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Feindbild Frau: Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und verdrängt werden – und was wir alle dagegen tun können

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Gewaltdrohungen, digitale Hetzkampagnen, hämische Bildmontagen – was nach den dunklen Rändern des Internets klingt, ist für viele Politikerinnen bitterer Alltag geworden. Ingrid Brodnig legt in ihrem neuen Sachbuch schonungslos offen, wie systematische Einschüchterung Frauen aus der politischen Öffentlichkeit drängen soll und was das für unsere Demokratie bedeutet. Sie hat mit Abgeordneten und hochrangigen Politikerinnen aus Deutschland und Österreich gesprochen, dokumentiert konkrete Angriffe und analysiert, wie digitale Gewalt funktioniert – oft angeheizt durch rechte Netzwerke, die Logik von Social-Media-Plattformen und opportunistische Medienmechanismen.
Doch Brodnig geht über die Analyse Sie zeigt Wege auf, wie Betroffene sich schützen können – rechtlich, technisch, strategisch. Und sie appelliert an uns alle, als Bürgerinnen und Bürger Verantwortung zu übernehmen. Denn wer schweigt, überlässt das Wort den Lautesten. Ein mutiges, kluges und hochaktuelles Buch – für alle, die Demokratie nicht den Angstmachern überlassen wollen.

207 pages, Kindle Edition

Published February 18, 2026

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About the author

Ingrid Brodnig

9 books10 followers

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Selina Wienerroither.
2 reviews1 follower
April 3, 2026
als politisch aktive frau war es wichtig zu lesen, weil erfahrungen nochmal als kollektiv dargestellt wurden. find auch die juristischen bezüge toll und extrem hilfreich.

während dem lesen war ich aber die ganze zeit stutzig und wusste nicht genau, was mich stört. was aber vermutlich mein problem war, ist dass der sich immer weiter normalisierende rechte diskurs die übergeordnete ursache für diesen hass gegen frauen ist, aber im buch nie als die solche beschrieben wurde. zwar hat brodnig vorrangig über recht(sextreme) täter gesprochen, aber dass das feindbild frau von rechts kommt war nie konkret thema. zusätzlich hat mich das interview mit einer FPÖ-politiker etwas verwundert.
Profile Image for Sarah.
666 reviews10 followers
February 25, 2026
Sehr interessant, sehr informativ, kann ich nur wärmstens empfehlen!
6 reviews
March 6, 2026
Sehr gute Zusammenfassung über rechtliche Möglichkeiten bei Hass im Netz, sowie was darunter eigentlich fällt, und wie man es einteilt. Wichtige Auflistung von Möglichkeiten zur Gegenwehr bei digitalen Gewaltdelikten. Der Fokus liegt vor allem bei weiblichen Politikerinnen, die beschriebenen Probleme und Lösungsansätze lassen sich jedoch unabhängig von Geschlecht übertragen/anwenden. Definitv ein gutes Buch, um einen Einstieg für Rechte im Internet zu bekommen. Weiters eine gute Erinnerung, welche Gewalt um uns herum täglich passiert, und was die Auswirkungen davon sind.
44 reviews
May 3, 2026
Ingrid Brodnig legt mit diesem Sachbuch eine eindringliche und hochaktuelle Analyse vor, die deutlich macht, wie sehr digitale Gewalt – insbesondere gegen Frauen – längst zu einem ernsthaften Problem für unsere Demokratie geworden ist.

Besonders erschreckend ist dabei die Vielzahl an konkreten Beispielen. Auch wenn man das Thema bereits aus den Medien kennt, wird einem hier noch einmal auf eindrückliche Weise vor Augen geführt, wie massiv und gezielt vor allem digitale, oft sexualisierte Gewalt gegen Frauen eingesetzt wird. Die Einzelfälle machen das Ausmaß greifbar und lassen die abstrakten Begriffe plötzlich sehr real erscheinen.

Ein großer Fokus liegt auf dem deutschsprachigen Raum, insbesondere auf Deutschland und Österreich. Dadurch wirkt das Buch besonders nahbar und relevant, weil es zeigt, wie Politikerinnen ganz konkret betroffen sind und unter welchen Bedingungen sie arbeiten müssen. Diese Einblicke sind nicht nur informativ, sondern auch alarmierend.
Profile Image for Jenni Zeller.
70 reviews11 followers
Review of advance copy
February 17, 2026
Was mir an diesem Buch besonders gefällt? Die hohe Aktualität des Themas, die wissenschaftliche Fundierung bei zugleich sehr guter Lesbarkeit, die spürbare Nähe zur Praxis und nicht zuletzt die gelungene Gestaltung durch den Brandstätter Verlag. In “Feindbild Frau” gelingt es Ingrid Brodnig, analytische Schärfe mit konkreten Handlungsmöglichkeiten und persönlicher Erfahrungsnähe zu verbinden.

