Am 19. Juli 1936 besteigt General Francisco Franco ein Flugzeug in Richtung Tetuán, um sich einem Aufstand gegen die spanische Republik anzuschließen. Der Putsch sorgt rund um den Erdball für Entsetzen - und eine so spontane wie heftige Gegenwehr. Zehntausende Freiwillige aus aller Welt nehmen es auf sich, dem Land gegen die Invasion von innen beizustehen. Es sind Künstler, Reporterinnen, Intellektuelle und Verfolgte, es sind Helfer und Krankenschwestern, Idealistinnen und Abenteurer. Der Spanienkenner und preisgekrönte Romanautor Paul Ingendaay erzählt ihre Geschichte. Sommer 1936: In Madrid kühlen Anwohner das heiße Straßenpflaster mit Wasser, während wenige Häuser weiter eine Pistole im Parlament gezogen wird. Auf den Wagner-Festspielen in Bayreuth erhält Hitler einen Ein gewisser General Franco bittet ihn um militärische Unterstützung bei einem Putsch gegen die spanische Regierung. Sechs Tage später macht sich eine deutsche Fliegereinheit in Zivil unter dem Codenamen «Unternehmen Feuerzauber» bereit für den Einsatz. Und inmitten all der Wirren bricht eine wild zusammengewürfelte Gruppe an Freiwilligen auf, um Spanien gegen den faschistischen Umsturz zu verteidigen. Ernest Hemingway, George Orwell, Martha Gellhorn, André Malraux, Arthur Koestler, Willy Brandt, Simone Weil und andere schließen sich ihnen an. Es ist die Zeit der großen Entscheidungen in Europa – und doch auch die der Zufälle, der Unfälle und tragischen Ironie. Paul Ingendaay erzählt eine packende Geschichte von Mut und Verblendung im Prolog des Zweiten Weltkriegs. Vor dem Hintergrund des Spanischen Bürgerkriegs lässt er jene Spaltung zutage treten, die sich durch Familien und Nationen zog - und die Frontlinien des 20. Jahrhunderts bestimmen sollte.
REZENSION – Aus einem ungewöhnlichen, dafür literaturhistorisch umso interessanteren Blickwinkel betrachtet der Literaturwissenschaftler Paul Ingendaay (65) in seinem im März beim Verlag C. H. Beck veröffentlichten Buch „Entscheidung in Spanien“ den „großen Kampf der Literatur“ in den Jahren des spanischen Bürgerkriegs von 1936 bis 1939. Als gelernter Journalist liefert er eine Reportage des Kriegsverlaufs aus Sicht von Schriftstellern, Künstlern und Intellektuellen, verbindet biografische Episoden mit den historischen Ereignissen und zeigt, wie sehr politische Überzeugungen durch persönliche Erlebnisse und Schicksale enttäuscht werden und ins moralische Dilemma führen können. Chronologisch und regional klar gegliedert, schildert der Autor den Fortgang des Bürgerkriegs zwischen den republikanisch-demokratischen Regierungstruppen und den militärisch gut ausgerüsteten konservativ-faschistischen Truppen, deren alleiniges Kommando erst später General Francisco Franco (1892 bis 1975) übernimmt, unterstützt von einer unter dem Codenamen „Unternehmen Feuerzauber“ verdeckt operierenden deutschen Fliegereinheit und faschistischen Einheiten Italiens. Dieser Aufstand gegen die demokratische Regierung Spaniens ist kein landesinterner Bürgerkrieg, sondern der Beginn des im folgenden Jahrzehnt andauernden Kampfes der Demokratie gegen den sich in Europa ausbreitenden Faschismus. In dieser Erkenntnis machen sich tausende Freiwillige aus 50 Ländern nach Spanien auf, um der bedrängten Republik im Bürgerkrieg beizustehen – unter ihnen auch politisch links stehende oder kommunistisch geleitete Reporter und Schriftsteller wie Ernest Hemingway, Robert Capa, George