und ihre Begehren frei zu äußern.

Vor zwei Jahren noch hätte ich mir nicht vorstellen können, dass russlanddeutsche Literatur ein neonpinkes Cover bekommt, in einem coolen Verlag ganz oben im Programm steht und von einer jungen Lyrikerin geschrieben wird - umso mehr freue ich mich darüber, dass russlanddeutsche Literatur und Kunst so cool und originell ist! Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar 🌻
Profile Image for Seitenmusik.
510 reviews27 followers
November 1, 2026
Wie viel von dem, was uns ausmacht, haben wir eigentlich selbst entschieden? Und wie viel davon tragen wir weiter, ohne es überhaupt zu bemerken?

In ihrem Debütroman "Parasiti" erzählt Alisha Gamisch die Geschichte dreier Generationen russlanddeutscher Frauen. Als Großmutter Lydia eines Tages verstummt, beginnt Rina, Fragen zu stellen. Sie möchte verstehen, was ihre Familie geprägt hat und warum sich manche Ängste, Vorstellungen und Verhaltensmuster über Generationen hinweg wiederholen.

Der Roman springt zwischen verschiedenen Zeiten und Orten: vom Novosibirsk der 1960er-Jahre über das Leben in Auffanglagern bis in die Gegenwart. Dabei geht es um Migration und Ausgrenzung, um Anpassung und Zugehörigkeit, um familiäre Verbundenheit und den Wunsch nach Selbstbestimmung. Vor allem aber geht es um die Lebensrealitäten von Frauen: um unbezahlte und schlecht bezahlte Arbeit, gesellschaftliche Erwartungen, Beziehungen, Sexualität und reproduktive Selbstbestimmung.

Meine Meinung

Woran ich mich noch sehr lange erinnern werde ist die Schilderung von Lydias Alltag. Die wiederkehrenden Erfahrungen in der Abtreibungsklinik sind mir dabei besonders in Gedächtnis geblieben. Gamisch zeigt, wie wenig Raum Frauen für ihre eigenen Bedürfnisse und Entscheidungen zugestanden wird und wie selbstverständlich ihre körperlichen und emotionalen Belastungen von ihrem Umfeld übergangen werden. Auch die Gespräche zwischen den Frauen zwischen Solidarität, gegenseitiger Unterstützung, tradierten Vorstellungen und manchmal auch gegenseitiger Verurteilung haben mich zum Nachdenken gebracht.

Die Seile, die sich im Roman als Bild für die familiären Verbindungen durch die Generationen ziehen, fand ich besonders treffend. Sie geben Halt und schaffen Zugehörigkeit, können aber ebenso einengen. Denn was wird weitergegeben, was möchten wir bewahren und wovon müssen wir uns vielleicht erst lösen?

Fazit

Wir haben "Parasiti" im Buchclub gelesen, und ich war keineswegs enttäuscht. Ein Roman, der unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar macht und Fragen aufwirft, die weit über die Geschichte dieser Familie hinausgehen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

Werbung | Rezensionsexemplar: Vielen Dank an Voland & Quist und NetGalley.de für das digitale Rezensionsexemplar.
Profile Image for Michelle Curie.
1,176 reviews483 followers
September 15, 2026
Unfortunately a lackluster of a novel, though with its exploration of Russian-German culture and history this had the potential to engage me on a personal level.

Parasiti zooms in on three women in order to trace a family's history from the Soviet Union in the 1960s to Germany in the present day. From one day to the next, Lydia goes mute. Her granddaughter Rina begins to ask her aunt Valli questions and thus unearths the history of her lineage, which has been marked by hardship as well as the desperate search for freedom and female autonomy.

It took me ages to figure out who's who. I'm currently reading all books that made the German Book Prize 2026 longlist, which is what brought me to this novel. As someone with partly Russian family, I was looking forward to reading about how Gamisch portrays the multi-cultural history and development, but this was such a drag to read. With changing points of view and constant jumps back and forth in time, it took me almost half of the book's length to really figure out who's related to whom and who everyone actually was. This made it extremely difficult to feel in any way involved in the story and definitely distracted me from what was actually happening on the page.

The flashbacks are the most interesting part. Out of the three points of views we get (Lydia, Valli and Rina), the most engaging were Lydia's chapters taking us back to Novosibirsk in the 60s, where she was living a harsh life under social and domestic oppression. Particularly timely are the parts dealing with bodily autonomy: as contraceptives were scarce and expensive in the USSR, she had to go to great lengths in order to fight for her reproductive freedom. I would have loved to read a novel fleshing out her experiences more instead of trying to tell an overarching multi-generational story. This just watered down the potentially powerful parts and made them small bits in an overall confusing and dry soup of words.