In 13 kompakten Kapiteln widmet sie sich digitaler Gewalt, insbesondere ihrer geschlechterspezifischen Dimension. Sie zeigt auf, dass Frauen deutlich häufiger von sexualisierter digitaler Gewalt betroffen sind, dass belastbare Statistiken zu queeren Personen vielfach fehlen und dass das Vorgehen gegen diese oft diffuse, schwer greifbare Form der Gewalt komplex ist. Digitale Angriffe sind nicht immer spektakulär oder eindeutig strafbar. Oft wirken sie subtil, kumulativ und zermürbend. Brodnig erklärt Phänomene wie den Chilling-Effekt (den schrittweisen Rückzug aus dem öffentlichen Raum infolge von Beleidigungen und Bedrohungen), die Rhetorik der tausend Nadelstiche oder das Paradox der Viralität, wonach negative, empörende Inhalte häufig besonders große Reichweite erzielen. Anhand von Fallbeispielen prominenter Politikerinnen wie Yvonne Magwas, Renate Künast, Beate Meinl-Reisinger oder Sigrid Maurer wird diese Vielschichtigkeit greifbar. Brodnig belässt es jedoch nicht nur bei der Diagnose des Problems: Neben der Analyse der brutalen und vulgären Ausprägungen digitaler Gewalt bietet sie konkrete Hilfsmittel (etwa One Sec oder Kobuk), nennt Anlaufstellen wie ZARA oder HateAid und empfiehlt Strategien wie Solidarität, Buddy-Systeme oder Supervision.

Ihre Perspektive bleibt dabei nicht bei individueller Bewältigung allein stehen. Immer wieder stellt sie systemische Fragen: Kann unser Rechtssystem den Eigenheiten digitaler, geschlechterbasierter Gewalt ausreichend gerecht werden? „Die Gesellschaft ändert sich, daher ändert sich auch die Kriminalität. Daher muss sich dann auch das Strafrecht mit ändern, sonst kann man diese Kriminalität nicht mehr miterfassen.“ (S. 144) Inwiefern sind Social Media-Plattformen überhaupt für demokratischen Austausch geeignet? “Ein Teil der digitalen Debatte ist kaputt. […] Wir führen wichtige gesellschaftliche, demokratische Debatten auf Plattformen, die absolut nicht dafür geeignet sind – deren Kurs zum Beispiel von Milliardären geformt wird, die offensichtlich ihre Geschäftsinteressen oder eigenen politischen Anliegen voranstellen.“ (S. 124) Wie können wir Opfern Schutz bieten, ohne die Frage der Verantwortung der Täter:innen aus dem Blick zu verlieren? Der zentrale Punkt des Buches und somit der Thematik liegt genau hier: Digitale Gewalt ist kein bloß individuelles Problem, das Betroffene durch Resilienztraining oder Social-Media-Verzicht lösen sollen. Sie ist ein strukturelles, demokratiepolitisches Problem. „[…] [Die Gefahr kann bei manchen Empfehlungen sein], dass Hasskommentare vorrangig als individuelles Problem dargestellt werden, dem man als Opfer geschickt begegnen sollte. Nein: Es ist ein strukturelles, gesellschaftliches Problem, und es braucht gesellschaftlichen Schutz.“ (S. 132) Gerade diese Verschiebung vom Individuellen zum Systemischen macht das Buch sehr relevant und spannend.