Orwell, Simone Weil, Willy Brandt und viele andere. Ihnen setzt Paul Ingendaay, der 15 Jahre als Kulturkorrespondent für die FAZ aus Spanien berichtete, ein literarisches Denkmal und erzählt von ihren Kämpfen mit Waffe, Stift und Fotoapparat. „Schriftsteller und Künstler stecken in einem Dilemma“, schreibt er in seinem Buch. „Kümmern sie sich um ihre Kunst und nichts anderes, wirft man ihnen vor, sie versteckten sich im Elfenbeinturm. Kommen sie aus dem Turm heraus und erheben die Stimme für ein politisches Anliegen, heißt es schnell, sie produzierten nur leeres Gerede.“ An den unterschiedlichen Biografien ausgewählter ausländischer und spanischer Literaten zeigt Ingendaay, wer sich aus jugendlicher Abenteuerlust oder aus politischer Überzeugung auf republikanischer Seite aktiv beteiligt, sei es in Todesgefahr Seite an Seite mit den Soldaten an vorderster Front kämpfend oder eher nur schreibend als Beobachter rückwärtig in der Etappe. Eine besondere Rolle nimmt dabei der spanische Dichter Federico García Lorca (1898 bis 1936) ein, der schon zu Beginn des Krieges von faschistischen Kämpfern verhaftet und kurz darauf erschossen wurde. Der Bürgerkrieg wurde für ihn wie für alle anderen zum intellektuellen und moralischen Prüfstein. Ingendaay macht in seinem Buch deutlich, wie stark der Krieg die Literatur geprägt hat. Werke wie Orwells „Mein Katalonien“, Hemingsways „Wem die Stunde schlägt“ oder das Buch "Ein spanisches Testament" von Arthur Koestler, der von Franquisten gefangen genommen und als angeblicher Spion standrechtlich zum Tod verurteilt wurde, entstanden aus unmittelbarer Erfahrung. Ihre eigenen Beobachtungen bringen die Französin Simone Weil zu einer Erkenntnis, die wie eine Vorhersage für die nachfolgende Brutalität der Nazi-Dikatur klingt: „Wenn man weiß, dass man töten kann, ohne eine Strafe oder einen Vorwurf zu riskieren, tötet man; oder man lächelt zumindest denen, die töten, aufmunternd zu.“ „Entscheidung in Spanien“ ist gewiss keine einfache Lektüre. Die Vielzahl von Namen, literarischen Bezügen und Details des Kriegsgeschehens wirken überladen und stellenweise vermisst man den roten Faden. Dennoch fasziniert die kenntnisreiche und vielschichtige Abhandlung sicher nicht nur literaturhistorisch interessierte Leser als eine Reflexion über Bedeutung und Wirkung der Literatur in Zeiten politischer Extreme, verbunden mit der Frage, wie weit Schriftsteller und Reporter für ihre eigene politische Entscheidung gehen oder kämpfen sollen.
Dieses Buch war für mich herausfordernd und gleichzeitig sehr spannend. Ich muss zugeben, dass ich recht wenig über den Spanischen Bürgerkrieg wusste - und noch weniger darüber, wie die Literatur- und Künstlerszene in diesem mitgewirkt hat. Paul Ingendaay hat es geschafft, den Krieg aus der Sicht von Poeten, Fotografen und Schriftstellern zu zeigen und mir so das ganze Thema näher gebracht. Eins ist klar: das ist nichts für schwache Nerven. Deshalb brauchte ich auch einige Zeit, um mich teilweise durch die Geschehnisse durch zu quälen. Manchmal war es schwer, bei den ganzen verschiedenen Namen und Orten dabei zu bleiben (wobei bei den Orten die Karte im Buch gut geholfen hat). Der Schreibstil dagegen war sehr gut zu lesen und auch die kurzen Kapitel waren hilfreich. Völlig überwältigt hat das Buch mich zwar nicht, aber ich bin trotzdem froh, dass ich es gelesen habe und mich jetzt mit dem Spanischen Bürgerkrieg besser auskenne.