The writing style didn't really work for me. As the novel concerns itself with making bigger points on abortion and retracing history, I felt like there was little room for the characters to feel like true people. They remained mere figures in a larger web and as Gamisch decided to write about both the history as well as how difficult it can be to speak about it afterwards, this felt unfocused to me, with little room to create tension or build up a plot.

I enjoyed learning about what women faced in the USSR, but would have loved it even more to gather those information wrapped up in a story told differently. I suppose this just wasn't for me.
259 reviews1 follower
September 13, 2026
Ein Buch, das ich ohne die Longlist nicht entdeckt hätte und es nicht bereue es gelesen zu haben. Zunächst haben mich die Zeitlinien etwas verwirrt und der Zusammenhang der Personen war mir nicht gleich klar. Ich kam aber dann gut rein und fand die Zeitlinie von Lydia immer am spannendsten, danach folgt Valli und dann Rina.
Mich hat (bei Lydia) die Rolle der Frau und gerade in Bezug auf Kinder bekommen in dieser Zeit sehr berührt und mitgenommen.
Bei Valli hat mich ihre Rolle als ungewolltes Kind getroffen.

Besonders fand ich es, dass einzelne Erzählungen durch die unterschiedlichen Perpektiven immer weitererzählt werden konnten, wo sonst vielleicht Leerstellen gewesen wären.

Nicht einfach zu lesen, aber dennoch eine Empfehlung und wieder so viel gelernt über ein Thema und eine Zeit, mit der ich mich vorher nicht beschäftigt hatte.
146 reviews1 follower
September 7, 2026
3.5 ⭐️

Dieses Buch legt so viele lesenswerte Themen auf den Tisch: drei verschiedene Generationen von Frauen, Identität & Herkunft, eine interessante Portion Geschichte, die Rolle der Frau in der ehemaligen Sowjetunion, …
Aber richtig gefesselt hat es mich leider nicht. Einige Kapitel waren mir zu ausführlich, andere nicht ausführlich genug. So hätte ich gerne mehr aus der Perspektive von Rina und ihrer Tante Valli gelesen. Was macht das Erlebte mit den beiden? Wie betrachtet Rina als jüngstes Familienmitglied die Geschichte ihrer Familie und wie ist sie groß geworden?

Trotzdem eine tolle Geschichte.
Vielen Dank @netgalley für das Rezensionsexemplar!
Profile Image for Aglaja.
148 reviews15 followers
October 2, 2026
DBP 2026 - Longlist

Eine Emanzipationsgeschichte, eine Familiengeschichte zwischen Novosibirsk und Fürstenfeldbruck, in der viel verschwiegen und viel gelitten wird.
Lebendige Figuren, spürbare Stimmung, man wird regelrecht ins Geschehen reingezogen.
Als Debüt ist dieses Buch wirklich beachtlich.
37 reviews1 follower
August 20, 2026
Alisha Gamischs „Parasiti“ hat mich von Anfang bis Ende mitgenommen. Besonders beeindruckt hat mich, wie der Roman die Lebensgeschichten dreier Frauengenerationen miteinander verknüpft und dabei sichtbar macht, wie Erfahrungen, Ängste und Scham über Generationen hinweg weitergegeben werden.

Besonders emotional war für mich die Geschichte der Russlanddeutschen. Ich muss gestehen, dass mir zu Beginn einiges an historischem Vorwissen fehlte. Während des Lesens habe ich deshalb immer wieder Hintergründe nachgelesen. Dadurch wurden viele der geschilderten Erfahrungen noch beklemmender und emotionaler für mich. Der Roman hat mir das Schicksal der Russlanddeutschen überhaupt erst richtig vor Augen geführt.

Sehr beschäftigt hat mich aber auch die Situation der Frauen in der damaligen Sowjetunion. Schwangerschaftsabbrüche waren vergleichsweise unkompliziert möglich, während zuverlässige Verhütungsmittel gleichzeitig kaum allgemein zugänglich waren. Dieser Widerspruch macht deutlich, wie wenig Selbstbestimmung Frauen tatsächlich zugestanden wurde. Überhaupt sind es die Frauen und ihre enorme Widerstandskraft, die diesen Roman für mich tragen. Bei allen gesellschaftlichen und familiären Zwängen zeigt sich immer wieder, welche Stärke sie entwickeln müssen, um ihren eigenen Weg zu finden.