Meine vier größten Takeaways:

1. Digitale Gewalt ist demokratieschädlich.
Sie erzeugt Chilling-Effekte und drängt Menschen – insbesondere Frauen und Minderheiten – aus dem öffentlichen Diskurs. Wenn jene, die sich politisch engagieren oder gesellschaftlich einbringen, systematisch eingeschüchtert werden, wird demokratische Teilhabe faktisch eingeschränkt. Digitale Gewalt wirkt damit als Instrument von Kontrolle und Unterdrückung. Dabei wird Frauen häufig Kompetenz sowie das Recht auf die Existenz im öffentlichen / politischen Raum abgesprochen. Politikwissenschaftlerin Jessica Megarry: „Die Anwesenheit von Frauen in öffentlichen Räumen verstößt gegen die Beständigkeit der Trennung zwischen Öffentlichem/Privatem in patriarchalen Gesellschaften […].“ (S. 35)
2. Es existiert ein problematisches Entitlement gegenüber gewählten Vertreter:innen.
Politiker:innen sollen aushalten, sollen dienen, sollen robust sein. Yvonne Magwas bringt es auf den Punkt: „Wir sind kein Freiwild.“ (S. 13) Renate Künast spricht von einer „Hornhaut auf der Seele“ von Abgeordneten (S. 131). Doch selbst wenn professionelle Distanz möglich ist, bleibt die Frage legitim, wie viel emotionale Abhärtung wir gesellschaftlich erwarten dürfen. Schutz der Persönlichkeitsrechte ist Voraussetzung demokratischer Mitwirkung: „Denn eine Bereitschaft zur Mitwirkung in Staat und Gesellschaft kann nur erwartet werden, wenn […] ein hinreichender Schutz […] gewährleistet ist.“ (S. 112)
3. Social Media ist kein neutrales Abbild der Realität.
Soziale Medien fungieren oft als Zerrspiegel, in dem hyperaktive Minderheiten Diskurse dominieren können. Shitstorms repräsentieren beispielsweise selten die Mehrheitsmeinung, sondern werden häufig von hochmobilisierten Gruppierungen getragen. „[…] [Sie] spiegeln oft nicht die Einstellung des Durchschnittspublikums wider […]“. (S. 121)
4. Es gibt individuelle, aber auch gesellschaftliche Grenzen der Zumutbarkeit.
Nicht alles lässt sich abstrahieren oder „wegmoderieren“. Und nicht jede Belastung darf zur privaten Angelegenheit erklärt werden. Die Verantwortung, digitale Gewalt einzudämmen, darf nicht einseitig den Betroffenen auferlegt werden. Sie ist eine kollektive Aufgabe.

Insgesamt ist Brodnigs Buch ein wichtiger Beitrag zur Debatte um digitale Öffentlichkeit, demokratische Resilienz und geschlechterbasierte Gewalt. Es zeigt, dass digitale Räume nicht naturgegeben sind, sondern politisch und ökonomisch gestaltet werden – und damit auch veränderbar sind. Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung erinnert das Buch daran, dass demokratische Diskussionsräume Schutz brauchen. Nicht, um Kritik zu unterbinden, sondern um Teilhabe zu ermöglichen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Vika.
106 reviews1 follower
April 5, 2026
Jeden Tag werden neue Fälle (digitaler) Gewalt gegen Frauen publik, jüngst im Fall Fernandes/Ulmen. Und damit einhergehend wird auch der fehlende Schutz von Opfern offensichtlicher - sowohl juristisch als auch vor "Mehrhass", also einer Welle von (Cyber-)Mobbins seitens (meist) der Manosphere, die den vermeintlichen Täter in Schutz nimmt und das Opfer beleidigt und bedroht. Brodnig nimmt sich dieses Themas, was aktuell auch in der Sach-Literatur noch zu wenig Raum einnimt, in "Feindbild Frau" an und fokussiert sich insbesondere auf deutsche und österreichische Politikerinnen als Zielscheibe.

Das Buch ist relativ kurz und aufgeteilt in konkrete Beispiele und Interviews mit (teils anonymisierten) Betroffenen und ihrem Umgang mit den Vorfällen. Was viele gemein haben: Digitale Gewalt hat oft zur Folge, dass Frauen sich aus dem Internet zurückzuziehen. Was im Hinblick auf eine diversere politische Bühne katastrophal sein kann. Ein weiterer Teil beschäftigt sich damit, wie sich betroffene Politikerinnen zur Wehr gesetzt haben und welche Mittel ihnen geholfen haben, welche anderen Wege ihnen (meist juristisch) verwehrt geblieben sind und welche Kosten damit einhergehen. Der letzte Teil widmet sich Vorschlägen, wie sich Betroffene wehren können und welche Wege ihnen offen stehen.

Alles in allem ein wichtiges Buch und ein starker Schritt in die richtige Richtung. Meines Erachtens allerdings in der Umsetzung sehr lückenhaft:
- Zum einen wurden tatsächlich, soweit ich das rauslese, nur weiße cis Politikerinnen hinzugezogen. Weder migrantisierte noch trans oder nicht-binäre Politiker:innen wurden interviewt (dabei bin ich mir sicher, dass viele einverstanden gewesen wären, über ihre Erfahrungen zu sprechen und diese auch anders ausgefallen wären).
- Des Weiteren wurden viele Situationen rund um Gewalt(vorstellungen und -beschreibungen) oder Übergriffigkeiten beschrieben, ohne vorher eine CW gesetzt zu haben. In der Intro hätte ein solcher Hinweis ausgereicht. Ich empfand das als paradox, da sogar eine der Interviewten von Retraumatisierung gesprochen hat beim Lesen von an sie gerichtete Hassnachrichten. Die Autorin muss doch davon ausgehen, dass auch Betroffene dieses Buch lesen könnten und empfinde den Umgang als nachlässig.
- Die Tipps zum Umgang mit digitaler Gewalt halte ich auch für schwach bzw. nicht ausreichend. Zusammengefasst sind das etwa: Resilienz und Abstand zu Online-Hass entwickeln, sich ein Buddy-System aufbauen (eine andere Person liest bzw. managed die Social Accounts), sich offline treffen, klagen oder Orgas wie HateAid konsultieren und Therapie aufsuchen. Vieles davon ist mit Geld und Vernetzung verbunden oder bezieht sich auf die Regulierung des eigenen emotionalen Haushalts, was ich für lächerlich halte. Niemand, der in einer Ausnahmesituation steckt, wird das so ohne Weiteres hinkriegen.
- Das Buch ist generell sehr binär gehalten, obwohl trans oder nicht-binäre Personen 1-2 erwähnt werden. Gegendert wird dennoch nur wenige Male mit "PolitikerInnen" und ansonsten "Politiker und Politikerinnen".

Generell frage ich mich, wer die Zielgruppe dieses Buchs ist: Wenn es Betroffene sind, so hätte eine CW gesetzt werden müssen m.M.n. und das Buch wäre auch ohne konkrete Gewaltbeschreibungen ausgekommen, da Betroffene sich bewusst sind, wie digitale Gewalt aussehen kann. Die Tipps sind alle eher mager ausgefallen und richten sich an privilegiertere und gut vernetzte Personen. Ich persönlich konnte, außer einiger Statistiken und der fehlenden juristischen Grundlagen bei digitaler Gewalt, nichts Neues aus dem Buch ziehen.

Wenn die Zielgruppe wiederum Menschen außerhalb der feministischen Bubble sein sollen, um mehr aufzuklären, so finde ich den Titel nicht besonders effektiv gewählt.

Alles in allem ein schneller Read und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber nicht wirklich gut umgesetzt meiner Meinung nach.

Vielen Dank an Netgalley und Christian Brandstätter Verlag für das digitale Rezensionsexemplar für meine ehrliche Meinung.
Profile Image for Seitenmusik.
441 reviews26 followers
March 2, 2026
Mit „Feindbild Frau. Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und verdrängt werden – und was wir alle dagegen tun können“ legt Ingrid Brodnig im Brandstätter Verlag ein Buch vor, das ich nur schwer aus der Hand legen konnte. Als Journalistin und Digitalexpertin beschäftigt sie sich seit Jahren mit Desinformation, Hass im Netz und den Machtmechanismen sozialer Plattformen.

Meine Meinung

In ihrem neuesten Buch analysiert Brodnig, wie digitale Gewalt funktioniert, warum sie Frauen in der Politik besonders trifft und welche demokratischen Folgen das hat. Sie spricht mit Betroffenen aus Deutschland und Österreich, seziert Mechanismen von Plattformlogiken, rechten Netzwerken und Empörungsökonomien. Sie bleibt dabei aber nicht bei der Diagnose stehen, sondern entwickelt konkrete Strategien der Gegenwehr.

Was das Buch für mich so stark und nahbar macht, ist, dass es die unsichtbaren Konsequenzen für Betroffene von „Hass im Netz“ sichtbar macht. „Digitale Gewalt besteht nicht nur darin, dass mir jemand physisch etwas antun könnte“ (S. 25). Sie wirkt subtiler: durch ständige Angst, Schlaflosigkeit, durch den aktiven Rückzug aus dem Digitalen zum eigenen Schutz und dem der Familie (= „Chilling-Effekt“, S. 32).