Ebenso stark fand ich die Auseinandersetzung mit der russlanddeutschen Identität. Was bedeutet Zugehörigkeit, wenn man weder in der einen noch in der anderen Gesellschaft wirklich als gleichwertiger Teil wahrgenommen wird? Die daraus entstehende Scham und der Wunsch, möglichst wenig aufzufallen, ziehen sich durch die Generationen. Besonders krass fand ich dabei, wie solche Prägungen selbst Jahrzehnte später noch nachwirken. Selbst in Rinas Generation erscheint ein Studium für eine Frau vor diesem familiären und historischen Hintergrund noch alles andere als selbstverständlich.

Gamisch erzählt all das in einem sehr direkten und zugänglichen Stil. Trotz der vielen schweren Themen hatte ich nie das Gefühl, einen historischen Lehrtext zu lesen. Geschichte wird hier über konkrete Frauenleben erfahrbar, was dieses Buch so unfassbar stark macht. Die Figuren wirkten auf mich glaubwürdig, widersprüchlich und menschlich. Gerade das Zusammenspiel der verschiedenen Generationen hat mir sehr gefallen. An dieser Stelle liegt allerdings auch mein einziger größerer Kritikpunkt: Rinas Perspektive hätte für meinen Geschmack ausführlicher ausfallen dürfen. Gerade weil sich an ihr zeigt, was von den Erfahrungen der vorherigen Generationen bis in die Gegenwart weitergetragen wird, hätte ich gerne noch mehr über ihre Gedanken und ihre persönliche Entwicklung gelesen. Vielleicht dann in einem Folge-Band? ;)

„Parasiti“ ist für mich ein mitreißendes Debüt, das Familiengeschichte, weibliche Selbstbestimmung, Migration und die Frage nach Identität überzeugend miteinander verbindet. Ich habe nicht nur eine starke Geschichte gelesen, sondern dabei auch viel über ein Kapitel deutscher und sowjetischer Geschichte gelernt, mit dem ich mich zuvor viel zu wenig beschäftigt hatte. Eine klare Empfehlung für alle, die generationenübergreifende Familienromane mögen und Literatur schätzen, die historische Zusammenhänge anhand persönlicher Schicksale greifbar macht. Für mich ist „Parasiti“ definitiv ein sehr heißer Anwärter auf den Deutschen Buchpreis.
Profile Image for Christiane Fischer.
632 reviews11 followers
September 13, 2026
PARASITI
Alisha Gamisch
ET:09.03.26

Als Lydia einen Brief mit einer Puppe, die einen Fötus darstellt, als Mahnmal gegen Abtreibung im Briefkasten findet, verstummt sie.

Ihre Enkelin Rina versucht zu verstehen, was in ihrer Großmutter vorgeht, und beginnt zum ersten Mal, ihre Lebensgeschichte zu hinterfragen. Doch Tante Valli ist alles andere als begeistert, sich Rinas Fragen zu stellen.

Alisha Gamisch schickt uns zurück in die 60er-Jahre, in die Baracken von Novosibirsk, wo Lydia keinerlei Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper hatte. Immer wieder muss sie abtreiben. Nacht für Nacht „rutscht“ ihr trinkender und arbeitsscheuer Ehemann auf den Körper. Verhütungsmittel sind für sie unerreichbar.

Lydia steckt in einem Kreislauf aus Gewalt, Schwangerschaften und Abtreibungen fest. Erst die Flucht gibt ihr die Möglichkeit, diesem Leben zu entkommen. Über Lettland gelangt sie nach Deutschland, wo sie bis heute lebt.

Auch in der UdSSR wurden damals Menschen, die nicht ins System passten, deportiert, viele von ihnen nach Sibirien. Sie lebten dort unter menschenunwürdigen Bedingungen auf engstem Raum in Baracken.

Die Autorin erzählt sehr eindringlich das Schicksal einer Russlanddeutschen, deren Leben von Gewalt, Unterdrückung und fehlender Selbstbestimmung geprägt ist. Gleichzeitig zeigt sie, wie lange die Erfahrungen einer Generation nachwirken können und wie schwer es sein kann, über das Erlebte zu sprechen.

Mich hat dieses Buch sehr berührt. Gerade deshalb hätte ich mir PARASITI auch auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises gewünscht.