Brodnig zeigt auch, wie Sprache Hierarchien stabilisiert. Wenn Politikerinnen systematisch Kompetenz abgesprochen oder sie auf ihre Intimsphäre reduziert werden, ist das kein „rauer Ton“, sondern Machtausübung. „Beleidigungen sind wirkungsvoll, weil sie uns Menschen signalisieren, welchen Stellenwert wir in der Gesellschaft haben“ (S. 39).

Analytisch überzeugt das Buch durch klare Struktur und nachvollziehbare Argumentation. Die Kapitel zu Plattformalgorithmen und „Reinforcement Learning“ (S. 42) haben für mich viel erklärt, etwa warum moralische Empörung so belohnt wird. Gleichzeitig bleibt Brodnig zugänglich, nie akademisch abgehoben. Ihre vielen Tipps – von rechtssicheren Screenshots über Buddy-Systeme bis hin zu strategischem Blockieren – machen das Buch praktisch nutzbar.

Kritisch anmerken möchte ich zwei kleinere Punkte: Die Beschränkung auf Deutschland und Österreich wirkt etwas willkürlich; eine Einbettung in den gesamten DACHLI-Raum hätte ich spannend gefunden, auch wenn das möglicherweise eine komplexere rechtliche Recherche nach sich gezogen hätte. Und ich schätze den Einsatz von Grafiken sehr, musste aber feststellen, dass die Grafik zur Viralitätswahrnehmung (S. 87) leider zu wenig erklärt wurde. Begriffe wie p-Wert oder Cohen’s d sind für Menschen (wie mich), die sich nicht tagtäglich mit akademischen Schriften auseinandersetzen, schwer greifbar. Auch die halbe Seite Erklärung zur Grafik im Fließtext war für mich wenig aufschlussreich.

Gestalterisch hingegen: großartig. Farbgebung, Layout, Kapitelhinweise auf jeder Seite – man merkt, wie sorgfältig hier gearbeitet wurde. Einzig die sehr feste Bindung machte das Lesen stellenweise leider sehr mühsam und erforderte eine enorme Kraftanstrengung.

Fazit

„Feindbild Frau“ ist ein analytisches, aber trotzdem sehr niederschwelliges, dringliches Buch über digitale Gewalt, Misogynie, Plattformmacht und demokratische Resilienz. Ich empfehle es allen (ja, nicht nur Frauen und auch nicht nur Politikerinnen), die verstehen wollen, warum Online-Hass kein Randphänomen ist und was wir konkret dagegen tun können. Danke an den Brandstätter Verlag für das Rezensionsexemplar.
Profile Image for Daniela.
218 reviews2 followers
February 27, 2026
In Feindbild Frau zeigt Ingrid Brodnig ein typischer Manier, Wissenschaftlich und empirisch fundiert auf, wie Frauen im Internet erfahren.
Sie geht darauf ein, welche Formen von Hass: insbesondere Androhung von Vergewaltigung, klein machen, Beschimpfungen in Bezug auf Geschlecht, Frauen im Netz erfahren.
Interessant sind für mich insbesondere die Arten von Hassrede gegen Frauen im Internet, im Gegensatz zu derjenigen gegen Männer - Frauen erfahren, insbesondere geschlechtsspezifische Herabwürdigung, Vergewaltigungsfantasien, dick picks… wer es bei Männern insbesondere Gewaltandrohung ist. Auch zeigt sie, sehr wichtig, auf, welche gesetzlichen Lücken (Gräben) immer noch vorherrschen, um entsprechende Gewaltfantasien und Gewaltandrohung oder Androhungen von Vergewaltigungen weiterhin vorherrschen. Dies macht es insbesondere den Opfern schwer, sich restlich zu wehren. Gleichzeitig wird diesen gesagt, sie soll sich ein dickeres Feld zu legen, was im Umkehrschluss auch aussagt, dass die Täter weitermachen können wie bisher. Aus meiner Sicht sehr schizophren!
Brodnig arbeitet mit sehr beeindruckenden Beispielen, insbesondere aus der Politik, um aufzuzeigen, wie schlimm solche Vorwürfe teilweise sind und wie schwer Opfer es haben, sich juristisch dagegen zu wehren.
Ein wie ich finde es sehr wichtiges und aufklärendes Werk, das nicht nur von Frauen und Betroffenen, sondern insbesondere von der ganzen Gesellschaft gelesen werden sollte.
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