Fazit:
Ein eindringliches und bewegendes Buch über Selbstbestimmung, Gewalt und ein Leben, dessen Geschichte viel zu lange verschwiegen wurde.



Profile Image for Daniela.
260 reviews2 followers
September 5, 2026
Sehr emotional

Alisha Gamisch schafft es mit Parasiti, sofort zu fesseln. Das Buch springt dabei zwischen einer Vergangenheit und Sibirien, und Lydias Leben mit Saschka, Valle, den Fledermauskind, das nicht ihres ist und ihrer Tochter Elvira hier und jetzt, in dem Rina, ihre Enkelin, eine große Rolle spielt, hin und her.

Julias Leben beginnt in der Nachkriegszeit in Russland. Als Russland deutsche gehören sie nirgendwo richtig dazu. Während ihrer Mutter ihre ältere Schwester nach Estland auswandern, bindet sie sich an Saschka, der sich als Säufer herausstellt. Sie führt ein unglückliches Leben in einer ein Zimmerbehausung mit Saschka, dessen Vater und der Nichte ihres Ehemann. Geschichte selbst aufgebaut, dass die Kapitel zwischen der Vergangenheit und dem Rückblick in der aktuellen Zeit durch Fragen von Rina etc. hin und her springen.
Ich mag sowohl den Schreibstil, als auch die Geschichte selbst, auch wenn diese häufig sehr bedrückend ist. Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Buch zur Hand zu nehmen.
Profile Image for Jaena.
19 reviews
October 30, 2026
Wenig spannendes, aber dafür ein umso emotionales Buch.

Hier wird ein kleiner Teil russlanddeutscher Geschichte in einem kurzen Zeitslot (den 60er Jahren) im Wechsel mit dem „jetzt“ erzählt. Die Erzählung ist nicht wirklich spannend, dafür aber emotional eine Wucht durch die Gleichzeitigkeit verschiedener Gefühle, die sehr genau beschrieben werden.

Mit den Zeitsprüngen und den verschiedenen Erzählperspektiven kam ich gut klar, kann mir aber vorstellen, dass es für Leser:innen mit weniger spezifischer Vorkenntnis schwer wird, zu folgen.
Daher einen halben Stern Abzug.

Gewünscht hätte ich mir noch einen intensiveren Bezug zum transgenerationalen Trauma, den die Autorin durch die 3 Protagonistinnen zwar grob miteinbezieht, die Leser:innen mit der Kombination & Interpretation aber alleine lässt.
Hierfür ebenso einen halben Stern Abzug.

Alles in allem dennoch eine Empfehlung wert!
Profile Image for Tutankhamun18.
1,599 reviews34 followers
October 24, 2026
Rinas Grossmutter verstummt nach einem Brief. Auf der Suche nach Antworten entdeckt Rina die Geschichte ihrer russlanddeutschen Familie und deren vererbte Ängste.

Die Themen haben mich interessiert, aber zu den Figuren habe ich keinen richtigen Zugang gefunden. Gamisch schreibt direkt, alltagsnah und körperbetont, mit teils derben Formulierungen. Bildhafte Vergleiche, russische Ausdrücke und kurze, abgehackte Sätze prägen ihren Stil. Mir hat dieser Schreibstil nicht gefallen und mich immer wieder aus der Geschichte gerissen.
Profile Image for Leah Monsees.
73 reviews
October 15, 2026
Kinda good, kinda bad. Ich konnte oft nicht richtig folgen und es hat ewig gedauert, bis ich die Familienverhältnisse verstanden habe… all in all viele wichtige Themen dabei wie zB Schwangerschaftsabbruch oder wie es ist, sich in seinem eigenen Leben gefangen zu fühlen, aber irgendwie hat mir da trotzdem die Tiefe gefehlt.

+ ich finde das Cover einfach hässlich 🤷🏼‍♀️
Profile Image for Doradea.
513 reviews5 followers
September 8, 2026
Das Buch hat für mich stark angefangen und dann leider auch stark nachgelassen. Ich hätte es glaube ich nicht gelesen wenn ich vorher gewusst hätte, wie prominent das Thema Abtreibung im Buch ist.
Profile Image for Mika.
22 reviews
September 28, 2026
Am Anfang war ich so restlos verwirrt von den Verwandtschaftsverhältnissen, am Ende dann doch sehr emotional berührt
Profile Image for Dr..
97 reviews
September 30, 2026
Ein wichtiges und eindrückliches Buch mit neuen Einsichten!
Displaying 1 - 19 of 19 reviews